Finanztip.de https://www.finanztip.de/ Finanztip ist die führende gemeinnützige Website in Deutschland für Verbraucherfinanzen. Wir helfen Verbrauchern, die richtige Wahl zu treffen und somit viel Geld zu sparen. de Finanztip.de https://www.finanztip.de/fileadmin/template/image.png https://www.finanztip.de/ 61 110 Finanztip ist die führende gemeinnützige Website in Deutschland für Verbraucherfinanzen. Wir helfen Verbrauchern, die richtige Wahl zu treffen und somit viel Geld zu sparen. http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss 25.11.2020 14:41:15 +0000 25.11.2020 14:41:15 +0000 Kinderfreibetrag : Von diesen Steuervorteilen profitieren Eltern https://www.finanztip.de/steuervorteile-fuer-eltern/ https://www.finanztip.de/?id=1117Kinderfreibetrag
Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn Du Kinder hast, kannst Du eine Reihe steuerlicher Vergünstigungen erhalten. Dir steht entweder Kindergeld oder der Kinderfreibetrag zu. Zusätzlich zum Kindergeld bekommst Du als Geringverdiener auf Antrag den sogenannten Kinderzuschlag.
  • Darüber hinaus können der Ausbildungsfreibetrag, der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende sowie Kinderbetreuungskosten die Steuern senken.
  • Bekommst Du Kindergeld und hast in einen Riester-Vertrag eingezahlt, kannst Du von der Kinderzulage profitieren.
So gehst Du vor
  • Kindergeld und Kinderzuschlag beantragst Du bei der Familienkasse.
  • In der Steuererklärung füllst Du für jedes Kind die Anlage Kind aus. Damit beantragst Du den Abzug von Kinderbetreuungskosten, Schulgeld und auch den Ausbildungsfreibetrag für ein auswärts wohnendes, volljähriges Kind in Berufsausbildung.
  • Nach Trennung und Scheidung gilt: Während das Kindergeld nur ein Elternteil bekommt, können sich die Eltern die steuerlichen kinderbezogenen Freibeträge aufteilen.
  • Umfassende Steuertipps und Ausfüllhinweise enthält unser kostenloses 20-seitiges Steuer-E-Book für die Steuererklärung 2019, das Du hier herunterladen kannst.

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Kinder schenken viel Freude, kosten aber auch viel Geld. Einen Teil davon können sich Eltern über die Steuererklärung zurückholen, weil der Staat Familien mit Kindern und Alleinerziehende unterstützt. Eines der wichtigsten Förderinstrumente ist das Kindergeld. Darüber hinaus können Eltern auch zahlreiche Steuervorteile nutzen. Das Einzige, was sie dafür tun müssen, ist, eine Steuererklärung abzugeben. Füllst Du die Anlage Kind sorgfältig aus, hast Du die größte Hürde schon genommen.

Wem steht Kindergeld oder ein Kinderfreibetrag zu?

Du kannst für Dein Kind entweder Kindergeld oder den Kinderfreibetrag erhalten. Für einige Steuerzahler bringen die Kinderfreibeträge einen zusätzlichen steuerlichen Vorteil. Wenn Du eine Steuererklärung samt Anlage Kind für jedes Kind ausfüllst, dann wendet das Finanzamt automatisch die für Dich günstigste Variante an.

Kindergeld steht Dir ab der Geburt Deines Kindes zu. Es wird monatlich ausgezahlt.

Monatliches Kindergeld

Jahr für das erste und zweite Kind je
2014 184 €
2015 188 €
2016 190 €
2017 192 €
2018 194 €
ab 1. Juli 2019 204 €
2021 219 €

Quellen: Paragraf 66 Einkommensteuergesetz und Zweites Familienentlastungsgesetz (Stand: 27. November 2020)

Der Gesetzgeber hat das Kindergeld fast jedes Jahr erhöht. Seit Juli 2019 gibt es für jedes Kind monatlich 10 Euro mehr: für das erste und zweite Kind also 204 Euro, für das dritte Kind 210 Euro und für jedes weitere Kind 235 Euro. 

Zum 1. Januar 2021 steigt das Kindergeld um weitere 15 Euro: auf 219 Euro für das erste und zweite Kind, für das dritte Kind gibt es 225 Euro und für jedes weitere Kind 250 Euro.

Aufgrund der Corona-Pandemie hat die Familienkasse Kindergeldberechtigten im Herbst 2020 einmalig 300 Euro Kinderbonus ausgezahlt. Diesen Betrag gab es für jedes Kind, das im Jahr 2020 mindestens einen Monat einen Kindergeldanspruch hatte. Also auch für Kinder, die zum Beispiel im Laufe des Jahres ihre Ausbildung beendet haben oder erst Ende des Jahres geboren wurden. 

Kindergeld nur auf Antrag

Alle Eltern sollten Kindergeld beantragen, denn zahlreiche Vergünstigungen, beispielsweise im Steuerrecht, hängen vom Kindergeldanspruch ab. Ob ein solcher besteht, weiß das Finanzamt nur, wenn Du einen Kindergeldantrag gestellt hast.

Das Kindergeld beantragst Du bei der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit. Du benötigst für den Antrag die Steueridentifikationsnummern des Kindes sowie des Elternteils, der das Kindergeld erhalten soll. Worauf Du beim Antrag sonst noch achten solltest, erklären wir Dir in unserem Ratgeber Kindergeld.

Eltern erhalten nicht nur für ihren leiblichen Nachwuchs Kindergeld und Kinderfreibeträge, sondern auch für Pflegekinder und adoptierte oder angenommene Kinder. Voraussetzung ist, dass das Kind seinen familiären Mittelpunkt bei den Pflegeeltern hat (§ 32 EStG und § 63 EStG).

Kinderzuschlag für Geringverdiener

Als Geringverdiener kannst Du den Kinderzuschlag als Ergänzung zum Kindergeld bei der Familienkasse beantragen. Der höchstmögliche Kinderzuschlag beträgt seit Juli 2019 monatlich 185 Euro und ab 2021 bis zu 205 Euro.

Im Antrag auf Kinderzuschlag musst Du die Steueridentifikationsnummer des Kindes angeben.

