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Eskalation in Nahost: Die Folgen für Börse, Gas, Benzin, Öl und Reisen

Der Krieg zwischen Iran und USA/Israel in Nahost wirkt sich auch auf Dein Geld aus. Wie Börse, Öl- und Spritpreise reagieren, was beim Gas droht, was beim Reisen gilt – und was Du tun kannst.

Jonas Fehling Private Finanzen
Geldscheine, Fragezeichen und Ausrufezeichen

Der Angriff der USA und Israel auf den Iran und dessen Reaktion wirken sich auf Dein Geld aus, teilweise schon kurzfristig. Hier unsere Einordnungen und Tipps zu den wichtigsten Bereichen:

1. Preissprung beim Heizöl

Eine Reaktion des Iran auf den Angriff der USA und Israels: Er hat die Straße von Hormus abgeriegelt. Über diese Meerenge östlich der arabischen Halbinsel läuft etwa ein Fünftel des internationalen Ölhandels. Daher reagiert der Ölpreis empfindlich auf Störungen.

Das hast Du zuerst vor allem beim Heizölpreis gespürt, der direkt am Montag hochgeschossen ist. Musst Du gerade nachbestellen, zahlst Du bei einer Standardlieferung von 3.000 l laut Esyoil aktuell ca. 128 € pro 100 l (Stand: 4.3., 11 Uhr), Tendenz weiter leicht steigend. Das sind ca. 32 € mehr als am Freitag, also vor Beginn der Angriffe  – und ist der höchste Wert seit Herbst 2022. 

Das ist spürbar. Aber noch immer weniger etwas weniger als die Höchstwerte zu Beginn des Ukraine-Kriegs mit 130 bis knapp 200 €.

Heizsaison endet: Hohe Preise besser aussitzen

Immerhin: Die Heizsaison ist fast vorbei. Bestenfalls kannst Du den Preisanstieg also einfach aussitzen und mit der Bestellung warten. Oder Du bestellst erstmal nur eine kleine Menge zur Überbrückung.

Aber: Es ist völlig unklar, wie lang die Blockade der Meerenge anhält, ob die Folgen für den Ölpreis anhalten oder sich sogar weiter verschärfen. Hamsterkäufe sind aber nicht sinnvoll: Das Heizöl in Deutschland wird eher nicht knapp werden, da das Rohöl dafür größtenteils nicht aus dem Nahen Osten, sondern aus Norwegen, den USA und Kasachstan kommt.

Vergleich Preise

Generell ist unser Tipp beim Heizölkauf: Bestell nicht direkt beim Händler, sondern mach unbedingt jedes Mal einen Preisvergleich. Neben Esyoil empfehlen wir dafür auf das Portal Heizoel24. Prüf außerdem, welche Faktoren den Preis beeinflussen: Ratenzahlung führt z. B. zu starken Aufpreisen.

Achtung: Hält die Blockade sehr lang an, kannst Du einen hohen Börsenpreis für Öl nahezu überall zu spüren bekommen. Denn das würde auch die Produktion vieler Unternehmen teurer machen, sodass allgemein mit steigender Inflation zu rechnen wäre.

2. Gas könnte teurer werden, jetzt Wechsel prüfen

Deutschland importiert mittlerweile viel Gas aus den Niederlanden und Belgien, das dort als LNG von Schiffen angeliefert wird. Darunter ist auch Gas aus dem Nahen Osten, das durch die Straße von Hormus muss. Außerdem hat der katarische LNG-Riese QatarEnergy am Montag seine Produktion ausgesetzt.

Das wirkt sich bereits auf die Einkaufspreise für Gas an der Börse aus: Der niederländische TTF, ein Referenzwert für den Gaspreis, lag am Freitag noch bei 32, am Montag (2.3.) bei bis zu 49 €/MWh. Pro Kilowattstunde sind das umgerechnet bis zu 1,7 ct/kWh mehr. Am Dienstag (3.3.) lag der Preis zeitweise bereits bei über 60 €/MWh, aktuell wieder etwas darunter bei 56 € (Stand: 4.3., 11 Uhr).

Das könnte sich bei einer längeren Blockade noch weiter verschärfen: Das “Analysehaus Icis” sieht den TTF bei einer dreimonatigen Sperrung der Straße von Hormus bei 92 €. Das wären rund 6 ct/kWh Aufschlag.

Unser Tipp: Wenn die Preisgarantie Deines aktuellen Gasvertrags bereits ausgelaufen ist oder in den nächsten Monaten ausläuft, sicher Dir jetzt noch schnell mit einem Wechsel über unseren Gaspreisvergleich (enthält Werbelinks) einen neuen Vertrag mit Preisgarantie für ein oder zwei Jahre.

Da die Gaspreise in Neuverträgen für Dich aktuell noch niedrig sind und gerade unklar ist, was sich in den nächsten Wochen und Monaten ändert, bist Du damit preistechnisch auf der sicheren Seite.

