Coronavirus und Reisen

Was die Corona-Krise für Ihre Reisen bedeutet

Max Mergenbaum Stand: 31. März 2020

Harte Einschnitte für Reisende: Viele müssen ihren geplanten Urlaub absagen. Andere, die schon im Ausland unterwegs waren, werden aufwändig zurückgeholt. Häufig gibt es kein Geld zurück für Zug, Flug oder Unterkunft. Die meisten klassischen Reiseländer haben für Touristen aus Deutschland Einreisebeschränkungen verhängt, der internationale Flugverkehr wurde drastisch eingeschränkt. Bereits am 17. März hat das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für alle Länder ausgesprochen.

Was gilt für Individualreisende?

Wer seine Reise selbst zusammenstellt, hat es oft schwerer als Pauschalurlauber, sein Geld zurückzubekommen. Die weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes hat die Situation von individuell Reisenden leider nicht verbessert. Einfach stornieren sollten Sie Hotel, Flug oder Mietwagen also nicht. Wie gut Ihre Chancen auf eine Erstattung stehen, hängt vom Einzelfall ab. Wie die jeweilige Gefährdung in verschiedenen Ländern und Regionen aussieht, können Sie jederzeit beim Auswärtigen Amt nachlesen.

Liegt Ihr Reiseziel in einem Sperrgebiet, fällt die Geschäftsgrundlage für den Anbieter Ihrer Unterkunft weg. Das gleiche gilt, wenn Ausgangssperren oder die Schließungen von touristischen Einrichtungen es Ihrem Gastgeber unmöglich machen, seine Dienstleistung zu erbringen. Hier müsste eigentlich der Anbieter selbst stornieren und Ihr Geld zurückerstatten. Nach deutschem Recht müssen Sie nicht für eine Unterkunft bezahlen, die Sie nicht nutzen können. Unter dieses Prinzip würden eigentlich auch Einreiseverbote fallen. Bei Auslandsreisen gehen Sie aber in der Regel einen Vertrag mit einem Eigentümer in dem jeweiligen Reiseland ein – für den das dortige Recht gilt.

Manche argumentieren, dass bei einer Buchung über ein Onlineportal mit Sitz in Deutschland auch deutsches Recht gelte. Das stimmt so aber nicht. Die meisten Buchungsportale wie zum Beispiel booking.com sind Vermittler. Das heißt, Sie schließen mit dem Portal einen Vermittlungsvertrag ab und dann noch einen Vertrag mit dem Anbieter Ihrer Unterkunft. Liegt Ihr Reiseort im Ausland, gilt das dortige Recht. Ansprechpartner ist dann nicht das Portal, sondern der Besitzer der Unterkunft.

Selbst wenn Sie nach ausländischem Recht Ansprüche haben, können Sie bei Vertragspartnern im Ausland meist schlechter Ihre Rechte durchsetzen. Sie müssen also immer auch auf die Kulanz Ihres Gegenübers hoffen. Setzen Sie sich deshalb vor einer Stornierung unbedingt mit Ihrem Anbieter in Verbindung und klären Sie, was möglich ist. Vielleicht können Sie sich einigen, zum Beispiel auf eine kostenlose Umbuchung oder einen Reisegutschein in Höhe des Reisepreises.

Möglicherweise finden Sie auf den Hilfeseiten der Vermittlungsportale Hinweise, wie Sie dabei am besten vorgehen. Zumindest die beliebte Buchungsplattform Airbnb bietet unter bestimmten Bedingungen kostenlose Stornierungen für Gäste und Gastgeber an. Wer vor dem 14. März eine Unterkunft zwischen dem 14. März und dem 14. April gebucht hat, bekommt sein Geld voll erstattet.

Was ist mit meinem Flug oder meiner Bahnfahrt?

Viele Fluggesellschaften und Eisenbahn-Unternehmen haben auf die besondere Lage reagiert und die Regeln für Umbuchung oder Stornierung gelockert. So bieten die Fluglinien der Lufthansa Group (Lufthansa, Swiss, Austrian, Brussels, Air Dolomiti) flexiblere Umbuchungsmöglichkeiten an: Sie können Flüge bis zum 31. August 2020 auf ein neues Abflugdatum bis zum Ende des Jahres umbuchen. Allerdings müssen Sie die Preisdifferenz bezahlen, falls Ihr neuer Flug teurer ausfällt. Der Konzern kommt Ihnen mit 50 Euro Nachlass entgegen.

