Billiggas

Warum Sie bei billigen Gastarifen auf der Hut sein sollten

Das Wichtigste in Kürze

  • Viele der günstigsten Gastarife können nicht kostendeckend sein. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Finanztip.
  • Wir haben in 20 deutschen Städten die günstigsten Angebote über die Vergleichsportale Verivox und Check24 aufgerufen und die Preise mit den tatsächlichen Kosten verglichen.
  • Bei den Anbietern fallen zehn Unternehmen besonders auf: Sie bieten bundesweit Tarife an, bei denen sie offenkundig im ersten Vertragsjahr draufzahlen – aufgrund hoher Bonuszahlungen an Neukunden.
  • Im ersten Jahr zahlen Verbraucher in diesen Tarifen vergleichsweise wenig. Entfallen die Boni im zweiten Jahr, sind die Tarife eher teurer, auch ohne Preiserhöhung.
  • Zwei Unternehmen erklärten, dass die Bonus-Angebote bewusst gewählt sind – sie sollen Neukunden locken. Dass sie sich erst nach dem ersten Vertragsjahr rechnen, ist einkalkuliert.
  • Auffällig ist auch, dass die günstigsten Tarife in jeder Stadt nicht weit auseinanderliegen. Das macht deutlich: Die Anbieter passen ihre Preise direkt an die der Konkurrenz an.

So gehen Sie vor

  • Am wenigsten zahlen Sie für Gas, wenn Sie einen Tarif mit hohem Bonus wählen. Bedenken Sie aber: Im zweiten Vertragsjahr sind diese Tarife automatisch eher teuer.
  • Wollen Sie von einem Bonustarif profitieren, kündigen Sie ihn rechtzeitig zum Ablauf des ersten Vertragsjahres und suchen Sie sich einen neuen Anbieter.
  • Achten Sie auch darauf, dass Sie die versprochenen Boni tatsächlich erhalten und mahnen Sie die Zahlung an, wenn sie nicht automatisch und nicht in zugesagter Höhe erfolgt.
  • Wenn Sie den Versorger nicht schon nach einem Jahr wieder wechseln wollen, dann suchen Sie sich einen Tarif ohne Bonus. Erhöht der Versorger die Preise, steht Ihnen ein Sonderkündigungsrecht zu.
  • Günstige und verbraucherfreundliche Angebote mit und ohne Bonus finden Sie über den Finanztip-Gasrechner.
  • Haben Sie ein günstiges Angebot gefunden, warten Sie nicht länger als einen Tag mit dem Abschluss: Die Versorger ändern ihre Konditionen manchmal innerhalb kurzer Zeit.

Wer eine schöne Hose oder einen neuen Computer im Sonderangebot ergattert, freut sich. Schließlich gibt es das Schnäppchen nicht jederzeit und nicht in unbegrenzter Zahl. Es ist etwas Besonderes. Im Gasmarkt ist das anders: Schnäppchen-Tarife finden sich jederzeit – Sie brauchen nur zugreifen.

Im Gegensatz zu Hose und Computer müssen Sie sich obendrein keine Gedanken um die Qualität Ihres Schnäppchens machen: Egal zu welchem Preis Sie den Brennstoff beziehen – das Gas, das bei Ihnen in der Wohnung ankommt, verändert sich durch einen Tarifwechsel nicht. Ihre Versorgung bleibt sicher, auch wenn Sie das Gas günstig beziehen.

Was ist bei Billiggas-Tarifen zu beachten?

Gastarife unterscheiden sich einzig in den Lieferbedingungen, insbesondere im Preis. Sie können mehrere Hundert Euro im Jahr sparen, wenn Sie mit billigem Gas heizen. Wenn Sie ein solch günstiges Angebot gewählt haben, sollten Sie aber auf der Hut sein: Viele Schnäppchen-Tarife können nicht dauerhaft günstig bleiben. Denn sonst bescherten sie den Versorgern nur Verlust. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Finanztip.

