Billiggas Markt für günstiges Gas hat sich entspannt
Finanztip-Experte für Energie
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So gehst Du vor
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Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht für Gasverbraucher: Anfang 2019 sind die meisten Tarife für Neukunden auf den Vergleichsportalen vermutlich kostendeckend. Das ist das erfreuliche Ergebnis unserer jüngsten Untersuchung von Neukundentarifen.
Die schlechte Nachricht: Das Preisniveau für alle Gastarife ist Anfang 2019 höher als 2018. Viele Versorger haben ihre Preise zwischen Januar und April 2019 erhöht – meist mit Verweis auf höhere Preise im Einkauf. Allerdings ist der Importpreis für Erdgas Anfang 2019 wieder gefallen, aber die meisten Versorger haben dies noch nicht weitergereicht. Den Anbieter zu wechseln, kann sich im Laufe des Jahres 2019 wieder stärker lohnen.
Egal, wie teuer ein Tarif ist, die Qualität des gelieferten Erdgases bleibt immer gleich. Deine Versorgung ist sicher, Dein Heizkessel oder Deine Gastherme kommt mit Gas prima zurecht. Denn Gastarife unterscheiden sich vor allem in den Lieferbedingungen, insbesondere im Preis. Du kannst mehrere Hundert Euro im Jahr sparen, wenn Du billig Gas beziehst, um zu heizen.
Bei unserer Untersuchung vom November 2017 zu günstigen Gastarifen stellten wir fest, dass insbesondere Angebote mit Bonuszahlungen häufig nicht kostendeckend sein konnten. Die Strategie dahinter ist die folgende: Die Versorger machen mit Neukunden bewusst Minus und hoffen, dass diese nicht nach einem Jahr wieder kündigen. Im zweiten Jahr zahlten die Kunden automatisch deutlich mehr, weil die Bonuszahlungen wegfallen. So holt ein Versorger seine Unkosten wieder rein.
Im Februar und März 2019 wiederholten wir unsere Untersuchung von 2017 und stellen fest: Der Markt hat sich entspannt. Es gibt nur noch wenige nicht kostendeckende Tarife für Neukunden. Bei diesen handelt es sich mehrheitlich um Bonustarife. Vereinzelt haben wir auch Tarife ohne Bonuszahlung gefunden, die vermutlich die anfallenden Kosten nicht decken. An den meisten Orten in unserer Untersuchung ist dies im Winter 2019 aber nicht der Fall gewesen. Mit anderen Worten: Die Billiggas-Anbieter verdienen wieder an ihren Neukunden.
Für Dich bedeutet das zweierlei: Wenn Du in den ersten Monaten 2019 einen Tarif ohne Bonus abgeschlossen hast oder bald abschließen willst, sollte Dir nach einem Jahr keine drastische Preiserhöhung unterkommen, wie dies 2017 und 2018 bei manchen Versorgern der Fall war. Andererseits kann es sein, dass Du nun mehr zahlst, als es sein müsste. Ein Tarif- oder auch Versorgerwechsel kann sich 2019 stärker auszahlen.
Diese Punkte solltest Du beachten, wenn Du einen Tarif für günstiges Gas abschließen möchtest:
Etwa die Hälfte des Gaspreises zahlst Du dafür, dass Dein Versorger Erdgas einkauft und die Kosten wieder einspielt, die ihm durch seine Tätigkeit entstehen. Dazu gehören Miete für Büroräume, Gehälter für die Mitarbeiter, Werbung oder Provisionen für Makler. Diese Posten zusammen bilden die Vertriebskosten.
Die andere Hälfte des Gaspreises setzt sich aus Steuern, der Konzessionsabgabe, einer Umlage sowie den Kosten für den Transport des Gases sowie Deinen Gaszähler zusammen. Auf diese Kosten hat der Versorger keinen Einfluss: Er muss sie aber an den Staat, an die Kommune, in der Du lebst, und an den Netzbetreiber abführen. Je nach Wohnort können sich diese Kosten unterscheiden. Die Höhe dieser einzelnen Posten ist öffentlich und lässt sich für jeden Ort in Deutschland errechnen.