Eine ähnliche Regelung bietet auch Eurowings an. Bei Easyjet können Sie grundsätzlich alle bestehenden und neuen Flüge ohne Gebühr umgebuchen. Ryanair bietet bis jetzt nur kostenlose Umbuchungen für Flüge von Spanien an, die zwischen dem 21. und 28. März gebucht wurden und für alle Flüge, die im April stattfinden sollen.

Die Deutsche Bahn erlaubt ihren Kunden kostenlos zu stornieren, wenn der Reisegrund wegen des Coronavirus entfällt – zum Beispiel, weil eine Veranstaltung abgesagt wurde oder der Zielort unter Quarantäne steht. Sie erhalten dann einen Reisegutschein in Höhe des Ticketpreises. Generell können Bahnfahrer ihre bis zum 13. März gebuchten Tickets bis Ende Juni umbuchen. Die Zugbindung ist auch bei Sparpreisen und Supersparpreisen aufgehoben.

Grundsätzlich gilt: Wenn Sie Anreise und Unterkunft einzeln gebucht haben, sollten Sie zuerst prüfen, was mit der Anreise ist. Viele Länder haben Ihre Einreisebedingungen für deutsche Reisende verschärft. Einreisesperren gelten unter anderem für Frankreich, Italien, Österreich, Polen, Türkei, Indien und die USA. An andere Orte können deutsche Reisende nur gelangen, wenn sie sich vor Ort in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Solche Regeln gelten zum Beispiel für Israel und Moskau. Die aktuellen Regelungen für Reisende aus Deutschland finden Sie zum Beispiel bei der IATA, dem Dachverband der Fluggesellschaften.

Wegen dieser Einreisebeschränkungen ist es wahrscheinlich, dass Airlines von sich aus Flüge streichen. Betroffene können bei einer Flugannullierung kostenlos umbuchen oder Ihr Geld zurückbekommen (Art. 8 Fluggastrechteverordnung).

Findet Ihr Flug noch statt, sind Sie auf die Kulanz der Airline angewiesen, wenn Sie von sich aus stornieren wollen.

Unerfreulich: Im Moment erreichen uns viele Hinweise, dass manche Fluggesellschaften nicht auf Stornierungen reagieren würden und über die Telefonhotlines kaum zu erreichen seien. Wenden Sie sich in diesem Fall schriftlich an das jeweilige Unternehmen. Die Kontaktdaten finden Sie im Impressum auf der Firmenwebsite. Stornieren Sie per Mail und schicken per Post einen Brief als "Einwurf einschreiben" hinterher. Setzen Sie eine Frist von 14 Tagen, bis zudem Ihr Stornierungswunsch erfüllt und Ihnen der Ticketpreis (eventuell abzüglich Stornokosten) erstattet sein sollte.

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Was gilt bei Pauschalreisen?

Wer eine Pauschalreise gebucht hat, ist rechtlich besser abgesichert, als jemand der seine Reise individuell organisiert. Denn bei Pauschalreisen haben Kunden unter bestimmten Umständen das Recht, von Ihrer Reise zurückzutreten, ohne den Veranstalter dafür entschädigen zu müssen. Das geht zum Beispiel immer dann, wenn „unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände“ (§ 651 h Absatz 3, BGB) vorliegen, die die Durchführung der Pauschalreise erheblich beeinträchtigen.

Mit der weltweiten Reisewarnung des Auswärtigen Amtes haben Sie juristisch gute Chancen, kostenlos zu stornieren und Ihr Geld zurückzubekommen. Denn in der Vergangenheit haben sich Gerichte an den Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes orientiert. Es ist wahrscheinlich, dass die aktuelle Reisewarnung als „außergewöhnlicher Umstand“ eingestuft wird. Sie gilt vorerst bis Ende April. Das heißt: Pauschalreisende können Ihre bis dahin stattfindenden Reisen kostenlos stornieren. 

Bevor Sie von sich aus stornieren, sollten Sie Ihren Reiseveranstalter kontaktieren. Viele Reiseunternehmen haben ihren Kunden bereits von sich aus angeboten, ihre Reise kostenlos zu stornieren. So haben etwa die Reiseanbieter TuiAlltoursDER Touristik und die FTI Group alle Reisen bis zum 30. April abgesagt. Wahrscheinlich werden weitere Veranstalter dem folgen. Eine Übersicht bietet die Redaktion der Fremdenverkehrswirtschaft FVW.

