Coronavirus und Reisen

Was die Corona-Krise für Deine Reisen bedeutet

Max Mergenbaum
Experte für Reise
29. Juli 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Bevor Du eine Reise buchst, solltest Du Dich informieren, wie die Corona-Entwicklung in Deinem Zielland ist und welche generellen Regeln in Corona-Zeiten gelten.
  • Viele Bundesländer und EU-Staaten haben ihre Quarantänevorschriften für Einreisende gestrichen. Du musst aber nachweisen, dass Du vollständig geimpft oder genesen bist oder vor kurzem getestet wurdest.
  • Bei einer Reisewarnung kannst Du als Pauschalreisender unter Umständen kostenlos von Deiner Reise zurücktreten. Wenn Du eine Unterkunft im Ausland individuell gebucht hast, musst Du Dich mit dem Betreiber in Verbindung setzen.
  • Wenn Du aus Urlaubsländern zurückkehrst, die als Hochinzidenz- oder Virusvariantengebiete gelten, musst Du in jedem Fall in Quarantäne.
So gehst Du vor
  • Beachte vor der Urlaubsbuchung, welche Einreiseregeln für Dein geplantes Urlaubsland und welche Ausreise- und Rückkehrregeln für Deine Heimatregion gelten.
  • Achte darauf, dass Deine Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung auch greift, wenn Du an Covid-19 erkranken solltest oder für Deinen Urlaubsort eine Covid-19-Reisewarnung gilt. Bei unseren beiden Empfehlungen für kurze Reisen, DKV (Reise Med Tarif RD) und Debeka (Tarif AR), ist das der Fall.
  • Schließe eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung ab, die auch zahlt, wenn Du schwer an Covid-19 erkrankst oder persönlich in Quarantäne musst. Die Einzelheiten zu unseren drei Empfehlungen Travel Secure (Tarif Topschutz oder Reisekarte4you Basispaket), Allianz Travel (Tarif Reiserücktritt-Vollschutz) und Signal Iduna (Reiserücktritt + Reiseabbruch) liest Du im Ratgeber Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung.

So langsam kommt der Tourismus in Deutschland wieder in Gang. Und auch in die meisten europäischen Länder und Regionen können Touristen aus Deutschland wieder einreisen – sofern sie bestimmte Regelungen beachten. Gleichzeitig breitet sich die ansteckendere Delta-Variante aus und könnte einige Urlaubspläne durchkreuzen.

In diesem Ratgebers erklären wir Dir zunächst, worauf Du bei Deiner Urlaubsplanung unbedingt achten solltest. Vermutlich wird die eine oder andere Reise nicht stattfinden können oder muss abgebrochen werden – je nach Entwicklung der Pandemie. Dann solltest Du wissen, wann es Geld zurück gibt für Zug, Flug oder Unterkunft – und wann nicht.

Was musst Du bei der Urlaubsplanung beachten?

Auch wenn die Inzidenzen in Deutschland und vielen anderen Staaten zurzeit sinken, solltest Du Dir bei der Urlaubsplanung gut überlegen, welche Kosten und Risiken Du eingehen willst – und zwar bevor Du buchst.

Beachte Infektionszahlen und Einreisebestimmungen

Falls Du in Deutschland Urlaub machen willst, findest Du die aktuellen Infektionszahlen von Bundesländern und Landkreisen beim Robert-Koch-Institut. Für Europa und das ferne Ausland hat die „Zeit“ die aktuellen Infektionszahlen übersichtlich aufbereitet.

Hast Du ein Urlaubsziel gefunden, solltest Du als nächstes schauen, was in dem jeweiligen Land für die Einreise gilt.

Falls Du innerhalb Deutschlands reisen willst: Tourismus ist mittlerweile in allen Bundesländern wieder möglich. In der Regel musst Du bei der Anreise einen Impf-, Genesenen- oder Testnachweis vorlegen, wenn Du in Hotels oder Ferienwohnungen übernachten willst. Je nach Entwicklungen der Infektionszahlen gibt es weitere Lockerungen – oder auch Verschärfungen.

Eine Übersicht darüber, was genau in den einzelnen Bundesländern gilt, findest Du in den Medien, aktuell zum Beispiel bei der Fuldaer Zeitung. Solche Überblicksartikel veralten aber schnell. Für die neuesten Informationen solltest Du Dich daher auf den Seiten der Bundesländer oder bei den Tourismuszentralen vor Ort informieren. Hilfreich ist auch der Tourismus-Wegweiser des Kompetenzzentrums Tourismus des Bundes.

Für Auslandsreisen empfiehlt es sich unbedingt, sich die Länderinformationen des Auswärtigen Amtes anzuschauen. Wenn Du wissen willst, welche Beschränkungen im EU-Ausland gelten, kannst Du auf der Informationsplattform „Re-Open EU“ nachschauen. Diese ist mittlerweile auch als App für Apple- und Android-Smartphones verfügbar.

Wichtig: Zum 1. Juli 2021 hat die Bundesregierung die Reisewarnungen für alle einfachen Risikogebiete aufgehoben. Dazu gehören alle Länder, in denen innerhalb einer Woche 50 oder mehr, jedoch weniger als 200 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohnern auftreten. 

Seitdem spricht das Auswärtige Amt nur noch Reisewarnungen für Hochinzidenzgebiete aus, in denen der Inzidenzwert bei 200 oder darüber liegt. Auch die Reisewarnungen für Länder, in denen hochansteckte Virusvarianten von Covid-19 aufgetreten sind, bleiben bestehen. 

Die Folge: Im Juli sind für über 90 Länder die Reisewarnungen entfallen, darunter die meisten EU-Staaten. In Europa sind derzeit keine Länder und Regionen als Virusvariantengebiete eingestuft (Stand 23. Juli 2021).

