Krankengeld für Selbstständige

Als Selbstständiger gut abgesichert bei Krankheit

Julia Rieder Stand: 02. Juni 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Als Selbstständiger haben Sie keinen gesetzlichen Anspruch auf Krankengeld, also einen Lohnersatz, wenn Sie länger krank sind.

  • Um einen ähnlichen Schutz wie Arbeitnehmer zu erhalten, müssen Sie sich extra absichern.

  • Das ist in der gesetzlichen Krankenversicherung möglich – wenn Sie mehr Beitrag zahlen. Alternativ können Sie auch eine private Krankentagegeld-Versicherung abschließen.

So gehen Sie vor
  • Um von Ihrer gesetzlichen Krankenkasse bei längerer Krankheit als Selbstständiger Krankengeld zu bekommen, geben Sie bei Ihrer Krankenkasse eine sogenannte Wahlerklärung ab. Sie bekommen dann ab dem 43. Tag der Krankschreibung Lohnausgleich. Dafür zahlen Sie 0,6 Prozentpunkte mehr Beitrag.
  • Eine Alternative für umfassendere Leistungen innerhalb der gesetzlichen Krankenkasse ist, einen Wahltarif abzuschließen. Passen die Angebote Ihrer Kasse nicht, denken Sie über einen Kassenwechsel nach. Wahltarife unterscheiden sich von Kasse zu Kasse deutlich.
  • Eine weitere Möglichkeit, um bei längerer Krankheit abgesichert zu sein, ist, eine private Krankentagegeld-Versicherung abzuschließen. Sie können dann individuell vereinbaren, ab wann und in welcher Höhe Sie Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit erhalten.

Wer als Selbstständiger länger krank ist, steht unter Umständen schnell vor einem existenzbedrohenden Problem. Denn anders als bei Angestellten gibt es keinen Arbeitgeber, der sechs Wochen lang das Gehalt weiterzahlt. Und Selbstständige haben auch per se keinen Anspruch auf Krankengeld von ihrer Krankenkasse.

Als Unternehmer müssen Sie sich extra gegen finanzielle Risiken absichern, die durch Krankheit entstehen können. Wie das genau funktioniert, hängt davon ab, ob Sie freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung oder Mitglied in der privaten Krankenversicherung sind.

Wann gibt es Krankengeld für Selbstständige in der GKV?

Als gesetzlich krankenversicherter Selbstständiger können Sie sich bei Ihrer Kasse einen Anspruch auf Krankengeld sichern. Sie erhalten dann bei längerer Krankheit bis zu 70 Prozent Ihres Arbeitseinkommens als Krankengeld. Um sich bei der gesetzlichen Krankenkasse für einen längeren Verdienstausfall abzusichern, gibt es zwei Möglichkeiten:

Gesetzlicher Krankengeldanspruch gegen höheren Beitrag

Sie zahlen für Ihre Krankenversicherung statt des ermäßigten Beitragssatzes von 14 Prozent den normalen Beitragssatz von derzeit 14,6 Prozent plus Zusatzbeitrag - also 0,6 Prozentpunkte mehr als ohne Krankengeldanspruch. Dafür erhalten Sie Krankengeld wie ein Arbeitnehmer ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit. Außerdem haben Sie Anspruch auf Mutterschaftsgeld vor und nach der Geburt.

Wie bei der Krankenversicherung wird auch der Beitragsaufschlag für das Krankengeld nur auf das Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze fällig. Sie zahlen also höchstens rund 28 Euro im Monat für das Krankengeld. Gleichzeitig ist die Höhe des gesetzlichen Krankengelds gedeckelt: auf 70 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze. Damit liegt das maximale Krankengeld im Jahr 2020 bei rund 109 Euro am Tag. Mehr bekommen Sie nicht, auch wenn Ihr reguläres Einkommen deutlich höher liegt.

Um sich den Anspruch auf Krankengeld zu sichern, müssen Sie bei Ihrer Kasse eine formlose, schriftliche Wahlerklärung einreichen. So könnte sie aussehen:

„Ich bin hauptberuflich Selbstständige/-r und möchte meine freiwillige Mitgliedschaft mit einem Anspruch auf gesetzliches Krankengeld ab dem 43. Tag einer Arbeitsunfähigkeit mit dem allgemeinen Beitragssatz erweitern. Über die Bedingungen der Leistungserweiterung bin ich informiert. Mir ist bekannt, dass ich drei Jahre ab Teilnahmebeginn an meine Wahl gebunden bin.
[Datum, Unterschrift]“

Wichtig: An die Entscheidung für das Krankengeld und damit den regulären Beitragssatz sind Sie drei Jahre gebunden – auch dann, wenn Sie die Krankenkasse zwischendurch wechseln. Sie können in dieser Zeit auch nicht in die private Krankenversicherung wechseln.

