Ehegattenunterhalt berechnen

Berechnung Ehegattenunterhalt

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Derjenige Ehepartner, der ein höheres Einkommen hat, muss dem anderen unter bestimmten Voraussetzungen Ehegattenunterhalt zahlen. Die Berechnung ist nicht immer einfach. Sie können zur Orientierung einen Unterhaltsrechner nutzen, der auf der Düsseldorfer Tabelle und den Leitlinien der entsprechenden Oberlandesgericht basiert. Wie ein Familiengericht den genauen Unterhalt berechnen würde, kann man am besten anhanfd von Beispielen nachvollziehen.

Einfacher Fall: nur der Unterhaltspflichtige hat Einkünfte

Von einem einfachen Berechnungsfall für den Ehegattenunterhalt spricht man, wenn nach der Trennung oder Scheidung nur der Unterhaltspflichtige Einkünfte hat und der andere  über keine eigenen Einkünfte verfügt.

In diesen einfach gelagerten Fällen wird das unterhaltsrelevante Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen (nach Abzug von 5% berufsbedingten Aufwendungen, Kindesunterhalt und eventuell weiterer Schulden) einfach halbiert:
Der Unterhaltsanspruch ist = 1/2 x Einkommen Unterhaltspflichtiger.

Hat der Unterhaltspflichtige Einkünfte aus Erwerbstätigkeit, so wird vor der Halbierung der sogenannte Erwerbstätigenbonus von 1/7 (bei manchen Gerichten: 1/5) abgezogen. Da der Rest  (6/7) halbiert wird, ist der Unterhaltsanspruch in diesen Fällen = 3/7 des Erwerbseinkommens des Unterhaltspflichtigen.

Dieses 1/7 wird aber nur von Erwerbseinkünften abgezogen. Man kann also nicht mit der 3/7-Quote rechnen, wenn andere Einkünfte wie Rente oder Kapitaleinkünfte vorhanden sind. In diesen Fällen gilt der strikte Halbteilungsgrundsatz. Treffen Einkünfte aus Erwerbstätigkeit mit anderen Einkünften zusammen, so gelangt man zum richtigen Ergebnis, wenn man nur vom Erwerbseinkommen 1/7 abzieht, bevor dann die gesamten Einkünfte halbiert werden.

Eine Besonderheit gibt es bei besonders hohen Einkünften. Man kann davon ausgehen, dass monatliche (Netto-) Einkünfte über 6.000 Euro nicht vollständig für den laufenden Unterhalt ausgegeben werden, sondern dass ein Teil davon der Vermögensanlage dient. Der über 6.000- Euro hinausgehende Teil wird darum regelmäßig nicht mitgerechnet. Derjenige Ehegatte, der trotzdem eine Anrechnung dieses Teils haben möchte, muss beweisen, dass während der Ehe auch der darüber hinausgehende Betrag für Unterhaltszwecke ausgegeben wurde (OLG Köln FamRZ 2002,326)

Nach Abzug aller Unterhaltsschulden muss dem Unterhaltspflichtigen mindestens ein Betrag von 1.200 Euro für sich selbst übrig bleiben. Würde dieser Betrag bei Zahlung des errechneten Ehegattenunterhalts unterschritten, ist der Ehegattenunterhalt entsprechend zu kürzen (siehe Beispiel 6).

Beispiel 1: Der unterhaltspflichtige Ex-Ehemann hat ein unterhaltsrelevantes Nettoeinkommen aus Erwerbstätigkeit von 1.400 Euro, es sind keine Kinder vorhanden.
Man rechnet: 1.400 Euro x 1/2 = 700 Euro Unterhalt.

Beispiel 2: Der unterhaltspflichtige Ex-Ehemann hat ein unterhaltsrelevantes Nettoeinkommen aus Erwerbstätigkeit von 1.700 Euro, er zahlt Kindesunterhalt an ein 4-jähriges Kind.
Man rechnet: 1.700 Euro abzüglich Zahlbeitrag nach der Düsseldorfer Tabelle (251Euro in 2018) = 1.449 Euro. Davon 1/2 = 724,50 Euro Unterhalt an den Ehegatten.

