Coronavirus und Flugticket-Erstattung

Hol Dir Dein Geld fürs Flugticket zurück

Dr. Britta Beate Schön Stand: 07. Oktober 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Ist wegen der Corona-Pandemie Dein Flug ausgefallen, muss Dir die Airline den Ticketpreis erstatten. Das gilt auch für Tickets, die nicht stornierbar waren.
  • Wende Dich immer zuerst an die Airline, auch wenn Du den Flug über ein Reiseportal gebucht hast.
  • Einen Gutschein kannst Du akzeptieren, musst Du aber nicht.
    So gehst Du vor
    • Fordere die Fluggesellschaft mit einer E-Mail auf, den Ticketpreis zu erstatten. Du kannst dazu unser Musterschreiben verwenden.

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    • Falls Du Dich nicht selbst mit der Airline herumärgern möchtest, kannst Du ein Unternehmen wie Compensation2go, EUFlight oder Flightright damit beauftragen, für Dich die Erstattung einzutreiben. Bei Erfolg zahlst Du eine Gebühr.

    So manche Flugreise ist wegen der Corona-Pandemie ins Wasser gefallen, vielleicht auch Deine. Bezahlt hast Du trotzdem, denn Fluggäste müssen immer im Voraus bei der Buchung zahlen – und zwar den vollen Preis.

    Wer hat Anspruch auf Erstattung des Flugtickets?

    Eine weltweite Reisewarnung vom Auswärtigen Amt und von den Ländern verhängte Einreisesperren waren Gründe, warum viele Airlines Flüge annulliert haben. Und wenn Flugzeuge doch gestartet sind, dann oft mit sehr wenig Passagieren an Bord. Auch Fluggäste haben oft Abstand von der Reise genommen – kein Wunder, denn in einigen Ländern mussten Einreisende erst einmal für zwei Wochen in Quarantäne oder nach der Rückreise vorläufig zuhause bleiben.

    Es gibt drei verschiedene Fälle, die rechtlich jeweils anders zu bewerten sind.

    1. Die Fluggesellschaft hat den Flug annulliert.
    2. Der Fluggast hat wegen Covid-19 storniert.
    3. Der Fluggast hat storniert, und die Airline ist auch nicht geflogen.

    Bei einigen Konstellationen ist ganz klar, ob und wie viel Geld Du zurückbekommst. Über andere kann man streiten.

    Fall 1: Die Airline hat den Flug annulliert

    Hat die Fluggesellschaft Deinen Flug abgesagt – man spricht dann auch von Annullierung –, muss die Airline Deinen Flugpreis in voller Höhe binnen sieben Tagen erstatten. Das ergibt sich aus der europäischen Fluggastrechte-Verordnung (Art. 5 Abs. 1a, Art. 8 Abs. 1a Fluggastrechte-VO).

    Anspruch auf Erstattung hast Du gegen europäische Fluggesellschaften und für Flüge von nicht-europäischen Airlines, die von einem Flughafen der EU aus starten sollten. Das gilt auch für Corona-bedingte Absagen.

    Fall 2: Du hast selbst storniert

    Hast Du selbst Deinen Flug storniert, etwa weil Dir die Reise wegen der Warnung des Auswärtigen Amtes zu riskant erschien oder Du nicht nach Deinem Urlaub in Quarantäne gehen wolltest, richten sich Deine Ansprüche nicht nach der europäischen Fluggastrechte-Verordnung. Entscheidend sind vielmehr die Stornierungsbedingungen der Fluggesellschaft, mit der Du fliegen wolltest. Du bekommst in aller Regel nur dann Geld zurück, wenn Du ein flexibles, stornierbares Ticket gekauft hast.

    Falls Du ein nicht stornierbares Ticket gekauft und den Flug nicht angetreten hast, dann bekommst Du eigentlich nur die Steuern und Gebühren zurück. Die sind auf Deiner Rechnung separat ausgewiesen. Weitere Infos dazu findest Du in unserem Ratgeber Flugstornierung.

    In einigen Ländern gibt es jedoch besondere Regeln für die Stornierung wegen Corona. Danach sind die Fluggesellschaften verpflichtet, auch in diesen Fällen den Ticketpreis zu erstatten. Richtet sich Dein Vertrag zum Beispiel nach italienischem oder spanischem Recht, kannst Du wegen Corona kostenfrei stornieren, teilt das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) mit. Das ist dann der Fall, wenn in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) steht, dass spanisches oder italienisches Recht gelten soll. Findest Du nichts dazu in den AGB, dann gilt das Recht des Landes, in dem Du wohnst, wenn der Flug entweder dort startet oder landet.

