Zusatzbeitrag der Krankenkasse

Vergleichen und 300 Euro sparen

Julia Rieder
& Co-Autor
Stand: 31. Januar 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Der allgemeine Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) liegt 2019 bei 14,6 Prozent. Zusätzlich erheben alle Krankenkassen einen Zusatzbeitrag.
  • Der durchschnittliche Zusatzbeitrag liegt bei 0,9 Prozent.
  • Seit Anfang 2019 zahlen Arbeitnehmer und Rentner nur noch die Hälfte des Zusatzbeitrags. Die andere Hälfte übernimmt der Arbeitgeber oder die Rentenversicherung.
  • Die meisten Krankenkassen unterrichten ihre Kunden zum Jahreswechsel über die Höhe des Zusatzbeitrags. Einige Kassen ändern den Beitrag aber im laufenden Jahr.
  • Wenn die Krankenkasse den Beitrag erhöht, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht bis zum Ende des Monats, in dem der neue Zusatzbeitrag gilt.
So gehen Sie vor
  • Wollen Sie die Krankenkasse wechseln, sollten Sie auf Zusatzleistungen, Service und den Beitrag achten.
  • In unserem Krankenkassenvergleich im Januar 2019 bot die HEK die umfassendsten Zusatzleistungen. Die TK schnitt ebenfalls sehr gut ab und verlangt einen günstigen Beitrag.
  • Die BKK VBU war stark bei alternativen Heilmethoden und Vorsorge, ist jedoch recht teuer. Ebenfalls gute Zusatzleistungen mit einer besonderen Stärke im Bereich Familie fanden wir bei der Bahn BKK.
  • Die BKK24 punktete bei Serviceangeboten und alternativen Heilmethoden.
  • Ist Ihnen vor allem ein niedriger Beitrag wichtig, findet Sie in unserer Liste die günstigste Kasse in Ihrem Bundesland.

2019 wird der Beitrag zur Krankenversicherung für viele Bundesbürger günstiger. Ein Drittel der Krankenkassen hat zum Jahreswechsel den Zusatzbeitrag gesenkt, sechs Kassen wurden teurer. Das zeigt eine Finanztip-Auswertung der Beiträge aller Krankenkassen. Wer seine Krankenkasse klug wählt, kann also sparen.

Wie setzt sich der Beitrag zur Krankenversicherung zusammen?

Seit der Einführung des Gesundheitsfonds 2007 ist der allgemeine Beitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für alle Versicherten gleich. Im Jahr 2019 liegt er bei 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens. Die Hälfte davon zahlt der Arbeitgeber, die andere Hälfte trägt der Arbeitnehmer. Freiwillig versicherte Selbstständige zahlen den gesamten Beitrag alleine.

Die einzelnen Krankenkassen können darüber hinaus einen Zusatzbeitrag von ihren Mitgliedern verlangen. Diesen zahlten Versicherte in den vergangenen Jahren allein, der Arbeitgeber beteiligte sich nicht daran. Das hat sich 2019 geändert. Nun wird auch der GKV-Zusatzbeitrag wieder paritätisch finanziert. Das bedeutet, der Arbeitgeber übernimmt auch die Hälfte des Zusatzbeitrags. Rentner teilen sich den Zusatzbeitrag seit 2019 mit der gesetzlichen Rentenversicherung.

Zusatzbeiträge wird es jedoch auch weiterhin geben. Meist ändern die Kassen ihre Preise zum Jahreswechsel.

Die großen Krankenkassen Barmer und AOK Bayern erheben 2019 einen Gesamtbeitrag von 15,7 Prozent, also jeweils einen Zusatzbeitrag von 1,1 Prozent. Der Gesamtbeitrag bei der AOK Baden-Württemberg beträgt 15,5 (0,9 Prozent Zusatzbeitrag) und bei der TK 15,3 Prozent (0,7 Prozent). Die DAK verlangt 16,1 Prozent (1,5). Sie ist damit nur 0,1 Prozentpunkte günstiger als die teuersten Kassen.

Den Beitragssatz Ihrer aktuellen Kasse können Sie auf der Internetseite des Krankenkasssen-Spitzenverbandes nachschauen.

Kassen verschleiern den Zusatzbeitrag

Die Briefe mit Beitragserhöhung sorgen bei vielen Versicherten für Unmut. Nicht nur ärgern sie sich, dass die Kasse mehr Geld will. Einige Krankenkassen versteckten in den vergangenen Jahren ihre gesetzlich vorgeschriebene Mitteilungsfrist auch hinter blumigen Worten. Eine Betriebskrankenkasse schrieb zum Beispiel von einem "Vario-Beitrag". Trotz des eher positiven Klangs dieses Wortes verbarg sich dahinter ein Anstieg des Zusatzbeitrags.

Im Durchschnitt verlangen die Kassen einen Gesamtbeitrag inklusive Zusatzbeitrag von 15,5 Prozent. Die meisten Kassen erheben also einen zusätzlichen Satz von 0,9 Prozent. Einzelne Kassen weichen deutlich vom Durchschnitt ab und verlangen weniger.

Durch einen Wechsel dorthin können Sie sparen. Im Einzelfall sind bis zu 300 Euro Ersparnis im Jahr drin, wenn Sie von der derzeit teuersten, bundesweit geöffneten Krankenkassen zur günstigsten, bundesweiten Kasse wechseln.

