Firmenwagen versteuern

Für den Dienstwagen Fahrtenbuch oder Ein-Prozent-Regel nutzen

Udo Reuß
Experte für Steuern
30. September 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Die private Nutzung eines Firmenwagens ist ein geldwerter Vorteil, den Du als Arbeitnehmer versteuern musst. Gewusst wie, kannst Du Deine Belastung reduzieren.
  • Es gibt zwei Wege der Besteuerung: Ein-Prozent-Regelung oder Fahrtenbuch. Du kannst Dich für die Methode entscheiden, die für Dich günstiger ist.
  • Fährst Du viel privat, ist oft die pauschale Ein-Prozent-Versteuerung günstiger. Ist Dein Dienstwagen ein teurer Gebrauchtwagen, dann kann das Fahrtenbuch attraktiver sein.
  • Elektroautos werden steuerlich jetzt noch bessergestellt. Bei seit 2019 gekauften oder geleasten E-Autos musst Du nicht den gesamten Preis versteuern. Teils gilt diese Förderung auch für Plug-in-Hybride. 
So gehst Du vor
  • Ermittle, welche Art der Besteuerung für Dich günstiger ist.
  • Dafür kann es gut sein, erstmal ein Fahrtenbuch zu führen. Im Laufe eines Jahres solltest Du erkennen, welche Art der Besteuerung für Dich günstiger ist. Fällt Deine Entscheidung auf die Ein-Prozent-Versteuerung, kannst Du problemlos wechseln.
  • Entscheidest Du Dich für ein Fahrtenbuch, muss es die strengen Anforderungen des Finanzamts erfüllen. Im Ratgeber Fahrtenbuch empfehlen wir Vimcar, Driverslog Pro 2 und Kfz-Fahrtenbuch als elektronische Lösungen.

Wenn Dein Arbeitgeber Dir als Arbeitnehmer einen Dienstwagen zur Verfügung stellt, den Du auch privat nutzen darfst, dann musst Du für diese private Nutzung Steuern zahlen. Denn das Finanzamt betrachtet die unentgeltliche Überlassung des Autos zur privaten Nutzung als Sachzuwendung. Auf diesen geldwerten Vorteil fällt Einkommensteuer an.

Wie wird die private Nutzung beim Dienstwagen versteuert?

Du hast zwei Möglichkeiten, die private Nutzung zu versteuern: entweder pauschal über die sogenannte Ein-Prozent-Regel oder über das Führen eines Fahrtenbuchs. Die gewählte Variante musst Du beziehungsweise Dein Arbeitgeber das gesamte Jahr über beibehalten. Es ist also nicht möglich, während eines Kalenderjahres von einer Methode zur anderen zu wechseln.

Für Deine Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung bist Du allerdings nicht dauerhaft an die zuvor gewählte Variante gebunden: Du kannst sie zu Jahresbeginn wechseln, falls die andere Berechnungsart für Dich günstiger ist. Auch für den Fall, dass Du im Laufe des Jahres ein anderes Fahrzeug nutzt, kannst Du die Versteuerungsmethode ändern. 

Wie funktioniert die Ein-Prozent-Regelung?

Die meisten Dienstwagenfahrer nutzen die pauschale Ein-Prozent-Regelung. 

Geldwerter Vorteil - Laut Einkommensteuergesetz (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 S. 2 EStG) kannst Du die private Nutzung eines Kraftfahrzeugs für jeden Kalendermonat mit 1 Prozent des inländischen Listenpreises ansetzen. Die Ein-Prozent-Pauschale gilt nicht nur für gekaufte Fahrzeuge, sondern auch für geleaste oder gemietete Pkw. Fährst Du zum Beispiel ein Auto mit einem Wert von 50.000 Euro, dann beträgt der geldwerte Vorteil, der sich aus der privaten Nutzung ergibt, 500 Euro pro Monat. Auf diesen Betrag musst Du monatlich Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag, gegebenenfalls Kirchensteuer sowie So­zial­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge zahlen.