Wir haben festgestellt, dass die günstigsten Gastarife an allen Orten unserer Untersuchung Bonuszahlungen beinhalten. Durch diese Boni sind die Tarife sehr günstig – greifen Sie zu, zahlen Sie teilweise so wenig, dass der Versorger unserer Einschätzung nach damit seine Kosten nicht decken kann. Will er an Ihnen verdienen, muss er die Preise erhöhen. Oder er versieht den Tarif von Anfang an mit hohen Preisen und kaschiert sie mit einem hohen Bonus als Lockmittel. Fällt dieser im zweiten Vertragsjahr weg, ist der Tarif nicht mehr günstig.

Wenn Sie einen Tarif für günstiges Gas abschließen, sollten Sie daher diese Punkte beachten:

  • Wählen Sie einen Tarif mit höchstens einjähriger Laufzeit, der sich anschließend nur Monat um Monat verlängert. Bei der Kündigungsfrist empfehlen wir einen Monat. So kommen Sie schnell wieder aus dem Vertrag heraus.
  • Beinhaltet der Tarif eine oder mehrere Bonuszahlungen, kontrollieren Sie, ob Sie die Boni auch tatsächlich und in zugesagter Höhe erhalten.
  • Wann der Versorger die Boni zahlt, ist in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) geregelt. Häufig ist ein Sofortbonus innerhalb der ersten drei Monate fällig. Den Neukundenbonus verrechnen viele Versorger mit den Kosten für den Strombezug auf der Jahresabrechnung. Beachten Sie zudem: Manche Versorger gewähren nur einen Neukundenbonus pro Kunde.
  • Vergleichen Sie die Preise des Billig-Tarifs mit Tarifen ohne Bonus. Sind letztere deutlich teurer, sollten Sie den Gasanbieter rechtzeitig wechseln. Andernfalls kommt Sie Ihr Gas automatisch eher teuer zu stehen.
  • Ein Jahr sollten Sie aber bei dem entsprechenden Versorger bleiben, weil er sonst keinen Neukundenbonus zahlt. Diese Bedingung findet sich in den AGB vieler Unternehmen.
  • Erhöht der Versorger die Preise, steht Ihnen ein Sonderkündigungsrecht zu. Prüfen Sie aber, ob es tatsächlich günstigere Tarife gibt, ehe Sie kündigen. Nutzen Sie dazu den Finanztip-Gasrechner.

Wann können Gastarife für Anbieter nicht mehr wirtschaftlich sein?

Die Kosten für Gas setzen sich aus unterschiedlichen Elementen zusammen. Manche sind bundesweit einheitlich, nämlich Steuern und Abgaben. Andere variieren je nach Wohnort wie die Entgelte für den Transport und die Gaszähler. Schließlich hat der Versorger noch einen gewissen Einfluss – kauft er günstig ein und hat er niedrige Vertriebskosten, kann er günstige Tarife bieten.

Zu weniger als 50 Prozent beeinflusst der Versorger den Gaspreis. Das bedeutet: Die Hälfte des Geldes, das Sie für Gas zahlen, nimmt Ihr Versorger ein. Die andere Hälfte fließt anderen zu – dem Fiskus, dem Netzbetreiber, Ihrer Kommune.

Die Beträge an Fiskus, Netzbetreiber und Kommune sind in der Jahresrechnung separat ausgewiesen. Dabei sind Gassteuer und Mehrwertsteuer für alle Verbraucher bundesweit einheitlich. Die Preise für den Transport des Gases und den Gaszähler sind für alle Kunden in einer Region einheitlich und öffentlich einsehbar: Jeder Netzbetreiber stellt die Entgelte auf seine Internetseite. Die Abgabe an die Kommune ist für alle Einwohner gleich hoch. Die sogenannte Konzessionsabgabe erhalten Städte und Gemeinden dafür, dass Stromleitungen durch ihr Gebiet laufen. Ihre Höhe findet sich auch in den Preisblättern der Netzbetreiber.

Die Hälfte der tatsächlichen Kosten des Gasbezugs ist damit für jeden Ort in Deutschland exakt zu beziffern. Unklar ist lediglich, wie effizient ein Unternehmen arbeitet und zu welchen Konditionen es Gas einkauft. Aber zumindest die Beschaffungskosten lassen sich grob abschätzen. Denn mehr als 90 Prozent der in Deutschland genutzten Gase kommen aus dem Ausland. Versorger können sie direkt beim Anbieter oder an der Börse kaufen. Die Importpreise an der Grenze als auch die Preise an der Börse sind bekannt.

