Coronavirus und Reisen

Was die Corona-Krise für Ihre Reisen bedeutet

Max Mergenbaum Stand: 04. Juni 2020

Am 17. März hat das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für alle Länder  ausgesprochen – mit gravierenden Folgen: Viele Reisende müssen ihren geplanten Urlaub absagen. Andere, die schon im Ausland unterwegs waren, wurden aufwändig zurückgeholt. Wir erklären, wann es Geld zurück gibt für Zug, Flug oder Unterkunft. Und geben Tipps für die Planung Ihres nächsten Urlaubs.

Was gilt für Individualreisende?

Haben Sie Ihre Reise selbst zusammenstellt, werden Sie es oft schwerer haben als ein Pauschalurlauber, Geld zurückzubekommen. Die weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes hat die Situation von individuell Reisenden leider nicht verbessert. Einfach stornieren sollten Sie ein gebuchtes Hotel, einen Flug oder einen Mietwagen also nicht. Wie gut Ihre Chancen auf eine Erstattung stehen, hängt vom Einzelfall ab. Wie die jeweilige Gefährdung in verschiedenen Ländern und Regionen aussieht, können Sie jederzeit beim Auswärtigen Amt nachlesen.

Liegt Ihr Reiseziel in einem Sperrgebiet, fällt für den Anbieter Ihrer Unterkunft die Geschäftsgrundlage weg. Das gleiche gilt, wenn Ausgangssperren oder die Schließungen von touristischen Einrichtungen es Ihrem Gastgeber unmöglich machen, seine Dienstleistung zu erbringen. Eigentlich müsste dann der Anbieter selbst stornieren und Ihnen Ihr Geld zurückerstatten. Nach deutschem Recht müssen Sie auch nicht für eine Unterkunft bezahlen, die Sie nicht nutzen können. Nach diesem Prinzip sind eigentlich auch Einreiseverbote zu behandeln. Doch Achtung: Bei Auslandsreisen gehen Sie in der Regel einen Vertrag mit einem Eigentümer in dem jeweiligen Reiseland ein – für den das dortige Recht gilt. Sie können sich daher nicht einfach auf die deutschen Regelungen berufen.

Auch wenn Sie über ein Onlineportal mit Sitz in Deutschland gebucht haben, gilt nicht unbedingt deutsches Recht. Die meisten Buchungsportale, wie zum Beispiel booking.com, sind Vermittler. Das bedeutet, Sie schließen zwei Verträge ab: einen (Vermittlungs-)Vertrag mit dem Portal und dann noch einen (Reise-)Vertrag mit dem Anbieter Ihrer Unterkunft. Ansprechpartner für den Reisevertrag ist nicht das Portal, sondern der Anbieter der Unterkunft. Liegt Ihr Reiseziel im Ausland, gilt für den Vertrag mit dem Anbieter das dortige Recht.

Der nächste Schritt ist ebenfalls schwierig. Denn selbst wenn Sie Ansprüche haben, können Sie Ihre Rechte bei Vertragspartnern im Ausland oftmals schlecht durchsetzen. Sie müssen also auch auf die Kulanz Ihres Gegenübers hoffen. Setzen Sie sich deshalb vor einer Stornierung unbedingt mit Ihrem Anbieter in Verbindung und klären Sie, was möglich ist. Vielleicht können Sie sich einigen, zum Beispiel auf eine kostenlose Umbuchung oder einen Reisegutschein in Höhe des Reisepreises.

Möglicherweise finden Sie auf den Hilfeseiten der Vermittlungsportale Hinweise, wie Sie dabei am besten vorgehen. Zumindest die beliebte Buchungsplattform Airbnb bietet unter bestimmten Bedingungen kostenlose Stornierungen für Gäste und Gastgeber an. Wer bis zum 14. März eine Unterkunft zwischen dem 14. März und dem 15. Juli gebucht hat, kann sich den Reisepreis voll erstatten lassen. Für Buchungen ab 15. März gelten die üblichen Stornierungsregelungen.

Falls Sie Schwierigkeiten mit einer Reise oder einer Unterkunft in Deutschland haben, können Sie sich an die Verbraucherzentrale in Ihrem Ort wenden und sich beraten lassen. Bei Individualreisen ins europäische Ausland können Sie sich an das Europäische Verbraucherzentrum wenden.

Was ist mit meiner Bahnfahrt?

Die Deutsche Bahn erlaubt ihren Kunden vor dem 13. März gebuchte Tickets bis zum 31. Oktober 2020 umzubuchen. Die Zugbindung ist auch bei Sparpreisen und Supersparpreisen aufgehoben. Wenn Sie Ihre Reise gar nicht mehr antreten möchten, erhalten Sie den Reisepreis in Form eines Gutscheins erstattet. Die Stornierung ist auch bei Spar- und Supersparpreisen möglich. Besitzer einer Bahncard 25 oder 50 können sich online registrieren und erhalten einen Reisegutschein.

Was ist mit meinem Flug?

Viele Fluggesellschaften haben auf die besondere Lage reagiert und die Regeln für Umbuchung oder Stornierung gelockert. So bieten die Fluglinien der Lufthansa Group (Lufthansa, Swiss, Austrian, Brussels, Air Dolomiti) flexiblere Umbuchungsmöglichkeiten an: Bis zum 15. Mai gebuchte Tickets können Sie unabhängig vom Tarif kostenlos umbuchen. Für die Umbuchung haben Sie bis zum 31. Januar 2021 Zeit. Als neues Abflugdatum können Sie einen Zeitpunkt bis Ende 2021 festlegen. Außerdem dürfen Sie auch ein neues Reiseziel wählen. Allerdings müssen Sie die Preisdifferenz bezahlen, falls Ihr neuer Flug teurer ausfällt. Der Konzern kommt Ihnen mit 50 Euro Nachlass entgegen, wenn Ihr neuer Flug noch in diesem Jahr stattfindet und Sie diesen bis Ende August 2020 buchen.