Passiert ein Unglück und Du kannst das Auto aufgrund eines ärztlichen Fahrverbots überhaupt nicht nutzen, entfällt der geldwerte Vorteil zumindest für die vollen Monate, in denen dieses Fahrverbot gilt. Wichtig ist auch, dass der Dienstwagen in der Zeit der Fahruntüchtigkeit nicht anderweitig – zum Beispiel von einem Familienangehörigen – genutzt wurde. 

So entschied das Finanzgericht Düsseldorf den Fall eines Steuerzahlers, dem nach einem Hirnschlag für mehr als fünf Monate von einem Arzt Fahruntüchtigkeit attestiert wurde. Erst nachdem der Mann in einer Fahrschule seine erneute Fahrtüchtigkeit belegt hatte, musste er wieder einen monatlichen geldwerten Vorteil versteuern (Urteil vom 24. Januar 2017, Az. 10 K 1932/16 E).

Das Gericht akzeptierte jedoch nur die vollen Monate der Fahruntüchtigkeit. Der Autofahrer erlitt den Hirnschlag am 23. Februar, am 29. Juli desselben Jahres wurde das ärztliche Fahrverbot aufgehoben. Für den kompletten Februar und Juli musste er den geldwerten Vorteil versteuern.

Listenpreis - Maßgebend ist der Listenpreis zum Zeitpunkt der Erstzulassung. Als Listenpreis gilt die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers zuzüglich der Kosten für Sonderausstattung einschließlich Umsatzsteuer – selbst dann, wenn beim Kauf gar keine Umsatzsteuer angefallen ist.

Tipp: Wird zum Beispiel ein Navigationsgerät oder ein Flüssiggastank nachträglich eingebaut, erhöht dies nicht den geldwerten Vorteil.

Der Listenpreis gilt auch, wenn Dein Arbeitgeber wegen eines Preisnachlasses weniger bezahlt hat oder für Dich einen Gebrauchtwagen als Dienstfahrzeug angeschafft hat. Hat Deine Firma für das gebrauchte Auto 20.000 Euro bezahlt und der Neupreis lag bei 50.000 Euro, musst Du trotzdem 500 Euro – 1 Prozent von 50.000 Euro – im Monat versteuern.

Nicht zum Listenpreis des Geschäftswagens gehören

  • die Kosten der Überführung und Zulassung des Fahrzeugs,
  • der Wert eines weiteren Satzes Reifen einschließlich Felgen (zum Beispiel Winterreifen) und
  • die Kosten für ein Autotelefon (Privatgespräche sind nach Paragraf 3 Nr. 45 Einkommensteuergesetz steuerfrei).

Erstattet Dein Arbeitgeber Dir die folgenden, bei Privatfahrten mit Deinem Firmenwagen entstandenen Ausgaben, gelten diese in vollem Umfang als steuerpflichtiger Arbeitslohn. Sie sind also durch die Ein-Prozent-Pauschale nicht abgegolten:

  • Straßennutzungsgebühren (zum Beispiel Parkgebühren, Mautgebühren, Straßenvignetten),
  • Aufwendungen für den Transport des Autos (beispielsweise Autoreisezug, Fähren) sowie
  • Kosten für die Mitgliedschaft in einem Automobilklub oder einen Autoschutzbrief.

Kostendeckelung- Nutzt ein Unternehmer einen Firmenwagen, bei dem nur geringe Kfz-Kosten anfallen, weil dieser beispielsweise komplett abgeschrieben ist, kann es vorkommen, dass die tatsächlichen Kosten niedriger sind als der private Nutzungsanteil nach der Ein-Prozent-Regelung. In diesem Fall kann dieser gedeckelt werden. Die private Nutzung wird dann bei der Einkommensteuer mit den vollen tatsächlichen Kosten bewertet.   

