Arbeitsrecht während der Corona-Krise

Was im Job jetzt wichtig ist

Dr. Britta Beate Schön
Expertin für Recht
23. April 2021

Von zuhause arbeiten? Die Dienstreise verweigern? Auch in Zeiten von Corona dürfen Arbeitnehmer solche Entscheidungen nicht einfach selbst treffen. Aber was, wenn in Deinem Arbeitsumfeld jemand an Corona erkrankt? Und was ist mit Quarantäne, Schnelltests und Impfpflicht? Es gibt immer wieder neue Beschlüsse und Gesetze während der Pandemie, die das Arbeitsleben sicherer machen sollen.

Wir haben in diesem Artikel die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Job und Covid-19 für Dich zusammengestellt und aktualisieren ihn regelmäßig, um Dich immer auf den neusten Stand zu bringen.

Welche Ar­beits­schutz­stan­dards gelten für Dich?

Für Dich als Arbeitnehmer gilt grundsätzlich das Arbeitsschutzgesetz – auch in der Pandemie. Arbeitgeber müssen sich an dieses halten, um die Sicherheit und Gesundheit ihrer Beschäftigten zu gewährleisten. Zum 1. Januar 2021 wurde das Gesetz ergänzt: das Bundesministerium für Arbeit und Soziales darf nun in einer Pandemie spezielle, befristete Rechtsverordnungen erlassen, ohne dass der Bundesrat zustimmen muss (§ 18 Abs. 3 ArbSchG).

Davon machte das Ministerium mit der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung erstmals Gebrauch. Sie gilt bundesweit seit dem 27. Januar 2021 – und wurde bis zum 30. Juni verlängert. Die bisher geltenden Arbeitsschutzstandards von April 2020 wurden ergänzt. Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel in der Fassung vom 22. Februar 2021 konkretisiert die Anforderungen an den Arbeitsschutz. Diese Regelungen sind im Arbeitsleben zu beachten:

  1. Arbeitgeber müssen die Abläufe so organisieren, dass ihre Mitarbeiter möglichst wenig Kontakt zueinander haben und ein Mindestabstand von 1,50 Metern gewährleistet ist. Das gilt überall: im Freien, in Werkstätten, Büros, Geschäften – aber auch während der Pausen und in der Kantine. Wer zusammen im Auto unterwegs ist, muss eine medizinische oder eine FFP2-Maske tragen.
  2. In Arbeitsräumen muss regelmäßig gelüftet werden. Sogenannte CO2-Ampeln können helfen, die Luftqualität zu überprüfen. Im Sommer sollen mindestens zehn Minuten, im Winter drei Minuten die Fenster geöffnet werden.
  3. Arbeitgeber müssen Flüssigseife und Handtuchspender bereitstellen – am besten auch Desinfektionsmittel.
  4. Alle Arbeitnehmer sollten am besten in Einzelbüros arbeiten. Arbeiten mehrere Personen im gleichen Raum, müssen pro Person zehn Quadratmeter zur Verfügung stehen. Bei kleineren Räumen müssen ansonsten Absperrungen (zum Beispiel Plexiglasscheiben) aufgestellt werden (§ 2 Abs. 5 Corona-ArbSchV).
  5. In Betrieben ab zehn Beschäftigten sollen Arbeitnehmer in möglichst kleine, feste Arbeitsgruppen eingeteilt werden (§ 2 Abs. 6 Corona-ArbSchV).
  6. Größere Besprechungen mit mehreren Personen sollen Arbeitgeber durch Telefon- oder Video-Konferenzen ersetzen (§ 2 Abs. 3 Corona-ArbSchV). Ist das nicht möglich, sind im Besprechungsraum zusätzlich Absperrungen aufzustellen. Ordentliches Lüften ist eine Alternative.
  7. Laut Beschluss der Regierungschefs ist in allen Arbeits- und Betriebsstätten seit dem 1. Dezember ein Mund- und Nasenschutz zu tragen. Ausnahme: am eigenen Arbeitsplatz, sofern ein Abstand von 1,50 Metern zu den Kollegen sicher eingehalten werden kann. Gesichtsschutzschilde können Mund-Nase-Bedeckungen nicht ersetzen.
  8. Arbeitgeber müssen für alle Beschäftigten medizinische Gesichtsmasken oder FFP2-Masken zur Verfügung stellen, sofern der Mindestabstand von 1,50 Metern nicht eingehalten werden kann oder in zu kleinen Räumen gearbeitet wird (§ 3 Corona-ArbSchV). Weitere Informationen dazu findest Du in unserem Blog: Maskenpflicht, so geht´s.

