Umtauschrecht Onlinehandel

Welche Rechte Du als Käufer hast

Dr. Britta Beate Schön
Finanztip-Expertin für Recht
08. April 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Beim Online-Shopping kannst Du jeden Einkauf innerhalb von 14 Tagen widerrufen.
  • Die Frist läuft, sobald Du die Ware bekommen hast. Fällt der letzte Tag der Frist auf einen Feiertag oder aufs Wochenende, dann endet die Frist erst am nächsten Werktag.
  • Ist die Ware mangelhaft, musst Du erst Reparatur oder Umtausch verlangen. Behebt der Verkäufer den Mangel nicht, kannst Du vom Vertrag zurücktreten und Dein Geld zurückverlangen.
So gehst Du vor
  • Sieh am besten schon vor der Bestellung in den Allgemeinen Verkaufsbedingungen (AGB) nach, ob der Verkäufer die Kosten der Rücksendung übernimmt.
  • Gefällt Dir der Online-Kauf nicht, widerrufe den Vertrag innerhalb von 14 Tagen. Die Ware musst Du dann in den nächsten 14 Tagen zurückschicken.

Online-Versandhändler werben besonders gern mit Rabatten und Schnäppchen-Preisen. Doch nicht immer entspricht die zugesandte Ware dem, was Du Dir vorgestellt hast. Deshalb solltest Du Deine Rechte und die wichtigsten Fristen kennen.

Welche Rechte hast Du beim Onlinekauf?

Bei jedem Kauf von Neuwaren über das Internet steht Dir ein Widerrufsrecht zu, denn es handelt sich um ein sogenanntes Fernabsatzgeschäft. Das heißt: Du kannst die Bestellung innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen rückgängig machen (§§ 312g Abs. 1, 355 Abs. 1 BGB).

Widerrufserklärung

Du musst eindeutig erklären, dass Du widerrufen willst. Es reicht nicht aus, die Ware kommentarlos innerhalb von 14 Tagen zurückzuschicken. Einen Grund für die Retoure musst Du nicht angeben. Du kannst den Vertrag auch rückgängig machen, wenn Du bei einem anderen Anbieter ein günstigeres Angebot gesehen hast (BGH, Urteil vom 16. März 2016, Az. VIII ZR 146/15).

Eine Widerrufserklärung kann so lauten:

„Hiermit widerrufe ich den Kauf der am [Datum] bestellten Ware [Kaufgegenstand].“

Dann musst Du noch Deine Adressdaten angeben. Die Widerrufserklärung kannst Du auch der Ware beilegen, die Du zurückschickst. Es gibt dazu vom Gesetzgeber ein Musterformular. Auf dieses Formular müssen die Onlineshops vor der Bestellung hinweisen. Wenn Du den Widerruf ins Paket legst, solltest Du ihn zusätzlich per E-Mail erklären und den Händler um eine Eingangsbestätigung bitten. Dann geht sicher nichts schief.

Widerrufsfrist

Du hast 14 Tage Zeit, den Kauf rückgängig zu machen. Die Frist beginnt, sobald Du die Ware bekommen hast (§ 356 Abs. 2 Nr. 1a BGB). Hast Du nur einen Hinweis durch den Paketboten erhalten, dass Du das Paket am nächsten Tag abholen kannst oder es beim Nachbarn abgegeben worden ist, läuft die Frist noch nicht.

Wurdest Du bei der Bestellung nicht oder nicht richtig über Dein Recht zum Widerruf informiert, hast Du zwölf Monate und 14 Tage Zeit, um den Kauf rückgängig zu machen – gerechnet wieder ab Erhalt der Ware (§ 356 Abs. 3 BGB). Das Widerrufsrecht steht Dir also nicht ewig zu.

