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Rebalancing: So bringst Du Dein Depot wieder ins Gleichgewicht

Aktienkurse steigen – und plötzlich verschiebt sich automatisch die Gewichtung in Deinem Depot. Ist Dein Risiko dadurch zu hoch? Wir zeigen Dir, wann Rebalancing sinnvoll ist und wie Du dabei vorgehst.

Nadine Graf
Nadine Graf Geldanlage
Rebalancing: So bringst Du Dein Depot wieder ins Gleichgewicht

Wenn Aktien stark steigen, wächst der Aktienanteil in Deinem Depot automatisch mit.  Was super klingt, kann zum Problem werden: Dein Portfolio entfernt sich damit von Deiner ursprünglichen Wunschaufteilung zwischen Rendite- und Sicherheitsbaustein. Genau hier kommt das sogenannte Rebalancing ins Spiel. 

Rebalancing bedeutet: Du stellst Deine ursprünglich geplante Verteilung wieder her – also zum Beispiel zwischen Aktien-ETFs (= Renditebaustein) und Tagesgeld (= Sicherheitsbaustein).

Ist Deine Aktienquote noch passend?

Wie Du Dein Vermögen auf renditestarke Anlagen wie Aktien-ETFs einerseits und sichere Geldanlagen wie Tagesgeld, Festgeld oder Geldmarkt-ETFs andererseits verteilst, sollte zu Deiner Lebenssituation und Deiner Risikobereitschaft passen.

Diese Wunschaufteilung ist Deine Zielquote. Typisch sind zum Beispiel 70 % Aktien-ETF und 30 % sichere Anlagen – aber erlaubt ist, was zu Dir passt. Und sie kann sich mit der Zeit auch ändern – zum Beispiel, weil Du in einen sicheren Job gewechselt bist.  

Ein einfaches Beispiel:

  • Du hattest vor einem Jahr ca. 30.000 € in einem Aktien-ETF und ca. 10.000 € auf Deinem Tagesgeldkonto
  • Das entspricht einem Verhältnis von 3:1, also einer Aktienquote von ca. 75 %
  • Bei der jährlichen Überprüfung Deiner Anlagen stellst Du fest, dass Dein ETF durch starke Kursgewinne um grob ein Drittel auf rund 40.000 € gestiegen ist
  • Beim Tagesgeld gab es zwar ebenfalls Zinsen, aber deutlich weniger als Kursgewinne an der Börse – Du liegst weiterhin bei circa 10.000 €
  • Deine Aktienquote ist also auf rund 80 % gestiegen (4:1)
  • Obwohl Du nichts aktiv verändert hast, ist Dein Risiko gestiegen

Wann solltest Du rebalancen?

Als Faustregel gilt: Weicht Deine tatsächliche Quote um deutlich mehr als 5 Prozentpunkte von Deiner Zielquote ab, kannst Du über Rebalancing nachdenken.  

Wichtig: Rebalancing dient nicht dazu, Gewinne „mitzunehmen“ oder den Markt zu timen. Es geht ausschließlich darum, Deine ursprüngliche Risikoverteilung wiederherzustellen.  

Leg für diesen Finanzcheck am besten eine feste Regel fest – zum Beispiel: „Ich prüfe mein Depot einmal im Jahr (z. B. zum Jahreswechsel) und rebalance dann bei Bedarf.“ So vermeidest Du Bauchentscheidungen.

Wann kannst Du es laufen lassen?

Hat sich Deine Aktienquote nur um ein oder zwei Prozentpunkte verschoben, musst Du nichts tun. Die nächste Kursschwankung kann das schon wieder ausgleichen.

Zu häufiges Rebalancing kostet Dich nämlich Rendite – durch Transaktionskosten, Steuern und weil Du aktiv in Deine passive Strategie eingreifst. Einmal im Jahr oder weniger reicht völlig.

So gehst Du beim Rebalancing vor

Um zu prüfen, ob Deine Aktienquote noch zu Deiner Zielquote passt, gehst Du am besten Schritt für Schritt vor:

Schritt 1: Geldbedarf prüfen

Wichtig ist, dass Deine Aktienquote zu Deinem Geldbedarf und Deinen Zielen passt. Trenn kurz- und langfristige Geldanlage klar voneinander: Geld, das Du in den nächsten Jahren brauchst – z. B., weil Du einen größeren Umzug, ein neues Auto oder sogar ein Eigenheim planst, gehört nicht in den Aktien-ETF. Hierfür sind sichere Optionen wie Tagesgeld, Festgeld oder Geldmarkt-ETFs besser.

Hast Du dagegen noch Jahrzehnte bis zur Rente und einen soliden Notgroschen, kann eine höhere Aktienquote – sogar bis zu 100 % – völlig in Ordnung sein.

Denn generell gilt: Wenn Du 15 Jahre oder länger auf Dein Geld verzichten kannst, musst Du keine Angst vor einer hohen Aktienquote haben. Sie bringt Deine Rendite voran.

Schritt 2: Risikobereitschaft einschätzen

Bei der Entscheidung für oder gegen Rebalancing solltest Du aber noch einen subjektiveren Punkt prüfen: Deine Risikobereitschaft. Wie viel Verlust im Depot hältst Du aus?

Stell Dir vor, es kommt zu einer schweren Wirtschaftskrise, die Börsen brechen ein und Dein Depot verliert 40 oder sogar 50 % an Wert. Was würdest Du tun, wenn in Deinem Depot plötzlich 10.000, 20.000 oder sogar 100.000 € weniger angezeigt werden?  

