Coronavirus und Reisen

Was die Corona-Krise für Deine Reisen bedeutet

Max Mergenbaum Stand: 27. August 2020

Vielerorts steigen die Infektionszahlen. Innerhalb Deutschlands ebenso wie in beliebten Reisezielen. In diesem Ratgeber erklären wir Dir, worauf Du achten musst, wenn Du einen Urlaub planst. Wann es Geld zurück gibt für Zug, Flug oder Unterkunft. Und wann nicht.

Welche Folgen hat eine Reisewarnung?

Bei einer Reisewarnung handelt es sich um die höchste Warnstufe des Auswärtigen Amtes. Sie wird nur dann ausgesprochen, wenn der Außenminister damit rechnet, dass Reisenden im Ausland eine „konkrete Gefahr für Leib und Leben droht“.

Für Dich bedeutet das nicht, dass Du nicht reisen darfst. Es ist eher ein dringender Appell, aufgrund der Gefahrenlage von „nicht notwendigen, touristischen Reisen“ in die betroffenen Länder Abstand zu nehmen. Ob Du verreist oder nicht, das kannst und musst Du letztendlich selbst entscheiden.

Bedenken solltest Du aber, dass eine bestehende Reisewarnung durchaus Wirkung hat. Sie kann unter anderem zur Folge haben, dass Dein Versicherungsschutz entfällt. Denn manche Versicherungen haben in ihrem Kleingedruckten stehen, dass sie nicht leisten werden, wenn für das Zielland eine Reisewarnung besteht. Möchtest Du verreisen, solltest Du insbesondere nachschauen, ob Deine Auslandskrankenversicherung oder Deine Reiserücktrittsversicherung einen solchen Ausschluss enthält. Versicherer sprechen hier in vielen Fällen von einer Pandemieklausel.

Diese aktuellen Reisewarnungen solltest Du kennen

Aufgrund der Corona-Pandemie hat das Auswärtige Amt im März erstmals eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen und diese mehrfach verlängert. Für alle Drittstaaten außerhalb der EU gilt sie vorerst weiter bis zum 14. September 2020.

Die Warnung aufgehoben hat das Auswärtige Amt hingegen zwischenzeitlich für alle EU-Mitgliedsstaaten. Auch für Island, Liechtenstein, die Schweiz und das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland besteht keine Reisewarnung mehr.

Allerdings hat sich das Auswärtige Amt explizit vorbehalten, jederzeit neue Reisewarnungen für Länder oder Regionen wegen Corona auszusprechen. Als Richtwert gilt die Zahl der Neuinfizierten im Verhältnis zur Bevölkerung: Kommt es in einem Land innerhalb von sieben Tagen zu mehr als 50 Fällen pro 100.000 Einwohner, ist mit einer erneuten Reisewarnung zu rechnen.

Für Dich ein Anhaltspunkt: Meist erklärt zuerst das Robert-Koch-Institut eine Region zum Risikogebiet, bevor das Auswärtige Amt mit einer Reisewarnung reagiert. Aktuelles Beispiel: Spanien. Mit Ausnahme von den Kanarischen Inseln rät das Außenministerium derzeit von allen nicht notwendigen Reisen ab (Stand: 27. August 2020).

Was gilt bei Pauschalreisen?

Um eine Pauschalreise handelt es sich immer dann, wenn Du bei einem Reiseveranstalter mindestens zwei wesentliche Reiseleistungen zusammen gebucht hast, zum Beispiel Flug und Hotel. Dass es sich um eine Pauschalreise handelt, kannst Du auch daran erkennen, dass Du einen Sicherungsschein erhältst. Zumindest, wenn Du bei einem deutschen Anbieter gebucht hast. Dieser Schein soll garantieren, dass Du Dein eingezahltes Geld auch im Falle einer Insolvenz des Veranstalters zurückerhältst. Grundsätzlich bist Du als Pauschalreisender rechtlich besser abgesichert, als jemand der seine Reise individuell organisiert.

Ein Vorteil während der Corona-Krise: Unter bestimmten Voraussetzungen haben Pauschalreisende das Recht, von ihrer Reise zurückzutreten, ohne den Veranstalter dafür entschädigen zu müssen. Der Gesetzgeber fordert dafür „unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände“ (§ 651h Abs. 3 BGB), die die Pauschalreise erheblich beeinträchtigen müssen. Gibt es eine Reiswarnung für ein Land oder eine Region, ist diese Voraussetzung gegeben. Das haben Gerichte in der Vergangenheit so bestätigt.

