Altersvorsorge: Was mach ich bloß? Rürup? ETF? DRV? gar nichts?

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    • Altersvorsorge: Was mach ich bloß? Rürup? ETF? DRV? gar nichts?

      Hallo Finanztip-Community,

      ich beschäftige mich schon eine ganz geraume Zeit mit dem Thema "Altersvorsorge" und ich muss sagen, wenn man alles selber machen "darf" wie ich als Freiberufler, dann ist das echt ein dickes Brett durch das man durch muss!

      Kurz zu mir: Ich werde dieses Jahr 50 mit Familie, arbeite freiberuflich als IT-Berater, wohne in einer Großstadt, habe gottlob einige Rücklagen, kein Wohneigentum und werde, wenn ich dann in Rente gehe aus früheren Angestelltenverhältnissen ungefähr 560€ p. M. erwarten dürfen.

      Das reicht natürlich nicht zum Leben. Ja, wirklich! :D

      Jetzt überlege ich, was ich so bis 67 an Altersvorsorge machen könnte:

      1) Rürup-Rente: Wirft kaum Zinsen ab, ich muss sehr alt werden, damit es sich für mich lohnt, die Steuerersparnis in den Jahren davor ist allerdings womöglich höher als die Steuerlast bei Rentenbeginn
      Finanztip bspw. schreibt in einem schon etwas älteren Artikel, dass ich bei Einzahlungsdauern < 20 Jahren eine Nettopolice im Gegensatz zu einem ETF-Spartplan nicht lohnen würde. Ist das so?

      2) Freiwillige Einzahlungen in die DRV. Darüber hab ich immer wieder nachgedacht, bin mir da aber sehr unsicher aufgrund meiner jetzigen Situation. Ich bin Solo-Freiberufler ohne Angestellte und es hält sich das hartnäckige Gerücht, dass wenn so einer sich bei der DRV meldet und gerne Mitglied werden möchte, dass er oder sie dann ein vollständiges Statusfeststellungsverfahren durchlaufen darf, welches in der Regel dazu führt, dass man als Scheinselbständiger eingestuft wird mit den Folgen, dass man bis zu 5 Jahre DRV-Beiträge nachträglich entrichten darf. Das dürfte sich bei mir auf locker 30k - 40k belaufen. Darauf hab ich natürlich keine Lust. Aber vieleicht weiß ja jemand, wie man dieses Problem umgehen kann oder rät mit ggf. gänzlich von der freiwilligen Mitgliedschaft ab?

      3) ETF-Sparplan. Das ist eine Sache, die schon seit einigen Jahren verfolge. Allerdings weiß man natürlich überhaupt nicht, wie zum Renteneintritt in 17 Jahren dann der Aktienmarkt stehen wird. Wenn man davon ausgeht, dass unser Geldsystem in diesen 17 Jahren zusammenklappt, sollte man natürlich nicht alles in so einen oder solche Sparpläne stecken. Würdet ihr so etwas zur Altersvorsorge weiter machen oder lieber etwas anderes.

      4) Oder man spart in irgendwelche Festgelder und kassiert mickrige 1% Zinsen, wenn's hoch kommt, ist sich allerdings (halbwegs) sicher, dass man das gesparte Geld auch sicher zum Rentenbeginn hat.

      Tja, "Was tun?", sprach Zeus, "Die Götter sind besoffen!" Welche Ideen bzw. Tipps habt ihr für mich. Ich danke Euch sehr im voraus!

      Beste Grüße aus der zweitgrößten, deutschen Großstadt,

      Didi
    • Nun, der selbständig Tätige, der keine Mitarbeiter hat (oder deren Lohnsumme nicht 450 Euro monatlich übersteigt) und der einen Hauptauftraggeber (5/6 der Aufträge) hat, der ist grundsätzlich rentenversicherungspflichtig.

      Wenn diese Voraussetzungen nicht vorliegen, dann kann man sich ruhig gegenüber der Rentenversicherung offenbaren. (Zu Meldepflichten und möglichen Bußgeldern schweige ich mich hier aus.)

      Wenn Beratung eher im Sinne von Schulung zu verstehen ist, dann wird es natürlich noch komplizierter, da Lehrer auch grundsätzlich rentenversicherungspflichtig sind.