Umsatzsteuer - Bist Du beispielsweise als Freiberufler (Arzt, Apotheker, Rechtsanwalt, Journalist) oder anderweitig selbstständig tätig und nutzt Dein Firmenauto sowohl betrieblich als auch privat, musst Du für die Privatnutzung nicht nur Einkommensteuer, sondern in der Regel auch Umsatzsteuer zahlen. Das gilt sowohl für die Ein-Prozent-Regelung als auch für das Fahrtenbuch.

Was bei Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz zu beachten ist

Darfst Du Deinen Firmenwagen auch für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz nutzen und wendest Du die Ein-Prozent-Regelung an, erhöht sich der monatliche pauschale Wert des geldwerten Vorteils für jeden Entfernungskilometer der einfachen Strecke um 0,03 Prozent des Listenpreises.

Statt dieser Pauschale können sich Arbeitnehmer für eine Einzelbewertung entscheiden. Das ist günstiger, wenn sie durchschnittlich weniger als an 15 Tagen pro Monat zum Arbeitsplatz pendeln; also bis 180 Fahrten im Jahr. Sie müssen dann für jede tatsächliche Fahrt 0,002 Prozent des Listenpreises pro Entfernungskilometer ansetzen. Dafür musst Du dem Arbeitgeber schriftlich erklären, wann Du diese Fahrten unternommen hast.

Ab 2019 kannst Du vom Arbeitgeber verlangen, dass er die Methode der Einzelbewertung bei der Lohnbesteuerung anwenden soll. Detaillierte Informationen unter anderem dazu enthält das Schreiben des Bundesfinanzministeriums zur „lohnsteuerlichen Behandlung der Überlassung eines betrieblichen Kraftfahrzeugs an Arbeitnehmer“ vom 4. April 2018.

Die Einzelbewertungs-Methode musst Du für das ganze Jahr anwenden. Wurde dies beim monatlichen Lohnsteuerabzug noch nicht berücksichtigt, könntest Du Dir zumindest den steuerlichen Vorteil im Rahmen Deiner Steu­er­er­klä­rung sichern. Eventuell zu viel bezahlte Sozialversicherung kann aber nicht nachträglich korrigiert werden.

Nutzt Du Deinen Dienstwagen auch für Familienheimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung, erhöht sich die Pauschale für jeden Entfernungskilometer zwischen Beschäftigungsort und Heimatort um 0,002 Prozent des Listenpreises. Das gilt allerdings nicht für Fahrten, die Du als Werbungskosten absetzen kannst (§ 8 Abs. 2 EStG).

Gewerbetreibende, Freiberufler und alle anderen Gewinnermittler können die Einzelbewertungs-Methode nicht nutzen, hat der Bundesfinanzhof entschieden (Urteil vom 12. Juni 2018, Az. VIII R 14/15).

Wenn Du als Arbeitnehmer mit einem Dienstwagen ausschließlich von der Wohnung zum Arbeitsplatz fährst, brauchst Du keine Steuern auf eine private Nutzung des Autos zu zahlen. Denn die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte sind nicht der Privat-, sondern der Erwerbssphäre zuzuordnen, entschied der Bundesfinanzhof (BFH, Urteil vom 6. Oktober 2011, Az. VI R 56/10).

Begründung: Die Fahrt zur Arbeit per Geschäftswagen ist kein Privatvergnügen. Der Arbeitgeber braucht nicht zu kontrollieren, ob sich der Mitarbeiter an die Vorgabe hält, das Auto nicht privat zu nutzen. Wer dagegen das Auto ausdrücklich privat fahren dürfe, müsse zahlen.

Geklagt hatte ein Autoverkäufer, der aufgrund einer mündlichen Erlaubnis seines Arbeitgebers einen Vorführwagen für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte nutzen durfte. Das Fahrzeug privat zu nutzen, war ihm jedoch laut Arbeitsvertrag verboten. Das Finanzamt unterstellte dennoch eine Privatnutzung und folglich einen geldwerten Vorteil nach der Ein-Prozent-Regelung – mit dem Argument, der Anschein spreche für eine private Nutzung.

