Coronavirus und Flugticket-Erstattung

Holen Sie sich Ihr Geld fürs Flugticket zurück

Dr. Britta Beate Schön Stand: 01. Juli 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Fällt wegen der Corona-Pandemie Ihr Flug aus, muss die Airline den Ticketpreis erstatten. Das gilt auch für Tickets, die nicht stornierbar waren.
  • Wenden Sie sich immer zuerst an die Airline, auch wenn Sie den Flug über ein Reiseportal gebucht haben.
  • Einen Gutschein können Sie, müssen Sie aber nicht akzeptieren.
So gehen Sie vor
  • Fordern Sie die Fluggesellschaft mit einer E-Mail auf, den Ticketpreis zu erstatten. Sie können dazu unser Musterschreiben verwenden.

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  • Falls Sie sich nicht selbst mit der Airline herumärgern möchten, können Sie ein Unternehmen wie Compensation2go, EUFlight oder Flightright damit beauftragen, für Sie die Erstattung einzutreiben. Bei Erfolg zahlen Sie eine Gebühr.

So manche Flugreise ist wegen der Corona-Pandemie ins Wasser gefallen. Bezahlt wurde jeder dieser Flüge, denn als Fluggast zahlen Sie immer schon im Voraus bei der Buchung – und zwar den vollen Preis. Müssen die Fluggesellschaften die Tickets jetzt erstatten?

Wer hat Anspruch auf Erstattung des Flugtickets?

Eine weltweite Reisewarnung vom Auswärtigen Amt, von den Ländern verhängte Einreisesperren: viele Airlines haben ihre Flüge annulliert. Und wenn Flugzeuge doch gestartet sind, dann oft mit sehr wenig Passagieren an Board. Auch Fluggäste haben oft Abstand von der Reise genommen – kein Wunder, denn Einreisende mussten am Ziel erst einmal für zwei Wochen in Quarantäne. 

Es gibt drei verschiedene Fälle, die rechtlich jeweils anders zu bewerten sind.

  1. Die Fluggesellschaft hat den Flug annulliert.
  2. Der Fluggast hat wegen Covid-19 storniert.
  3. Der Fluggast hat storniert, die Airline ist aber auch nicht geflogen.

Bei einigen Konstellationen ist ganz klar, ob und wie viel Geld Sie zurückbekommen. Über andere kann man streiten.

Fall 1: Die Airline hat den Flug annulliert

Hat die Fluggesellschaft Ihren Flug abgesagt – die Juristen sprechen dann von Annullierung –, dann muss die Airline Ihren Flugpreis in voller Höhe binnen sieben Tagen erstatten. Das ergibt sich aus der europäischen Fluggastrechte-Verordnung (Art. 5 Abs. 1a, Art. 8 Abs. 1a Fluggastrechte-VO).

Ansprüche auf Erstattung bestehen gegen europäische Fluggesellschaften und für gebuchte Flüge bei nicht-europäischen Airlines, die von einem Flughafen der EU aus starten sollten. Das gilt auch für den Fall, dass Ihre Airline den Flug wegen der Corona-Pandemie abgesagt hat.

Fall 2: Sie haben selbst storniert

Haben Sie selbst Ihren Flug storniert, etwa weil Ihnen die Reise wegen der Warnung des Auswärtigen Amtes zu riskant erschien, richten sich Ihre Ansprüche nicht nach der europäischen Fluggastrechte-Verordnung. Entscheidend sind vielmehr die Stornierungsbedingungen der Fluggesellschaft, mit der Sie fliegen wollten. Sie bekommen in aller Regel nur dann Geld zurück, wenn Sie ein flexibles, stornierbares Ticket gekauft haben.

Falls Sie einen nicht stornierbaren Flug gekauft und ihn nicht angetreten haben, dann haben Sie eigentlich nur Anspruch auf Rückerstattung der nicht angefallenen Steuern und Gebühren. Die sind auf Ihrer Rechnung separat ausgewiesen. Weitere Infos dazu finden Sie in unserem Ratgeber Flugstornierung.

In einigen Ländern gibt es jedoch besondere Regeln für die Stornierung wegen Corona. Danach sind die Fluggesellschaften verpflichtet, auch in diesen Fällen den Ticketpreis zu erstatten. Richtet sich Ihr Vertrag zum Beispiel nach italienischem oder spanischem Recht, können Sie wegen Corona kostenfrei stornieren, teilt das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) mit. Das ist dann der Fall, wenn in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) steht, dass spanisches oder italienisches Recht gelten soll. Finden Sie nichts dazu in den AGB, dann gilt das Recht des Landes, in dem Sie wohnen, wenn der Flug entweder dort startet oder landet.