      Ohne die Fakten zu kennen, empfehle ich grundsätzlich den Weg zur Rentenversicherung. Sache klären, beraten lassen (auch in Sachen Altersvorsorge).

      So, mehr fällt mir zu der Uhrzeit nicht ein. :sleeping:
    • dfahren schrieb:

      Ich bin Solo-Freiberufler ohne Angestellte

      Ob Sie ein Statusfeststellungs-Verfahren durchlaufen würden oder nicht, kann ich Ihnen nicht sagen.
      Allerdings befinden Sie sich als "Solo-Freiberufler" ohnehin im Fadenkreuz der jetzigen Regierungskoalition.

      Die Politik will Menschen wie Sie generell rentenversicherungspflichtig machen. An den von Ihnen skizzierten Umständen Ihres aktuellen Lebens zeigt sich einmal mehr, wie dringend notwendig diese Versicherungspflicht ist.
      Wenn Sie so weitermachen wie bisher, sind Sie der Kandidat Nr. 1 für Altersarmut.

      Meine Empfehlung: zahlen Sie so schnell wie möglich einkommensgerechte Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung ein.

      Sollten Sie tatsächlich 35.000 € nachzahlen müssen, würden Sie dafür nach heutigem Geldwert ca. knapp 5 Entgeltpunkte erwerben. Damit würden Sie Ihre gegenwärtigen Rentenansprüche um ca. 150 € - also um ca ein gutes Viertel steigern!

      Und diese Rentenansprüche sind dynamisch, d.h. im Wesentlichen passen sie sich an die Lohnentwicklung und damit an die Inflation an!

      Wenn Sie nach Zahlung einkommensgerechter Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung noch Geld übrig haben, kaufen Sie Aktien. Als IT-ler dürften Ihnen SAP, Microsoft, Amazon und Intel bekannt sein. Die können Sie alle kaufen und sich so ein schönes Zusatzkapital aufbauen.

      Viel Erfolg!
    • @muc und @Referat Janders vielen Dank Ihnen beiden für Ihre Antworten. Ich teile nicht ganz Ihre Einschätzung. Was mir allerdings klar geworden ist, dass das Thema nichts für ein Forum ist.
      Deswegen möchte ich mal anders fragen: Wohin kann ich mich wenden, damit man mich kompetent in dieser Sache berät. Ich danke für jeden Hinweis.
      Und nein, nein, nein, einfach so ohne Vorbereitung zur DRV tippeln und denen die Sachlage schildern ist m. E. ganz und gar nicht zielführend. Dann kann ich mir auch gleich nen Strick nehmen.
    • Es stimmt schon, im Forum ist es schwierig. Wir haben hier ein paar Aspekte des Sachverhaltes und den Rest reimen wir uns zusammen. Da sollte eine fachkundige Person mit ausreichend Zeit ihre Energie darauf verwenden.

      In Sachen Rentenversicherung könnte es ein Rentenberater sein. Vielleicht sollte es auch ein Anwalt bzw. eine Wirtschaftskanzlei sein. Falls Sie einen Steuerberater haben, kann der vielleicht auch ein paar Ansprechpartner empfehlen. Ein Steuerberater selbst wird in den meisten Fällen nur eingeschränkt helfen können.

      Warum Anwalt? (Und jetzt sind wir im Bereich von Mutmaßungen.) Das Zögern, sich an die Rentenversicherung zu wenden, legt für mich den Schluss nahe, dass die Paragraphen 190a und 320 SGB VI, das sind die Bußgeldvorschriften, relevant werden könnten. (Es ist zu hoffen, dass ich mich irre.) Durch das Herauszögern der ganzen Sache wird es aber auch nicht besser.

      Für 4 Jahre Regelbeitrag nachgefordert, da wären wir zusätzlich zu den laufenden Beiträgen bei rund 25.000 Euro, plus Säumniszuschläge. Das droht so oder so. Diese Frage würde ich geklärt haben wollen.

      Zur Begrifflichkeit "Statusfeststellungsverfahren": Das dient zur Klärung, ob es um eine Selbständigkeit oder eine Beschäftigung vorliegt. Wenn dabei herauskommt, dass Ihr Auftraggeber eigentlich Ihr Arbeitgeber ist, dann wird es für den teuer, nicht für Sie.

