Die Spielgeld-Regel: Wie viel Zocken darf beim Investieren sein?

Bitcoin, Gold, oder diese eine vielversprechende Aktie. Möchtest Du mehr ausprobieren als den Alle-Länder-ETF? Was sich hinter maximal 10 % „Spielgeld“ verbirgt und warum Du es mit Vorsicht einsetzen solltest.

Nadine Graf
Von Nadine Graf und Sophie Creitz
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Du investierst schon in einen Alle-Länder-ETF und Dein Vermögen wächst einfach mit etwa 6 % durchschnittlicher Rendite pro Jahr. Gleichzeitig hörst Du überall von schnellen Rekord-Gewinnen an der Börse und denkst Dir: Kann oder sollte ich nicht noch etwas anderes machen?

Vorweg: Du machst alles richtig, wenn Du „nur“ in einen Alle-Länder-ETF sparst. Das ist Dein Basisinvestment und Du solltest es nicht vernachlässigen. Wenn Du aber darüber hinaus Geld in spekulativere Anlagen investieren möchtest, ist unsere Empfehlung: Mach das nicht mit mehr als 10% deines Vermögens. Das ist das sogenannte „Spielgeld“.  

Was zählt zu flüssigem Vermögen? 

Das flüssige Vermögen ist der Teil Deines Vermögens, den Du schnell zu Geld machen kannst. ETFs und Tagesgeld zum Beispiel. Immobilien hingegen gehören nicht dazu – gerade, wenn Du darauf auch noch einen Kredit abbezahlst.

Was ist Spekulation?

Sorgst Du fürs Alter vor, solltest Du passiv investieren. Das bedeutet: Du investiert regelmäßig und langfristig in ein breit gestreutes Produkt, ohne in den verschiedenen Marktphasen einzugreifen. Deshalb empfehlen wir einen automatisierten Sparplan mit einem günstigen Alle-Länder-ETF. So investierst Du in sehr viele Länder, Branchen und Unternehmen unterschiedlicher Größe zu jedem Zeitpunkt und lässt den Markt für Dich arbeiten. Hier erfährst Du mehr zu unserer neuen IMI Strategie.  

Das Gegenteil davon ist die Spekulation: Dabei wettest Du auf bestimmte Entwicklungen. Du wettest z. B., dass KI oder Krypto in einem bestimmten Zeitraum wächst. So kannst Du auf Branchen, Firmen, Regionen oder Währungen setzen. Davon ausgehend (ver)kaufst Du, weil Du hoffst, hohe Gewinne abzustauben.

Wichtig: Du solltest Vermögensaufbau und Spekulation klar voneinander. Die Sparrate für Deine Altersvorsorge sollte nicht kleiner ausfallen, weil Du spekulieren möchtest und sie sollte schon gar nicht davon abhängen, wie eine Wette ausgeht.

Spielgeld für Bitcoin?

Wir kennen alle die Krypto-Erfolgsgeschichten. Dass aber viele auch hohe Geldsummen verloren haben, liest man seltener. Im Vergleich zu Aktien schwanken Bitcoin & Co. viel stärker. Der Bitcoin ist z. B. im ersten Halbjahr 2026 um über 28.960 Dollar gefallen, also rund 33 %. Kryptowährungen sind enorm spekulativ und riskant. Ganz klar: Das ist Teil der maximal 10 % und keine Altersvorsorge!

Wichtig: Lese Dich vorher in das Thema Kryptowerte ein. Es gibt ein paar Sachen zu beachten. Wir haben Bitcoin-Plattformen für Dich getestet, und empfehlen z. B. bitvavo, Bison und Finst.

Spielgeld für KI oder Wasserstoff?

Viele Anleger investieren in Trends, wie KI, Wasserstoff oder erneuerbare Energien. Frei nach der Logik: So viele Menschen können nicht falsch liegen. Manche setzen auf Einzelaktien des KI-Giganten NVIDIA. Andere lieber auf einen KI- oder Tech-Themen-ETF, um auf mehr Titel zu setzen. Aber auch das Setzen auf eine Branche führt zu einem Klumpenrisiko und ist spekulativ – also ein Fall für Dein Spielgeld.  

Wieso sind Trends gefährlich?

Aus Trends können sogenannte „Blasen“ entstehen. Spekulanten kaufen im Eifer beliebte Aktien und der Börsenwert steigt stark. Wenn das Unternehmen oder die Branche dann schwächer performen als erwartet, kann die „Blase“ platzen.  Anleger verkaufen panisch ihre Anteile und die Aktienwerte sinken stark.  

Vor einigen Jahren haben viele z. B. auf deutsche Solarenergie-ETFs gesetzt und leider mit der Wette verloren. Zwar hat Solarenergie geboomt, nur deutsche Solarunternehmen nicht. Andere Länder haben den Preiskampf gewonnen. Die Börsenwerte bilden nicht immer die Entwicklung der Technologie ab.  

Warum Gold kein Spielgeld ist

Gold wird oft als Absicherung für sehr extreme Krisenszenarien gekauft, etwa wenn Geld stark an Kaufkraft verliert oder das Finanzsystem erschüttert wird. Die Idee dahinter: Gold könnte seinen Wert in solchen Situationen besser halten als andere Vermögenswerte. Gold dient hier also der Absicherung eines Extremfalls – nicht der Hoffnung auf schnelle Gewinne.

Wer Gold dagegen kurzfristig kauft und verkauft, um von Preisschwankungen zu profitieren, spekuliert auf Kursgewinne. In diesem Fall wäre Gold Teil des Spekulationsbudgets.

Für vermögende Anleger gilt: Wenn Du schon ein sechsstelliges Vermögen oder mehr aufgebaut hast, kannst Du bis zu 10 % davon in Gold halten – zusätzlich zu den 10 % für spekulative Anlagen. Bei kleineren Vermögen konzentrierst Du Dich besser weiterhin auf Dein Basisinvestment.

Wann wird Spekulieren gefährlich?

Du kannst Dein „Spielgeld“ wie Dein Freizeitbudget betrachten: Du willst Tennis ausprobieren und hast das Geld übrig? Dann probiere es aus, hab Spaß, aber erwarte nicht, dass Du Profi wirst. Und: Riskiere kein Geld, was Du noch brauchst!

Dabei ist wichtig:  Bleib bei Deinem vorher festgelegten Spekulationsbudget. Lass Dich von möglichen Gewinnen nicht dazu verleiten, immer mehr Geld nachzuschießen. Spekulative Anlagen bleiben riskant – und so schnell wie Gewinne möglich sind, kannst Du auch verlieren.

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