Zusatzbeitrag der Krankenkasse

Vergleichen und bis zu 300 Euro sparen

Julia Rieder
& Co-Autor
Stand: 24. Januar 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Gesetzliche Krankenkassen dürfen einen Zusatzbeitrag zum allgemeinen Beitrag verlangen. Die Höhe variiert von Kasse zu Kasse – denn jede kann ihn selbst festlegen.
  • Eine Finanztip-Auswertung zeigt: Anfang 2020 verlangte die günstigste Kasse keinen Zusatzbeitrag, die teuerste 2,7 Prozent. Auf den allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens schlagen die Kassen dieses Plus noch auf.
  • Wenn Ihre Krankenkasse diesen Beitrag erhöht, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht.
So gehen Sie vor
  • Entscheiden Sie sich für die Krankenkasse, die Ihnen mit Blick auf Service, freiwillige Zusatzleistungen und Beitrag am meisten zusagt.
  • In unserem Krankenkassenvergleich im Januar 2020 haben wir 26 Leistungen untersucht. Insgesamt am besten abgeschnitten haben IKK Classic und HEK.
  • Ihnen ist ein einzelner Bereich wie Service oder Vorsorge besonders wichtig? Dann können Sie mit unserer sortierbaren Tabelle herausfinden, welche Kasse darin besonders gut abgeschnitten hat.
  • Die günstigste Kasse in Ihrem Bundesland finden Sie in dieser Liste.

2020 bleibt der Beitrag zur Krankenversicherung für viele Bundesbürger gleich. Nur zwei Krankenkassen haben zum Jahreswechsel den Zusatzbeitrag gesenkt, 25 Kassen wurden teurer. Bei der Mehrzahl der über 100 Krankenkassen hat sich nichts verändert. Das zeigt eine Finanztip-Auswertung der Beiträge der Krankenkassen. Ist Ihnen Ihre Kasse zu teuer, können Sie dennoch sparen. Wechseln Sie von einer sehr teuren zu einer sehr günstigen Kasse, sind im besten Fall einige Hundert Euro Ersparnis im Jahr möglich.

Wie setzt sich der Beitrag zur Krankenversicherung zusammen?

Der allgemeine Beitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist für alle Versicherten gleich. Im Jahr 2020 liegt er bei 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens. Die Hälfte davon zahlt der Arbeitgeber, die andere Hälfte trägt der Arbeitnehmer. Freiwillig versicherte Selbstständige zahlen den gesamten Beitrag alleine.

Die einzelnen Krankenkassen können darüber hinaus jedoch einen Zusatzbeitrag von ihren Mitgliedern verlangen. Diesen zahlten Sie als Versicherter über viele Jahre hinweg allein. Das hat sich 2019 geändert. Seither müssen Arbeitgeber sich wieder zur Hälfte am GKV-Zusatzbeitrag ihrer Angestellten beteiligen. Rentner teilen sich den Zusatzbeitrag mit der gesetzlichen Rentenversicherung.

Wie viel lässt sich am Zusatzbeitrag sparen?

Die meisten Krankenkassen ändern ihre Preise zum Jahreswechsel. Anfang 2020 reicht die Spanne der Zusatzbeiträge von 0 bis 2,7 Prozent. Die großen Krankenkassen Barmer und AOK Bayern erheben 2020 einen Gesamtbeitrag von 15,7 Prozent, also jeweils einen Zusatzbeitrag von 1,1 Prozent. Der Gesamtbeitrag bei der AOK Baden-Württemberg beträgt 15,5 Prozent (0,9 Prozent Zusatzbeitrag) und bei der TK 15,3 Prozent (0,7 Prozent Zusatzbeitrag). Die DAK verlangt 16,1 Prozent (1,5 Prozent Zusatzbeitrag). Sie gehört damit zu den überdurchschnittlich teuren Krankenkassen.

Den Beitragssatz aller Kassen können Sie auf der Internetseite des Krankenkasssen-Spitzenverbandes nachschauen.

Im Durchschnitt verlangen die Kassen einen Gesamtbeitrag inklusive Zusatzbeitrag von 15,7 Prozent. Die meisten Kassen erheben also einen zusätzlichen Satz von 1,1 Prozent (Stand: 2020). Einzelne Kassen weichen deutlich vom Durchschnitt ab und verlangen weniger.

Durch einen Wechsel zu einer günstigen Kasse können Sie sparen. Im Einzelfall sind bis zu 300 Euro Ersparnis im Jahr drin, wenn Sie von der derzeit teuersten zur günstigsten bundesweit geöffneten Krankenkasse wechseln.

