Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung

Diese Versicherung brauchst Du im Ausland

Max Mergenbaum
Experte für Reise
25. Mai 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn Du ins Ausland reist, brauchst Du eine Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung. Sonst musst Du im Krankheitsfall mindestens einen Teil Deiner Behandlungskosten selbst zahlen. 
  • Eine gute Auslandsreise-Krankenversicherung für kurze Urlaubsreisen kostet zwischen 10 und 20 Euro im Jahr.
  • Bist Du länger als acht Wochen im Ausland, brauchst Du einen speziellen Vertrag für Langzeitreisen. 
  • Stell sicher, dass die Versicherung auch leistet, wenn im Zielland eine Reisewarnung wegen der Corona-Pandemie besteht oder Du an Covid-19 erkranken solltest.
So gehst Du vor
  • Überprüfe, ob Du bereits eine Rei­se­kran­ken­ver­si­che­rung hast, etwa über die Kreditkarte oder den Autoclub. Häufig ist dieser Schutz aber lückenhaft.
  • Für Urlaubsreisen von einigen Wochen empfehlen wir Einzelpersonen und Familien das Angebot der DKV (Reise Med Tarif RD) (abschließbar über die Website der Ergo), für Senioren oder Reisen bis zu 70 Tagen die Debeka (Tarif AR).
  • Für weltweite Langzeitreisen bis zu einem Jahr empfehlen wir die Huk24 (Tarif RIL 16), für jüngere Leute und Reisen bis 90 Tage die Allianz (Lange Gesunde Reisen).
  • Die Envivas (Travel XLO) eignet sich für kurze und lange Reisen außerhalb der USA und Kanada, wenn Du bei der Techniker Kran­ken­kas­se versichert bist. 

Eine Lebensmittelvergiftung durch das Essen oder ein umgeknickter Fuß während der Wanderung können jeden Urlaub vermiesen. Damit Du nicht auf den Kosten für den Arztbesuch sitzenbleibst, ist eine Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung für jeden Urlaub außerhalb Deutschlands ein Muss. Ein Arzt- oder Klinikbesuch kann das Urlaubsbudget sonst schnell sprengen: Ein einziger Krankenhaustag in den USA etwa kostet mehrere Tausend Euro, ein medizinischer Rücktransport aus Griechenland etwa 18.000 Euro.

Einen guten Vertrag für Singles gibt es für weniger als 10 Euro im Jahr. Die Versicherung lässt sich online in fünf Minuten abschließen.

Warum brauchst Du eine Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung?

Sommerurlaub auf Mallorca, Work and Travel in Australien oder eine Karibik-Kreuzfahrt – falls Du auf solchen Reisen mal erkrankst, solltest Du eine Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung haben. Welchen Ver­si­che­rungs­schutz Du in diesen Fällen bereits hast, hängt davon ab, wie Du in Deutschland versichert bist.

So viel zahlt die Kasse, wenn Du gesetzlich krankenversichert bist

Innerhalb der Europäischen Union, in Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz sowie in Ländern, mit denen Deutschland ein So­zi­al­ver­si­che­rungs­ab­kom­men hat, zahlt die gesetzliche Kran­ken­kas­se einen Teil der Arzt- und Krankheitskosten.

Allerdings ist der Schutz insgesamt löchrig: Du bekommst nur das erstattet, was die Bürger im Urlaubsland von der dortigen Kran­ken­ver­si­che­rung bekommen. In vielen Ländern ist diese Versorgung aber dürftig, und die Ärzte bieten von sich aus Privatbehandlungen gegen zusätzliche Zahlungen an. Dabei gilt: Für privatärztliche Rechnungen im Ausland zahlt die gesetzliche Kran­ken­kas­se in Deutschland nicht. Dies gilt sowohl für den Arztbesuch, als auch den Aufenthalt im Krankenhaus oder für Medikamente. 

Auf diesen Kosten bleibst Du sitzen, wenn Du Dich nicht zusätzlich versicherst. Den im Urlaubsland üblichen Eigenanteil der gesetzlichen Behandlung musst Du ebenfalls selbst tragen. Um Deine Kosten erstattet zu bekommen, musst Du Dich außerdem bei einem Arzt behandeln lassen, der über das staatliche Gesundheitssystem abrechnen kann.
 
Ein weiterer Punkt kann Dich ebenfalls Geld kosten: Von dem Erstattungsbetrag, den Du vielleicht im Urlaubsland ausgelegt hast, zieht die Kran­ken­kas­se in Deutschland in einigen Fällen noch einen Betrag ab, beispielsweise für erhöhte Verwaltungskosten.

Unter dem Strich übernimmt die deutsche Kran­ken­kas­se also oft nur einen Bruchteil der tatsächlichen Kosten.

Eine Rei­se­kran­ken­ver­si­che­rung ist deshalb auch innerhalb Europas ein absolutes Muss. Für Behandlungen in einem Land ohne Abkommen mit Deutschland zahlt Deine Kasse ohnehin nichts.

Ein Beispiel: Ein Finanztip-Leser schilderte uns im vergangenen Jahr, dass er nach einem Herzinfarkt im Türkei-Urlaub in einem dortigen Krankenhaus behandelt und operiert werden musste. Von den 16.000 Euro Behandlungskosten erstattete die Kran­ken­kas­se seinen Angaben zufolge nur rund 300 Euro. Auf dem Rest der Kosten blieb er sitzen, denn er hatte keine Auslandsreise-Krankenversicherung.

Noch teurer kann es werden, wenn Du wegen einer Krankheit nach Deutschland zurücktransportiert werden musst. Denn dafür kommt die gesetzliche Kasse nie auf. Ein solcher Ambulanzflug kann innerhalb Europas durchaus 25.000 Euro kosten. Musst Du aus den USA oder Australien zurückgeflogen werden, sind schlimmstenfalls 60.000 bis 80.000 Euro fällig.

So viel zahlt Deine private Kran­ken­ver­si­che­rung

Die private Kran­ken­ver­si­che­rung (PKV) schützt in der Regel auch in den Ländern der Europäischen Union sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen. Außerhalb Europas gilt der Ver­si­che­rungs­schutz allerdings oft nur für einen Monat. Gute PKV-Tarife verlängern den Zeitraum auf mehrere Monate oder bieten sogar unbegrenzt Schutz. Dennoch solltest Du auch als Privatversicherter vor dem Urlaub prüfen, ob Du eine Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung benötigst. Denn nicht alle PKV-Tarife decken sämtliche Kosten im Ausland ab. Vor allem der Rücktransport ist in vielen Fällen nicht versichert.

Zunächst solltest Du aber prüfen, ob Du nicht mit Deiner privaten Kran­ken­ver­si­che­rung auch gleich eine Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung abgeschlossen hast. Häufig handelt es sich dabei um einen separaten Vertrag, der mit einigen Euro Monatsbeitrag in Deinen Versicherungsunterlagen aufgeführt ist.

