News

Regierung verkündet Steuerentlastung, aber Aufreger bei Krankmeldungen

Die Bundesregierung hat neue Reformpläne vorgestellt: Untere und mittlere Einkommen werden steuerlich entlastet, dafür steigt die Reichensteuer. Aufreger bei Krankschreibungen und befristeten Arbeitsverträgen.

Finanztip Redaktion
Von Finanztip Redaktion
Reformen

Neues Reformpaket: Steuerentlastung v. a. für Familien
Finanzierung: Reichensteuer greift früher und steigt
Aufreger: AU schon am 1. Tag, längere Befristungen

Die Regierungskoalition hat am Donnerstag erste Details für weitere Reformpläne vorgestellt (PDF). Damit will sie einerseits viele Menschen steuerlich entlasten, andererseits die Wirtschaft ankurbeln. Ab wann genau das alles jeweils kommen soll, ist zum Teil noch unklar. Geplant ist aber, dass bis Jahresende entsprechende Gesetze vorliegen.

Was Du zur Einigung von CDU/CSU und SPD wissen solltest:

1. Über 600 € Steuerentlastung für Familien

Der am meisten erwartete Punkt war, wie die angekündigte Steuerreform ab 2027 aussieht. Allzu groß ist die jetzt nicht ausgefallen. Hast Du ein unteres oder mittleres Einkommen und Kinder, will die Regierung Dich bei der Einkommensteuer aber spürbar entlasten: Von über 600 € im Jahr für einen Durchschnittshaushalt mit 60.000 € zu versteuerndem Jahreseinkommen und zwei Kindern ist die Rede.

Aber auch etwas höhere Einkommen profitieren, in absoluten Zahlen sogar minimal mehr, zeigen Schätzungen aus dem Finanzministerium (PDF). Vor allem Familien mit Kindern sollen spätestens 2028 am meisten gewinnen. Gedacht ist das alles so:

  • höherer Grundfreibetrag in zwei Stufen von heute 12.348 € auf 12.900 € im Jahr 2028. Dieser Betrag hätte wegen der Inflation aber sowieso steigen müssen
  • 200 € höherer Arbeitnehmerpauschbetrag für Werbungskosten (1.430 statt 1.230 €)
  • mit dem Einkommen langsamer ansteigender Steuersatz. Das wird auch dazu führen, dass der Spitzensteuersatz von 42 % erst ab einem etwas höhere Einkommen als bisher gelten wird (70.600 statt 69.879 €)
  • höherer Kinderfreibetrag und höheres Kindergeld in zwei Stufen auf 272 € im Jahr 2028. Aktuell gibt's 259 € pro Monat und Kind

2. Reichensteuer steigt in zwei Stufen

Insgesamt geht’s um ein Entlastungsvolumen von 10 Mrd. €. An Vermögens- und Erbschaftssteuer sowie den Spitzensteuersatz an sich will die Regierung nicht ran, um das zu bezahlen.  

Aber an die Reichensteuer: Hier soll künftig schon ab 250.000 € zu versteuerndem Einkommen ein Steuersatz von 45 % gelten, aktuell sind es knapp 278.000 €. Ab 280.000 € sind künftig sogar 47 % geplant.

3. Weniger Erstattung für Handwerkerleistungen

Bei Handwerkerleistungen kannst Du künftig nur noch 15 statt wie bisher 20 % der Kosten von bis zu 6.000 € von Deiner Steuer abziehen. Also max. 900 statt bisher 1.200 €. Hier gibt's also etwas weniger. Auch das soll dazu beitragen die Entlastungen aus Punkt 1 zu finanzieren.

4. Weitere Steuerpläne

Abfindungen werden steuerlich begünstigt, wenn Du im Anschluss schnell wieder arbeitest.

Und steuerlich begünstigte Sonn- und Feiertagszuschläge werden ab 2027 für bis zu 75 € Stundenlohn möglich sein. Heute sind es 50 €. 

5. Krankschreibung ab erstem Tag Pflicht

Der größte Aufreger ist dieser Plan: Künftig sollst Du Dir schon am ersten Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) holen müssen, wenn Du krank bist. Bisher ist der gelbe Schein erst ab dem vierten Tag Pflicht, wenn Dein Arbeitgeber nichts anderes regelt.

Aber: Betriebe sollen auch künftig von der gesetzlichen Vorgabe abweichen dürfen, z. B. durch eine Vereinbarung mit Dir oder durch eine allgemeine Betriebsvereinbarung bzw. einen Tarifvertrag. Vielleicht ändert sich bei Dir also nichts.

Laut Regierung ist ihr klar, wie einschneidend dieser Schritt ist. Sie hält ihn aber für nötig, um etwas gegen den hohen Krankenstand zu tun. Aus demselben Grund will die Regierung die telefonische Krankschreibung wieder abschaffen. Sie hat 2025 aber nur 1 % aller Krankschreibungen ausgemacht. 