Weise nach, dass Du gesund bist

Es wird noch lange Einschränkungen geben. Dort, wo Tourismus möglich ist, dürfen Unterkünfte in der Regel nur Gäste beherbergen, die ein negatives Testergebnis, einen Impf- oder einen Genesenen-Nachweis vorzeigen können. Als Testnachweis wird in Deutschland üblicherweise ein aktueller negativer Schnelltest verlangt, der meist nicht älter als 24 Stunden sein darf. Der Bund trägt dabei die Kosten für Schnelltests, die Du in Apotheken, Testzentren oder Praxen durchführen lässt.

Anfang Mai hat der Bundesrat Erleichterungen für vollständig Geimpfte und jüngst von Covid-19-Genesene beschlossen. Seit dem 9. Mai 2021 gelten für sie die Kontakt- und Ausgangssperren nicht mehr. Sie werden wie negativ Getestete behandelt. Bist Du vollständig geimpft, musst Du also keinen negativen Test bei der Einreise, zum Beispiel nach Mecklenburg-Vorpommern, vorweisen.

Wichtig: Nach sechs Monaten brauchen auch Genesene eine Impfung, um weiter von den Befreiungen profitieren zu können.

Wenn Du bereits vollständig geimpft bist, kannst Du seit Anfang Juli mithilfe der Cov-Pass-App ein digitales Impfzertifikat erstellen, das innerhalb der EU anerkannt wird. 

In Deutschland erhalten Personen mittlerweile direkt beim Impfen einen QR-Code. Diesen können sie dann entweder auf Papier vorzeigen oder in der neuesten Version der Corona-Warn-App (ab Version 2.3.2.) oder der Cov-Pass-App einscannen. Wenn Du schon vor Mitte Juni vollständig geimpft wurdest, kannst Du Dir seit dem 14. Juni 2021 in Apotheken gegen Vorlage Deines Impfausweises einen QR-Code erstellen lassen. Welche Apotheken diesen kostenlosen Service anbieten, kannst Du auf einer Website des Deutschen Apothekerverbandes sehen. Allerdings gab es zum Start einige technische Probleme. Aktuell können die teilnehmenden Apotheken wegen einer Sicherheitslücke keinen QR-Code ausstellen (Stand: 29. Juli 2021). Falls Du dringend ein digitales Impfzertifikat brauchst, wende Dich an Dein Impfzentrum oder Deine Arztpraxis, in der Du Deine Impfung erhalten hast.

Wichtig: Halte zur Sicherheit auch weiterhin auf Reisen Deinen gelben Impfpass bereit, falls es mit dem digitalen Zertifikat Probleme geben sollte. In der neuesten Version der Corona Warn-App (2.6.1.) kannst Du überprüfen, ob Dein Zertifikat für Dein Reiseziel ausreicht.

Zahle später an oder bleibe flexibel

Schon jetzt gibt es viele Reservierungen für beliebte Ferienorte an Nord- und Ostsee. Wenn Du Dir noch ein Plätzchen in Deutschland sichern willst, solltest Du darauf achten, möglichst spät eine Anzahlung zu leisten. Setz Dich dazu mit dem Betreiber Deiner Unterkunft in Verbindung. Vielleicht könnt Ihr Euch sogar darauf einigen, dass Du keine Anzahlung leisten musst. Lass Dir jede Ausnahmeregelung vorab schriftlich bestätigen, etwa per E-Mail. Achte darauf, ob der Anbieter seinen Geschäftssitz in Deutschland hat (Impressum oder E-Mail-Signatur).

Achte unbedingt auf die Stor­nie­rungs­be­din­gung­en. Je nach Anbieter werden schon kurz nach der Buchung Gebühren fällig, wenn Du stornierst. Auf manchen Portalen oder Websites der Tourismusbüros werden die Stornoregeln für Ferienwohnungen angezeigt oder Du kannst gezielt nach günstigen Stor­nie­rungs­be­din­gung­en suchen.

Viele Hotels zeigen sich da flexibler. Die großen Hotelketten wie Motel One, Hilton Honors oder Event Hotels bieten Tarife an, die eine kostenlose Stornierung bis einen Tag vor Anreise oder sogar bis zum Anreisetag selbst erlauben. Zahlen musst Du oft erst bei Ankunft. Damit bist Du auf der sicheren Seite.

Viele Reiseveranstalter locken mit Flex-Tarifen, die Dir ermöglichen, Deine Reise kurzfristig zu stornieren – oder nochmal umzubuchen. Allerdings unterscheiden sich die Tarife erheblich. Einige Veranstalter bieten die Flex-Option nur für einen Teil ihrer Pauschalreisen an. Andere verlangen eine Bearbeitungsgebühr oder einen Aufschlag. Auch die Stornofristen sind unterschiedlich: Oft kannst Du noch 14 Tage vor Anreise kostenlos stornieren, manchmal sind es 20 Tage. Schau also vor dem Buchen genau ins Kleingedruckte, ob der Tarif auch für Deine Wunschreise gilt.

Bei vielen Reiseportalen, zum Beispiel bei Holidaycheck, booking.com oder Skyscanner, kannst Du gezielt nach flexiblen Angeboten suchen. Sei Dir aber bewusst, dass Du bei einer Buchung sowohl einen Vertrag mit der Fluggesellschaft oder dem Hotel eingehst als auch mit dem Reisevermittler. Wenn es dann um die Stornierung oder die Erstattung des Reisepreises geht, musst Du Dich in der Regel mit dem Hotel oder der Fluggesellschaft direkt in Verbindung setzen. Die verweisen dann aber zuweilen auf den Vermittler. Um Dir Stress zu ersparen, solltest Du bei Auslandsreisen besser direkt bei der Fluggesellschaft, der Unterkunft oder dem Pauschalreiseanbieter buchen.

Achte auf Deinen Ver­si­che­rungs­schutz

Jeder gesetzlich Krankenversicherte sollte eine extra Auslandsreise-Krankenversicherung haben. Wer privat versichert ist, unter Umständen auch. Suche Dir eine aus, die auch greift, wenn Du an Covid-19 erkrankst. Und eine, die Dich absichert, auch wenn für das Land eine Reisewarnung wegen Corona gilt. Bei unseren beiden Empfehlungen für kurze Reisen ist das der Fall: DKV (Reise Med Tarif RD)* und Debeka (Tarif AR).