Wenn also ausgerechnet für Dein Reiseziel eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gilt, hast Du gute Chancen, kostenlos zu stornieren und Dein Geld zurückzubekommen. In der Regel wird aber der Reiseveranstalter selbst von sich aus absagen, wenn eine Reisewarnung für das Zielland vorliegt.

Auch Kreuzfahrten sind Pauschalreisen. Das Auswärtige Amt rät „aufgrund der besonderen Risiken“ weiterhin davon ab, an Kreuzfahrten teilzunehmen. Ausgenommen sind Kreuzfahrten innerhalb des EU- beziehungsweise Schengenraumes mit besonderen Hygienekonzepten. Fällt Deine Kreuzfahrt unter die Reisewarnung, kannst Du analog zu den Pauschalreisen abwarten, bis der Anbieter storniert oder selbst kostenlos stornieren.

Entscheidend dafür, ob Du kostenlos aus dem Reisevertrag rauskommst ist, dass die „unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umstände“ zum Zeitpunkt der Reise vorliegen. Bis zum 14. Juni galt eine weltweite Reisewarnung für alle Länder. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten alle Pauschalreisen kostenlos storniert werden. Nachdem das Auswärtige Amt am 15. Juli für die meisten europäischen Länder die Reisewarnung aufgehoben hat, ist die Lage allerdings etwas unübersichtlich geworden.

Erstens: Für Drittstaaten außerhalb der EU gilt die Reisewarnung vorerst weiter, und zwar bis zum 14. September 2020. Für Pauschalreisen in diese Länder gibt es solange auf jeden Fall noch die Möglichkeit, kostenlos zu stornieren. Zweitens: Auch innerhalb der EU können erneut Reisewarnungen für bestimmte Länder und Regionen ausgesprochen werden. In diesem Fall ist die kostenlose Stornierung auch wieder möglich.

Möchtest Du Deine Reise stornieren, kannst Du unser Musterschreiben nutzen, um die Erstattung Deiner Reisekosten einzufordern. Findet Deine Reise erst zu einem späteren Zeitpunkt statt, musst Du darauf achten, ob die Reisewarnung auch dann noch für Dein Zielland gilt – ob sie verlängert oder wiedereingeführt wurde oder ob am Urlaubsort noch Einreisesperren oder Quarantänepflichten bestehen. Beginnt Deine Reise nach dem 14. September, kannst Du – Stand heute – noch nicht kostenlos stornieren.

Vor kurzem hat das Amtsgericht Frankfurt in einem Fall entschieden, dass ein Reiseveranstalter dem Kunden auch dann den vollen Reisepreis erstatten muss, wenn zum Zeitpunkt von dessen Stornierung bereits abzusehen war, dass im Reisegebiet mit einer Gefährdung durch das Coronavirus zu rechnen war. Dieses Urteil (Az. 32 C 2136/20 (18)) stärkt die Perspektive der Verbraucher. Allerdings ist es mit Vorbehalt zu betrachten. Zum einen kann diese Gerichtsentscheidung noch von höheren Instanzen gekippt werden. Zum anderen ist ein Urteil immer eine Einzelfallentscheidung.

Wer Dir bei Ärger mit dem Reiseveranstalter hilft

Falls Dein Reiseveranstalter Gebühren für die Stornierung verlangt oder die Erstattung des Reisepreises unverhältnismäßig hinauszögert, kannst Du Dich an die Verbraucherzentralen oder bei Reisen ins EU-Ausland an das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) wenden. Wichtig dafür ist, dass Du die Auseinandersetzung mit dem Anbieter schriftlich dokumentierst. Im Zweifel musst Du Deinen Anspruch vor Gericht einklagen.

Nutze unser Musterschreiben, um Dir den Reisepreis Deiner Pauschalreise erstatten zu lassen.

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Was gilt bei Individualreisen?

Hast Du Deine Reise selbst zusammengestellt, bist Du rechtlich weniger gut geschützt als Pauschalreisende. Einfach stornieren solltest Du ein gebuchtes Hotel, einen Flug oder einen Mietwagen also nicht. Wie gut Deine Chancen auf eine Erstattung stehen, hängt vom Einzelfall ab. Je nachdem, ob Du eine Unterkunft oder ein Transportmittel gebucht hast und ob es sich um eine Reise im In- oder Ausland handelt, gelten unterschiedliche Regelungen.