Fall 3: Sie haben selbst storniert, aber der Flug fiel aus

In diesem Fall können Sie aus unserer Sicht ebenfalls die vollständige Erstattung des Ticketpreises verlangen. Voraussetzung für eine Erstattung nach der europäischen Fluggastrechte-Verordnung (wie in Fall 1) ist allein, dass die Fluggesellschaft den Flug annulliert hat. Völlig unabhängig davon, ob der Fluggast vorher storniert hat oder nicht. Das sehen einige Fluggesellschaften allerdings anders.

So fordern Sie die Erstattung

Schreiben Sie am besten die Airline an und verlangen Sie die Erstattung des Ticketpreises, wenn der Flug wegen Corona ausgefallen ist. Sie können dazu unser Musterschreiben verwenden.

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Haben Sie Ihren Flug über ein Buchungsportal oder einen anderen Vermittler gebucht, ist trotzdem grundsätzlich immer die Fluggesellschaft Ihr erster Ansprechpartner für die Erstattung, auch wenn Sie den Ticketpreis direkt an das Buchungsportal bezahlt haben. Es schadet aber nicht, sich schriftlich an die Airline und das Buchungsportal zu wenden. Einige Vermittler und Reiseportale sind allerdings in der Corona-Zeit nicht mehr erreichbar.

Wie verhalten sich die Airlines?

Der Branchenverband Airlines for Europe geht davon aus, dass es in Europa insgesamt um rund 9,2 Milliarden Euro an zu erstattenden Ticketkosten geht. Die europäischen Fluggesellschaften fordern deshalb von der Europäischen Kommission eine Anpassung der europäischen Fluggastrechte-Verordnung. Die Ansprüche auf Rückerstattung in der Verordnung seien nicht vorgesehen für massenhafte Flugausfälle aufgrund einer solchen Pandemie. Statt Erstattung wollen sie Gutscheine als einzige Erstattungsvariante anbieten können.

Einige Fluggesellschaften weigern sich derzeit, die Flugtickets zu erstatten, da es sich bei der Corona-Pandemie um außergewöhnliche Umstände oder höhere Gewalt handele. Das ist nicht zulässig. Selbst außergewöhnliche Umstände lassen den Erstattungsanspruch nicht entfallen.

Andere stellen zwar eine Zahlung in Aussicht, bitten aber wegen der angespannten wirtschaftlichen Lage in Folge der Corona-Krise um Geduld. So stellt Ryanair seinen Kunden, die sich gegen Umbuchung und Gutschein entscheiden, zu gegebener Zeit eine Rückerstattung in Aussicht, wenn diese noch nie dagewesene Krise vorüber ist. Unklar bleibt, wann Ryanair davon ausgeht, dass die Krise vorüber ist.

Air France hat die Fluggäste, die über ein Portal oder ein Reisebüro gebucht hatten, wegen der Erstattung des Ticketpreises an die Vermittler verwiesen. Das ist nicht zulässig. Nach der europäischen Fluggastrechte-Verordnung muss die Fluggesellschaft im Fall der Annullierung erstatten. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat Air France dazu abgemahnt.

Wieder andere bieten eine Umbuchung und statt Geld ausschließlich Gutscheine an. Die Lufthansa hat uns mitgeteilt, dass die geltenden Regeln der aktuellen Situation einer weltweiten Pandemie nicht gerecht werden. Erstattungen seien grundsätzlich möglich, aber nicht innerhalb der üblichen Fristen. Das Unternehmen Flightright hat mitgeteilt, dass es die Lufthansa AG und Ryanair vor dem Amtsgericht Frankfurt auf Erstattung des Ticketpreises verklagt hat, weil die Fluggäste keinen Gutschein akzeptieren wollten.

Eurowings hat schon ein erstes Urteil kassiert, wie EUFlight uns mitteilte: Das Amtsgericht Nürtingen hat kurzen Prozess gemacht und entschieden, dass die Airline den gesamten Ticketpreis erstatten muss für einen Flug nach Budapest, der wegen Corona ausgefallen ist (Az. 10 C 1810/20).