Plane die Rückreise mit ein

Leider reicht es nicht, sich bei der Urlaubsplanung nur mit Einreisebestimmungen zu beschäftigen. Genauso wichtig ist es abzuklären, was für die Rückreise gilt. Grundsätzlich müssen Reisende vor dem Rückflug nach Deutschland ein negatives Testergebnis, einen Impf- oder einen Genesenen-Nachweis vorlegen.

Wird Dein Urlaubsort während Deines Aufenthaltes zum Risikogebiet, dann gelten noch strengere Einreisebestimmungen. Welche Länder aktuell in welche Risikogruppe gehören, kannst Du beim Robert-Koch-Institut nachschauen.

Das Bundeskabinett hat kürzlich beschlossen, die Einreiseverordnung bis zum 10. September 2021 zu verlängern und inhaltlich anzupassen. Mehr Infos, was Du bei der Einreise nach Deutschland zu beachten hast, findest Du weiter unten im Ratgeber.

Bezahle Deine Reiseleistungen mit der Kreditkarte

Es kann von Vorteil sein, wenn Du bei der Buchung Deiner Reiseleistungen Deine Kreditkarte verwendest. Dann kannst Du bei einer Unternehmensinsolvenz in bestimmten Fällen Dein Geld über das Chargeback-Verfahren zurückholen. Wende Dich dazu an die Bank, die Dir die Kreditkarte ausgestellt hat, nicht an Kreditkartenunternehmen wie Mastercard oder Visa. Mehr Infos zum Thema Chargeback findest Du in unserem Ratgeber.

Hilft eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung?

Eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung springt nur ein, wenn Du eine Reise wegen einer Krankheit oder extremen Ereignissen wie einem Brand in Deiner Wohnung nicht antreten kannst. Stornierst Du dagegen Deinen Urlaub nur aus der Angst heraus, dass Du Dich am Urlaubsort mit Covid-19 anstecken könntest, zahlt die Versicherung nicht.

Das gleiche gilt, wenn Dein Urlaub wegen einer Reisewarnung nicht stattfinden kann. Auch bei anderen behördlichen Maßnahmen, wie zum Beispiel regionalen oder überregionalen Quarantänebestimmungen, springt die Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung nicht ein.

Immerhin: Einige Anbieter haben auf die Herausforderungen der Corona-Pandemie reagiert. Gute Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rungen leisten auch dann, wenn Du selbst schwer an Covid-19 erkrankst oder in persönliche Quarantäne musst. Mehr Infos findest Du in unserem Ratgeber zum Thema Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung.

Diese Versicherungsprämien kannst Du Dir erstatten lassen 

Einige Leser haben uns gefragt, ob sie einen Versicherungsvertrag nachträglich aufheben könnten. Zum Beispiel dann, wenn sie eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung nur für eine Reise abgeschlossen hatten, diese Reise aber wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnte.

Das geht in diesem Fall aber nicht, denn: Die Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung schützt bereits nach Vertragsabschluss vor dem Risiko, die Reise nicht antreten zu können. Ob die Reise am Ende stattfinden kann oder nicht, spielt dabei keine Rolle. 

Aber: Die Versicherer müssen laut Gesetz Prämien für Reiseversicherungen zurückerstatten, bei denen das versicherte Risiko noch nicht eingetreten ist. Das gilt für eine Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung, Reiseabbruch- und Reisegepäckversicherung, die Du einmalig für eine Reise abgeschlossen hast.

Bei Versicherungspaketen müsstest Du zumindest den Anteil für die oben genannten Versicherungen zurückbekommen. Welche Versicherungen Du gebucht hast, steht im Versicherungsschein.

Falls Du Probleme hast, Dein Geld von der Versicherung erstattet zu bekommen, kannst Du Dich an die Verbraucherzentrale in Deinem Bundesland wenden. Deine Ansprüche solltest Du auch noch drei Jahre rückwirkend geltend machen können.

Schlechte Karten hast Du dagegen bei Jahresverträgen. Es gibt bislang keine Rechtsprechung, die Dir als Verbraucher einen Anspruch auf Erstattung zugesteht. Du kannst höchstens Deine Versicherung fragen, ob sie Dir entgegenkommt. Falls Du absehen kannst, dass Du die Versicherung auch im nächsten Jahr nicht benötigst, solltest Du Deinen Vertrag fristgerecht kündigen, um Kosten zu sparen. 

Unser Podcast zum Thema

Welche Folgen hat eine Reisewarnung?

Bei einer Reisewarnung handelt es sich um die höchste Warnstufe des Auswärtigen Amtes. Sie wird nur dann ausgesprochen, wenn Reisenden im Ausland eine „akute Gefahr für Leib und Leben droht“. Eine Reisewarnung ist kein Reiseverbot. Es ist eher ein dringender Appell an Dich, aufgrund der Gefahrenlage von „nicht notwendigen, touristischen Reisen“ in die betroffenen Länder oder Regionen Abstand zu nehmen. Ob Du verreist oder nicht, musst Du selbst entscheiden.

Bedenken solltest Du aber, dass eine bestehende Reisewarnung durchaus Auswirkungen hat. Sie kann unter anderem zur Folge haben, dass Dein Ver­si­che­rungs­schutz entfällt. Denn im Kleingedruckten mancher Versicherungen steht, dass sie nicht leisten, wenn es für das Zielland eine Reisewarnung gibt. Möchtest Du verreisen, solltest Du insbesondere überprüfen, ob Deine Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung oder Deine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung einen solchen Ausschluss enthält. Genauso wichtig ist, dass Deine Versicherung keine Pandemieklausel beinhaltet. Denn diese Klausel hat zur Folge, dass die Versicherung nicht leistet, wenn eine sich weltweit verbreitende Krankheit vorliegt. Die WHO hat Covid-19 im März 2020 als solch eine pandemische Infektionskrankheit eingestuft.