Auch Kreuzfahrten sind Pauschalreisen. Anbieter wie Aida Cruises oder Tui Cruises haben Ihre Reisen ebenfalls bis Ende April abgesagt. TransOcean bis zum 26. April.
Einige Veranstalter versuchen jedoch die Rückzahlung hinauszuzögern oder Kunden mit einem Gutschein oder einer Umbuchung abzuspeisen. In diesem Fall können Sie unser Musterschreiben nutzen, um die Erstattung Ihrer Reisekosten einzufordern.

Falls Ihr Reiseveranstalter Gebühren für die Stornierung verlangt, können Sie sich an die Verbraucherzentralen oder bei Reisen ins EU-Ausland an das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) wenden. Wichtig dafür ist, dass Sie die Auseinandersetzung mit dem Anbieter schriftlich dokumentieren. Im Zweifel müssen Sie Ihren Anspruch vor Gericht einklagen.

Wichtig: Entscheidend für die kostenlose Stornierung ist, dass die „unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umstände“ zum Zeitpunkt der Reise vorliegen. Mit anderen Worten: Reisen nach April können Sie bislang noch nicht kostenlos stornieren.

Wie haben die Gerichte in früheren Fällen entschieden?

Im Jahr 2003 grassierte in China schon einmal ein gefährliches Coronavirus, bekannt als SARS-Virus. Das Amtsgericht Augsburg urteilte ein Jahr später, dass dies ein ausreichender Grund für eine kostenlose Stornierung war, auch wenn die Reise nicht in das chinesische Gebiet führte, wo gehäuft Infektionen auftraten (Az. 14 C 4608/03 Er).

Das Amtsgericht berief sich dabei auch auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs. „Dabei dürfen die Voraussetzungen für eine Gefährdung von Leib und Leben des Reisenden im Interesse des berechtigten Sicherheitsbedürfnisses des Urlaubers nicht zu hoch angesetzt werden.“ Es genüge eine „erhebliche Wahrscheinlichkeit“, dass der Schaden eintritt. Die Reisenden erhielten den vollen Reisepreis zurück.

Zwar spielte auch eine Rolle, dass die Kläger schon über 60 waren und das Virus für über 60-Jährige besonders gefährlich war. Aber das Urteil zeigt, dass keine ausdrückliche Reisewarnung der Weltgesundheitsorganisation WHO oder des Auswärtigen Amtes erforderlich ist, um kostenlos stornieren zu können.

Nutzen Sie unser Musterschreiben, um sich den Reisepreis Ihrer Pauschalreise erstatten zu lassen.

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Sind innerdeutsche Reisen betroffen?

Mittlerweile sind nicht nur Reisen ins Ausland, sondern auch Urlaube innerhalb Deutschlands von Sicherheits- und Quarantänemaßnahmen betroffen. Schrittweise wurden die Nord- und Ostseeinseln wie Sylt, Helgoland, Usedom und Rügen für Touristen gesperrt. Urlauber vor Ort sind aufgefordert, nach Hause zurückzukehren.

Darüber hinaus haben Bund und Länder am 16. März ein Paket von Leitlinien zur Eindämmung des Coronavirus beschlossen: Die Bundesländer sollen Regelungen erlassen, die dafür sorgen, dass „Übernachtungsangebote im Inland nur zu notwendigen und ausdrücklich nicht zu touristischen Zwecken genutzt werden können“. Am 22. März wurden weitere, schärfere Regelungen erlassen. So sind die Bürger etwa aufgerufen, den Kontakt zu anderen Menschen auf ein Minimum zu reduzieren und in der Öffentlichkeit einen Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. Als Konsequenz wird vielen Reiseveranstaltern, Hotels und Ferienwohnungen nichts anderes übrig bleiben, als von sich aus zu stornieren. In diesem Fall müssen die Reisekosten erstattet werden.

Außerdem sollen „Reisebusreisen“ im Inland untersagt werden. Auch hier müssten Fernbusbetreiber wie Flixbus die Buchungen stornieren und die Ticketpreise zurückzahlen. Der Fernbusbetreiber hat bis auf weiteres alle Verbindungen eingestellt.

Achtung: Wirksam sind diese Einschränkungen allerdings erst, wenn sie von den Ländern umgesetzt wurden. Informieren Sie sich auf den Websites der Bundesländer über den aktuellen Stand. Eine Frist für das Ende der Maßnahmen hat die Bundesregierung bislang nicht genannt.

Muss ich Reisegutscheine akzeptieren?