    Fall 3: Du hast selbst storniert, aber der Flug fiel aus

    In diesem Fall kannst Du aus unserer Sicht ebenfalls die vollständige Erstattung des Ticketpreises verlangen. Voraussetzung für eine Erstattung nach der europäischen Fluggastrechte-Verordnung (wie in Fall 1) ist allein, dass die Fluggesellschaft den Flug annulliert hat. Völlig unabhängig davon, ob der Fluggast vorher storniert hat oder nicht. Das sehen einige Fluggesellschaften allerdings anders.

    So forderst Du die Erstattung

    Du schreibst am besten die Airline an und verlangst die Erstattung des Ticketpreises, nachdem der Flug wegen Corona ausgefallen ist. Dazu kannst Du unser Musterschreiben verwenden.

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    Hast Du Deinen Flug über ein Buchungsportal oder einen anderen Vermittler gebucht, ist trotzdem grundsätzlich immer die Fluggesellschaft Dein erster Ansprechpartner für die Erstattung. Auch wenn Du den Ticketpreis direkt an das Buchungsportal bezahlt hast. Es schadet aber nicht, sich schriftlich an die Airline und das Portal zu wenden. Einige Vermittler und Reiseportale sind in der Corona-Zeit allerdings schlecht oder nicht mehr erreichbar und fühlen sich nicht zuständig.

    Wie verhalten sich die Airlines?

    Der Branchenverband Airlines for Europe geht davon aus, dass es in Europa insgesamt um rund 9,2 Milliarden Euro an zu erstattenden Ticketkosten geht. Die europäischen Fluggesellschaften fordern deshalb von der Europäischen Kommission eine Anpassung der Fluggastrechte-Verordnung. Die Ansprüche auf Rückerstattung in der Verordnung seien nicht vorgesehen für massenhafte Flugausfälle aufgrund einer solchen Pandemie. Statt Erstattung wollen sie Gutscheine als einzige Erstattungsvariante anbieten können. Viele Tausende Reisende warten noch auf ihr Geld.

    Einige Fluggesellschaften weigern sich derzeit, die Flugtickets zu erstatten, da es sich bei der Corona-Pandemie um außergewöhnliche Umstände oder höhere Gewalt handele. Das ist nicht zulässig. Selbst außergewöhnliche Umstände lassen den Erstattungsanspruch nicht entfallen.

    Andere stellen zwar eine Zahlung in Aussicht, bitten aber wegen der angespannten wirtschaftlichen Lage in Folge der Corona-Krise um Geduld. So stellt Ryanair seinen Kunden, die sich gegen Umbuchung und Gutschein entscheiden, zu gegebener Zeit eine Rückerstattung in Aussicht, „wenn diese noch nie dagewesene Krise vorüber ist“. Das Amtsgericht Nürnberg erteilte diesem Argument aber laut Flightright eine klare Absage. Ryanair ist nach Auffassung des Gerichts nicht berechtigt, die Erstattung wegen der Corona-Pandemie aufzuschieben (AG Nürnberg, Az. 1 C 3826/20).

    Air France hat die Fluggäste, die über ein Portal oder ein Reisebüro gebucht hatten, wegen der Erstattung des Ticketpreises an die Vermittler verwiesen. Das ist nicht zulässig. Nach der europäischen Fluggastrechte-Verordnung muss die Fluggesellschaft im Fall der Annullierung erstatten. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat Air France dazu abgemahnt.

    Wieder andere bieten eine Umbuchung und statt Geld ausschließlich Gutscheine an. Die Lufthansa hat uns geschrieben, dass die geltenden Regeln der aktuellen Situation einer weltweiten Pandemie nicht gerecht werden. Erstattungen seien grundsätzlich möglich, aber nicht innerhalb der üblichen Fristen. Das Unternehmen Flightright hat mitgeteilt, dass es gegen Lufthansa mittlerweile mehr als 20 Urteile erstritten hat. Dabei hat sich die Fluggesellschaft in der Sache gar nicht verteidigt, sondern vor Gericht die Forderung anerkannt. Nun hat auch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg Klage eingereicht gegen die Lufthansa wegen nicht erstatteter Tickets, weil sich die Airline nicht an die gesetzlichen Pflichten hält. Das Urteil steht noch aus.

    Eurowings und Laudamotion haben auch schon jeweils ein erstes Urteil kassiert, wie EUFlight uns mitteilte: Das Amtsgericht Nürtingen hat kurzen Prozess gemacht und entschieden, dass beide Fluggesellschaften jeweils den gesamten Ticketpreis erstatten müssen, die wegen Corona ausgefallen sind (Az. 10 C 1810/20, Az. 47 C 2626/20).