Wenn Dir die Maßnahmen an Deinem Arbeitsplatz nicht ausreichend erscheinen, solltest Du darüber mit Deinem Chef oder Deiner Führungskraft sprechen. Weise dabei auf die Verordnung und die Standards hin, die einzuhalten sind. Hilft das alles nichts, kannst Du Dich an die für den Arbeitsschutz zuständige Aufsichtsbehörde in Deinem Bundesland wenden.

Zum Schutz vor Ansteckungen ins Homeoffice

Arbeitgeber sind verpflichtet, ihren Mitarbeitern Homeoffice anzubieten, wenn dem keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen. Das stand bisher in der Corona-Arbeitsschutzverordnung. Seit dem 23. April mit Inkrafttreten des Bevölkerungsschutzgesetzes findet sich die Regelung im Infektionsschutzgesetz (§ 28b Abs. 7 IfSG). Für Arbeitgeber ändert sich inhaltlich nichts; für Arbeitnehmer gilt eine leichte Verschärfung: Sie müssen nunmehr das Homeoffice-Angebot annehmen, wenn aus ihrer Sicht nichts dagegenspricht. Fehlt Dir die technische Ausstattung zu Hause oder findet sich kein ruhiger Arbeitsplatz in Deiner Wohnung, dürftest Du weiter im Büro arbeiten. Ansonsten musst Du ins Homeoffice.

Viele Unternehmen hatten schon aus Gründen der Fürsorge ihre Mitarbeiter zu Beginn der Corona-Pandemie ins Homeoffice geschickt – und das ist gerade bei Risikogruppen auch dringend anzuraten.

Hält sich Dein Arbeitgeber nicht daran, kannst Du Dich an die Aufsichtsbehörden in Deinem Bundesland oder den Unfallversicherungsträger, im gewerblichen Bereich an die Berufsgenossenschaften wenden (§ 17 Abs. 2 ArbSchG). Die Regelung in der Verordnung verschafft Dir jedoch kein Klagerecht auf Homeoffice vor den Arbeitsgerichten – und Dein Arbeitgeber riskiert auch kein Bußgeld.

Ganz konkret sollte Dein Arbeitgeber Regeln zu den Arbeitszeiten und zur Erreichbarkeit festlegen, denn auch im Homeoffice gilt das Arbeitszeitgesetz. Außerdem solltest Du genaue Anweisungen bekommen, wie Du zum Beispiel Deinen Arbeitsplatz zuhause einrichtest, damit Du Dir nicht Deine Augen oder den Rücken ruinierst.

Wer ins Homeoffice darf oder muss, bekommt oft einen Laptop von seinem Chef. Dazu ist der Arbeitgeber aber nicht verpflichtet. Der Grund: In der Corona-Arbeitsschutzregel ist das Homeoffice während der Pandemie als mobile Arbeit definiert. Ein wichtiger Knackpunkt, denn nur bei der sogenannten Telearbeit sind Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, Dir zuhause einen Arbeitsplatz einzurichten (§ 2 Abs. 7 ArbStättV). Für mobile Arbeit gilt das nicht.

Homeoffice und Steuer - Musst Du Dich selbst um Deine Büroausstattung kümmern und etwas neu anschaffen, dann sind das Arbeitsmittel, die Du in der Steu­er­er­klä­rung angeben kannst. Das Finanzamt akzeptiert bei einem sowohl beruflich als auch privat genutzten Laptop pauschal die Hälfte der Kosten als Werbungskosten.