      Ansonsten gibt es für die Frage, wie man seine Altersvorsorge aufzieht, entsprechende Dienstleister. Wichtig ist an der Stelle, zu wessen Vorteil der Dienstleister tätig wird.

      Mehr kann ich nicht dazu beitragen.
      Viel Erfolg.
    • Noch ein Wort vll. zum Thema ETF-Sparplan, weil ich der Meinung bin, bevor man nichts oder zu wenig macht oder v.a. zu lange wartet vor lauter Unsicherheit: Ein ETF-Sparplan geht immer, solange man noch etwas Zeit hat.

      Erstens kannst Du das ETF-Depot gegen Ende der 17 Jahre anfangen zu entsparen, also schrittweise verkaufen und auf Tages-/Festgeld transferieren. Dadurch Aktienanteil zurücknehmen, Vola raus.

      Zweitens wirst Du das Geld nicht alles bei Rentenantritt brauchen. Sprich das ETF-Depot hat nicht 17 Jahre Zeit, sondern wesentlich länger, nämlich über Deine Rentenphase hinweg. Also kann das Entsparen = ETF verkaufen auch langsam während der Rentenphase passieren.

      Durch all das bist Du weitgehend unabhängig vom Zeitpunkt Deines Renteneintritts und der Frage, wo die Börse zu dem Zeitpunkt steht.

      PS: Von wegen Zusammenbruch Geldsystem - sind Aktien in dem Zshg. nicht auch Werte, die eben vom Geld ein Stück weit unabhängig sind?
    • Saidi schrieb:

      PS: Von wegen Zusammenbruch Geldsystem - sind Aktien in dem Zshg. nicht auch Werte, die eben vom Geld ein Stück weit unabhängig sind?
      Das ist ein frommer Wunsch, wird aber mMn nur zum Teil funktionieren. Ein Zusammenbrechen des Geldsystems bedeutet ein Wegbrechen von Nachfrage nach Gütern, damit von Umsätzen und Gewinnen. Da die Börsenkurse nach Ansicht der Fundamentalanalyse den zukünftigen Gewinnen folgen werden diese stark fallen. Selbst die Buchwerte werden so nicht erhalten bleiben, da diese nicht immer liquidierbar sind und bei Fehlen einer Nachfrage deren Wert dann auch nicht mehr so groß sind, wie sie heute angegeben sind.

      Einen gewissen Schutz gibt es mMn nur gegen mäßige Inflation, da dann über Preissteigerungen auch Gewinnsteigerungen und damit Kursgewinne möglich sind. Und in der momentanen Niedrigzinszeit sowieso, da die Renditen des Aktienmarkts aufgrund der Vermögenspreisinflation sehr gut sind / zumindest bis ins Jahr 2018 hinein waren.
    • Saidi schrieb:

      Zweitens wirst Du das Geld nicht alles bei Rentenantritt brauchen. Sprich das ETF-Depot hat nicht 17 Jahre Zeit, sondern wesentlich länger, nämlich über Deine Rentenphase hinweg. Also kann das Entsparen = ETF verkaufen auch langsam während der Rentenphase passieren.
      Das ist ein Aspekt, der nicht hoch genug eingeschätzt werden kann!!!

      Immer wieder lese ich von sogenannten "Experten" der Altersvorsorge, dass man gut daran tut, im Alter sich von Aktien zu verabschieden und in Festgeld umzuschichten.

      Was für ein hanebüchener Unsinn!

      Es wird so getan, als ob derjenige der in Ruhestand tritt, sofort sein volles Kapital zur 100-%-igen Verfügbarkeit braucht. Nichts liegt der Realität ferner.

      Es liegt in der Natur der Sache, dass man als Mensch im Ruhestand kein zusätzliches Kapital aus aktivem Einkommen mehr aufbaut, sondern von den Kapitalerträgen lebt und vielleicht sogar peu à peu das Kapital verzehrt (bzw. verzehren muss, wenn die Erträge nicht ausreichen).

      Aber das vollzieht sich in einem langsamen Abschmelzungsprozess - jedenfalls im Normalfall.
      Wer sich im Alter von 67 Jahren eine Segelyacht kaufen will, mag andere Bedürfnisse haben.