Was ist mit innerdeutschen Reisen?

Durch die Corona-Pandemie waren nicht nur Reisen ins Ausland, sondern auch Urlaube innerhalb Deutschlands von Sicherheits- und Quarantänemaßnahmen betroffen. Dies erleichterte es auch vielen Individualreisenden, Ansprüche geltend zu machen. Denn nach deutschem Recht muss niemand für eine Unterkunft bezahlen, die er oder sie nicht erreichen kann. Zeitweise hatten einige Bundesländer touristische Übernachtungen im Inland verboten. In diesem Fall konnte der Betreiber seine Leistung nicht erfüllen, musste entweder selbst absagen oder den Reisepreis ohne Stornogebühren erstatten.

Was ist mit Reisen ins Ausland?

Wie die jeweilige Gefährdung in verschiedenen Ländern und Regionen aussieht, kannst Du jederzeit beim Auswärtigen Amt nachlesen. Ebenfalls hilfreich kann die Liste der Risikogebiete sein, die das Robert-Koch-Institut regelmäßig aktualisiert.

Bei Auslandsreisen gehst Du in der Regel einen Vertrag mit einem Eigentümer in dem jeweiligen Reiseland ein – Du kannst Dich daher nicht einfach auf die deutschen Regelungen berufen. Denn natürlich gilt für den Vertrag mit einem Anbieter in einem anderen Land das dortige Recht. Selbst wenn Du demnach Ansprüche hast, kannst Du Deine Rechte bei Vertragspartnern im Ausland oft schlecht durchsetzen. Du musst also auch auf die Kulanz Deines Gegenübers hoffen. Setze Dich deshalb vor einer Stornierung unbedingt mit dem Anbieter in Verbindung und kläre ab, was möglich ist. Vielleicht könnt Ihr Euch auf einen Kompromiss einigen, zum Beispiel auf eine kostenlose Umbuchung oder einen Reisegutschein in Höhe des Reisepreises.

Möglicherweise findest Du auch auf den Hilfeseiten der Vermittlungsportale Hinweise, wie Du am besten vorgehst. Zumindest die beliebte Buchungsplattform Airbnb bietet unter bestimmten Bedingungen kostenlose Stornierungen für Gäste und Gastgeber an. Wer bis zum 14. März eine Unterkunft zwischen dem 14. März und dem 30. September gebucht hat, kann seine Reise vor Beginn kostenlos stornieren. Für Buchungen ab 15. März gelten die üblichen Stornierungsregelungen (Stand: 18. August 2020).

Falls Du Schwierigkeiten mit einer Reise oder einer Unterkunft in Deutschland hast, kannst Du Dich an die Verbraucherzentrale in Deinem Ort wenden. Bei Individualreisen ins europäische Ausland hilft Dir das Europäische Verbraucherzentrum weiter.

Was ist mit meiner Bahnfahrt?

Die Deutsche Bahn erlaubt ihren Kunden, vor dem 13. März gebuchte Fernverkehr-Tickets bis zum 31. Oktober 2020 zu nutzen: Die Zugbindung ist bei Sparpreisen und Supersparpreisen aufgehoben. Das gilt überwiegend auch für internationale Fahrkarten und für Gruppenreisen. Der Nahverkehr ist von der Regelung ausgenommen (Stand: 18. August 2020).

Was ist mit meinem Flug?

Viele Fluggesellschaften haben auf die besondere Lage reagiert und die Regeln für Umbuchung oder Stornierung gelockert. Einige bieten flexiblere Umbuchungsmöglichkeiten an, bei anderen kannst Du bestehende und neue Flüge ohne Gebühr umbuchen.

Viele Länder haben während der Corona-Krise ihre Einreisebedingungen für deutsche Reisende verschärft. Einreisesperren gelten nach wie vor für Indien und die USA. In manchen Ländern, zum Beispiel in Israel, musst Du Dich nach der Ankunft zwei Wochen in Quarantäne begeben. Die aktuellen Regelungen für Reisende aus Deutschland findest Du online beim Auswärtigen Amt.

Bestehen erhebliche Einreisebeschränkungen ist es wahrscheinlich, dass Airlines selbst ihre Flüge streichen. Im Fall einer solchen Flugannullierung kannst Du kostenlos umbuchen oder Dein Geld zurückbekommen (Art. 8 Fluggastrechteverordnung). Annulliert die Fluggesellschaft selbst den Flug, muss sie Dir den Ticketpreis innerhalb von sieben Tagen erstatten.