Was sollte die Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung leisten?

Wenn Du eine Kreditkarte hast oder Mitglied in einem Autoclub bist, kann es sein, dass Du schon eine Auslandsreise-Krankenversicherung hast. Oft bieten solche Zusatzverträge allerdings nicht den besten Schutz. Vergleiche die Ver­si­che­rungs­be­din­gungen deshalb mit denen unserer Empfehlungen.

Gibt es bei der Versicherung über die Kreditkarte oder den Autoclub deutliche Lücken, solltest Du zusätzlich ein von uns empfohlenes Angebot abschließen. Die Doppelversicherung ist grundsätzlich nicht schlimm. Du musst im Schadensfall nur melden, dass eine weitere Versicherung besteht.

Auch schon lange bestehende Verträge bieten oft nicht mehr den optimalen Schutz, denn viele Anbieter haben ihre Bedingungen in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Prüfe deshalb auch Altverträge auf Lücken und schließe im Zweifel eine neue Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung ab. Gerade wer während der Corona-Pandemie vereisen will, sollte seinen Ver­si­che­rungs­schutz prüfen. Denn einige Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rungen bieten keinen Schutz bei Epidemien, Pandemien oder wenn für das Urlaubsland eine Reisewarnung gilt.

Auf folgende Punkte solltest Du achten:

  1. Reisedauer - Eine Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung gilt für alle Reisen innerhalb eines Jahres, die eine bestimmte Dauer nicht überschreiten. Meistens sind Reisen bis 56 Tage versichert. Es gibt aber auch Tarife, die nur 42 oder sogar bis zu 70 Tage gelten. Wie oft Du innerhalb eines Jahres verreist, spielt keine Rolle – die Tage werden nicht addiert.

    Für Reisen, die mehr als 70 Tage dauern, gibt es spezielle Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rungen. Einen solchen Vertrag brauchst Du beispielsweise für ein Auslandssemester, eine Weltreise oder wenn Du im Ruhestand den Winter im warmen Süden verbringst. Welche Angebote wir für die Langzeit-Reisekrankenversicherung empfehlen, liest Du weiter unten im Text.

    Unabhängig davon, wie lange Du verreist, ist es von Vorteil, wenn die Versicherung auch dann weiter zahlt, falls sich der Urlaub durch Deine Erkrankung über die versicherte Reisedauer hinaus verlängert.
  2. Geltungsbereich - Wichtig ist, dass der Vertrag auch für das Urlaubsland gilt, in das Du reist. Es gibt Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rungen mit weltweitem Schutz, zum Beispiel für eine Weltreise, oder Tarife, die auf bestimmte Regionen begrenzt sind. Eine Reiseversicherung, die auch in den USA und Kanada gilt, ist meist teurer als ein Tarif ohne Nordamerika. Denn dort sind die Kosten für eine medizinische Behandlung besonders hoch. Gute Verträge versichern außerdem nicht nur private, sondern auch berufliche Reisen.

    Falls Du schon eine Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung hast, solltest Du unbedingt nachschauen, ob Du einen Tarif mit regionaler Begrenzung gewählt hast. Legst Du dann einen Zwischenstopp in den USA oder Kanada ein, kann es sein, dass Du in dieser Zeit nicht versichert bist. Von den von uns empfohlenen Tarifen hat nur der von der Envivas eine regionale Begrenzung (weltweite Reisen ohne USA und Kanada). In diesem Tarif sind aber Zwischenstopps bis zu einer Übernachtung in den USA oder Kanada mitversichert. 
  3. Kostenübernahme - Ob Singles oder Familien: Leistungsstarke Tarife für kurze Urlaubsreisen kosten nicht mehr als 10 bis 20 Euro im Jahr. Für diesen Betrag erstatten diese Versicherungen nicht nur alle wichtigen medizinischen Leistungen, sondern auch einige Extras. 

    Zu den wichtigen Kernleistungen zählen etwa provisorischer Zahnersatz, Behandlung von Sportverletzungen sowie die Erstattung notwendiger Hilfsmittel wie Krücken. Extras sind die Behandlung von psychischen Erkrankungen oder Komplikationen bei der Schwangerschaft. Wenn Du Kinder hast, ist es Dir bestimmt wichtig, dass Du bei ihnen übernachten kannst, falls sie ins Krankenhaus kommen sollten (der Fachbegriff dafür lautet Rooming-In).

    Wenn Du dagegen länger als acht Wochen verreisen willst, ist die Preisspanne zwischen den Tarifen sehr hoch. Daher solltest Du in diesem Fall darauf achten, dass Dein Tarif nur die wirklich wichtigen Leistungen versichert. Damit bist Du trotzdem gut versichert, sparst aber gegenüber einem Tarif, der jede Leistung abdeckt, eine Menge Geld.
  4. Vorerkrankungen - Falls Du mit einer Vorerkrankung ins Ausland reist, solltest Du vorher prüfen, ob die Kosten für eine notwendige Behandlung dort durch Deine Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung abgedeckt sind. Gute Tarife schließen Vorerkrankungen nicht pauschal vom Schutz aus, sondern nur Behandlungen, deren Notwendigkeit bereits vor der Reise ärztlich festgestellt wurde.

    Achte zusätzlich darauf, dass der Anbieter seine Leistungen nicht auf „akute“ oder „unvorhersehbare“ Erkrankungen begrenzt oder den Schutz mit ähnlich unkonkreten Formulierungen einschränkt.

    Leidest Du an einer chronischen Erkrankung, solltest Du vor Abschluss der Versicherung beim Anbieter erfragen, ob er zahlt, falls sich Dein Zustand im Urlaub verschlechtert. Um Streit mit der Versicherung zu vermeiden, ist es zudem sinnvoll, wenn Du Dir Deine Reisefähigkeit vor Beginn des Urlaubs von einem Arzt attestieren lässt.