      Der "Otto Normalrentner" braucht einfach jeden Monat eine Zahlung zur Rente dazu. Und wenn das Aktiendepot groß genug ist, reichen vielleicht sogar die Dividenden aus, um die Versorgungslücke zu schließen.

      Im statistischen Mittel beträgt die Lebenserwartung heute deutlich über achtzig Jahre. Daraus folgt, dass die Ruhestandsphase leicht zwanzig Jahre oder sogar länger dauern kann. Es wäre völlig unvernünftig über einen so langen Zeitraum auf die positiven Wirkungen eines Aktiendepots zu verzichten, nur weil man Angst vor Kursschwankungen hat.
    • Kater.Ka schrieb:

      Das ist ein frommer Wunsch, wird aber mMn nur zum Teil funktionieren. Ein Zusammenbrechen des Geldsystems bedeutet ein Wegbrechen von Nachfrage nach Gütern, damit von Umsätzen und Gewinnen.

      Welches Szenario muss ich mir vorstellen, um zu einer solchen Aussage zu kommen? Was heißt "Zusammenbrechen des Geldsystems"? Können wir dann keine Semmeln mehr kaufen? Oder werden die staatlich zugteilt? Welche Staatsform werden wir dann haben? Eine Diktatur wie in Venezuela?

      Also vielleicht sollten wir etwas näher an der Realität bleiben...

      Meines Erachtens hat @Saidi etwas sehr richtiges gesagt: Aktien bedeuten eine Beteiligung an einem Industrieunternehmen. Ich bin davon überzeugt, dass SAP auch in zwanzig Jahren noch Unternehmenssoftware verkaufen, warten und weiterentwicklen wird. Genauso glaube ich, dass McDonalds auch in zwanzig Jahren noch Schnellrestaurants im Franchisesystem betreiben wird. Ferner meine ich, dass auch Nestlé in zwanzig Jahren weiterhin eine dominierende Stellung bei der Herstellung von Lebensmitteln haben wird.

      Deshalb bin ich u.a. an SAP, Nestlé und McDonalds mit durchaus - für meine Vermögensverhältnisses namhaften - Aktienpaketen beteiligt und freue mich jährlich (SAP, Nestlé) bzw. vierteljährlich (McDonalds) über schöne und stets steigende Dividenden.

      Da ist es mir ziemlich wurscht, ob es den Euro in zwanzig Jahren noch geben wird. Wenn der Euro platzt, werden die vorgenannten Unternehmen ihre Umsätze halt in der oder den Nachfolgewährungen erzielen. Alle drei Firmen sind heute schon weltweit tätig und machen Geschäfte auf dem gesamten Globus in zig verschiedenen Währungen.

      An einen weltweiten Zusammenbruch glaube ich allerdings nicht.
    • Ich gebe Euch beiden recht @Kater.Ka und @muc.

      Dass auch ein weltweiter ETF durch eine große Währungskrise stark in Mitleidenschaft gezogen wird, ist keine Frage. Meine Überlegung ist ähnlich wie die von @muc, dass auf lange Frist die Aktien des ETFs aber nicht zwingend mit einer Währung mituntergehen müssen. Sprich: Gibt es nicht eine recht hohe Wahrscheinlichkeit, dass der ETF sich aus dem Tal der Tränen wieder erholt, im Gegensatz zu der untergegangenen Währung?
      Das historische Vorbild wären doch Währungsreformen aus den 20er Jahren und Aktien, die danach noch etwas wert waren, oder?

      Klar, wenn wir über den totalen Zusammenbruch der Wirtschaftsordnung sprechen, reden wir evtl. über Gold - oder über einen Schrebergarten, in dem man etwas anbauen kann. Aber das ist mir zu radikal.