3. Spritpreise ziehen deutlich an

Hier gilt der gleiche Zusammenhang wie beim Heizöl, Du spürst den Preissprung fast direkt an der Tankstelle. Zunächst noch nicht so stark: Laut ADAC-Daten kostete ein Liter Super E10 am Sonntag im Schnitt nur 1,5 ct mehr als am Freitag, also vor Beginn der Eskalation. Diesel wurde 1,3 ct/l teurer. 

Am Montag stiegen die Preise im Schnitt schon stärker: Super E10 kostete 6,1 ct mehr als am Freitag (1,839 €), Diesel verteuerte um 7 ct auf 1,816 €. Aktuell (Stand: 4.3., 10 Uhr) liegen die Preise laut SWR-Live-Monitoring für die letzten 24 h im Mittel bei: 1,95 €/l Super, 1,90 €/l E10 und 1,94 €/l Diesel.

Wunder Dich nicht, falls die Preise noch weiter anziehen. Das befürchtet zumindest der ADAC. Generell war Sprit zuletzt sowieso schon recht teuer: Schon die Durchschnittspreise von Sonntag (1,794 €/l E10 und 1,759 €/l Diesel) sind so hoch wie seit Frühjahr 2024 nicht.

Groß etwas tun – etwa Dich bevorraten – kannst Du beim Spritpreis natürlich kaum. Deshalb: Lass das Auto so oft wie möglich stehen und nimm z. B. das Rad. Geht das nicht, dann fahr spritsparend. Geh vor der Ampel z. B. früh vom Gas und lass ausrollen, schalt beim Beschleunigen zügig hoch, erhöh den Reifendruck und lad unnötiges Gewicht aus.

Außerdem sind die Spritpreise abends zwischen 19 und 20 bzw. 21 und 22 Uhr meist am günstigsten, gleich in der Früh am teuersten. In der aktuellen Situation sind die Unterschiede hier aber teils nicht so groß wie Du es sonst gewohnt bist. Die Unterschiede im Tagesverlauf liegen so oft im zweistelligen Cent-Bereich. Mehr Tipps liest Du in unserem Ratgeber zum billigen Tanken.

4. Aktienmärkte reagieren leicht nervös

Ebenfalls noch relativ ruhig ist es an den Aktienmärkten. Einzelne Titel reagieren zwar deutlich: Während z. B. Rüstungsaktien steigen, fallen die Kurse z. B. bei Reise- und Touristikunternehmen. Denn das komplette Drehkreuz Nahost stand sowohl in der Luft als auch auf dem Wasser erstmal fast vollständig still. Erst seit Dienstag gehen zumindest wieder einige Flüge. 

Auch der Dax bzw. allgemein europäische Indizes und Schwellenland-Werte vor allem in Asien leiden stärker als manche andere Regionen oder weltweite Werte. Dax- und Europa-ETFs liegen auf 5-Tagessicht aktuell z. B. ca. 4 bis 5 % im Minus, bei Schwellenländern sind es knapp 6 % (Stand 4.3., 11 Uhr). Der Grund dafür ist vor allem Angst vor steigenden Energiepreisen, die auch die Wirtschaft belasten würden. Von Panik kann man aber noch nicht sprechen.

Weltweite Aktien-ETFs wie der MSCI World und die besonders marktbreiten MSCI ACWI oder MSCI ACWI IMI starteten hingegen zwar mit einem leichten Minus in die Woche, holten dann aber wieder auf. Auf fünf Tage gesehen liegt etwa der MSCI World nur mit 0,5 % im Minus (Stand: 4.3., 11 Uhr). Das ist nicht viel, zumal Welt-ETFs erst vergangene Woche fast neue Höchststände erreicht hatten.

Besorgt wegen Schwankungen? Denk langfristig

Diese Situation muss aber nicht so bleiben. Rechne kurz- bis mittelfristig also besser mit stärkeren Schwankungen. Das ist bei solchen Unruhen ganz normal und kein Grund, nervös zu werden.

Wenn Du breit gestreut und langfristig investierst, wird sich Dein Depot wieder erholen, selbst wenn es mal richtig abwärts gehen sollte. Langfristig kannst Du trotzdem von einer durchschnittlichen Jahresrendite von 6 % ausgehen. Panische Verkäufe von ETF-Anteilen sind also eine schlechte Idee, denn damit nimmst Du Dir die Chance auf Erholung.

Sparplan einfach weiterlaufen lassen

Und: Eventuell bieten möglicherweise stärkere Ausschläge nach unten sogar eine gute Gelegenheit, „günstiger“ zu investieren als noch z. B. vergangene Woche. Hast Du einen Sparplan, profitierst Du davon automatisch. Lass ihn also ganz normal weiterlaufen.

