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Steuerreform so gut wie durch: Das erwartet Dich 2027 bei Deinen Abgaben
Ab 2027 will die Regierung viele Menschen bei der Einkommensteuer entlasten. Wer profitiert – und wer verliert.

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Ab 2027 will die Regierung viele Menschen bei der Einkommensteuer entlasten. Wer profitiert – und wer verliert.


Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der Steuerzahlerinnen und -zahler insgesamt um rund 10 Mrd. € entlasten soll. Konkret ändern soll sich ab 2027:
Der Grundfreibetrag soll 2027 von derzeit 12.348 € auf 12.564 € steigen (+216 €). Für 2028 sind 12.900 € vorgesehen.
Was bedeutet das für Dich? Bis zum Grundfreibetrag musst Du keine Einkommensteuer zahlen. Steigt er, bleibt also ein etwas größerer Teil Deines Einkommens steuerfrei. Angenommen Du musst 50.000 € versteuern, reduziert der Grundfreibetrag diese Summe ab 2027 auf 37.436 € statt wie bisher auf 37.652 €.
Auch der Einkommensteuertarif soll angepasst werden. Bis zu einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 70.600 € soll Dein persönlicher Steuersatz künftig etwas langsamer steigen. Prozentual sollen davon vor allem Menschen mit mittleren Einkommen profitieren. Die Anpassung soll außerdem die sogenannte kalte Progression teilweise ausgleichen, also verhindern, dass z. B. eine Gehaltserhöhung zum Inflationsausgleich durch höhere Steuern teilweise wieder aufgezehrt wird.
Was bedeutet das für Dich? Steigt Dein Gehalt, soll künftig etwas mehr davon bei Dir hängen bleiben. Wie groß die Entlastung tatsächlich ist, hängt aber von Deinem zu versteuernden Einkommen ab.
Das Kindergeld soll ebenfalls steigen. Aktuell sind es 259 € pro Kind und Monat. 2027 sollen es 267 € und 2028 dann 272 € sein.
Was bedeutet das für Dich? Hast Du zwei Kinder, bekommst Du 2027 insgesamt 192 € mehr Kindergeld im Jahr als heute. Ab 2028 wären es 312 € mehr. Zusätzlich sollen die Kinderfreibeträge auf 10.056 € im Jahr 2027 und 10.236 € im Jahr 2028 steigen.
Der Werbungskosten-Pauschbetrag soll von 1.230 € auf 1.430 € steigen. Diesen Betrag berücksichtigt das Finanzamt bei Angestellten automatisch – auch wenn Du keine einzelnen beruflichen Ausgaben nachweist.
Was bedeutet das für Dich? Die zusätzlichen 200 € bekommst Du nicht einfach ausgezahlt. Stattdessen verringert der höhere Pauschbetrag Dein zu versteuerndes Einkommen. Hast Du ohnehin Werbungskosten von mehr als 1.430 €, bringt Dir die Erhöhung dagegen nichts zusätzlich, denn dann solltest Du Deine tatsächlichen Kosten in der Steuererklärung angeben.
Bei Zuschlägen für Sonn- und Feiertagsarbeit soll die Grenze steigen. Künftig sollen die Zuschläge auf Basis eines Grundlohns von bis zu 75 € steuerfrei sein können. Bislang liegt diese Grenze bei 50 €.
Was bedeutet das für Dich? Die Änderung ist vor allem interessant, wenn Du einen vergleichsweise hohen Stundenlohn bekommst und regelmäßig sonntags oder an Feiertagen arbeitest. Dann könnte künftig ein größerer Teil Deiner Zuschläge steuerfrei bleiben.
Für Menschen mit sehr hohen Einkommen sieht die Reform dagegen höhere Belastungen vor. Der Steuersatz von 45 % soll künftig bereits ab einem zu versteuernden Einkommen von 250.000 € gelten. Aktuell greift er erst ab 277.826 €.
Was bedeutet das für Dich? Liegt Dein zu versteuerndes Einkommen unter 250.000 €, betrifft Dich diese Änderung nicht. Wichtig ist außerdem: Die 45 % werden nicht auf Dein gesamtes Einkommen fällig, sondern nur auf den Teil, der oberhalb der entsprechenden Grenze liegt.
Zusätzlich ist eine neue Steuerstufe geplant. Ab einem zu versteuernden Einkommen von 280.000 € soll der Steuersatz auf 47 % steigen.
Was bedeutet das für Dich? Auch hier gilt: Die 47 % würden nicht für Dein komplettes Einkommen gelten. Der höhere Steuersatz betrifft nur den Einkommensteil oberhalb der neuen Grenze.
