Riester als gutverdienendes Ehepaar

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    • Riester als gutverdienendes Ehepaar

      Hallo zusammen,

      ich bin Ende 20 und verdiene etwas über €100k Brutto im Jahr. Meine Frau auch Mitte/Ende 20 ca. €65k Brutto.
      Man sagt ja immer, dass sich Riester bei gutverdienenden Singles oder Kinderreichen Familien mit niedrigem Einkommen besonders lohnt.
      Wir überlegen demnächst mit der Familienplanung zu starten und mich würde es interessieren ob sich Riester auch bei Gutverdienern mit Kindern lohnt oder ob es da bessere Möglichkeiten zur Altersvorsorge gibt? ETF sparplan ist längst aufgesetzt mit >10% des Nettoeinkommens monatlich. Lohnt sich Riester überhaupt für uns?
      Vielen Dank für eure Hilfe!
    • Hallo.

      Ob sich Riester lohnt oder nicht, steht und fällt mit dem Produkt. Ein mistiges Produkt lässt sich auch mit Förderung nicht argumentieren.

      Wenn wir ein vernünftiges Produkt unterstellen, dann ist für den kinderreichen, aber einkommensschwachen Haushalt das Argument, dass es für wenig Eigenbeitrag viel an Zulage gibt.

      Beim einkommensstarken Haushalt geht die Zulage im Steuervorteil (Günstigerprüfung) unter, egal ob nur Grundzulage oder mit Kinderzulage.

      Bei einem Haushaltseinkommen von 165K reden wir über Spitzensteuersatz.
      Aber auch dann wäre die Rechnung "100 Euro Beitrag zahlen, um 42 Euro Steuern zu sparen".

      Ein vernünftiges Riester-Produkt kann dadurch profitabler werden, ggf. wäre ein ungefördertes Produkt aber noch profitabler.

      Pauschale Aussagen sind da nicht wirklich hilfreich.
    • Hallo Rentenfuchs,

      da muss ich denn doch mal gleich mehrere Lanzen brechen für den Riester:

      1. Man starrt zunächst immer nur auf die 175 € Zulage, die aus 1925 € Einzahlung die berühmten 2100 € Höchstbetrag machen. Ganz nett, aber die erkauft man sich ja auch mit Nachteilen - hauptsächlich bei der Flexibilität in späterer Verwendung und Produktauswahl. Aber das ist bei Gutverdienern nur der kleinere Punkt: Zusätzlich erhältst Du über die Steuererklärung im nächsten Jahr eine Erstattung von 700 € cash und steuerfrei auf die Hand (über den Daumen bei 42% Grenzsteuersatz). Wenn Du die wieder anlegst, sparst Du mit 1925 € Einsatz jährlich immerhin 2800 € an (für Paare jeweils die doppelten Werte).
      2. In der Rente wird der Fiskus dafür die Hand aufhalten. Aber vielleicht hast Du denn einen niedrigeren Steuersatz. (Wenn Du weiterhin so viel verdienst und ordentlich sparst, wird das bei Dir nicht der Fall sein, weil Dich Deine Kapitalerträge trotzdem über den Spitzensteuersatz schieben). Viel wichtiger ist aber, dass Du bis dahin 40 Jahre lang mit den gesparten Steuern arbeiten konntest. Mach damit mal eine Reihe in Excel mit Deinem angenommenen Anlagezinssatz und den Zinseszinsen.
      3. Ein weiterer Vorteil wird selten diskutiert: Bei Fonds, die in Riester-Verträgen liegen, wird die Vorabpauschale nicht fällig. Es bleibt bei der bisher üblichen Methode. Hier hast Du wieder einen Steuerstundungseffekt. Der Fiskus zieht Dir in der Sparphase weniger Geld aus den Fonds als bei einer freien Anlage. Diese Beträge dürfen sich über die Jahrzehnte weiter vermehren. Wieder der Zinseszins. Es soll Leute geben, die einen Riester-Vertrag ungefördert nur aus diesem Grund abgeschlossen haben.

      Wenn es mal soweit ist, gibt es noch die Kinderzulage. Wer richtig reinhaut, bekommt die 2100 € Höchstbetrag auch nur mit Kindern zusammen...

      Jetzt nur noch das richtige Produkt und Du könntest noch richtig glücklich werden mit Riester.