    Sollte sich die Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung doch einmal weigern zu zahlen, kannst Du Dich beim Ver­si­che­rungs­om­buds­mann beschweren. Seine Entscheidungen sind bis zu einem Streitwert von 10.000 Euro bindend für die Unternehmen. Bis auf den Langzeit-Tarif der Envivas nehmen alle von uns empfohlenen Anbieter an diesem Schlichtungsverfahren teil.
  5. Medizinischer Rücktransport - Zu den Ver­si­che­rungs­be­din­gungen sollte gehören, dass der Anbieter einen Rücktransport nach Deutschland zahlt, wenn er medizinisch sinnvoll und vertretbar ist – und nicht nur, wenn dieser unbedingt notwendig ist. Zumindest sollte er die Kosten für den Ambulanzflug übernehmen, wenn Du voraussichtlich mehr als zwei Wochen im Krankenhaus bleiben musst.
  6. Verlängerter Ver­si­che­rungs­schutz bis zur Wiederherstellung der Transportfähigkeit – Falls Du schwer auf Reisen erkrankst, kann es sein, dass Du über den versicherten Zeitraum hinaus im Ausland behandelt werden musst. Deine Versicherung sollte für Deine Behandlung aufkommen, bis Du für eine Rückreise wieder gesundheitlich in der Lage bist.
  7. Seit dem Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 sind noch zwei weitere Punkte hinzugekommen: So sollte Deine Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung auch die Kosten übernehmen, falls Du auf Deiner Reise an Covid-19 erkranken solltest. Außerdem sollte auch dann Ver­si­che­rungs­schutz bestehen, wenn das Auswärtige Amt für Dein Zielland eine Reisewarnung wegen Covid-19 ausspricht.

Welche Tarife sind für kurze Urlaubsreisen empfehlenswert?

Eine Auslandsreise-Krankenversicherung ist günstig. Für Singles kostet sie jährlich weniger als 10 Euro, für Familien etwa 20 Euro. Sehr guten Schutz kann sich also jeder leisten.

Die Stiftung Warentest vergleicht in ihrer Zeitschrift „Finanztest“ regelmäßig Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rungen. In ihrem jüngsten Test im Mai 2019 untersuchte sie die allgemeinen Ver­si­che­rungs­be­din­gungen für kürzere Reisen und deren Verständlichkeit sowie die Leistungen zahlreicher Tarife.

Das Angebot der DKV (Reise Med Tarif RD) hat in diesem Vergleich mit der Bestnote für Einzelpersonen abgeschnitten und ist zugleich sehr günstig. Auch unter den Familientarifen erhielt der DKV-Tarif eine sehr gute Bewertung. Damit ist das Angebot der DKV aus unserer Sicht eine gute Wahl sowohl für Singles als auch für Familien. Allerdings sind nur minderjährige Kinder mitversichert.

Die Ergo bietet einen Tarif an, dessen Leistungen und Preis identisch mit denen der DKV sind. Beide Unternehmen gehören zum selben Konzern, auf den Websites der DKV und der Ergo wird jedoch ausschließlich das Angebot der DKV vertrieben. Den Tarif RD der Ergo kannst Du, wenn überhaupt, nur noch bei Versicherungsmaklern und -vertretern abschließen. Wir empfehlen deshalb ausschließlich das Angebot der DKV.

DKV
Reise Med Tarif RD
  • Note 0,6 im Test der Stiftung Warentest („Finanztest“, Ausgabe 5/2019)
  • Reisedauer bis 56 Tage
  • 9,90 Euro für Einzelpersonen unter 65 Jahren, 19,80 Euro für Familien
  • Kinder nur bis zum 18. Geburtstag mitversichert

Volljährige Kinder lassen sich in den minimal besser bewerteten Tarifen der Hansemerkur, Würzburger und Vigo bis zum 21. oder 25. Geburtstag mitversichern. Preislich rechnet sich das jedoch erst mit mindestens zwei Kindern im entsprechenden Alter. Sonst fährst Du günstiger, wenn Du einfach einen zusätzlichen DKV-Vertrag für Dein volljähriges Kind abschließt. Das hat einen weiteren Vorteil: Deine Kinder sind auch dann gut versichert, wenn sie von zuhause ausziehen, und Du musst nicht an eine andere Altersgrenze im Familienvertrag denken.

Als Preistipp für Senioren und längere Reisen empfehlen wir die Debeka (Tarif AR). Das sehr günstige und gute Angebot kostet nur 8 Euro Jahresbeitrag. Besonders für Senioren lohnt sich der Tarif, denn sie müssen keinen Aufschlag zahlen. Auch wenn Du länger als 56 Tage verreist, ist der Tarif der Debeka empfehlenswert. Kein anderes Angebot mit einer Reisedauer von 70 Tagen schnitt im Test besser ab.

Debeka
Tarif AR
  • Note 1,1 im Test der Stiftung Warentest („Finanztest“, Ausgabe 5/2019)
  • Reisedauer bis 70 Tage
  • 8 Euro für Einzelpersonen, auch für Senioren
  • kein Familientarif, Kinder bis zum 20. Geburtstag je 4 Euro Aufpreis
Nur beim Anbieter abschließbar

Was leisten diese Tarife bei Corona?

Wer in Zeiten der Corona-Pandemie vereisen will, sollte unbedingt seinen Ver­si­che­rungs­schutz prüfen. Einige Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rungen leisten keinen Schutz bei Epidemien, Pandemien oder wenn für das Urlaubsland eine Reisewarnung gilt. Die von uns empfohlenen Tarife für kurze Reisen, DKV (Reise Med Tarif RD) und Debeka (Tarif AR), zahlen auch, falls Du im Ausland an Covid-19 erkranken solltest.

Ver­si­che­rungs­schutz besteht bei beiden Tarifen auch dann, wenn eine Covid-19-Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für Dein Zielland gilt – unabhängig davon, ob diese Warnung bei der Einreise schon bestand oder während der Reise ausgesprochen wird.

Wir haben uns dies von den Anbietern im Mai 2021 noch einmal bestätigen lassen.

Welchen Schutz benötigst Du, wenn Du länger im Ausland bist?

Die „normale“ Auslandsreise-Krankenversicherung reicht nicht aus, wenn Du für längere Zeit ins Ausland gehst, etwa für eine Weltreise, ein Auslandssemester im Studium oder um als Rentner im warmen Süden zu überwintern. Dauert der Auslandsaufenthalt länger als acht bis zehn Wochen, greifen reguläre Rei­se­kran­ken­ver­si­che­rungen nicht mehr. Als gesetzlich Krankenversicherter brauchst Du dann in jedem Fall einen speziellen Tarif für Langzeitreisen.

Gründe, um für längere Zeit im Ausland zu leben, gibt es viele. In den folgenden Abschnitten haben wir Informationen zu den wichtigsten Fällen zusammengefasst.

Kran­ken­ver­si­che­rung beim Auslandsschuljahr

Wenn Du gesetzlich krankenversichert bist, kann Dein Kind als Austauschschüler in der Familienversicherung mitversichert bleiben. Wie oben beschrieben, übernimmt die deutsche Kran­ken­kas­se im EU-Ausland allerdings nur Leistungen, die gesetzlich Versicherte im Zielland erhalten würden.

Außerhalb der EU hängt der Ver­si­che­rungs­schutz davon ab, ob in einem So­zi­al­ver­si­che­rungs­ab­kom­men eine Kostenübernahme vereinbart wurde. Gibt es keines, so musst Du ohne zusätzliche Versicherung alle Krankheitskosten selbst zahlen.