Einige Reiseunternehmen bieten Kunden lediglich eine Erstattung Ihrer Reisekosten in Form eines Gutscheins an, der für eine erneute Reise beim gleichen Anbieter eingesetzt werden kann. Die Veranstalter versuchen damit Kundenkapital im Unternehmen zu behalten und nicht massenweise zurückzahlen zu müssen.

Für Pauschalreisende gilt: Sie müssen eine solche Lösung nicht akzeptieren, sondern können auf die Auszahlung der Reisekosten bestehen.

Auch wenn Sie Ihre Reise individuell gebucht haben, müssen Sie nicht unbedingt einen Gutschein akzeptieren. Zumindest dann, wenn deutsches Recht gilt. Zum Beispiel, wenn Sie ein Hotel oder eine Ferienwohnung in Deutschland gebucht haben. Haben Sie Ihre Unterkunft direkt bei einem Anbieter im Ausland gebucht, gilt dagegen ausländisches Recht. Hier kann ein Reisegutschein eine Möglichkeit sein, sich auf eine Art der Erstattung zu einigen.

Flugreisende, deren Flug aus der EU startet oder deren Fluggesellschaft Ihren Sitz in der europäischen Union hat, können sich den Ticketpreis für einen gestrichenen Flug auszahlen lassen. Denn die EU-Fluggastverordnung regelt, dass der Kunde die Wahl zwischen einer Erstattung des Ticketpreises oder einer alternativen Beförderung haben muss, wenn der Flug gestrichen wird (Absatz 8, Verordnung (EG) Nr. 261/2004).

Was muss ich beachten, wenn ich gerade im Ausland bin?

Die Bundesregierung will alle deutschen Staatsbürger, die sich derzeit im Ausland befinden, nach Deutschland zurückholen. Bis zu 50 Millionen Euro will der Bund dafür bereitstellen. Zunächst sollen Reisende aus Ägypten, der Dominikanischen Republik, Marokko und den Philippinen zurückgeholt werden.

Falls Sie sich gerade im Ausland aufhalten, sollten Sie sie sich regelmäßig über die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise informieren. Nutzen Sie dazu die Website des Auswärtigen Amtes oder dessen „Sicher Reisen“-App. Pauschalreisende sollten sich mit ihrem Reiseveranstalter in Verbindung setzen, um zu klären, ob eine Rückkehr nach Deutschland unter den gegebenen Umständen noch möglich ist. Wer individuell reist, sollte Kontakt mit seiner Fluggesellschaft aufnehmen und klären, ob der Rückflug noch stattfindet.

Wenn Ihre Reiseverbindung noch besteht und Sie ein Ticket besitzen, sollten Sie es nutzen und zurückreisen. Denn die Rückholaktion ist in erster Linie für Reisende gedacht, die aus eigener Kraft nicht nach Deutschland zurückkommen.

Falls unklar ist, ob Ihre Rückreise nach Deutschland funktioniert, tragen Sie sich in die Krisenvorsorgeliste „Elefand“ des Auswärtigen Amtes ein. Dann werden Sie von der zuständigen Auslandsvertretung kontaktiert, sobald es spezielle Rückreisemöglichkeiten nach Deutschland gibt. Aufgrund der hohen Nachfrage kann es allerdings sein, dass die Seite nicht oder nur langsam lädt. Eine Übersicht der Länder, für die derzeit Flüge geplant sind, finden Sie hier. Für Länder, für die bereits Rückflüge organisiert sind, können Sie sich auf einer eigens dafür eingerichteten Seite registrieren.

Sollten Sie tatsächlich einen speziell durch das Auswärtige Amt organisierten Rückflug in Anspruch nehmen müssen, brauchen Sie nicht in Vorleistung zu gehen. Allerdings werden Sie später einen Teil der Kosten übernehmen müssen. Es kann sich dabei um Flugkosten in Höhe eines regulären Economy-Tickets handeln. Weiterführende Hinweise hat das Auswärtige Amt zusammengestellt.

Quarantäne im Ausland

Falls Sie in Ihrem Reiseland von Quarantänemaßnahmen betroffen sind, müssen Sie die Anweisungen der dortigen Behörden befolgen. Eine Rückkehr nach Deutschland aus eigener Kraft oder über das Rückholprogramm des Auswärtigen Amtes ist erst möglich, wenn Sie nicht mehr in Quarantäne sind.

Sollte das Hotel oder Ihre Unterkunft an Sie herantreten und von Ihnen die Kosten für den längeren Aufenthalt verlangen, sollten Sie diese nicht zahlen. Für Pauschalreisende muss - unserer Ansicht nach - der Reiseveranstalter die zusätzlichen Kosten übernehmen und eine spätere Rückreise organisieren. Aber auch wer individuell unterwegs ist, sollte seine Unterkunft an die örtlichen Behörden verweisen.