Kinderfreibeträge

Für die meisten Eltern bringt die Auszahlung des Kindergelds mehr als der Kinderfreibetrag. Wenn Du eine Steuererklärung abgibst, prüft das Finanzamt automatisch, was für Dich günstiger ist. Falls für Dich die Kinderfreibeträge günstiger sind, rechnet es im Steuerbescheid das Kindergeld hinzu, um die festzusetzende Einkommensteuer zu berechnen. Die Kinderfreibeträge spielen zudem bei der Berechnung der Kirchensteuer und des Solidaritätszuschlags eine Rolle.

Der gesamte Kinderfreibetrag besteht aus zwei Teilen:

  • dem Freibetrag für das Existenzminimum des Kindes (sächlicher Kinderfreibetrag) und
  • dem Freibetrag für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf (BEA).

Den Freibetrag für das Existenzminimum passt der Gesetzgeber regelmäßig an, weil sich die Preise, zum Beispiel für Lebensmittel, ändern können. Pro Kind und Elternteil beträgt er im Jahr 2020 2.586 Euro, 2021 steigt er auf 2.730 Euro.

Der Betreuungsfreibetrag ist hingegen jahrelang konstant geblieben. 2020 beträgt er pro Elternteil 1.320 Euro, also insgesamt 2.640 Euro für ein Kind. Ab 2021 steigt er für jedes Elternteil auf 1.464 Euro, insgesamt auf 2.928 Euro.

Diese Freibeträge verdoppeln sich, wenn die Eltern verheiratet sind und zusammenveranlagt werden.

Die Kinderfreibeträge pro Kind setzen sich folgendermaßen zusammen:

Kinderfreibeträge seit 2018

      2018 2019 2020 2021
Freibetrag für das Existenzminimum des Kindes 2.394 € 2.490 € 2.586 € 2.730 €

Freibetrag für den Betreuungs- und

Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf (BEA)

1.320 € 1.320 € 1.320 € 1.464 €
Summe pro Elternteil 3.714 € 3.810 € 3.906 € 4.194 €
insgesamt für Eltern 7.428 € 7.620 € 7.816 € 8.388 €

Quellen: Paragraf 32 Absatz 6 Einkommensteuergesetz und Zweites Familienentlastungsgesetz (Stand: 27. November 2020)

Während das Kindergeld erst im Juli 2019 erhöht wurde, gilt der höhere Kinderfreibetrag bereits ab Januar 2019.

Kinder- und BEA-Freibetrag stehen grundsätzlich jedem der beiden Elternteile zu. Anspruch auf den vollen Kinderfreibetrag besteht dann, wenn der andere Elternteil des Kindes verstorben oder nicht unbeschränkt einkommensteuerpflichtig ist. Das gilt ebenfalls, sofern der andere Elternteil „untergetaucht“ ist oder sich der Vater nicht amtlich feststellen lässt.

Exkurs: Zu niedriger Kinderfreibetrag?

Bis wann bekommst Du Kindergeld oder Kinderfreibeträge?

Für jedes Kind füllst Du eine eigene Anlage Kind in Deiner Einkommensteuererklärung aus. Mit diesem Steuerformular musst Du Dich auch auseinandersetzen, wenn Deine Lohnsteuerbescheinigung Angaben zu Deinen Kindern enthält. Dieser Eintrag spielt für den monatlichen Lohnsteuerabzug und für die Höhe der Einkommensteuer keine Rolle. Im Laufe des Jahres wirken sich die eingetragenen Kinderfreibeträge aber auf die Höhe der Kirchensteuer und des Solidaritätszuschlags aus, die Dein Arbeitgeber einbehält.

Vergleichsrechnung bei Kindergeld und Kinderfreibeträgen

Der Regelfall ist, dass Eltern Kindergeld erhalten. Mit der Steuererklärung lassen sie dann vom Finanzamt überprüfen, ob für sie die Kinderfreibeträge günstiger sind.
Grundsätzlich gilt: Eltern können nicht Kindergeld erhalten und zusätzlich die vollen Kinderfreibeträge von der Steuer absetzen. Das Finanzamt verrechnet nämlich das Kindergeld mit dem Steuervorteil, der sich durch die Kinderfreibeträge ergibt. Es bleibt daher nur die Differenz zwischen Kindergeld und Steuerfreibeträgen. Das Finanzamt prüft nach der Einkommensteuererklärung mit Anlage Kind automatisch, was günstiger ist: Kindergeld oder Kinderfreibetrag.

Achtung: Bei der Günstigerprüfung zieht das Finanzamt aber generell den Anspruch auf das Kindergeld heran und nicht das tatsächlich gezahlte Kindergeld.

Falls sich verheiratete Eltern zusammen zur Einkommensteuer veranlagen lassen, profitieren sie erst ab einem zu versteuernden Einkommen von zirka 66.000 Euro von einer zusätzlichen Steuerentlastung. Diese Grenze kann sich verschieben, wenn die Bundesregierung das Kindergeld erhöht.

Lebt das Kind nur bei einem Elternteil und lässt sich dieser den Betreuungsfreibetrag (BEA) des anderen Elternteils übertragen, dann bringt der Kinderfreibetrag bereits bei einem zu versteuernden Einkommen von mehr als 17.000 Euro eine zusätzliche Steuerersparnis.

Wenn ein Kind im gesamten Jahr 2020 kindergeldberechtigt ist, zahlt die Familienkasse insgesamt 2.748 Euro aus (2.448 Euro Kindergeld + 300 Euro Kinderbonus). Dieser Betrag wird aber im Rahmen der Günstigerprüfung mit dem Kinderfreibetrag verrechnet. Folglich profitieren gutverdienende Eltern nach der Steuererklärung nur teilweise oder überhaupt nicht vom Corona-Kinderbonus. Letzteres ist der Fall für ein Ehepaar mit einem Kind und einem zu versteuernden Einkommen von insgesamt über 86.000 Euro. Ungekürzt verbleibt der Corona-Kinderbonus bis zu einem Jahreseinkommen von knapp 68.000 Euro.