Besteht ein Abkommen, werden in der Regel einige Kosten übernommen. Wichtige Leistungen wie ein Rücktransport nach Deutschland sind dagegen nicht abgedeckt. Es kann auch passieren, dass Du bei Behandlungen hohe Zuzahlungen leisten musst. Du solltest daher auf keinen Fall auf eine zusätzliche Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung verzichten. 

Kran­ken­ver­si­che­rung für Au-Pair im Ausland

Wenn Du nach dem Schulabschluss ein Jahr als Au-Pair im EU-Ausland arbeiten möchtest, solltest Du vorab mit der Vermittlungsagentur oder der Gastfamilie prüfen, ob Du im Gastland sozialversicherungspflichtig bist. In diesem Fall gilt das Recht des Gastlandes. Ist dies nicht der Fall, kannst Du weiterhin in der gesetzlichen Familienversicherung bleiben. Allerdings musst Du dann beachten, dass Du bei einer geringfügigen Beschäftigung nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen darfst, damit der Ver­si­che­rungs­schutz bestehen bleibt. 

Kran­ken­ver­si­che­rung beim Auslandsstudium

Bist Du als Studierender gesetzlich versichert, bleibst Du das auch während eines Erasmus-Auslandsjahres. Aber auch in diesem Fall gilt: Dir stehen nur die Leistungen zu, die eine gesetzlich versicherte Person im Zielland erhalten würde.

Auch bei einem Vollzeitstudium im EU-Ausland kannst Du prinzipiell in Deutschland gesetzlich krankenversichert bleiben. Bedingung ist ein vorübergehender Aufenthalt im Ausland. Dabei ist allerdings kein fester Zeitraum vorgegeben. Solange Du also wegen Deines Studium im Ausland bist, spielt es keine Rolle, ob Du dort drei oder vier Jahre verbringst. Du kannst solange in der Familienversicherung bleiben, bis Du Dein Studium abschließt oder die Altersgrenze von 25 Jahren erreichst. Voraussetzung ist aber, dass Du Deinen Wohnsitz in Deutschland beibehältst.

Auch wenn Du als Student mit eigenem Beitrag gesetzlich versichert bist, kannst Du bei einem Auslandsstudium innerhalb der EU gesetzlich versichert bleiben. Dazu musst Du allerdings an einer anerkannten Hochschule im EU-Ausland studieren. Im Zielland stehen Dir dann – wie in den anderen Fällen auch – der Basisversicherungsschutz über die Europäische Krankenkarte zur Verfügung. Auch in diesem Fall solltest Du zusätzlich eine Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung abschließen.

Außerhalb der EU hast Du keinen Schutz durch Deine gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung. Das heißt: Ohne eine separate Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung mussst Du für Deine Gesundheitskosten komplett selbst aufkommen.

Kran­ken­ver­si­che­rung bei Work and Travel

Innerhalb der EU kannst Du den Teilschutz der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung nutzen, solltest aber als Ergänzung trotzdem eine private Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung abschließen.
Außerhalb der EU musst Du die Einreise- und Visabestimmungen beachten. In manchen Staaten, zum Beispiel Australien, musst Du für ein Visum eine Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung nachweisen.

Wer Behandlungskosten nach einem Arbeitsunfall zahlt, ist von Land zu Land unterschiedlich. Frage deshalb vor der Abreise bei Deiner Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung nach, ob diese in einem solchen Fall die Kosten übernimmt. 

Kran­ken­ver­si­che­rung bei beruflicher Tätigkeit im Ausland

Falls Du beruflich ins Ausland musst, solltest Du vorher alle Fragen der Sozial- und Kran­ken­ver­si­che­rung klären. Die Wahl des richtigen Krankenschutzes hängt zunächst vom Arbeitgeber ab. Sofern Du am Einsatzort bei einer ausländischen Firma angestellt bist, unterliegst Du nicht mehr der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV). Du musst Dich dann im Ausland gesetzlich krankenversichern oder eine entsprechende private Police abschließen.

Anders liegen die Dinge bei einer Entsendung durch einen deutschen Arbeitgeber. In dem Fall besteht die Versicherungspflicht für gesetzlich krankenversicherte Arbeitnehmer prinzipiell fort. Über Details des Arbeits-, Sozialversicherungs- und Steuerrechts bei der Entsendung informiert ein Merkblatt der IHK Köln.

Kran­ken­ver­si­che­rung als Rentner im Ausland 

Falls Du Dich als Rentner nur vorübergehend im EU-Ausland aufhältst und Deine Rente ausschließlich aus Deutschland beziehst, besteht der Ver­si­che­rungs­schutz in der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung fort. Außerhalb der EU hängt dies davon ab, ob Deutschland ein So­zi­al­ver­si­che­rungs­ab­kom­men mit Deinem Zielland hat und es darin eine Regelung zur Kran­ken­ver­si­che­rung gibt. 

Mit einer Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung für lange Reisen kannst Du dafür sorgen, dass Du nicht nur einen Teil der Krankheits- und Behandlungskosten über die GKV erstattet bekommst. Die Zusatzversicherung kannst Du maximal für fünf Jahren abschließen, danach ist ein neuer Vertrag fällig. Es gibt in den Tarifen verschiedene Altersstufen. Mit jeder Stufe werden die Tarife teurer. Vergleiche am besten bei mehreren Anbietern die Altersklassen und die Preise. 

Bedenke, dass wichtige Leistungen wie Zahnersatz, Vorsorgeuntersuchungen oder geplante Operationen nur teilweise über eine Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung abgesichert sind und weiterhin in Deutschland stattfinden müssen. 

Falls Du dauerhaft im Ausland bleiben willst, solltest Du prüfen, ob Du Dich im Zielland versichern kannst. Darüber hinaus gibt es sogenannte internationale Kran­ken­ver­si­che­rungen, mit denen Du Dich zeitlich unbefristet und umfangreicher versichern kannst.

Was Du als Privatversicherter beachten solltest

Als Privatversicherter musst Du in Deinen Vertrag schauen. Wenn Du Dich im europäischen Ausland aufhältst, bist Du weiterhin durch die PKV geschützt. Bei Aufenthalten außerhalb der Europäischen Union bist Du in der Regel zumindest vorübergehend versichert. Meist jedoch nicht länger als ein bis drei Monate. Welcher Zeitraum noch als Urlaub gilt, solltest Du mit Deiner Versicherung klären. 

Wenn Du dauerhaft in ein anderes EU-Mitgliedsland oder nach Island, Liechtenstein und Norwegen umziehst, kannst Du Deine private Kran­ken­ver­si­che­rung dort weiterführen. Allerdings muss die Privatversicherung nur die Kosten übernehmen, die sie auch in Deutschland übernommen hätte. 