Wichtig: Die Flugastrechteverordnung gilt für europäische Fluggesellschaften und für Flüge bei nicht-europäischen Airlines, die von einem Flughafen eines EU-Mitgliedstaates aus starten.

Findet Dein Flug noch statt, gelten die Stornierungsbedingungen der Airline. In den meisten Fällen musst Du dann Stornogebühren zahlen. Bei günstigen Tarifen ohne Stornierungsoption bekommst Du in der Regel nur Steuern und Gebühren zurück. Hast Du dagegen storniert und der Flug fällt später aus, kannst Du nach unserer Ansicht die vollständige Erstattung des Ticketpreises verlangen. Deine Fluggesellschaft wird das aber vermutlich anders sehen.

Unerfreulich ist: Viele Fluggesellschaften weisen auf ihren Websites nicht klar darauf hin, dass Kunden bei gestrichenen Flügen einen Anspruch darauf haben, den Ticketpreis erstattet zu bekommen. Außerdem erreichen uns viele Hinweise, dass die Telefon-Hotlines der Airlines kaum zu erreichen sind.

Was Du tun kannst, falls die Airline nicht zahlt, welche Unterstützung Fluggasthelfer bieten und in welchen Fällen ein Chargeback-Verfahren helfen kann, kannst Du in unserem Ratgeber zur Erstattung von Flugtickets nachlesen.

Wer muss Gutscheine akzeptieren?

Einige Reiseunternehmen bieten Kunden lediglich eine Erstattung ihrer Reisekosten in Form eines Gutscheins an, der für eine andere Reise beim gleichen Anbieter eingesetzt werden kann. Die Veranstalter versuchen damit, Kundenkapital im Unternehmen zu behalten und nicht massenhaft zurückzahlen zu müssen.

Rechtlich ist die Lage aber eindeutig: Nach der europäischen Pauschalreiserichtlinie musst Du als Kunde immer die Wahl haben, ob Du einen Gutschein annimmst oder Dir das Geld vom Reiseveranstalter erstatten lässt. Das gleiche gilt für Flüge, wo die EU-Fluggastverordnung ebenfalls ein Wahlrecht vorsieht.

Pläne der Bundesregierung, die bestehenden Regelungen zu lockern, hat die EU-Kommission abgelehnt. Sowohl für Pauschalreisen als auch für Flüge wird es keine europäische Gutscheinlösung geben. Stattdessen hat der Bundestag im Juli folgende Regeln beschlossen:

  1. Gutscheine sind fortan staatlich abgesichert, wenn der bestehende Insolvenzschutz der Reiseveranstalter nicht ausreicht. Die zusätzliche staatliche Garantie gilt zeitlich befristet für die aktuelle Corona-Pandemie. 
  2. Kunden, die ihren Gutschein nicht bis Ende 2021 einlösen, können sich den Reisepreis auszahlen lassen.
  3. Auch Kunden, die vor dem 8. März eine Reise gebucht haben, profitieren rückwirkend von den neuen Regelungen.

Wie die Geld-zurück-Regeln für Veranstaltungen im Inland aussehen, kannst Du in unserem Ratgeber zu abgesagten Veranstaltungen nachlesen.

Was gilt für Rückkehrer nach Deutschland?

Die Einreise nach Deutschland ist grundsätzlich möglich. Allerdings müssen Rückkehrer aus sogenannten Risikogebieten mit Einschränkungen rechnen. Seit dem 8. August müssen sie sich nach ihrer Einreise auf das Coronavirus testen lassen. Tests sind an Flughäfen und Häfen möglich.

Wenn das nicht klappt, kannst Du telefonisch einen Termin bei einem niedergelassenen Arzt vereinbaren. Bis zum Testergebnis musst Du Dich in Quarantäne begeben. Fällt der Test negativ aus, kannst Du die Quarantäne vorzeitig beenden. Anderenfalls musst Du zwei Wochen in Quarantäne bleiben. Bist Du nur durch ein Risikogebiet gereist, ohne Dich dort aufzuhalten, gilt für Dich keine Quarantänepflicht.

Egal ob Du aus einem Risikogebiet kommst oder nicht, musst Du als Reisender Deinen Test nicht selbst bezahlen. Seit dem 1. August übernimmt der Bund die Kosten für alle Reisenden, die sich innerhalb von 72 Stunden testen lassen. Für Urlauber, die aus Nicht-Risikogebieten einreisen, ist der Test freiwillig (Stand: 27. August 2018).