Bekomme ich für einen abgebrochenen Urlaub Geld zurück?

In Bezug auf Pauschalreisen gilt: Beendet der Veranstalter die Reise, weil ein Reisemangel vorliegt oder die Reise so nicht mehr durchführbar ist, dann heißt das, dass Sie nur für diejenigen Reiseinhalte bezahlen müssen, die Sie auch nutzen konnten.

Ein Beispiel: Sie sind für eine 14-tägige Reise in einem Hotel untergebracht. Nach drei Tagen bricht der Veranstalter die Reise wegen der Folgen des Coronavirus ab. In diesem Fall müssten Sie die Hotelkosten für die verbleibenden 11 Tage wiederbekommen. Falls sich der Veranstalter nicht von sich aus bei Ihnen meldet, sollten Sie das Geld schriftlich zurückfordern: Nennen Sie in Ihrem Schreiben den Reisezeitraum und die ausgefallenen Tage. Verschicken Sie den Brief als „Einwurf einschreiben“ und setzen Sie eine Frist von 14 Tagen. Ihre Ansprüche verlieren Sie nicht so schnell, aber Sie sollten sie trotzdem frühzeitig geltend machen.

Auch wer individuell eine Unterkunft gebucht hat und diese vorzeitig verlassen muss, zum Beispiel aufgrund einer behördlichen Anweisung, sollte nur für die in Anspruch genommenen Tage bezahlen. Auch wenn der Betreiber selbst entscheidet, die Unterkunft zu schließen, darf er nur einen Teil des Reisepreises verlangen.

Achtung: Liegt der Grund für den Reiseabbruch bei Ihnen, haben Sie natürlich keinen Anspruch auf die Erstattung der nicht in Anspruch genommenen Reiseleistung. In bestimmten Fällen greift hier eine Reiserücktrittsversicherung.

Hilft eine Reiserücktrittsversicherung?

Eine Reiserücktrittsversicherung springt nur ein, wenn Sie eine Reise wegen einer Krankheit oder extremen Ereignissen wie einem Brand in Ihrer Wohnung nicht antreten können. Stornieren Sie Ihren Urlaub aus Angst vor einer Krankheit, zahlt die Versicherung nicht.

Sollten Sie dagegen Ihre Reise nicht antreten können, weil Sie sich in Deutschland mit dem Coronavirus angesteckt haben oder ein naher Angehöriger betroffen ist, sollte dies als „unerwartet schwere Erkrankung“ gelten. In diesem Fall greift die Reiserücktrittsversicherung, sofern Sie eine ärztliche Bescheinigung vorlegen. Einige Versicherer haben diese Auffassung bereits bestätigt. Aber nicht alle.

Für den Fall, dass Sie oder ein naher Angehöriger sich im Ausland anstecken, sollte eine Reiseabbruchsversicherung einspringen. Diese übernimmt dann allerdings nur die Kosten für den Reiseabbruch, nicht die Behandlungskosten. Dafür brauchen Sie eine Auslandsreisekrankenversicherung. Achtung: Auch hier haben einige Versicherer Behandlungskosten im Falle einer Pandemie ausgeschlossen!

Nicht zahlen wollen viele Versicherer für Reiseabbruch bei Quarantänemaßnahmen und Reisesperren. Das gleiche gilt für Reisen, die Sie aufgrund von Quarantänebestimmungen vor Ort nicht fortsetzen können oder wenn sich Ihr Aufenthalt deshalb verlängert.

Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Hamburg werden im Einzelfall die Gerichte entscheiden, ob die Versicherung zahlen muss oder nicht. Knifflig könnte es etwa dadurch werden, dass die WHO das Coronavirus als „Pandemie“ eingestuft hat: Viele Versicherer haben Pandemien in Ihren Bedingungen als Versicherungsfall ausgeschlossen.

Es ist grundsätzlich keine gute Idee, eine Reiseversicherung wegen eines einzigen Grundes abzuschließen. Es gilt also weiterhin unsere allgemeine Empfehlung: Überlegen Sie sich, ob Sie die Kosten für eine abgesagte Reise nicht verschmerzen können oder ein höheres Stornorisiko haben, weil Sie zum Beispiel mit kleinen Kindern reisen. Dann kann sich eine Reiserücktrittsversicherung, die auch einen Reiseabbruch abdeckt, für Sie lohnen. Eine Auslandskrankenversicherung, die auch den medizinischen Rücktransport zahlt, ist dagegen Pflicht für jeden Urlauber!