Altersgrenzen bei Kindern

Das Kindergeld fließt ohne Weiteres, solange Dein Nachwuchs das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Von Kindergeld und Kinderfreibeträgen kannst Du auch bei volljährigen Nachkommen bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres profitieren. Das ist möglich, wenn Dein Kind eine Berufsausbildung macht (einschließlich Schulausbildung). Auch falls Dein Sohn oder Deine Tochter keinen Ausbildungsplatz hat und deshalb die Berufsausbildung nicht beginnen oder fortsetzen konnte, zahlt die Finanzkasse weiter. Darüber hinaus erhältst Du Kindergeld für ein volljähriges Kind, sofern es einen der folgenden Dienste leistet:

  • freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr,
  • europäischer/entwicklungspolitischer Freiwilligendienst,
  • Freiwilligendienst aller Generationen,
  • internationaler Jugendfreiwilligendienst,
  • Bundesfreiwilligendienst oder
  • einen anderen Dienst im Ausland.

Dein Kindergeldanspruch bleibt auch dann erhalten, wenn sich Dein Nachwuchs in einer Übergangszeit zwischen einem Ausbildungsabschnitt und einem der oben genannten Dienste befunden hat. Dabei sind höchstens vier Monate zulässig.

Eine Besonderheit gilt für arbeitslose Kinder, die das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet haben: Sie müssen bei einer Agentur für Arbeit als arbeitssuchend gemeldet sein, und zwar in Deutschland, der Schweiz, in der Europäischen Union oder in einem Land, das zum Europäischen Wirtschaftsraum gehört.

Abgeschlossene Berufsausbildung

Auch nachdem Dein volljähriges Kind unter 25 seine erste Berufsausbildung oder sein Erststudium abgeschlossen hat, kannst Du weiterhin Kindergeld beziehen und von den Freibeträgen profitieren. Das geht unter anderem, solange das Kind einer weiteren Ausbildung nachgeht, etwa ein Bachelor- oder ein Masterstudium absolviert. Oder nach seiner Erstausbildung beispielsweise einen Freiwilligendienst leistet.

In diesen Fällen kommt allerdings eine wichtige Einschränkung hinzu: Dein Kind darf keiner Erwerbstätigkeit nachgehen.

Darunter versteht das Finanzamt alles, was über 20 Stunden vertraglich vereinbarte, regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit hinausgeht. Ein Ausbildungsdienstverhältnis oder ein 450-Euro-Job schaden nicht. Bei solchen geringfügig entlohnten Beschäftigungen spielt die wöchentliche Arbeitszeit keine Rolle. Das Kind darf allerdings nicht mehrere Jobs haben, bei denen es insgesamt mehr als 450 Euro verdient.

Von einer geringfügigen oder kurzfristigen Beschäftigung geht das Finanzamt auch aus, sofern das Kind zwar mehr als 450 Euro im Monat verdient, innerhalb des gesamten Jahres aber höchstens drei Monate oder 70 Arbeitstage arbeitet.

Dein Sohn oder Deine Tochter darf auch eine geringfügige Beschäftigung neben einer anderen Erwerbstätigkeit ausüben, solange dadurch insgesamt nicht die 20-Stunden-Grenze überschritten wird. Erlaubt ist auch eine vorübergehende (höchstens drei Monate lange) Ausweitung der Beschäftigung auf mehr als 20 Stunden, wenn den Rest des Jahres durchschnittlich die wöchentliche Arbeitszeit eingehalten wird.

Das Finanzamt versteht unter „Erwerbstätigkeit“ nicht nur das Arbeitnehmerdasein. Auch eine land- und forstwirtschaftliche, eine gewerbliche und eine selbstständige Tätigkeit gehören dazu. Wenn Dein Kind schon laut Arbeitsvertrag 20 Stunden die Woche arbeitet, sollte es also nicht zusätzlich noch eine freiberufliche Tätigkeit oder Nebengewerbe anmelden.

Für behinderte Kinder gelten Sonderregeln

Sollte Dein Kind nicht selbst für sich sorgen können, weil es körperlich, geistig oder seelisch behindert ist, wird es auch nach Vollendung des 25. Lebensjahres unbegrenzt berücksichtigt. Voraussetzung ist allerdings, dass die Behinderung schon vor dem 25. Geburtstag eingetreten ist.

Ein Kind ist außerstande, sich selbst finanziell zu unterhalten, wenn es mit seinen eigenen Mitteln nicht seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Gemeint ist damit:

  1. der allgemeine Lebensbedarf (Grundfreibetrag in Höhe von 9.408 Euro im Jahr 2020, 9.744 Euro im Jahr 2021, 9.984 Euro im Jahr 2022) und
  2. zusätzlich der individuelle behinderungsbedingte Mehrbedarf (unter anderem Kosten für eine Heimunterbringung, Pflegebedarf in Höhe des gezahlten Pflegegelds, gegebenenfalls Behinderten-Pauschbetrag).

Dazu verlangt das Finanzamt eine Gegenüberstellung des notwendigen Lebensbedarfs mit den eigenen finanziellen Mitteln des Kindes. Die ergeben sich aus dem verfügbaren Nettoeinkommen und den Leistungen Dritter. Bei der Ermittlung des verfügbaren Nettoeinkommens sind alle steuerpflichtigen Einkünfte zu berücksichtigen, alle steuerfreien Einnahmen und etwaige Steuererstattungen. Abzuziehen sind tatsächlich gezahlte Steuern und Vorsorgeaufwendungen, das heißt, die Beiträge zu einer Basiskranken- und Pflege-Pflichtversicherung sowie gesetzliche Sozialabgaben bei Arbeitnehmern.

Kindergeld wird nur sechs Monate rückwirkend gezahlt

Eltern mit Kindergeldanspruch sollten sich für ihren Antrag bei der Familienkasse nicht allzu viel Zeit lassen. Seit 2018 wird Kindergeld ab Antragstellung längstens sechs Monate rückwirkend gezahlt.

Insbesondere Eltern, deren volljährige Kinder auf den gewünschten Ausbildungs- oder Studienplatz warten müssen, kann es passieren, dass sie den Antrag verspätet stellen und trotz eines längeren Anspruchs nur für die letzten sechs Monate Kindergeld erhalten.

Bis Mitte 2019 durften die Finanzämter das Kindergeld bei der Günstigerprüfung auch dann anrechnen, wenn es gar nicht gezahlt wurde – etwa weil die Eltern den Antrag zu spät gestellt hatten. Dadurch ging für viele betroffene Eltern die steuerliche Entlastung verloren. Denn wenn die Vergleichsberechnung des Finanzamts ergibt, dass sich die Kinderfreibeträge steuerlich günstiger auswirken als das Kindergeld, dann bekommen die Eltern die steuerliche Differenz ausbezahlt.