      Letztlich setze ich mit ETFs doch auf die Grundlage unseres Wohlstands, nämlich das langfristige Funktionieren eines kapitalistischen Wirtschaftssystems. Oh, jetzt habe ich das böse Wort Kapitalismus in den Mund genommen...
    • An den Aktien führt aus Diversifikationsgesichtspunkten kein Weg vorbei. Ich wollte mit meinem Beitrag thematisieren, dass in großen Wirtschaftskrisen Aktien eben auch stark gelitten haben. Zumindest in der deutschen Hyperinflation wäre man mit Aktien allerdings besser als mit Sparanlagen gefahren. Bei bewusster globaler Diversifikation wie von @muc beschrieben nimmt man auch noch ein Stück Risiko heraus.
    • Saidi schrieb:

      Klar, wenn wir über den totalen Zusammenbruch der Wirtschaftsordnung sprechen, reden wir evtl. über Gold - oder über einen Schrebergarten, in dem man etwas anbauen kann. Aber das ist mir zu radikal.
      In dem Szenario hilft Gold auch nicht mehr viel. Nur mal so: Mad Max war immer auf der Suche nach Benzin, nie nach Gold.

      Also muss der Zusammenbruch von allem aber sehr genau austariert sein, damit Gold neben der romantischen Verklärung eine begründete Relevanz entwickelt.

      Ansonsten haben die Vorredner alles gesagt. :thumbsup:
    • muc schrieb:

      Kater.Ka schrieb:

      Das ist ein frommer Wunsch, wird aber mMn nur zum Teil funktionieren. Ein Zusammenbrechen des Geldsystems bedeutet ein Wegbrechen von Nachfrage nach Gütern, damit von Umsätzen und Gewinnen.
      Ich bin davon überzeugt, dass SAP auch in zwanzig Jahren noch Unternehmenssoftware verkaufen, warten und weiterentwicklen wird. Genauso glaube ich, dass McDonalds auch in zwanzig Jahren noch Schnellrestaurants im Franchisesystem betreiben wird. Ferner meine ich, dass auch Nestlé in zwanzig Jahren weiterhin eine dominierende Stellung bei der Herstellung von Lebensmitteln haben wird.


      Deshalb bin ich u.a. an SAP, Nestlé und McDonalds mit durchaus - für meine Vermögensverhältnisses namhaften - Aktienpaketen beteiligt und freue mich jährlich (SAP, Nestlé) bzw. vierteljährlich (McDonalds) über schöne und stets steigende Dividenden.
      Eigentlich ist hier nicht der richtige Ort, um über einzelne Aktien zu diskutieren, aber ich beurteile die Dinge anders bzw. habe eine andere Sichtweise. Schon die Geschichte des römischen Reichs zeigt uns, dass es keine ewigen Imperien gibt - egal wie mächtig sie mal waren.

      Der einstige Marktführer in vielen Bereichen, IBM, weiß heutzutage selber nicht mehr so genau wo eigentlich die eigene Stärke und Zukunft liegt und schrumpft immer weiter. Okay, aktientechnisch gesehen sieht's immer noch gut aus, aber ich bin skeptisch, ob IBM wirklich fit für die Zukunft ist und sich schnell genug transformieren kann. Warum ich jetzt über IBM rede? Weil es SAP genauso gehen kann. Vielleicht entwickelt in 20 Jahren KI Software für Geschäftsprozesse, ohne teure SAP-Berater. Oder ein anderer Player krempelt den Markt komplett um.

      Das gleiche bei Nestle: Vielleicht setzt sich in ein paar Jahren die Erkenntnis durch, dass stark verarbeitete, zucker-, fett- und salzhaltige Produkte einen immensen Anteil an Gesundheitskosten (bzw. eher Krankheitskosten) verursachen und auch nicht gerade umweltverträglich sind (Stichwort Palmöl), so dass diese Produkte entweder verboten oder mit fetten Steuern belegt werden. In gewissen Ländern gibt's ja schon Ansätze in dieser Richtung.
      Klar, Nestle kann irgendwelche Biomarken aufkaufen, wie auch immer...

      Das mal als Denkanstöße.
    • Hallo, @dfahren,
      ich bin ein ganzes Stück älter, und ich kann Dir gern meine Erfahrungen sagen. Meine Einkünfte sind auch nicht sehr hoch, dadurch bin ich heute noch in der Lage keine Einkommensteuer zahlen zu müssen.
      Ich lege mein Geld in Aktienfonds an. Dabei habe ich keinen Sparplan gemacht, sondern durch Einmalanlagen in aktiven Fonds wie auch in ETFs. Einen kleinen Teil habe ich als Festgeld.
      Ich sehe es wie @muc, im Alter sollte man nicht auf Aktienanlagen verzichten. Allerdings sind es bei mir Fonds, da ich mir da ein geringeres Riesiko durch die breitere Streuung verspreche.
      Bei Riester ist mir die Rendite zu mickerig, habe ich deshalb nicht gemacht. Außerdem soll keine Versicherung noch an meiner Altersvorsorge mitverdienen.
      Soweit meine Erfahrungen, Gruß

      Altsachse
    • lieberjott schrieb:

      Schon die Geschichte des römischen Reichs zeigt uns, dass es keine ewigen Imperien gibt - egal wie mächtig sie mal waren.
      Völlig richtig.

