MSCI ACWI - ETFs auf den MSCI All Countries World Index

Weltweit ansparen mit Schwellenländern

Sara Zinnecker 11. März 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Wollen Sie langfristig Vermögen aufbauen, sollten Sie in weltweit ausgerichtete günstige Aktien-Indexfonds (ETFs) investieren.
  • Es gibt nicht nur den Weltaktienindex MSCI World. Alternativ können Sie auch in einen Index ansparen, der Aktien aus beispielsweise China, Korea und Mexiko mit geringem Gewicht berücksichtigt. Das kann Vorteile haben.
  • In den vergangenen fünf Jahren lagen jährliche Rendite und auch Schwankung beim MSCI All Countries World Index (ACWI) etwas niedriger als beim Standardindex MSCI World.
So gehen Sie vor
  • Bietet Ihre Depotbank für den Sparplan keinen geeigneten ETF auf den MSCI World an, dann können Sie ohne Bedenken auf ETFs ausweichen, die den MSCI ACWI abbilden.
  • Möchten Sie etwas stärker in Schwellenländer und weniger in die US-Wirtschaft investieren als beim MSCI World, sollten Sie ebenfalls zu ETFs auf den MSCI ACWI greifen.
  • Wir empfehlen Indexfonds der Anbieter SPDR (ISIN: IE00B44Z5B48), iShares (ISIN: IE00B6R52259), Lyxor (ISIN: LU1829220216) und Xtrackers (ISIN: IE00BGHQ0G80). Alle legen Dividenden automatisch wieder im Fondsvermögen an.

Viele Sparer möchten langfristig Vermögen aufbauen und sind auf der Suche nach einem Aktien-Indexfonds (ETF), der einen breit gestreuten Aktienindex kostengünstig nachbildet. Standardmäßig empfiehlt Finanztip ETFs auf den Weltaktienindex MSCI World. In bestimmten Fällen kann der sogenannte MSCI All Countries World Index, kurz MSCI ACWI, eine gute Alternative sein.

Was steckt im Aktienindex MSCI ACWI?

Der MSCI All Countries World Index (ACWI) ist noch weiter gefasst als die Finanztip-Standardempfehlung MSCI World. Statt gut 1.600 Einzelwerte aus den Industrieländern der Welt verteilt der MSCI ACWI die Risiken am Aktienmarkt auf knapp 3.000 Unternehmen. Der Index bündelt die nach Börsenwert größten Firmen aus 23 Industrie- und 26 Schwellenländern. Darunter befinden sich zum Beispiel China, Südkorea, Indien oder Brasilien.

Insgesamt tragen die Aktien aus Schwellenländern rund ein Zehntel zum Indexwert bei. Aktien von US-amerikanischen Unternehmen machen rund 58 Prozent des Indexwertes aus – beim MSCI World sind es gut 66 Prozent.

Die Tabelle zeigt die zehn Aktien mit dem größten Indexgewicht, neun davon haben ihren Sitz in den USA.

Die zehn gewichtigsten Unternehmen im MSCI ACWI

 SitzBörsenwert
in Mrd. €1
Indexgewicht
in %
Sektor
AppleUSA1.124,643,05IT
Microsoft Corp.USA1.069,842,90IT
Amazon.comUSA721,051,95Konsumgüter

Facebook A

USA421,531,14IT
Alphabet C2USA381,161,03IT
Alphabet A²USA365,190,99IT
JP Morgan Chase & Co.USA337,990,92Finanzen

Johnson & Johnson

USA323,110,88

Gesundheit

Visa AUSA285,760,77Finanzen
NestleCH276,680,75Lebensmittel

Quelle: MSCI (Stand: 28. Februar 2020)

Etwas weniger Rendite und weniger Schwankung

Zwischen 2015 und 2019 erzielte der MSCI ACWI im Durchschnitt gut 10,05 Prozent Rendite pro Jahr, etwas weniger als der MSCI World (10,53 Prozent). Aber auch die Kursausschläge nach unten und oben waren pro Jahr im Durchschnitt minimal geringer. Die Aktien aus Schwellenländern haben also in diesem Zeitraum nicht etwa zu mehr Schwankung geführt.