Eine ähnliche Regelung bietet auch Eurowings an. Bei dieser Fluggesellschaft können Sie unabhängig vom Tarif Ihren Flug bis 14 Tage vor Abflug verlegen – und zwar bis zum 30. Oktober 2021. Laut Eurowings wird bei der Umbuchung weiterhin auf eine Gebühr hingewiesen, diese im Anschluss aber nicht berechnet. Bei Easyjet können Sie grundsätzlich alle bestehenden und neuen Flüge ohne Gebühr umbuchen. Änderungen können Sie bis 2 Stunden vor Abflug vornehmen. Ryanair bietet für alle Flüge zwischen dem 13. März und dem 31. Mai Umbuchungen ohne Gebühr an. Sollte der neue Flug teurer sein, müssen Sie als Kunde die Differenz zahlen.

Das müssen Sie bei Flügen beachten

Viele Länder haben während der Coronakrise ihre Einreisebedingungen für deutsche Reisende verschärft. Einreisesperren gelten nach wie vor für Indien und die USA. In manchen Ländern, zum Beispiel in Ägypten, Israel und Tunesien, sind Einreisende weiterhin dazu verpflichtet, sich nach Ankunft zwei Wochen in Quarantäne zu begeben. Die aktuellen Regelungen für Reisende aus Deutschland finden Sie online beim Auswärtigen Amt.

Bestehen erhebliche Einreisebeschränkungen ist es wahrscheinlich, dass Airlines selbst ihre Flüge streichen. Ist das der Fall, können Sie bei einer Flugannullierung kostenlos umbuchen oder Ihr Geld zurückbekommen (Art. 8 Fluggastrechteverordnung). Annulliert die Fluggesellschaft selbst den Flug, muss sie den Ticketpreis innerhalb von sieben Tagen erstatten. Findet Ihr Flug dagegen noch statt, sind Sie auf die Kulanz der Airline angewiesen, wenn Sie von sich aus stornieren wollen.

Unerfreulich: Wir beobachten, dass viele Fluggesellschaften auf ihren Websites nicht darauf hinweisen, dass Kunden bei gestrichenen Flügen Anspruch auf eine Rückzahlung haben. Außerdem erreichen uns viele Hinweise, dass manche Fluggesellschaften nicht auf Ticketstornierungen von Kunden reagieren würden und über ihre Telefon-Hotlines kaum zu erreichen seien. Auf den Websites der Fluggesellschaften können Kunden Flüge oft nur umbuchen oder Gutscheine statt einer Rückzahlung auswählen.

Hilfe bei Problemen mit der Fluggesellschaft

Wenden Sie sich in diesem Fall schriftlich an die jeweilige Fluggesellschaft. Die Kontaktdaten finden Sie im Impressum auf der Firmen-Website. Stornieren Sie per Mail und schicken per Post einen Brief als „Einwurf-Einschreiben“ hinterher. Setzen Sie eine übliche Frist von 14 Tagen, bis zu der Ihr Stornierungswunsch erfüllt und Ihnen der Ticketpreis (eventuell abzüglich Stornokosten) erstattet sein sollte. Hat die Fluggesellschaft noch nicht auf eine Annullierung reagiert, können Sie die oben genannte Frist von einer Woche nennen. Reagiert die Airline dann immer noch nicht,  lassen Sie sich von den Verbraucherzentralen beraten oder wenden Sie sich an einen Anwalt oder das Europäische Verbraucherzentrum.

Haben Sie Ihren Flug mit Ihrer Kreditkarte bezahlt? Dann können Sie in bestimmten Fällen über das sogenannte Chargeback-Verfahren Ihr Geld zurückbekommen. Wie das genau funktioniert, können Sie im entsprechenden Abschnitt in unserem Ratgeber nachlesen.

Was gilt bei Pauschalreisen?

Haben Sie eine Pauschalreise gebucht, sind Sie rechtlich besser abgesichert, als jemand der seine Reise individuell organisiert. Denn bei Pauschalreisen haben Kunden unter bestimmten Umständen das Recht, von Ihrer Reise zurückzutreten, ohne den Veranstalter dafür entschädigen zu müssen. Das geht zum Beispiel immer dann, wenn „unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände“ (§ 651h Abs. 3 BGB) vorliegen, die die Durchführung der Pauschalreise erheblich beeinträchtigen.

Mit der weltweiten Reisewarnung des Auswärtigen Amtes haben Sie juristisch gute Chancen, kostenlos zu stornieren und Ihr Geld zurückzubekommen. Denn in der Vergangenheit haben sich Gerichte an den Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes orientiert. Es ist wahrscheinlich, dass die aktuelle Reisewarnung als „außergewöhnlicher Umstand“ eingestuft wird. Sie gilt bis zum 14. Juni. Das heißt: Pauschalreisende können Reisen, die bis dahin stattfindenden sollten, kostenlos stornieren.

