Union und SPD wollen die 65‑%‑Regel im Gebäudeenergiegesetz durch eine Grüngasquote ersetzen. Gasversorger müssten dann schrittweise mehr „grüne Gase“ wie Biomethan oder Wasserstoff beimischen.
Für Dich als Hausbesitzerin oder -besitzer klingt das erstmal beruhigend: Gasheizungen bleiben erlaubt und der Druck, auf Wärmepumpe oder eine andere klimafreundliche Heizung umzusteigen, sinkt.
Die Grüngasquote macht Heizen nicht günstiger
Günstiger wird es für Dich aber trotzdem nicht. Denn die Grüngasquote bezahlst Du am Ende über den Gaspreis: Je höher die Quote, desto größer der Anteil klimafreundlicher, aber teurer Gase im Tarif – und desto höher Dein Gaspreis.
Aber was heißt das nun konkret für Deine Heizkosten?
Gasheizung mit Wasserstoff vs. Wärmepumpe
Wir haben für verschiedene Einfamilienhäuser durchgerechnet, was Anschaffung und Heizen über 20 Jahre kostet, wenn Du Dich heute für eine neue Gasheizung entscheidest, die H2-ready – also bereit für Wasserstoff – ist und später teilweise oder komplett Wasserstoff nutzt.
In den Kosten enthalten sind unter anderem die einmaligen Installationskosten, laufende Brennstoffkosten, steigende CO2-Kosten sowie ein immer weiter steigender Anteil an Wasserstoff. Einen Kostenvergleich mit steigendem Biomethan-Anteil haben wir hier schon einmal durchgerechnet.
Hinweis: Für die 20-Jahres-Rechnung nutzen wir Preisprognosen für Gas, Strom, Wärmepumpen-Strom und Wasserstoff aus dem staatlich geförderten Forschungsprojekt Ariadne und legen einen entsprechenden Mischpreis zugrunde.
Das Ergebnis: Mit 100 % Wasserstoff oder einer Wasserstoff-Mischung zahlst Du deutlich mehr als mit einer Wärmepumpe. Zwei Beispiele zur Veranschaulichung:
1. Typisches Einfamilienhaus
Das Haus ist 130 qm groß und hat einen Wärmebedarf von rund 20.000 kWh. Eine neue H2-ready Gasheizung würde 12.000 € kosten. Eine Wärmepumpe ist mit 30.000 € deutlich teurer in der Anschaffung. Allerdings bekommst Du dafür in diesem Szenario einen Zuschuss von 55 % der Investitionskosten. Für die Gasheizung gibt es keine Förderung.
Die Wärmepumpe arbeitet in diesem Beispiel mit einer durchschnittlichen Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3,4. Das bedeutet: Aus einer Kilowattstunde (kWh) Strom erzeugt sie im Schnitt 3,4 kWh Wärme.
Über 20 Jahre entstehen in diesem Haus dann folgende Kosten:
Das heißt: Wenn Du Deine Gasheizung schrittweise auf Wasserstoff umstellst, zahlst Du rund 27.000 € mehr als mit einer Wärmepumpe. Würdest Du sie direkt auf 100 % Wasserstoff umstellen, sind es sogar über 47.000 € mehr.
2. Gut sanierte Doppelhaushälfte mit Solarthermie
Das Haus ist bereits gut saniert und deckt den größten Teil des Warmwassers mit einer Solarthermieanlage. Es ist 130 qm groß und hat einen Wärmebedarf von 13.000 kWh, wovon die Solarthermie bereits 1.800 kWh abdeckt.
Die neue Gasheizung würde hier nur 8.000 € kosten, eine Wärmepumpe hingegen 28.000 €. Wir gehen auch hier von der üblichsten Zuschusshöhe von 55 % aus. Die Wärmepumpe könnte sehr effizient mit einer JAZ von 3,8 arbeiten.