Gegen die Entscheidung legte der Mann Einspruch ein und klagte anschließend vor dem Finanzgericht, vor dem er in erster Instanz unterlag. Der Bundesfinanzhof gab dem Autoverkäufer in der letzten Instanz Recht und urteilte, er habe es nicht privat genutzt. Denn genau das hatte der Arbeitgeber ja im Arbeitsvertrag untersagt und zudem die Kilometerstände der Vorführautos kontrolliert. Dabei sind Kontrollen, ob ein Mitarbeiter ein ausdrückliches Verbot der Privatnutzung unterläuft, nicht einmal erforderlich. Das Finanzamt dürfe nicht einfach unterstellen, dass sich der Verkäufer nicht an das Verbot seines Arbeitgebers hält.

Die Ein-Prozent-Regelung sei jedenfalls auf das Pendeln von und zur Arbeit mit einem Firmenwagen nicht anwendbar, urteilten die obersten Finanzrichter. Denn der Gesetzgeber habe die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte eindeutig „der Erwerbssphäre zugeordnet“.

Tipp: Nutzt Du Deinen Dienstwagen ausschließlich beruflich und willst die Ein-Prozent-Regelung vermeiden? Dann sollte Dein Arbeitgeber die Privatnutzung schriftlich verbieten. Ob Du dieses Verbot einhältst, muss er nicht kontrollieren. 

Ist nichts geregelt, kann das Finanzamt dagegen davon ausgehen, dass Du das Auto auch privat nutzen darfst. Denn es ist nicht vorgeschrieben, dass entsprechende Vereinbarungen nur schriftlich gelten. Auch mündlich kann Dein Chef Dir die Privatnutzung erlauben. Ein Privatnutzungsvebot wird das Finanzamt Dir aber nicht abnehmen, wenn der Dienstwagen das einzige Auto ist, das Du fahren kannst. Nutzt Du aber für private Fahrten ein weiteres, eigenes Auto, dann kannst Du das glaubhaft versichern.

Was ist bei einem Fahrtenbuch zu beachten?

Statt der Ein-Prozent-Pauschale kannst Du auch die tatsächlichen Aufwendungen als geldwerten Vorteil ansetzen (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 3 EStG).

Beispielrechnung: Du fährst mit Deinem Dienstwagen 24.000 Kilometer im Jahr, davon sind 3.600 Kilometer privat. Die gesamten Aufwendungen betragen dabei 6.000 Euro. Das ergibt 0,25 Euro pro Kilometer (6.000 Euro geteilt durch 24.000 Kilometer), für die Privatnutzung also Kosten von 900 Euro (0,25 Euro pro Kilometer mal 3.600 Kilometer). Demnach rechnet der Fiskus 900 Euro zu Deinem zu versteuernden Jahreseinkommen hinzu.

Verwendest Du ein Fahrtenbuch, zählen für die Steuer sämtliche mit dem Pkw zusammenhängenden Kosten – also auch die jährliche Abschreibung des Fahrzeugs ohne Sonderabschreibungen. Bemessungsgrundlage ist nicht der Listenpreis, sondern die tatsächlichen Anschaffungskosten einschließlich Umsatzsteuer. Dabei ist bei einem Neuwagen von einer sechsjährigen Nutzungsdauer auszugehen. Für Gebrauchtwagen musst Du die Restnutzungsdauer schätzen und dabei Alter und Fahrzeugzustand berücksichtigen.

Wahlfreiheit zwischen Fahrtenbuch und Ein-Prozent-Regel

Du hast die Möglichkeit, zunächst mit Deinem Arbeitgeber zu vereinbaren, dass er bei der Gehaltsabrechnung die Privatnutzung nach der Ein-Prozent-Methode versteuert und dann kannst Du dennoch in Deiner Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung die tatsächlichen Aufwendungen anhand eines ordnungsgemäß geführten Fahrtenbuchs sowie von Einzelbelegen ansetzen. Dieses musst Du jedoch von Anfang an führen.