Bitte Deinen Chef um eine Bescheinigung, für welchen Zeitraum er die Arbeit im Homeoffice angeordnet hat. Dann kannst Du eventuell auch die Kosten für Dein häusliches Arbeitszimmer von der Steuer absetzen. Dazu musst Du den Raum zu mindestens 90 Prozent beruflich nutzen. Hast Du kein separates Arbeitszimmer und arbeitest am Küchentisch oder im Wohnzimmer, kannst Du keine Raumkosten absetzen.

Mit der neuen Homeoffice-Pauschale kannst Du in den Jahren 2020 und 2021 Steuern sparen, auch wenn Dein Arbeitszimmer zuhause nicht anerkannt wird. Du kannst für jeden Arbeitstag 5 Euro absetzen, den Du ausschließlich im Homeoffice arbeitest – allerdings nur für höchstens 120 Tage im Jahr, also 600 Euro. Die Pauschale wird auf die Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le angerechnet. Du profitierst also nur davon, wenn Deine Werbungskosten höher sind als 1.000 Euro. Die steuerlichen Voraussetzungen findest Du im Ratgeber Arbeitszimmer und weitere Informationen in unserem Ratgeber Homeoffice.

Corona-Schnelltests in Unternehmen

Neu:Arbeitgeber sind verpflichtet, allen Arbeitnehmern, die nicht im Homeoffice arbeiten, einmal pro Woche einen Schnelltest anzubieten. Ist das Infektionsrisiko besonders hoch, weil die Mitarbeiter jeden Tag mit sehr vielen Kunden in Kontakt kommen oder sogar direkten Körperkontakt haben, muss sogar zweimal in der Woche getestet werden. Das hat das Bundesarbeitsministerium als weitere Pflicht in die Corona-Arbeitsschutzverordnung aufgenommen (§ 5 Corona-ArbSchV).

Es bleibt den Unternehmen überlassen, wie sie die Tests organisieren – Schnelltests zuhause oder in der Firma. Sie können die Tests auch von einem Dienstleister oder einer Apotheke durchführen lassen. Die Testpflicht ist nach Veröffentlichung im Bundesanzeiger am 20. April 2021 in Kraft.

Die Kosten für die Schnelltests übernimmt Dein Arbeitgeber. Als Arbeitnehmer solltest Du Dich testen lassen, auch wenn Dich Dein Chef nicht zwingen kann. Das ist eine weitere Maßnahme, um die Pandemie einzudämmen. Eine Bescheinigung über den Test, die Du dann in einem Geschäft vorlegen könntest, muss Dir Deine Firma nicht ausstellen, fragen kostet aber nichts.

In Sachsen und Berlin gab es bereits eine Testpflicht in Unternehmen (§ 3a Sächsische Corona-Schutz-Verordnung; § 6a Berliner SARS-CoV-2-Infektionsschutzmaßnahmenverordnung).

Was tun, wenn Du Dich als Arbeitnehmer krank fühlst?

Solltest Du Husten, Atemnot oder leichtes Fieber haben, musst Du Dich umgehend bei Deinem Arbeitgeber krankmelden. Nur dadurch wird das Risiko eingedämmt, weitere Menschen anzustecken.

Wichtig: Du musst für eine Krankschreibung bei Anzeichen einer Erkältung nicht mehr persönlich zum Arzt – ein Telefonat reicht. Nach dem Gespräch darf Dich Dein Arzt bis zu sieben Tage krankschreiben, und falls erforderlich das nochmal um weitere sieben Tage verlängern. Die Regelung gilt bis zum 30. Juni 2021. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss entschieden.

Bist Du krankgeschrieben, bekommst Du bis zu sechs Wochen lang Dein Gehalt vom Arbeitgeber weitergezahlt (§ 3 EntgFG). Danach kannst Du Krankengeld bekommen.

Was passiert bei einem Corona-Fall in Deiner Firma?

Ein enger Kollege steht unter Corona-Verdacht? Dann wird Dich Dein Arbeitgeber wahrscheinlich ebenfalls sofort nach Hause schicken, um seiner Fürsorgepflicht nachzukommen. Er stellt Dich vorübergehend frei. Dein Gehalt bekommst Du weitergezahlt (§ 615 BGB).