Um zu prüfen, ob ein Gastarif kostendeckend sein kann, haben wir die einzelnen Kostenpositionen für 20 Städte in Deutschland und einen Jahresverbrauch von jeweils 20.000 Kilowattstunden (kWh) errechnet. Unberücksichtigt ließen wir dabei lediglich die Vertriebskosten – diese sind von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich und damit schwer zu prognostizieren.
Bei den Beschaffungskosten für Erdgas gingen wir vom Importpreis aus. Denn der Anteil des in Deutschland gewonnenen Erdgases liegt bei weniger als 5 Prozent. Den Importpreis von Februar 2018 bis Januar 2019 mittelten wir nach der jeweiligen Importmenge und kamen so auf rund 1,91 Cent pro Kilowattstunde.
Die Angaben des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) zur Importmenge und den Kosten für den Monat Januar 2019 waren zum Zeitpunkt unserer ersten Abfrage im März noch vorläufig. Wir überprüften die Angaben nochmals im Mai 2019. Dadurch ergibt sich ein um 1,7 Prozent höherer Importpreis von Februar 2018 bis Januar 2019 – nämlich rund 1,95 Cent pro Kilowattstunde.
Die geringfügig höheren Beschaffungspreise bedeuten höhere Kosten für die Belieferung jedes Musterhaushalts von 7,62 Euro. An den Ergebnissen der Untersuchung hat das kaum etwas verändert. Welche Mindestkosten entsprechend des endgültigen Importpreises an jedem untersuchten Ort entstehen, ist der folgenden Tabelle zu entnehmen.
Ort/Bundesland | PLZ | Mindestkosten in ct/kWh | Mindestkosten |
---|---|---|---|
Wolgast/Mecklenburg-Vorpommern | 17438 | 4,48 | 896,52 |
Berlin | 01045 | 4,51 | 902,21 |
Bad Sachsa/Niedersachsen | 37441 | 4,57 | 914,94 |
München/Bayern | 80805 | 4,59 | 918,33 |
Hamburg | 20095 | 4,66 | 932,26 |
Neumünster/Schleswig-Holstein | 34534 | 4,68 | 936,76 |
Bad Vilbel/Hessen | 61118 | 4,79 | 957,87 |
Koblenz/Rheinland-Pfalz | 56086 | 4,83 | 966,86 |
Hannover/Niedersachsen | 30179 | 4,89 | 978,25 |
Coburg/Bayern | 96450 | 5,03 | 1.006,97 |
Köln/Nordrhein-Westfalen | 50670 | 5,05 | 1.009,49 |
Bremen | 28777 | 5,05 | 1.009,75 |
Darmstadt/Hessen | 64295 | 5,11 | 1.022,36 |
Tübingen/Baden-Württemberg | 72072 | 5,15 | 1.030,89 |
Zittau/Sachsen | 02785 | 5,16 | 1.032,35 |
Schmölln/Thüringen | 04626 | 5,20 | 1.040,63 |
Bitterfeld-Wolfen/Sachsen-Anhalt | 06749 | 5,26 | 1.051,82 |
Wallerfangen/Saarland | 66798 | 5,38 | 1.075,25 |
Rheinsberg/Brandenburg | 16831 | 6,35 | 1.269,54 |
Baiersbronn/Baden-Württemberg | 72270 | 6,81 | 1.361,60 |
Alle Preise und Kosten sind gerundet und gelten für einen jährlichen Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden. Unterschiedliche Jahreskosten bei gleichen Kosten pro Kilowattstunde ergeben sich durch Runden. In den Kosten sind jeweils Netzentgelte, Entgelte für Messstellenbetrieb und Messung des jeweiligen Netzbetreibers, Konzessionsabgabe in Höhe von 0,03 Cent/kWh, Gassteuer in Höhe von 55 Cent/kWh, Bilanzierungsumlage je Marktgebiet und ein Beschaffungspreis von 1,946 Cent/kWh zuzüglich Mehrwertsteuer auf alles enthalten. Als Betreiber der Messstelle (Gaszähler) haben wir den jeweiligen Netzbetreiber angenommen. Beim Zählertyp haben wir den Preis für die jeweils kleinsten Geräte eines Netzbetreibers gewählt (maximal bis G10).
