Mit dem Beschluss des neuen Spritpreis-Entlastungspakets, also eines weiteren Tankrabatts, rückt die Kritik an der seit April geltenden 12-Uhr-Regel stärker in den Mittelpunkt. Der ADAC bekräftigte am 23. September seine Kritik an der Regel und forderte, sie zeitnah abzuschaffen.
Seit dem 1. April dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen, nämlich um 12 Uhr. Preissenkungen hingegen bleiben jederzeit möglich.
Größere Preisspanne seit Einführung der Regel
Grundlage seiner Kritik ist unter anderem eine Auswertung des Automobilclubs von mehr als 14.000 Tankstellen. Demnach hat der Unterschied zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Preis im Tagesverlauf mit Einführung der 12-Uhr-Regel zugenommen. Im Mai lag die Differenz bei durchschnittlich 14,6 Cent je Liter für Super E10 und 18,4 Cent für Diesel. Zum Vergleich: Vor dem 1. April lagen die täglichen Preisschwankungen laut ADAC bei rund 13 Cent je Liter.
Eine Finanztip-Auswertung zeigt in die gleiche Richtung. Grundlage sind Preisdaten von Onlinestreet, einem zugelassenen Verbraucher-Informationsdienst der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) des Bundeskartellamts. Danach gingen die täglichen Preisunterschiede direkt nach Einführung der Regel zunächst zurück, allerdings fielen die ersten Tage in die Osterfeiertage. Danach wurden die Preissprünge um 12 Uhr größer und lagen ab Mitte April über dem Niveau der täglichen Preisspanne im März.
Ob Tanken durch die Regel insgesamt teurer geworden ist, lässt sich aus der Tagesspanne allein nicht ablesen. Sie zeigt aber, wie viel man verschenkt, wenn man zum ungünstigsten Zeitpunkt tankt.
Weniger Preisänderungen: Tankzeitpunkt ganz einfach planen
Allerdings zeigen die Preisreihen auch die andere Seite der Medaille: Die Zahl der Preisänderungen nahm deutlich ab. In der Finanztip-Auswertung sank sie von rund 27 bis 31 täglichen Preisänderungen im März auf etwa 3 bis 8 im April. Auch der ADAC weist auf den deutlichen Rückgang der täglichen Preisänderungen hin.
Unabhängig von der politischen Diskussion über eine mögliche Rücknahme der 12-Uhr-Regel gilt für Autofahrer deshalb: Solange die Regel in Kraft ist, lassen sich die Preise leichter beobachten und der Tankzeitpunkt besser planen. Wer den Preisvergleich geschickt nutzt, kann den Preissprung um 12 Uhr gezielt vermeiden.
Preispeak vermeiden – so geht’s
Finanztip empfiehlt, gegen 11:30 Uhr an der Tankstelle zu sein. Die Uhrzeit ist kein garantiertes Preistief, sondern vor allem ein sinnvoller Zeitpuffer: Kurz vor 12 Uhr liegen die Preise niedriger als nach dem Mittagsanstieg. Um 12 Uhr dürfen Tankstellen ihre Preise wieder erhöhen – und wie die Zahlen zeigen, machen sie davon Gebrauch.
Wer erst wenige Minuten vor 12 Uhr ankommt, riskiert außerdem, in einer Warteschlange zu stehen und erst nach dem Preissprung an die Zapfsäule zu gelangen. Gerade bei günstigen Tankstellen kann sich vor 12 Uhr eine Schlange bilden. Deshalb lieber etwas früher losfahren und nicht auf die letzte Minute planen. Wer vormittags nicht tanken kann, sollte die Preise ab etwa 17 Uhr erneut prüfen. Bis dahin haben viele Tankstellen ihre Preise nach dem Mittagsanstieg schon in mehreren Runden wieder gesenkt. Wichtig bleibt der Preisvergleich per Tank-App.

Auch die Wahl der Tankstelle entscheidet. Für das regelmäßige Tanken zu Hause kann es helfen, eine günstige Tankstelle in der Nähe auszumachen. Solche Tankstellen zählen in der Regel auch später zu den günstigeren Anbietern, sollten aber gelegentlich überprüft werden.
Vor allem auf Reisen gilt: Autobahntankstellen möglichst meiden – sie sind meist deutlich teurer. Ein kleiner Umweg kann sich lohnen, sollte aber gegen die zusätzlichen Fahrtkosten abgewogen werden.
Für Benziner kann Super E10 außerdem eine günstigere Alternative zu Super E5 sein, sofern das Fahrzeug dafür freigegeben ist. Und natürlich gilt: Am günstigsten ist es, das Auto stehen zu lassen, wo es zum Alltag passt. Auch der Umstieg auf ein E-Auto kann die Abhängigkeit von Benzin- und Dieselpreisen verringern.