Rechenbeispiel: Wechsel von teuerster zu günstigster bundesweiter Kasse

monatliches Bruttoeinkommen des Arbeitnehmers4.688 €
Gesamtbeitrag alte Krankenkasse16,14 %
Gesamtbeitrag neue Krankenkasse14,99 %
Arbeitnehmeranteil bei alter Kasse im Monat378 €
Arbeitnehmeranteil bei neuer Kasse im Monat351 €
monatliche Ersparnis27 €

Alle Berechnungen ohne Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung, Werte gerundet.
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 3. Januar 2020)

Das Beispiel zeigt: Ab einem Monatsbruttoeinkommen von 4.687,50 Euro (entspricht der Beitragsbemessungsgrenze 2020) zahlt ein Angestellter rund 27 Euro im Monat oder 323 Euro im Jahr weniger für die Krankenversicherung, wenn er von einer sehr teuren zu einer sehr günstigen Kasse wechselt. Allerdings wird die tatsächliche Ersparnis durch die Steuer verringert – auf dem Konto landen also nicht die kompletten 27 Euro.

Der Zusatzbeitrag für die GKV wird bei Angestellten vom Bruttogehalt abgezogen. Bezieher von Arbeitslosengeld I und II zahlen keinen Zusatzbeitrag. Rentner, deren Krankenkassenbeiträge von der gesetzlichen Rentenversicherung überwiesen werden, erhalten die Mitteilung zum Zusatzbeitrag oft erst später. Für sie gilt der neue Beitragssatz erst im März des jeweiligen Jahres.

Wie wechsle ich die Krankenkasse?

Sobald die Krankenkasse den Zusatzbeitrag erhöht, hat jedes Mitglied ein Sonderkündigungsrecht. Die Kündigung muss bis zum Ende des Monats bei der Versicherung eingehen, in dem diese das erste Mal den erhöhten Beitrag haben möchte. Gültig wird die Kündigung erst zum Ende des übernächsten Monats. Wer also bis zum 31. Januar bei seiner bisherigen Kasse kündigt, kann zum 1. April in eine andere Krankenkasse wechseln.

Der Wechsel ist einfach: Sie faxen oder schicken unser Musterschreiben an Ihre aktuelle Kasse und füllen den Mitgliedsantrag auf der Website einer Kasse Ihrer Wahl aus. Dieser reichen Sie die Kündigungsbestätigung der alten Kasse nach. Die neue Kasse schickt daraufhin eine neue Versichertenkarte.

Übrigens können Sie nicht aus Versehen aus der gesetzlichen Krankenversicherung herausfallen: Sollte der Wechsel aus irgendwelchen Gründen nicht klappen, zum Beispiel weil Sie vergessen haben, die Kündigungsbestätigung an die neue Kasse weiterzuleiten, bleiben Sie automatisch bei Ihrer alten Kasse versichert. Sie können dann immer noch Ihr normales Kündigungsrecht mit einer Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Monatsende in Anspruch nehmen – sofern Sie bereits 18 Monate bei Ihrer alten Kasse waren.

Hier können Sie sich unser Musterschreiben für die Kündigung Ihrer Krankenkasse herunterladen:

Achtung: In den zwei Monaten nach der Kündigung müssen Sie noch den Zusatzbeitrag Ihrer alten Kasse bezahlen – also bis zum Beginn Ihrer Mitgliedschaft in der neuen Kasse.

Wohin wechsle ich am besten?

Wer mit den Leistungen oder dem Preis seiner bisherigen gesetzlichen Krankenversicherung unzufrieden ist, sollte sich nach einem neuen Anbieter umschauen. 

Als Sparfuchs finden Sie in unserer Liste die günstigste Kasse in Ihrem Bundesland. Nutzen Sie ohnehin teure Leistungen wie Osteopathie oder Reiseimpfungen, die einige Kassen zusätzlich anbieten, können Sie mit der Wahl einer passenden Krankenkasse zusätzlich sparen. Überlegen Sie sich vor einem Wechsel, welche Zusatzleistungen Ihnen wichtig sind und vergleichen Sie die Angebote. 

Wir haben in unserem Krankenkassenvergleich im Januar 2020 die Zusatzleistungen verschiedener Kassen untersucht und ihr Angebot in den Bereichen Service, Familienleistungen, Vorsorge und alternative Heilmethoden bewertet. Am besten abgeschnitten haben IKK Classic und HEK.

IKK Classic
Bestes Ergebnis im Krankenkassenvergleich
  • erreichte 78 % in unserem Leistungsvergleich
  • starke Zusatzleistungen besonders bei Schwangerschaft, für Kinder und Sport
  • 15,6 % Beitrag
  • weniger stark bei zusätzlicher Krebsfrüherkennung
Nur beim Anbieter abschließbar
HEK
Zweiter Platz im Krankenkassenvergleich
  • erreichte 75 % in unserem Leistungsvergleich
  • starke Zusatzleistungen besonders bei Krebsfrüherkennung, Impfungen und für Kinder
  • 15,6 % Beitrag
  • weniger stark bei Schwangerschaftsvorsorge
Autor
Julia Rieder
& Co-Autor
Annika Krempel

Stand: 24. Januar 2020


* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.