Arbeitslos und krank

Arbeitslose müssen sich bei der Arbeitsagentur krankmelden

Dr. Britta Beate Schön 17. Januar 2017
Das Wichtigste in Kürze
  • Wer arbeitslos ist und krank wird, muss sich sofort bei der Agentur für Arbeit melden.
  • Bist Du länger krank, musst Du spätestens nach drei Tagen eine Krankschreibung bei der Agentur für Arbeit einreichen.
  • Während Du krank bist, bekommst Du bis zu sechs Wochen weiter Ar­beits­lo­sen­geld.
  • Nach dieser sogenannten Leistungsfortzahlung hast Du in der Regel Anspruch auf Krankengeld. Für maximal 78 Wochen kommt dafür die gesetzliche Kran­ken­kas­se auf, solange Du weiter arbeitsunfähig erkrankt bist.
  • Du bekommst als Krankengeld den gleichen Betrag, den vorher die Agentur für Arbeit als Ar­beits­lo­sen­geld gezahlt hat.

Kurzfristig Arbeitsunfähige – so nennt die Agentur für Arbeit in schönstem Behördendeutsch Menschen, die Ar­beits­lo­sen­geld I (ALG I) bekommen und krank werden. Sie gelten nicht mehr als arbeitslos, weil sie während der Krankschreibung dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen. Wer krank ist, bekommt eine Leistungsfortzahlung, ähnlich einem erkrankten Arbeitnehmer, der eine sogenannte Entgeltfortzahlung erhält. Das Ar­beits­lo­sen­geld wird für höchstens sechs Wochen weiter gezahlt. Danach gibt es Krankengeld.

Unbedingt bei der Arbeitsagentur melden

Wirst Du während der Arbeitslosigkeit krank, musst Du Dich sofort bei der Agentur für Arbeit melden und mitteilen, wie lange Du wohl krank sein wirst (§ 311 SGB III). Falls Du länger ausfällst, musst Du spätestens am dritten Tag nach Deiner Erkrankung eine ärztliche Bescheinigung vorlegen, in der der behandelnde Arzt auch die voraussichtliche Dauer der Krankheit vermerkt hat. Schicke das Attest an Deinen Sachbearbeiter. Die Agentur für Arbeit kann eine ärztliche Krankschreibung auch vor Ablauf der Drei-Tage-Frist verlangen (§ 311 Satz 2 SGB III).

Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als in der ersten Krankschreibung angegeben, musst Du erneut zum Arzt, Dir ein neues Attest geben lassen und es wieder bei der Agentur für Arbeit vorlegen (§ 311 Satz 3 SGB III). Das Ar­beits­lo­sen­geld erhältst Du für bis zu sechs Wochen in voller Höhe weiter gezahlt (§ 146 Abs. 1 SGB III).

Voraussetzung ist, dass die Arbeitsunfähigkeit während des rechtmäßigen Leistungsbezuges eingetreten ist. Eine Leistungsfortzahlung erfolgt demnach nicht, wenn

  • Du schon vor Beginn der Arbeitslosigkeit krank warst oder
  • Du in einer Zeit krank wirst, in der Dein Anspruch auf Leistung ruht, wie etwa bei einer Sperrzeit.

Der Anspruch auf Ar­beits­lo­sen­geld verlängert sich nicht um den Zeitraum, in dem Du krankgeschrieben warst. Weitere Informationen zur Dauer des Bezugs von Ar­beits­lo­sen­geld findest Du in unserem Artikel „Wie lange kann ich Ar­beits­lo­sen­geld beziehen?“. 

Wenn Du länger als sechs Wochen krank bist

Bist Du während der Arbeitslosigkeit länger als sechs Wochen krank oder auf Kos­ten der Kran­ken­kas­se sta­ti­onär in ei­nem Kran­ken­haus, ei­ner Vor­sor­ge- oder einer Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­ein­rich­tung, dann erhältst Du nach den sechs Wochen in der Regel Krankengeld. Es wird für maximal 78 Wochen von Deiner Kran­ken­kas­se gezahlt. Dazu musst Du aber in einer gesetzlichen Kran­ken­kas­se versichert sein.

