Stornierung Pauschalreise Musterschreiben

Coronavirus: Stornierung einer Pauschalreise

Musterbrief um Erstattung einzufordern

von der Experten-Redaktion von Finanztip

Fordere mit unserem Musterschreiben den Anbieter der Pauschalreise auf den Reisepreis zu erstatten.

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Was gilt bei Pauschalreisen?

Um eine Pauschalreise handelt es sich immer dann, wenn Du bei einem Reiseveranstalter mindestens zwei wesentliche Reiseleistungen zusammen gebucht hast, zum Beispiel Flug und Hotel. Grundsätzlich sind Pauschalreisende rechtlich besser abgesichert, als jemand der seine Reise individuell organisiert. Denn bei Pauschalreisen haben Kunden unter bestimmten Umständen das Recht, von ihrer Reise zurückzutreten, ohne den Veranstalter dafür entschädigen zu müssen. Das geht zum Beispiel immer dann, wenn „unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände“ (§ 651h Abs. 3 BGB) vorliegen, die die Durchführung der Pauschalreise erheblich beeinträchtigen.

Gilt für Dein Reiseziel eine weltweiten Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, hast Du juristisch gute Chancen, kostenlos zu stornieren und Dein Geld zurückzubekommen. Denn in der Vergangenheit haben sich Gerichte an den Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes orientiert und Reisewarnungen als „außergewöhnlichen Umstände“ eingestuft. 

Bevor Du aber von Dir aus stornierst, solltest Du Deinen Reiseveranstalter kontaktieren. Denn zahlreiche Unternehmen haben selbst viele ihrer geplanten Pauschalreisen storniert. So haben etwa die FTI GroupDER Touristik und  Tui alle Auslandsreisen bis zum 14. Juni abgesagt. Der Anbieter Alltours hat alle Fernreisen der Marken alltours, alltours-X und byebye bis zum 31. August gestrichen.

Auch Kreuzfahrten sind Pauschalreisen. Anbieter wie Tui Cruises und Aida Cruises haben ihre Reisen bis Ende Juli abgesagt, TransOcean bis zum 1. August. Für Reisen zu einem späteren Zeitpunkt gelten individuelle Regelungen. Das Auswärtige Amt rät „aufgrund der besonderen Risiken“ weiterhin davon ab, an Kreuzfahrten teilzunehmen. Ausgenommen sind Kreuzfahrten innerhalb des EU- bzw. Schengenraumes mit besonderen Hygienekonzepten.

Hilfe bei Ärger mit dem Veranstalter

Einige Veranstalter versuchen, Rückzahlungen für stornierte Reisen hinauszuzögern oder Kunden mit einem Gutschein oder einer Umbuchung abzuspeisen. Aber: Pauschalreisende sind nicht verpflichtet, Gutscheine zu akzeptieren. Die EU-Kommission hat die geplante Gutscheinlösung der Bundesregierung abgelehnt. Damit bleiben die bisherigen Regelungen geltendes Recht.

Falls Dein Reiseveranstalter Gebühren für die Stornierung verlangt, kannst Du Dich an die Verbraucherzentralen oder bei Reisen ins EU-Ausland an das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) wenden. Wichtig dafür ist, dass Du die Auseinandersetzung mit dem Anbieter schriftlich dokumentierst. Im Zweifel musst Du Deinen Anspruch vor Gericht einklagen.

Achtung: Entscheidend für die kostenlose Stornierung ist, dass die „unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umstände“ zum Zeitpunkt der Reise vorliegen. Mit anderen Worten: Reisen nach dem Ende der weltweiten Reisewarnung am 14. Juni kannst Du nicht einfach kostenlos stornieren. Findet Deine Reise später statt, musst Du darauf achten, ob die Reisewarnung für Dein Zielland verlängert wurde oder am Urlaubsort noch Einreisesperren oder Quarantänepflichten bestehen.