Was ist jetzt mit meiner Urlaubsplanung?

Es ist nicht leicht, auf diese Frage eine allgemeine Empfehlung zu geben. Wer in nächster Zeit verreisen wollte, muss darauf wohl verzichten. Was Sie bei der Stornierung beachten müssen, haben wir weiter oben im Text für Sie aufgeschrieben. Haben Sie mittel- oder langfristig gebucht, stehen Sie vor einer schwierigen Entscheidung. Folgende Optionen sind denkbar:

  1. Sie stornieren jetzt sofort. Dann müssen Sie zunächst Stornokosten bezahlen. Laut dem Auswärtigen Amt gilt die weltweite Reisewarnung vorerst bis zum 30. April. Sollte sie danach nicht verlängert werden und zum Zeitpunkt Ihrer Reise nicht mehr gelten, müssten Sie die Kosten für die Stornierung in jedem Fall tragen.
  2. Sie warten ab. Falls Ihr Reiseveranstalter später von sich aus die Reise absagt oder bei einer Individualreise Ihr Flug gestrichen oder Ihre Unterkunft storniert wird, bekommen Sie Ihr Geld zurück. Zumindest wenn deutsches Recht gilt. Geschieht dies aber nicht, fallen die Stornokosten umso höher aus, je länger Sie warten. Findet Ihre Reise statt, bekommen Sie kaum Geld zurück, wenn Sie kurzfristig stornieren. 

    Die Verbraucherzentralen sind der Auffassung, dass Sie Ihre Stornokosten nachträglich zurückerhalten sollten, falls Sie vorzeitig storniert haben und sich später herausstellt, dass die Reise tatsächlich nicht wie geplant stattfinden kann. Sehr wahrscheinlich werden sich die Reiseveranstalter da aber querstellen. Dann bleibt Ihnen nur der Versuch, die Erstattung der Stornokosten mit juristischer Hilfe durchzusetzen.

Schauen Sie in jedem Fall, ob Ihr Reiseveranstalter oder Ihre Fluggesellschaft nicht schon von sich aus flexible Umbuchungsmöglichkeiten anbietet. Dann können Sie Ihre Reise auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Nehmen Sie also am besten Kontakt mit Ihrem Reiseveranstalter auf und erkundigen Sie sich, was möglich ist. Haben Sie Ihre Reise selbst zusammengestellt, sollten Sie die Fluggesellschaft oder das Bahnunternehmen sowie den Betreiber Ihrer Unterkunft kontaktieren.

Fragen Sie sich, ob Sie dieses Jahr überhaupt noch reisen wollen

Vielleicht hilft auch eine grundsätzliche Überlegung bei der Entscheidung „jetzt oder später stornieren?“ weiter. Überlegen Sie sich, ob Sie angesichts der jüngsten Ereignisse und der bestehenden Unsicherheit überhaupt noch Lust haben, in den Urlaub zu fahren. Wenn Sie diese Frage für sich mit „nein“ beantworten, können Sie Ihre Reise sofort stornieren und haben geringere Kosten.

Falls Sie sich dagegen immer noch vorstellen können, zu verreisen, bis zu Ihrem Urlaub noch mehrere Monate Zeit sind und Sie auch immer noch vorhandene Einschränkungen (Verkehr, Öffnungszeiten von Sehenswürdigkeiten) in Kauf nehmen würden, dann warten Sie vielleicht besser noch die nächsten Entwicklungen ab.

Wer noch nicht gebucht hat, sollte eher abwarten

Sofern Sie noch gar nichts gebucht haben, sollten Sie ohnehin besser abwarten und kurzfristig buchen.

Angesichts der Vielzahl an Reiseausfällen und Stornierungen ist nicht auszuschließen, dass einige Reiseveranstalter, Fluglinien oder Hotels pleitegehen. Bezahlen Sie Ihre Reiseleistungen deshalb am besten immer mit Ihrer Kreditkarte, weil Sie dann im Falle einer Unternehmensinsolvenz in bestimmten Fällen Ihr Geld über das Chargeback-Verfahren zurückholen können.

Haben wir etwas Wichtiges in diesem Ratgeber vergessen? War Ihnen etwas unklar? Schreiben Sie uns! 

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Autor
Max Mergenbaum

Stand: 31. März 2020


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