      Meint
      Guido (der keine Riester-Verträge verkauft)
    • Riester ist eigentlich ein gutes Produkt, nur ...

      bei den meisten Verträgen sind die Kosten hoch (selbst bei fairrrrriester für mein Empfinden)

      und

      bei der Rente wird nicht mit der Lebenserwartung gerechnet, sondern mit einer Sterbetafel (Lebenserwartung + 30 Jahre oder so). Sterblichkeitsgewinne für die Versicherer sind also einkalkuliert.

      Also:Man kann das gesamte Kapital vor Rentenbeginn entnehmen für die Entschuldung einer Immo, was man m.E. tun sollte.
    • Hallo @Rentenfuchs27,
      willkommen im Forum.
      Aber warum im Rentenalter umschichten ? Ich beziehe nun bald 20 Jahre Rente. Warum sollte ich die höhere Rendite bei aktiven Aktienfonds oder ETFs nicht mitnehmen ?
      Der einzige Grund, der mir einfällt, ist dass bei einen Rücksetzer der Aktien, die Verlußte geringer sind. Hat man aber Nachkommen, denen man etwas hinterlassen möchte, spielt das nach meiner Meinung keine Rolle.
      Gruß

      Altsachse
    • Mit der Umschichtung meine ich, dass beim Riester automatisch umgeschichtet wird, damit die garantierte Auszahlung gewährt wird. Meinen eigenen ETF werde ich natürlich nicht umschichten.
      Die Überlegungen von Pantoffelheld sind gar nicht mal so schlecht. Aber ich denke, dass wenn ich 80% meines Sparanteils wie Saadi es immer vorschlägt :) in ETFs stecke sollte ich somit die höchste Rendite erreichen und auch ein ordentliche Vorsorge damit erreichen. Vielen Dank für die ganzen Tipps!
    • @johannesD: Die Sterbetafeln sind nichts anderes als eine Berechnung, wann bei einer angenommenen Lebenserwartung noch wie viele Menschen eines Jahrgangs leben. Aus Sicht der Versicherung soll das so Fragen beantworten wie: Wenn 100 Leute des Jahrgangs 1975 heute bei mir in der Versicherung sind, an wie viele muss ich im Jahr 2063 noch Leistungen zahlen? Dabei muss sie in der Tat Sicherheitszuschläge kalkulieren, denn die Zahlungen soll sie ja verlässlich leisten können, auch wenn die Leute doch noch etwas länger gesund bleiben als heute gedacht. Oder weil Leute, die eine Rentenversicherung abschließen, im Schnitt länger leben als die anderen. Weil hier regelmäßig zu viel Puffer angesetzt werden muss, entstehen bei der Versicherung Überschüsse, die nach den "bewährten anerkannten versicherungsmathematischen von einem unabhängigen Treuhänder kontrollierten" Verfahren berechnet und zum Teil an die Versicherten ausgeschüttet und zum anderen als zusätzlicher Gewinn eingestrichen werden dürfen. Das Ganze ist nicht sonderlich transparent und so oder so weißt Du nicht, was dabei herauskommt. Von daher sollte man sich immer nur auf die garantierten Leistungen verlassen. Es gab auch schon Stimmen, dass die Versicherungen in der Vergangenheit mit viel zu optimistischen Sterbetafeln (optimistisch heißt hier: schneller tot) gerechnet haben und in der Zukunft Probleme bekommen könnten, die Verpflichtungen in der Zukunft zu erfüllen. Andere sagen, dass man die Erhöhung der Lebenserwartung nicht einfach so fortschreiben kann und eher mit einer Stagnation rechnen müsse oder sogar mit Rückgängen (in den USA ist das schon der Fall).

      Vorhersagen sind halt immer schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen.

      Die 30 Jahre waren wahrscheinlich eher so gemeint, dass eine Versicherung so kalkuliert, dass Du nach Renteneintrittsalter 67 im Schnitt noch 30 Jahre Leistungen beziehst. 97 zu werden klingt für die meisten von uns sehr viel, aber ich gönne es allen, die hier mitlesen. Und den Versicherungen gönne ich eine ausreichende Zahl von Leuten, die rechtzeitig vorher sterben, um das wieder auszugleichen. (Bei Lebensversicherungen wird es irgendwie immer schnell makaber, aber im Kollektiv betrachtet geht es noch...)