Auch elektronische Nachweise möglich

Elektronische Fahrtenbücher akzeptiert das Finanzamt ebenfalls, sofern sich daraus dieselben Erkenntnisse ergeben wie aus einem manuell geführten Fahrtenbuch. Für elektronische Fahrtenbücher, die Datum, Fahrtziel und Kilometerstand automatisch aufzeichnen, gilt sogar gegenüber manuellen eine Erleichterung: Der Anlass der Fahrt kann innerhalb von einer Woche nachgetragen werden.

Anders bei handschriftlichen Fahrtenbüchern: Bei ihnen muss der Arbeitnehmer sofort nach der Fahrt den Anlass vermerken. Falls nicht, gilt die Fahrt als privat, so regelt es ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums (Az. IV C 5 – S 2334/10/10006).

Der empfehlenswerte Anbieter eines elektronischen FahrtenbuchsVimcar, hat gemeinsam mit Steuerberatern eine Lösung entwickelt. Bei diesem System zeichnet ein Stecker automatisch die Kilometerstände, die Start- und Zieladressen sowie Zeitstempel auf. Der Stecker lässt sich in einem Auto ab dem Baujahr 2004 installieren. Das Fahrtenbuch selbst wird als App auf dem Smartphone verwaltet. Als Einstieg in ein digitales Fahrtenbuch kann aber auch eine reine App-Lösung genügen.

Wer es lieber handschriftlich mag: Im Fachbuchhandel und auch online gibt es eine Vielzahl an manuellen Fahrtenbüchern, die alle von der Finanzverwaltung geforderten Angaben beinhalten.

Mehr dazu im Ratgeber Fahrtenbuch

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  • Von uns empfohlene elektronische Fahrtenbücher: Vimcar, Driverslog Pro 2,
    Kfz-Fahrtenbuch

Zum Ratgeber

Wie wirken sich Zuzahlungen aus?

Zahlst Du zu Deinem Dienstwagen wegen der außerdienstlichen Nutzung etwas dazu, mindert diese Summe Deinen zu versteuernden geldwerten Vorteil. Dies gilt immer dann, wenn Du die Zuzahlung zum Beispiel aufgrund einer arbeitsvertraglichen Vereinbarung leisten musst. Infrage kommen als Nutzungsentgelt:

  • eine Kilometerpauschale,
  • eine Monatspauschale,
  • (teilweise) übernommene Leasingraten und
  • teilweise oder vollständig übernommene einzelne Kraftfahrzeugkosten (beispielsweise für Benzin oder Diesel).

Dies ist nach zwei Urteilen des Bundesfinanzhofs vom 30. November 2016 sowohl für die Ein-Prozent-Regelung als auch die Fahrtenbuchmethode möglich (Az. VI R 2/15 und Az. VI R 49/14).

Das Bundesfinanzministerium (BMF) hat in einem Schreiben vom 21. September 2017 akzeptiert, dass sich die Rechtsprechung geändert hat, und Details geregelt. Es listet darin auf, welche vom Arbeitnehmer übernommenen Kosten als Nutzungsentgelt zählen und somit den geldwerten Vorteil reduzieren können. Das sind Ausgaben für:

  • Treibstoff,
  • Reparaturen und Wartung,
  • Wagenwäsche,
  • Kfz-Steuer,
  • Kfz-Haftpflicht- und Kaskoversicherung,
  • Garagen-/Stellplatzmiete,
  • eine Anwohnerparkberechtigung und
  • Ladestrom.

Unberücksichtigt bleiben Parkgebühren, Maut sowie Verwarnungs- und Bußgelder.

