Tipps & Tricks
Wero: Europas Antwort auf PayPal muss sich jetzt beweisen
Direkt vom Girokonto bezahlen statt über PayPal oder Apple Pay: Genau das verspricht Wero. Für den Erfolg muss der Dienst aber mehr bieten als eine gute Idee.
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Direkt vom Girokonto bezahlen statt über PayPal oder Apple Pay: Genau das verspricht Wero. Für den Erfolg muss der Dienst aber mehr bieten als eine gute Idee.

Vielleicht ist Dir Wero schon in Deiner Banking-App aufgefallen. Dahinter steckt der Versuch europäischer Banken, eine eigene Alternative zu PayPal, Apple Pay und anderen internationalen Bezahldiensten aufzubauen.
Die Idee klingt erst einmal sinnvoll: Du bezahlst direkt vom Girokonto, ohne zusätzliche Wallet und den Umweg über einen großen US-Bezahldienst.
Gerade in Zeiten, in denen Europa bei digitalen Diensten unabhängiger werden will, wirkt Wero wie ein längst überfälliger Schritt.
Doch ob ein Bezahldienst erfolgreich wird, entscheidet sich nicht allein in den Apps der Banken. Entscheidend ist, ob Du ihn im Alltag tatsächlich nutzen kannst.
Viele Bankkundinnen und -kunden können Wero bereits nutzen. Es ist in ihre Banking-App eingebunden und Du kannst damit in Echtzeit von Konto zu Konto überweisen.
Für private Geldtransfers kann das praktisch sein: Statt einer IBAN reicht eine Mobilfunknummer oder E-Mail-Adresse.
Beim Onlineshopping ist es für Dich dagegen deutlich schwerer, Wero zu nutzen. Seit rund einem halben Jahr können Online-Shops Wero als Bezahlmethode anbieten.
Eine Recherche des Handelsblatts zeigt jedoch: Von den zehn größten deutschen Online-Händlern hat bislang keiner Wero integriert. Nur MediaMarkt-Saturn stellt eine Anbindung in Aussicht, nennt dafür aber keinen konkreten Zeitplan.
Andere große Händler wie Otto, Ikea oder Zalando prüfen die Einführung offenbar seit Monaten, ohne sich bisher festzulegen.
Für Dich heißt das: Selbst wenn Deine Bank Wero bereits anbietet, ist der Nutzen beim Online-Shopping derzeit noch begrenzt. Ein Bezahldienst kann technisch gut funktionieren. Wenn ihn die Shops nicht anbieten, bleibt er für Dich irrelevant.
Das gleiche gilt für die Shops: Sie müssen Wero in ihre Bezahlsysteme einbinden und dafür Geld und Zeit investieren. Nutzt den Dienst dann keiner, haben sie Geld versenkt. Du hast hier also ein klassisches “Henne-Ei-Problem".
Vielleicht solltest Du Wero aber nicht vorschnell abschreiben. Eine europäische Zahlungsalternative kann für mehr Wettbewerb sorgen und Europas Abhängigkeit von internationalen Zahlungsanbietern verringern.
Und: Steigender Wettbewerb kann zu sinkenden Gebühren bei solchen Zahlungsdiensten führen. Und das könnte – sofern die Händler Einsparungen an Dich weitergeben – die Preise minimal senken. Egal, mit welchem Anbieter Du zahlst.
Außerdem ist es gerade im Zahlungsverkehr sinnvoll, wenn nicht wenige große Anbieter aus den USA den Markt dominieren.
Die eigentliche Herausforderung liegt aber woanders: PayPal ist beim Online-Shopping sehr beliebt.
Der Dienst ist in unzähligen Shops verfügbar, die Bedienung funktioniert meist intuitiv und viele Nutzerinnen und Nutzer vertrauen darauf, weil sie seit Jahren gute Erfahrungen damit gemacht haben. Genau dieser Gewöhnungseffekt macht es für neue Anbieter wie Wero schwer.
Dazu kommen Zusatzfunktionen, die viele inzwischen gewohnt sind. Neben dem eigentlichen Bezahlen bietet PayPal unter anderem Ratenzahlungen, die Option „Später bezahlen“ und eine Versandverfolgung für Bestellungen – die gäbe es aber auch beim Paketdienst.
Genau daran muss sich Wero messen lassen. Es reicht nicht, europäisch zu sein. Der Dienst muss mindestens genauso einfach, zuverlässig und breit verfügbar werden wie die etablierten Anbieter.
Die entscheidende Hürde: Wero kann nur dann mehr werden als eine zusätzliche Funktion in Deiner Banking-App, wenn deutlich mehr Händler mitmachen.
Bis dahin bleiben PayPal, Kreditkarte oder Lastschrift im Onlinehandel meist die praktischeren Optionen.
Ansonsten ist Wero eine sinnvolle Idee, aber noch keine echte Alternative zu den etablierten Zahlungsdiensten. Erst wenn der Dienst in deutlich mehr Shops auftaucht, wird er für Dich beim Online-Shopping wirklich relevant.
Du willst Wero mit Deinem Konto nutzen? In unserem Girokonto-Vergleich findest Du nicht nur die besten Girokonten – Du erfährst auch, ob die Bank Wero anbietet.
Wir empfehlen derzeit das Norisbank Top Girokonto, das Girokonto der Concorsbank, das Santander BestGiro Online und das Girokonto der DKB.
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