Ziehst Du dauerhaft in ein Land außerhalb der Europäischen Union um, endet Dein Ver­si­che­rungs­schutz üblicherweise. Manche Anbieter gewähren aber gegen einen Beitragszuschlag einen längeren Ver­si­che­rungs­schutz außerhalb Europas. Setz Dich daher vor Deiner Abreise mit Deiner privaten Kran­ken­ver­si­che­rung in Verbindung und kläre, was für Deinen Vertrag gilt.
 
Falls Du Dir die Möglichkeit offenhalten willst, nach einer Zeit wieder in Deutschland zu leben, kannst Du über eine An­wart­schafts­ver­si­che­rung nachdenken. Damit kannst Du sicherstellen, dass Du auch nach Deiner Rückkehr ohne Gesundheitsprüfung in Deinen alten Tarif zurückkehren kannst.

Wann kannst Du die Kran­ken­ver­si­che­rung zuhause kündigen?

Falls Dich nicht Dein Arbeitgeber ins Ausland geschickt hat, Du aber privat reist, solltest Du unbedingt eine Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung mit im Gepäck haben. Doch was passiert mit der Kran­ken­ver­si­che­rung in Deutschland während Deines Work and Travel, Sabbatjahres oder Erasmus-Semesters? Müsstest Du in der Heimat weiter Kran­ken­kas­senbeiträge zahlen, kann das die Reisekasse ordentlich belasten.

Grundsätzlich besteht die Versicherungspflicht in der GKV auch während eines vorübergehenden Auslandsaufenthaltes fort, solange der zur Versicherungspflicht führende Tatbestand weiter vorliegt. Das ist beispielsweise bei Rentnern der Fall, die Mitglied in der Kran­ken­ver­si­che­rung der Rentner sind oder bei Studenten, die an einer staatlich anerkannten Universität eingeschrieben sind.

Endet hingegen der Grund für die Versicherungspflicht, etwa weil Du für den Auslandsaufenthalt Deinen Job gekündigt hast, endet auch die Pflichtversicherung. Sofern Du dann kein Ar­beits­lo­sen­geld beziehst, müsstest Du Dich freiwillig versichern

Als freiwillig GKV-Versicherter kannst Du Deine Mitgliedschaft bei einer Kran­ken­kas­se jedoch beenden, sofern Du nachweist, dass Du im Krankheitsfall anderweitig abgesichert bist. Als ein solcher Nachweis gilt auch eine private Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung, die länger als 42 Tage läuft und bei ihren wichtigsten Leistungen der GKV entspricht.

Wenn Du Deiner Kran­ken­kas­se also einen Nachweis über Deine Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung schickst, kannst Du Deine Mitgliedschaft in der GKV mit der gesetzlichen Kündigungsfrist von zwei vollen Monaten zum Monatsende beenden.

Nach der Rückkehr aus dem Ausland kannst Du frei eine Kran­ken­kas­se wählen, falls Du die Voraussetzungen für die Pflichtversicherung erfüllst, etwa weil Du mehr als 450 Euro im Monat verdienst oder Ar­beits­lo­sen­geld beziehst. Gilt für Dich die Versicherungspflicht nicht, wirst Du über die sogenannte nachrangige Versicherungspflicht gesetzlich versichert, sofern Du vor der Reise bereits GKV-Mitglied warst. Dann musst Du allerdings zurück in Deine letzte Kran­ken­kas­se.

Bevor Du Deine Kran­ken­ver­si­che­rung in Deutschland beendest, solltest Du bedenken, dass es Vorversicherungszeiten gibt, die Du erfüllen musst, um Leistungen aus der gesetzlichen Pfle­ge­ver­si­che­rung zu beziehen oder Mitglied der Kran­ken­ver­si­che­rung der Rentner zu werden. Insbesondere in der zweiten Hälfte des Erwerbslebens könnte es nachteilig für Dich sein, den Ver­si­che­rungs­schutz zu unterbrechen. Statt zu kündigen, kannst Du eine Anwartschaft bei Deiner Kran­ken­kas­se abschließen. Diese führt Dich dann gegen einen reduzierten Beitrag weiter als freiwilliges Mitglied, und Du erwirbst weiterhin die Versicherungszeiten.

Was sind die besten Tarife für lange Auslandsreisen?

Für unsere Empfehlung haben wir 30 leistungsstarke Tarife aus dem Test der Stiftung Warentest (Zeitschrift „Finanztest“, Ausgabe 5/2020) untersucht. Alle Anbieter müssen dabei folgende Mindestbedingungen erfüllen: Sie haben im Test der Stiftung mindestens die Note „gut“ (2.5) erhalten und lassen sich einfach online abschließen. Außerdem nehmen sie an einem Schlichtungsverfahren des Ver­si­che­rungs­om­buds­mannes oder des PKV-Ombudsmannes teil.

Wir verglichen bei allen Tarifen die Preise für Einzelpersonen verschiedener Altersgruppen, für Reisedauern von 90 Tagen oder einem Jahr sowie unterschiedlich hohen Reisekosten. Auf dieser Basis konnten wir drei Tarife ermitteln, die gute Bedingungen zu einem möglichst günstigen Preis anbieten: Den Tarif RIL 16 der Huk24, den Tarif „Lange Gesunde Reise“ der Allianz Versicherung und den Tarif Travel XLO der Envivas.

Huk24 AG
RIL 16 Bestes Preis-Leistungsverhältnis für weltweite Reisen inklusive USA/Kanada
  • Note 1,7 im Test der Stiftung Warentest („Finanztest“ Ausgabe 5/2020)
  • im Schnitt die besten Preise über alle Tarife hinweg
  • besonders geeignet für Reisen in die USA/Kanada
  • Tarif mit Selbstbehalt (50 Euro pro Versicherungsfall)
  • nimmt teil am Ombudsmann-Verfahren

Verbraucher aller Altersklassen (bis 69 Jahre) erhalten mit dem Tarif RIL 16 der Huk24 alle wesentlichen Leistungen einer Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung und dies – bis auf wenige Ausnahmen – zu einem besonders günstigen Preis. Dies gilt insbesondere für Reisen in die USA und Kanada. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass es sich um eine Versicherung mit Selbstbeteiligung handelt. Pro Versicherungsfall musst Du 50 Euro beisteuern. Wir finden aber, das ist angesichts des günstigen Tarifs ein akzeptabler Betrag.

Ferner fiel uns auf, dass die Huk24 ihre Altersgrenze mit 69 recht hoch angelegt hat. Bis zu diesem Limit ist sie im Vergleich auch für ältere Menschen klar günstiger.

Im letzten Test der Stiftung Warentest (05/2020) wurde der Tarif „nur“ mit „gut“ (1,7) bewertet. Unserer Einschätzung nach enthält er aber alle wesentlichen Leistungen, die eine sehr gute Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung enthalten muss. Sei es die Übernahme von ambulanten oder stationären Heilbehandlungen, Medikamenten und Verbandsmitteln oder den medizinisch sinnvollen (und nicht nur notwendigen) Rücktransport.