Das muss aber nicht immer so sein. Es ist grundsätzlich denkbar, dass die Entwicklung der Internet- und Technologiefirmen in Ländern wie Taiwan, Südkorea oder China und Schwankungen an den Rohstoffmärkten punktuell größere Kursgewinne – aber auch Kursverluste – verursachen können.  

So haben die weltweiten Indizes abgeschnitten (2015 bis 2019)

IndexRendite
in % p.a.

Schwankungsbreite2 

in % p.a.

aus 10.000 €
wurden, in €

klassisch: MSCI World110,3913,1716.390
klassisch: MSCI ACWI210,0513,016.140

1 Wir berechnen die durchschnittlichen Jahresrenditen und Schwankungsbreiten für den Fünf-Jahres-Anlagezeitraum 31. Dezember 2014 bis 31. Dezember 2019 anhand täglicher Kursdaten.
2 Die Schwankungsbreite bezeichnet die Abweichung vom Rendite-Mittelwert nach oben und unten. 
Quelle: MSCI, Finanztip-Berechnung (Stand: Februar 2020)

Wann ist der MSCI ACWI eine Alternative?

Mit Blick auf die Rendite hat der Standard-Weltaktienindex MSCI World in den vergangenen Jahren besser abgeschnitten als der MSCI ACWI. Dieses Plus an Rendite ging mit geringfügig höheren Kursschwankungen einher. Wenn Sie günstig in weltweite Aktien anlegen möchten, sind Sie mit den Finanztip ETF-Empfehlungen auf den MSCI World gut beraten.

Allerdings bieten nicht alle Depotbanken geeignete ETFs auf den MSCI World gebührenfrei oder für den Sparplan an. In diesem Fall müssen Sie nicht gleich das Depot wechseln, sondern können auf Aktien-Indexfonds ausweichen, die den MSCI ACWI nachbilden.

ETFs auf den MSCI ACWI sind außerdem dann einen Blick wert, wenn Sie Chancen in der wirtschaftlichen Dynamik von aufstrebenden Nationen wie China, Südkorea oder Taiwan sehen. Gleichzeitig senken Sie im Vergleich zum MSCI World das Gewicht von US-Aktien in Ihrer Anlage.

Welche ETFs auf den MSCI ACWI empfiehlt Finanztip?

Zum Zeitpunkt unserer Analyse im Februar 2020 konnten Anleger vier ETFs auf den MSCI ACWI an der Frankfurter Börse kaufen. Welche das sind und welche Charakteristika sie haben, sehen Sie in der untenstehenden Tabelle.  

Alle vier empfohlenen ETFs erfüllen unsere Finanztip-Kriterien:

  1. Die ETFs müssen an einer deutschen Börse zu kaufen sein. 
  2. Die ETFs haben eine ausreichen lange Historie bei der Wertentwicklung.
  3. Die ETFs lassen sich gut an der Börse kaufen und verkaufen – Anleger sind mit jeweils mehr als 100 Millionen Euro investiert.
  4. Die Anbieterseiten stehen Sparern auf Deutsch zur Verfügung.

Alle ETFs legen Dividendenzahlungen direkt im Fondsvermögen wieder an. Man sagt auch: Sie thesaurieren die Erträge. Das kommt vor allem Sparern zugute, die langfristig Vermögen aufbauen wollen, etwa im Rahmen eines Sparplans. Die Dividenden profitieren genauso von einer (positiven) Wertentwicklung des Index, Anleger genießen eine Art „Zinseszinseffekt“.  

Die Tabelle zeigt, wie gut die ETFs im Fünf-Jahres-Zeitraum 2015 bis 2019 im Vergleich zum Index abgeschnitten haben.

Gewinn der wiederanlegenden ETFs (2015 bis 2019)

Index/ETFArt der
Nachbildung
Kosten
(TER) p.a.
Wertentwicklung
p.a.