Hast auch Du Kindergeld zu spät beantragt, kannst Du jetzt von einer Gesetzesänderung profitieren, musst dafür aber eventuell selbst aktiv werden. Der Bundesrat hat am 28. Juni 2019 dem Gesetz gegen illegale Beschäftigung und Sozialleistungsmissbrauch zugestimmt. Darin ist geregelt, dass das Finanzamt Kindergeld, das die Familienkasse wegen eines verspäteten Antrags nicht gezahlt hat, nicht mehr auf die Steuerentlastung durch die Kinderfreibeträge anrechnen darf. Das Finanzamt darf nur tatsächlich ausgezahltes Kindergeld berücksichtigen.

Der Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine weist darauf hin, dass die Regelung für alle noch nicht bestandskräftige Veranlagungen gilt. Das sind Steuerbescheide, die das Finanzamt als vorläufig gekennzeichnet hat und diejenigen, gegen die Du noch Einspruch einlegen kannst. Wurde Dir aufgrund eines verspäteten Antrags die rückwirkende Kindergeldauszahlung versagt, solltest Du innerhalb eines Monats Einspruch einlegen, falls das Finanzamt im Steuerbescheid nicht gezahltes Kindergeld auf den Kinderfreibetrag angerechnet hat. Du solltest dem Finanzamt mit dem Kindergeldbescheid oder einer Bescheinigung der Familienkasse die Differenz zwischen dem Anspruch aufs Kindergeld und dem tatsächlich ausgezahlten Kindergeld nachweisen. Dann erst kann das Finanzamt die Steuerentlastung durch die Kinderfreibeträge im Steuerbescheid korrekt ausweisen.

Wie kannst Du bestimmte Ausgaben für Kinder geltend machen?

Die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung für Dein Kind kannst Du als Sonderausgaben von der Steuer abziehen. Sofern Du für dieses Kind Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag hast, gehören die gezahlten Beiträge in die Anlage Kind.

Auch wenn Dein Kind Auszubildender mit eigenem Einkommen ist, darfst Du die Kosten absetzen. Vorausgesetzt, dass Du die Beiträge für Dein Kind wirtschaftlich getragen hast. Trägst Du die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, die Du für Dein Kind zahlst oder ihm erstattest, bei den Vorsorgeaufwendungen in Deiner Steuererklärung ein (Anlage Vorsorgeaufwand). Das gilt, wenn Du keinen Anspruch auf Kindergeld hast.

Unterhaltsleistungen für ältere Kinder absetzen

Du musst steuerlich nicht unbedingt leer ausgehen, wenn Dein Nachwuchs die maßgebende Altersgrenze überschritten hat und Du kein Kindergeld mehr erhältst. Deine Kosten für den Unterhalt und eine Berufsausbildung Deiner Kinder kannst Du als außergewöhnliche Belastungen geltend machen.

Als Höchstbetrag gilt der im jeweiligen Jahr geltende Grundfreibetrag – für das Jahr 2020 liegt der Unterhaltshöchstbetrag bei 9.408 Euro (2021: 9.744 Euro, 2022: 9.984 Euro).

Der absetzbare Betrag erhöht sich noch um die Kosten, die Du gezahlt hast für die Basisabsicherung Deines unterhaltsberechtigten Kindes in der Krankenversicherung und der gesetzlichen Pflegeversicherung.

Allerdings wird das eigene Einkommen des Unterstützten angerechnet, soweit es oberhalb von 624 Euro im Jahr beträgt. Es reduziert den abzugsfähigen Betrag dementsprechend.

Exkurs: Kind wohnt mit Partner zusammen

Sonderfall Ausland

Die Kinderfreibeträge stehen Dir auch dann zu, wenn Dein Nachwuchs nicht in Deutschland lebt. Das Finanzamt berücksichtigt dabei allerdings die wirtschaftlichen Verhältnisse des Staates, in dem Dein Kind wohnt. Je nach Land kürzt es die Freibeträge um ein Viertel, die Hälfte oder drei Viertel. Ausschlaggebend dafür ist die sogenannte Ländergruppeneinteilung, die das Bundesfinanzministerium veröffentlicht hat.

Möglicherweise erbringt der ausländische Staat dem Kindergeld vergleichbare Zahlungen. Dann erhältst Du entweder in Deutschland kein Kindergeld oder das im Ausland gezahlte wird auf das deutsche Kindergeld angerechnet.

Wenn Dein Kind sich nur wegen seiner Berufsausbildung im Ausland aufhält, aber weiterhin zu Deinem Haushalt gehört oder in Deutschland einen eigenen Haushalt hat, trägst Du die deutsche Anschrift in der Anlage Kind ein. So sicherst Du Dir die vollen Kinderfreibeträge.

Sprachaufenthalte im Ausland erkennt der Fiskus als Berufsausbildung an. Unproblematisch ist es, wenn die Sprachferien verbunden sind mit dem Besuch einer allgemeinbildenden Schule, einem College oder einer Universität. In allen anderen Fällen muss der Aufenthalt von einem theoretisch-systematischen Fremdsprachenunterricht mit wöchentlich zehn Stunden begleitet werden. Das gilt vor allem bei Auslandsaufenthalten im Rahmen von Au-pair-Verhältnissen.

Was ist der Ausbildungsfreibetrag?

Solange sich Dein volljähriges Kind noch in der Berufsausbildung befindet und außerhalb Deines Haushalts wohnt, kannst Du eine weitere Steuersparmöglichkeit nutzen: den Freibetrag zur Abgeltung eines Sonderbedarfs bei Berufsausbildung. Dieser Ausbildungsfreibetrag schlägt jährlich mit 924 Euro zu Buche. Voraussetzung ist, dass Du Anspruch auf Kindergeld beziehungsweise Kinderfreibeträge hast. Zur Ausbildung gehört übrigens auch die Schulausbildung oder ein Studium.

Das Finanzamt kürzt den Ausbildungsfreibetrag, wenn die genannten Voraussetzungen nicht das ganze Jahr erfüllt waren. Hat Dein Kind seine Berufsausbildung zum Beispiel im Dezember abgebrochen, verringert sich der Freibetrag um ein Zwölftel.