Bevor Sie von sich aus stornieren, sollten Sie Ihren Reiseveranstalter kontaktieren. Viele Reiseunternehmen haben ihren Kunden bereits angeboten, Reisen kostenlos zu stornieren. So haben etwa die FTI Group und DER Touristik alle Auslandsreisen bis zum 14. Juni abgesagt. Der Anbieter Alltours unterscheidet zwischen Flugreisen (abgesagt bis zum 25. Juni) und Fernreisen (abgesagt bis zum 15. Juli). Für einige Reisen zwischen dem 26. Juni und dem 5. Juli bietet Alltours von sich aus eine kostenlose Stornierung oder Umbuchung an. Tui hat alle Auslandsreisen bis zum 14. Juni abgesagt. Für Reisen innerhalb Deutschlands haben die Anbieter oft andere Fristen festgelegt.

Auch Kreuzfahrten sind Pauschalreisen. Anbieter wie Tui Cruises haben ihre Reisen bis Ende August abgesagt, TransOcean bis zum 30. Juni und Aida Cruises bis Ende Juli.

Hilfe bei Ärger mit dem Veranstalter

Einige Veranstalter versuchen, Rückzahlungen für stornierte Reisen hinauszuzögern oder Kunden mit einem Gutschein oder einer Umbuchung abzuspeisen. Aber: Es gibt keine Pflicht, Gutscheine zu akzeptieren. Die EU-Kommission hat die geplante Gutscheinlösung der Bundesregierung abgelehnt. Damit bleiben die bisherigen Regelungen geltendes Recht. Sie können also weiterhin unser Musterschreiben nutzen, um die Erstattung Ihrer Reisekosten einzufordern. Mehr Informationen zur ursprünglich angedachten Gutscheinlösung lesen Sie weiter unten im Text.

Falls Ihr Reiseveranstalter Gebühren für die Stornierung verlangt, können Sie sich an die Verbraucherzentralen oder bei Reisen ins EU-Ausland an das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) wenden. Wichtig dafür ist, dass Sie die Auseinandersetzung mit dem Anbieter schriftlich dokumentieren. Im Zweifel müssen Sie Ihren Anspruch vor Gericht einklagen.

Achtung: Entscheidend für die kostenlose Stornierung ist, dass die „unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umstände“ zum Zeitpunkt der Reise vorliegen. Mit anderen Worten: Reisen nach dem vorläufigen Ende der Reisewarnungen am 14. Juni können Sie bislang noch nicht kostenlos stornieren.

Kürzlich hat der Verbraucherverband VZBV ein Rechtsgutachten veröffentlicht, wonach auch Pauschalreisen ins Ausland, die bis Ende August stattfinden sollen, ohne Kosten storniert werden könnten. Grundlage für die Argumentation waren unter anderem die Aussagen von hochrangigen Politikern wie Außenminister Heiko Maas, wonach es keine Anzeichen gäbe, dass Auslandsreisen in nächster Zeit stattfinden könnten. Der Deutsche Reiseverband (DRV) konterte mit einem Gegengutachten: Wer jetzt schon seine Sommerreise storniere, müsse mit Stornokosten rechnen. Was gilt, ist noch nicht abschließend rechtlich geklärt. Unser Tipp: Verzögern Sie weitere Zahlungen für die Reise. Und wenn Sie anders nicht mehr weiterkommen, sollten Sie sich mit Hilfe einer Verbraucherzentrale auf das Gutachten berufen.

Wie haben die Gerichte in früheren Fällen entschieden?

Im Jahr 2003 grassierte in China schon einmal ein gefährliches Coronavirus, bekannt als SARS-Virus. Das Amtsgericht Augsburg urteilte ein Jahr später, dass dies ein ausreichender Grund für eine kostenlose Stornierung war, auch wenn die Reise nicht in das chinesische Gebiet führte, wo gehäuft Infektionen auftraten (Az. 14 C 4608/03 Er).

Das Amtsgericht berief sich dabei auch auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs. „Dabei dürfen die Voraussetzungen für eine Gefährdung von Leib und Leben des Reisenden im Interesse des berechtigten Sicherheitsbedürfnisses des Urlaubers nicht zu hoch angesetzt werden.“ Es genüge eine „erhebliche Wahrscheinlichkeit“, dass der Schaden eintritt. Die Reisenden erhielten den vollen Reisepreis zurück.

Zwar spielte auch eine Rolle, dass die Kläger schon über 60 waren und das Virus für über 60-Jährige besonders gefährlich war. Aber das Urteil zeigt, dass keine ausdrückliche Reisewarnung der Weltgesundheitsorganisation WHO oder des Auswärtigen Amtes erforderlich ist, um kostenlos stornieren zu können.

Nutzen Sie unser Musterschreiben, um sich den Reisepreis Ihrer Pauschalreise erstatten zu lassen.

Zum Download

Was gilt bei innerdeutschen Reisen?

Durch die Corona-Pandemie waren nicht nur Reisen ins Ausland, sondern auch Urlaube innerhalb Deutschlands von Sicherheits- und Quarantänemaßnahmen betroffen. Aufgrund der gesunkenen Zahl von Neuinfektionen haben Bund und Länder die beschlossenen Einschränkungen zum Teil wieder aufgehoben. Viele Ferienwohnungen, Hotels und Campingplätze haben seit Pfingsten wieder geöffnet. Die einzelnen Bundesländer dürfen selbst entscheiden in welchem Umfang sie ihre Auflagen lockern. Auf der Website der Bundesregierung können Sie sich über die Regelungen in den einzelnen Bundesländern informieren.

Muss ich Gutscheine akzeptieren?