Bietet ein Versorger nun Gastarife an, die in etwa den tatsächlichen Kosten für Steuern, Netzentgelte und Abgaben entsprechen, kann er nur unter einer Voraussetzung wirtschaftlich arbeiten – dass er Gas umsonst bekommt. So niedrig war allerdings kein Tarif in unserer Erhebung.

Wir haben eine Reihe Tarife gefunden, mit denen sich zwar mehr als nur Fiskus, Netzbetreiber und Kommune bezahlen lassen. Aber es bleibt bei Weitem nicht genug übrig, um Erdgas zu Marktpreisen einzukaufen. Dass es Billiggas-Tarife gibt, die sich für den Anbieter zunächst nicht rechnen, haben zwei der von uns angesprochenen Unternehmen bestätigt.

Wie hoch sind die festen Kosten für Netzentgelte und Co.?

Für unsere Erhebung haben wir 20 Städte in Deutschland ausgewählt (siehe nachfolgende Tabelle). Diese decken alle Größen ab: von der Kleinstadt Rheinsberg in Brandenburg mit rund 8.000 Einwohnern bis zur Millionenstadt Hamburg.

Das zweite Kriterium bei der Wahl der Städte war, dass alle Orte in unterschiedlichen Netzgebieten liegen und sich diese Netzgebiete über alle Bundesländer in Deutschland erstrecken. Und drittens sollten die Entgelte für den Netzbetrieb in allen Regionen möglichst breit gestreut sein. In Rheinsberg und im sachsen-anhaltinischen Bitterfeld sind sie am höchsten – nämlich rund zweieinhalbmal so teuer wie im hessischen Darmstadt und in Wolgast in Mecklenburg-Vorpommern.

Für die Musterhaushalte in diesen 20 Städten haben wir einen Gasverbrauch im Jahr von 20.000 Kilowattstunden angenommen. Dieser entspricht dem Durchschnittswert in Deutschland nach Angaben der Bundesnetzagentur. Anschließend haben wir die bei diesem Verbrauch entstehenden Kosten für Netzentgelte, Betrieb des Gaszählers (Messstelle), Messung, Erdgassteuer und Konzessionsabgaben ermittelt und darauf die Mehrwertsteuer berechnet. Bei den Netzentgelten und den Entgelten für Messstellenbetrieb und Messung haben wir mit den vorläufigen Preisen für 2018 gearbeitet.

Der folgenden Tabelle sind für den jeweiligen Musterhaushalt die Kosten zu entnehmen, auf die der Versorger keinen Einfluss hat. Die Kosten sind einmal pro Kilowattstunde und einmal pro Jahr bei einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden angegeben.

Auf diese Kosten haben Versorger in 20 Test-Städten keinen Einfluss

Ort des Musterhaushalts Bundesland des Musterhaushalts Kosten pro kWh in Cent¹ Kosten für 20.000 kWh pro Jahr in Euro¹
Darmstadt Hessen 1,93 386,89
Wolgast Mecklenburg-Vorpommern 1,96 391,39
Cottbus Brandenburg 2,14 428,98
Hamburg Hamburg 2,15 430,27
Bad Sachsa Niedersachsen 2,17 434,18
München Bayern 2,19 438,07
Bremen Bremen 2,19 438,62
Neumünster Schleswig-Holstein 2,24 448,28
Koblenz Rheinland-Pfalz 2,34 468,94
Delbrück Nordrhein-Westfalen 2,36 471,26
Bad Vilbel Hessen 2,37 474,66
Coburg Bayern 2,44 488,55
Hannover Niedersachsen 2,46 491,61
Köln Nordrhein-Westfalen 2,56 511,40
Tübingen Baden-Württemberg 2,70 539,89
Zittau Sachsen 2,78 556,56
Schmölln Thüringen 2,90 579,57
Wallerfangen Saarland 3,04 608,72
Bitterfeld Sachsen-Anhalt 3,74 748,14
Rheinsberg Brandenburg 3,90 779,64