Rücksendung

Du musst die Ware innerhalb von zwei Wochen nach Erklärung des Widerrufs zurücksenden. Stichtag ist das Datum, an dem Du das Paket zur Post gebracht hast. Wenn Du die Ware schon per Kreditkarte oder Paypal bezahlt hast, darfst Du nicht abwarten, bis Dir das Geld zurücküberwiesen wurde. Der Händler darf nämlich so lange die Rückzahlung verweigern, bis Du nachgewiesen hast, dass Du die Ware abgeschickt hast (§ 357 Abs. 4 BGB). Einen Gutschein musst Du nicht akzeptieren.

Rücksendekosten

Du hast als Verbraucher unabhängig vom Wert der Ware die Rücksendekosten zu tragen. Es sei denn, der Händler hat sich bereit erklärt, das zu übernehmen (§ 357 Abs. 6 BGB). Viele Anbieter bieten diesen Service an. Informiere Dich aber dennoch vor einer Bestellung über die Rücksendekosten, die in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Onlineshops genannt sind. Dann vermeidest Du unnötiges Porto.

Welche Rechte hast Du beim Einkauf im Geschäft?

Kaufst Du nicht online, sondern im Geschäft ein, steht Dir kein Widerrufsrecht zu. Denn Du hast vor dem Kauf im Laden die Gelegenheit, die Ware genau anzuschauen. Das ist bei einem Kauf im Fernabsatz anders – da siehst Du als Käufer die Produkte nur im Katalog oder auf der Website des Verkäufers.

Beim Einkauf im Geschäft, steht Dir auch kein Umtauschrecht zu. Du bist dann auf die Kulanz des Händlers angewiesen. Als Online-Käufer hast Du also mehr Rechte.

Click & Collect während der Corona-Maßnahmen

Online bestellen und im Geschäft abholen – das ist das Angebot von vielen Einzelhändlern, die ihr Geschäft in der Corona-Zeit schließen mussten. Erlaubt ist das mittlerweile in den meisten Bundesländern, wenn der Laden ein Hygienekonzept hat.

Rechtlich stehen solche Verträge zwischen einem Einkauf im Geschäft und dem reinen Online-Shopping; es sind dann keine Fernabsatzgeschäfte, wenn der Händler keinen Versand anbietet und der Kauf erst bei der Übergabe der Ware zustande kommt. Das gilt beispielsweise für Kunden, die ihre Artikel online nur reservieren.

Das bedeutet: Du kannst Deinen selbst abgeholten Einkauf nicht widerrufen, es sei denn der Laden hat Dir ausdrücklich ein Widerrufsrecht eingeräumt. Das bieten einige Onlineshops als Option an. Dann kannst Du den Kauf per Click & Collect über das Kundenkonto oder die Website rückgängig machen.

Willst Du Deinen lokalen Händler unterstützen, dann erkundige Dich, ob er Dir bei Click & Collect ein Umtauschrecht einräumt. Das wäre nur fair, denn richtig anfassen und ausprobieren kannst Du Deinen Einkauf bei der Abholung nicht. Anders sieht es bei Angeboten über Click & Meet aus. Da vereinbarst Du einen Termin, an dem Du in das Geschäft kannst, um vor allem vorher reservierte Kleidung anzuprobieren. Ein Widerrufsrecht steht Dir bei solchen Verträgen nicht zu.

Welche Rechte hast Du bei mangelhafter Ware?

Stellst Du fest, dass die zugesendete Ware defekt oder für Deine Zwecke nicht geeignet ist, kannst Du einen Widerruf erklären oder eine sogenannte Mängelrüge erheben. Letzteres ist sinnvoll, wenn Du grundsätzlich an dem Kauf festhalten willst oder aber die Widerrufsfrist bereits abgelaufen ist. Dazu wendest Du Dich an den Verkäufer. Er – und nicht etwa der Hersteller – ist dafür verantwortlich, dass die Ware keine Mängel aufweist.

Sollte Dir das erworbene Stück nach 14 Tagen schlicht nicht mehr gefallen, liegt kein Sachmangel vor. Du kannst den Kauf dann nicht mehr rückgängig machen.