Beispiel 3: Der unterhaltspflichtige Ex-Ehemann hat ein unterhaltsrelevantes Nettoeinkommen aus Renteneinkünften von 1.700 Euro (keine Erwerbseinkünfte), es sind keine Kinder vorhanden:
Man rechnet: 1.700 Euro x 1/2 = 850,- Euro. Da keine Erwerbseinkünfte vorliegen, ist kein Erwerbstätigenbonus abzuziehen.

Beispiel 4: Der unterhaltspflichtige Ex-Ehemann hatte während des Zusammenlebens ein unterhaltsrelevantes Nettoeinkommen aus Erwerbstätigkeit von 1.700 Euro, es sind keine Kinder vorhanden. Nach der Trennung wird er nicht mehr nach Steuerklasse III, sondern nach Steuerklasse I besteuert. Dadurch verringert sich sein Nettoeinkommen auf 1.300 Euro.
Man rechnet: 1.300 Euro x 1/2 = 650 Euro Unterhalt. Allerdings würden dem Mann dann nur noch 650 Euro übrig bleiben. Ihm müssen aber mindestens 1.200 Euro bleiben. Deshalb kann und muss er nur noch 100 Euro Eheattenunterhalt zahlen.

Beispiel 5: Der unterhaltspflichtige Ex-Ehemann hat aus Erwerbstätigkeit ein unterhaltsrelevantes Nettoeinkommen von 1.700 Euro. Er zahlt Unterhalt an ein 4-jähriges Kind. Abzuziehender Kindesunterhalt (Zahlbetrag) nach der Düsseldorfer Tabelle (2018): 251 Euro. Ausserdem hat er folgende Einkünfte monatlich: 100 Euro Zinseinkünfte aus Kapitalvermögen und 600 Euro aus der Vermietung einer Eigentumswohnung.
Man rechnet: ( (1.700 Euro - 251 Euro Kindesunterhalt) x 6/7 + 100 Euro + 600 Euro) : 2 = (1.449 Euro x 6/7 + 700 Euro) : 2 = (1.242 Euro + 700 Euro) : 2 = 971 Euro Ehegattenunterhalt

Beispiel 6: Der unterhaltspflichtige Ex-Ehemann hat ein unterhaltsrelevantes Nettoeinkommen von 1.900 Euro. Er zahlt Unterhalt an ein 6-jähriges Kind und an ein 3-jähriges Kind (Mangelfall).
Man rechnet: Kindesunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle (2018): 302 Euro + 251 Euro = 553 Euro. Rest also (1.900 Euro - 553 Euro =) 1.347 Euro. Davon 1/2 wären 673,50 Euro.
Aber: Müsste der Ehemann den vollen Unterhalt zahlen, dann würde er insgesamt 1.226,50 Euro zahlen (553 Euro Kindesunterhalt + 673,50 Euro Ehegattenunterhalt). Ihm blieben dann von seinem Nettoeinkommen nur (1.900 Euro - 1.226,50 Euro = ) 673,50 Euro. Ihm steht aber ein Selbstbehalt gegenüber dem anderen Ehegatten von 1. 200 Euro zu. Es liegt also ein Mangelfall vor. Der Ehemann kann nur noch die Differenz zwischen 1.347 Euro und 1.200 Euro als Ehegattenunterhalt zahlen. Der Ehegattenunterhalt beträgt also nur noch 147 Euro.
Kontrollrechnung: Nettoeinkommen 1.900 Euro abzüglich Kindesunterhalt von 553 Euro und abzüglich Ehegattenunterhalt von 147 Euro = Rest 1. 200 Euro, also genau der ihm zustehende Selbstbehalt.

