Aber was steckt hinter all dem – und wie gehst Du damit um? Hier im Detail:
Preise steigen immer weiter
Erst vor zwei Wochen haben wir im Finanztip Newsletter gemeldet, dass die Preise selbst bei günstigen Neuverträgen so hoch sind wie seit 3,5 Jahren nicht. Seitdem sind sie nochmal um ca. einen Cent pro Kilowattstunde (kWh) gestiegen, allein diese Woche um 0,7 ct/kWh.
Aktuell kosten die günstigsten Neutarife im Finanztip-Vergleich im Mittel 12,42 ct/kWh (inkl. Grundpreis, ohne Boni) bei zwölf Monaten Preisgarantie. Mit 24 Monaten ist es fast gleich:
Damit sind die Preise seit Jahresbeginn um etwa ein Drittel gestiegen.
Der wichtigste Grund dafür
Durch den Irankrieg geht der Export von Flüssigerdgas (LNG) aus Nahost zurück. Deutschland ist davon nicht abhängig, leidet aber unter den Folgen für den Weltmarkt: die Börsenpreise für Gas steigen – zuletzt nochmal besonders stark und fast täglich. Hat jede kWh Gaseinkauf an der für uns wichtigen Amsterdamer Börse TTF im Februar noch 3 ct gekostet, sind es jetzt schon 7 ct.
Wie viel teurer wird Dein Winter?
Selbst wenn es an der Börse nicht noch teurer wird, sondern einfach länger beim aktuell hohen Preisniveau bleibt, solltest Du Dich auf weiter steigende Gaspreise einstellen. Schon jetzt sind Neutarife im Vergleich zum Vorkriegsniveau (Ende Feb. 26) um 3 ct/kWh gestiegen. Kommt keine Entspannung der Lage und damit an der Börse, dürften es bald 4 ct/kWh sein. Was das für Deine jährlichen Gesamtkosten bei verschiedenen Verbräuchen bedeutet, siehst Du hier:
Bei 15.000 kWh Verbrauch kostet ein Neuvertrag heute also schon 450 €/Jahr mehr als noch im Februar. Bleibt der Börsenpreis hoch, könnten es bald schon 600 € mehr sein.
Wann Du vor höheren Preisen geschützt bist
Das sind aber nur die Preise für Neutarife. Hast Du einen Vertrag mit laufender Preisgarantie, spürst Du sie nicht. Im besten Fall gilt Deine Preisgarantie noch für den kompletten Winter, dann darf Dein Anbieter den Preis nicht erhöhen. Du musst also bei der Jahresrechnung keine hohe Nachzahlung fürchten, wie Finanztip-Leserin Ilona aus Sorge um die steigenden Gaspreise.
Über Preiserhöhungen müssen Dich die Anbieter vorab informieren. Wohnst Du zur Miete, kann das bei einer Gaszentralheizung anders sein: Wird das Gas teurer und Du erhöhst Deine Vorauszahlung nicht, droht Dir bei der Nebenkostenabrechnung eine hohe Nachzahlung. Frag also ggf. Deine Vermieterin bzw. Deinen Vermieter, wie die Lage beim Gasvertrag ist.
Preiserhöhung bekommen? Jetzt Wechsel prüfen
Hast Du keine Preisgarantie, kann Dein aktueller Anbieter Dir jederzeit ein Erhöhungsschreiben schicken. Dann hast Du ein Sonderkündigungsrecht und kannst wechseln, sobald der neue Preis gelten soll. Prüf in diesem Fall mit unserem Gasvergleich (enthält Werbelinks), ob Du mit einem Wechsel sparen kannst. So gehst Du in diesem Fall vor:
- Deine bisherigen Jahreskosten ändern sich durch die Preiserhöhung
- Im Rechner kannst Du also nicht die Kosten aus Deiner letzten Abrechnung eingeben
- Diesen Vergleichswert musst Du kurz selbst ausrechnen. Rechenweg:
- Jahresverbrauch in kWh (z. B. 15.000) x neuer Arbeitspreis (z. B. 0,15 €/kWh) + neuer Grundpreis/Jahr (z. B. 180 €) = Gesamtkosten/Jahr (2.430 €)
Wichtig: Eine Sonderkündigung musst Du kurz selbst übernehmen. Anders als beim regulären Wechsel kündigt der neue Anbieter nicht bequem für Dich beim alten. Wir haben aber ein Musterschreiben (Word-Dokument) für Dich.