Einige Reiseunternehmen bieten Kunden lediglich eine Erstattung ihrer Reisekosten in Form eines Gutscheins an, der für eine andere Reise beim gleichen Anbieter eingesetzt werden kann. Die Veranstalter versuchen damit, Kundenkapital im Unternehmen zu behalten und nicht massenhaft zurückzahlen zu müssen.

Die Bundesregierung hatte die EU-Kommission um eine Lockerung der bestehenden Regelungen gebeten, die es Kunden ermöglichen, nach einer Stornierung ihr Geld zurückzufordern. Damit wollte die Bundesregierung die Reiseunternehmen vor der Insolvenz schützen. Da es für Pauschalreisen ein einheitliches europäisches Pauschalreiserecht gibt, konnte Deutschland nicht allein entscheiden. Auch bei Flügen, die unter die EU-Fluggastverordnung fallen, wollte die Bundesregierung Kunden verpflichten, Gutscheine zu akzeptieren.

Mittlerweile hat die EU-Kommission beide Vorschläge abgelehnt. Sowohl für Pauschalreisen als auch für Flüge wird es keine europäische Gutscheinlösung geben. Weder Pauschalurlauber noch Flugreisende, deren Flug aus der EU startet oder deren Fluggesellschaft ihren Sitz in der Europäischen Union hat, müssen Gutscheine akzeptieren.

Die EU-Kommission empfiehlt den Mitgliedsstaaten stattdessen, Gutscheine durch einen staatlichen Insolvenzschutz abzusichern und für Kunden interessanter zu machen. Das Bundeskabinett hat am 20. Mai Eckpunkte beschlossen, um Gutscheine für Pauschalreisen attraktiver zu gestalten. Gutscheine sollen fortan insolvenzversichert sein, wenn der bestehende Versicherungsschutz der Reiseveranstalter nicht ausreicht. Außerdem soll der Gegenwert von Gutscheinen erstattet werden, wenn Kunden sie bis Ende 2021 nicht eingelöst haben.

Das Bundesjustizministerium arbeitet nun an einem entsprechenden Gesetzentwurf. Darüber hinaus denkt die Bundesregierung derzeit über einen Härtefallfonds zur Unterstützung von Tourismusunternehmen nach.

Übrigens: Wie die Geld-zurück-Regeln für Veranstaltungen im Inland aussehen, können die EU-Mitgliedsstaaten allein entscheiden. Bislang waren Veranstalter in Deutschland verpflichtet, den Eintrittspreis zu erstatten, wenn ein Angebot nicht stattfinden konnte (§ 326 Abs. 1 BGB). Um zu verhindern, dass viele Unternehmen pleitegehen, hat der Bundestag Mitte Mai beschlossen, dass Kunden während der Corona-Krise Gutscheine akzeptieren müssen. Mehr Details können Sie in unserem Ratgeber zum Thema Veranstaltungen nachlesen.

Was muss ich beachten, wenn ich im Ausland bin?

Um deutsche Staatsbürger, die sich derzeit im Ausland befinden, nach Deutschland zurückholen, hatte die Bundesregierung Mitte März eine Rückholaktion gestartet. Wer unsicher war, ob seine Rückreise nach Deutschland funktionieren würde, konnte sich in die Krisenvorsorgeliste Elefand des Auswärtigen Amtes eintragen. Für Länder, für die bereits Rückflüge organisiert sind, konnte man sich auf einer eigens dafür eingerichteten Seite registrieren.

Laut Auswärtigem Amt wurden mehr als 240.000 Reisende nach Deutschland zurückgebracht. Die Rückkehrer werden später einen Teil der Kosten übernehmen müssen. Dabei kann es sich um Flugkosten in Höhe eines regulären Economy-Tickets handeln. Weiterführende Hinweise hat das Auswärtige Amt zusammengestellt.

Falls Sie sich noch immer im Ausland aufhalten, sollten Sie sie sich regelmäßig über die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise informieren. Nutzen Sie dazu die Website des Auswärtigen Amtes oder dessen „Sicher Reisen“-App. Wer individuell reist, sollte Kontakt mit seiner Fluggesellschaft aufnehmen und klären, ob der Rückflug noch stattfindet.

Was gilt für Rückkehrer nach Deutschland?

Wer aus dem Ausland nach Deutschland zurückkam, musste sich seit Anfang April nach seiner Ankunft in eine zweiwöchige häusliche Quarantäne begeben. Die Regelung galt unabhängig vom Transportmittel. Rückkehrer waren außerdem verpflichtet, die für ihren Wohnsitz zuständige Behörde (in der Regel das lokale Gesundheitsamt) über ihre Einreise zu informieren. Berufspendler, Saisonarbeiter, Polizisten und Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden waren von den Regelungen ausgenommen. Wie genau die Quarantänebestimmungen aussahen, konnte jedes Bundesland selbst entscheiden. 

Bund und Länder haben sich darauf geeinigt, dass künftig nur noch für Einreisende aus Staaten außerhalb der Europäischen Union (Drittstaaten) eine zweiwöchige Quarantäne gilt. Auch für Einreisende aus Island, Liechtenstein, Norwegen, der Schweiz, dem Vereinigten Königreich und Nordirland soll keine Quarantänepflicht mehr gelten. Informieren Sie sich vor Ihrer Rückkehr auf der Internetseite des Bundeslandes, in welches Sie einreisen wollen, wie die Regelungen dort konkret umgesetzt wurden. 