Ist Dein Schnelltest in der Firma positiv, musst Du beim Gesundheitsamt oder bei einem Arzt in der Regel umgehend einen PCR-Test machen lassen. Bis zum Testergebnis musst Du Dich in Quarantäne begeben.

Falls sich der Verdacht bestätigt, sollte sich das Gesundheitsamt bei Dir melden. Die Kontaktdaten der für Dich zuständigen Behörde findest Du über die Datenbank des Robert-Koch-Instituts. Dein Gesundheitszustand wird für höchstens 14 Tage in häuslicher Quarantäne beobachtet. Währenddessen musst Du zuhause bleiben und Deine Kontakte stark einschränken, damit sich das Virus nicht weiterverbreiten kann. Aufgrund der neuen Virusvarianten gibt es derzeit keine Möglichkeit, die Quarantäne mit einem negativen Testergebnis zu verkürzen.

Für Menschen, die mit an Covid-19 erkrankten Personen in einem Haushalt leben, wird die Einschränkung der Kontakte bis zum 20. Tag empfohlen.

Bekommst Du unter Quarantäne weiter Gehalt?

Ob, wie viel und auch von wem Du Geld bekommst, während Du unter Quarantäne stehst, hängt unter anderem davon ab, ob Du von zuhause arbeiten kannst. Aber auch davon, weshalb Du in Quarantäne bist.

Grundsätzlich musst Du als Arbeitnehmer unter Quarantäne keine größeren Einbußen befürchten. Deine Firma zahlt Dein Gehalt weiter, da Du einem Beschäftigungsverbot unterliegst. Dein Vorgesetzter kann jedoch verlangen, dass Du zuhause arbeitest, falls das geht. Klappt das nicht, wirst Du als Mitarbeiter rechtlich so behandelt, als wärst Du krank. Es gibt also Lohnfortzahlung. Die entspricht in den ersten sechs Wochen etwa dem Nettolohn (§ 56 Abs. 2 IfSG), danach der Höhe des Krankengeldes.

Dein Arbeitgeber kann sich diese Zahlungen wiederum erstatten lassen (§ 56 Abs. 5 IfSG). Zahlt Dein Chef trotz Quarantäne nicht, kannst Du eine Entschädigung vom Staat einfordern. Bei welcher Behörde diese Zuschüsse zu beantragen sind, ist in jedem Bundesland etwas anders geregelt: In Hessen sind die Gesundheitsämter zuständig, in Nordrhein-Westfalen die Landschaftsverbände, in Bayern die Bezirksregierungen, in Mecklenburg-Vorpommern ist es das Landesamt für Gesundheit und Soziales. Am besten fragst Du bei Deinem Bürgeramt oder beim Gesundheitsamt nach.

Achtung: Musst Du in häusliche Quarantäne, weil Du Deinen Urlaub in einem Risikogebiet verbracht hast, dann bist Du dafür selbst verantwortlich. Welche Länder und Regionen aktuell darunterfallen, kannst Du auf der Seite des RKI nachlesen.

Du musst nach Deiner Rückkehr in jedem Fall für fünf Tage in Quarantäne. Denn einen Corona-Test darfst Du frühestens am fünften Tag der Quarantäne machen lassen. Fällt der Test negativ aus, kannst Du die Quarantäne vorzeitig beenden, ansonsten musst Du Dich insgesamt für zehn Tage isolieren. Kannst Du in dieser Zeit nicht zumindest im Homeoffice arbeiten, dann bekommst Du auch kein Geld von Deinem Arbeitgeber (§ 616 BGB).

Du bekommst für den Lohnausfall auch keine Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz, wenn Du wegen einer vermeidbaren Reise in ein Risikogebiet in Quarantäne musst (§ 56 Abs. 1 Satz 3 IfSG). Das ist mit dem Dritten Bevölkerungsschutzgesetz klar geregelt.

Mehr Informationen zu Risikogebieten und Reisewarnungen findest Du in unserem Ratgeber Corona und Reise.

Darf Dein Chef kürzere Arbeitszeiten oder Urlaub anordnen?