Außerdem solltest du beachten, dass Du nach Deiner Rückreise aus einem Land mit bestehender Reisewarnung eventuell in Quarantäne musst. Was dann genau für Dich gilt, erfährst Du im Abschnitt Was gilt bei der Rückkehr aus dem Ausland?

Diese aktuellen Reisewarnungen solltest Du kennen

Aufgrund der Corona-Pandemie hat das Auswärtige Amt im März 2020 erstmals eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen und diese mehrfach verlängert. Mittlerweile hat das Außenministerium die pauschale Reisewarnung für alle EU-Mitgliedstaaten aufgehoben und durch individuelle Reisewarnungen, abhängig vom Infektionsgeschehen, für einzelne Länder und Regionen ersetzt. Als Richtwert gilt unter anderem die Zahl der Neuinfizierten im Verhältnis zur Bevölkerung

Bis Ende Juni 2021 galt: Gab es in einem Land innerhalb von sieben Tagen mehr als 50 Fälle pro 100.000 Einwohner, war mit einer erneuten Reisewarnung zu rechnen. Seit dem 1. Juli 2021 gilt dies nur noch für Hochinzidenzgebiete. Das sind Länder und Regionen, in denen der Inzidenzwert bei 200 oder darüber liegt, innerhalb einer Woche also mehr als 200 Fälle pro 100.000 Einwohner auftreten. Außerdem gelten Reisewarnungen für alle Länder, in denen hochansteckende Varianten von Covid-19 verbreitet sind. 

Für Dich ein Anhaltspunkt: In der Regel stuft zuerst das Robert-Koch-Institut eine Region als Risikogebiet, Hochrisikogebiet oder Virusvariantengebiet ein – und das Auswärtige Amt reagiert dann entsprechend mit einem Warnhinweis oder einer Reisewarnung.

Da die Infektionszahlen in einigen EU-Mitgliedsstaaten sinken, stuft das Robert-Koch-Institut aktuell nur wenige Länder und Regionen als Risikogebiet ein. Mit der generellen Aufhebung der Reisewarnungen für Risikogebiete seit dem 1. Juli 2021 gelten für diese Länder auch keine Reisewarnungen mehr. Allerdings sind in Europa die Niederlande, Portugal, Russland, Spanien, das Vereinigte Königreich und Zypern Hochinzidenzgebiete mit entsprechender Reisewarnung (Stand 23. Juli 2021).

Was gilt bei Pauschalreisen?

Um eine Pauschalreise handelt es sich immer dann, wenn Du bei einem Reiseveranstalter mindestens zwei wesentliche Reiseleistungen zusammen gebucht hast, zum Beispiel Flug und Hotel. Dass es sich um eine Pauschalreise handelt, kannst Du daran erkennen, dass Du einen Sicherungsschein erhältst. Zumindest, wenn Du bei einem deutschen Anbieter gebucht hast. Dieser Schein soll garantieren, dass Du Dein eingezahltes Geld auch im Falle einer Insolvenz des Veranstalters zurückerhältst. Grundsätzlich bist Du als Pauschalreisender rechtlich besser abgesichert als jemand, der seine Reise individuell organisiert. Auch Kreuzfahrten sind Pauschalreisen.

Zu Beginn der Corona-Pandemie hatte die Reiseform Pauschalreise einen klaren Vorteil: Denn unter bestimmten Voraussetzungen haben Pauschalreisende das Recht, von ihrer Reise zurückzutreten, ohne den Veranstalter dafür entschädigen zu müssen. Der Gesetzgeber fordert dafür „unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände“ (§ 651h Abs. 3 BGB), die die Pauschalreise erheblich beeinträchtigen müssen. Gibt es eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für ein Land oder eine Region, ist diese Voraussetzung in der Regel gegeben. Das haben Gerichte in der Vergangenheit so bestätigt.

Viele Reisenden bekamen 2020 das Geld für ihre ausgefallenen Reisen erstattet. Entweder, indem sie von ihrem Rücktrittsrecht gebraucht machten oder weil die Veranstalter von sich aus ihre Reisen absagten.

Wichtig war vor allem, dass die „unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umstände“ zum Zeitpunkt der Reise vorlagen. Unbegrenzt im Voraus stornieren kannst Du als Urlauber nämlich nicht. 

Stornierungen nach Ausbruch der Pandemie sind nicht immer kostenlos

Ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie haben eine Reihe von Ereignissen dazu geführt, dass Pauschalreisende nicht mehr so einfach kostenlos zurücktreten können, sondern es immer auf den Einzelfall ankommt. Der wichtigste Punkt: Mittlerweile kommen Beeinträchtigungen durch Covid-19 nicht mehr völlig unerwartet. Wie sehr sich das auf das Reiserecht auswirkt, ist noch ungewiss.

So entschied etwa das Amtsgericht Leipzig im April 2021, dass eine Reisewarnung einen Urlauber nicht unbedingt dazu berechtigt, seine Pauschalreise kostenlos zu stornieren (Az. 102 C 7217/20). Im konkreten Fall hatte ein Mann im Juni 2020 eine Reise nach Gran Canaria für September desselben Jahres gebucht. Kurz vor der Reise wollte er von seinem Vertrag wegen der Reisewarnung des Auswärtigen Amts ohne Stornierungskosten zurücktreten. Das Gericht gab aber dem Reiseveranstalter recht. „Unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände“ lagen laut Gericht nicht vor, da dem Kunden bei der Buchung die Möglichkeit einer Reisewarnung bekannt gewesen sei (§ 651h Abs. 3 BGB). Allerdings stellte das Gericht auch fest, dass der Reiserücktritt des Mannes nicht eindeutig erklärt und hinreichend begründet worden sei.

Ende Juli 2021 wurde zudem bekannt, dass der Reiseveranstalter Alltours seinen Kunden künftig keinen kostenlosen Reiserücktritt zugestehen will, wenn deren Zielland als Hochinzidenzgebiet eingestuft wird und eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gilt. Allerdings können Kunden, die ab dem 5. Juli 2021 Alltours-Klassik-Reisen buchen, bis 21 Tage vor Abreise kostenlos stornieren. Andere Pauschalreiseanbieter wie Tui haben dagegen erklärt, ihren Kunden weiterhin zu gestatten, kostenlos von ihrer Reise zurückzutreten, wenn eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für das Urlaubsland vorliegt.