Trotz dieses guten Versicherungspakets solltest Du wissen, dass einige Extraleistungen nicht übernommen werden. Für unfallbedingten Zahnersatz, bei Schwangerschaftskomplikationen und -abbruch oder einer ambulanten Psychotherapie leistet die Versicherung nicht. Unserer Einschätzung nach handelt es sich dabei aber um keine essentiellen Leistungen, die in einer Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung zwingend vorhanden sein müssen.

Allianz
Lange Gesunde Reise Besonders günstig für junge Leute (bis 42) und kurze Reisen (bis 90 Tage)
  • Note 1,1 im Test der Stiftung Warentest („Finanztest“ Ausgabe 5/2020)
  • Tarif ohne Selbstbeteiligung
  • nimmt teil am Ombudsmann-Verfahren
Nur beim Anbieter abschließbar

Ebenfalls gut abgeschnitten hat in unserem Vergleich der Tarif „Lange Gesunde Reise“ der Allianz Versicherung. Auffallend war, dass der Tarif gerade in den Profilen für Junge Leute (18 bis 42 Jahren) und kurzen Reisen (bis 90 Tage) am günstigsten abschnitt und preislich unsere beiden anderen Empfehlungen schlug, die Tarife der Huk24 und der Envivas.

Auch im Tarif der Allianz sind Extraleistungen wie Psychotherapien und unfallbedingter Zahnersatz nicht enthalten. Dagegen sind Schwangerschaftskomplikationen und Bergungskosten bis 15.000 Euro als Versicherungsleistungen eingeschlossen. 

Ein Nachteil gegenüber unseren anderen beiden Empfehlungen: Du musst die gesamte Versicherungsprämie vor Versicherungsbeginn bezahlen. Das kann, gerade bei langen und teuren Reisen, eine hohe Summe sein, die Du im Voraus und auf einmal bezahlen musst.

Envivas
Travel XLO Besonders günstig für junge Leute (bis 42 Jahre) und kurze und lange Reisen ohne USA/Kanada
  • Note 1,3 im Test der Stiftung Warentest („Finanztest“ Ausgabe 5/2020)
  • Tarif ohne Selbstbeteiligung
  • Nimmt (nur) Teil am PKV-Ombudsmann-Verfahren
  • nur für Mitglieder der Kran­ken­kas­se die Techniker (TK)
Nur beim Anbieter abschließbar

Bei der Envivas handelt es sich um eine private Versicherung, die exklusive Verträge für Mitglieder der Techniker Kran­ken­kas­se (TK) anbietet. Aufgrund dieser Einstiegshürde ist sie explizit unsere dritte Empfehlung und zunächst einmal nur für Versicherte der Techniker Kran­ken­kas­se interessant. 

Der Tarif Travel XLO der Envivas, gilt nur für Reisen außerhalb der USA und Kanada. In unserem Preisvergleich schnitt er besonders gut ab bei jungen Menschen bis 42 Jahre und langen Reisen bis zu einem Jahr. 

Im Gegensatz zu unseren beiden anderen Empfehlungen, nimmt die Envivas „nur“ am Schlichtungsverfahren des Ombudsmannes der privaten Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung teil. Anders als der Ver­si­che­rungs­om­buds­mann kann dieser aber keine bindenden Empfehlungen abgeben. 

Beachte: Für Reisen inklusive USA und Kanada hat die Envivas einen eigenen Tarif (Travel XLM), den wir nicht empfehlen. Denn dieser ist deutlich teurer.

Wenn Du nicht bei der Techniker versichert bist

Auch wenn Du den Tarif der Envivas nur als Versicherter der Techniker Kran­ken­kas­se in Anspruch nehmen kannst, haben wir uns trotzdem entschieden, ihn zu empfehlen. Zwei Gründe waren für uns ausschlaggebend.

Erstens: Mehr als 10 Millionen Menschen in Deutschland sind bei der Techniker Kran­ken­kas­se versichert. Es besteht also eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass Du zu diesen Versicherten gehörst. 

Zweitens ist der Tarif unter Umständen auch für Versicherte interessant, die derzeit noch bei anderen Kassen gesetzlich versichert sind. Falls Du zum Beispiel mit etwas Vorlauf planst, demnächst ein Jahr im Ausland zu verbringen, kannst Du durchrechnen, ob sich es sich lohnt, für diesen Zeitraum Deine Kran­ken­kas­se zu wechseln. Denn seit 1. Januar 2021 beträgt die Mindestvertragsdauer bei der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung nur noch zwölf Monate. Wenn Du also im Anschluss an eine einjährige Reise die Kran­ken­ver­si­che­rung erneut wechseln willst, ist dies jetzt noch einfacher. Mehr Infos, welche Kran­ken­kas­se am besten zu Dir passt, findest Du in unserem Ratgeber zum Thema Gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung.

Wann musst Du die Versicherung spätestens abschließen?

Solange Du noch in Deutschland bist, kannst Du die Auslandsreise-Krankenversicherung auch noch auf den letzten Drücker im Internet abschließen. Einige Anbieter akzeptieren als Versicherungsbeginn das aktuelle Datum. Dann erhältst Du sofort online die gültige Ver­si­che­rungs­be­stä­ti­gung. Der Abschluss dauert nur wenige Minuten.

Nach der Abreise aus Deutschland ist es allerdings zu spät, noch eine Auslandsreise-Krankenversicherung günstig abzuschließen. Als einzige Möglichkeit bleiben internationale Versicherungsagenturen wie World Nomads. Aber dort kann die Police für eine einzelne Reise schnell 70 Euro und mehr kosten.

Rei­se­kran­ken­ver­si­che­rungen haben in der Regel eine Laufzeit von einem Jahr und verlängern sich automatisch, wenn Du nicht rechtzeitig kündigst. Den Vertrag der DKV musst Du spätestens einen Monat vor Ende des Versicherungsjahres kündigen, die Debeka hat eine Kündigungsfrist von drei Monaten.

Welche Unterlagen brauchst Du, wenn Du im Ausland erkrankst?

Die Notrufnummer der Versicherung und die eigene Versicherungsnummer gehören in jedes Reisegepäck. Falls Du krank wirst, musst Du Deine Versicherung immer zeitnah informieren. Im Gespräch mit den Mitarbeitern kannst Du auch gleich klären, welche Belege Deine Versicherung braucht, damit sie die Kosten übernimmt.

Kleinere Arztrechnungen legst Du aus, das Geld erstattet Dir später die Versicherung. Die Rechnung sollte möglichst auf Deutsch oder Englisch verfasst sein und den Namen des Patienten und des behandelnden Arztes enthalten sowie Diagnose und Art der Behandlung. Vor sehr teuren Behandlungen solltest Du in jedem Fall mit Deinem Versicherer sprechen.