Quarantäne im Ausland

Falls Sie in Ihrem Reiseland von Quarantänemaßnahmen betroffen sind, müssen Sie die Anweisungen der dortigen Behörden befolgen. Eine Rückkehr nach Deutschland aus eigener Kraft oder über das Rückholprogramm des Auswärtigen Amtes ist erst möglich, wenn Sie nicht mehr in Quarantäne sind.

Sollte das Hotel oder Ihre Unterkunft an Sie herantreten und von Ihnen die Kosten für den längeren Aufenthalt verlangen, sollten Sie diese nicht zahlen. Für Pauschalreisende muss – unserer Ansicht nach – der Reiseveranstalter die zusätzlichen Kosten übernehmen und eine spätere Rückreise organisieren. Aber auch wer individuell unterwegs ist, sollte seine Unterkunft an die örtlichen Behörden verweisen.

Bekomme ich einen abgebrochenen Urlaub erstattet?

In Bezug auf Pauschalreisen gilt: Beendet der Veranstalter die Reise, weil ein Reisemangel vorliegt oder die Reise so nicht mehr durchführbar ist, dann heißt das, dass Sie nur für die Reiseinhalte zahlen müssen, die Sie auch nutzen konnten.

Ein Beispiel: Sie sind für eine 14-tägige Reise in einem Hotel untergebracht. Nach drei Tagen bricht der Veranstalter die Reise wegen der Folgen des Coronavirus ab. In diesem Fall müssten Sie die Hotelkosten für die verbleibenden elf Tage wiederbekommen. Falls sich der Veranstalter nicht von sich aus bei Ihnen meldet, sollten Sie das Geld schriftlich zurückfordern: Nennen Sie in Ihrem Schreiben den Reisezeitraum und die ausgefallenen Tage. Verschicken Sie den Brief als „Einwurf Einschreiben“ und setzen Sie eine Frist von 14 Tagen. Ihre Ansprüche verlieren Sie nicht so schnell, aber Sie sollten sie trotzdem frühzeitig geltend machen.

Auch wer individuell eine Unterkunft gebucht hat und diese vorzeitig verlassen muss, zum Beispiel aufgrund einer behördlichen Anweisung, sollte nur für die in Anspruch genommenen Tage bezahlen. Auch wenn der Betreiber selbst entscheidet, die Unterkunft zu schließen, darf er nur einen Teil des Reisepreises verlangen. Dies gilt zumindest für in Deutschland gebuchte Hotels und Ferienwohnung. Diese sind auch nicht von der geplanten Gutscheinlösung betroffen, da es um Beherbergungsverträge geht, die im Prinzip Mietverträge sind. Für Verträge, die direkt mit Unterkünften im Ausland geschlossen wurden, können dagegen andere Regelungen gelten.

Achtung: Liegt der Grund für den Reiseabbruch bei Ihnen, haben Sie natürlich keinen Anspruch auf die Erstattung der nicht in Anspruch genommenen Reiseleistung. In bestimmten Fällen greift hier eine Reiserücktrittsversicherung.

Was ist jetzt mit meiner Urlaubsplanung?

Es ist nicht leicht, auf diese Frage eine allgemeine Empfehlung zu geben. Wie Sie mit einer bestehenden Buchung verfahren oder ob Sie schon eine neue Reise ins In- oder Ausland buchen wollen, Sie müssen für sich selbst entscheiden. Dabei geht es in erster Linie um die Frage, welche Kosten und Risiken Sie eingehen wollen. Im folgenden Abschnitt geben wir Ihnen ein paar Orientierungsmöglichkeiten.

Wenn Sie schon gebucht haben

Wenn noch Restzahlungen ausstehen, sollten Sie folgendes beachten: Keine Restzahlungen mehr leisten müssen Sie, wenn Ihre Reise vor dem Ende der Reisewarnung beginnt. Denn dann hätten Sie ohnehin das Recht, die Reise kostenlos zu stornieren. Die weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gilt bis zum 14. Juni 2020.

Für Reisen, die nach dem 14. Juni geplant sind, gilt formalrechtlich Folgendes: Ist die Frist erreicht und zahlen Sie nicht, riskieren Sie eine Mahnung und ein Inkassoverfahren. Solange die Reise noch stattfinden könnte und der Anbieter nicht absagt, sind Sie zur Zahlung verpflichtet. Zahlen Sie nicht, kann der Veranstalter die Reise von sich aus stornieren – zu Ihren Lasten.

Unsere Tipps:

  1. Schieben Sie die Zahlung des Restbetrages auf, solange es geht. Ist Ihre nächste Teilzahlung zum Beispiel am 30. Juni fällig, überweisen Sie auf keinen Fall früher.

    Versuchen Sie, Zeit zu gewinnen: Kontaktieren Sie vor Ende der Zahlungsfrist Ihren Anbieter und bitten Sie ihn um einen Zahlungsaufschub angesichts der aktuell unsicheren Lage. Manche Anbieter sind kulant. So teilte etwa der Reiseveranstalter Studiosus mit, seit dem 13. März keine Restzahlungen mehr von Kunden einzuziehen, informierte seine Kunden darüber aber nur sehr zögerlich.
  2. Stellt sich der Anbieter quer, können Sie versuchen, die Reise auf einen späteren Zeitpunkt umzubuchen. Dann sollte sich auch die Frist für die Restzahlung verlängern. Ansonsten fordern Sie das Geld zurück, sobald der Veranstalter die Reise absagt.

Abwarten oder stornieren?