Ob Corona-bedingte Einschränkungen weiterhin als „unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände“ gelten können und Du auch in Zukunft bei einer COVID-19 bedingten Reisewarnung kostenlos von Deiner Pauschalreise zurücktreten darfst – diese Frage werden letztlich die Gerichte beantworten müssen.

Unsere Einschätzung ist folgende:

  1. Nachdem seit dem 1. Juli 2021 keine Reisewarnungen mehr für Risikogebiete ausgesprochen werden, sollte diese Einstufung nicht mehr ausreichen, um von Deinem Reisevertrag kostenlos zurückzutreten. Du müsstest vielmehr nachweisen, dass es an Deinem Urlaubsort zu erheblichen Einschränkungen kommt.
  2. Wird Dein Zielland nach Deiner Buchung als Hochinzidenz- oder Virusvariantengebiet eingestuft, solltest Du dagegen nach wie vor gute Chancen haben, von Deiner Pauschalreise ohne Kosten zurückzutreten. Voraussetzung: Die Lage muss sich im Vergleich zum Buchungszeitpunkt erheblich verschlechtert haben, zum Beispiel weil Dein Urlaubsland zum Zeitpunkt der Buchung noch sehr niedrige Fallzahlen hatte und noch nicht als Risikogebiet eingestuft war.

Da die rechtlichen Fragen zu kostenlosen Stornierungen während der Corona-Pandemie noch nicht abschließend geklärt sind, solltest Du nicht einfach so von Dir aus stornieren. Nach wie vor sagen einige Anbieter von sich aus ihre Reisen ab, wenn eine COVID-19 bedingte Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes für das Zielland besteht. In diesem Fall musst Du nichts tun, denn die Veranstalter sind dann verpflichtet, Dir die Reisekosten zu erstatten.

Will der Veranstalter die Reise trotzdem durchführen, kannst Du Dich von den Verbraucherzentralen oder einem Anwalt beraten lassen, wie gut Deine Chancen für einen kostenlosen Reiserücktritt stehen.

Hast Du Dich dazu entschlossen, Deine Reise zu stornieren, kannst Du unser Mus­ter­schrei­ben nutzen, um die Erstattung Deiner Reisekosten einzufordern. 

Wer Dir bei Ärger mit dem Reiseveranstalter hilft

Falls Dein Reiseveranstalter Gebühren für die Stornierung verlangt oder die Erstattung des Reisepreises unverhältnismäßig hinauszögert, kannst Du Dich bei Unternehmen mit Sitz in Deutschland an die Verbraucherzentralen wenden. Bei Reiseunternehmen mit Sitz im EU-Ausland hilft Dir das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) weiter. Die Beratung dort ist für Dich kostenlos.

Achte in jedem Fall darauf, dass Du die Auseinandersetzung mit dem Anbieter schriftlich dokumentierst. Im Zweifel musst Du Deinen Anspruch vor Gericht einklagen.

Seit 2019 bietet auch die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (Soep) ein Schlichtungsverfahren bei teilnehmenden Reiseveranstaltern an, darunter Expedia, Holidaycheck und weg.de.

Mus­ter­schrei­ben Rückerstattung

Nutze unser Mus­ter­schrei­ben, um Dir den Reisepreis Deiner Pauschalreise erstatten zu lassen.

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Was gilt bei Individualreisen?

Hast Du Deine Reise selbst zusammengestellt, bist Du rechtlich weniger gut geschützt als Pauschalreisende. Einfach stornieren solltest Du ein gebuchtes Hotel, einen Flug oder einen Mietwagen also nicht. Wie gut Deine Chancen auf eine Erstattung stehen, hängt vom Einzelfall ab. Je nachdem, ob Du eine Unterkunft oder ein Transportmittel gebucht hast und ob es sich um eine Reise im In- oder Ausland handelt, gelten unterschiedliche Regelungen. Es kann also sinnvoll sein, eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung abzuschließen. Worauf Du dabei achten musst und welche Finanztip empfiehlt, liest Du im Ratgeber Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung.

Was ist mit innerdeutschen Reisen?

Durch die Corona-Pandemie waren nicht nur Reisen ins Ausland, sondern auch Urlaube innerhalb Deutschlands von Sicherheits- und Quarantänemaßnahmen betroffen. Dies erleichterte es auch vielen Individualreisenden, Ansprüche geltend zu machen.

Nachdem im Frühjahr 2021 erneut die Infektionszahlen stark anstiegen, trat am 23. April ein neues Infektionsschutzgesetz in Kraft. Demnach galten ab einem stabilen Inzidenzwert von 100 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner bundesweit einheitliche Einschränkungen, die sogenannte „Bundesnotbremse“. Darunter fallen eine Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr sowie ein Übernachtungsverbot für Touristen. Unabhängig davon gilt nach wie vor: In Bus und Bahn sowie in Geschäften müssen medizinische Masken getragen werden. Das Gesetz galt bis zum 30. Juni 2021.

Eine Übersicht darüber, ob und welche Einschränkungen aktuell in den einzelnen Bundesländern gelten, findest Du auf der Website der Bundesregierung.

Falls Du von einem Übernachtungsverbot betroffen warst, konnte der Betreiber seine Leistung nicht erbringen, weil er Dir das Zimmer nicht vermieten durfte. Er musste entweder selbst absagen oder Dir den Reisepreis ohne Stornogebühren erstatten. Handelte es sich um eine Pauschalreise in Deutschland, musste der Reiseveranstalter diese stornieren und Dir das Geld innerhalb von 14 Tagen erstatten. Gutscheine musstest Du nicht akzeptieren.

Das gleiche sollte auch für zukünftige Übernachtungsverbote gelten.

Was ist mit Reisen ins Ausland?