Nacherfüllung

Wenn die Ware mangelhaft bei Dir angekommen ist, hast Du vorrangig ein Recht auf sogenannte Nacherfüllung (§§ 437, 439 BGB). Das bedeutet, dass Du wahlweise Reparatur oder eine mängelfreie Ersatzware verlangen kannst. Kaufst Du zum Beispiel einen neuen DVD-Player und musst beim ersten Film feststellen, dass der Laser-Abtaster nicht funktioniert, kannst Du auf Umtausch oder Reparatur bestehen. Informiere den Verkäufer darüber und setze ihm eine Frist von etwa zwei Wochen.

Die Nacherfüllung findet allerdings dort ihre Grenze, wo sie mit unverhältnismäßig hohen Kosten verbunden ist (§ 439 Abs. 4 BGB). Bei teurer Ware wird der Händler meist darauf bestehen, sie zu reparieren. Mehr als zwei Versuche hat er für die Reparatur aber üblicherweise nicht.

Minderung

Kann der Händler den Mangel nicht beheben oder Dir keinen funktionierenden Ersatz schicken, kannst Du den Kaufpreis mindern (§§ 437, 441 BGB). Allerdings sagt das Gesetz nicht, wie hoch diese Minderung sein darf. Verlange einfach einen Teil des Preises zurück, den Du für angemessen hältst.

Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, kannst Du hartnäckig bleiben – er hat schließlich für den Mangel einzustehen. Um unnötige Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden, solltest Du aber versuchen, eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Rücktritt

Falls der Verkäufer nicht erfolgreich nachgebessert hat, kannst Du vom Vertrag zurücktreten (§§ 437 Nr. 2 BGB). Dazu schreibst Du dem Händler, dass Du wegen des Mangels vom Vertrag zurücktreten willst und forderst den Kaufpreis zurück. Gleichzeitig schickst Du die beschädigte Ware wieder zurück.

Schadensersatz

Um Schadensersatz einfordern zu können, musst Du eine angemessene Frist zur Nachbesserung gesetzt haben. Wenn sich der Verkäufer innerhalb dieser Zeitspanne nicht rührt, kannst Du auf Schadensersatz pochen (§ 437 Nr. 3 BGB). Dazu muss Dir aber ein Schaden entstanden sein. Haften muss der Verkäufer zum Beispiel für den Differenzbetrag, den Du eventuell bezahlt hast, weil Du die Ware bei einem Konkurrenten nachgekauft hast und diese dort teurer war.

Sind Dir Transportkosten entstanden, kannst Du diese ebenfalls einfordern. Ersetzt werden müssen auch Schäden, die durch den Mangel an anderen Sachen oder Personen entstanden sind. Wenn Du zum Beispiel eine nicht einwandfrei funktionierende Waschmaschine bekommen hast, kannst Du auch verlangen, dass man Dir die zerstörte Kleidung ersetzt.

Gewährleistungsfrist

Es gibt keine spezielle Frist zur Anzeige des Mangels. Das sollte aber unverzüglich passieren, nachdem Du den Mangel bemerkt hast. Die Gewährleistungsrechte aus dem Kaufvertrag verjähren grundsätzlich nach zwei Jahren (§ 438 Abs. 1 Nr. 3 BGB). Das gilt auch für gebrauchte Waren (EuGH, Urteil vom 13. Juli 2017, Az. C 133/16).

Die Haftungsdauer für gebrauchte Sachen hingegen kann auf ein Jahr beschränkt sein. Durch eine Garantie kann der Verkäufer längere Gewährleistungsfristen einräumen.

Beweislast

Entsteht Streit darüber, ob die Sache von Anfang an einen Mangel hatte oder ob Du die Ware durch unsachgemäße Benutzung beschädigt hast, ist entscheidend, wer was beweisen muss.