      Deshalb habe ich auch noch 18 andere Aktien - außer den drei genannten. Das ist ja gerade der Sinn der Diversifikation, dass man seine Anlagen breit streut und nicht alles auf eine Karte setzt. Und natürlich kann es große und bekannte Unternehmen geben, die irgendwann von den Zeitläuften überholt werden oder in denen das Management gravierende Marktentwicklungen nicht erkennt. Nokia ist für mich so ein Beispiel und E.ON ein anderes.

      Wer es wie @Altsachse macht und wie es hier auf Finanztip auch empfohlen wird, kann mit ETFs eigentlich nicht viel falsch machen.

      Mich stört an den Index-Fonds, dass da immer auch Aktien enthalten sind, die ich als Einzelanleger nie kaufen würde, z.B. die deutschen Banken oder auch die Autohersteller. Die wären mir viel zu riskant und deshalb will ich sie nicht in meinem Portfolio. Die Folge meiner Selektion ist, dass ich seit vielen Jahren deutlich besser liege als der Index.

      Meine Hauptinformationsquelle ist die Zwei-Wochen-Postille des Stuttgarter Aktien Clubs. Über deren Empfehlungen habe ich viele - wenn auch nicht alle - meiner Aktien identifziert. Und dann muss man halt ein bisschen die Augen offen halten und nicht nur den Wirtschaftsteil der BILD lesen. Viel braucht es eigentlich nicht, um mit Aktien langfristig erfolgreich zu sein.

      Und für die Altersvorsorge sind sie ideal.
    • muc schrieb:

      Deshalb bin ich u.a. an SAP, Nestlé und McDonalds mit durchaus - für meine Vermögensverhältnisses namhaften - Aktienpaketen beteiligt und freue mich jährlich (SAP, Nestlé) bzw. vierteljährlich (McDonalds) über schöne und stets steigende Dividenden.
      Im März 2015 haben Sie geschrieben, dass Sie alle ihre McDonalds Aktien zu 90,20 Euro verkauft haben. Kurs heute 158 Euro. War also eine suboptimale Entscheidung. Gleichzeitig haben Sie geschrieben, dass Sie mit einem kleinen Teil des Erlöses bei Shake Shack eingestiegen sind, eine winzige aber sehr trendige Burger-Kette im Miniformat in den USA. Kaufkurs 44,17 USD, zwischenzeitlich bei gut 30 USD, Kurs heute 48 USD - kein so gelungener Tausch, oder?

      muc schrieb:

      Die Folge meiner Selektion ist, dass ich seit vielen Jahren deutlich besser liege als der Index.
      Ja klar, solche "Größten Finanzversteher aller Zeiten", hatten wir früher auch gelegentlich in der Bank. Die wurden dann natürlich auch alle mit einer Urkunde ausgezeichnet - wie bei McDonalds - statt Mitarbeiter des Monats eben der größte Finanzversteher des Monats. Ganz besonders gut war bei diesen Personen die selektive Wahrnehmung von Gewinnen und Verlusten. Ich frage mich bis heute, warum diese Genies nicht alle Fondsmanager geworden sind.
    • Oekonom schrieb:

      m März 2015 haben Sie geschrieben, dass Sie alle ihre McDonalds Aktien zu 90,20 Euro verkauft haben. Kurs heute 158 Euro. War also eine suboptimale Entscheidung. Gleichzeitig haben Sie geschrieben, dass Sie mit einem kleinen Teil des Erlöses bei Shake Shack eingestiegen sind, eine winzige aber sehr trendige Burger-Kette im Miniformat in den USA. Kaufkurs 44,17 USD, zwischenzeitlich bei gut 30 USD, Kurs heute 48 USD - kein so gelungener Tausch, oder?