Wechseln lohnt sich bei Dir nicht?
Dann lies rund um den Stichtag der Preiserhöhung Deinen Zählerstand ab und meld ihn Deinem Anbieter. So stellst Du sicher, dass Du für Deinen bisherigen Verbrauch noch den alten, günstigeren Preis zahlst.
Sorge vor Preiserhöhung: Jetzt schon wechseln?
Diese Frage hat uns Finanztip-Leser Björn gestellt. Noch ist sein Anbieter etwas günstiger als aktuelle Neutarife, er rechnet aber mit einer Preiserhöhung. Björns Sorge: Wechselt er erst, wenn das Schreiben kommt, sind die Preise für Neutarife nochmal stark gestiegen.
In diesem Fall ist es schwierig: Niemand weiß, wie es mit Krieg und Preisen weitergeht. Holst Du Dir jetzt einen neuen Vertrag, könntest Du Dich ärgern, falls es in zwei Monaten wieder günstigere Tarife gibt. Das ist aber eine Wette.
Du willst auf Nummer sicher gehen?
Dann hol Dir jetzt einen neuen Vertrag mit Preisgarantie für ein Jahr. So weißt Du zumindest, was Dich im kommenden Winter preislich erwartet. Und: Ja, die Preise sind spürbar gestiegen – aber noch weit entfernt von fast unbezahlbaren Preisen aus der Energiekrise vor vier Jahren:
Extra-Tipp: Steckst Du aktuell noch ein paar Wochen in der Mindestlaufzeit, kannst Du Deinen Wechsel trotzdem schon festzurren. Bei vielen Anbietern kannst Du Dir die heutigen Preise für einen Vertragsstart in bis zu sechs Monaten sichern.
Wechseln im Herbst = Kostenfalle?
Rein saisonal ist der Herbst übrigens kein schlechter Wechselzeitpunkt. Danach hat uns Finanztip-Leser Michael gefragt, weil sein Vertrag Ende Oktober ausläuft. Mal sind die Neupreise im Frühjahr am günstigsten, mal im November. Generell gilt aber: Wichtig ist, dass Du im Winter einen günstigen Preis hast – denn da verbrauchst Du am meisten.
Überhaupt genug Gas für den Winter?
Das ist aktuell die zweite große Sorge beim Gas, vor allem bei einem kalten Winter. Anfang November müssen die meisten Gasspeicher eigentlich zu 80 % befüllt sein. Das ist kaum noch zu schaffen: Aktuell sind es nur gut 53 %, 2025 waren es Anfang September schon über 72 %.
Auch das liegt am hohen Börsenpreis: Die Speicherbetreiber konnten im Sommer nicht günstig einkaufen, um im Winter bei höheren Börsenpreisen auszuspeichern, wie früher üblich. Sie haben gezögert. Dieses Problem wird übrigens generell größer, nicht nur wegen des Kriegs.
Trotzdem bewerten Bundesnetzagentur und -regierung die Lage als stabil. Vor allem ein Preis- und Versorgungsrisiko gibt es momentan aber: Statt von russischem Erdgas ist Deutschland jetzt stark von LNG-Lieferungen der USA abhängig. Das ist ein mögliches Trump-Druckmittel, z. B. im Zollstreit. Notfalls könnte die Bundesregierung eingreifen, mit teuren eigenen Käufen, Kaufanreizen für Händler oder einer niedrigeren Mehrwertsteuer auf Gas.
Mach Dich langfristig unabhängig
Du selbst kannst kurzfristig wenig an dieser zweiten Sorge ändern. Aber: Jedes Grad Raumtemperatur weniger senkt Deinen Verbrauch um etwa 6 %. Was kurz- bis mittelfristig Deinen Verbrauch ebenfalls deutlich senkt:
Um Dich komplett unabhängig von Gas zu machen: Denk über einen Heizungstausch nach, z. B. auf eine Wärmepumpe. Über das KfW-Programm 458 gibt’s mind. 8.400 € Zuschuss, in manchen Fällen über 20.000 €.
Bist Du noch unsicher, ob sich Dein Haus überhaupt dafür eignet, schau doch mal in unsere neue Checkliste (PDF). Sie hilft Dir auch bei Planung und Angebotsvergleich.