Stell Dir das ganz bewusst vor. Lautet die Antwort „nichts“, ist alles gut. Dann hast Du eine Aktienquote, die Du emotional aushalten kannst. Wenn Du aber glaubst, nicht mehr ruhig schlafen zu können und Dich unter Umständen dazu hinreißen lässt, Anteile zu verkaufen, ist Deine Aktienquote zu hoch – selbst wenn sie rechnerisch sinnvoll erscheint.

Schritt 3: Welche Methode passt zu Dir?

Um Deine Zielquote wiederherzustellen, hast Du mehrere Möglichkeiten:

Möglichkeit 1: Zukünftige Sparraten umlenken

Du leitest künftige Sparraten in den untergewichteten Teil um.

Zum Beispiel: Du sparst monatlich 500 €. Statt weiter in den Aktien-ETF zu investieren, zahlst Du die nächsten Monate alles ins Tagesgeld oder eine andere sichere Anlage ein, bis Deine Zielquote wieder hergestellt ist.

Rechne Dir aber vorher aus, wie lange Du dafür brauchst. Die “Sparplan-Methode” eignet sich vor allem, wenn Dein Depot noch nicht sehr groß ist. Denn es sollte nicht mehr als ein bis zwei Jahre dauern, bis Du Deine Zielquote wieder erreichst. Brauchst Du länger, kommst Du ums Umschichten meist nicht herum.

Möglichkeit 2: Umschichten

Du verkaufst Anteile des übergewichteten Bausteins und investierst das Geld in den untergewichteten Baustein.

Am Beispiel von oben heißt das: Um wieder auf Deine Zielquote zu kommen, verkaufst Du ETF-Anteile im Wert von 2.500 € und legst das Geld auf Dein Tagesgeldkonto. So hättest Du 37.500 € im ETF und etwas mehr als 12.500 € sicher angelegt – Deine ursprüngliche 3:1-Aufteilung ist wiederhergestellt.

Nachteil: Es können Steuern auf Gewinne und Transaktionskosten anfallen. Denk dabei an Deinen Sparerpauschbetrag von 1.000 € (2.000 € bei Zusammenveranlagung).

Möglichkeit 3: Mit neuem Geld ausgleichen

Die rechnerisch einfachste Lösung: Du bringst frisches Geld mit – zum Beispiel durch einen Bonus im Job, eine größere Steuerrückzahlung oder eine Erbschaft. Dieses Kapital kannst Du gezielt in den untergewichteten Baustein investieren.

In unserem Beispiel würdest Du also keine ETF-Anteile verkaufen, sondern zusätzlich 2.500 € auf Dein Tagesgeldkonto überweisen – und wärst damit wieder bei Deiner ursprünglichen 75:25-Aufteilung. Der Vorteil: Du musst nichts umschichten und löst keine Steuern auf Gewinne aus.

Klar ist aber auch: Diese Möglichkeit funktioniert nur, wenn Du tatsächlich zusätzliches Geld zur Verfügung hast – und das ist eher die Ausnahme als die Regel.

Möglichkeit 4: Rebalancing in der Entnahmephase

Bist Du bereits in der Entnahmephase, kannst Du das Rebalancing elegant über Deine Auszahlungen steuern. Du entnimmst dann bevorzugt aus dem Baustein, der gerade übergewichtet ist. Das ist besonders effizient, weil in der Entnahmephase ohnehin Steuern auf realisierte Gewinne und Transaktionskosten anfallen.

Rechne aber auch hier nach, wie lange es mit den geplanten Entnahmen dauert, Deine Wunschaufteilung wiederherzustellen. Ist Dein Depot sehr groß und Du fühlst Dich mit der aktuellen Aufteilung unwohl, kann Umschichten (Möglichkeit 2) sinnvoll sein.

Rebalancing ist kein Market Timing

Rebalancing heißt nicht: Du verkaufst, weil Du glaubst, dass die Kurse bald fallen. Und Du kaufst auch nicht nach, weil Du denkst, jetzt geht’s wieder nach oben. 

Du handelst nicht nach Schlagzeilen oder Bauchgefühl – sondern nach einer festen Regel, die Du vorher für Dich festgelegt hast. Das Hauptziel ist, Deine ursprünglich geplante Risikostruktur konstant zu halten – egal, was an den Märkten gerade passiert.

Ja, durch Rebalancing nimmst Du Geld aus Bereichen, die besonders gut gelaufen sind. Das kann kurzfristig etwas Rendite kosten. Gleichzeitig investierst Du automatisch dort nach, wo es gerade schlechter lief – und genau das sorgt langfristig für eine stabilere Entwicklung Deines Depots.

Rebalancing geht auch innerhalb des Depots

Wenn Du mehrere Aktien-ETFs hast, weil Dir z. B. der MSCI World allein zu US-lastig erscheint, kann sich auch hier die Gewichtung verändern.

Wolltest Du z. B. mal zu 70 % in Industrie- und zu 30 % in Schwellenländer investieren, kann sich dieses Verhältnis mit der Zeit verschieben. Denn manchmal laufen Industrieländer deutlich besser als Schwellenländer – und manchmal ist es umgekehrt.

Auch hier gilt: Wenn sich Deine Zielsetzung nicht geändert hat, solltest Du die ursprüngliche Gewichtung wiederherstellen – indem Du z. B. Deinen Sparplan auf den Schwellenland-ETF zeitweise erhöhst.

Du suchst noch einen ETF?

Wir empfehlen 28 weltweit ausgerichtete Aktien-ETFs – darunter zum Beispiel HSBC (ISIN: IE000UQND7H4), Invesco (IE00B60SX394), iShares (IE00B4L5Y983), Vanguard (IE00BK5BQV03) und SPDR (IE00B3YLTY66). Am einfachsten findest Du den passenden ETF mit unserem ETF-Vergleich.

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