Gewinn,
Anlage 
10.000 €  

MSCI All Countries World Netto-Index  10,05 %6.140 €
SPDR (ISIN: IE00B44Z5B48)physisch0,4 %10,22 %6.265 €
iShares USD (ISIN: IE00B6R52259)physisch0,6 %9,87 %6.011 €
Lyxor (ISIN: LU1829220216)synthetisch0,45 %9,84 %

5.985 €

Xtrackers (ISIN: IE00BGHQ0G80)physisch0,4 %9,73 %5.909 €

Quelle: MSCI, ETF-Anbieter, Finanztip-Berechnungen (Stand: 5. März 2020)

In unserer Analyse hat der ETF der Marke SPDR (ISIN IE00B44Z5B48) wie im Vorjahr am besten abgeschnitten. Im Fünf-Jahres-Zeitraum von Anfang 2015 bis Ende 2019 hat er den Netto-Index in der Wertentwicklung sogar geschlagen. Die verbleibenden ETFs der Anbieter iShares, Lyxor und Xtrackers liegen noch hinreichend nah am Netto-Index. Dabei kauft SPDR mehr Indexaktien aus einer größeren Ländergruppe nach als etwa iShares (gut 2.300 statt gut 1.400 Aktien). 

Der Netto-Index gilt bei ETFs in der Regel als Maßstab; er bildet die Wertentwicklung der im Index enthaltenen Aktien inklusive Dividenden ab. Sogenannte Quellensteuern sind abgezogen. Diese Steuern werden direkt im jeweiligen Herkunftsland eines Unternehmens von den Gewinnausschüttungen einbehalten.

SPDR MSCI ACWI UCITS ETF
ISIN IE00B44Z5B48 / WKN A1JJTC
  • ETF auf den MSCI All Countries World Index
  • physische Nachbildung des Index
  • Fonds legt Dividenden wieder im Fondsvermögen an (thesauriert)
Nur beim Anbieter abschließbar
iShares MSCI ACWI UCITS ETF USD (Acc)
ISIN IE00B6R52259 / WKN A1JMDF
  • ETF auf den MSCI All Countries World Index
  • physische Nachbildung des Index
  • Fonds legt Dividenden wieder im Fondsvermögen an (thesauriert)
Lyxor MSCI AC World UCITS ETF
ISIN LU1829220216 / WKN LYX00C
  • ETF auf den MSCI All Countries World Index
  • synthetische Nachbildung des Index
  • Fonds legt Dividenden wieder im Fondsvermögen an (thesauriert)
MSCI AC World UCITS ETF 1C
ISIN IE00BGHQ0G80 / WKN A1W8SB
  • ETF auf den MSCI All Countries World Index
  • physische Nachbildung des Index
  • Fonds legt Dividenden wieder im Fondsvermögen an (thesauriert)
Nur beim Anbieter abschließbar

So haben wir untersucht

ETFs auf den MSCI ACWI 2020

Folgende Auswahlkriterien mussten die ETFs erfüllen, um in die Finanztip-Analyse im Februar 2020 aufgenommen zu werden:

  1. Die Fondsanteile mussten an einer deutschen Börse gehandelt werden. Andernfalls steigen die Nebenkosten beim Erwerb an.
  2. Wir haben nur ETFs berücksichtigt, die vor 2015 auf den Markt gekommen sind. Ohne eine entsprechende Historie ist eine Untersuchung der Wertentwicklung kaum aussagekräftig.
  3. Das Fondsvolumen musste wenigstens 100 Millionen Euro betragen. Zu kleine Fonds sind langfristig möglicherweise nicht rentabel. Sie laufen Gefahr, zusammengelegt oder geschlossen zu werden.
  4. Die gesetzlich vorgeschriebenen Anleger-Informationen mussten auf einer deutschsprachigen Website abrufbar sein.

Wir haben im Zeitraum vom 31. Dezember 2014 bis 31. Dezember 2019 die Wertentwicklung der vier ETFs berechnet, die alle unsere Kriterien erfüllten (siehe Tabelle unten). Dazu haben wir die von den Fondsgesellschaften ausgewiesenen Netto-Inventarwerte (englisch: Net Asset Value, NAV) herangezogen.