Zusätzlicher Wahltarif für das Krankengeld

Wenn für Sie der gesetzliche Krankengeldanspruch nicht ausreicht, gibt es eine Alternative: Sie können bei Ihrer Kasse einen Wahltarif abschließen, für den Sie zusätzlich Beitrag zahlen. Ab wann und in welcher Höhe Sie Geld bekommen, hängt davon ab, was Sie konkret mit Ihrer Kasse vereinbaren. Üblich sind Wahltarife, in denen die Kasse schon ab dem 15. oder dem 22. Tag der Erkrankung zahlt.

Es gibt zwei Varianten von Wahltarifen: Tarife, die das gesetzliche Krankengeld ergänzen und solche, die es ersetzen.

Einen sogenannten Ergänzungstarif können Sie nur abschließen, wenn Sie auch den Anspruch auf gesetzliches Krankengeld vereinbart haben. In der Regel sollen diese Tarife die Zeit bis zum 43. Krankheitstag überbrücken; ab dann gibt es das gesetzliche Krankengeld. Mit anderen Tarifen können Sie die Höhe des Krankengelds aufstocken, wenn Sie Gutverdiener sind und der gedeckelte gesetzliche Satz Ihnen deshalb nicht ausreicht. Für die Ergänzungstarife zahlen Sie eine Extra-Prämie zusätzlich zum regulären Krankenkassenbeitrag. Wie hoch die ist, hängt davon ab, wie viel Krankengeld Sie bekommen möchten und ab welchem Tag.

Alternativ bieten einige Kassen auch Wahltarife an, die das klassische Krankengeld komplett ersetzen. Sie können in solchen Tarifen einen früheren oder späteren Beginn der Krankengeldzahlung vereinbaren. Im Gegenzug zahlen Sie den ermäßigten Beitragssatz von derzeit 14 Prozent plus Zusatzbeitrag und den Extra-Beitrag für den Wahltarif. Wie teuer die Wahltarife sind, ist von Kasse zu Kasse verschieden.

Der Vorteil von Wahltarifen: Anders als private Krankenversicherungen dürfen die gesetzlichen Krankenkassen niemanden wegen einer Vorerkrankung ablehnen oder Beitragszuschläge des Alters wegen verlangen.

Der Nachteil: An jeden Wahltarif sind Sie für drei Jahre gebunden. Anders als bei der Entscheidung fürs gesetzliche Krankengeld können Sie während dieser Frist nicht in eine andere gesetzliche Krankenkasse wechseln. Zudem können sich die Wahltarife je nach Kasse deutlich in Preis und Leistungen unterscheiden. Jede Kasse kann selbst festlegen, wie viel Krankengeld sie pro Tag maximal versichert und welchen Beitrag sie dafür verlangt.

Deshalb sollten Sie sich den Abschluss genau überlegen und die Angebote verschiedener Kassen vergleichen. Hat Ihre Kasse keinen passenden Wahltarif, kann sich ein Wechsel lohnen. Sind Sie noch jung und gesund, kann eventuell eine private Krankentagegeld-Versicherung günstiger für Sie sein als ein Wahltarif. Mehr dazu lesen Sie im nächsten Abschnitt.

Wie funktioniert eine private Krankentagegeld-Versicherung?

Die Alternative zur gesetzlichen Versicherung mit Krankengeldanspruch oder mit Wahltarif ist eine private Krankentagegeld-Versicherung. Berechnen Sie Ihre laufenden monatlichen Ausgaben und teilen Sie das Ergebnis durch 30 Tage. So erhalten Sie den Betrag, den Sie als tägliches Krankentagegeld versichern sollten. Viele Selbstständige entscheiden sich für eine Zahlung ab dem 22. Krankheitstag, einige Anbieter leisten aber auch schon ab dem 8. Tag. Je früher und je mehr Krankentagegeld die Versicherung zahlt, desto teurer ist der Vertrag.

Der Nachteil der privaten Absicherung: Selbstständige können nicht sicher sein, dass sie eine private Krankentagegeld-Versicherung bekommen. Das hängt vom individuellen Gesundheitsrisiko ab, das sich aus Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen ergibt.