Beide Ehegatten haben Einkünfte, aber beide nur aus Erwerbstätigkeit

Zunächst wird bei beiden Ehegatten das unterhaltsrelevante Nettoeinkommen ermittelt:

1. bei beiden Ehegatten werden 5% berufsbedingte Aufwendungen abgezogen (nicht bei Selbständigen)

2. Sind gemeinsame Kinder vorhanden, so wird vom Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen sodann der Kindesunterhalt abgezogen, und zwar der volle Tabellenunterhalt.

3. Hat sich nach der Trennung/Scheidung das Nettoeinkommen verändert durch Wechsel der Steuerklasse, so wird das neue, gegenwärtige Nettoeinkommen zugrundegelegt.

Der Unterhaltsanspruch wird nach folgender Formel berechnet: 1/2 x (Einkommen Unterhaltspflichtiger ./. Einkommen Unterhaltsberechtigter), wobei mit Einkommen immer das unterhaltsrelevante Einkommen gemeint ist.

Eine Besonderheit gibt es bei besonders hohen Einkünften. Man kann davon ausgehen, dass monatliche (Netto-) Einkünfte über 5.500 Euro nicht vollständig für den laufenden Unterhalt ausgegeben werden, sondern dass ein Teil davon der Vermögensanlage dient. Der über 5.500 Euro hinausgehende Teil wird darum regelmäßig nicht mitgerechnet. Derjenige Ehegatte, der trotzdem eine Anrechnung dieses Teils haben möchte, muss beweisen, dass während der Ehe auch der darüber hinausgehende Betrag für Unterhaltszwecke ausgegeben wurde (OLG Köln FamRZ 2002,326)

Nach Abzug aller Unterhaltsschulden muss dem Unterhaltspflichtigen mindestens ein Betrag von 1.200 Euro  für sich selbst übrig bleiben. Würde dieser Betrag unterschritten, so ist der Ehegattenunterhalt entsprechend zu kürzen (siehe Beispiel 5).

Beispiel 1: Der unterhaltspflichtige Ehegatte hat ein unterhaltsrelevantes Einkommen von 2.850 Euro, es sind keine Kinder vorhanden. Der unterhaltsberechtigte Ehegatte hat ein unterhaltsrelevantes Nettoeinkommen von 950,- Euro.
Man rechnet: 1/2 x (2.850 Euro - 950 Euro) = 1/2 x 1.900 Euro = 850 Euro Unterhalt.

Beispiel 2: Der unterhaltspflichtige Ehegatte  hat ein unterhaltsrelevantes Einkommen von 2.850 Euro, er zahlt Unterhalt an ein 6-jähriges Kind; der unterhaltsberechtigte Ehegatte hat ein unterhaltsrelevantes Einkommen von 950 Euro.
Man rechnet: 2.850 Euro abzüglich Kindesunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle (2018) (362 Euro) = 2.488 Euro. Also: 1/2 x (2.488 Euro - 950 Euro) = 769 Euro Ehegattenunterhalt.

Beispiel 3: Der unterhaltspflichtige Ehegatte hat - ohne Abzug des Erwerbstätigenbonus - ein unterhaltsrelevantes Arbeitseinkommen von 2.850 Euro. Er zahlt Unterhalt an ein 6-jähriges Kind. Ausserdem hat er folgende Einkünfte monatlich: 200 Euro Zinseinkünfte aus Kapitalvermögen und 500 Euro aus der Vermietung einer Eigentumswohnung. Der unterhaltsberechtigte Ehegatte hat ein unterhaltsrelevantes Nettoeinkommen von 950 Euro. In diesem Fall muss man daran denken, dass der Erwerbstätigenbouns nur aus dem Arbeitseinkommen gebildet werden darf, nicht aus dem Gesamteinkommen.

