Wie werde ich Mini-Honorarberater?

    • Wie werde ich Mini-Honorarberater?

      Hallo zusammen,

      ich habe schon länger das Problem, zu viel Zeit zu haben. Aktuell betreibe ich ein Fernstudium, das ist natürlich kein endloses Hobby, denn irgendwann habe ich das abgeschlossen.

      Jetzt geht mir der Gedanke durch den Kopf, das was ich (und viele von Euch) hier hobbymäßig betreiben, ein bisschen professioneller aufzuziehen. Wenn ich mich in meinem Freundeskreis so umsehe, sind viele Menschen schlicht überfordert, ihren Stromanbieter zu wechseln, haben keine Ahnung, ob ihre Haftpflichtversicherung zu ihnen passt, oder wissen nicht, was eine Direktbank ist und dass ein Depot dort Vorteile bringt. Alles Themen, bei denen ich sie unterstützen könnte, mit viel Geduld, hands on abends am Küchentisch. Ohne Garantie, dass ich das beste Produkt des Jahrtausends vorgeschlagen habe, aber mit einem messbaren Vorteil gegenüber der Vergangenheit.

      Natürlich bin ich kein Profiberater und 100 Euro pro Stunde (die ein Profi Wert ist, und mehr!!!) würde ich auch nicht verlangen. Ich möchte das Ganze auch nur neben meinem 100% Angestellenverhältnis betreiben. Ich bin aber allein beim Blick in mein engstes Umfeld überzeugt, einen Mehrwert leisten zu können, der zB 20 Euro pro Stunde Wert ist (wenn ich allein daran denke, was der Wechsel aus der Stromgrundversorgung bringt und wie lange er dauert, sind 20 Euro für mich ein prima Mehrwert, den ich schaffen könnte).

      Ich habe mal den Bund der Honorarberater gegoogelt. Das scheint mir sehr auf Aussteiger aus der Versichungsvertreterzunft zugeschnitten zu sein. Die Fähigkeiten eines Versicherungsvertreters habe ich nicht und werde ich nie haben. Ich will einfach hands on unterwegs sein und einen Mehrwert gegenüber dem Status Quo bringen, geographisch betrachtet auch sicher nur im näheren Umfeld. Und legal muss es sein, also nix Steuerhinterziehung oder so.

      Natürlich habe ich Haftungsrisiken als Berater. Kann man die irgendwie ausschließen? Gibt es Schulungen, die Sinn machen? Ist meine Einschätzung "Schulungen beim Bund der Honorarberater machen nur für Profis Sinn" richtig?

      Ich freue mich über jede Idee von Euch.
    • Hallo chris2702,

      die Ideen hatte ich auch einmal, habe es aber dann gelassen.
      Drei Aspekte dagegen:

      „Bei Geld hört die Freundschaft auf.“ Solange Sie im Verwandten- und Freundeskreis auf Nachfrage – der kennt sich da aus –unentgeltlich Ihren Rat geben, kann Ihnen keiner so richtig böse sein, wenn er nicht optimal war. Wenn man Geld verloren hat, kann man schon einmal darauf kommen, den Cousin zu verklagen. Ganz schlecht für das Familienklima.

      Viele dieser Beratertätigkeiten sind bestimmten Berufsgruppen bzw. Qualifikationen vorbehalten, vornweg die Rechtsanwälte. Die reagieren ziemlich sauer, wenn ihnen einer die Preise versaut. Im schlimmsten Fall kommt man in die Nähe von Ordnungswidrigkeiten.

      Auf jeden Fall sind von solchen Nebeneinnahmen Steuern zu bezahlen, je nach Fallkonstellation ggf. auch noch Sozialversicherungsbeiträge. Zum einen mindert es den Ertrag weiter, zum anderen haben Sie zusätzliche Arbeit.

      Nachdem ich mit diesen Überlegungen fertig war, habe ich mir gesagt, ganz oder gar nicht und für letzteres entschieden.

      Vielleicht findet sich in Ihrer Nähe ein Verein, der entsprechende ehrenamtliche „Berater“ sucht. Aber auch hier habe ich bei meiner eigenen Suche wenig gefunden. Auf diese „Beratertätigkeiten“ bei den Vereinen stürzten sich die unterbeschäftigten Rechtsanwälte, um daraus Mandate zu generieren.

      Bleiben Sie der Finanztip- Community treu.