      WOW - jetzt bin ich aber beeindruckt, mit welcher Akribie @Oekonom meine Beiträge hier über die Jahre hinweg archiviert.

      In der Tat hatte ich meine McDonalds-Position am 06.03.2015 mit hohem Gewinn vollständig aufgelöst. Meine ersten McDonalds-Papiere hatte ich am 30.07.2002 für 24,50 USD gekauft. Da ich im Laufe der Jahre immer wieder nachgekauft habe, war mein durchschnittlicher Einstandskurs natürlich höher. Trotzdem hat sich der Totalverkauf damals sehr gelohnt.

      Seinerzeit erschien es mir kritisch, dass sich das Wachstum wie in der Vergangenheit fortsetzt. Was ich Herrn @Oekonom nicht mitgeteilt habe - ich bitte dieses unverzeihliche Versäumnis zu entschuldigen - ist mein erneuter Einstieg bei McDonalds am 05.02.2016 - alos ein knappes Jahr später.

      Verkauft hatte ich 98,20 USD, gekauft habe ich zu 118,86 USD. Den Kursanstieg von über 20 Dollar pro Aktie habe ich in der Tat leider verpasst. Heute steht der Kurs bei 181,75 USD. Insofern freue ich mich über den Kursgewinn seit drei Jahren von knapp 53 %.

      Mein Engagement bei Shake Shack war von kurzer Dauer. Die Aktie war mir insgesamt etwas zu volatil (=stark schwankend). Ich habe am 06.03.2015 zum Kurs von 44,17 USD gekauft und am 20.08.2015 zum Kurs von 53,47 USD wieder verkauft. Das waren 21 % Kursgewinn innerhalb von 5 Monaten - eigentlich ganz ordentlich.

      Für meine Verhältnisse allerdings eher außergewöhnlich, da ich mehr der "Buy-and-Hold-Anleger" bin, der Aktien für "die Ewigkeit" kauft und nur selten Umschichtungen vornimmt. Aber es gibt halt keine Regel ohne Ausnahme.

      Weshalb @Oekonom - nach einer Phase der Ruhe - jetzt wieder auf mir herumhackt und mich in einem schlechten Licht darstellen will, weiß nur er selbst.

      Mir geht es mit meinen Beiträge darum, anderen Mut zu machen, sich an den Aktienmarkt heranzutrauen. Die Dinge sind bei weitem nicht so kompliziert, wie sie häufig dargestellt werden. Dabei maße ich mir nicht an, mich als "größter Finanzversteher aller Zeiten" zu fühlen. Ich trete dem Markt durchaus demütig gegenüber und weiß sehr wohl, dass ich mich schrecklich irren kann.

      Aber wenn man mehr als zwanzig Jahre als Privatanleger mit Aktien umgeht, dann lernt man auch, was wichtig ist und auf was man getrost verzichten kann.

      Ob ich als Fondsmanager performen würde, ist die große Frage. Mein Portfolio ist deutlich unter 1 Million Euro. Bei einem Investmentfonds fängt das Geschäft bei 100 Millionen überhaupt erst an, einigermaßen lohnend zu werden. Und wer gar Milliarden-Vermögen verwalten muss, der kann bei weitem nicht so erfolgreich sein wie ein Kleinanleger, weil ihm schon die schiere Masse des Anlagevolumens Probleme bereitet. Das ist so wie der Vergleich zwischen Schnellboot und Öltanker.

      Deshalb schaffen es auch die meisten Fondsmanager von aktiv gemanagten Fonds nicht, den Marktindex zu schlagen. Sie sind einfach zu groß und müssen noch ihre Kosten hereinholen. Klein und wendig ist einer meiner Erfolgsfaktoren. Und ich bin auch froh, dass ich nur für meine Kohle die Verantwortung trage. Mit OPM (=other people's money) möchte ich nicht umgehen.

      Also @Oekonom machen Sie sich über Ihre Fondsmanager in Ihrer Bank keine Sorgen. Die Jungs und Mädels tun ihr Bestes. Und sie müssen auch noch einen Gewinn für die Bank erwirtschaften. Besser würde ich es auch nicht hinkriegen.