Strompreis: Monatsbetrag allein ist nicht aussagekräftig
Grundlage: Verbrauch entscheidet über fairen Preis
Tipp: Tarif regelmäßig vergleichen und ggf. wechseln
Wenn Du Deinen Strompreis einschätzen willst, brauchst Du zwei Dinge: Deinen monatlichen Abschlag und Deinen Jahresverbrauch in Kilowattstunden (kWh). Ohne den Verbrauch ist jeder Preisvergleich ein Blindflug.
Und genau hier passiert der typische Fehler: Viele schauen nur auf den Monatsbetrag – und merken gar nicht, wie teuer ihr Strom wirklich ist.
Warum Dein Monatsbetrag allein nichts sagt
55 € im Monat können sehr günstig sein – oder ziemlich teuer. Ein Beispiel:
- Dein Haushalt verbraucht 1.500 kWh im Jahr → 55 € wären eher teuer
- Bei 2.000 kWh im Jahr → 55 € wären eher günstig
Viele zahlen zu viel – oft ohne es zu merken
Der Grund: Viele Stromanbieter folgen einem einfachen Muster:
- Du bekommst einen günstigen Einstiegspreis
- Nach etwa einem Jahr wird der Tarif deutlich teurer
- Wenn Du nicht wechselst, zahlst Du drauf
Wie groß das Problem ist, zeigt eine aktuelle Studie der RWTH Aachen und Octopus Energy: Bestandskunden zahlen im Schnitt rund 13 ct/kWh mehr als Neukunden. Das sind etwa 47 % höhere Preise.
Für Dich ist oft schwer nachvollziehbar, warum Dein Tarif teurer wird. Anbieter begründen Preiserhöhungen häufig nur pauschal – etwa mit gestiegenen Kosten für „Beschaffung und Vertrieb“. Laut Studie passt das aber oft gar nicht zur tatsächlichen Entwicklung am Strommarkt.
So erkennst Du, ob Dein Abschlag fair ist
Dein monatlicher Abschlag ist einfach gesagt eine Vorauszahlung auf Deine jährliche Stromrechnung. Die Höhe des Abschlags orientiert sich an Deinem Stromverbrauch.
Dein Anbieter schätzt dafür Deine jährlichen Stromkosten. Die setzen sich aus zwei Teilen zusammen: einem festen Grundpreis pro Monat und einem Arbeitspreis pro kWh – also pro verbrauchter Einheit Strom.
Der Grundpreis liegt aktuell oft bei etwa 100 bis 170 € im Jahr (also rund 8 bis 15 € im Monat), der Arbeitspreis zwischen 25 und 30 ct pro kWh. Rechnest Du beides zusammen, bekommst Du Deinen durchschnittlichen Preis pro kWh.
Ein Beispiel: Die günstigsten von Finanztip empfohlenen Stromtarife kosten bei einem Jahresverbrauch von 3.000 kWh aktuell 31,63 ct/kWh, wenn man Grundpreis und Arbeitspreis zusammenrechnet. Das ergibt jährliche Stromkosten von 948,90 € und einen monatlichen Abschlag von rund 79 €.
Faire Abschläge im Überblick:
Damit Du ein Gefühl bekommst, was aktuell fair ist, helfen Dir diese groben Richtwerte:
- 1.000 kWh/Jahr → etwa 33 bis 38 €
- 1.500 kWh/Jahr → etwa 44 bis 49 €
- 2.000 kWh/Jahr → etwa 56 bis 61 €
- 2.500 kWh/Jahr → etwa 67 bis 72 €
- 3.000 kWh/Jahr → etwa 78 bis 83 €
- 3.500 kWh/Jahr → etwa 89 bis 94 €
- 4.000 kWh/Jahr → etwa 102 bis 107 €
- 4.500 kWh/Jahr → etwa 111 bis 116 €
Die Werte basieren auf den günstigsten Tarifen aus unserem Finanztip-Stromrechner (enthält Werbelinks), die wir für die unterschiedlichen Verbrauchsmengen ausgewertet haben. Damit kannst Du schnell erkennen, ob Dein aktueller Abschlag eher günstig oder zu teuer ist.
Wichtig: Da sich die Strompreise wegen der Netzentgelte regional unterscheiden, kannst Du in sehr günstigen Regionen darunter liegen und in teuren Regionen drüber.
Sonderfall: Falls Dein Stromanbieter nur elf statt der üblichen zwölf Abschläge pro Jahr verlangt, dürfte Dein Abschlag knapp 10 % höher liegen.
So prüfst Du Deinen Abschlag
- Schau auf Deine letzte Jahresabrechnung und notier Deinen tatsächlichen Stromverbrauch
- Vergleich Deinen aktuellen Abschlag mit unseren „fairen Abschlägen“ oben: Passt das zusammen – oder zahlst Du deutlich zu viel?
Wenn Dein Abschlag nicht passt, hast Du zwei Möglichkeiten:
- Dein Tarif ist zu teuer: Dann kannst Du durch einen Wechsel sparen. Vergleich aktuelle Angebote mit dem Finanztip-Stromvergleich (enthält Werbelinks)
- Dein Abschlag ist zu hoch angesetzt: Dann kannst Du Deinen Anbieter bitten, den Abschlag zu senken. Dafür kannst Du unser Musterschreiben (Word-Dokument) nutzen
Unser Tipp: Prüf auch mal, ob Dein Stromverbrauch im normalen Bereich liegt. Durchschnittswerte findest Du in unserem Ratgeber “Strom sparen”.