Und falls Du noch etwas Geld auf der Seite hast, könntest Du auch das bald mal investieren, bestenfalls zu niedrigeren Kursen als zuletzt. Aber Achtung: Generell raten wir Dir von „Market Timing“ ab. Denn den wirklich perfekten Moment zu erwischen, ist fast unmöglich. Der beste Moment ist immer jetzt – auch, weil eben die langfristige Entwicklung zählt.

Als passendes Depot empfehlen wir Dir u. a. Traders Place, den Preis-Leistungssieger in unserem Depotvergleich. Den passenden ETF kannst Du mit unserem ETF-Finder raussuchen.

Gold schon wieder auf Rekordjagd

Während Aktien eher fallen, gilt wie so oft in unsicheren Zeiten: Der Goldpreis reagiert genau gegenteilig und steigt. Aktuell liegt er laut gold.de bei knapp 4.450 € pro Feinunze (Stand 4.3., 11 Uhr). Am Montag hatte der Goldpreis sogar fast schon wieder das Rekordhoch von diesem Januar mit etwas über 4.600 € geknackt.

Generell gilt aber: Gold schwankt stärker als marktbreite Aktien-ETFs und hat langfristig eine nur halb so hohe Rendite geschafft. Deshalb solltest Du max. 10 % Deines Vermögens in Gold investieren, am besten physisch, also in Münzen und Barren. Für den Kauf empfehlen wir die Portale gold.de und gold-preisvergleich.de.

Auf und Ab beim Bitcoin

Der Bitcoin tickt etwas anders als Gold und zeigt sich aufgrund der Angriffe in Nahost sehr volatil. Es gab am Wochenende Preisausschläge nach oben und unten. Aktuell liegt er auf Wochensicht aber ca. 10 % im Plus (Stand 4.3., 11 Uhr).

Hier empfehlen wir Dir, nur Geld zu investieren, auf das Du verzichten kannst. Zusammen mit allen anderen spekulativen Geldanlagen wie z. B. Einzelaktien solltest Du max. 10 % Deines Vermögens in Bitcoin investieren. Für den Kauf empfehlen wir Dir Bitvavo, Finst und Bison.

5. Das gilt beim Reisen

In weiten Teilen des Nahen Ostens ist aktuell der Luftraum gesperrt. Schätzungen zufolge sitzen 30.000 Deutsche in der Region fest. Momentan arbeitet die Bundesregierung daran, Flugzeuge zur Evakuierung nach Saudi-Arabien und Oman zu schicken. Dort sind die Lufträume noch geöffnet.

Bist Du vor Ort, kannst Du Dich in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts eintragen, um Infos und Hilfe zu bekommen. Bei Fragen zu gebuchten Rückflügen, kontaktier außerdem Deine Airline bzw. Deinen Reiseveranstalter.

Was gilt finanziell? 

Hast Du eine Reiseabbruchversicherung, springt sie ein, wenn ein versichertes Ereignis eintritt. Das sind allerdings in aller Regel nur persönliche Gründe, also wenn Du Dich z. B. schwer verletzt oder erkrankst. Politische oder militärische Risiken sind meist nicht abgedeckt. Prüf zur Sicherheit aber mal Deine Versicherungsbedingungen.

Und wenn Du bald Urlaub in der Region geplant hast?

Dann willst Du z. B. Deinen Dubai-Trip jetzt vielleicht doch lieber absagen. Die gute Nachricht: Ist die Reise eine Pauschalreise, kannst Du sie in aller Regel kostenlos stornieren, wenn das Auswärtige Amt jetzt eine Reisewarnung für Dein Reiseziel ausgesprochen hat (§ 651h Abs. 3 BGB). Eine Übersicht findest Du hier.  

Eine Reiserücktrittsversicherung brauchst Du in diesem Fall also nicht. Und sie würde vermutlich ohnehin nicht zahlen, denn es gilt meist dasselbe wie beim Reiseabbruch (s. o.).

Du hast Flug und Unterkunft separat gebucht?

Dann gilt bei Flügen: Du bekommst die Ticketkosten ersetzt, sofern die Airline den Flug selbst annulliert – oder kannst auf einen späteren Flug umbuchen, sobald das möglich ist. Eine zusätzliche Entschädigung nach europäischen Fluggastrechten gibt’s nicht. Denn militärische Konflikte und ein gesperrter Luftraum sind außergewöhnliche Umstände.

Stornierst Du dagegen selbst den Flug, bleibst Du auf einem Teil der Kosten sitzen. Du bekommst dann nur die Buchungsgebühren erstattet, die aber immerhin einen großen Teil des Ticketpreises ausmachen können.

Ist die Region gar nicht Dein eigentliches Ziel, sondern Du nutzt sie nur als Transit-Ort, solltest Du Dich erkundigen, ob eine andere Flugroute möglich ist.

Was gilt bei der Unterkunft?

Nimm Kontakt auf und versuch, zu stornieren oder zumindest umzubuchen. Airbnb z. B. erlaubt bei “schwerwiegenden Beeinträchtigung” ein Storno. 

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