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 22. Mai 2019)
Die Orte sind nach der Höhe der veranschlagten Kosten geordnet. Bei den Orten handelt es sich um dieselben wie bei unserer Untersuchung im Herbst 2017. Lediglich zwei Veränderungen gibt es: Berlin hat Cottbus ersetzt – in Cottbus gab es in der Zwischenzeit einen Wechsel des Gasnetzbetreibers; Berlin gehört zum Verteilnetz des alten Cottbuser Netzbetreibers. Und Delbrück in Nordrhein-Westfalen hat für Baiersbronn in Baden-Württemberg Platz gemacht, damit es eine breitere Streuung von unterschiedliche hohen Netzentgelten in der Untersuchung gibt.
Für die 20 Städte haben wir die fünf günstigsten Tarife bei einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden im Jahr abgerufen – auf den Vergleichsportalen Check24 und Verivox, einmal unter Berücksichtigung aller Bonuszahlung, einmal ohne dies. Alle weiteren Einstellungen waren so offen wie möglich gewählt.
Bei Check24 fanden wir in 12 der 20 Städte mindestens einen nicht kostendeckenden Tarif, wenn wir Bonuszahlungen berücksichtigten. Bei Verivox war das in sechs Städten der Fall. Lediglich in Rheinsberg und Baiersbronn fanden wir mehrere Angebote, die vermutlich nicht kostendeckend sind. Bei diesen beiden Städten handelt es sich um jene in unserer Untersuchung mit den höchsten Netzentgelten. Keinen auffälligen Tarif fanden wir in sieben Städten, weder bei Verivox noch bei Check24: Tübingen, Schmölln, Bad Vilbel, Hannover, Wallerfangen, Wolgast und Neumünster.
Bei den nicht kostendeckenden Bonus-Angeboten taucht auf Check24 in elf der zwölf Städte immer derselbe Tarif eines einzigen Gasversorgers auf, der bundesweit anbietet. Bei Verivox handelt es sich bei den Anbietern der vermutlich nicht kostendeckenden Tarife um vier kleinere Stadtwerke, die ihr Vertriebsgebiet regional beschränken, sowie um zwei mittelständige, bundesweit tätige Versorger. Bei den Angeboten ohne berücksichtigte Bonuszahlung fanden wir lediglich in Baiersbronn, Rheinsberg, München, Bitterfeld-Wolfen und Darmstadt mindestens einen Tarif, der vermutlich nicht die Kosten deckt.
Sowohl die nicht kostendeckenden Tarife mit einer Bonuszahlung als auch ohne wichen um 1 bis 18 Prozent von unseren Mindestkosten ab. Das ist deutlich weniger als in unserer Untersuchung von November 2017 – manche Angebote unterschritten 2017 ein kostendeckendes Niveau um mehr als 20 Prozent. Zudem boten 2017 deutlich mehr Unternehmen nach unserer Einschätzung nicht kostendeckende Tarife an – diese Angebote waren verbreiteter im Markt.
Die 2019 gefundenen, nicht kostendeckenden Tarife mögen nicht zahlreich erscheinen. Allerdings haben wir auch konservativ bei den Mindestkosten gerechnet. Lässt sich ein Tarif über die Vergleichsportale abschließen, erhalten Verivox oder Check24 dafür eine Provision. Bei Gastarifen über eine Abnahmemenge von 20.000 Kilowattstunden im Jahr liegt diese pro vermitteltem Kunden in der Regel bei rund 100 Euro. Das eingerechnet, lägen mehr Angebotspreise unter den Mindestkosten.