In diesem Haus entstehen dann über 20 Jahre folgende Kosten:
- Wasserstoff-Mischung: 42.460 €
- Reiner Wasserstoff: 53.226 €
- Wärmepumpe mit WP-Strom: 29.043 €
- Wärmepumpe mit Haushaltsstrom: 29.956 €
Auch hier liegt der Kostenvorteil der Wärmepumpe bei über 13.000 €, bzw. bei 100 % Wasserstoff bei über 24.000 €.
Studie bestätigt: Wasserstoff bleibt teurer als Erdgas
Auch das Fraunhofer-Institut kommt in einer Studie (PDF) zu einem klaren Ergebnis: Heizen mit Wasserstoff wird für Privathaushalte sehr teuer. Die Prognosen für den reinen Wasserstoffpreis (ohne Steuern und Abgaben):
- 2035: 21,4 bis 33,3 ct pro kWh
- 2045: 16,3 bis 28,2 ct pro kWh
Zum Vergleich: Aktuell kostet Gas laut Finanztip-Gaspreisbarometer rund 9,34 ct pro kWh (Stand: 24. Februar 2026). Die frühere Gaspreisbremse lag bei 12 ct pro kWh – selbst das würde Wasserstoff laut Prognosen deutlich übertreffen.
Dazu kommen weitere Kosten für Transport, Speicherung und Verteilung. Laut Fraunhofer-Studie könnten die Heizkosten mit Wasserstoff bis 2035 um 74 bis 172 % gegenüber Erdgas steigen.
„H2-ready“ klingt gut – ist aber unklar
Viele Hersteller werben mit „H2-ready“-Gasheizungen. Das Problem: Der Begriff ist nicht einheitlich definiert. Manche Geräte schaffen nur 20 % Wasserstoff-Beimischung, andere sollen theoretisch 100 % können.
Selbst sogenannte H2-ready-Geräte können meist nur einen geringen Anteil Wasserstoff verarbeiten. Für 100 % Wasserstoff ist in der Regel ein Umrüstungskit nötig. Diese sind bislang nicht verfügbar und dürften mehrere Hundert Euro kosten – zusätzlich zum ohnehin teuren Brennstoff.
Hinzu kommt: Auch Hausanschluss, Leitungen oder Zähler müssen wasserstofftauglich sein. In älteren Gebäuden könnten umfangreiche Umbauten nötig werden. Das Kostenrisiko für ein Einfamilienhaus liegt laut Fraunhofer-Studie zwischen 11.300 € und 27.200 €.
Auch das Netz ist ein Problem
Zwar ist ein Wasserstoff-Kernnetz bis 2037 geplant. Doch der Ausbau ist teuer – und die Nachfrage kommt vor allem aus der Industrie.
Die aktuellen Ausbaupläne sehen Wasserstoff in erster Linie für industrielle Anwendungen vor, nicht für Millionen Einfamilienhäuser. Das begrenzt die verfügbaren Mengen für private Haushalte – und hält Wasserstoff knapp und teuer.
Für Wohngebiete bedeutet das: Ganze Straßenzüge müssten gleichzeitig umgestellt werden. Neubauten setzen meist direkt auf Wärmepumpen. Es ist also fraglich, wie viele Haushalte überhaupt dauerhaft am Wasserstoffnetz hängen würden.
Unser Fazit für Dich
Eine neue Gasheizung mit Hoffnung auf späteren Wasserstoff-Betrieb ist aus heutiger Sicht ein finanzielles Risiko. Die Kosten sind hoch, die Technik nicht ausgereift und die langfristige Versorgung unsicher.
Wenn Deine Heizung bald ersetzt werden muss, schau Dir Alternativen wie die Wärmepumpe genau an. In unserem ausführlichen Ratgeber zeigen wir Dir, wann sie sich lohnt, worauf Du beim Angebotsvergleich achten solltest und welche Förderungen es gibt. Über das Förderprogramm 458 der staatlichen Förderbank KfW sind zum Beispiel bis zu 70 % Zuschuss möglich.
Wenn Du unsicher bist, lass Dich beraten – zum Beispiel von Energieeffizienz-Experten oder der Energieberatung der Verbraucherzentrale in Deinem Bundesland.