Wenn Sie sich unsicher sind, ob Sie abwarten oder lieber stornieren wollen, können Sie alle möglichen Fälle einmal durchspielen. Folgende Szenarien sind denkbar:

  1. Nach der Aufhebung der weltweiten Reisewarnung bestehen die Einreisebeschränkungen im Zielland fort. Laut einem Eckpunktepapier der Bundesregierung soll die Reisewarnung für einzelne Länder fortbestehen, wenn dort noch „großflächige Ausgangsbeschränkungen“ oder Einreiseverbote bestehen. In diesem Fall müssen Pauschalreiseanbieter ihre Reisen absagen und Ihnen das Geld erstatten. Individualreisende müssen prüfen, was für Anreise und Unterkunft gilt und sich gegebenenfalls mit den Anbietern einigen. 
  2. Sie dürfen in das Zielland einreisen, möchten die Reise aber nicht mehr antreten: Je kurzfristiger Sie stornieren, desto höher sind die Stornokosten. Gibt es noch erhebliche Einschränkungen am Zielort und sind wesentliche Reiseleistungen nicht möglich, können Sie als Pauschalreisender versuchen, mit Reisemängeln zu argumentieren und eventuell kostenlos zurückzutreten (§ 651i BGB). Ab wann ein Reisemangel aber zu einem kostenlosen Rücktritt berechtigt, hängt vom Einzelfall ab. Nutzen Sie dafür die Beratung der Verbraucherzentralen oder des Europäischen Verbraucherzentrums
  3. Ihr Zielland lässt Touristen einreisen – und Sie wollen die geplante Reise auch antreten: Es kann passieren, dass Sie erst kurzfristig erfahren, ob Ihre Reise stattfinden kann. Sollten Sie reisen können, müssen Sie sich darauf einstellen, dass eventuell nicht alle Urlaubsaktivitäten stattfinden können, die Sie geplant hatten. Außerdem müssen Sie davon ausgehen, dass auch an Ihrem Urlaubsort Hygiene- und Abstandsregeln gelten. Einschränkungen am Zielort berechtigen Sie möglicherweise dazu, eine Preisminderung zu verlangen. Das lässt sich aber nicht pauschal sagen. Informieren Sie sich sicherheitshalber bei den Verbraucherzentralen oder beim Europäischen Verbraucherzentrum

Die Verbraucherzentralen sind der Auffassung, dass Sie Ihre Stornokosten nachträglich zurückerhalten sollten, falls Sie vorzeitig storniert haben und sich später herausstellt, dass die Reise tatsächlich nicht wie geplant stattfinden kann. Sehr wahrscheinlich werden sich die Reiseveranstalter da aber querstellen. Dann bleibt Ihnen nur der Versuch, die Erstattung der Stornokosten mit juristischer Hilfe durchzusetzen.

Die Alternative: Umbuchen

Schauen Sie in jedem Fall, ob Ihr Reiseveranstalter oder Ihre Fluggesellschaft nicht schon von sich aus flexible Umbuchungsmöglichkeiten anbietet. Dann können Sie Ihre Reise auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Nehmen Sie also am besten Kontakt mit Ihrem Reiseveranstalter auf und erkundigen Sie sich, was möglich ist. Haben Sie Ihre Reise selbst zusammengestellt, sollten Sie die Fluggesellschaft oder das Bahnunternehmen sowie den Betreiber Ihrer Unterkunft kontaktieren.

Das sollten Sie bei innerdeutschen Reisen beachten

Die Bundesländer haben Pläne entwickelt, um den Tourismus im Inland stufenweise wieder hochzufahren: Meist dürfen zunächst nur die Zweitwohnungsbesitzer kommen, dann Mieter von Ferienwohnungen – im letzten Schritt empfangen dann auch Hotels und Pensionen wieder Gäste. Vielerorts haben Unterkünfte seit Pfingsten wieder geöffnet. Eine Übersicht darüber, was in den einzelnen Bundesländern gilt, finden Sie hier.

Die Deutsche Bahn fährt seit dem 29. Mai wieder touristische Ziele an der Nord- und Ostseeküste sowie in Bayern an. Eine Übersicht über die Reisemöglichkeiten zu den Nord- und Ostseeinseln (Stand 28. Mai) finden Sie in der folgenden Tabelle.

Übersicht: Reisemöglichkeiten deutsche Inseln 

 InselEinreiseAufenthalt
 Niedersachsen
 BorkumEinreise aus
anderen
Bundesländern
möglich
Seit 25. Mai touristische
Besuche möglich
mit mind. 
einer Übernachtung,
kein Tages-tourismus,
Ferien-wohnungen (Wiederbelegungs-frist von 7 Tagen), Hotels und Pensionen
sind geöffnet (Auslastung max. 60 Prozent)
 Norderney
 Langeoog
 Spiekeroog
 Wangerooge
 Schleswig-Holstein
 Amrum

Einreise aus

anderen Bundesländern möglich

Seit dem 18. Mai 2020 sind touristische
Reisen in Ferien-wohnungen, Ferienhäuser, Hotels und Pensionen
wieder möglich, kein Tagestourismus in der Zeit vom 21. bis 24. Mai und vom 30. Mai bis 1. Juni erlaubt
 Föhr
 Sylt
 HelgolandSeit dem 18. Mai 2020 sind touristische Reisen in Ferien-wohnungen, Ferienhäuser, Hotels und Pensionen
wieder möglich, Tagestourismus seit 26. Mai möglich
 Mecklenburg-Vorpommern
 Rügen

Einreise aus anderen Bundesländern

möglich, Ausnahme Corona-Hotspots1

Seit 25. Mai touristische Besuche möglich mit mindestens einer Übernachtung, kein Tagestourismus, Hotels und Ferienwohnungen sind geöffnet, Belegungsquote 60 Prozent
 Usedom

1 Definition: 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten 7 Tage, Infos abrufbar beim Robert-Koch-Institut
Quelle: Webauftritte der Landesregierungen, Tourismusinformationen der Inseln (Stand: 28. Mai 2020)

Wenn Sie jetzt Ihren Sommerurlaub in Deutschland buchen wollen, sollten Sie unbedingt auf die Stornierungsbedingungen achten und nach Möglichkeit auch eine Anzahlung vermeiden. 