Fußnote 1: In den Kosten sind die Netzentgelte und die Entgelte für Messstellenbetrieb und Messung des jeweiligen Netzbetreibers, die Konzessionsabgabe in Höhe von 0,03 Cent/Kilowattstunde sowie die Gassteuer in Höhe von 55 Cent/Kilowattstunde enthalten. Auf die Summe dieser Kosten haben wir die Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent berechnet. Als Betreiber der Messstelle (Gaszähler) haben wir den jeweilige Netzbetreiber angenommen. Beim Zählertyp haben wir den Preis für die jeweils kleinsten Geräte eines Netzbetreibers gewählt (maximal bis G10). Die Kosten pro Kilowattstunde als auch pro Jahr sind gerundet. Die Musterhaushalte sind entsprechend der Höhe der Kosten geordnet. Die Kosten pro Kilowattstunde als auch für einen Gasbezug von 20.000 Kilowattstunden im Jahr sind auf jeweils zwei Stellen nach dem Komma gerundet.
Quelle: Finanztip-Erhebung (Stand: 23. November 2017)

Wie wirtschaftlich sind die Tarife in den Beispielstädten?

Für die 20 Städte haben wir die günstigsten Tarife für 20.000 Kilowattstunden Verbrauch im Jahr auf den Vergleichsportalen Check24 und Verivox abgerufen. Dass die Abfrage nicht über unseren eigenen Gasrechner erfolgte, beruht darauf, dass wir in diesem Rechner die Tarife von einigen Unternehmen nicht anzeigen, die unseres Wissens nach Energierecht nicht einhalten.

Um die Abfragen auf Check24 und Verivox so offen wie möglich zu halten, wählten wir folgende Einstellungen:

  • alle Boni berücksichtigen,
  • nicht nur Ökotarife,
  • Vertragslaufzeit, Preisgarantie, Vertragsverlängerung, Kündigungsfrist beliebig,
  • keine Pakettarife, keine Vorauskasse, keine Kaution,
  • Tarife erfüllen Richtlinien der Portale/direkte Wechselmöglichkeit/hohe Kundenempfehlung/nur regionale Anbieter: nein;
  • alle Tarife pro Anbieter.

Die günstigsten Tarife bestimmter Anbieter unterscheiden sich je nach Portal bei den jährlichen Kosten für den Verbraucher – wenn überhaupt – nur um einen einstelligen Centbetrag. Die meisten der Tarife finden sich sowohl bei Verivox als auch Check24, einige wenige der günstigsten Tarife sind nur auf einem von beiden Portalen eingestellt.

Auf rund die Hälfte der Kosten für den Gasbezug haben die Anbieter keinen Einfluss. Zu diesen Kosten kommt noch der Aufwand für den Einkauf und die Lieferung des Brennstoffs. Angenommen, ein Anbieter berechnet sich für die Lieferung nichts, sondern quersubventioniert sie innerhalb des Unternehmens, bleiben noch die Kosten für den Gaseinkauf. Die Preise für Erdgas lagen im Jahr 2017 niemals unter 1,48 Cent pro Kilowattstunde.

Unserer Einschätzung nach muss ein Versorger daher einem Kunden mindestens 1,48 Cent pro Kilowattstunde für die Beschaffung berechnen, wenn er nicht Verlust erwirtschaften will. Wie wir nach der Erhebung der Preise auf den Portalen weiter vorgegangen sind, um zu ermitteln, ob die Versorger kostendeckend arbeiten, lesen Sie am Ende dieses Textes.

Erstes Ergebnis: In 19 von 20 Städten gibt es nicht-kostendeckende Tarife

Nur in einer der 20 Städte waren die günstigsten Tarife so hoch, dass eine Kostendeckung möglich erscheint. Diese Stadt ist Darmstadt und damit jene in unserer Untersuchung mit den geringsten Entgelten für die Nutzung des Gasnetzes und des Gaszählers. In allen anderen Orten fanden wir Tarife, bei denen nach unserer Einschätzung der Versorger draufzahlt – zwischen 2 und mehr als 40 Angebote zählten wir pro Musterhaushalt. Dabei zeigt sich: Je höher die Netzentgelte und damit die nicht vom Versorger beeinflussbaren Kosten (Tabelle oben), desto mehr unrentable Tarife finden sich für den entsprechenden Musterhaushalt.