Eine Voraussetzung für den Anspruch auf den Ausbildungsfreibetrag ist die auswärtige Unterbringung. Das ist erfüllt, wenn Dein Kind außerhalb der elterlichen Wohnung untergebracht ist, beispielsweise in einer eigenen Wohnung, im Studentenwohnheim, in einer Wohngemeinschaft oder bei Verwandten.

Falls Du geschieden bist oder dauernd getrennt lebst, kann jeder Elternteil den Freibetrag zur Hälfte in Anspruch nehmen. Ihr könnt ihn aber auch in einem anderen Verhältnis aufteilen. Dazu gebt Ihr einfach in der Anlage Kind einen Anteil in Prozent an und fügt Eurer Steuererklärungen einen formlosen Antrag beider Elternteile bei, aus dem Eure Aufteilung hervorgeht. Den Antrag müssen beide Elternteile unterschreiben.

Was ist der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende?

Singles, die ein Kind erziehen, für das sie Anspruch auf Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag haben, können einen weiteren Entlastungsbetrag von 1.908 Euro (+ 240 Euro für jedes weitere Kind) steuerlich geltend machen. Für die Jahre 2020 und 2021 hat der Gesetzgeber den Entlastungsbetrag auf 4.008 Euro erhöht.

Für diesen Freibetrag gibt es jedoch einige Voraussetzungen: Der Sohn oder die Tochter muss zum Haushalt des Elternteils gehören, der den Entlastungsbetrag beansprucht. Davon geht das Finanzamt in der Regel aus, wenn das Kind bei ihm gemeldet ist. Falls das Kind auch noch bei anderen Personen gemeldet ist, können Alleinerziehende den Entlastungsbetrag geltend machen, wenn sie auch das Kindergeld erhalten.

Im Lohnsteuerabzugsverfahren entspricht der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende der Steuerklasse II. Diese kannst Du beim Finanzamt mit einem Antrag auf Lohnsteuerermäßigung bekommen. Den Entlastungsbetrag bekommst Du auch, wenn Du eine Steuererklärung mit der Anlage Kind abgibst.

Die Formulare findest Du online im Formular-Management-System der Bundesfinanzverwaltung.

Der Entlastungsbetrag steht Dir nicht zu, wenn Du und Dein Kind mit anderen Volljährigen zusammenwohnen, beispielsweise mit einem Lebenspartner oder in einer Wohngemeinschaft. 

Hier kannst Du Dir unser kostenloses 20-seitiges
E-Book für die Steuererklärung 2019 herunterladen:

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Wie können Sie Kinderbetreuungskosten absetzen?

Sie können zwei Drittel Ihrer Kosten für die Kinderbetreuung bis maximal 6.000 Euro, also höchstens 4.000 Euro je Kind und Jahr, als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Dafür müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Es handelt sich um Ihr eigenes Kind oder Pflegekind.
  2. Das Kind gehört zu Ihrem Haushalt. (Bei nicht zusammenlebenden Eltern ist die Meldeadresse des Nachwuchses entscheidend.)
  3. Das Kind hat sein 14. Lebensjahr noch nicht vollendet.

Diese Altersgrenze gilt nicht, wenn das Kind sich wegen einer vor Vollendung des 25. Lebensjahres eingetretenen körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung nicht selbst unterhalten kann.

Folgende Aufwendungen können Sie beispielsweise in der Anlage Kind Ihrer Steuererklärung angeben:

  • die Unterbringungskosten von Kindern in Kindertagesstätten, -horten und -krippen, Internaten sowie bei Tagesmüttern und in Ganztagspflegestellen;
  • die Beschäftigung von Kinderpflegerinnen, Erzieherinnen und Kinderschwestern;
  • die Beschäftigung von Haushaltshilfen, soweit sie Kinder betreuen;
  • die Beaufsichtigung von Kindern bei der Erledigung der häuslichen Schulaufgaben.

Nicht berücksichtigt werden allerdings Kosten für (Nachhilfe-)Unterricht, für sportliche und andere Freizeitbetätigungen sowie für die Verpflegung des Kindes.

Der Abzug von Kinderbetreuungskosten setzt voraus, dass Sie dafür eine Rechnung erhalten haben und den Betrag an die Betreuungsperson überwiesen haben. Barzahlungen und Barschecks erkennt der Fiskus nicht an. Die Rechnung und die Zahlungsnachweise müssen Sie zwar nur auf Verlangen des Finanzamts vorlegen, trotzdem sollten Sie sie gut aufbewahren.

Häufig übernehmen nahe Angehörige die Kinderbetreuung. Sofern Sie dafür Geld überwiesen und klare und schriftliche Vereinbarungen getroffen haben, die Sie auch tatsächlich umsetzen, können Sie auch diese Art der Kinderbetreuungskosten von der Steuer absetzen. Die Betreuungsperson darf allerdings nicht mit Ihnen und Ihrem Kind in einem Haushalt leben.

Denkbar ist zum Beispiel, dass die Oma ihren Enkel ohne Vergütung betreut, dafür aber ihre Fahrtkosten in Rechnung stellt, die Sie überweisen. Diesen Aufwendungsersatz können Sie als Kinderbetreuungkosten absetzen.

Falls Sie im Rahmen eines sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisses oder eines Minijobs als Arbeitgeber der Betreuungsperson fungieren, reicht als Nachweis der schriftliche Arbeitsvertrag. Beschäftigen Sie in Ihrem Privathaushalt einen Minijobber, dann können Sie für die Haushaltshilfe als Steuerermäßigung 20 Prozent von höchstens 2.550 Euro erhalten, also bis zu 510 Euro. Geregelt ist dies im Paragraf 35a Absatz 1 Einkommensteuergesetz.

Haben Sie das Kind in einem Kindergarten oder Hort betreuen lassen, genügen der Bescheid des öffentlichen oder privaten Trägers über die Gebühren und Ihr Überweisungsbeleg. 

Wie können Sie Schulgeld absetzen?

Geht Ihr Kind auf eine Privatschule, für die Sie Schulgeld bezahlt haben? Dann dürfen Sie 30 Prozent des Schulgelds als Sonderausgaben absetzen. Als jährlicher Höchstbetrag gelten 5.000 Euro für jedes Kind. Die entsprechenden Angaben machen Sie in der Anlage Kind. Wann das Schulgeld abzugsfähig ist, haben wir in einem extra Ratgeber zusammengefasst.     