    Condor-Fluggäste bekommen ebenfalls nur Gutscheine, falls sie vor dem 26. September gebucht hatten. Die Airline begründet das mit der Insolvenz der ehemaligen Konzernmutter Thomas Cook. Das Schutzschirmverfahren verbiete eine Erstattung bei Tickets, die vor dem Insolvenzantrag gebucht wurden, schreibt Condor an seine Kunden. Betroffene können entweder den Gutschein akzeptieren oder aber ihre Forderung zur Insolvenztabelle anmelden.

    Musst Du einen Gutschein der Airline akzeptieren?

    Die Rechtslage ist aus unserer Sicht eindeutig: Fluggäste müssen keinen Gutschein als Ersatz für den Ticketpreis akzeptieren, wenn der Flug ausgefallen ist. Du hast also die freie Wahl. Bist Du mit einem Gutschein einverstanden, dann kann die Airline auch so ihrer Erstattungspflicht nachkommen. Bist Du damit nicht einverstanden, musst Du das Geld zurückbekommen. Die Europäische Kommission hat sich eindeutig so geäußert, um Rechtssicherheit zu schaffen.

    Etwas anderes gilt für den Fall, dass Du selbst storniert hast, weil Du den gebuchten Flug wegen Covid-19 nicht antreten wolltest, der Flug aber doch stattgefunden hat. Dann kann die Airline eine Umbuchung oder einen Gutschein statt Erstattung anbieten. Den musst Du dann auch akzeptieren.

    Um die Gutscheine für den Verbraucher attraktiver zu machen, hat die Europäische Kommission eine Empfehlung abgegeben: Die Gutscheine sollen mindestens zwölf Monate gültig und im Fall der Insolvenz geschützt sein. Nach Ablauf der Gültigkeitsdauer sollen Fluggäste eine Erstattung verlangen können.

    Wer hilft, wenn die Airline nicht zahlt?

    Weigert sich Deine Fluggesellschaft, den Ticketpreis zu erstatten, solltest Du Dich schnell wehren. Denn es besteht immer die Gefahr, dass eine Airline infolge der Corona-Pandemie zahlungsunfähig wird. Dann hast Du das Nachsehen und riskierst, ganz leer auszugehen. Deine Erstattungsansprüche sind – anders als bei Pauschalreisen – für den Fall der Insolvenz derzeit nicht abgesichert.

    Du kannst Dich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) wenden. Dazu musst Du zuerst selbst die Fluggesellschaft ohne Erfolg angeschrieben haben. Die Schlichtungsstelle wird erst tätig, wenn zwei Monate nach Deinem Schreiben erfolglos verstrichen sind.

    Du kannst Dich auch an eine Verbraucherzentrale in Deiner Nähe wenden oder an das Europäische Verbraucherzentrum, wenn Du Ärger mit einer Airline aus einem anderen europäischen Mitgliedsstaat, aus Island, Norwegen oder dem Vereinigten Königreich hast.

    Welche Unterstützung bieten Fluggasthelfer?

    Fluggasthelfer sind eigentlich darauf spezialisiert, für Fluggäste Entschädigungsansprüche durchzusetzen, wenn sich der Flieger verspätet hat oder der Flug kurzfristig abgesagt wird. In der Corona-Krise geht es für viele Reisende nun aber nicht um eine Entschädigung, sondern um die Erstattung des vollen Ticketpreises – auch für frühzeitig annullierte Flüge. Damit haben bisher die wenigsten der Dienstleister Erfahrung. Dennoch bieten einige nun auch Unterstützung für Fluggäste an, die in der aktuellen Situation ihr Geld zurückwollen.

    Wir empfehlen von diesen Fluggasthelfern Compensation2go, Flightright sowie EUFlight. Alle bieten das sogenannte Inkasso-Modell an. Das bedeutet, Du beauftragst den Dienstleister und musst dann abwarten, ob er Deine Erstattung durchsetzen kann. Kosten für Dich entstehen nur dann, wenn der Dienstleister erfolgreich ist. Dann behält er einen Teil der Erstattung als Erfolgshonorar.

    EUFlight bietet alternativ an, Dir als Sofortentschädiger Deine Erstattungsforderung abzukaufen – dann bekommst Du sofort die Ticketkosten abzüglich einer Gebühr überwiesen. Diese ist etwas höher als bei der Inkasso-Variante.

