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Heimliche GKV-Erhöhung: So teuer kann es werden

Mit der GKV-Reform muss Deine Krankenkasse Dich künftig nicht mehr informieren, wenn sie teurer wird. Merkst Du das zu spät, kostet Dich das bares Geld. Was Du jetzt tun solltest.

Anja Schlicht
Von Anja Schlicht und Sabrina Theobold
Infopflicht Zusatzbeitrag

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Krankenkassen müssen Dich in Zukunft nicht mehr informieren, wenn sie ihren Zusatzbeitrag erhöhen. Eigentlich solltest Du die Info künftig immerhin noch digital bekommen, etwa per E-Mail. Jetzt muss sie Dir gar nicht mehr geschickt werden.

Dass diese Infopflicht wegfällt, ist eine besonders umstrittene späte Änderung der Reform der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Der Grund: Bemerkst Du die Erhöhung nicht, zahlst Du nicht nur mehr, sondern verpasst auch Dein Sonderkündigungsrecht.

So kann Dich die Änderung Geld kosten

Das mögliche Szenario: Erhöht Deine Krankenkasse den Zusatzbeitrag, merkst Du das nur, wenn auf Deinem Gehaltszettel weniger Netto ankommt. Und auch das übersiehst Du schnell, wenn zum Beispiel gleichzeitig zum Jahreswechsel die Steuern etwas sinken. 

Mit der gestrichenen Infopflicht entfällt auch der Hinweis auf Dein Sonderkündigungsrecht. Bislang mussten Dich Krankenkassen außerdem darauf aufmerksam machen, dass Du zu einer günstigeren Kasse wechseln kannst, wenn Du über dem Durchschnitt liegst. Auch das ist passé. 

Das könnte Dich wichtige Zeit kosten. Denn: Möchtest Du wegen eines höheren Zusatzbeitrags wechseln, musst Du Dir spätestens bis zum Ende des Monats eine neue Krankenkasse suchen.  

Aber keine Sorge: Verpasst Du die Frist, kannst Du in der Regel trotzdem kündigen. Statt des Sonderkündigungsrechts gilt dann die normale Kündigungsfrist von zwei Monaten – sofern Du seit mindestens zwölf Monaten bei Deiner Krankenkasse versichert bist. Und das gilt sowieso für die meisten Menschen. Laut einer Innofact-Umfrage für Finanztip zum letzten Jahreswechsel haben nur 5 % aller GKV-Versicherten im letzten Jahr ihre Kasse gewechselt.

Die IKK classic erhöht zum 1. August

Achtung: Es reicht auch nicht unbedingt, nur zum Jahreswechsel Deinen Zusatzbeitrag zu checken. Mehrere Krankenkassen passen ihre Zusatzbeiträge unterjährig an. Bereits zum 1. April hatten unter anderem die IKK Südwest und die BKK Würth ihre Beiträge angehoben. Zum 1. August erhöht die IKK classic ihren Zusatzbeitrag von 3,4 auf 3,85 %.

Wie viel Geld ein Wechsel sparen kann, zeigt ein Rechenbeispiel: Eine Arbeitnehmerin mit einem monatlichen Bruttogehalt von 3.500 € zahlt bei der IKK classic in Steuerklasse 1 dann rund 187 € netto mehr im Jahr als bei einem Wechsel zur günstigeren und von uns empfohlenen HKK.

Verdienst Du über der Beitragsbemessungsgrenze (5.812,50 € im Monat), sparst Du als Single jährlich 279 € netto. In unserem Vergleich punktet die HKK nicht nur mit einem günstigen Beitrag, sondern auch mit guten Leistungen bei Krebsvorsorge, Impfungen, Sport und alternativen Heilmethoden. 

Fazit: Ab 2027 musst Du Dich selbst darüber informieren, ob Deine Krankenkasse den Zusatzbeitrag erhöht hat. Den Überblick musst Du Dir aber nicht allein verschaffen. Wir beobachten die Beitragserhöhungen der Krankenkassen für Dich und halten Dich in der Finanztip App und in unserem Newsletter auf dem Laufenden. So verpasst Du wichtige Änderungen nicht.

SPD fordert plötzlich “Nachsteuerung”

Update 17.07: Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD teilt auf Finanztip-Anfrage mit, dass seine Partei die jetzt ersatzlos gestrichene Infopflicht kritisch sieht. Er spricht von einem berechtigten Interesse der Versicherten, zeitnah und verlässlich über veränderte Zusatzbeiträge informiert zu werden. "Deshalb sehen wir als SPD-Bundestagsfraktion an dieser Stelle Nachsteuerungsbedarf”, heißt es im Statement von Christos Pantazis. Zuvor hatte auch die SPD diesen Aspekt mit dem GKV-Reform-Gesetz mitbeschlossen.

Eventuell ist also eine zumindest digitale Information künftig noch nicht ganz vom Tisch. Das würde auch zum laut SPD eigentlichen Ziel der abgeschafften Infopflicht per individuellem Brief an alle Versicherten passen: Sie soll großen bürokratischen, finanziellen und ökologischen Aufwand reduzieren. Mit einer digitalen Infopflicht wäre das möglich.

Diese Krankenkassen empfiehlt Finanztip

Welche Krankenkassen aktuell die niedrigsten Zusatzbeiträge verlangen, wie hoch die Zusatzbeiträge aller Kassen sind und worauf Du beim Wechsel achten solltest, liest Du in unserem Ratgeber zum Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenkassen. 

Die besten Krankenkassen in unserem Finanztip-Vergleich sind die HKK, Techniker, Audi BKK und DAK-Gesundheit

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