Zugleich decken diese Tarife auch umso weniger die Kosten für Beschaffung und Vertrieb. In Rheinsberg und Bitterfeld – den Städten mit den höchsten Netzentgelten und damit den höchsten nicht beeinflussbaren Kosten– fanden wir Tarife, die einen Spielraum für den Einkauf und die Lieferung von Gas von weniger als 1 Cent pro Kilowattstunde lassen.

Zweites Ergebnis: Alle auffälligen Tarife beinhalten Bonuszahlungen

Eine Gemeinsamkeit haben die Tarife, die wir als nicht kostendeckend einstufen, egal, für welche Stadt wir sie gefunden haben: Wer sie abschließt, bekommt einen, zwei oder sogar drei Boni bezahlt – überall mehr als 100 Euro, häufig auch 300 bis 400 Euro, seltener mehr als 400 Euro.

Diese Boni sind auch der Grund, warum die Tarife nicht kostendeckend sein können. Fallen sie im zweiten Vertragsjahr weg, sieht dies anders aus. Dann machen die meisten Versorger vermutlich keinen Verlust mehr bei der Gaslieferung.

Wir haben auch sehr günstige Tarife ohne Bonus gefunden. Es war aber keiner dabei, mit dem der Versorger nicht alle Kosten decken könnte.

Drittes Ergebnis: 14 Tarife von 10 Unternehmen stechen hervor

Bei unserer Abfrage fanden wir bestimmte Tarife immer wieder unter den günstigsten Angeboten. In ihrer Höhe unterscheiden sie sich nicht stark: Die günstigsten sieben bis zehn weichen in 19 Städten nur um 10 bis 40 Euro voneinander ab, einzelne Angebote nur um einen Euro. Lediglich in Rheinberg lagen die Angebotspreise weniger dicht beieinander.

Es sind genau 14 Bonus-Tarife von zehn Unternehmen, die wir immer wieder gefunden haben. Vier davon erschienen für alle 20 Musterhaushalte unter den günstigsten. Die zehn anderen Tarife zeigten sich an ein oder zwei Orten nicht unter den 35 günstigsten Angeboten in beiden Vergleichsportalen.

In der folgenden Tabelle sind diese zehn Unternehmen mit den 14 Tarifen aufgeführt. Dazu haben wir angegeben, in wie vielen der 20 Orte ein Versorger einen bestimmten Tarif anbietet, der nicht kostendeckend sein kann. In der vierten Spalte befindet sich eine Angabe, welcher Betrag dem Versorger für den Kauf des Gases netto bleibt, also nach Abzug der Entgelte an Fiskus, Netzbetreiber und Kommune. Wie stark der Tarif unter den nicht beeinflussbaren Kosten des Versorgers liegt, wenn die Bezugskosten für Gas bei 1,48 Cent pro Kilowattstunde und die Vertriebskosten bei 0 Euro liegen, ist in Spalte fünf angegeben. Zu erkennen ist: Um 5 bis 23 Prozent unterschreiten die Versorger die Kosten im Schnitt. In Städten mit hohen Netzentgelten sind es sogar bis zu 68 Prozent.