Bei Auslandsreisen gehst Du in der Regel einen Vertrag mit einem Eigentümer im jeweiligen Reiseland ein – Du kannst Dich daher nicht einfach auf die deutschen Regelungen berufen. Denn natürlich gilt für den Vertrag mit einem Anbieter in einem anderen Land das dortige Recht. Selbst wenn Du demnach Ansprüche hast, kannst Du Deine Rechte bei Vertragspartnern im Ausland oft schlecht durchsetzen. Du musst also auf die Kulanz Deines Gegenübers hoffen.

Setz Dich deshalb vor einer Stornierung unbedingt mit dem Anbieter in Verbindung und kläre ab, was möglich ist. Vielleicht könnt Ihr Euch auf einen Kompromiss einigen, zum Beispiel auf eine kostenlose Umbuchung oder einen Reisegutschein in Höhe des Reisepreises.

Falls Du Schwierigkeiten mit einem Reiseunternehmen oder einer Fluggesellschaft mit Sitz in Deutschland hast, kannst Du Dich an die Verbraucherzentrale in Deiner Nähe wenden. Bei Problemen mit Reiseunternehmen oder Fluggesellschaften mit Sitz im EU-Ausland hilft Dir das Europäische Verbraucherzentrum weiter. Die Beratung dort ist für Dich kostenlos.

Wie die jeweilige Gefährdung in verschiedenen Ländern und Regionen aussieht, kannst Du jederzeit beim Auswärtigen Amt nachlesen. Ebenfalls hilfreich kann die Liste der Risikogebiete sein, die das Robert-Koch-Institut regelmäßig aktualisiert.

Was ist mit meiner Bahnfahrt?

Bis zum 31. Oktober 2020 konnten Kunden der Deutschen Bahn Fernverkehr-Tickets, die sie vor dem 13. März 2020 gebucht hatten, weiter nutzen. Das ist nun nicht mehr möglich.

Seit dem 27. November 2020 sind zudem nur noch 60 Prozent aller Sitzplätze reservierbar. So soll sichergestellt werden, dass Bahnkunden nicht dicht gedrängt im Zug sitzen. Für zusammen reisende Kunden soll es aber weiter möglich sein, Sitzplätze zu reservieren, die nebeneinander liegen.

Beachte: Für den Fall, dass Du mit dem Zug aus einem Risikogebiet nach Deutschland einreist, musst Du Deine Kontakt- und Reisedaten hinterlegenAb dem 1. August 2021 sollen auch Zugreisende verpflichtet sein, bei ihrer Einreise nach Deutschland ein negatives Testergebnis vorzulegen. Alternativ kannst Du auch einen Genesenen- oder Impfausweis vorzeigen. Weitere Infos zur Wiedereinreise nach Deutschland findest Du weiter unten in diesem Ratgeber.

Welche Regeln grundsätzlich bei Zugausfall oder Zugverspätung gelten, kannst Du in unserem Ratgeber Fahrgastrechte im Bahnverkehr nachlesen. Im Streitfall kannst Du Dich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (Soep) wenden. Wenn es sich um ein Bahnunternehmen aus dem EU-Ausland handelt, hilft Dir das Europäische Verbraucherzentrum weiter.

Was ist mit meinem Flug?

Viele Fluggesellschaften haben auf die besondere Lage reagiert und die Regeln für Umbuchung oder Stornierung gelockert. Einige bieten flexiblere Umbuchungsmöglichkeiten an, bei anderen kannst Du bestehende und neue Flüge ohne Gebühr umbuchen.

Viele Länder haben während der Corona-Krise ihre Einreisebedingungen für deutsche Reisende verschärft. In einigen Ländern gilt nach wie vor eine Einreisesperre, darunter die USA. In anderen Ländern, zum Beispiel in Island, musst Du Dich für fünf Tage in Quarantäne begeben, wenn Du keinen Genesenen- oder Impfnachweis vorlegen kannst. Du musst bei der Einreise einen PCR-Test durchführen. Erst nach einem zweiten negativen PCR-Test kannst Du die Selbstisolation beenden (Stand: 29. Juli 2021).  Die aktuellen Regelungen für Reisende aus Deutschland findest Du online beim Auswärtigen Amt.

Zu Beginn der Pandemie sorgten erhebliche Einreisebeschränkungen dafür, dass die Airlines selbst im großen Stil ihre Flüge strichen. Mittlerweile kommt dies seltener vor. Wenn doch, handelt es sich um eine Flugannullierung. In diesem Fall kannst Du kostenlos umbuchen oder Dein Geld zurückbekommen (Art. 8 Fluggastrechteverordnung). Annulliert die Fluggesellschaft Deinen Flug, muss sie Dir den Ticketpreis innerhalb von sieben Tagen erstatten.

Wichtig: Die Fluggastrechteverordnung gilt für europäische Fluggesellschaften und für Flüge bei nicht-europäischen Airlines, die von einem Flughafen eines EU-Mitgliedstaates aus starten. Für Flüge, die in einem Land der EU landen, gilt die Verordnung nur, wenn die betroffene Airline auch ihren Sitz in der EU hat.

Findet Dein Flug statt, gelten die Stor­nie­rungs­be­din­gung­en der Airline. In den meisten Fällen musst Du dann Stornogebühren zahlen. Bei günstigen Flug-Tarifen ohne Stornierungsoption bekommst Du in der Regel nur Steuern und Gebühren zurück. Hast Du dagegen storniert und der Flug fällt später aus, kannst Du nach unserer Ansicht die vollständige Erstattung des Ticketpreises verlangen. Deine Fluggesellschaft kann das aber anders sehen. Eine Möglichkeit Stornierungskosten zu vermeiden, sind flexible Tarife. Diese sind allerdings teurer.

Unerfreulich ist: Viele Fluggesellschaften wiesen zu Beginn der Corona-Pandemie auf ihren Websites nicht klar darauf hin, dass Kunden bei gestrichenen Flügen einen Anspruch darauf haben, den Ticketpreis erstattet zu bekommen. Außerdem erreichten uns viele Hinweise, dass die Telefon-Hotlines der Airlines kaum zu erreichen waren.

