Keine Rentenpunkte extra für pflegende Rentnerinnen und Rentner: Das sieht ein Vorschlag aus dem Referentenentwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) vor.
Bisher gilt: Wenn Du Angehörige pflegst und schon Rente bekommst, kannst Du mit einem Mini-Verzicht dauerhaft mehr Rente bekommen. Was Du dafür aufgibst: Meist nur ein paar Cent Deiner Rente. Was Du bekommst: Oft das Hundertfache mehr. Das ist legal und funktioniert über den Wechsel von Vollrente in Teilrente.
Diese sogenannte Flexi-Rente soll gestrichen werden, damit die Pflegeversicherung ab 2027 keine Rentenbeiträge mehr für diejenigen zahlen muss, die in Rente sind und nicht erwerbsmäßig pflegen.
Wenn Du bereits jetzt Familienmitglieder, Nachbarn oder Freunde pflegst, solltest Du zeitnah prüfen, ob Teilrente eine Option für Dich ist und Du die eigene Rente aufstocken lassen kannst. Denn selbst wenn die Regelung Anfang 2027 abgeschafft wird, hast Du die Ansprüche sicher, die Du bis dahin erworben hast.
Was bringt die Pflege: 10 ct weniger für 10 € mehr Rente
Für eine Flexi-Rente musst Du auf gar nicht viel Deiner vollen Rente verzichten. 0,01 % (LSG München, Urteil v. 14.09.2021 – L 6 R 199/19) reichen bereits, damit Dich die Pflegeversicherung mit Rentenbeiträgen berücksichtigt. Wie groß der Effekt sein kann, zeigt Dir das Beispiel von Elke.
Rentnerin Elke pflegt ihren Mann Igor allein zuhause. Igor hat Pflegegrad 2 und bekommt Pflegegeld. Elke hat bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) eine Teilrente von 99,99 % beantragt. Bei 1.020 € brutto monatlich verzichtet sie so auf etwas mehr als 10 ct.
Die Pflegekasse unterstellt Elke ein fiktives monatliches Einkommen dafür, dass sie ihren Mann pflegt. Daraus berechnet die DRV die Entgeltpunkte. Ein Jahr Pflege bringen Elke rund 0,247 Rentenpunkte. Das sind etwa 10,49 € mehr Rente monatlich. Und die bekommt Elke nach einem Jahr Pflege extra, immer ab dem 1. Juli des Folgejahres – und zwar dauerhaft.
Wie viel mehr Rente Dir ein Jahr Pflege bringt, haben wir Dir in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst. Die genaue Höhe hängt davon ab, welchen Pflegegrad die pflegebedürftige Person hat und ob sie Pflegegeld bekommt, Pflegesachleistungen oder eine Kombination aus beidem.
So viel gesetzliche Rente bringt ein Jahr Pflege 2026 zuhause

Wichtig: Die Pflege muss regelmäßig stattfinden, mindestens zehn Stunden pro Woche, verteilt auf mindestens zwei Tage in der Woche und darf nicht erwerbsmäßig erfolgen. Welche Voraussetzungen Du sonst noch erfüllen musst, damit die Pflegekasse des zu pflegenden Angehörigen für Dich Rentenbeiträge zahlt, hat Finanztip im Daily für Dich aufgeschrieben.
Teilrente beantragen und zusätzliche Rentenpunkte sammeln
Eine Teilrente musst Du beantragen. Denn ohne sie zahlt die Pflegekasse keine zusätzlichen Rentenbeiträge für pflegende Ruheständler. Dafür erklärst Du der Deutschen Rentenversicherung gegenüber, dass Du auf einen Teil Deiner Rente verzichtest. Das muss gar nicht viel sein: 0,01 % sind schon ausreichend.
Diese Teilrente beantragst Du formlos bei dem für Dich zuständigen Versicherungsträger. Im Grunde reicht der Satz: „Hiermit beantrage ich eine Teilrente in Höhe von 99,99 % der Vollrente zum nächstmöglichen Zeitpunkt.“ Dann noch Deine Rentenversicherungsnummer ergänzen und anschließend schickst Du das Schreiben als Brief ab oder nutzt das Online-Portal der DRV. Du kannst den Antrag aber auch persönlich vorbeibringen bei Deiner Beratungsstelle vor Ort. Deine Rentenversicherungsnummer findest Du übrigens auf jedem Schreiben der DRV oder in der digitalen Renteninformation.
Anschließend solltest Du direkt die Pflegekasse darüber informieren. Wichtig: Wende Dich an die Pflegekasse des zu pflegenden Angehörigen. Deine eigene ist nur für Dich zuständig, wenn Du selbst Pflege benötigst.
Wenn Du von der Teilrente zur Vollrente zurückwillst, funktioniert es genauso: Einfach einen formlosen Antrag bei Deinem Versicherungsträger stellen.
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Kein Rentenplus mehr ab 2027?
Dass die Pflegeversicherung Rentenbeiträge zahlt, war ursprünglich für diejenigen gedacht, die wegen der Pflege von Angehörigen ihre Erwerbsarbeit reduzieren. Ihnen sollten so finanzielle Nachteile zumindest etwas ausgeglichen werden. Wer in Rente ist und Angehörige pflegt, verliert jedoch kein Einkommen und Rentenansprüche. Durch den Wechsel von der Voll- zur Teilrente wird aber genau das simuliert. Diese Regelung haben 2024 gut 39.000 pflegende Rentnerinnen und Rentner für sich genutzt.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will diese “unbeabsichtigte Gestaltungsmöglichkeit” durch die Flexi-Rente nun streichen, wie es im Referentenentwurf heißt. Das soll den Pflegekassen die nächsten vier Jahre jeweils 150 Mio. € einsparen.
Dem gegenüber steht ein Milliardendefizit. Selbst ohne weitere Beitragserhöhung klafft laut Entwurf in der Pflegeversicherung eine Lücke von etwa 7,6 Mrd. € in 2027, im darauffolgenden Jahr sind es weitere 15,4 Mrd. €. Die soll mit dieser und vielen weiteren Maßnahmen gestopft werden. Ob aus dem Referentenentwurf ein Gesetzesentwurf wird, könnte sich bereits im Juli entscheiden.