Der NAV ist die Summe aller Vermögenswerte abzüglich der Verbindlichkeiten geteilt durch die Anzahl der ausgegebenen Fondsanteile. Er wird auf Basis der Schlusskurse der im Fonds enthaltenen Wertpapiere berechnet. Die Verwaltungskosten (Total Expense Ratio, TER) sind im NAV bereits enthalten.

Die Fonds weisen den NAV in US-Dollar aus. Wir haben die Werte in Euro umgerechnet. Dazu verwendeten wir die von der Bundesbank veröffentlichten Schlusskurse auf Tagesbasis.

Folgende ETFs bildeten die Grundgesamtheit der Untersuchung. Sie sind an der Börse Frankfurt gelistet. Wir haben sie nach investiertem Vermögen geordnet.

ETFs auf den MSCI All Countries World

ETF-Anbieter
(Identifiaktionsnummer)

Bauart und

Ertragsverwendung

Auflage

verwaltetes

Vermögen

in Mio. €

SPDR 
(ISIN: IE00B44Z5B48)
physisch-thesaurierend13.05.20111.400

iShares USD

(ISIN: IE00B6R52259)

physisch-thesaurierend21.11.2011924

Lyxor

(ISIN: LU1829220216)

synthetisch-thesaurierend05.09.2011430

Xtrackers 

(ISIN: IE00BGHQ0G80)

physisch-thesaurierend10.02.2014334

Quelle: MSCI, ETF-Anbieter, Finanztip-Berechnungen (Stand: 28. Februar 2020)

Sonderfall Vanguard

Seit Herbst 2018 bietet der US-Vermögensverwalter Vanguard seine ETFs auch auf dem europäischen Markt an. Nach Blackrock ist Vanguard der zweitgrößte Vermögensverwalter der Welt, Unternehmensgründer Jack Bogle gilt als der Erfinder der ETFs. Das Unternehmen ist nicht börsennotiert, sondern genossenschaftlich organisiert: Eigentümer des Unternehmens sind die US-Fonds, die wiederum in der Hand vieler Anleger liegen. Für viele Investoren ist das ein Grund, in Vanguard-Fonds anzulegen.

In Deutschland lassen sich zwei weltweit ausgerichtete ETFs von Vanguard kaufen: einer bildet dabei die größten Aktien der industrialisierten Welt ab (ISIN: IE00BKX55T58), der andere investiert auch in Schwellenländer (ISIN: IE00B3RBWM25). Vanguard nutzt dabei allerdings nicht Indexdaten von MSCI als Referenz für die Wertentwicklung der ETFs, sondern die des britischen Indexanbieters FTSE Russell. Da die Indexdaten von FTSE Russell für Finanztip nicht zugänglich waren, konnten wir die ETFs nicht entsprechend unserer Kriterien analysieren – und können sie demnach nicht empfehlen. 

Im Vergleich zum MSCI ACWI hat der Vanguard All-World ETF (ISIN: IE00B3RBWM25) etwa gleich gut abgeschnitten. Zwischen 2015 und 2019 hat er pro Jahr im Durchschnitt 10,1 Prozent an Wert gewonnen. Im ETF stecken etwa 3.350 Aktien aus insgesamt 50 Ländern, darunter Brasilien, Mexiko, Taiwan und China. Der ETF kauft einen Großteil der knapp 4.000 Indexaktien nach und schüttet Dividenden aus. 

Interessieren Sie sich für den Vanguard ETF, der die größten Firmen der Industriestaaten der Welt abbildet, lesen Sie weiter im Ratgeber zu ETFs auf den MSCI World.

Mehr dazu im Ratgeber Wertpapierdepot

  • Mit dem richtigen Wertpapierdepot zahlst Du wenig fürs Kaufen und Verkaufen von Aktienfonds (ETFs).
  • Finanztip-Empfehlungen: Als Kombiangebot aus Depot, Girokonto und Kreditkarte haben am besten abgeschnitten: DKB, Comdirect und Consorsbank. Die günstigsten Anbieter sind: Smartbroker, Onvista-Bank und Trade Republic.

Zum Ratgeber

Autor
Sara Zinnecker

11. März 2020


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