Wird beides wirklich umgesetzt, müsstest Du für die AU also ggf. direkt und persönlich in die Praxis. Und Du solltest Dich dort auf noch mehr Wartezeit einstellen. Nach ersten Reaktionen hat die Regierung aber schon wieder leicht zurückgerudert: Sie will bei der Gesetzgebung darauf achten, dass sich weiter niemand nur mit einer leichten Erkältung direkt in die Praxis schleppen muss. Wie das konkret gehen soll, ist unklar.

6. Befristete Arbeitsverträge länger möglich

Zweiter Aufreger: Die Regierung will vor allem junge und wachsende Unternehmen unterstützen, indem befristete Arbeitsverträge für Anstellungen bis 2030 ohne Grund länger möglich sein sollen. Künftig sind 48 Monate vorgesehen, doppelt so lang wie bisher. Innerhalb dieses Zeitraums sollen befristete Verträge bis zu sechs Mal verlängert werden dürfen. Und Du sollst mehrfach beim selben Arbeitgeber neu eingestellt werden können.

Für Dich bringt das vor allem mehr und länger Unsicherheit, wie es mit Deinem Job und Einkommen weitergeht. Dann denkst Du vielleicht zweimal über die Familienplanung oder den Traum vom Eigenheim nach. Eine Befristung kann auch an anderer Stelle Folgen haben: Mit einem befristeten Vertrag wird z. B. Deine Bonität schlechter. Das macht dann die Wohnungs- und Kreditsuche schwieriger bzw. teurer. 

7. Neue Arbeitszeitregeln?

Konkrete Änderungen an den erlaubten Arbeitszeiten sind noch nicht Teil der aktuellen Pläne, im Sommer soll das aber noch besprochen werden. Eine Neuerung ist trotzdem schon angepeilt: Die Öffnungszeiten von Bäckereien, Konditoreien und Bibliotheken an Sonntagen sollen ausgeweitet werden.

8. Rentenreform kommt komplett

Außerdem hat die Koalition nochmal bestätigt, dass sie die 33 Vorschläge der Rentenkommission in eine Reform umsetzen möchte – und zwar bis Ende des Jahres. Dabei geht es u. a. um eine Aktienrente und dass das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt werden soll.  

Ob das auch für den enthaltenen Vorschlag gilt, Minijobs abzuschaffen, ist noch fraglich. Eine jetzt geplante Steuererhöhung für Arbeitgeber darauf (von pauschal 2 auf 5 %) spricht dagegen. CSU-Chef Markus Söder war sowieso gegen die Abschaffung. Jetzt hat er nochmal betont: „Wenn man Steuern auf etwas erhebt, dann schafft man es nicht einfach ab.“ Eventuell könnte es jetzt so laufen: Minijobs gibt's doch weiter, aber Du musst Rentenbeiträge zahlen.

9. Krankenkassenreform nächste Woche final?

Bei der Reform der gesetzlichen Krankenversicherung liegt der Gesetzentwurf ohnehin längst vor. Er soll noch vor der Sommerpause beschlossen werden und bestenfalls schon kommende Woche durch den Bundestag und -rat gehen.

10. Steuererklärung soll einfacher werden

Die Finanzminister von Bund und Ländern sollen gemeinsame Vorschläge vorlegen, wie die Steuererklärung leichter wird. In einem ersten Schritt soll eine automatisch vorausgefüllte Steuererklärung eingeführt werden. Ähnliche Ansätze gibt es in manchen Bundesländern bzw. für manche Gruppen bereits, z. B. die 1-Klick-Steuererklärung. Wir sehen solche Ansätze eher kritisch. Denn ohne eigene Angaben zu Deinen Werbungskosten etc. holst Du in aller Regel viel weniger für Dich raus.

Du willst solche aktuellen News und Einordnungen schon vor dem wöchentlichen Finanztip Newsletter lesen? Dann hol Dir die Finanztip App.

Deine Finanzen. Deine App.

Verpasse dank Push-Nachrichten keine News, Spartipps oder wichtigen To-Dos mehr, erhalte einen Überblick über Deine Finanzen mit dem Finanzcoach und speichere wichtige Inhalte für später.

Hol Dir die App

Werde jetzt Teil unserer Mission für mehr Finanzbildung!

Mit Deinem monatlichen Beitrag stärkst Du die Finanztip Stiftung und hilfst, unser Angebot auszubauen. Als Unterstützer erhältst Du zudem exklusiven Zugang zu Expertengesprächen und zur kompletten Finanztip Academy.

Unterstütze uns

* Was der Stern bedeutet:

Finanztip ist kein gewöhnliches Unternehmen, sondern gehört zu 100 Prozent zur gemeinnützigen Finanztip Stiftung. Die hat den Auftrag, die Finanzbildung in Deutschland zu fördern. Alle Gewinne, die Finanztip ausschüttet, gehen an die Stiftung und werden dort für gemeinnützige Projekte verwendet – wie etwa unsere Bildungsinitiative Finanztip Schule.

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, eigenständig die für sie richtigen Finanzentscheidungen zu treffen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links jedoch anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion ausführlich analysiert und empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Für uns als gemeinwohlorientiertes Unternehmen hat es natürlich keinen Einfluss auf die Empfehlungen, ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Dich als Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.