Dein Chef darf nicht einfach von Dir verlangen, dass Du nur noch jeden zweiten Tag zur Arbeit kommst oder nur noch vier Stunden am Tag arbeitest – auch nicht in der Corona-Krise.

Du kannst Dich aber mit ihm auf bestimmte Maßnahmen einigen, zum Beispiel darauf, dass Du Deine Überstunden abfeierst. Wichtig ist, dass Ihr gemeinsam gute Lösungen findet und dadurch Kündigungen vermeidet. Eventuell gibt es Kurzarbeitergeld. Mehr dazu im Ratgeber Kurzarbeit.

Das gilt für angeordneten Urlaub

Einfach in den Urlaub schicken darf Dein Arbeitgeber Dich nicht. Aber er darf Betriebsferien oder Betriebsurlaub anordnen – falls es einen Betriebsrat gibt, allerdings nur mit dessen Zustimmung. Mit der Anordnung von Betriebsferien legt ein Arbeitgeber den Erholungsurlaub für die gesamte Belegschaft auf einen einheitlichen Zeitraum. Das musst Du akzeptieren. Du musst in der Zeit nicht arbeiten, bekommst aber Dein Gehalt weitergezahlt.

Einzelne Mitarbeiter darf der Arbeitgeber nicht ohne deren Zustimmung in den Urlaub schicken – auch nicht, wenn er derzeit nicht genug Arbeit für sie hat. Du kannst Dich aber mit ihm darauf einigen, dass Du einen Teil Deines Urlaubs nimmst. Vielleicht kommt Dir das sogar entgegen, weil Du Dich gerade um Deine Kinder kümmern musst.

Das gilt für Deine Urlaubsplanung

Viele Urlaubspläne sind ins Wasser gefallen. Es ist verständlich, dass man sich die Urlaubstage aufsparen will für die Zeiten nach Corona, in denen man wieder verreisen kann. Doch mittlerweile dauern die Einschränkungen an, so dass Du auch dann Urlaub nehmen solltest, wenn Du nicht verreisen kannst.

Wie funktioniert Kurzarbeit?

Dein Arbeitgeber darf nicht einfach ohne Deine Zustimmung Kurzarbeit anordnen. In vielen Arbeitsverträgen gibt es dazu besondere Klauseln. Arbeitnehmer erklären sich mit ihrer Unterschrift unter dem Arbeitsvertrag dann für den Fall einer Krisensituation schon vorab mit Kurzarbeit einverstanden. Es kann aber auch eine Betriebsvereinbarung dazu geben oder Dein Chef informiert Dich über die Verkürzung der Arbeitszeit anlässlich von Corona.

Finanziell bist Du aber in aller Regel abgesichert, ohne arbeitslos zu werden. Du musst weniger arbeiten und bekommst deshalb zwar nicht Dein volles Gehalt – aber auf jeden Fall deutlich mehr als das, was Du eigentlich für Deine jetzt deutlich kürzere Arbeitszeit bekämest. Wer seine Arbeitszeit um die Hälfte reduzieren muss, bekommt zusätzlich zur Hälfte seines Gehalts das Kurzarbeitergeld. Das sind für Arbeitnehmer mit Kind 67 Prozent der Netto-Differenz zum regulären Gehalt und für alle anderen 60 Prozent.

Ab dem vierten Monat bekommen Eltern dann 77 Prozent des ausgefallenen Lohns gezahlt (Kinderlose: 70 Prozent), ab dem siebten Monat sogar 87 Prozent (Kinderlose: 80 Prozent). Den erhöhten Satz gibt es aber nur für diejenigen, die während der Kurzarbeit mindestens 50 Prozent weniger arbeiten.

Als Arbeitnehmer musst Du Dich grundsätzlich um nichts kümmern, Dein Arbeitgeber beantragt die Leistung und zahlt sie dann aus, auch die erhöhten Leistungen. Die Erhöhung des Kurzarbeitergeldes gilt nach dem Be­schäf­ti­gungs­si­che­rungs­ge­setz bis zum 31. Dezember 2021 für alle Beschäftigten, deren Anspruch bis zum 31. Juni 2021 entstanden ist.