Der Versorger ESWE erklärte beispielsweise auf Nachfrage, dass seine von uns gefundenen Angebote im ersten Lieferjahr nicht kostendeckend seien – dabei überschreiten die Preise dieser Angebote die von uns berechneten Mindestkosten.
Durch den Wegfall von Bonuszahlungen sind Bonustarife automatisch im zweiten Vertragsjahr teurer. Um rund 20 bis zu rund 50 Prozent erhöhen sich die Kosten für den Kunden, wenn er in dem Tarif bleibt und sich an den Preisen nichts ändert. Einige der gefundenen Tarife haben dabei ohnehin eine Mindestvertragslaufzeit von zwei Jahren – in solch einem Fall kannst Du nur kündigen, wenn der Versorger die Preise verändert. Denn dann steht Dir ein Sonderkündigungsrecht zu.
Durch den Wegfall von Bonuszahlungen oder Rabatten kann es mitunter sein, dass Du im zweiten Jahr sogar mehr zahlst als in der Grundversorgung. Bei drei Tarifen in der nachfolgenden Tabelle war das in mehreren Städten der Fall. Wer die Tarife mit 24 Monaten Mindestlaufzeit abgeschlossen hat, hat noch nicht einmal die Möglichkeit, nach einem Jahr ordentlich zu kündigen.
Versorger | Tarifname | Erstlaufzeit Gasvertrag | Kostenanstieg durch Wegfall von Boni | Teurer als Grundversorgung im 2. Jahr? |
---|---|---|---|---|
Energy2day (Marke: Voltera) | Regio-extragas.04 | 12 Monate | 44 - 49 % (15 Orte) | um 2 - 3 % |
Schweizstrom | Schweizgas Klima 24 | 24 Monate | 29 - 36 % (13 Orte) | um 2 - 7 % |
gas.de (Marke: Grünwelt Energie) | Grüngas easy24 | 24 Monate | 31 - 36 % (12 Orte) | um 2 % |
gas.de (Marke: Grünwelt Energie) | Grüngas easy | 12 Monate | 33 - 36 % (5 Orte) | nein |
Vattenfall | Easy24 Gas | 24 Monate | 21 - 31 % | nein |
ESWE | ESWE Klima Fair Gas | 12 Monate | 13 - 20 % (9 Orte) | nein |
Süwag | Gas Garant 100 | 24 Monate | 20 - 25 % (7 Orte) | nein |
Stadtwerke Augsburg (Marke: Billig? Will ich!) | Billig Gas online | 12 Monate | 17,6 % (12 Orte) | nein |
Aufgeführt sind die Tarife, die den Kunden im zweiten Vertragsjahr am häufigsten und stärksten mehr kosten; sortiert nach dem Prozentsatz der maximalen Erhöhung der Kosten von einem Jahr zum nächsten. Voraussetzung ist, dass die genannten Anbieter als auch die Grundversorger ihre Preise im 2. Jahr unverändert lassen und keine zusätzlichen Boni fließen.
Quelle: Finanztip-Erhebung (Stand: 16. März 2019)
Auch wenn es Tarife gibt, die im ersten Jahr vermutlich nicht die Kosten decken und deshalb im zweiten Jahr für Kunden deutlich teurer ausfallen – es sind viel weniger als bei unserer Untersuchung im November 2017. Die Gefahr, dass Du im zweiten Jahr in einem automatisch teuren Tarif feststeckst, wenn Du vergessen hast zu kündigen, ist damit weniger groß.
Zum Schluss haben wir für alle 20 Postleitzahlen noch einmal die günstigsten Tarife abgerufen – über unseren Finanztip-Gasvergleichsrechner. Wir wählten die Standardeinstellung für einen einmaligen Wechsel. Das bedeutet, dass etwaige Bonuszahlungen nicht in die Kostenberechnung eingehen. Das Ergebnis: Alle angezeigten Tarife sind nach unserer Einschätzung kostendeckend. Das ist eine Voraussetzung, damit Preise länger stabil bleiben können.