Wenn Du im Urlaub in Europa krank wirst, erstattet Dir die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung die landestypischen Kosten für Behandlungen. Dafür brauchst Du in 35 Ländern die europäische Krankenversichertenkarte (EHIC). Sie ist meist auf die Rückseite der normalen Kran­ken­kas­senkarte aufgedruckt. In Bosnien-Herzegowina, Tunesien und der Türkei brauchst Du einen speziellen Auslandskrankenschein. Diesen kannst Du in der Regel einfach mit einem kurzen Anruf bei Deiner Kran­ken­kas­se anfordern.

Unser Podcast zum Thema

So haben wir ausgewählt

Vergleich 2019: Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung für kurze Urlaubsreisen

Im Mai 2019 haben wir Tarife für kürzere Reisen ausgewählt, die im Test der Zeitschrift „Finanztest“ (Ausgabe 5/2019) sehr gut abgeschnitten haben und zugleich sehr günstig sind. Dafür haben wir nur solche Angebote näher betrachtet, die in der Betrachtung für Einzelpersonen die Gesamtnote „sehr gut“ in allen vier Bewertungskategorien zu den Versicherungsleistungen bekamen.

Außerdem mussten die Tarife mindestens 5.000 Euro für Such- und Bergungskosten erstatten und online abschließbar sein, damit Verbraucher sie vor einer Reise noch kurzfristig abschließen können. Aus den verbliebenen elf Tarifen haben wir Angebote mit einem besonderen Preis-Leistungsverhältnis ausgewählt.

Die Auswahl fiel leicht, denn die bestbewerteten Tarife gehörten zugleich zu den günstigsten: die Tarife der DKV (Reisemed Tarif RD) und Ergo (Tarif RD). Gleich günstige oder noch preiswertere Tarife wurden leicht schlechter bewertet. Beide Unternehmen gehören zum selben Konzern, die Tarifbedingungen sind identisch. Auf den Websites der DKV und Ergo wird mittlerweile ausschließlich das Angebot der DKV vertrieben. Den Tarif RD der Ergo kannst Du nur noch bei Versicherungsmaklern und -vertretern abschließen.

Wir empfehlen deshalb das Angebot der DKV. Es ist sowohl für Einzelreisende als auch für Familien eine gute Wahl. Im Ranking für Einzelpersonen bekam der Tarif der DKV bei „Finanztest“ die Bestnote, unter den Familientarifen erhielt er die zweitbeste Gesamtnote. Allerdings sind nur minderjährige Kinder mitversichert. Mit 9,90 Euro Jahresbeitrag für Einzelreisende und 19,90 Euro im Jahr für Familien ist er zudem sehr günstig.

Minimal besser noch bewerteten die Tester unter den Familientarifen die Angebote der Hansemerkur (Tarif JRV), Würzburger (Travelsecure AR ohne Selbstbeteiligung) und Vigo (Tarif grün versichert ARN Familie). In diesen Tarifen lassen sich Kinder auch bis zum 21. oder 25. Geburtstag mitversichern. Jedoch sind sie mit 29 bis 48 Euro im Jahr auch teurer. Preislich lohnt sich der Abschluss eines solchen Tarifs deshalb nur für Familien mit mindestens zwei volljährigen Kindern.

Zusätzlich zur DKV empfehlen wir den Tarif AR der Debeka, da sie als einer von wenigen Anbietern keinen Preisaufschlag für Senioren nimmt und zusätzlich Ver­si­che­rungs­schutz für 70 Tage bietet. Für beide Kriterien ist der Tarif der Debeka der am besten bewertete. Zusätzlich ist er sehr günstig.

Vergleich 2020: Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung für Langzeitreisen

Die Stiftung Warentest hat zuletzt im Mai 2020 die Tarife für lange Reisen der Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rungen untersucht. Dieser Test diente als Grundlage für unsere Untersuchung. Aus allen überprüften Tarifen wählten wir diejenigen aus, die mindestens die Note „gut“ (2,5) erreicht hatten.

Aus dieser Auswahl schlossen wir wiederum diejenigen Anbieter aus, die keinen Online-Rechner hatten, mit dessen Hilfe sich die Versicherungskosten berechnen ließen und im Anschluss der Tarif online abgeschlossen werden konnte.

Außerdem überprüften wir bei allen Ver­si­che­rungs­be­din­gungen, ob sie eine Pandemieklausel enthielten. Eine solche Klausel besagt, dass eine Versicherung im Fall einer pandemischen Erkrankung wie Covid-19 keine Leistungen erbringt. Zum Zeitpunkt unserer Untersuchung enthielt allerdings keiner der von uns betrachteten Tarife eine solche Klausel.

Ferner überprüften wir, ob die Anbieter am Schlichtungsverfahren des Ver­si­che­rungs­om­buds­mannes teilnahmen. Aus unserer Sicht hat sich das Schlichtungsverfahren als sinnvolles Instrument etabliert, um Dich im Konfliktfall zu beraten und zu unterstützen. In den allermeisten Fällen ist der Streitfall nach der Entscheidung des Ombudsmanns beendet: Bis zu einem Streitwert von 10.000 Euro ist der Schlichterspruch für den Versicherer bindend. 

Einige Anbieter nahmen nur am Schlichtungsverfahren des PKV-Ombudsmannes teil. Dieser kann, im Gegensatz zum Ver­si­che­rungs­om­buds­mann, keine verbindlichen Empfehlungen aussprechen. Für uns war dies qualitativ zwar ein Unterschied, es war aber kein hinreichender Grund, um einen Tarif auszuschließen. Uns war lediglich wichtig, dass die von uns empfohlenen Tarife an einem der beiden Verfahren teilnahmen.

Übrig blieben 30 leistungsstarke Tarife und Tarifvarianten, bei denen wir die Preise abfragten. Da die Online-Rechner der Anbieter eine Reihe von Angaben benötigten, legten wir für die Abfrage umfangreiche Profile fest.