Du erhältst als Krankengeld aber nur den Betrag, den Du zuletzt als Ar­beits­lo­sen­geld bekommen hast (§ 47b SGB V). Das Arbeitsamt informiert die Kran­ken­kas­se. In dieser Zeit ruht der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld (§ 156 Abs. 1 Nr. 2 SGB III, damit ist der Leistungsbezug beim Arbeitsamt zunächst einmal beendet. Nach Ab­lauf des Kran­ken­geld­be­zugs kannst Du wieder Ar­beits­lo­sen­geld für die Rest­dau­er beziehen. Die Tage mit Krankengeld verlängern also genau genommen nicht die Zeit, in der Du Ar­beits­lo­sen­geld beziehen kannst, sie mindern den Anspruch aber auch nicht - anders als bei der Leistungsfortzahlung.

Nach dem Ende des Bezugs von Krankengeld musst Du Dich für die Weiterzahlung von Ar­beits­lo­sen­geld erneut persönlich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos melden. Den erneuten Antrag auf Ar­beits­lo­sen­geld solltest Du spätestens am ersten Tag nach dem Krankengeldbezug stellen, also direkt nach Ende der Arbeitsunfähigkeit.

Leistungsfortzahlung, wenn ein Kind krank ist

Musst Du Dich um Dein krankes Kind kümmern, kannst Du ebenfalls eine Leistungsfortzahlung bekommen, obwohl Du dem Arbeitsmarkt in dieser Zeit nicht zur Verfügung stehst (§ 146 Abs. 2 SGB III). Du wirst dadurch so geschützt wie Arbeitnehmer, die einen Anspruch auf Kinderkrankengeld haben. Der Staat zahlt das Ar­beits­lo­sen­geld in jedem Kalenderjahr weiter, und zwar bis zu zehn Tage für jedes Kind, sofern keine andere Person im Haushalt die Betreuung übernehmen kann und das Kind nicht älter als zwölf Jahre alt ist oder behindert und auf Hilfe angewiesen. Es gibt aber eine Grenze: Mehr als 25 Tage im Jahr kannst Du keine Leistungsfortzahlung bekommen.

Alleinerziehende dürfen bei jedem erkrankten Kind, das sie betreuen müssen, bis zu 20 Tage der Agentur für Arbeit nicht zur Verfügung stehen, bei mehreren Kindern insgesamt aber nicht mehr als 50 Tage im Jahr.

Vom Krankenstand in die Arbeitslosigkeit

Wenn Du während des laufenden Beschäftigungsverhältnisses krank wirst, muss Dein Arbeitgeber zunächst das Gehalt oder den Lohn weiterzahlen. Endet das Beschäftigungsverhältnis während der Entgeltfortzahlung und Du bist immer noch krank, dann solltest Du bei Deiner Kran­ken­kas­se einen Antrag auf Krankengeld stellen. Denn gesetzlich Krankenversicherte haben statt eines Anspruchs auf Ar­beits­lo­sen­geld in der Regel einen Anspruch auf Krankengeld. Der Grund: Der Anspruch auf Krankengeld entsteht schon mit dem Beginn der Krankheit (§§ 44 Abs. 1 Satz 1, 46 SGB V). Er ruht nur, während der Arbeitgeber Lohn oder Gehalt weiterzahlt.

Gleiches gilt, falls Du schon Krankengeld bezogen hast, dann arbeitslos wirst und weiterhin arbeitsunfähig erkrankt bist. Du bekommst über das Ende des Arbeitsverhältnisses hinaus Krankengeld, da Du weiterhin Mitglied in der Kran­ken­kas­se bleibst (§ 192 Abs. 1 Nr. 2 SGB V).

Arbeitslos melden solltest Du Dich trotzdem, auch wenn Du kein Ar­beits­lo­sen­geld bekommst, sondern Krankengeld. Weise jedoch darauf hin, dass Du Ar­beits­lo­sen­geld erst dann beantragen wirst, wenn die Voraussetzungen dafür vorliegen, Du also wieder gesund bist und eine neue Tätigkeit aufnehmen kannst.

Mehr dazu im Ratgeber Rechts­schutz­ver­si­che­rung

  • Guten Rechtsschutz bekommst Du schon für unter 300 Euro im Jahr.
  • Von uns empfohlene Tarife: Arag Aktiv Komfort, Auxilia Jurprivat, WGV Optimal

Zum Ratgeber

* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.