Der geldwerte Vorteil kann durch die Zuzahlung höchstens auf 0 Euro sinken. Zahlst Du als Arbeitnehmer mehr selbst dazu, als Du an geldwertem Vorteil hättest, kannst Du diese Ausgaben nicht als Werbungskosten absetzen.

Kostendeckelung vereinbaren

Die Ein-Prozent-Regelung kann schon recht teuer kommen, erst recht, wenn Du Deinem Arbeitgeber etwas zahlen musst. Kalkuliere daher genau, wie viel Steuern und weitere Kosten für das Dienstauto zusammenkommen. Vereinbare mit Deinem Arbeitgeber im Arbeitsvertrag eine Kostendeckelung.

Sonst kann es Dir passieren, dass Du mehr zuzahlst als Dein geldwerter Vorteil letztlich beträgt – und auf dieser Differenz bleibst Du sitzen. Ein steuerlicher Abzug ist nur bis zur Höhe des berechneten geldwerten Vorteils möglich.

So wird beim Fahrtenbuch gerechnet

Wenn der Mitarbeiter ein Fahrtenbuch führt, fließen grundsätzlich die von ihm bezahlten Aufwendungen nicht in die zu ermittelnden Gesamtkosten ein. Der individuelle Nutzungswert erhöht sich auf diese Weise nicht. Das BMF-Schreiben lässt jedoch eine Alternative (Nichtbeanstandungsregelung) zu: Demnach zählen die übernommenen Kosten zu den Gesamtkosten, gelten jedoch als Nutzungsentgelt und reduzieren somit den geldwerten Vorteil.

Beispiel: Im Arbeitsvertrag ist vereinbart, dass der Arbeitnehmer die kompletten Benzinkosten bezahlen muss. Sie betragen 3.000 Euro im Jahr. Die anderen Kfz-Kosten in Höhe von 7.000 Euro übernimmt der Arbeitgeber. Der Mitarbeiter nutzt den Dienstwagen zu 10 Prozent privat.

Erste Alternative: Der private Nutzungswert beträgt 10 Prozent von 7.000 Euro (= 700 Euro). Ein Werbungskostenabzug von 90 Prozent von den 3.000 Euro Benzinkosten (= 2.700 Euro) ist nicht möglich.

Zweite Alternative: Die Gesamtkosten liegen bei 10.000 Euro (= 7.000 Euro + 3.000 Euro), davon gelten 10 Prozent (= 1.000 Euro) als Nutzungswert. Aufgrund der Zuzahlung von 3.000 Euro sinkt der geldwerte Vorteil auf 0 Euro. Auch in diesem Fall ist kein weiterer Werbungskostenabzug gestattet.

Zuzahlungen zu den Anschaffungskosten eines Firmenwagens rechnet der Fiskus auch auf den Nutzungswert an – im Zahlungsjahr und auch in den Folgejahren. Der Nutzungswert kann jedoch höchstens auf 0 Euro gemindert werden.

Wichtig: Als Arbeitnehmer musst Du selbst getragene Kosten nachweisen können. Diese sowie die Gesamtfahrleistung musst Du jedes Jahr Deinem Arbeitgeber schriftlich erklären. Dieser wiederum muss schon im Lohnsteuerabzugsverfahren die von Dir getragenen Kosten berücksichtigen und Deinen geldwerten Vorteil dementsprechend senken.

Zahlst Du zum Dienstwagen etwas dazu, kann ein Fahrtenbuch daher sinnvoll sein.

Welche Vorteile gibt es beim Elektro-Dienstwagen?

Um die Elektromobilität zu fördern, hat der Fiskus eine enorme Steuererleichterung bei der privaten Nutzung von Elektro-Dienstwagen und Plug-in-Hybriden eingeführt. Mit dem Gesetz zur weiteren steuerlichen Förderung der Elektromobilität und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften (sogenanntes Jahressteuergesetz 2019) wurden die bisherigen Vergünstigungen verlängert und erweitert.