Condor-Fluggäste bekommen ebenfalls nur Gutscheine, falls sie vor dem 26. September gebucht hatten. Die Airline begründet das mit der Insolvenz der ehemaligen Konzernmutter Thomas Cook. Das Schutzschirmverfahren verbiete eine Erstattung bei Tickets, die vor dem Insolvenzantrag gebucht wurden, schreibt Condor an seine Kunden. Betroffene können entweder den Gutschein akzeptieren oder aber ihre Forderung zur Insolvenztabelle anmelden.

Muss ich einen Gutschein der Airline akzeptieren?

Die Rechtslage ist aus unserer Sicht eindeutig. Fluggäste müssen keinen Gutschein als Ersatz für den Ticketpreis akzeptieren, wenn der Flug ausgefallen ist. Sie haben also die freie Wahl. Sind Sie mit einem Gutschein einverstanden, dann kann die Airline auch so ihrer Erstattungspflicht nachkommen. Sind Sie nicht einverstanden, müssen Sie das Geld zurückbekommen. Die Europäische Kommission hat sich eindeutig so geäußert, um Rechtssicherheit zu schaffen.

Etwas anderes gilt für den Fall, dass Sie selbst storniert haben, weil Sie den gebuchten Flug wegen des Coronavirus (Covid-19) nicht antreten wollten, der Flug aber doch stattgefunden hat. Dann kann Ihnen die Airline eine Umbuchung oder einen Gutschein statt Erstattung anbieten. Den müssen Sie dann auch akzeptieren.

Um die Gutscheine für den Verbraucher attraktiver zu machen, hat die Europäische Kommission eine Empfehlung abgegeben: Die Gutscheine sollen mindestens zwölf Monate gültig und im Fall der Insolvenz geschützt sein. Nach Ablauf der Gültigkeitsdauer sollen Fluggäste eine Erstattung verlangen können.

Wer hilft, wenn die Airline nicht zahlt?

Weigert sich Ihre Fluggesellschaft, den Ticketpreis zu erstatten, sollten Sie sich schnell wehren. Denn es besteht immer die Gefahr, dass eine Airline infolge der Corona-Pandemie zahlungsunfähig wird. Dann haben Sie das Nachsehen und riskieren, ganz leer auszugehen. Ihre Erstattungsansprüche sind – anders als bei Pauschalreisen – für den Fall der Insolvenz derzeit nicht abgesichert.

Sie können sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) wenden. Dazu müssen Sie zuerst selbst die Fluggesellschaft ohne Erfolg angeschrieben haben. Die Schlichtungsstelle wird erst tätig, wenn zwei Monate nach Ihrem Schreiben erfolglos verstrichen sind. Sie müssen sich also ein bisschen gedulden.

Sie können sich auch an eine Verbraucherzentrale in Ihrer Nähe wenden oder an das Europäische Verbraucherzentrum, wenn Sie Ärger mit einer Airline aus einem anderen europäischen Mitgliedsstaat, Island, Norwegen oder dem Vereinigten Königreich haben.

Welche Unterstützung bieten Fluggasthelfer?

Fluggasthelfer sind eigentlich darauf spezialisiert, für Fluggäste Entschädigungsansprüche durchzusetzen, wenn sich der Flieger verspätet hat oder der Flug kurzfristig abgesagt wird. In der Corona-Krise geht es für viele Reisende nun aber nicht um eine Entschädigung, sondern um die Erstattung des vollen Ticketpreises – auch für frühzeitig annullierte Flüge. Damit haben bisher die wenigsten der Dienstleister Erfahrung. Dennoch bieten einige nun auch Unterstützung für Fluggäste an, die in der aktuellen Situation ihr Geld zurückwollen.

Wir empfehlen von diesen Fluggasthelfern Compensation2go, Flightright sowie EUFlight. Alle bieten das sogenannte Inkasso-Modell an. Das bedeutet, Sie beauftragen den Dienstleister und müssen dann abwarten, ob er Ihre Erstattung durchsetzen kann. Kosten für Sie entstehen nur dann, wenn der Dienstleister erfolgreich ist. Dann behält er einen Teil der Erstattung als Erfolgshonorar.

EUFlight bietet alternativ an, Ihnen als Sofortentschädiger Ihre Erstattungsforderung abzukaufen – dann bekommen Sie sofort die Ticketkosten abzüglich einer Gebühr überwiesen. Diese ist etwas höher als bei der Inkasso-Variante. Nach welchen Kriterien wir die Unternehmen ausgewählt haben, lesen Sie in hier.