Wie werden Kinder bei einem Riester-Vertrag berücksichtigt?

Viele Steuerzahler haben für ihre private Altersvorsorge Riester-Verträge abschlossen. Diese werden steuerlich besonders gefördert: Es gibt jährlich pro Kind 300 Euro Zulage, wenn es 2008 oder später geboren wurde. Für ein älteres Kind sind 185 Euro Kinderzulage drin.

Als Riester-Sparer können Sie die Kinderzulage selbst dann beanspruchen, wenn Sie für Ihren Sohn oder Ihre Tochter nur einen Monat lang im Jahr Kindergeld bezogen hatten. Dafür stellen Sie am besten einen Dauerzulagenantrag bei Ihrem Anbieter.

Für die vollen Förderbeträge müssen Sie mindestens 4 Prozent des rentenversicherungspflichtigen Bruttoeinkommens abzüglich der Grund- und Kinderzulagen in Ihren Sparvertrag einzahlen. Ansonsten wird die Zulage gekürzt.

Eigenbeiträge und Zulagen bis zu 2.100 Euro im Jahr sind zudem als Sonderausgaben abzugsfähig. Besserverdienende können sich so noch einen zusätzlichen Steuervorteil sichern.

In der Steuererklärung ist dafür die Anlage AV auszufüllen.

Welche Folgen haben Trennung und Scheidung?

Trennen sich Eltern, müssen sie auch die Konsequenzen für die Steuererklärung neu durchdenken. Kindergeld kann nur einer der beiden Ex-Partner erhalten. Bleibt das Kind zum Beispiel bei der Mutter, dann steht ihr auch das Kindergeld zu.

Zahlt beispielsweise der Mann Unterhalt für das Kind, wird das Kindergeld aber angerechnet. Der Vater schuldet dem Kind Barunterhalt. Davon kann er jedoch die Hälfte des Kindergelds abziehen. Folglich reduziert sich der monatlich zu zahlende Kindesunterhalt. Steuerlich absetzen kann der Vater aber den Kindesunterhalt nicht.

Anders behandelt werden die steuerlichen Freibeträge: der Kinderfreibetrag und der sogenannte BEA-Freibetrag für Betreuung, Erziehung und Ausbildung. Grundsätzlich stehen diese Freibeträge beiden Elternteilen gleichmäßig zu. Deshalb gibt es steuerrechtlich halbe Kinder: wenn nämlich der Freibetrag für ein Kind zwischen Vater und Mutter aufgeteilt werden muss.

Wem nach der Trennung der volle Kinderfreibetrag zusteht 

Unter bestimmten Umständen kann der betreuende Elternteil für das Kind oder die Kinder den vollen Freibetrag absetzen:

  • Der andere Elternteil ist bereits vor Beginn des Kalenderjahres verstorben.
  • Der andere Elternteil lebt dauerhaft im Ausland und ist deshalb nicht unbeschränkt einkommensteuerpflichtig.
  • Der Aufenthalt des anderen Elternteils ist nicht zu ermitteln.
  • Der Vater des Kindes ist amtlich nicht feststellbar.
  • Der betreuende Elternteil hat allein das Kind adoptiert oder als Pflegekind aufgenommen.
  • Die Mutter gibt den Behörden den Namen des Vaters nicht preis.

Wie lassen sich Kinderfreibetrag und BEA-Freibetrag übertragen?

In bestimmten Fällen kann der betreuende Elternteil den halben Kinderfreibetrag des anderen Elternteils auf sich übertragen lassen. Dazu ist ein Antrag in der Einkommensteuererklärung nötig. Die Voraussetzungen sind:

  1. Der Unterhaltsverpflichtete zahlt weniger als 75 Prozent des fälligen Kindesunterhalts.
  2. Mangels Leistungsfähigkeit ist dieser gar nicht unterhaltspflichtig.

Wenn in unserem Beispielfall die Mutter das Kind betreut, kann sie in einer solchen Situation die kompletten Kinder- und BEA-Freibeträge beantragen. Das gilt auch für die weiteren kinderbezogenen Freibeträge wie Kinderzulage, Ausbildungsfreibetrag, Behinderten-Pauschbetrag und Hinterbliebenen-Pauschbetrag.

Für Kinder unter 18 Jahren lässt sich der BEA-Freibetrag von einem zum anderen Elternteil übertragen. Oft ist es so, dass die Mutter, die das Kind allein betreut, diesen einseitigen Antrag stellt und dann den BEA-Freibetrag alleine bekommt. Dafür verlangt das Finanzamt keinerlei Nachweise, denn der andere Elternteil muss nicht zustimmen.

Wichtig: Das Kind darf beim unterhaltsverpflichteten Elternteil (in diesem Beispiel der Vater) nicht gemeldet sein. Ein einziger Tag wäre schon schädlich.

Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs kann jedoch der unterhaltsverpflichtete Elternteil widersprechen, dass sein halber BEA-Freibetrags übertragen wird (BFH, Urteil vom 8. November 2017, Az. III R 2/16). Der Widerspruch ist immer dann erfolgreich möglich, wenn der Elternteil sein minderjähriges Kind regelmäßig betreut und dabei auf insgesamt mindestens 10 Prozent der Betreuungszeit kommt. Eine Vereinbarung, dass er das Kind jedes zweite Wochenende und in den Ferien betreut, ist ein gleichmäßiger Betreuungsrhythmus. Praktiziert er diesen tatsächlich, dann würde er das Kind an mehr als 37 Tagen im Jahr betreuen und läge damit oberhalb der 10-Prozent-Grenze. Ihm steht dann der halbe BEA-Freibetrag zu.

Helfer für die Steuererklärung

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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 26.11.2020 14:46:00 +0000
Kurzarbeit und Kurzarbeitergeld : Mit Kurzarbeit durch die Corona-Krise https://www.finanztip.de/kurzarbeit/ https://www.finanztip.de/?id=7296Kurzarbeit und Kurzarbeitergeld

Während der Corona-Pandemie müssen einige Firmen vorübergehend den Betrieb einstellen, Aufträge brechen weg, Hotels, Restaurants und Kantinen sind zu und Bänder stehen still. Im Oktober 2020 waren in Deutschland 3,3 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Bist Du auch davon betroffen? Wir geben Dir Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist Kurzarbeit?