Derzeit beraten die Ministerpräsidenten der Länder, die kostenlosen Tests für Reisende ab dem 15. September zu beenden. Dann müssten Rückkehrer selbst für einen Test bezahlen.

Eine weitere Änderung, die im Gespräch ist: Reisende aus Risikogebieten sollen nun mindestens für fünf Tage in Quarantäne. Erst nach Ablauf dieser Frist sollst Du die Quarantäne durch Vorlage eines negativen Testergebnisses verlassen können (Stand 27. August 2020). 

Ein Land oder eine Region gilt als Risikogebiet, wenn es dort innerhalb der letzten sieben Tage mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gab. Dies ist aktuell in Spanien der Fall (Stand: 27. August 2020). Informiere Dich daher vor Deiner Rückkehr, ob das Robert-Koch-Institut Dein Urlaubsland als Risikogebiet eingestuft hat.

Wichtig: Jedes Bundesland kann die Quarantänepflicht unterschiedlich festlegen. Informiere Dich daher auf der Website Deines Bundeslandes, welche Regelungen für Dich gelten. Mehr Infos findest Du außerdem beim Bundesgesundheitsministerium.

Was passiert, wenn Du im Ausland in Quarantäne musst?

Falls Du in Deinem Reiseland von Quarantänemaßnahmen betroffen bist, musst Du die Anweisungen der dortigen Behörden befolgen. Eine Rückkehr nach Deutschland aus eigener Kraft ist erst möglich, wenn Du nicht mehr in Quarantäne bist.

Sollte das Hotel oder Deine Unterkunft an Dich herantreten und von Dir die Kosten für den längeren Aufenthalt verlangen, solltest Du diese nicht zahlen. Für Pauschalreisende muss – unserer Ansicht nach – der Reiseveranstalter die zusätzlichen Kosten übernehmen und eine spätere Rückreise organisieren. Aber auch wer individuell unterwegs ist, sollte seine Unterkunft an die örtlichen Behörden verweisen.

Wer bekommt einen abgebrochenen Urlaub erstattet?

In Bezug auf Pauschalreisen gilt: Beendet der Veranstalter die Reise, weil ein Reisemangel vorliegt oder die Reise so nicht mehr durchführbar ist, dann heißt das, dass Du nur für die Reiseinhalte zahlen musst, die Du auch nutzen konntest.

Ein Beispiel: Du bist für eine 14-tägige Reise in einem Hotel untergebracht. Nach drei Tagen bricht der Veranstalter die Reise wegen der Corona-Pandemie ab. In diesem Fall müsstest Du Hotelkosten wiederbekommen – für die verbleibenden elf Tage. Fordere das Geld schriftlich zurück und nenne dabei den Reisezeitraum und die ausgefallenen Tage. Setze dem Veranstalter für die Erstattung eine Frist von 14 Tagen. Und um später beweisen zu können, dass Du Dich gekümmert hast, verschicke diesen Brief nicht einfach als Brief, sondern als „Einwurf Einschreiben“.

Auch wenn Du individuell eine Unterkunft gebucht hast und diese vorzeitig verlassen musst, zum Beispiel aufgrund einer behördlichen Anweisung, solltest Du nur für die in Anspruch genommenen Tage bezahlen. Auch wenn der Betreiber selbst entscheidet, die Unterkunft zu schließen, darf er nur einen Teil des Reisepreises von Dir verlangen. Dies gilt zumindest für in Deutschland gebuchte Hotels und Ferienwohnung. Für Verträge, die direkt mit Unterkünften im Ausland geschlossen wurden, können dagegen andere Regelungen gelten.

Achtung: Liegt der Grund für den Reiseabbruch bei Dir, hast Du natürlich keinen Anspruch auf die Erstattung der nicht in Anspruch genommenen Reiseleistung. In bestimmten Fällen greift hier aber eine Reiserücktrittsversicherung.

Was gilt für die Urlaubsplanung?

Es ist nicht leicht, auf diese Frage eine allgemeine Antwort zu geben. Letztlich hängt es davon ab, welche Kosten und Risiken Du bereit bist, einzugehen. Im folgenden Abschnitt geben wir Dir ein paar Orientierungsmöglichkeiten.