Compensation2go (Corona-Ritter)
Ticketpreiserstattung in der Corona-Pandemie, Compensation2go GmbH, Bochum
  • Inkasso: Erfolgshonorar von 10 % inklusive MwSt.
  • bietet derzeit keine Unterstützung an, wenn der Fluggast selbst storniert hat
EUFlight
Ticketpreiserstattung in der Corona-Pandemie, EUFlight.de GmbH, Hamburg
  • Sofort-Erstattung: Honorar zwischen von 27,8 % bis 33,6 % inklusive MwSt. (abhängig von der Bonität der Fluggesellschaft und der Höhe des Ticketpreises)
  • Inkasso: kostenlos, wenn Airline innerhalb von 3 Wochen das Ticket erstattet; Erfolgshonorar von 27,8 % inklusive MwSt., wenn die Erstattung länger als 3 Wochen dauert und Klage erhoben werden muss
Flightright
Ticketpreiserstattung in der Corona-Pandemie, Flightright GmbH, Potsdam
  • Inkasso: kostenlos, wenn Airline innerhalb von 7 Tagen erstattet, ansonsten Erfolgshonorar zwischen 16,2 % bis 32,5 % inklusive MwSt.
  • bietet derzeit keine Unterstützung an, wenn der Fluggast selbst storniert hat

In welchen Fällen hilft Chargeback?

Es gibt keine Sonderregelungen der Kreditkartenunternehmen zu Erstattungsmöglichkeiten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie – es gelten also die allgemeinen Chargeback-Regeln.  

Wenn Sie Ihr Flugticket mit einer Kreditkarte bezahlt haben und auf Erstattung von der Airline warten, kann das Chargeback-Verfahren helfen. Dazu müssen Sie allerdings zunächst einmal selbst versucht haben, sich mit Ihrer Airline zu einigen. Erst dann, wenn Sie keinen Erfolg hatten, die Fluggesellschaft sich innerhalb von sechs Wochen nicht meldet oder eine Erstattung verweigert, können Sie die Zahlung über Ihre Kreditkarte zurückbuchen lassen. Dazu sollten Sie folgende Unterlagen bei Ihrer Bank einreichen:

  • Buchungsbestätigung
  • Ausgefüllter Reklamationsvordruck (Grund: Dienstleistung nicht erhalten)
  • Stornierungsbestätigung
  • Ihre Mitteilung an die Fluggesellschaft als Nachweis, dass Sie selbst einen Klärungsversuch unternommen haben

Eine Rückbuchung funktioniert nicht, wenn die Fluggesellschaft Ihnen einen Gutschein angeboten hat, den Sie nicht akzeptieren wollen. Hat nämlich der Händler eine Alternative angeboten, besteht die Gefahr, dass ein Chargeback abgelehnt wird.

Bewahren Sie in jedem Fall allen Schriftverkehr auf. Mehr Infos lesen Sie in unserem Ratgeber Chargeback.

So haben wir ausgewählt

Es gibt rund 30 Unternehmen, die ihre Dienste als Fluggasthelfer in Deutschland anbieten. Einige dieser Rechtsdienstleister bieten nunmehr in der Corona-Pandemie einen besonderen Erstattungsservice für die Ticketkosten an.

Im Juni 2020 haben wir deshalb acht Unternehmen angeschrieben und gefragt, ob sie einen Service zu Corona-Ticketerstattung anbieten. Dazu zählten die Anbieter, die wir aktuell bei der Durchsetzung von Fluggastrechten oder bei der Ticketerstattung empfehlen sowie die Anbieter, die uns auf ihren besonderen Corona-Service aufmerksam gemacht haben. Mit einem Fragebogen haben wir uns nach Kosten und Ablauf der Dienstleistung erkundigt sowie um eine rechtliche Einschätzung zu verschiedenen Fallkonstellationen gebeten.

Wir erhielten von drei Unternehmen eine positive Rückmeldung. Zwei davon empfehlen wir bereits als Sofortentschädiger für Entschädigungsansprüche nach der europäischen Fluggastrechte-Verordnung. Sie verfügen über die notwendige Erfahrung und die Kapazitäten, um den Corona-Service anbieten zu können. Außerdem empfehlen wir Flightright. Das ist ein großer und erfahrener Anbieter, den wir im Bereich der Fluggastrechte seit 2016 beobachten. Die Untersuchung ist vorläufig abgeschlossen.

Autor
Dr. Britta Beate Schön

Stand: 01. Juli 2020


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