    Nach welchen Kriterien wir die Unternehmen ausgewählt haben, erklären wir am Ende des Textes.

    Compensation2go (Corona-Ritter)
    Ticketpreiserstattung in der Corona-Pandemie, Compensation2go GmbH, Bochum
    • Inkasso: Erfolgshonorar von 10 % inklusive MwSt.
    • bietet derzeit keine Unterstützung an, wenn der Fluggast selbst storniert hat
    EUFlight
    Ticketpreiserstattung in der Corona-Pandemie, EUFlight.de GmbH, Hamburg
    • Sofort-Erstattung: Honorar von 27,8 % bis 33,6 % inklusive MwSt. (abhängig von der Bonität der Fluggesellschaft und der Höhe des Ticketpreises)
    • Inkasso: kostenlos, wenn Airline innerhalb von 3 Wochen das Ticket erstattet; Erfolgshonorar von 27,8 % inklusive MwSt., wenn die Erstattung länger als 3 Wochen dauert und Klage erhoben werden muss
    Flightright
    Ticketpreiserstattung in der Corona-Pandemie, Flightright GmbH, Potsdam
    • Inkasso: kostenlos, wenn Airline innerhalb von 7 Tagen erstattet, ansonsten Erfolgshonorar zwischen 16,2 % bis 32,5 % inklusive MwSt.
    • bietet derzeit keine Unterstützung an, wenn der Fluggast selbst storniert hat

    In welchen Fällen hilft Chargeback?

    Es gibt keine Sonderregelungen der Kreditkartenunternehmen zu Erstattungsmöglichkeiten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie – es gelten also die allgemeinen Chargeback-Regeln.

    Wenn Du Dein Flugticket mit einer Kreditkarte bezahlt hast und auf Erstattung von der Airline wartest, kann das Chargeback-Verfahren helfen. Dazu musst Du allerdings zunächst einmal selbst versucht haben, das Geld von der Airline zu bekommen. Erst dann, wenn Du keinen Erfolg hattest, die Fluggesellschaft sich innerhalb von sechs Wochen nicht meldet oder eine Erstattung verweigert, kannst Du die Zahlung über Deine Kreditkarte zurückbuchen lassen. Dazu solltest Du folgende Unterlagen bei Deiner Bank einreichen:

    • Buchungsbestätigung
    • ausgefüllter Reklamationsvordruck (Grund: Dienstleistung nicht erhalten)
    • Stornierungsbestätigung
    • Deine Mitteilung an die Fluggesellschaft als Nachweis, dass Du selbst einen Klärungsversuch unternommen hast

    Eine Rückbuchung funktioniert nicht, wenn die Fluggesellschaft Dir einen Gutschein angeboten hat, den Du nicht akzeptieren möchtest. Hat nämlich der Händler eine Alternative angeboten, besteht die Gefahr, dass ein Chargeback abgelehnt wird. In jedem Fall solltest Du allen Schriftverkehr aufbewahren. Mehr Infos findest Du in unserem Ratgeber Chargeback.

    So haben wir ausgewählt

    Es gibt rund 30 Unternehmen, die ihre Dienste als Fluggasthelfer in Deutschland anbieten. Einige dieser Rechtsdienstleister bieten nunmehr in der Corona-Pandemie einen besonderen Erstattungsservice für die Ticketkosten an.

    Im Juni 2020 haben wir deshalb acht Unternehmen angeschrieben und gefragt, ob sie einen Service zu Corona-Ticketerstattung anbieten. Dazu zählten die Anbieter, die wir aktuell bei der Durchsetzung von Fluggastrechten oder bei der Ticketerstattung empfehlen sowie die Anbieter, die uns auf ihren besonderen Corona-Service aufmerksam gemacht haben. Mit einem Fragebogen haben wir uns nach Kosten und Ablauf der Dienstleistung erkundigt sowie um eine rechtliche Einschätzung zu verschiedenen Fallkonstellationen gebeten.

    Wir erhielten von drei Unternehmen eine positive Rückmeldung. Zwei davon empfehlen wir bereits als Sofortentschädiger für Entschädigungsansprüche nach der europäischen Fluggastrechte-Verordnung. Sie verfügen über die notwendige Erfahrung und die Kapazitäten, um den Corona-Service anbieten zu können. Außerdem empfehlen wir Flightright. Das ist ein großer und erfahrener Anbieter, den wir im Bereich der Fluggastrechte seit 2016 beobachten. Die Untersuchung ist vorläufig abgeschlossen.

    Autor
    Dr. Britta Beate Schön

    Stand: 07. Oktober 2020


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