Wenn Du schon gebucht hast

Wenn noch Restzahlungen ausstehen, solltest Du Folgendes beachten:

Hast Du nach dem 14. Juni eine Reise in ein Land ohne Reisewarnung geplant, gilt formalrechtlich Folgendes: Ist die Frist erreicht und zahlst Du nicht, riskierst Du eine Mahnung und ein Inkassoverfahren. Solange die Reise noch stattfinden könnte und der Anbieter nicht absagt, bist Du zur Zahlung verpflichtet. Zahlst Du nicht, kann der Veranstalter die Reise von sich aus stornieren – zu Deinen Lasten.

Unsere Tipps:

  1. Schiebe die Zahlung des Restbetrages auf, solange es geht. Überweise auf keinen Fall früher als Du musst. Versuch am besten, Zeit zu gewinnen: Kontaktiere vor Ende der Zahlungsfrist den Anbieter und bitte ihn um einen Zahlungsaufschub angesichts der aktuell unsicheren Lage
  2. Stellt sich der Anbieter quer, kannst Du versuchen, die Reise auf einen späteren Zeitpunkt umzubuchen. Dann sollte sich auch die Frist für die Restzahlung verlängern. Ansonsten forderst Du das Geld zurück, sobald der Veranstalter die Reise absagt.

Abwarten oder stornieren?

Wenn Du unsicher bist, ob Du abwarten oder lieber stornieren willst, kannst Du alle möglichen Fälle einmal durchspielen. Folgende Szenarien sind denkbar:

  1. Nach der Aufhebung der weltweiten Reisewarnung bestehen die Einreisebeschränkungen im Zielland fort. Zwar hat das Auswärtige Amt seine Reisewarnung für die meisten europäischen Länder zum 15. Juni aufgehoben. Für viele Länder gilt die Reisewarnung aber bis Ende August weiter, zum Beispiel für alle Drittstaaten außerhalb der EU:

    Soll Deine Pauschalreise in diesem Zeitraum in eines der betroffenen Länder gehen, muss der Anbieter nach Ansicht der Verbraucherzentralen die Reise absagen und Dir das Geld erstatten. Da sich das Auswärtige Amt vorbehält, die Reisewarnung für einzelne Länder früher aufzuheben, wenn sich die Lage bessert, kann es sein, dass Reiseanbieter die Stornierung hinauszögern. Willst Du selbst stornieren, lässt Du Dich am besten vorher von der Verbraucherzentrale beraten. Individualreisende müssen prüfen, was für Anreise und Unterkunft gilt und sich gegebenenfalls mit den Anbietern einigen.
  2. Du darfst in das Zielland einreisen, möchten die Reise aber nicht mehr antreten:

    Je kurzfristiger Du stornierst, desto höher sind die Stornokosten. Gibt es noch erhebliche Einschränkungen am Zielort und sind wesentliche Reiseleistungen nicht möglich, kannst Du als Pauschalreisender versuchen, mit Reisemängeln zu argumentieren und eventuell kostenlos zurückzutreten (§ 651i BGB). Ab wann ein Reisemangel aber zu einem kostenlosen Rücktritt berechtigt, hängt vom Einzelfall ab. Lass Dir bei der Beurteilung von den Verbraucherzentralen oder dem Europäischen Verbraucherzentrum helfen.
  3. Dein Zielland lässt Touristen einreisen – und Du willst die geplante Reise auch antreten: 

    Es kann passieren, dass Du erst kurzfristig erfährst, ob Deine Reise stattfinden kann. Solltest Du reisen können, musst Du Dich darauf einstellen, dass eventuell nicht alle Urlaubsaktivitäten stattfinden können, die Du geplant hattest. Am Urlaubsort gelten wahrscheinlich auch Hygiene- und Abstandsregeln. Einschränkungen am Zielort berechtigen Dich möglicherweise dazu, eine Preisminderung zu verlangen. Das lässt sich aber nicht pauschal sagen. Informiere Dich sicherheitshalber bei den Verbraucherzentralen oder beim Europäischen Verbraucherzentrum.

Die Alternative: Umbuchen

Schau in jedem Fall, ob Reiseveranstalter oder Fluggesellschaft nicht schon von sich aus flexible Umbuchungsmöglichkeiten anbieten. Dann kannst Du Deine Reise auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Nimm also am besten Kontakt mit Deinem Reiseveranstalter auf und erkundige Dich, was möglich ist. Hast Du Deine Reise selbst zusammengestellt, solltest Du die Fluggesellschaft oder das Bahnunternehmen sowie den Betreiber Deiner Unterkunft kontaktieren.