Wer in Kurzarbeit ist, darf hinzuverdienen. Es lohnt sich seit Januar 2021 allerdings nur noch ein Minijob, da dieser nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet wird

Weitere Informationen haben wir in unserem Ratgeber Kurzarbeit für Dich zusammengestellt.

Was ist, wenn Deine Firma vorübergehend schließt?

Eventuell bekommst Du auch in diesem Fall Kurzarbeitergeld. Einen erleichterten Zugang dazu hat die Bundesregierung beschlossen, um Kündigungen zu vermeiden: Ein Betrieb kann bei der Agentur für Arbeit Kurzarbeitergeld beantragen, wenn mindestens 10 Prozent der Beschäftigten nicht zur Arbeit kommen können.

Diese Schwelle lag bisher bei 30 Prozent der Belegschaft. Neu ist auch, dass die Agentur die So­zial­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge übernimmt. Diese Regelungen zur Kurzarbeit gelten rückwirkend vom 1. März 2020 bis zum 31. Dezember 2021.

Saidi fasst die wichtigsten Informationen über das Kurzarbeitergeld während der Corona-Krise zusammen.

Zum Video

Wann gibt es einen Bonus für Arbeitnehmer?

Während der Corona-Pandemie gibt es nicht nur Arbeitnehmer, die in Kurzarbeit gehen, sondern auch solche, die mehr arbeiten oder größeren Risiken bei der Arbeit ausgesetzt sind. Anspruch auf einen Bonus hat außerhalb der Pflegeberufe keiner. Dein Arbeitgeber kann Dir aber als Dankeschön eine Sonderzahlung zukommen lassen. Dabei muss Dein Chef den allgemeinen Gleichheitsgrundsatz beachten; er darf also nicht nur einzelnen Mitarbeitern oder nur Vollzeitkräften die Sonderzahlung zukommen lassen.

Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist die Leistung bis zu 1.500 Euro steuerfrei. Auch in der Sozialversicherung bleiben die Zahlungen beitragsfrei. Die Regelung gilt für alle Arbeitnehmer, die zwischen dem 1. März und dem 30. Juni 2021 einen Corona-Bonus bekommen haben. Hat Dein Arbeitgeber im Jahr 2020 keinen Bonus gezahlt, kann er das noch nachholen. Darauf könntest Du ihn in Deinem Jahresgespräch hinweisen. Denn durch das Jahressteuergesetz 2020 ist die Frist für die Zahlung der steuerfreien Corona-Unterstützung bis zum 30. Juni 2021 verlängert worden.

Den Pflegebonus bekommen alle, die zwischen dem 1. März und dem 31. Oktober 2020 für mindestens drei Monate in einer zugelassenen Pflegeeinrichtung gearbeitet haben (§ 150a SGB XI). Wie hoch Deine Corona-Prämie ist, hängt davon ab, wie viel Stunden Du in der Pflege gearbeitet hast und in welcher Position – als Auszubildender, im freiwilligen sozialen Jahr, in Vollzeit oder Teilzeit. Der Bund zahlt bis zu 1.000 Euro, die Länder können die Prämie aufstocken. Hast Du Vollzeit gearbeitet, kannst Du bis zu 1.500 Euro insgesamt bekommen.

Bis zum 15. Juli 2020 sollte der Zuschuss an alle ausgezahlt sein, die bis zum 1. Juni 2020 die Voraussetzungen erfüllt hatten. Wer die Voraussetzungen erst bis zum 31. Oktober 2020 erfüllte, sollte die Corona-Prämie bis spätestens zum 15. Dezember 2020 auf seinem Konto haben. Ist bei Dir noch kein Geld angekommen, auf das Du Anspruch hast, solltest Du die steuerfreie Leistung bei Deinem Arbeitgeber unbedingt einfordern.

Was gilt für Eltern, die ihre Kinder betreuen müssen?

Wenn Eltern wegen der Betreuung ihrer unter zwölfjährigen Kinder nicht arbeiten können und einen Verdienstausfall erleiden, können sie eine staatliche Entschädigung erhalten (§ 56 Abs. 1a IfSG). Das gilt für folgende Fälle:

  • Die Kita oder Schule Deines Kindes ist ganz geschlossen.
  • Dein Kind darf nur an bestimmten Tagen die Einrichtung besuchen.
  • Dein Kind muss in häusliche Quarantäne.