Man rechnet: Gesamteinkünfte des Ehemannes 3.550 Euro. Abzuziehender Kindesunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle 2018: 414 Euro. Zieht man diesen Kindesunterhalt vom Arbeitseinkommen ab, verbleiben (2.850 Euro - 414 Euro = ) 2.436 Euro. Abzüglich 1/7 Erwerbstätigenbonus bleiben 2.088 Euro. Hinzu kommt das andere Einkommen, das nicht Erwerbseinkommen ist, also noch einmal 700 Euro. Gesamtbetrag: 2.788 Euro. Beim anderen Ehegatten: 950,- Euro abzüglich 1/7 Erwerbstätigenbonus  = 814 Euro. Die Differenz ist (2.788 Euro - 814 Euro = ) 1.974 Euro. Davon 1/2 = 987 Euro Ehegattenunterhalt.

Beispiel 4: Der unterhaltspflichtige Ehegatte hat ein unterhaltsrelevantes Einkommen von 2.850 Euro, es sind keine Kinder vorhanden. Der unterhaltsberechtigte Ehegatte hat kein Erwerbseinkommen, er bezieht aber aus der Vermietung einer Eigentumswohnung monatlich 1.000 Euro.
Auch hier muss man wieder daran denken, dass beim unterhaltsberechtigten Ehegatten kein Erwerbstätigenbonus abgezogen werden darf, weil kein Arbeitseinkommen vorliegt.
Man rechnet:  2.850 Euro abzüglich 1/7 Erwerbstätigenbonus = 2.442 Euro. Beim anderen Ehegatten sind die vollen 1.000 Euro anzusetzen, denn bei Einkünften, die kein Erwerbseinkommen sind wird der volle Betrag angerechnet. Die Differenz ist also (2.442 Euro - 1.000 Euro = ) 1.442 Euro, davon 1/2 = 721 Euro Unterhalt.

Beispiel 5: Die unterhaltspflichtige Ex-Frau hat ein unterhaltsrelevantes Nettoeinkommen von 2.400 Euro. Sie zahlt Unterhalt an ein 12-jähriges Kind, ein 6-jähriges Kind und an ein 3-jähriges Kind. Der Ex-Mann verdient monatlich anrechenbar 400 Euro.
Man rechnet: Kindesunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle 2018: 417 Euro + 342 Euro + 283 Euro = 1.042 Euro. Rest also (2.400 Euro - 1.042 Euro = ) 1.358 Euro. Der Unterhaltsanspruch würde also betragen 1/2 x (1.358 Euro - 400 Euro) =  479 Euro.
Aber: Müsste die Ehefrau den vollen Unterhalt zahlen, dann würde sie insgesamt - Ehegatten- und Kindesunterhalt zusammengerechnet - 1.521 Euro zahlen (1.042 Euro Kindesunterhalt + 479 Euro Ehegattenunterhalt). Ihr blieben dann von ihrem Nettoeinkommen nur (2.400 Euro - 1.521 Euro = ) 879 Euro. Ihr steht aber ein Selbstbehalt gegenüber dem Ehegatten von 1.200 Euro zu. Sie kann also nur noch die Differenz zwischen ihrem Resteinkommen nach Abzug des Kindesunterhalts, nämlich (2.400 Euro - 1.042 Euro = ) 1.358 Euro und ihrem Selbstbehalt von 1.200 Euro als Ehegattenunterhalt zahlen (sogenannter Mangelfall) Der Ehegattenunterhalt beträgt also nur 158 Euro, obwohl eigentlich 479 Euro geschuldet würden.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Finanztip-Redaktion

Die Experten für Verbraucherfinanzen

Die Finanztip-Redaktion besteht aus einem Team von Experten, die völlig unabhängig für Sie recherchieren, damit Sie die beste Entscheidung treffen können. Die Experten arbeiten in den Teams Bank & Geldanlage, Versicherung & Vorsorge, Recht & Steuern sowie Energie/Reise/ Mobilität & Medien. Bei der Wahl der Zeitschrift „Wirtschaftsjournalist“ zur Wirtschaftsredaktion des Jahres belegte die Redaktion 2015 den zweiten Platz.