Übersicht Tarife, die am häufigsten auffielen

Versorger Tarif Anzahl nicht kostendeckender Angebote verfügbarer Betrag für Gaseinkauf im Schnitt (Spanne)¹ Abweichung von 1,48 ct/kWh im Schnitt (Spanne)²
Bayerische Energieversorgungsgesellschaft mbH (BEV) BEV Energie Gas 19 1,14 ct/kWh (0,69 bis 1,47 ct/kWh) 23 % (1 bis 53%)
E wie einfach GmbH Meinklimatarif Gas 18 1,31 ct/kWh (0,73 bis 1,43 ct/kWh) 11 % (3 bis 51%)
Enstroga AG Spargas 12 18 1,22 ct/kWh (0,73 bis 1,38 ct/kWh) 18 % (7 bis 51%)
Pfalzwerke AG, Marke 123energie 123gas 17 1,21 ct/kWh (0,72 bis 1,38 ct/kWh) 18 % (7 bis 51%)
Strogon GmbH Gas Fest plus 17 1,24 ct/kWh (1,04 bis 1,36 ct/kWh) 16 % (8 bis 30 %)
Fuxx – die Sparenergie GmbH Sparfuxx plus clever 16 1,19 ct/kWh (0,47 bis 1,37 ct/kWh) 20 % (7 bis 68%)
gas.de Versorgungsgesellschaft mbH gas.de easy 16 1,32 ct/kWh (0,72 bis 1,45 ct/kWh) 11 % (2 bis 51%)
gas.de Versorgungsgesellschaft mbH, Marke Grünwelt Energie Grüngas easy 16 1,32 ct/kWh (0,72 bis 1,45 ct/kWh) 11 % (2 bis 51%)
Fuxx – die Sparenergie GmbH, Marke Grüner Funke Real-Gas 15 1,29 ct/kWh (1,11 bis 1,42 ct/kWh) 13 % (4 bis 25%)
gas.de Versorgungsgesellschaft mbH, Marke Grünwelt Energie Grüngas easy 12 15 1,40 ct/kWh (1,29 bis 1,47 ct/kWh) 5 % (1 bis 13%)
365 AG, Marke Immergrün Spar Gas Klassik Premium 14 1,17 ct/kWh (0,88 bis 1,35 ct/kWh) 21 % (9 bis 41 %)
365 AG, Marke Ideal Energie Heim Gas Plus Premium 14 1,17 ct/kWh (0,89 bis 1,35 ct/kWh) 21 % (9 bis 40 %)
TWL Energie Deutschland GmbH, Marke Emma Energie Emma Gas 14 1,22 ct/kWh (0,73 bis 1,46 ct/kWh) 18% (1 bis 51%)
Eprimo GmbH Eprimogas 13 1,30 ct/kWh (0,78 bis 1,47 ct/kWh) 12 % (1 bis 47%)

Fußnote 1: Vom Gesamtpreis des Gasangebots wurden die vom Anbieter nicht beeinflussbaren Kosten in den jeweiligen Orten abgezogen und durch den angenommenen Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden geteilt

Fußnote 2: Annahme: Gasbeschaffungspreis von 1,48 Cent pro Kilowattstunde und Lieferkosten von 0 Cent. Kosten auf zwei Stellen nach dem Komma gerundet, Prozentsätze auf ganze Zahlen.

Quelle: Finanztip-Erhebung (Stand: 27. November 2017)

Warum bieten Versorger unwirtschaftliche Tarife an?

Die in der Tabelle aufgeführten Gasversorger haben wir angeschrieben und um Erklärung gebeten, wie sich die genannten Tarife für sie rechnen. Dabei erklärten wir unsere Untersuchung und legten die Berechnung vor, wie viel Geld in den 20 Orten übrigbleibt, um die Kosten für Gaseinkauf und Gasvertrieb zu bestreiten. Von den zehn angesprochenen Unternehmen antworteten sechs.

Die schriftlichen Antworten ähneln sich: Die Versorger verweisen auf ihr Geschäftsgeheimnis und darauf, dass sie sich in einem stark umkämpften Markt zu behaupten wissen. „Die Preise für Erdgas bilden sich natürlich am Markt und im Wettbewerb mit anderen Anbietern“: Das ist ein Satz, der sich beinahe wortgleich in mehreren Antworten findet. Enstroga und die Pfalzwerke erklären zudem, im Zeitraum der Finanztip-Untersuchung Sonderaktionen mit besonders niedrigen Preisen gehabt zu haben.

Im vertraulichen Gespräch haben zwei der zehn angesprochenen Unternehmen eingeräumt, was wir vermuten: dass sie mit den offensichtlich nicht kostendeckenden Gastarifen im ersten Vertragsjahr Verlust erwirtschaften. „Das ist auch bei anderen Anbieter so“, sagt ein Ansprechpartner, „aber ab dem zweiten, dritten oder vierten Jahr rechnet das sich für uns richtig.“ Dazu müsse ein Verbraucher aber natürlich auch entsprechend lange Kunde bleiben, sagt der Ansprechpartner vom zweiten Unternehmen. „Es ist eine Mischkalkulation: Man hofft, dass sich der Kunde für einen entscheidet und bleibt.“

Um neue Kunden zu gewinnen, setzen die Unternehmen vor allem auf niedrige Angebotspreise. Diese seien entscheidend, damit ein Tarif in den Vergleichsportalen oben stehe und damit für Nutzer schnell zu finden ist. Versorger müssten sich am Wettbewerb orientieren, heißt es von beiden Unternehmen weiter. Wer das Spiel der schnellen Preisänderung nicht mitspiele, könne seine Kundenbasis kaum ausbauen.

