Kommentar

Gutes Gefühl mit nachhaltigen ETFs? Nur die halbe Wahrheit

In dieser Ausgabe seiner LinkedIn-Kolumne teilt Finanztip-Experte Timo Halbe seine Einschätzung zur Wirkung von nachhaltigen ETFs.

Timo Halbe
Von Timo Halbe
Gutes Gefühl mit nachhaltigen ETFs? Nur die halbe Wahrheit

Nachhaltig investieren ist eins der Themen, zu denen wir bei Finanztip regelmäßig Fragen bekommen. Viele wollen mit ihrer Geldanlage nicht nur Rendite erzielen, sondern auch „etwas Gutes tun“.  

Gerne helfen wir dabei mit einer ehrlichen Einordnung: Geldanlage kann viel, aber sie hat Grenzen.  

Richtig ist:  

  • Nachhaltige ETFs passen, wenn Du bestimmte Branchen oder Unternehmen nicht im Depot haben willst und Dich damit wohler fühlst
  • Sie können außerdem ein Signal senden – vor allem, wenn sich immer mehr Menschen dafür interessieren

Aber viele Anlegerinnen und Anleger stellen sich die Wirkung dabei stärker vor, als sie tatsächlich ist.

Die ganze Wahrheit ist:  

Wenn Du einen nachhaltigen Aktien-ETF kaufst, fließt Dein Geld meist nicht direkt in die Unternehmen aus dem Index.  

Das liegt daran: An der Börse werden Aktien überwiegend zwischen Anlegern gehandelt. Wenn ein ETF eine Aktie kauft, kauft er sie also in der Regel einem anderen Investor ab – nicht direkt vom Unternehmen.  

Das ist wie beim Konzertticket auf dem Zweitmarkt: Dein Geld geht an die Person, die verkauft – nicht an die Band.  

Die Vorstellung, dass Du mit einem nachhaltigen ETF Dein Geld in “gute” Unternehmen steckst, ist also falsch. Die Effekte sind höchstens indirekt.

Warum ausbleibende Investments nur begrenzt wirken

Lassen sehr viele Menschen ein „dreckiges“ Unternehmen bei ihrem Investment aus, sinkt die Nachfrage nach der Aktie – und damit kann auch der Kurs fallen. 

Ein dauerhaft niedrigerer Kurs kann für ein Unternehmen zum Problem werden und Druck erzeugen, das Geschäftsmodell zu überdenken. Ein niedrigerer Kurs führt aber nicht automatisch dazu, dass die Firma damit Schluss macht.  

Solange ein Geschäft legal und profitabel ist, läuft es oft weiter. Im Zweifel springt sogar eine andere Firma ein und nutzt den niedrigen Kurs als Gelegenheit, das Unternehmen günstig zu übernehmen.

Der Finanztip  

Wenn Dir Nachhaltigkeit wichtig ist, such Dir einen ETF, der einen sinnvollen Mittelweg schafft – zwischen breiter Streuung und nachvollziehbaren Nachhaltigkeitskriterien. Passende ETFs findest Du in unserem Ratgeber zu nachhaltiger Geldanlage.  

Um mehr zu bewirken, lohnt sich ein zweiter Hebel neben dem Depot: Im Alltag bewusster konsumieren, gezielt spenden, konkrete Projekte unterstützen. 

Viele Tipps zur Geldanlage klingen gut, stimmen aber oft nur zur Hälfte. In seiner LinkedIn-Kolumne #HalbesGanzeWahrheit nimmt Timo Halbe regelmäßig Finanz-Tipps unter die Lupe – und ergänzt sie um einen klaren Finanztip. 

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