Mehr dazu im Ratgeber Krankentagegeld-Versicherung

  • Für Selbstständige und Gutverdiener ist ein Krankentagegeld bei langer Krankheit sinnvoll.
  • Von uns empfohlener Tarif: Barmenia Tarif T+

Zum Ratgeber 

Wie viel Krankengeld bekommen Selbstständige?

Das Krankengeld beträgt bei Selbstständigen 70 Prozent des regelmäßigen Arbeitseinkommens. Für die Berechnung orientiert sich die Kasse an dem Einkommen, aus dem sie vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit die Krankenkassenbeiträge berechnet hat. Nicht berücksichtigt werden Nebeneinnahmen wie Mieteinkünfte, Kapitalerträge oder Einkünfte aus beitragsfreien geringfügigen Beschäftigungen.

Die Krankenkasse rechnet mit dem tatsächlichen Arbeitseinkommen. Das bedeutet, je weniger Selbstständige verdienen, desto weniger Krankengeld bekommen sie. Hauptberuflich Selbstständige, die nichts verdienen oder Verlust machen, haben somit keinen Anspruch auf Krankengeld. Und es gibt eine Obergrenze für das Krankengeld. So wird bei der Berechnung das Einkommen höchstens bis zur Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung berücksichtigt. Damit beträgt das Krankengeld im Jahr 2020 höchstens 109,38 Euro täglich.

Seit Januar 2019 gibt es eine positive Neuerung: Auf Krankengeld und Mutterschaftsgeld müssen Selbstständige keine Mindestbeiträge zur Krankenversicherung mehr zahlen, wenn sie in dieser Zeit kein Arbeitseinkommen haben. Das regelt das GKV-Versichertenentlastungsgesetz.

Was müssen Selbstständige tun, wenn sie krank sind?

Sofern Sie die Wahlerklärung abgegeben haben und deshalb den regulären Beitragssatz zahlen, haben Sie Anspruch auf Krankengeld ab dem 43. Tag der Krankschreibung, wenn:

  • Sie arbeitsunfähig erkrankt und von einem Arzt bereits länger als sechs Wochen krankgeschrieben sind oder
  • Sie stationär in einer Klinik oder einer Reha-Einrichtung behandelt werden und bereits länger als sechs Wochen krankgeschrieben sind.

Für Krankschreibungen gibt es seit 2016 nur noch ein Formular. Der bisherige Auszahlschein zum Bezug von Krankengeld ist nicht mehr nötig. Er wurde in die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung integriert. Auf dem neuen Muster bescheinigt der Arzt auch eine Arbeitsunfähigkeit während der Krankengeldzahlung durch die Krankenkasse. Sie erhalten einen Durchschlag der Krankschreibung für Ihre Unterlagen und eine Ausfertigung, die Sie an die Krankenkasse weiterleiten müssen.

Wenn Ihre Krankheit länger andauert, achten Sie unbedingt darauf, dass Sie Ihr Arzt ohne Unterbrechung weiter krankschreibt.

Versenden Sie die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung als Einschreiben mit Rückschein. Das ist zwar etwas teurer als ein normaler Brief, Sie können damit aber belegen, dass Ihre Kasse das Dokument auch erhalten hat. Bei manchen Krankenkassen können Sie auch die eingescannte Krankschreibung in ihrer App oder auf einem Service-Portal hochladen. Das Krankengeld bekommen Sie ausgezahlt, sobald die Kasse die Unterlagen geprüft hat.

Erhalten Selbstständige auch Kinderkrankengeld?

Eine weitere Frage, die immer wieder aufkommt, ist: Haben Selbstständige Anspruch auf Kinderkrankengeld? Bekommen sie also einen finanziellen Ausgleich, wenn sie sich um ihr krankes Kind kümmern und deshalb nicht arbeiten können? Ja, aber erst ab dem 43. Krankheitstag des Nachwuchses – so urteilte das Bundessozialgericht (Urteil vom 31. Januar 1995, Az. 1 RK 1/94). Einige Krankenkassen zahlen Kinderkrankengeld für Selbstständige aber schon ab dem ersten Krankheitstag des Kindes. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach, wie sie das Thema Kinderkrankengeld für Selbstständige handhabt oder schauen Sie in die Satzung Ihrer Kasse.

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Autor
Julia Rieder

Stand: 02. Juni 2020


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