Kürzlich hat der Verbraucherverband VZBV ein Rechtsgutachten veröffentlicht, wonach auch Pauschalreisen ins Ausland, die bis Ende August stattfinden sollen, ohne Kosten storniert werden könnten. Grundlage für die Argumentation waren unter anderem die Aussagen von hochrangigen Politikern wie Außenminister Heiko Maas, wonach es keine Anzeichen gäbe, dass Auslandsreisen in nächster Zeit stattfinden könnten. Der Deutsche Reiseverband (DRV) konterte mit einem Gegengutachten: Wer jetzt schon seine Sommerreise storniere, müsse mit Stornokosten rechnen. Was gilt, ist noch nicht abschließend rechtlich geklärt. Unser Tipp: Verzögere weitere Zahlungen für die Reise. Und wenn Du anders nicht mehr weiterkommst, solltest Du Dich mit Hilfe einer Verbraucherzentrale auf das Gutachten berufen.

Wie haben die Gerichte in früheren Fällen entschieden?

Im Jahr 2003 grassierte in China schon einmal ein gefährliches Coronavirus, bekannt als SARS-Virus. Das Amtsgericht Augsburg urteilte ein Jahr später, dass dies ein ausreichender Grund für eine kostenlose Stornierung war, auch wenn die Reise nicht in das chinesische Gebiet führte, wo gehäuft Infektionen auftraten (Az. 14 C 4608/03 Er).

Das Amtsgericht berief sich dabei auch auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs. „Dabei dürfen die Voraussetzungen für eine Gefährdung von Leib und Leben des Reisenden im Interesse des berechtigten Sicherheitsbedürfnisses des Urlaubers nicht zu hoch angesetzt werden.“ Es genüge eine „erhebliche Wahrscheinlichkeit“, dass der Schaden eintritt. Die Reisenden erhielten den vollen Reisepreis zurück.

Zwar spielte auch eine Rolle, dass die Kläger schon über 60 waren und das Virus für über 60-Jährige besonders gefährlich war. Aber das Urteil zeigt, dass keine ausdrückliche Reisewarnung der Weltgesundheitsorganisation WHO oder des Auswärtigen Amtes erforderlich ist, um kostenlos stornieren zu können.

Nutze unser Musterschreiben, um Dir den Reisepreis Deiner Pauschalreise erstatten zu lassen.

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Muss ich Gutscheine akzeptieren?

Einige Reiseunternehmen bieten Kunden lediglich eine Erstattung ihrer Reisekosten in Form eines Gutscheins an, der für eine andere Reise beim gleichen Anbieter eingesetzt werden kann. Die Veranstalter versuchen damit, Kundenkapital im Unternehmen zu behalten und nicht massenhaft zurückzahlen zu müssen.

Die Bundesregierung hatte die EU-Kommission um eine Lockerung der bestehenden Regelungen gebeten, die es Kunden ermöglichen, nach einer Stornierung ihr Geld zurückzufordern. Auch bei Flügen, die unter die EU-Fluggastverordnung fallen, wollte die Bundesregierung Kunden verpflichten, Gutscheine zu akzeptieren. Da in beiden Fällen europäische Regelungen gelten, konnte Deutschland nicht allein entscheiden.

Mittlerweile hat die EU-Kommission beide Vorschläge abgelehnt. Sowohl für Pauschalreisen als auch für Flüge wird es keine europäische Gutscheinlösung geben. 
Stattdessen hat das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf beschlossen, um Gutscheine für Pauschalreisende attraktiver zu gestalten. Der Entwurf muss noch vom Bundestag beschlossen werden. Folgende Regeln sollen gelten:

  1. Gutscheine sollen fortan staatlich abgesichert sein, wenn der bestehende Insolvenzschutz der Reiseveranstalter nicht ausreicht. Die zusätzliche staatliche Garantie soll zeitlich befristet für die aktuelle Corona-Pandemie gelten. 
  2. Kunden, die ihren Gutschein nicht bis Ende 2021 einlösen, sollen den Reisepreis ausbezahlt bekommen.
  3. Auch Kunden, die vor dem 8. März eine Reise gebucht haben, sollen rückwirkend von den neuen Regelungen profitieren.

Weiterhin gilt: Kunden müssen die Wahl zwischen Gutschein und sofortiger Erstattung haben. Wer sich gegen den Gutschein entscheidet, bekommt sein Geld zurück. 

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