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Neues Gesetz ab 1. Juli: Wird Dein Depotanbieter jetzt teurer?

Ab 1. Juli 2026 müssen viele Broker anders wirtschaften. Was hinter "Payment for Order Flow" steckt und ob Investieren durch das Verbot für Dich teurer wird.

Timo Halbe
Timo Halbe Geldanlage
Neues Gesetz ab 1. Juli: Wird Dein Depotanbieter jetzt teurer?

Aus unserer Unterstützer-Community erreicht uns diese Woche die Frage:

Was erwartet uns, wenn das Provisionsmodell ‘Payment for Order Flow’ verboten wird?

Kurzantwort: Broker werden ihre Finanzierungsmodelle umstellen müssen. Erste Ideen gibt es schon. Dass Investieren für Dich dadurch deutlich teurer wird, ist aber eher unwahrscheinlich. Selbst wenn ein Wertpapierkauf künftig 2 € mehr kosten würde, wären das bei einem monatlichen ETF-Sparplan im Jahr 24 € zusätzlich.

Worum geht es bei "Payment for Order Flow"?

Hinter PFOF steckt ein Provisionssystem. Mit ihm bekommt Dein Depotanbieter (z. B. Trade Republic, Scalable Capital) Geld von den Handelsplätzen (z. B. Gettex, Lang & Schwarz oder Quotrix), über die er in Deinem Auftrag Wertpapiere kauft oder verkauft.

Zum Beispiel: Wenn Du einen ETF-Anteil kaufst, leitet Dein Broker den Auftrag an einen Handelsplatz weiter. Erst dort findet der Kauf statt. Dafür, dass sie den Auftrag vermittelt haben, bekommen die Depotanbieter vom Handelsplatz Geld.

Das ist ein Grund, warum Du v. a. bei Neobrokern fast keine oder nur niedrige Ordergebühren zahlst – sie finanzieren sich unter anderem über das PFOF-Modell.

Warum die EU PFOF verbieten will

Problem an der Sache: Dein Depotanbieter schickt Deinen Auftrag wegen PFOF vielleicht nicht an den Handelsplatz mit dem günstigsten Kurs, sondern dorthin, wo er selbst am meisten verdient. 

Bisher gibt es allerdings keine Belege dafür, dass Du in Deutschland dadurch systematisch schlechtere Kurse bekommst. Eine Untersuchung der BaFin aus dem Jahr 2022 zeigt sogar, dass Kundinnen und Kunden von Handelsplätzen mit PFOF in manchen Fällen sogar profitieren.

Um diesen möglichen Interessenkonflikt trotzdem auszuschließen, hat die EU das PFOF-System ab dem 1. Juli 2026 verboten. Künftig sollen die Depotanbieter keinerlei Rückvergütungen von den Handelsplätzen mehr bekommen.

Das könnte das Verbot für Dich bedeuten

Vor allem Neobrokern entgeht damit eine Einnahmequelle – die sie kompensieren müssen. Wie genau die einzelnen Depotanbieter das lösen werden, ist noch unklar. Denkbar sind drei Optionen:

  1. Dein Depotanbieter könnte die Gebühren erhöhen – z. B. könnte ein Wertpapierkauf nicht mehr 1 €, sondern 3 € kosten
  2. Dein Depotanbieter ändert sein Angebot und bietet z. B. nur noch bestimmte ETFs kostenlos im Sparplan an oder führt neue Tarife ein
  3. Es tut sich nichts für Dich – und Dein Depotanbieter findet andere Finanzierungsmöglichkeiten

Eine mögliche Strategie siehst Du schon jetzt: Die Neobroker Trade Republic und Scalable Capital haben beispielsweise auf das PFOF-Verbot reagiert, indem sie nun selbst einen Handelsplatz betreiben oder betreiben wollen.

Der Neobroker Smartbroker+ hat sogar angekündigt, dass es durch das Verbot zu keinen Änderungen der Konditionen für Kundinnen und Kunden kommt. Das berichtet die Wirtschaftswoche.

Solltest Du jetzt schon etwas tun?

Derzeit wartest Du am besten einfach ab. Noch ist nicht klar, ob und was die Depotanbieter ändern werden. Wir gehen aber nicht davon aus, dass Investieren in ETFs durch das Verbot künftig deutlich teurer wird. 

Falls ein Anbieter tatsächlich seine Gebühren spürbar erhöht, kannst Du immer noch über einen Depotwechsel nachdenken.

Damit Du weiterhin einfach und entspannt investieren kannst, halten wir unseren Depot-Vergleich natürlich auch mit Blick auf die Neuerungen durch das PFOF-Verbot auf dem Laufenden – sodass Du weiterhin das für Dich beste Angebot findest.

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Von Larissa Glas
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