Was Du tun kannst, falls die Airline nicht zahlt, welche Unterstützung Fluggasthelfer bieten und in welchen Fällen ein Chargeback-Verfahren helfen kann, kannst Du in unserem Ratgeber zur Erstattung von Flugtickets nachlesen.

Wer muss Gutscheine akzeptieren?

Einige Reiseunternehmen bieten Kunden lediglich eine Erstattung ihrer Reisekosten in Form eines Gutscheins an, der für eine andere Reise beim gleichen Anbieter eingesetzt werden kann. Die Veranstalter versuchen damit, Kundenkapital im Unternehmen zu behalten und nicht massenhaft zurückzahlen zu müssen.

Rechtlich ist die Lage aber eindeutig: Nach der europäischen Pauschalreiserichtlinie musst Du als Kunde immer die Wahl haben, ob Du einen Gutschein annimmst oder Dir das Geld vom Reiseveranstalter erstatten lässt. Das gleiche gilt für Flüge, bei denen die EU-Fluggastverordnung ebenfalls ein Wahlrecht vorsieht.

Pläne der Bundesregierung, die bestehenden Regelungen zu lockern, hat die EU-Kommission abgelehnt. Sowohl für Pauschalreisen als auch für Flüge wird es keine europäische Gutscheinlösung geben. Stattdessen hat der Bundestag im Juli 2020 folgende Regeln beschlossen:

  1. Gutscheine für Reisen, die vor dem 8. März 2020 gebucht wurden, sind fortan staatlich abgesichert, wenn der bestehende Insolvenzschutz der Reiseveranstalter nicht ausreicht. Die zusätzliche staatliche Garantie gilt zeitlich befristet für die aktuelle Corona-Pandemie. 
  2. Kunden, die ihren Gutschein nicht bis Ende 2021 einlösen, können sich den Reisepreis auszahlen lassen.
  3. Auch Kunden, die vor dem 8. März 2020 eine Reise gebucht und bereits einen Gutschein akzeptiert haben, profitieren rückwirkend von den neuen Regelungen.

Wie die Geld-zurück-Regeln für Veranstaltungen im Inland aussehen, kannst Du in unserem Ratgeber zu abgesagten Veranstaltungen nachlesen.

Was gilt bei der Rückkehr aus dem Ausland?

Die Einreise nach Deutschland ist grundsätzlich möglich. Allerdings gilt seit dem 30. März 2021 eine generelle Testpflicht für alle Personen, die mit dem Flugzeug nach Deutschland einreisen. Beim Rückflug musst Du also der Fluggesellschaft einen negativen Corona-Test , einen Impf- oder einen Genesenen-Nachweis vorlegen. Kinder unter sechs Jahren sind von der Testpflicht befreit.

Für den Testnachweis gilt: Antigen-Schnelltests dürfen höchstens 48 Stunden alt sein. Bei der Einreise aus Virusvariantengebieten verkürzt sich die Frist auf 24 Stunden. PCR-Tests dürfen maximal 72 Stunden zurückliegen.

Für den Genesen-Nachweis gilt: Es muss sich um einen positiven PCR-Test handeln, der mindestens 28 Tage alt ist. Außerdem ist der Test maximal sechs Monate gültig. Danach musst Du entweder einen negativen Corona-Test vorlegen oder eine Impfung nachweisen. Damit soll sichergestellt werden, dass Du nicht (mehr) ansteckend bist.

Die Bundesregierung plant die Testpflicht für Reiserückkehrer zum 1. August 2021 auszuweiten. Dann sollen alle rückreisenden Personen einen negativen Corona-Test oder einen Nachweis über eine Impfung oder Genesung vorlegen müssen – unabhängig davon, mit welchem Verkehrsmittel sie nach Deutschland wiedereinreisen.

Weitere Einschränkungen hängen davon ab, in welche der drei Risikokategorie Dein letzter Aufenthaltsort im Ausland fällt:

  1. Als Risikogebiet gilt ein Land, für das die Behörden ein erhöhtes Risiko feststellen, sich mit Covid-19 anzustecken. In der Regel zählen dazu jene Länder, die innerhalb von sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner zu verzeichnen hatten.
  2. Ein Land mit dauerhaft hohen Infektionszahlen gilt als Hochinzidenzgebiet. Richtwert dafür ist unter anderem, dass innerhalb einer Woche mehr als 200 gemeldete Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner auftreten.
  3. Als Virusvariantengebiete zählt ein Land, wenn dort besonders ansteckende Formen von Covid-19 aufgetreten sind.

Welche Länder aktuell in welche Risikkategorie fallen, kannst Du beim Robert-Koch-Institut nachschauen.

Das gilt, wenn Du aus einem Risikogebiet einreist

Wenn Du Dich innerhalb der letzten zehn Tage in einem Risikogebiet aufgehalten hast, musst Du Dich vor Deiner Wiedereinreise nach Deutschland digital anmelden und genauere Angaben zu Deinem Aufenthalt im Ausland machen. Bei technischen Schwierigkeiten musst Du eine Ersatzmitteilung in Papierform ausfüllen.

Nach Deiner Einreise musst Du Dich unverzüglich für zehn Tage in häusliche Quarantäne begeben. Diese kannst Du vorzeitig beenden, wenn Du bereits vor der Einreise einen negativen Testnachweis im oben genannten Einreiseportal übermittelst. Das gleiche gilt, wenn Du einen Impfnachweis oder eine Bescheinigung, dass Du von Corona genesen bist, im Portal hochlädst. Wichtig: Kinder unter sechs Jahren sind zwar von der Testpflicht befreit, sind aber auch verpflichtet, sich in Quarantäne zu begeben.

Grundsätzlich gilt: Die Quarantäne kann ab dem Zeitpunkt, an dem Du einen Test-, Impf- oder Genesenen-Nachweis übermittelst, beendet werden – also auch noch nach Deiner Einreise.