So erklärt sich auch, warum die Schnäppchenangebote im Preis dicht beieinanderliegen: Um in den Portalen möglichst weit oben zu stehen, passen die Bieter ihre Konditionen an die der Konkurrenz an. Manchmal ändern sich so die Preise eines Tarifs mehrfach innerhalb kurzer Zeit, wenn nicht sogar täglich. Diese Tendenz im Energiemarkt bestätigt das Vergleichsportal Verivox.

Wie riskant ist der Abschluss eines Billiggas-Angebots?

Wenn Sie nach Schnäppchen-Tarifen für Gas suchen, so seien Sie sich bewusst, dass sich die Angebote schnell ändern. Verfolgen Sie daher die Preisentwicklung über mehrere Tage, um ein Gefühl für die Konditionen in Ihrer Region zu bekommen. Sagt Ihnen ein Angebot schließlich zu, dann greifen Sie sofort zu. Am nächsten Tag könnte der Preis bereits ein anderer sein.

Haben Sie einen Billiggas-Tarif abgeschlossen, so kontrollieren Sie, ob Ihnen zugesicherte Boni tatsächlich zukommen. Seien Sie auch darauf gefasst, den Versorger zu mahnen, weil er nicht wie vereinbart zahlt. Prüfen Sie auch, ob Sie die Boni in der richtigen Höhe erhalten. Wenn Sie den Tarif über die Vergleichsportale von Verivox oder Check24 abgeschlossen haben, helfen Ihnen die Portale, wenn es im Vertragsverhältnis hakt.

Bedenken Sie zudem, wenn Sie einen Billigtarif abschließen, dass er sich womöglich nicht für den Versorger rechnet. Der Anbieter möchte Sie als Kunden gewinnen und lockt deshalb mit niedrigen Tarifkosten. Nach dem ersten Vertragsjahr will er aber an Ihnen verdienen. Dazu erhöht er die Preise. Dann können Sie das Sonderkündigungsrecht nutzen.

Oder aber die Preise sind bereits bei Vertragsabschluss hoch und der Tarif wirkt nur durch hohe Boni günstig. Tendenziell gilt: Je höher die Bonuszahlungen sind, desto höher sind meist auch die tatsächlichen Verbrauchspreise für Gas. Fallen die Boni nach dem ersten Jahr weg, ist das keine Preiserhöhung und Sie können sich nicht auf Ihr Sonderkündigungsrecht berufen. Wenn Sie die Kündigungsfrist nicht einhalten, stecken Sie in dem Vertrag erst einmal fest – und müssen viel mehr für Ihr Gas zahlen, als Sie womöglich dachten.

Wenn Sie nicht jedes Jahr einen neuen Gasversorger suchen wollen, dann entscheiden Sie sich daher für ein Angebot ohne Bonus. Unser Vergleichsrechner ist dabei schon so voreingestellt, dass Sie nur Tarife ohne Bonus und mit verbraucherfreundlichen Bedingungen sehen.

Darüber hinaus zeigt unser Rechner die Angebote von Unternehmen nicht, von denen wir wissen, dass sie nicht immer Energierecht einhalten oder gegen die Verfahren von Verbraucherzentralen laufen. Mehrere der in der Tabelle genannten Unternehmen gehören zu denen, deren Tarife in unserem Rechner nicht erscheinen (Stand: Februar 2018).