In Notfällen wie der Finanzkrise oder der Corona-Pandemie greift der Staat mit der Bundesagentur für Arbeit bedürftigen Unternehmen wirtschaftlich unter die Arme, damit diese während einer vorübergehenden Krise ihre Mitarbeiter nicht entlassen müssen. Statt zu kündigen kann Dich Dein Arbeitgeber in Kurzarbeit schicken. Das bedeutet: Du arbeitest weniger als sonst, bei „Kurzarbeit Null“ sogar gar nicht mehr, ohne arbeitslos zu sein.

Finanziell bist Du als Arbeitnehmer durch das Kurzarbeitergeld abgesichert, das ungefähr dem Arbeitslosengeld entspricht. Du musst dafür nichts beantragen. Das erledigt Dein Arbeitgeber für Dich. Der wiederum bekommt seine Zahlungen von der Arbeitsagentur erstattet, wenn er mindestens 10 Prozent der Belegschaft nicht voll beschäftigen kann. Auch die Sozialversicherungsbeiträge erstattet die Bundesagentur für Arbeit Deinem Arbeitgeber in voller Höhe bis zum 30. Juni 2021. Danach gibt es nur noch die Hälfte der Beiträge, bis längstens Ende 2021. Ist die Krise vorbei, startest Du wieder mit Deiner Arbeit, wie es in Deinem Arbeitsvertrag steht.

Vereinbarung mit dem Arbeitgeber notwendig

Durch den Arbeitsvertrag hast Du Dich mit Deinem Arbeitgeber darauf geeinigt, wie viele Stunden Du in der Woche arbeitest und was Du verdienst. Dein Chef kann deshalb nicht einfach anordnen, dass Du weniger arbeitest oder ganz zuhause bleibst und entsprechend weniger Geld bekommst. Kurzarbeit funktioniert daher nur, wenn Du als Arbeitnehmer zustimmst.

In einigen Arbeitsverträgen gibt es dazu jedoch besondere Klauseln. Mit der Unterschrift unter den Arbeitsvertrag haben sich viele Arbeitnehmer schon vorab mit Kurzarbeit einverstanden erklärt, falls sie einmal notwendig wird. Ein anderer Weg, über den Du nicht persönlich in der jetzigen Situation zustimmen musst, ist, dass es eine Betriebsvereinbarung dazu gibt.

Und selbst wenn Dein Chef Dich einfach über die Verkürzung Deiner Arbeitszeit anlässlich von Corona in Kenntnis setzt: Oft wird Dir nichts anderes übrigbleiben, als dem zuzustimmen. Falls Du der Kurzarbeit widersprichst, riskierst Du eine betriebsbedingte Kündigung.

Kurzarbeit und Minijob

Für Minijobber gibt es kein Kurzarbeitergeld. Arbeitgeber können die Leistung nur für die Arbeitnehmer beantragen, die auch Beiträge in die Arbeitslosenversicherung zahlen. Geringfügig Beschäftigte oder 450-Euro-Minijobber zahlen nicht ein.

Hast Du einen Minijob und stellt Dich Dein Arbeitgeber frei, dann muss er Dein Gehalt weiterzahlen. Steht in Deinem Vertrag nicht, wie viele Stunden Du im Monat arbeiten musst, dann wirst Du so behandelt, als wären 20 Stunden vereinbart – und die muss Dein Arbeitgeber auch bezahlen. Er kann Dich auch kündigen. Dann muss er aber bis zum Ablauf der Kündigungsfrist Deinen Lohn weiterzahlen, auch wenn Du wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht arbeiten konntest.

Wie hoch ist das Kurzarbeitergeld?

Wer in Kurzarbeit ist, bekommt Kurzarbeitergeld. Wieviel genau, hängt davon ab, ob Du Kinder hast und wie lange Du schon in Kurzarbeit bist. Mitarbeiter mit Kindern erhalten rund 67 Prozent vom letzten Nettolohn, falls sie in Kurzarbeit Null sind. Diejenigen, die reduziert arbeiten, erhalten ihren Teilzeitlohn – auch Kurzarbeiterlohn genannt. Für den finanziellen Ausgleich zum Vollzeitlohn gibt es 67 Prozent als Kurzarbeitergeld. Wer keine Kinder hat, bekommt 60 Prozent.

Ein Beispiel: Eine Mitarbeiterin mit Kind erhält normalerweise netto 2.400 Euro. In der Corona-Krise kann sie nur noch 50 Prozent arbeiten. Für die geleisteten Stunden zahlt der Arbeitgeber die Hälfte des vereinbarten Gehalts, also nur noch 1.200 Euro. Als Kurzarbeitergeld bekommt sie in den ersten drei Monaten 67 Prozent von 1.200 Euro, also 804 Euro. Insgesamt bekommt sie somit 2.004 Euro, arbeitet aber nur die Hälfte der Zeit.

Ab dem vierten Monat der Kurzarbeit gibt es in der Corona-Pandemie mehr Geld. Du bekommst dann 77 Prozent des ausgefallenen Lohns, wenn Du Kinder hast, ansonsten 70 Prozent. Ab dem siebten Monat sind es sogar 87 Prozent beziehungsweise 80 Prozent für Kinderlose. Voraussetzung für die Erhöhungen: Du arbeitest während der Kurzarbeit weniger als die Hälfte Deiner üblichen Stunden. Die folgende Tabelle gilt für alle, die bis März 2021 in Kurzarbeit geschickt werden.

Höhe des Kurzarbeitergelds bis zum 31. Dezember 2021

Dauer der Kurzarbeit mit Kindern ohne Kinder
1. bis 3. Monat 67 % der Nettodifferenz 60 % der Nettodifferenz
4. bis 6. Monat 77 % der Nettodifferenz 70 % der Nettodifferenz
ab dem 7. Monat 87 % der Nettodifferenz 80 % der Nettodifferenz

Quelle: §§ 105, 421c Abs. 2 SGB III

Die Monate, in denen Du Kurzarbeitergeld bekommst, müssen nicht zusammenhängen. Das bedeutet: Unterbrechungen der Kurzarbeit wirken sich nicht auf die Höhe des Kurzarbeitergeldes aus. Erhältst Du aber in einem Monat zum Beispiel Krankengeld, so wird dieser Monat nicht berücksichtigt.