Dass unser Rechner im März 2019 keine Angebote zeigte, die vermutlich nicht kostendeckend waren, liegt an unseren Filtern: Die Tarife von bestimmten Versorgern zeigen wir nicht an, wenn wir Kenntnis haben, dass diese Versorger Energierecht nicht einhalten. Standardmäßig zeigt unser Rechner zudem nur Tarife mit bestimmten Vertragsbedingungen: Dazu gehört eine Laufzeit von höchstens einem Jahr, eine ebenso lange Preisgarantie, eine anschließende Verlängerung um einen Monat und eine Kündigungsfrist von höchstens sechs Wochen. Diese Bedingungen sind auch bei Check24 und Verivox standardmäßig eingestellt. Aber für unsere Untersuchung hatten wir die Filter für die Angebotsabfragen dort so offen wie möglich gewählt.
Als in den Jahren 2017 und 2018 die Gaspreise noch deutlich niedriger waren, zeigte auch unser Vergleichsrechner Tarife für den einmaligen Wechsel an, die die Versorger nach einem Jahr drastisch erhöhten. Der Grund: Die Preise in diesen Tarifen waren zu niedrig, um alle Kosten zu decken. Die einzelnen (aus unserer Sicht seriösen) Versorger hatten ihre Preise wohl so gewählt, um mit weniger seriösen Anbietern von Bonustarifen konkurrieren zu können.
Das Preisniveau im Markt ist 2019 deutlich höher: Alle Verbraucher zahlen in den ersten Monaten des Jahres 2019 mehr für Gas als noch 2018. Weitere Anhebungen können die Anbieter im Frühling und Sommer 2019 aber nur schwer mit steigenden Kosten begründen, solange der Importpreis für Gas fällt oder sein niedrigeres Niveau von Februar 2019 hält. Nichtsdestotrotz hat der größte Grundversorger, der Eon-Konzern, seine Tarife in der Grundversorgung zum 1. April angehoben. Begründung: Man habe die Kunden nicht sofort mit den steigenden Beschaffungskosten belasten wollen und im Gegensatz zu anderen Grundversorgern länger gewartet.
Beziehst Du Erdgas aus der Grundversorgung, dann wechsel schnell den Tarif. Deine Kündigungsfrist beträgt zwei Wochen. Läuft Dein Vertrag bis Jahresende aus, dann bleib wachsam und prüf andere Angebote: Früher oder später preisen viele Versorger ihre gesunkenen Kosten vermutlich wieder ein.
Günstige Tarife bieten auch Stadtwerke an – nicht bundesweit, aber im Umkreis um ihren eigenen Standort, auch über die Grenze des eigenen Bundeslandes hinweg. Manche dieser regionalen Tarife kannst Du über unseren Gasvergleichsrechner sehen, aber nicht alle. Einige Stadtwerke boykottieren die Vergleichsportale Verivox und Check24, auf deren Datenbanken unser Rechner beruht. Angebote erfährst Du nur bei diesen Stadtwerken selbst.
Wir haben die Versorger, die uns in unserer Untersuchung im Positiven wie im Negativen aufgefallen sind, gefragt, warum sich das Preisniveau derart verändert hat. Zwei Gründe nennen sie: Die Kosten für die Beschaffung von Erdgas seien 2018 gestiegen, aber auch andere kleinere Posten wie die Bilanzierungsumlage und an manchen Orten die Netzentgelte.
Und einer der größten Discounter im Energiemarkt ist im Januar 2019 insolvent gegangen: die BEV Bayerische Energieversorgung. „Durch den Wegfall von BEV wurde der Markt wieder attraktiver für weitere Marktteilnehmer, da ein absoluter Dumpingpreisanbieter wegfiel“, erklären beispielsweise die Stadtwerke Augsburg. In unserer Untersuchung von 2017 fanden wir die meisten und die am stärksten unterdeckten Angebote bei der BEV. Da auf den Vergleichsportalen die meisten Nutzer den Anbieter wählen, der auf den ersten drei Plätzen rangiert, kann ein einziges Unternehmen das Preisniveau recht stark bestimmen.
