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Negative Strompreise: Geld verdienen für Autoladen & Co. Achtung Fixkosten: Börsenpreis von -16 ct/kWh nötig Wie das geht? Mit einem dynamischen Stromtarif Trotz 12-Uhr-Regel und Tankrabatt bekommst Du mit einem Verbrenner noch immer hohe Spritpreise zu spüren. Ganz anders kann das momentan mit einem E-Auto aussehen: So anders, dass Du fürs Laden manchmal sogar Geld bekommst, statt zu bezahlen. Wie das? So funktioniert der Trick Du lädst zuhause an der Wallbox, hast einen dynamischen Stromtarif samt intelligentem Stromzähler (Smart Meter) und erwischst vor allem das richtige Timing. Denn mit einem dynamischen Tarif richtet sich Dein Strompreis nach dem aktuellen Preis an der Strombörse. So schwankt Dein Preis jede Viertelstunde – und kann sogar negativ sein. Wird gerade generell viel Strom verbraucht, z. B. weil wir unter der Woche morgens alle in der Küche stehen und die Industrie auf Hochtouren läuft, steigt der Preis tendenziell. Dagegen sinkt er, wenn erneuerbare Energien wie Photovoltaik und Windkraft gerade viel Strom liefern. Zwei ideale Wochenenden Das kann sich sehr drastisch auf den Börsenpreis auswirken. Am letzten April- und ersten Mai-Wochenende war das z. B. der Fall. Da war es sehr sonnig und etwas windig. Das hat dazu geführt, dass der Börsenpreis deutlich ins Minus gerutscht ist. Mit einem dynamischen Tarif und Wallbox hat das für Dich bedeutet: Du konntest beim Laden sogar Geld verdienen, statt zu bezahlen. Ein reales Beispiel: Der dynamische Stromtarif-Anbieter Tibber berichtet von einem Kunden, der am Sonntag, den 26. April 2026, eine Gutschrift von knapp 12 € geschafft hat, indem er sein E-Auto geladen hat, als sein Strompreis vier Stunden lang negativ war. Negativer Börsenstrompreis reicht nichtWichtig: Der Strompreis war in diesem Fall auch netto negativ. Also nicht nur der Börsenpreis, sondern auch der Preis, den Du als Kundin oder Kunde am Ende zahlst. Denn ein negativer Börsenpreis allein bedeutet nicht immer, dass Du fürs Stromverbrauchen Geld bekommst. Der Grund: Steuern, Umlagen und Netzentgelte zahlst Du mit einem dynamischen Tarif ganz normal. Diese festen Preisbestandteile sind auch bei diesen Tarifen konstant, schwanken also nicht mit. Das gilt nur für den reinen Energiepreis. Minus 16 ct/kWh sollten es sein Diese Fixkosten sind je nach Region unterschiedlich. 2026 machen sie im Schnitt 16 ct/kWh aus. Diese Kosten plus Mehrwertsteuer darauf zahlst Du in jedem Fall. Heißt im Umkehrschluss: Damit Dein Strompreis insgesamt negativ wird, muss der Börsenpreis mindestens 16 ct/kWh bzw. 160 €/MWh im Minus sein. Liegt der Börsenpreis bei 0 ct/kWh zahlst Du also immer noch die 16 ct/kWh plus Mehrwertsteuer. Ein Beispiel: Am 1. Mai lag der Börsenstrompreis von 13 bis 14:30 Uhr sogar bei -50 ct/kWh. Nach Fixkosten konntest Du also rund 34 ct/kWh einstreichen, plus Mehrwertsteuer. Mit einer 22-kW-Wallbox konntest Du in diesen nur 1,5 h unter optimalen Bedingungen 33 kWh ins E-Auto laden und dabei rund 13,20 € verdienen. Bei vielen E-Autos reicht das für 150 km. Zum Vergleich: Laut Zahlen des Bundeskartellamts hat Diesel zur gleichen Zeit rund 2,10 €/l gekostet. Bei einem Verbrauch von 6,5 l/100 km hättest Du für die 150 km Fahrt Spritkosten von 20,48 € bezahlt. Das ist auch teurer als eine Ladung zum durchschnittlichen Börsenpreis: Damit kosten 33 kWh ca. 10 €. Geld fürs Laden ist eher die AusnahmeSei