Die Steuervorteile gelten für Elektroautos, die zwischen dem 1. Januar 2019 und dem 31. Dezember 2030 (Förderzeitraum) gekauft oder geleast werden. Für die Besteuerung des geldwerten Vorteils musst Du dann nur den halben Listenpreis ansetzen. Arbeitnehmer mit Dienstwagen müssen also nur 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises als monatlichen geldwerten Vorteil versteuern. 

Für Firmenwagen ohne Kohlendioxidausstoß (reine Elektroautos und Brennstoffzellen-Fahrzeuge) gibt es ab 2020 eine besondere Vergünstigung: Wenn der Brutto-Listenpreis nicht mehr als 60.000 Euro beträgt, kann die Bemessungsgrundlage für den geldwerten Vorteil sogar geviertelt werden (0,25-Prozent). Mit dem Ende Juni 2020 verabschiedeten Zweiten Corona-Steuerhilfegesetz wurde die bisherige Kaufpreisgrenze um 20.000 Euro erhöht. Für in 2019 angeschaffte E-Autos liegt sie bei 40.000 Euro. War es teurer, gilt die 0,5-Prozent-Regelung.  

Damit für ein Hybridelektroauto der halbe Listenpreis angesetzt werden darf, muss es zusätzliche Voraussetzungen erfüllen: Der Kohlendioxidausstoß darf höchstens 50 Gramm je gefahrenen Kilometer betragen. Oder es muss unter ausschließlicher Nutzung des Elektroantriebs eine bestimmte Mindestreichweite erreichen. Diese beträgt entweder 40, 60 oder 80 Kilometer; je nachdem, wann das Auto an den Arbeitnehmer überlassen wurde (siehe Tabelle).

Diese Voraussetzungen muss ein Elektro- oder Hybridauto erfüllen

Überlassungs-

zeitraum

Höchstschad-

stoffausstoß

Mindest-

reichweite

Bemessungs-

grundlage

Gesetzlicher Nachweis
1.1.2020 - 31.12.20300 g CO2 je gefahrenen kmkeine, aber Bruttolistenpreis max. 60.000 €0,25 % des Brutto-listenpreises§ 6 Abs. 1 Nr. 4 S. 2 Nr. 3 bzw. S. 3 Nr. 3 EStG
1.1.2019 - 31.12.202150 g CO240 km0,5 %§ 6 Abs. 1 Nr. 4 S. 2 Nr. 2 bzw. S. 3 Nr. 2 EStG
1.1.2022 - 31.12.202450 g CO260 km0,5 %§ 6 Abs. 1 Nr. 4 S. 2 Nr. 4 bzw. S. 3 Nr. 4 EStG
1.1.2025 - 31.12.203050 g CO280 km0,5 %§ 6 Abs. 1 Nr. 4 S. 2 Nr. 5 bzw. S. 3 Nr. 5 EStG

Quelle: Steuerring vom 16. Januar 2020 und Finanztip-Recherchen

Auch die Nutzer eines Fahrtenbuches können von einer reduzierten Bemessungsgrundlage profitieren. Die Abschreibung und die Leasingzahlungen werden halbiert. Bei einem E-Auto bis 60.000 Euro (bei Anschaffung in 2019: bis 40.000 Euro) wird sie sogar geviertelt.

Entscheidend für den Bewertungsvorteil ist die Anschaffung bis Ende 2030 und dass ein bestimmter Arbeitnehmer oder ein Selbstständiger erstmals das Fahrzeug nutzen darf. Die günstige Bewertung kann über den Förderzeitraum hinausgehen. Sie endet erst, wenn es zu einem Halterwechsel kommt oder das Fahrzeug aus dem Betriebsvermögen des Arbeitgebers ausscheidet. 

Weil nur der halbe oder sogar nur ein Viertel des Preises angesetzt wird, sparen Arbeitnehmer neben Lohnsteuer auch So­zial­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge.