      Gruß Pumphut
    • @chris2702 ich glaube auch, dass du auf jeden Fall einen Mehrwert schaffen würdest! Und die Ausgangssituation "nebenbei" ist ein Vorteil, weil du nicht darauf angewiesen bist, jemandem irgend etwas anzudrehen.
      Vielleicht gibt es bei der Arbeitsagentur eine Existenzgründungs- und Rechtsberatung, da ist ein Freund von mir mal gewesen und hatte Glück an jemanden vernünftigen geraten zu sein.

      LG

      PS. Ich hoffe dem Forum bleibst du trotzdem weiterhin treu ;)
    • Danke für eure ersten Einschätzungen. Ich habe das Thema ein wenig weiterverfolgt. Klar ist: Ich kann und darf weder in den Graubereich von Honorarberatern noch von Versicherungs- und Finanzanlagevermittlern kommen, schon gar ncht deren Arbeit machen. Denn das gibt mega juristischen Stress. Und das für 20 Euro Bruttostundenlohn, die ein Hobby darstellen sollen..... :cursing:

      Trotzdem sehe ich ein großes Potential für meine Idee. So viele Menschen sind in der Strom- und Gasgrundversorgung, einfach weil sie nicht wissen, wie leicht es ist da raus zu kommen. So viele Menschen tragen Überweisungsträger in die Sparkassenfiliale, einfach, weil sie keinen haben, der ihnen Onlinebanking erklärt. Hier regen sich die User über check24 auf. Ich behaupte, 50% der Deutschen wissen nicht einmal was ein Vergleichsportal ist, geschweige denn haben sie es genutzt.

      Ich müsste also meine Leistung juristisch sauber abgrenzen. Kann ich das? Was ist, wenn ich jemandem die Texte der Verbraucherzentrale und Finanztip zu ETF zeige, ihm helfe ein Onlinedepot zu eröffnen, zeige wie er es bedient und er mich dann fragt "welchen MSCI World soll ich denn nun nehmen?" Muss ich mich dann hinter Paragraphen verschanzen und das Haus verlassen? Mache ich mich strafbar, wenn ich mit ihm die Trackingdifferenzen notiere und er den MSCI World mit der besten TD auswählt (plus anderer Kriterien)? Und er dann in meiner Anwesenheit die Eingaben beim Onlinedepot macht?

      Aktuell bin ich motiviert aber skeptisch..... :thumbup:
    • chris2702 schrieb:

      Danke für eure ersten Einschätzungen. Ich habe das Thema ein wenig weiterverfolgt. Klar ist: Ich kann und darf weder in den Graubereich von Honorarberatern noch von Versicherungs- und Finanzanlagevermittlern kommen, schon gar ncht deren Arbeit machen.
      Hier gibt es ein großes Abgrenzungsproblem! Du bist ja dann wie ein gewerblich arbeitender Finanzberater tätig! Die Finanzfuzzis erbringen die von Dir als Hauptleistung anvisierten Beratungen / Tätigkeiten / Hilfestellungen häufig als Nebenleistung zu ihrer Haupttätigkeit, der Vermittlung von Versicherungen und Kapitalanlagen.

      Und diese Bereiche sind nun einmal - das hast Du ja selbst herausgefunden - gesetzlich reguliert. Wenn Du das als Nebengewerbe anmelden wolltest, würdest Du merken, dass sich das nicht lohnt. Zumindest nicht mit Deinem gutgemeinten
      20 € Stundensatz. Du müsstest eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung vorweisen, um das Gewerbeanmeldung durchzukriegen. Die Prämien dafür liegen je nach Versicherungsumfang und Selbstbehalt zwischen 750 EUR bis 1.500 EUR pro Jahr. Da würdest Du schon mal 75 Stunden arbeiten müssen, nur um nicht mit Verlust aus dem betreffenden Jahr rauszugehen. Das sind 6 1/4 Stunden pro Monat. Schon ganz schön engagiert für eine Nebentätigkeit.

      Und um überhaupt dem erlauchten Kreis der Finanzfuzzis angehören zu dürfen, müsstest Du eine Prüfung ablegen. Die 200 EUR Prüfungsgebühr sind dabei sicherlich noch der kleinste Posten. Aber die Ausbildungskurse, die zur Vorbereitung auf die Prüfung dringend zu empfehlen sind, kosten locker ein paar tausend Euro.

      Also dös is nix, was man nebenbei machen sollte.