Du kannst Gewährleistungsrechte nur dann geltend machen, wenn die Ware bereits zum Zeitpunkt der Übergabe mangelhaft war. Während der ersten sechs Monate seit dem Kauf wird zugunsten des Käufers davon ausgegangen (§ 476 BGB). Als Käufer musst Du also weder darlegen, welche Ursache der Mangel hat, noch dass er in den Verantwortungsbereich des Verkäufers fällt (BGH, Urteil vom 12. Oktober 2016, Az. VIII ZR 103/15).

Ist der Verkäufer der Ansicht, dass der Mangel erst später entstanden ist, muss er das nachweisen. Er muss dann beweisen, dass Du den Gegenstand zum Beispiel falsch benutzt hast. In dem Zeitraum zwischen der Sechs-Monats-Frist und der zweijährigen Gewährleistung musst Du den Nachweis erbringen.

Was gilt bei einem Kauf von privat?

Wenn Du etwas Gebrauchtes von einer Privatperson erwirbst, bist Du in einer rechtlich schlechteren Position als beim Kauf bei einem Händler. Hast Du zum Beispiel bei Ebay etwas von privat ersteigert, kann der Verkäufer die Gewährleistungsrechte ausschließen. Das gilt selbst dann, wenn der Kauf sehr teuer war – etwa bei einem gebrauchten Auto.

Anders ist es beim Kauf des Gebrauchtwagens bei einem gewerblichen Gebrauchtfahrzeug-Händler. Der Unternehmer kann die Gewährleistung lediglich von zwei Jahre auf ein Jahr vertraglich verkürzen, aber Deine Gewährleistungsrechte nicht gänzlich ausschließen.

Aber: Was in der Artikelbeschreibung steht, muss stimmen. Sonst haftet der Verkäufer auch, wenn er die Gewährleistung ausgeschlossen hat. Ein solcher Ausschluss bezieht sich nämlich nicht auf die sogenannte Beschaffenheitsvereinbarung, entschied der Bundesgerichtshof (Urteil vom 29. November 2006, Az. VIII ZR 92/06).

Stimmen die Angaben in der Beschreibung nicht, bekommst Du als Käufer Dein Geld zurück. Vorausgesetzt, es gelingt dem Verkäufer nicht, die Ware noch zu reparieren (BGH, Urteil vom 19. Dezember 2012, Az. VIII ZR 96/12).

Was bringt eine Garantie beim Kauf?

Grundsätzlich musst Du zwischen Gewährleistungsrechten und einer Garantie unterscheiden. Gewährleistungsrechte sind gesetzlich geregelt. Eine Garantie ist hingegen eine freiwillige vertragliche Zusage des Verkäufers. Sie ergänzt damit die Gewährleistungsrechte. Hat Dir der Händler eine Garantie gegeben, so haftet er dafür, dass die gekaufte Sache auch funktioniert. Auch für verschleißbedingte Mängel, die nach den gesetzlichen Gewährleistungsregeln keine Käuferansprüche begründen, muss Dein Verkäufer dann möglicherweise einstehen.

Du hast ein Wahlrecht, ob Du auf Grundlage der Garantie vorgehen willst oder aber nach den gesetzlichen Gewährleistungsregeln. Oft sehen die Garantien von Händlern und Herstellern nur vor, dass der Kunde die Beseitigung eines Mangels verlangen, nicht jedoch vom Vertrag zurücktreten kann. Schlagen aber die Garantiereparaturen durch den Händler fehl, kann der Käufer dennoch vom Vertrag zurücktreten – und zwar aufgrund seiner gesetzlichen Gewährleistungsrechte.

Darauf muss der Verkäufer in den Garantiebedingungen hinweisen. Dort muss auch angegeben werden, über welche Dauer und in welchem räumlichen Geltungsbereich die Garantie Schutz bietet. Auch dürfen Name und Anschrift des Garantiegebers nicht fehlen. Du kannst auch verlangen, dass Dir die Garantieerklärung schriftlich oder auf einem anderen dauerhaften Datenträger ausgehändigt wird. Durch eine Herstellergarantie erhältst Du einen zusätzlichen Ansprechpartner, an den Du Dich im Fall von Mängeln halten kannst.

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