Insgesamt haben wir 16 Versorger Anfang April 2019 angefragt. Elf davon waren uns durch mutmaßlich nicht oder schwer kostendeckende Tarife aufgefallen. Fünf weitere Versorger fielen auf, weil sie sehr günstig Gas anbieten, aber nach unserer Einschätzung mit kostendeckenden Preisen arbeiten. Unsere Untersuchungsergebnisse erhielten alle angeschriebenen Unternehmen zu ihren eigenen Tarifen sowie die von uns kalkulierten Minimumkosten, noch ausgehend von den Mitte März veröffentlichten Daten zum Importpreis zwischen Februar 2018 und Januar 2019 von 1,91 Cent pro Kilowattstunde.
Bei drei der elf Unternehmen mit vermutlich nicht kostendeckenden Angeboten stellte sich heraus, dass die auf einem der beiden Vergleichsportale gefundenen Preise entweder nicht aktuell oder unzutreffend waren. Die tatsächlichen Preise in den entsprechenden Tarifen erwiesen sich als kostendeckend. Dies berücksichtigten wir in der Auswertung.
Von den verbliebenen acht Unternehmen erklärte lediglich ein Stadtwerk, dass seine Beschaffungskosten niedriger seien als rund 1,91 Cent pro Kilowattstunde – man kaufe bei günstigen Preisen am Markt größere Mengen ein und mache nur wirtschaftliche Angebote, hieß es weiter.
Zwei andere Unternehmen räumten ein, dass die Neukundentarife mit Bonus im ersten Jahr nicht die anfallenden Kosten decken. Solche Unternehmen gehen in der Regel davon aus, dass sie Kunden längerfristig binden können und frühestens ab dem zweiten Vertragsjahr an ihnen verdienen. Drei weitere Unternehmen reagierten auf unsere Anfrage nicht.
Um die gesamte Bandbreite der günstigen Angebote im Markt zu sehen, haben wir die Einstellungen auf den Portalen so offen wie möglich gewählt. Sowohl bei der Abfrage von Bonustarifen als auch bei der Abfrage ohne Berücksichtigung einer Bonuszahlungen waren sie so:
Standardmäßig sortieren Verivox und Check24 die Angebote nach dem Preis. Die jeweils ersten fünf haben wir uns angesehen. Die Kosten im ersten Jahr stellten wir den von uns berechneten Kosten in jedem Ort (siehe erste Tabelle im Text) gegenüber.
Zum Vergleich zogen wir den sogenannten Grenzübergangspreis oder Importpreis für Erdgas des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) heran. Er gibt annähernd den Preis für den Kauf langfristiger Lieferkontrakte an und beinhaltet auch Gas, das ein Versorger direkt beim Erzeuger oder Händler eingekauft hat. Am Spotmarkt liegt der Preis für Erdgas in der Regel deutlich über den Konditionen langfristiger Kontrakte.
Dass wir den Importpreis als Basis unserer Berechnung für die Beschaffungskosten gewählt haben, liegt daran, dass in diesem Preis alle Beschaffungswege für importierten Brennstoff abgedeckt sind. Der Anteil des in Deutschland gewonnenen Erdgases liegt bei weniger als 5 Prozent. Und nur etwa die Hälfte des verbrauchten Gases beschaffen Versorger an der Börse.
Daher ist es wichtig, die Gaspreise zu berücksichtigen, die bei Einfuhr des Brennstoffs aus dem Ausland nach Deutschland bestehen. Die Großhandelspreise für Gas sind 2018 bis einschließlich Oktober gestiegen und anschließend wieder gefallen. Im Februar 2019 lagen sie unter 2 Cent pro Kilowattstunde und haben damit wieder das Niveau von Anfang 2018 erreicht.
Hier findest Du die Untersuchung 2017 zu Billiggas.
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