Das gilt, wenn Du aus einem Hochinzidenzgebiet einreist

Hast Du Dich in den letzten zehn Tagen in einem Hochinzidenzgebiet aufgehalten, musst Du Dich ebenfalls vor Deiner Rückreise elektronisch anmelden. Außerdem musst Du Dich für zehn Tage in häusliche Quarantäne begeben. Allerdings kannst Du die Quarantäne frühestens fünf Tage nach Deiner Einreise mit einem negativen Test beenden. Die Quarantänepflicht gilt auch für Kinder unter sechs Jahren.

Seit dem 28. Juli 2021 gilt: Wird Dein Urlaubsland nach Deiner Rückkehr nach Deutschland herabgestuft zum Beispiel zu einem einfachen Risikogebiet, dann gelten fortan auch die Regelungen für einfache Risikogebiete. Falls das Land auch von der Liste der Risikogebiete verschwindet, endet auch Deine Quarantäne automatisch. 

Das gilt, wenn Du aus einem Virusvariantengebiet einreist

Neben der elektronischen Anmeldung musst Du Dich in häusliche Quarantäne begeben. Im Unterschied zu (Hoch-)Risikogebieten beträgt die Quarantänepflicht sogar 14 Tage und konnte bis Ende Juli auch nicht verkürzt werden.

Seit dem 28. Juli 2021 gilt: Bist Du bereits vollständig geimpft, kannst Du die Quarantäne umgehen, wenn Dein Impfstoff gegen die entsprechende Variante wirksam ist. Informationen über die Wirksamkeit der Impfstoffe findest Du beim Robert Koch Institut. Außerdem gilt: Wird das Virusvariantengebiet nach Deiner Einreise nach Deutschland herabgestuft, dann gelten entsprechend die Regelungen für Hochinzidenz- oder Risikogebiete.

Einreiseverbote für Länder mit Virusmutationen

Um die Verbreitung der besonders ansteckenden Corona-Mutationen zu verhindern, hat die Bundesregierung Einreisesperren für betroffene Länder verhängt. Dazu gehören unter anderem Brasilien und Südafrika (Stand: 29. Juni 2021). Das Verbot umfasst neben Flügen auch die Einreise per Bus, Bahn oder Schiff. 

Die Verordnung lässt aber wichtige Ausnahmen zu: So kannst Du weiterhin aus diesen Ländern heimkehren, wenn Du in Deutschland Deinen Wohnsitz oder ein Aufenthaltsrecht hast. Ausgenommen ist auch der Transitverkehr, also wenn Du in Deutschland nur umsteigst. Ebenso ist der Warenverkehr nach wie vor möglich.

Wie lange gelten diese Regeln?

Die Einreiseregeln sind mehrmals verlängert worden und gelten solange weiter, bis der Bundestag die Gefahrenlage anders einschätzt, also das Ende der „Feststellung einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ beschließt. Zuletzt hat der Bundestag die Einschätzung dieser Gefahrenlage bis Ende September 2021 verlängert.

Die Regelungen zur Quarantänepflicht gelten vorerst bis zum 10. September 2021.

Wer bekommt einen abgebrochenen Urlaub erstattet?

In Bezug auf Pauschalreisen gilt: Beendet der Veranstalter die Reise, weil ein Reisemangel vorliegt oder die Reise so nicht mehr durchführbar ist, dann heißt das, dass Du nur für die Reiseinhalte zahlen musst, die Du auch nutzen konntest.

Ein Beispiel: Du bist für eine 14-tägige Reise in einem Hotel untergebracht. Nach drei Tagen bricht der Veranstalter die Reise wegen der Corona-Pandemie ab. In diesem Fall müsstest Du die Hotelkosten wiederbekommen – und zwar für die verbleibenden elf Tage. Fordere das Geld schriftlich zurück und nenne dabei den Reisezeitraum und die ausgefallenen Tage. Setze dem Veranstalter für die Erstattung eine Frist von 14 Tagen. Und um später beweisen zu können, dass Du Dich gekümmert hast, verschicke diesen Brief als „Einwurf Einschreiben“.

Anders sieht es aus, wenn sich Deine Reise wegen Quarantänemaßnahmen verlängert. Falls Dich der Reiseveranstalter wegen „unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstände“ nicht an den Abreiseort bringen kann, muss er nur die Kosten für maximal drei Nächte in einer gleichwertigen Unterkunft übernehmen (§ 651k Abs. 4 BGB). 

Auch wenn Du individuell eine Unterkunft gebucht hast und diese vorzeitig verlassen musst, zum Beispiel aufgrund einer behördlichen Anweisung, solltest Du nur für die in Anspruch genommenen Tage bezahlen. Wenn der Betreiber selbst entscheidet, die Unterkunft zu schließen, darf er nur einen Teil des Reisepreises von Dir verlangen. Dies gilt zumindest für in Deutschland gebuchte Hotels und Ferienwohnungen. Für Verträge, die direkt mit Unterkünften im Ausland geschlossen wurden, können dagegen andere Regelungen gelten.

Achtung: Liegt der Grund für den Reiseabbruch bei Dir, hast Du natürlich keinen Anspruch darauf, die nicht in Anspruch genommenen Reiseleistungen erstattet zu bekommen. In bestimmten Fällen greift hier aber eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung.

Was passiert, wenn Du im Ausland in Quarantäne musst?

Falls Du in Deinem Reiseland von Quarantänemaßnahmen betroffen bist, musst Du die Anweisungen der dortigen Behörden befolgen. Eine Rückkehr nach Deutschland aus eigener Kraft ist erst möglich, wenn Du nicht mehr in Quarantäne bist.

Sollte das Hotel oder Deine Unterkunft an Dich herantreten und von Dir die Kosten für den längeren Aufenthalt verlangen, solltest Du diese nicht zahlen. Für Pauschalreisende muss – unserer Ansicht nach – der Reiseveranstalter die zusätzlichen Kosten übernehmen, zumindest für die ersten drei Nächte (§ 651k Abs. 4 BGB). Aber auch wer individuell unterwegs ist, sollte den Vermieter seiner Unterkunft an die örtlichen Behörden verweisen.

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