      Ob es dann Sinn macht, sich auf die anderen Bereiche (Wechsel Stromanbieter, erklären Online-Banking usw.) zu stürzen, halte ich für zweifelhaft.

      also: ehrenwerte Idee - aber sehr wahrscheinlich nicht realisierbar.
    • Hm, da habe ich vielleicht noch eine Idee. Die ist nach meiner Einschätzung rechtlich nicht haltbar und wahrscheinlich auch nicht praktikabel, aber ich will sie dennoch erwähnen und die rechtliche Einordnung sollen die Juristen machen.

      Zur Herleitung: Irgendwann, halbwegs kurz nach Einführung des Rauchverbotes, wurde bei einer Kleinkunstveranstaltung folgende Umgehungsstrategie präsentiert:

      Es wurde ein Tisch mit Aschenbecher auf die Bühne gestellt und postuliert, wer auch immer an diesem Tisch sitzen und rauchen würde, der würde gar nicht tatsächlich sitzen und rauchen, sondern dieses nur spielen, als Laiendarsteller. Somit wäre das Rauchen eigentlich Schauspiel und somit durch die Freiheit der Kunst gedeckt.

      Wenn man die Zweifel an der Stichhaltigkeit dieser Argumentation beiseite lässt, dann wäre das Spielen eines "Mini-Honorarberaters" wohl auch von der Kunstfreiheit gedeckt.

      Wie gesagt, ich halte das nicht für tragfähig. :S
    • Ich würde die Flinte nicht ganz so schnell ins Korn werfen wollen.
      Gibt es nicht eine Ebene unterhalb der genehmigungspflichtigen Dienstleistungen:
      Wie organisiere ich meine Konten und meine Daueraufträge sinnvoll?
      Wie gewinne ich einen Überblick über meine Ausgaben?
      Wie lese ich die Ergebnisse von Vergleichsportalen kritisch?

      Ich verstehe die Abgrenzungsproblematik durchaus, aber gibt es nicht tatsächlich einen großen Hilfebedarf im Kontext alltäglicher Finanzen, der weder von umsatzorientierten Vermittlern noch von auf "große Angelegenheiten" ausgerichteten Rechtsanwälten/Versicherungs-/Honorarberatern abgedeckt wird?

      Wenn ein gesellschaftlicher Bedarf besteht, sollte man sich das genauer anschauen und erstmal nicht (total) von - zumeist von der Lobby mitaufgestellten - Zugangsbeschränkungen abschrecken lassen.
    • Saidi schrieb:

      Wenn ein gesellschaftlicher Bedarf besteht, sollte man sich das genauer anschauen und erstmal nicht (total) von - zumeist von der Lobby mitaufgestellten - Zugangsbeschränkungen abschrecken lassen.
      Hier sind meines Erachtens gesellschaftlich relevante Gruppierungen/Institutionen gefragt. Als Einzelner läuft man eine große Gefahr, dass man sich ein Bußgeld wegen einer Ordnungswidrigkeit einhandelt, wenn man auf diesem Gebiet neue Wege zu gehen versucht.

      Zuerst müssten Ausnahmetatbestände von den Zugangsbeschränkungen geschaffen werden, damit der Weg für den Einzelnen frei wird.

      Im Übrigen bin ich allerdings der Auffassung, dass es für die Idee von @chris2702 gar keinen Markt gibt.

      Meiner Einschätzung nach werden gerade die Menschen, die eigentlich der Hilfe bedürfen würden, nicht willens und/oder nicht in der Lage sein, die bescheidenen 20 EUR/Stunde zu bezahlen, die hier als Beratungshonorar aufgerufen wurden.

      Wäre es anders, hätten die Verbraucherzentralen mehr Erfolg.
    • Verstehe das Argument.
      Aber es wäre vll. anders, wenn

      a) es über Netzwerke organisiert wird. Früher hätte man dazu Nachbarschaftshilfe gesagt, heute wäre Social Media dazu wohl das Mittel der Wahl. Es dürfte auch nicht darum gehen, daraus ein Business zu machen. Sondern Hilfe anzubieten von Menschen, die dafür eine angemessene Aufwandsentschädigung (nebenberuflich) bekommen. Ob das jetzt 20€/h sind, sei mal dahingestellt.

      b) wenn eine vertrauenswürdige Organisation bzw. ein Name dahinter stünde. Deswegen u.a. kam die Idee hier bei Finanztip auf.
      Womit ich nicht sagen will, dass wir nun allgegenwärtig bekannt sind - aber ganz unbekannt sind wir nun doch nicht.