Das solltest Du bei innerdeutschen Reisen beachten

Die Bundesländer haben den Tourismus im Inland stufenweise wieder hochgefahren. Eine Übersicht darüber, was in den einzelnen Bundesländern gilt, findest Du hier.

Wenn Du Deinen Sommerurlaub in Deutschland buchen willst, solltest Du unbedingt auf die Stornierungsbedingungen achten und nach Möglichkeit auch eine Anzahlung vermeiden.

Im Internet findet man für Ferienwohnungen vielerorts noch die gängigen Stornoregeln, nach denen man bis etwa 30 Tage vor Anreise kostenlos stornieren kann. Danach wird es oft teuer. Wenn Du eher kurzfristig buchst, musst Du also schnell reagieren, falls die Einschränkungen wieder verschärft werden.

Eine kleine Stichprobe von uns ergab, dass manche Vermieter den Kunden angesichts der Umstände entgegenkommen und eine kostenlose Stornierung bis eine Woche vor Reisebeginn ermöglichen. Vielleicht kannst Du Dich mit dem Betreiber auch einigen, dass Du keine Anzahlung leisten musst. Lass Dir jede Ausnahmeregelung vorab schriftlich bestätigen, etwa per E-Mail. Achte darauf, dass der Anbieter seinen Geschäftssitz in Deutschland hat (Impressum oder E-Mail-Signatur).

Viele Hotels zeigen sich noch flexibler. Die großen Hotelketten wie Motel One, Hilton Honors oder Event Hotels bieten Tarife an, die eine kostenlose Stornierung bis einen Tag vor Anreise oder sogar bis zum Anreisetag selbst erlauben. Zahlen musst Du oft erst bei Ankunft. Damit bist Du auf der sicheren Seite.

Allerdings: Steigt die Zahl der Neuinfektionen, will die Bundesregierung wieder härtere Beschränkungen einführen. Aktuelle Zahlen zum Infektionsgeschehen in Deutschland bietet das Robert-Koch-Institut (RKI). Eine regelmäßig aktualisierte und anschauliche Deutschlandkarte liefert Zeit Online.

Das solltest Du bei Reisen ins Ausland beachten

  1. Lass Dich medizinisch beraten, ob eine Reise sinnvoll ist. Gerade dann, wenn Du zu einer Risikogruppe gehörst.
  2. Zu der Frage, wie sicher Flugreisen sind, gibt es unterschiedliche Ansichten. In Bezug auf die Ansteckungsgefahr scheint das (eigene) Auto das sicherste Reisemittel zu sein. Plane Reisen in Länder, die ohne Flugzeug erreichbar sind. Neben Reisen innerhalb Deutschlands bieten sich vor allem Urlaube in den Nachbarländern an, die bei der Bekämpfung der Pandemie bereits Fortschritte erzielt haben, zum Beispiel die Niederlande und Österreich.
  3. Beachte die Reise- und Sicherheitshinweise für Dein Zielland. Hilfreich, wenn Du innerhalb Europas reisen willst: Die EU-Kommission hat mit „Re-open EU“ eine Plattform ins Leben gerufen, die helfen soll, trotz unterschiedlicher Reiseregeln den Überblick zu behalten. 

    Falls Du Dich über das Infektionsgeschehen in Deinem bevorzugten europäischen Reiseland informieren möchtest, findest Du beim Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten eine entsprechende Übersicht (in englischer Sprache).
  4. Berücksichtige bei Deiner Planung die Rückreisemöglichkeiten. Die Bundesregierung hat angekündigt, keine zweite Rückholaktion für gestrandete Urlauber zu starten. Verschlechtert sich also die Lage im Zielland, musst Du Dich wahrscheinlich selbst um die Rückreise kümmern. 
  5. Achte auf einen ausreichenden Versicherungsschutz: Jeder gesetzlich Krankenversicherte sollte eine extra Auslandsreisekrankenversicherung haben. Wer privat versichert ist, unter Umständen auch. Schau unbedingt in Deinen Versicherungsbedingungen nach, ob Leistungen bei Epidemien, Pandemien oder einer Reisewarnung ausgeschlossen sind. Dann leistet die Versicherung nicht!
  6. Bezahle Deine Reiseleistungen mit der Kreditkarte. Dann kannst Du bei einer Unternehmensinsolvenz in bestimmten Fällen Dein Geld über das Chargeback-Verfahren zurückholen. Wende Dich dazu an die Bank, die Dir die Kreditkarte ausgestellt hat, nicht an Kreditkartenunternehmen wie Mastercard oder Visa. Mehr Infos zum Thema Chargeback findest Du in unserem Ratgeber.