Im Internet findet man für Ferienwohnungen vielerorts noch die gängigen Stornoregeln, nach denen man bis etwa 30 Tage vor Anreise kostenlos stornieren kann. Danach wird es oft teuer. Buchen Sie eher kurzfristig, müssen Sie also schnell reagieren, falls die Einschränkungen wieder verschärft werden. Oder Sie setzen sich mit dem Besitzer der Ferienwohnung in Verbindung und einigen sich auf eine kürzere Frist.

Eine kleine Stichprobe von uns ergab, dass manche Vermieter den Kunden angesichts der Umstände entgegenkommen und eine kostenlose Stornierung bis eine Woche vor Reisebeginn ermöglichen. Vielleicht können Sie sich mit dem Betreiber auch einigen, dass Sie keine Anzahlung leisten müssen. Lassen Sie sich jede Ausnahmeregelung vorab schriftlich bestätigen, etwa per E-Mail. Achten Sie darauf, dass der Anbieter seinen Geschäftssitz in Deutschland hat (Impressum oder E-Mail-Signatur).

Viele Hotels zeigen sich noch flexibler. Die großen Hotelketten wie Motel One, Hilton Honors oder Event Hotels bieten Tarife an, die eine kostenlose Stornierung bis einen Tag vor Anreise oder sogar bis zum Anreisetag selbst erlauben. Zahlen müssen Sie oft erst bei Ankunft. Damit sind Sie auf der sicheren Seite.

Allerdings: Steigt die Zahl der Neuinfektionen, will die Bundesregierung wieder härtere Beschränkungen einführen. Aktuelle Zahlen zum Infektionsgeschehen in Deutschland bietet das Robert-Koch-Institut (RKI). Eine regelmäßig aktualisierte und anschauliche Deutschlandkarte liefert Zeit Online.

Das sollten Sie bei Reisen ins Ausland beachten

In Deutschland und einigen anderen Ländern gehen die Infektionszahlen zurück. Deshalb hat die Bundesregierung beschlossen, dass das Auswärtige Amt die weltweite Reisewarnung nicht über den 14. Juni hinaus verlängert. Stattdessen sollen ab dem 15. Juni für alle 26 deutschen EU-Partnerländer sowie Großbritannien, Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein spezifische Reise- und Sicherheitshinweise gelten.

Die meisten europäischen Länder haben angekündigt, ihre Grenzen Mitte Juni wieder für Touristen aus Deutschland zu öffnen. Darunter Frankreich, Italien, die Schweiz und Österreich. Damit sind touristische Reisen in Europa prinzipiell wieder möglich – allerdings mit Einschränkungen am Zielort. Noch ist auch der internationale Flugverkehr stark eingeschränkt. Einige Fluggesellschaften wollen im Juni jedoch wieder Ziele im In- und Ausland anfliegen.

Nach dem Willen der EU-Kommission soll auf Flügen dann eine Maskenpflicht gelten. Mehrere Fluggesellschaften, darunter die Lufthansa, haben das bereits festgelegt. Über die genauen Vorgaben für die einzelne Verkehrsmittel entscheiden jeweils die nationalen Behörden.

Zu der Frage, wie sicher Flugreisen sind, gibt es unterschiedliche Ansichten. Airlines und Flugverbände betonen, dass Filter und Luftzirkulation sicheres Reisen ermöglichen würden. Einige Gesundheitsexperten sind hingegen der Ansicht, dass diese Filter nicht virendicht sind. Klar ist auch: Je länger sich Menschen in geschlossenen Räumen die Atemluft teilen, desto größer ist das Ansteckungsrisiko.

Für Auslandsreisen empfiehlt sich also derzeit folgendes:

  1. Neben Reisen innerhalb Deutschlands bieten sich vor allem Urlaube in den Nachbarländern an, die bei der Bekämpfung der Pandemie bereits Fortschritte erzielt haben, zum Beispiel die Niederlande und Österreich.
  2. In Bezug auf die Ansteckungsgefahr scheint das (eigene) Auto das sicherste Reisemittel zu sein.
  3. Reiselustige sollten außerdem die Rückreisemöglichkeiten bei ihren Planungen berücksichtigen. Denn die Bundesregierung hat angekündigt, keine zweite Rückholaktion für gestrandete Urlauber zu starten. Verschlechtert sich also die Lage im Zielland, müssen Sie sich wahrscheinlich selbst um eine Rückreise kümmern.

Aus diesem Grund empfehlen sich zunächst Reiseziele in Europa, die mit dem Auto oder dem Zug erreichbar sind

Falls Sie sich über das Infektionsgeschehen in Ihrem bevorzugten europäischen Reiseland informieren möchten, finden Sie beim Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten eine entsprechende Übersicht (in englischer Sprache).