Dir aber bewusst, dass ein E-Auto – oder auch eine Wärmepumpe – durch einen dynamischen Stromtarif allein kein generelles Einnahmemodell ist. Einmal muss ein negativer Börsenpreis eben erstmal die Fixkosten ausgleichen. Das kommt aber nur einige Male im Jahr vor. Und dann meist auch nur für wenige Stunden, meist mittags. Die letzten Wochenenden sind also eher Ausnahme als Regel. In diesem Beispiel siehst Du gut, wie die nötigen -16 ct selbst an einem der günstigsten Tage 2025 nur zwischen 12 und 15 Uhr erreicht werden (orange Kurve):
Außerdem ist auch der Börsenstrompreis allein nicht andauernd negativ. Das wird von Jahr zu Jahr zwar immer häufiger, galt 2025 laut Bundesnetzagentur aber nur für 573 von 8.760 Stunden (2024: 457 h). Im Tagesdurchschnitt ist das aber praktisch nie der Fall, zeigt der letzte Jahresverlauf:
Lass Dich also nicht von vielleicht sehr vollmundigen Versprechen negativer Strompreise locken, die es schonmal in der Werbung gibt. Meistens sind damit nur die Börsenpreise gemeint, nicht der Preis, den Du zahlst. Auch hohe Preise kommen vorWie beide Grafiken zeigen, wirst Du mit einem dynamischen Tarif auch das Gegenteil erleben und immer wieder mal hohe Börsenstrompreise aushalten müssen. Extreme Werte von über 30 ct/kWh sind aber selten: 2024/25 war das jeweils nur für ca. 40 h der Fall. Das passiert z. B. in der dunklen Jahreszeit, wenn weder die Sonne scheint noch der Wind weht – eine “Dunkelflaute”. Oder Du musst auch mal höhere Preise zahlen, weil Du mit Deinem Auto vielleicht einfach oft unterwegs bist und deshalb nicht so oft laden kannst, wenn es gerade sehr günstig ist. Aber: Auch nachts ist es zumindest meistens eher günstig. Deshalb: Flexibilität ist entscheidendVielleicht kannst Du z. B. Deine Homeoffice-Tage mal am Wetterbericht ausrichten. Oder Du holst Dir einen Batteriespeicher, der immer zuhause ist. Oder einen Pufferspeicher für die Wärmepumpe. Damit kann sie zu günstigen Zeiten laufen und das warme Wasser speichern, bis Du es brauchst. Außerdem ist ein Energiemanager sinnvoll, der Deine Geräte automatisch lädt, wenn es günstig ist. Hoher Verbrauch ist PflichtGenerell gilt außerdem: Ein dynamischer Stromtarif lohnt sich nur mit großen und gleichzeitig flexiblen Stromfressern wie z. B. E-Auto oder Wärmepumpe. Nur für die Waschmaschine oder Spülmaschine allein lohnen sich dynamische Tarife in aller Regel kaum bzw. ist das Kostenrisiko aus unserer Sicht zu groß. Unsere EmpfehlungenSuchst Du einen günstigen Anbieter, schau in unseren Vergleich. Für ihre Dienste verlangen die Anbieter geringe Gebühren – die sind preislich der einzige Unterschied bei dynamischen Tarifen. Allerdings gehen viele Anbieter mit diesen Kosten nicht sehr offen um. Deshalb übernehmen wir das für Dich und machen die Kosten in einer Tabelle vergleichbar. Wir empfehlen
Ökostrom Dynamic*, Volkswagen Naturstrom Flex,
naturstrom smart* und
dynamicOctopus*. Suchst Du einen normalen Stromtarif, findest Du mit unserem Stromvergleich (enthält Werbelinks) den bestmöglichen Preis in Deiner Region. Dort kombinieren wir die Listen von Check24 und Verivox und filtern negativ aufgefallene Anbieter für Dich raus. Details erfährst Du in unserem Ratgeber zu dynamischen Stromtarifen. Im Expertengespräch am 25. Juni (18 Uhr) kannst Du als Finanztip Unterstützer außerdem Deine Fragen zu diesem Thema stellen. Hier geht’s zur Anmeldung.
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