Weniger großzügig wird der Staat ab 2027 bei Handwerkerleistungen: Ab 1. Januar 2027 kannst Du nur noch 15 % der begünstigten Kosten direkt von Deiner Steuer abziehen. Aktuell sind es noch 20 %.
Was bedeutet das für Dich? Absetzbar sind weiterhin Handwerkerkosten von bis zu 6.000 € im Jahr. Weil davon künftig nur noch 15 % berücksichtigt werden, sinkt Dein maximaler Steuervorteil von 1.200 € auf 900 € pro Jahr. Das sind bis zu 300 € weniger. Planst Du ohnehin größere Arbeiten an Haus oder Wohnung, kann es deshalb sinnvoll sein zu prüfen, ob Du sie noch 2026 erledigen und bezahlen kannst.
Auch bei Minijobs ist eine Änderung ab Januar 2027 vorgesehen. Der Pauschalsteuersatz für Arbeitgeber soll von 2 % auf 5 % steigen.
Was bedeutet das für Dich? Bist Du selbst Minijobber, bedeutet die höhere Pauschalsteuer nicht automatisch, dass von Deinem Lohn mehr abgezogen wird. Direkt betroffen sind zunächst die Arbeitgeber, für die ein entsprechend versteuerter Minijob teurer wird.
Hast Du ein kleines Einkommen, fällt Deine Entlastung eher gering aus. Denn wenn Du schon heute keine oder nur wenig Einkommensteuer zahlst, bringt Dir ein höherer Grundfreibetrag entsprechend wenig. Hast Du Kinder, kannst Du allerdings vom höheren Kindergeld profitieren.
Bist Du Single mit einem mittleren Einkommen, können Dir vor allem der höhere Grundfreibetrag, die Anpassung des Steuertarifs und der höhere Werbungskosten-Pauschbetrag etwas bringen. Wie viel Du tatsächlich sparst, lässt sich aus dem Gesetzentwurf aber nicht pauschal ableiten.
Als Familie mit Kindern profitierst Du zusätzlich vom höheren Kindergeld. Laut Finanzministerium soll eine berufstätige Familie mit zwei Kindern und einem zu versteuernden Gesamteinkommen von 60.000 € ab 2028 gut 600 € mehr pro Jahr zur Verfügung haben.
Bist Du im Ruhestand, kommt es darauf an, ob und wie viel Einkommensteuer Du zahlst. Liegt Dein zu versteuerndes Einkommen über dem Grundfreibetrag, können Dir der höhere Grundfreibetrag und die Anpassung des Steuertarifs zugutekommen. Das höhere Kindergeld oder der Werbungskosten-Pauschbetrag für Angestellte spielen für Dich dagegen normalerweise keine Rolle.
Hast Du ein sehr hohes Einkommen, kann die Rechnung anders aussehen. Ab 250.000 € zu versteuerndem Einkommen soll der Steuersatz von 45 % greifen, ab 280.000 € sind 47 % geplant. Damit kann die Reform für Dich unterm Strich zu einer höheren Steuer führen.
Die steuerliche Entlastung fällt im Vergleich zu den Vorjahren geringer aus. Insgesamt 10 Mrd. € für 2027 und 2028 sind zu wenig für eine spürbare Entlastung. Selbst die 600 € Entlastung in den Beispielrechnungen gibt es erst 2028 und auch nur, wenn man zwei Kinder hat.
Erwart von der Reform also keine großen Sprünge. Konzentrier Dich lieber auf die Stellschrauben, die langfristig mehr für Deine Finanzen bringen: Behalt Deine Ausgaben im Blick, bau Dir einen Notgroschen auf und investier regelmäßig in einen breit gestreuten ETF. Neben unserer Top-Empfehlung, dem SPDR MSCI ACWI IMI (IE00B3YLTY66) empfehlen wir Dir auch den FTSE All-World (IE00BK5BQT80) und den iShares MSCI ACWI (IE00B6R52259).
Wichtig: Noch ist nichts davon endgültig beschlossen. Bundestag und Bundesrat müssen der Steuerreform erst zustimmen, es können sich also noch Details ändern. Wir gehen aber davon aus, dass das Reformpaket im Großen und Ganzen in dieser Form kommen wird und halten Dich bei Updates natürlich auf dem Laufenden.
Unabhängig von den Änderungen lohnt es sich, bei Deiner Steuererklärung alle absetzbaren Kosten anzugeben. Dabei hilft Dir eine Steuersoftware. Wir empfehlen Dir Wiso Steuer als App und als Software am Computer. Besonders überzeugt hat uns außerdem Check24 Steuer. Bei klassischer Steuersoftware ist Tax eine günstigere Alternative zu Wiso Steuer. Weitere Empfehlungen findest Du in unserer Anbietertabelle.
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