Hilft eine Reiserücktrittsversicherung?

Eine Reiserücktrittsversicherung springt nur ein, wenn Du eine Reise wegen einer Krankheit oder extremen Ereignissen wie einem Brand in Deiner Wohnung nicht antreten kannst. Stornierst Du Deinen Urlaub aus Angst vor einer Krankheit, zahlt die Versicherung nicht.

Solltest Du dagegen die Reise nicht antreten können, weil Du Dich in Deutschland mit dem Coronavirus angesteckt hast oder ein naher Angehöriger betroffen ist, sollte dies als „unerwartet schwere Erkrankung“ gelten. In diesem Fall greift die Reiserücktrittsversicherung, sofern Du eine ärztliche Bescheinigung vorlegst. Einige Versicherer haben diese Auffassung bereits bestätigt, aber nicht alle. Viele Versicherer schließen Pandemien als Versicherungsfall aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Coronavirus als Pandemie eingestuft.

Für den Fall, dass Du oder ein naher Angehöriger sich im Ausland anstecken, sollte eine Reiseabbruchversicherung einspringen. Diese übernimmt dann allerdings nur die Kosten für den Reiseabbruch, nicht die Behandlungskosten. Dafür brauchst Du eine Auslandsreisekrankenversicherung. Achtung: Bei beiden Versicherungen ist es möglich, dass der Anbieter die Erstattung der Behandlungskosten im Falle einer Pandemie ausgeschlossen hat. Wirf deshalb unbedingt einen Blick in die Versicherungsbedingungen oder erkundige Dich bei Deinem Versicherer, was gilt.

Nicht zahlen wollen viele Versicherer für Reiseabbruch bei Quarantänemaßnahmen und Reisesperren. Das gleiche gilt für Reisen, die Du aufgrund von Quarantänebestimmungen vor Ort nicht fortsetzen kannst oder wenn sich Dein Aufenthalt deshalb verlängert.

Zumindest bei den Reiserücktrittsversicherungen könnte sich dies demnächst ändern. Einige Anbieter haben angekündigt, Quarantänemaßnahmen künftig als Versicherungsfall aufzunehmen oder über Zusatzpolicen zu versichern. Mehr Infos findest Du in unserem Ratgeber zum Thema

Das gilt bei Kurzarbeit

Bei manchen Versicherungen gilt der Bezug von Kurzarbeitergeld als Reiserücktrittsgrund und damit als ein Fall, in dem die Versicherung einspringt. Laut Bund der Versicherten sollte das auch bei Kurzarbeit aufgrund des Coronavirus der Fall sein, sofern der Arbeitgeber diese bei der Agentur für Arbeit erfolgreich beantragt hat. Im Einzelfall entscheide die konkrete Formulierung in den Allgemeinen Reisebedingungen (ARB). Du kommst hier nicht drumherum, in Deinen Vertragsunterlagen nachzuschauen.

Ob sich ein Versicherungsvertrag nachträglich aufheben lässt, ist unklar

Einige Leser haben uns gefragt, ob sie einen Versicherungsvertrag nachträglich aufheben könnten. Zum Beispiel dann, wenn sie eine Reiserücktrittsversicherung nur für eine Reise abgeschlossen hatten, diese Reise aber wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnte.

Laut Bürgerlichem Gesetzbuch kann ein Vertrag angepasst werden, wenn sich die Umstände des Vertrages nach Abschluss „schwerwiegend verändert“ haben und die Vertragsparteien den Vertrag so nicht geschlossen hätten, wenn ihnen diese Änderungen vorab bekannt gewesen wären (§ 313 BGB). Das schließt unter Umständen auch die Möglichkeit der Kündigung ein. Nach Einschätzung des Bund der Versicherten stellt die Corona-Krise eher keine so definierte Umstandsänderung dar. Es ließe sich aber auch in die andere Richtung argumentieren.

Mehr Infos dazu, wann sich eine Reiserücktrittsversicherung lohnt, findest Du in unserem Ratgeber zum Thema.

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Autor
Max Mergenbaum

Stand: 27. August 2020


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