Bezahlen Sie Ihre Reiseleistungen mit der Kreditkarte

Angesichts der Vielzahl an Reiseausfällen und Stornierungen ist nicht auszuschließen, dass einige Reiseveranstalter, Fluglinien oder Hotels pleitegehen. Zahlen Sie Ihre Reiseleistungen deshalb am besten immer mit Ihrer Kreditkarte, weil Sie dann bei einer Unternehmensinsolvenz in bestimmten Fällen Ihr Geld über das Chargeback-Verfahren zurückholen können. Wenden Sie sich dazu an die Bank, die Ihnen die Kreditkarte ausgestellt hat, nicht an Kreditkartenunternehmen wie Mastercard oder Visa. Was Sie genau tun müssen, um Chargeback zu nutzen, können Sie hier nachlesen.

Hilft eine Reiserücktrittsversicherung?

Eine Reiserücktrittsversicherung springt nur ein, wenn Sie eine Reise wegen einer Krankheit oder extremen Ereignissen wie einem Brand in Ihrer Wohnung nicht antreten können. Stornieren Sie Ihren Urlaub aus Angst vor einer Krankheit, zahlt die Versicherung nicht.

Sollten Sie dagegen Ihre Reise nicht antreten können, weil Sie sich in Deutschland mit dem Coronavirus angesteckt haben oder ein naher Angehöriger betroffen ist, sollte dies als „unerwartet schwere Erkrankung“ gelten. In diesem Fall greift die Reiserücktrittsversicherung, sofern Sie eine ärztliche Bescheinigung vorlegen. Einige Versicherer haben diese Auffassung bereits bestätigt, aber nicht alle. Viele Versicherer schließen Pandemien als Versicherungsfall aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Coronavirus als Pandemie eingestuft.

Für den Fall, dass Sie oder ein naher Angehöriger sich im Ausland anstecken, sollte eine Reiseabbruchversicherung einspringen. Diese übernimmt dann allerdings nur die Kosten für den Reiseabbruch, nicht die Behandlungskosten. Dafür brauchen Sie eine Auslandsreisekrankenversicherung. Achtung: Bei beiden Versicherungen ist es möglich, dass der Anbieter die Erstattung der Behandlungskosten im Falle einer Pandemie ausgeschlossen hat. Werfen Sie deshalb unbedingt einen Blick in die Versicherungsbedingungen oder erkundigen Sie sich bei Ihrem Versicherer, was gilt.

Nicht zahlen wollen viele Versicherer für Reiseabbruch bei Quarantänemaßnahmen und Reisesperren. Das gleiche gilt für Reisen, die Sie aufgrund von Quarantänebestimmungen vor Ort nicht fortsetzen können oder wenn sich Ihr Aufenthalt deshalb verlängert. Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Hamburg werden im Einzelfall die Gerichte entscheiden, ob die Versicherung zahlen muss oder nicht. 

Das gilt bei Kurzarbeit

Bei manchen Versicherungen gilt der Bezug von Kurzarbeitergeld als Reiserücktrittsgrund und damit als ein Fall, in dem die Versicherung einspringt. Laut Bund der Versicherten sollte das auch bei Kurzarbeit aufgrund des Coronavirus der Fall sein, sofern der Arbeitgeber diese bei der Agentur für Arbeit erfolgreich beantragt hat. Im Einzelfall entscheide die konkrete Formulierung in den Allgemeinen Reisebedingungen (ARB). Schauen Sie also am besten Mal in Ihren Vertragsunterlagen nach.

Ob sich ein Versicherungsvertrag nachträglich aufheben lässt, ist unklar

Einige Leser haben uns gefragt, ob sie einen Versicherungsvertrag nachträglich aufheben könnten. Zum Beispiel dann, wenn sie eine Reiserücktrittsversicherung nur für eine Reise abgeschlossen hatten, diese Reise aber wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnte.

Laut Bürgerlichem Gesetzbuch kann ein Vertrag angepasst werden, wenn sich die Umstände des Vertrages nach Abschluss „schwerwiegend verändert“ haben und die Vertragsparteien den Vertrag so nicht geschlossen hätten, wenn ihnen diese Änderungen vorab bekannt gewesen wären (§ 313, BGB). Das schließt unter Umständen auch die Möglichkeit der Kündigung ein. Nach Einschätzung des Bund der Versicherten stellt die Corona-Krise eher keine so definierte Umstandsänderung dar. Es ließe sich aber in beide Richtungen argumentieren.

Reiseversicherung lohnt sich nicht immer

Es ist grundsätzlich keine gute Idee, eine Reiseversicherung wegen eines einzigen Grundes abzuschließen. Es gilt also weiterhin unsere allgemeine Empfehlung: Überlegen Sie sich, ob Sie die Kosten für eine abgesagte Reise nicht verschmerzen können oder ein höheres Stornorisiko haben, weil Sie zum Beispiel mit kleinen Kindern reisen. Dann kann sich eine Reiserücktrittsversicherung, die auch einen Reiseabbruch abdeckt, für Sie lohnen. Eine Auslandskrankenversicherung, die auch den medizinischen Rücktransport zahlt, ist dagegen Pflicht für jeden Urlauber!

Haben wir etwas Wichtiges in diesem Ratgeber vergessen? War Ihnen etwas unklar? Schreiben Sie uns! 

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Autor
Max Mergenbaum

Stand: 04. Juni 2020


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Unsere unabhängigen Experten untersuchen regelmäßig Produkte und Dienstleister. Nur wenn sie dann ein besonders verbraucherfreundliches Angebot empfehlen, kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Solche Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*). Geld erhalten wir, wenn Sie diesen Link z.B. klicken oder beim Anbieter dann einen Vertrag abschließen. Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Ihnen unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Sie als Verbraucher ist.

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