So haben wir verglichen

Für die 20 untersuchten Städte haben wir am 24. und 27. November 2017 die günstigsten Tarife für 20.000 Kilowattstunden Verbrauch im Jahr auf den Vergleichsportalen Check24 und Verivox abgerufen. Um die Abfragen auf Check24 und Verivox so offen wie möglich zu halten, wählten wir folgende Einstellungen:

  • Berücksichtigung aller Boni
  • nicht nur Ökotarife
  • Vertragslaufzeit, Preisgarantie, Vertragsverlängerung, Kündigungsfrist beliebig
  • keine Pakettarife, keine Vorauskasse, keine Kaution
  • Tarife erfüllen Richtlinien der Portale/direkte Wechselmöglichkeit/hohe Kundenempfehlung/nur regionale Anbieter: nein
  • alle Tarife pro Anbieter

Von den Kosten im ersten Vertragsjahr aus den günstigsten Angeboten zogen wir die zuvor berechneten Kosten in jedem Ort (siehe erste Tabelle im Text) ab, auf die der Versorger keinen Einfluss hat. Die Differenz stellt den Brutto-Betrag für Einkauf und Lieferung des Gases dar. Davon zogen wir noch die anteilige Mehrwertsteuer von 19 Prozent ab und teilten durch die angenommene Verbrauchsmenge von 20.000 Kilowattstunden. Herauskommt ein Geldbetrag, den ein Versorger maximal aufwenden kann, um Gas einzukaufen und zu liefern, ohne dabei Minus zu machen.

Zum Vergleich zogen wir die Großhandelspreise an der Energiebörse EEX und den sogenannten Grenzübergangspreis des Bafa (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) heran. Etwa die Hälfte des Gases beschaffen Versorger an der Börse. Daher ist es wichtig, auch die Gaspreise zu berücksichtigen, die bei Einfuhr des Brennstoffs aus dem Ausland nach Deutschland bestehen. Die Großhandelspreise für Gas waren 2016 gesunken und zogen 2017 wieder an. Anfang 2018 liegt der Preis weiter auf dem Niveau des Vorjahrs.

An der Börse kaufen Versorger rund zwei Drittel des gehandelten Gases am Terminmarkt und ein Drittel am Spotmarkt. Am Spotmarkt schwankten 2017 die durchschnittlichen Kosten, um Gas kurzfristig zu beschaffen, zwischen 1,48 und 2,3 Cent pro Kilowattstunde. Am Terminmarkt lag der Preis für monatliche Kontrakte 2017 bei mindestens 1,5 Cent pro Kilowattstunde und maximal bei 2,14 Cent pro Kilowattstunde. Die Unterschiede im Preis zwischen den beiden in Deutschland existierenden Marktgebieten sind dabei schwach. Um sie dennoch zu berücksichtigen, haben wir uns in der Untersuchung stets am niedrigeren Preis eines Marktgebiets orientiert.

Der Bafa-Grenzübergangspreis gibt annähernd den Preis für den Kauf langfristiger Lieferkontrakte an und beinhaltet auch Gas, das ein Versorger direkt beim Erzeuger oder Händler eingekauft hat. Der Preis pendelte im Monatsmittel 2017 (ohne den Monat Dezember) zwischen 1,58 und 1,79 Cent pro Kilowattstunde. Im Mittel lag er bei 1,71 Cent pro Kilowattstunde. 2016 betrug der Preis im Schnitt 1,52 Cent pro Kilowattstunde.

Es lässt sich damit feststellen: 2017 lag der Gaspreis an der Börse nie unter 1,48 Cent pro Kilowattstunde und bei Einfuhr nach Deutschland in keinem Monat unter 1,58 Cent pro Kilowattstunde. Den minimalen Börsenwert haben wir bei der Beurteilung genutzt, ob ein Gasversorger kostendeckend arbeiten kann. Selbst wenn ein Unternehmen zu diesem Preis Gas für ein ganzes Jahr beschaffen kann – die Kosten für Mitarbeiter, Büro, Werbung oder etwaige Makler deckt der Versorger dabei noch nicht.

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Artikel verfasst von

Ines Rutschmann

Finanztip-Expertin für Energie

Als Expertin für Energie widmet sich Ines Rutschmann allen Fragen, die sich Verbrauchern rund um Strom und Heizen stellen. Über den Strommarkt berichtete sie erstmals 2005 für die Leipziger Volkszeitung, wo sie auch ihre journalistische Grundausbildung absolvierte. Danach war sie unter anderem für den Deutschlandfunk und das Solarstrom-Magazin Photon tätig. Ines Rutschmann ist Diplom-Ingenieurin (FH) und hat einen Abschluss als Master of Science in Energiemanagement.