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Tipps & Tricks

Teure Abzocke bei Riester-Banksparplänen: So wehrst Du Dich

Bei Riester-Banksparplänen musst Du schon während der Laufzeit darauf achten, ob sich die Sache überhaupt noch lohnt. Ganz besonders aufpassen solltest Du aber zu Rentenbeginn – denn da droht eine gemeine Kostenfalle.

Martin Klotz
Finanztip-Experte für Vorsorge

Mit einem weltweiten Aktien-ETF sorgst Du günstig und meist renditestark fürs Alter vor. Bei anderen Produkten zur privaten Altersvorsorge ist das oft schwieriger. Mal springt kaum Rendite raus, mal haben sie hohe Kosten. Und manchmal kommt dann noch teure Abzocke der Anbieter dazu, die Deine Rendite frisst – zum Beispiel bei Riester-Banksparplänen.

Die teure Kostenfalle beim Übergang in die Rente

Kurz vor Deinem Ruhestand bekommst Du einen wichtigen Brief von Deiner Bank: ihr Angebot für die Auszahlphase. Denn für die Rentenphase wird das Guthaben in Deinem Banksparplan früher oder später in einen Ver­si­che­rungsvertrag überführt, auch wenn Du Dich zunächst für einen Auszahlplan entscheidest. Dieses Angebot solltest Du auf keinen Fall ungeprüft einfach annehmen. Denn für den Ver­si­che­rungsvertrag berechnen viele Banken hohe Abschluss- und Vermittlungsgebühren, teilweise über 1.000€. Und die können unzulässig sein.

Keine Sorge: Auch wenn Du bereits Rente aus einem Riester-Banksparplan erhältst, hast Du noch eine Chance, den Kosten zu widersprechen und Dir diese Gebühren rückwirkend zurückzuholen. Später mehr dazu.

Was Du tun solltest

Wegen der Kosten hat es bereits mehrere Klagen gegeben – und ein besonders wichtiges Urteil: Ende 2023 erklärte der Bundesgerichtshof eine unklar formulierte Kosten-Klausel einer Sparkasse für unzulässig (Az. XI ZR 290/22). Und diese Klausel haben auch andere Sparkassen oder Banken genauso oder ähnlich verwendet. Deine Erfolgschancen stehen also gut. Schau deshalb genau hin, ob das Angebot Deiner Bank solche Gebühren enthält.

Selbst vor Gericht zu ziehen brauchst Du erstmal nicht. Du kannst den Kosten zunächst mit einem einfachen Schreiben an die Bank widersprechen und ein neues Angebot ohne die Kosten anfordern. So hat laut der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg auch ein Volksbank-Kunde mit einer ähnlichen Klausel schon 1.300€ zurückbekommen.

Nutz unser Mus­ter­schrei­ben

Um es Dir leichter zu machen, haben wir ein Mus­ter­schrei­ben (Word-Dokument) für Dich entwickelt. Es enthält verschiedene Textbausteine, je nachdem um welche Bank und Klausel es geht und ob Du noch vor oder schon im Ruhestand bist und Dir die Kosten rückwirkend zurückholen willst. Wähl einfach die bei Dir passende Formulierung.

Hat Dein Widerspruch keinen Erfolg, kannst Du Dich an die Beschwerdestelle der Volks- und Raiffeisenbanken bzw. die Schlichtungsstelle des Sparkassen- und Giroverbands wenden. Alternativ kannst Du auch klagen. Schick uns außerdem gerne die Rückmeldung Deiner Bank an redaktion@finanztip.de. So können wir eine Übersicht anlegen, welche Bank wie reagiert. 

Du willst den Kosten-Ärger ganz umgehen?

Dann gibt‘s zwei Optionen, mit denen Du gar keinen Ver­si­che­rungsvertrag für die Rente mehr brauchst, für den Kosten anfallen könnten:

  • Du wandelst Dein gesamtes Guthaben in Wohn-Riester um. Statt eine Rente zu bekommen, kannst Du es dann für eine Immobilie nutzen (Kauf, Neubau, Kredit abzahlen, energetische Sanierung oder altersgerechter Umbau).  

  • Wenn Dein Riester-Guthaben so gering ist (grob 10.000€ oder weniger), dass Du später nur eine Mini-Rente bekommen würdest, kannst Du höchstwahrscheinlich eine Regelung zu Kleinbetragsrenten nutzen, um zu Rentenbeginn Dein ganzes Guthaben auf einen Schlag ausgezahlt zu bekommen.

Willst Du Variante zwei nutzen, kannst Du Deinen Vertrag stilllegen, also nicht mehr einzahlen. So wächst Dein Guthaben nicht oder kaum noch weiter. Das beantragst Du einfach bei Deiner Bank. Dein Guthaben inkl. Zulagen bleibt dann bis zur Auszahlphase auf Deinem Riester-Konto liegen, neue Zulagen bekommst Du aber nicht mehr. Mach das also nur, wenn Du keine hohe Förderung vom Staat mehr kassierst (z. B. mehrere Zulagen für kindergeldberechtigte Kinder).

Achtung: Leg den Vertrag wirklich nur still und kündige ihn nicht komplett, sonst verlierst Du alle bisherigen Zulagen und evtl. erhaltene Steuervorteile. 

Deine Alternativen zum Riester-Banksparplan

Wenn Du keine hohen Zulagen bekommst, lohnt es sich bei Riester-Banksparplänen in aller Regel generell, den Vertrag stillzulegen. Denn zusätzlich bekommst Du sonst nur noch die Verzinsung Deiner Bank. Und die ist oft sehr gering: Sie orientiert sich an den Zinsen für Sparguthaben, die bei vielen Banken noch immer verschwindend gering ausfallen. Schon mit unseren Emp­feh­lungen für Tagesgeld und Festgeld bekommst Du deutlich höhere Zinsen (knapp unter 4% im Jahr). 

Statt Dein Geld fast unverzinst in den Banksparplan zu investieren, hast Du für die Altersvorsorge aber eine noch deutlich bessere Option als Tages- und Festgeld: Du investierst Deine bisherigen Beiträge für den Banksparplan künftig mit einem ETF-Sparplan am Aktienmarkt.

Wechsel in andere Riester-Form? Besser abwarten

Du bekommst noch hohe Zulagen, bist aber mit der Zinsrendite Deines Sparplans unzufrieden? Dann hast Du noch eine weitere Option: Du wechselst in eine lukrativere Riester-Form, zum Beispiel in einen Riester-Fondssparplan. Aktuell raten wir Dir aber, noch die bevorstehende Riester-Reform abzuwarten. Danach könnte es bessere Produkte geben als heute. 

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