Die niedrigere Bemessungsgrundlage können auch Selbstständige und Unternehmen bei der Einkommensteuer nutzen. Für die Umsatzsteuer gilt diese Regelung jedoch nicht.  

Die Bewertung ist im Einkommensteuergesetz geregelt in Paragraf 6 Absatz 1 Nummer 4 Satz 2 (für die Ein-Prozent-Regelung) und Satz 3 (für das Fahrtenbuch).

Hat der Arbeitgeber das Elektrofahrzeug bereits im Jahr 2018 angeschafft, dann gilt die halbe Bemessungsgrundlage nur dann, wenn er diesen Wagen ab 2019 erstmals einem Arbeitnehmer zur privaten Nutzung überlässt.

Ansonsten gilt ein anderer Nachteilsausgleich: Vom Listenpreis kannst Du die Kosten des Batteriesystems abziehen. Der Abzugsbetrag verkleinert sich jährlich. Diese Regelung gilt, wenn das Auto bis Ende 2022 angeschafft wird (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 S. 2 Nr. 1 EStG). Sie ist der Regelfall für bis Ende 2018 erworbene Elektro- und Hybridautos.

Arbeitnehmer mit einem Elektro-Dienstwagen profitieren von weiteren Steuervorteilen:

Aufladen im Betrieb - Lädt der Arbeitnehmer sein Elektro-Auto im Betrieb, so ist dies lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei (§ 3 Nr. 46 EStG). Das gilt für private und dienstlich genutzte Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge, wenn der Arbeitgeber diesen Vorteil zusätzlich zum Arbeitslohn gewährt. Die Regelung ist bis Ende 2030 befristet.

Privates Aufladen - Trägt der Arbeitnehmer die Strom­kos­ten für seinen Dienstwagen selbst, kann der Arbeitgeber diese Auslagen steuer- und sozialversicherungsfrei erstatten, und zwar mit folgenden monatlichen Pauschalen: 20 Euro für E-Autos und 10 Euro für Hybrid-Fahrzeuge, wenn es eine zusätzliche Lademöglichkeit beim Arbeitgeber gibt; falls nicht, betragen die Pauschalen 50 Euro für Elektro- und 25 Euro für Hybrid-Fahrzeuge. Ab 2021 sogar 70 beziehungsweise 35 Euro. Erstattet der Arbeitgeber die Kosten nicht, dann mindern diese Pauschalen den geldwerten Vorteil des Arbeitnehmers. Diese Regelung gilt bis Ende 2030. Details regelt ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 29. September 2020.

Ladevorrichtung - Lohnsteuerfrei kann der Arbeitgeber eine betriebliche Ladevorrichtung zeitweise an seinen Mitarbeiter überlassen. Übergibt er die Ladevorrichtung dauerhaft kostenlos oder verbilligt, kann er den geldwerten Vorteil und Zuschüsse pauschal mit 25 Prozent Lohnsteuer abgelten.

Kfz-Steuer - Meldest Du ein E-Auto im Zeitraum 2016 bis 2025 an, dann ist es bis zu zehn Jahre lang von der Kfz-Steuer befreit. Die Steuerbefreiung gibt es längstens bis zum 31. Dezember 2030. Dies gilt für reine Elektroautos und entsprechend umgerüstete Fahrzeuge. 

Außerdem gibt es unter bestimmten Voraussetzungen für den Erwerb eines mit Batterie- oder Brennstoffzellen betriebenen Autos einen Zuschuss („Innovationsprämie“, bisher: „Umweltbonus“) bis zu 9.000 Euro. Zwei Drittel davon finanziert der Bund, den Rest übernimmt der Hersteller. Für ein von außen aufladbares Hybrid-Fahrzeug ist die Kaufprämie etwas niedriger. Den höchsten Zuschuss gibt es für Autos bis zu einem Nettolistenpreis von 40.000 Euro. Die neue Förderung gilt jedoch nur bei einer Erstzulassung im Zeitraum 4. Juni 2020 bis 31. Dezember 2021.

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