Betroffene Eltern können in solchen Fällen 67 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens bekommen, allerdings höchstens 2.016 Euro (§ 56 Abs. 2 Satz 4 IfSG).

Nach dem Corona-Steuerhilfegesetz gibt es diese Unterstützung für Alleinerziehende bis zu 20 Wochen lang, bei Paaren sind es zehn Wochen pro Partner. Voraussetzung ist, dass Du keine anderweitige Betreuung organisieren kannst, etwa durch einen anderen Elternteil oder eine Notbetreuung. Du kannst die Entschädigung auch tageweise beantragen. Das Gesetz ist rückwirkend zum 30. März 2020 in Kraft getreten.

Beantragen musst Du die Entschädigung bei Deinem Arbeitgeber, der dann auch die Auszahlung für die ersten sechs Wochen übernimmt. Der wiederum kann einen Erstattungsantrag nach dem Infektionsschutzgesetz stellen. Sofern Du länger als sechs Wochen Entschädigung benötigst, musst Du für die restliche Anspruchsdauer Deinen Antrag direkt bei der örtlich zuständigen Behörde stellen. Weitere Informationen zur Antragstellung findest Du auf den Seiten des Innenministeriums.

Bekommst Du Kurzarbeitergeld, dann kommt die Betreuungsentschädigung für Dich nicht in Betracht. Deine Überstunden musst Du auch zunächst abbauen, wie das Bundesfamilienministerium mitteilt. Die Entschädigung gibt es nicht für die Zeiten, in denen die Schule oder die Kita ohnehin wegen der Schul- und Betriebsferien geschlossen hätte.

Zusätzliche Kinderkrankentage

Seit dem 5. Januar 2021 können Familien für die Kinderbetreuung während des Lockdowns 20 Tage Kinderkrankengeld pro Elternteil bekommen.

Das Bundeskabinett will im Rahmen des 4. Corona-Gesetzes die Kinderkrankentage um zehn zusätzliche Tage erhöhen. Jedes Elternteil soll dann Anspruch auf 30 Kinderkrankentage haben, Alleinerziehenden werden 60 Tage im Jahr gewährt. Die neuen Regeln müssen noch vom Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden.

Eigentlich zahlt die gesetzliche Kran­ken­kas­se nur, wenn Dein Kind krank zuhause bleiben muss und Du deshalb nicht arbeiten kannst. Der Anspruch gilt nunmehr auch dann, wenn Schule oder Kindergarten beziehungsweise die Klasse oder Gruppe Deines Kindes pandemiebedingt geschlossen ist, die Präsenzpflicht im Unterricht ausgesetzt oder der Zugang zum Betreuungsangebot eingeschränkt wurde. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die Kindergärten zwar geöffnet sind, die Eltern aber gebeten werden, ihre Kinder zuhause zu betreuen. Der Anspruch besteht auch, wenn Du im Homeoffice arbeitest. Damit wird eine echte Lücke zugunsten der Eltern geschlossen.

Das zusätzliche Kinderkrankengeld hat Vorrang vor der Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz (§ 45 Abs. 2a SGB). Beantragen kannst Du es bei Deiner gesetzlichen Kran­ken­kas­se – mit einer Bescheinigung Deines Kindergartens oder der Schule.

Zudem gibt es mehr Geld als nach dem Infektionsschutzgesetz: die Kran­ken­kas­se erstattet 90 Prozent Deines Nettogehalts bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Wer privat krankenversichert ist, hat keinen Anspruch auf zusätzliches Kinderkrankengeld.

Weitere Informationen für Eltern findest Du in unserem Ratgeber zur Kinderbetreuung in der Corona-Krise.

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Die wichtigsten Fragen zusammengefasst

Bekommst Du Gehalt, wenn Du unter Quarantäne stehst?

Was passiert, wenn es einen Corona-Fall in Deiner Firma gibt?

Darf Dein Chef kürzere Arbeitszeit oder Urlaub anordnen?

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