Rechenbeispiel: Wechsel von teuerster zu günstigster bundesweiter Kasse

monatliches Bruttoeinkommen des Arbeitnehmers4.538 €
gesamter Beitragssatz der alten Krankenkasse 201916,1 %
gesamter Beitragssatz der neuen Krankenkasse 201914,99 %
Arbeitnehmer-Beitrag 2019 bei alter Krankenkasse365 €
Arbeitnehmer-Beitrag 2019 bei neuer Krankenkasse340 €
Ersparnis gegenüber alter Krankenkasse 
pro Monat25 €
pro Jahr300 €

Alle Berechnungen ohne Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung.
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 28. Januar 2019)

Das Beispiel zeigt: Ab einem Monatsbruttoeinkommen von 4.537,50 Euro (entspricht der Beitragsbemessungsgrenze 2019) zahlt ein Angestellter 25 Euro im Monat oder 300 Euro im Jahr weniger für die Krankenversicherung, wenn er von einer sehr teuren zu einer sehr günstigen Kasse wechselt. Allerdings wird die tatsächliche Ersparnis durch die Steuer verringert – auf dem Konto landen also nicht die kompletten 25 Euro.

Der Zusatzbeitrag für die GKV wird bei Angestellten vom Bruttogehalt abgezogen. Bezieher von Arbeitslosengeld I und II zahlen keinen Zusatzbeitrag. Rentner, deren Krankenkassenbeiträge von der gesetzlichen Rentenversicherung überwiesen werden, erhalten die Mitteilung zum Zusatzbeitrag oft erst später. Für sie gilt der neue Beitragssatz erst im März des Jahres.

Wie wechsle ich die Krankenkasse?

Sobald die Krankenkasse den Zusatzbeitrag erhöht, hat jedes Mitglied ein Sonderkündigungsrecht. Die Kündigung muss bis zum Ende des Monats bei der Versicherung eingehen, in dem diese das erste Mal den erhöhten Beitrag haben möchte. Gültig wird die Kündigung erst zum Ende des übernächsten Monats. Wer also bis zum 31. Januar bei seiner bisherigen Kasse kündigt, kann zum 1. April in eine andere Krankenkasse wechseln.

Der Wechsel ist einfach: Sie faxen oder schicken unser Musterschreiben an Ihre aktuelle Kasse und füllen den Mitgliedsantrag auf der Website einer Kasse Ihrer Wahl aus. Dieser reichen Sie die Kündigungsbestätigung der alten Kasse nach. Die neue Kasse schickt daraufhin eine neue Versichertenkarte. Übrigens können Sie nicht aus Versehen aus der gesetzlichen Krankenversicherung herausfallen: Sollte der Wechsel aus irgendwelchen Gründen nicht klappen, zum Beispiel weil Sie vergessen haben, die Kündigungsbestätigung an die neue Kasse weiterzuleiten, bleiben Sie automatisch bei Ihrer alten Kasse versichert. Sie können dann immer noch Ihr normales Kündigungsrecht mit einer Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Monatsende in Anspruch nehmen – sofern Sie bereits 18 Monate bei Ihrer alten Kasse waren.

Hier können Sie sich unser Musterschreiben für die Kündigung Ihrer Krankenkasse  herunterladen:

Achtung: In den zwei Monaten nach der Kündigung müssen Sie noch den Zusatzbeitrag Ihrer alten Kasse bezahlen – also bis zum Beginn Ihrer Mitgliedschaft in der neuen Kasse.

Wohin wechsle ich am besten?

Wer mit den Leistungen oder dem Preis seiner bisherigen gesetzlichen Krankenversicherung unzufrieden ist, sollte sich nach einem neuen Anbieter umschauen. 

Als Sparfuchs finden Sie in unserer Liste die günstigste Kasse in Ihrem Bundesland. Nutzen Sie ohnehin teure Leistungen wie Osteopathie oder Reiseimpfungen, die einige Kassen zusätzlich anbieten, können Sie mit der Wahl einer passenden Krankenkasse zusätzlich sparen. Überlegen Sie sich vor einem Wechsel, welche Zusatzleistungen Ihnen wichtig sind und vergleichen Sie die Angebote. 

Wir haben in unserem Krankenkassenvergleich im Januar 2019 die Zusatzleistungen verschiedener Kassen untersucht und ihr Angebot in den Bereichen Service, Familienleistungen, Vorsorge und alternative Heilmethoden bewertet. Am besten abgeschnitten haben HEK, TK, BKK VBU, Bahn-BKK und BKK24.

HEK
Krankenkasse mit breiten Zusatzleistungen
  • erreichte 74 % in unserem Leistungsvergleich
  • starke Zusatzleistungen in allen Bereichen
  • 15,6 % Beitragssatz
TK
Krankenkasse mit breiten Zusatzleistungen
  • erreichte 74 % in unserem Leistungsvergleich
  • viele gute Zusatzleistungen
  • günstiger Beitragssatz von 15,3 %
  • schwächer bei zusätzlichen Familienleistungen
Nur beim Anbieter abschließbar
BKK VBU
Krankenkasse mit breiten Zusatzleistungen
  • erreichte 72 % in unserem Leistungsvergleich
  • starke Zusatzleistungen bei alternativer Medizin und Vorsorge
  • eher hoher Beitragssatz von 15,9 %
  • schwächer beim Serviceangebot
Bahn-BKK
Krankenkasse mit breiten Zusatzleistungen
  • erreichte 72 % in unserem Leistungsvergleich
  • starke Zusatzleistungen für Familien und alternative Medizin
  • 15,8 % Beitragssatz
  • schwächer bei zusätzlicher Vorsorge
Nur beim Anbieter abschließbar
BKK24
Krankenkasse mit breiten Zusatzleistungen
  • erreichte 72 % in unserem Leistungsvergleich
  • starke Zusatzleistungen bei alternativen Heilmethoden und Service
  • 15,6 % Beitragssatz
  • schwächer bei Familienleistungen und zusätzlicher Vorsorge
Autor
Julia Rieder
& Co-Autor
Annika Krempel

Stand: 31. Januar 2019


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