Folgende Merkmale erschienen uns wichtig:

  • Personen: Wir gingen davon aus, dass es insbesondere junge Menschen oder jüngere Berufstätige sind, die für ein Studium, Work and Travel oder ein Sabbatical länger verreisen wollen. Wir konzentrierten uns in unserem Vergleich auf Alleinreisende.
  • Alter: Wir fragten die Preise für 18, 22, 30, 42 und 69 Jahre alte Personen ab. Damit deckten wir sowohl Jüngere als auch Senioren ab.
  • Reisedauer: Als Reisezeitraum gaben wir eine Dauer bis 90 (genauer 88 Tage) und bis 365 Tage an.
  • Reisepreis: Da unterschiedlich lange Reisen, je nach Lebenssituation und Dauer unterschiedlich teuer sein können und die Versicherungskosten mit den Kosten der Reise steigen, fragten wir die Versicherung für folgende Reisekosten ab: 2.500, 3.000, 3.500, 4.000, 4.500 und 5.000 Euro (für Reisen bis 90 Tage) und 8.000, 10.000, 12.000, 15.000 und 18.000 Euro (für Reisen bis 365 Tage).
  • Region: Da die Gesundheitssysteme der USA und Kanada besonders teuer sind, sind die Versicherungskosten für Reisen in diese Länder oft höher. Daher fragten wir sowohl die Preise für eine Reise in die USA und Kanada und zum Vergleich für eine Reise nach Spanien ab.
  • Selbstbeteiligung: Da kein Tarif mit Selbstbehalt eine prozentuale Beteiligung vorsieht (was bei teuren Reisen gleich Beträge von mehreren Hundert Euro hätte bedeuten können), entschieden wir uns, bei der Abfrage auch Tarife mit Selbstbeteiligung abzufragen.

Insgesamt fragten wir jeweils zehn Profile für Reisen bis 90 Tage und für Reisen bis 365 Tage ab. Jedes Profil hatte zwei Ausprägungen (A für Reisen ohne die USA und Kanada, B für Reisen in die USA). 

Unsere Ergebnisse

Zu unserer Überraschung zeigte unsere Abfrage, dass zwischen den einzelnen Tarifen erhebliche Preisunterschiede bestehen. So muss eine 42 Jahre alte Person, die für ein Jahr in die USA reist und deren Reise 15.000 Euro kostet, bei einer Versicherung rund 6.700 Euro für ihren Ver­si­che­rungs­schutz bezahlen, bei einer anderen Versicherung aber nur 438 Euro. Das ist mehr als das Fünfzehnfache!

Angesichts dieser Preisspanne entschieden wir uns, bei den Langtarifen der Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung eine etwas andere Bewertung vorzunehmen, als für die Tarife für kurze Urlaubsreisen. Uns war wichtig, dass unsere Empfehlungen alle essentiellen Bausteine enthalten, die eine sehr gute Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung ausmachen: Dazu gehören ambulante oder stationäre Heilbehandlungen, Medikamente und Verbandsmittel und der Rücktransport, nicht nur wenn er medizinisch notwendig ist, sondern sinnvoll vertretbar ist.

Bei den Extraleistungen, wie unfallbedingter Zahnersatz, Schwangerschaftskomplikationen oder ambulanter Psychotherapie stellten wir fest, dass diese nicht bei allen Tarifen enthalten waren, die besonders günstig abschnitten. Da es sich nicht um unverzichtbare Leistungen handelt, entschieden wir uns, drei Tarife mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis zu empfehlen.

Warum die Huk24 unsere erste Empfehlung ist

Der Tarif RIL-16 der Huk24 überzeugte uns am meisten. Gleich achtmal schnitt der Tarif am günstigsten ab. Selbst in den Profilen, in denen der Tarif nicht den Bestpreis erreichte, war er im Vergleich immer noch gut.

Für uns überraschend war, dass der Jedermann-Tarif der Huk24 preislich auch mit den von uns ebenfalls untersuchten Spezialtarifen für junge Leute mithalten konnte.

Ferner fiel uns auf, dass im Tarif der Huk24 die Altersgrenze mit 69 recht hoch angelegt ist. Bis zu dieser Grenze ist er im Vergleich auch für ältere Menschen klar günstiger.

Aber wie lassen sich die über alle Profile hinweg besonders günstigen Preise der Huk24 erklären? Der Grund ist vermutlich, dass es sich um einen Tarif mit Selbstbehalt (50 Euro pro Versicherungsfall) handelt. 

Im Test der Stiftung Warentest („Finanztest“ Ausgabe 5/2020) erreichte der Tarif der Huk24 die Note „gut“ (1,7). Einige Extraleistungen, die von anderen Tarifen übernommen werden, sind in diesem Tarif nicht enthalten: Unfallbedingter Zahnersatz, Schwangerschaftskomplikationen und ambulante Psychotherapie. Wir halten diese Leistungen aber nicht für unverzichtbar. Angesichts der im Schnitt günstigen Preise ist der Tarif der Huk24 daher unsere Hauptempfehlung.

Fazit: In jedem Alter bis 69 Jahren erhalten Versicherte bei der Huk24 alle wesentlichen Leistungen einer Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung und dies (bis auf wenige Ausnahmen) zu einem besonders günstigen Preis. Besonders stark schneidet der Tarif RIL 16 bei Reisen in die USA und Kanada ab.

Neben der Huk24 gehören auch die untersuchten Anbieter Huk Coburg und VRK zur Huk-Gruppe. Die Tarife der Huk Coburg und der VRK bieten gleich starke Leistungen zu etwas höheren Preisen an, weshalb wir uns dafür entschieden nur den Tarif der Huk24 zu empfehlen.

Unsere erste Nebenempfehlung ist der Tarif Lange Gesunde Reise der Allianz Versicherung. In unserem Preisvergleich erreichte dieser viermal den Bestpreis. Auffallend war, dass der Tarif gerade in den Profilen für junge Leute (18 bis 42 Jahre) und kurze Reisen (bis 90 Tage) am besten abschnitt und preislich unsere Hauptempfehlung Huk24 und unsere weitere Nebenempfehlung Envivas schlug. In anderen Konstellationen war der Tarif dagegen zum Teil deutlich teurer. 

Bei den Extraleistungen schneidet der Allianz-Tarif besser ab als das Angebot der Huk24: Schwangerschaftskomplikationen und Bergungskosten bis 15.000 Euro werden übernommen. Im Test der Stiftung Warentest schnitt der Tarif mit der Note „sehr gut“ (1,1) ab.

Unsere zweite Nebenempfehlung ist der Tarif XLO der Envivas. Er ist auf Reisen außerhalb der USA und Kanada beschränkt. In unserem Preisvergleich erreichte der Tarif der Envivas achtmal den Bestpreis. Besonders für Reisen außerhalb der USA und Kanada (bis 365 Tage) und für Personen zwischen 18 und 42 Jahren ist er besonders preiswert. In anderen Kategorien war das Angebot der Envivas dagegen recht teuer.

Im Test der Stiftung Warentest erreichte der Tarif die Note „sehr gut“ (1,3). Da es sich zunächst um ein exklusives Angebot für Versicherte der Kran­ken­kas­se die Techniker (TK) handelt, ist der Tarif nur unsere zweite Nebenempfehlung. Da aber gerade bei langen Reisen die Möglichkeit besteht, vorab in die TK zu wechseln und im Anschluss den Tarif der Envivas abzuschließen, haben wir uns dazu entschieden, den Tarif als Empfehlung aufzunehmen.

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