Das Kurzarbeitergeld ist wie das Arbeitslosengeld gedeckelt. Dein Gehalt wird für die Berechnung nur bis zur aktuellen Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Renten- und Arbeitslosenversicherung berücksichtigt. Das bedeutet, Dein Arbeitgeber berechnet Dein Kurzarbeitergeld mit einem Verdienst von 6.900 Euro im Westen oder 6.450 Euro im Osten, selbst wenn Dein Einkommen höher liegt. Im Jahr 2021 liegen die Grenzen bei 7.100 Euro im Westen und 6.700 Euro im Osten.

Steuerklasse und Kinderfreibeträge und Kurzarbeitergeld

Welche Steuerklasse bei der Berechnung des Kurzarbeitergelds berücksichtigt wird, hängt von den Eintragungen auf Deiner elektronischen Lohnsteuerkarte ab. Änderst Du die Steuerklasse, muss Dein Arbeitgeber das bei der Abrechnung des darauffolgenden Monats berücksichtigen.

In dieser Tabelle 1 der Bundesagentur für Arbeit kannst Du anhand der Steuerklassen ablesen, wie hoch Dein reguläres Kurzarbeitergeld in den ersten drei Monaten ausfällt. Die erhöhten Zahlbeträge ab dem vierten Monat kannst Du in Tabelle 2 ablesen.

Achtung: Falls Du Kinder hast und in Steuerklasse V bist, musst Du selbst aktiv werden. Auf Deiner Lohnsteuerkarte fehlt nämlich der Kinderfreibetrag, der steht bei Deinem Ehepartner mit Lohnsteuerklasse III. Teile Deinem Chef mit, dass Du Anspruch auf das höhere Kurzarbeitergeld hast. Dazu schickst Du ihm am besten eine Kopie der Lohnsteuerkarte Deines Ehepartners.

Laut Bundesagentur für Arbeit müssen weder Du noch Dein Chef derzeit eine gesonderte Bescheinigung bei der Agentur für Arbeit beantragen. Dein Chef muss nur die Nachweise aufbewahren für eine spätere Prüfung.

Arbeitgeberzuschuss zum Kurzarbeitergeld

Einige Arbeitgeber stocken das Kurzarbeitergeld freiwillig auf, weil sie die finanziellen Folgen von Corona für ihre Mitarbeiter abmildern wollen. Solche Zuschüsse sind in manchen Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen sogar festgeschrieben. Bekommst Du als Arbeitnehmer einen Arbeitgeberzuschuss, so ist dieser beitrags- und steuerfrei, sofern er zusammen mit dem Kurzarbeitergeld 80 Prozent Deines ausgefallenen Lohns nicht übersteigt (§ 3 Nr. 28a EstG, § 1 Abs. 1 Nr. 8 SvEV).

Was ist mit Überstunden und Urlaub?

Kurzarbeitergeld gibt es erst dann, wenn Du Dein Überstundenkonto abgebaut hast. Überstunden während der Kurzarbeit sind grundsätzlich nicht erlaubt, auch wenn das in der Praxis immer wieder vorkommen soll: Die Firma ordnet Kurzarbeit an, bekommt Kurzarbeitergeld und die Mitarbeiter sollen Überstunden machen. Das könnte Subventionsbetrug sein.

Du solltest immer genau aufschreiben, wie viele Stunden Du arbeitest – besonders während der Kurzarbeit, damit Du Dich nicht der Beihilfe zum Betrug strafbar machst. Auch die Lohnabrechnung solltest Du kontrollieren. Stehen dort weniger Stunden, als Du tatsächlich gearbeitet hast, solltest Du das mit Deinem Arbeitgeber klären. Er muss die Mehrstunden nachvergüten.

Bevor Du Kurzarbeitergeld bekommst, musst Du Deinen Urlaub aus dem Vorjahr genommen haben. Deinen Jahresurlaub aus diesem Jahr musst Du allerdings nicht aufbrauchen.

Während der Kurzarbeit kannst Du ganz normal Urlaub nehmen. In dieser Zeit bekommst Du Dein übliches Gehalt, genauer: das Durchschnittsgehalt der letzten 13 Wochen vor der Kurzarbeit. Das steht so im Gesetz (§ 11 Abs. 1 Satz 3 BurlG). Du hast also keinen Verdienstausfall, wenn Du in der Kurzarbeit Urlaub nimmst.

Aber: Dein Chef könnte für die Dauer der Kurzarbeit Deinen Urlaubsanspruch kürzen und sich dabei auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs stützen (EuGH, Urteil vom 8. November 2012, Az. C-229/11 C-230/11). Die Gewerkschaften sehen das allerdings anders. Das Bundesurlaubsgesetz erlaube eine Kürzung des Mindesturlaubs gerade nicht. Zudem lasse sich das Urteil der Luxemburger Richter nicht auf die Kurzarbeit wegen Corona übertragen. Klar ist die Rechtslage also nicht. Für Dich bedeutet das: Du solltest Dein Urlaubskonto überprüfen. Falls Dein Arbeitgeber Urlaubstage gekürzt hat, kannst Du Dich dagegen wehren.

Was ist, wenn Du in Kurzarbeit krank wirst?

Wirst Du während der Kurzarbeit krank, gilt wie bei jeder Krankmeldung: Du gehst wie im Arbeitsvertrag vorgesehen zum Arzt und legst Deinem Chef und der Krankenkasse Dein Attest vor. Du bekommst von Deinem Arbeitgeber das Kurzarbeitergeld weiter. Du hast also keinen Nachteil, aber auch keinen Vorteil, wenn Du krank bist.

Bist Du länger als sechs Wochen wegen derselben Krankheit arbeitsunfähig, bekommst Du als Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse Krankengeld. Das berechnet sich aus dem ungekürzten Arbeitsentgelt, das Du vor Beginn der Kurzarbeit bekommen hast.

Darfst Du zum Kurzarbeitergeld hinzuverdienen?

Hattest Du schon vor Beginn der Kurzarbeit einen Nebenjob, ändert sich nichts. Dieser Nebenverdienst wird nicht auf Dein Kurzarbeitergeld angerechnet. Bist Du in Kurzarbeit und beginnst eine Nebentätigkeit, dann darfst Du seit dem 1. Mai 2020 in allen Berufen hinzuverdienen – und zwar bis zur vollen Höhe Deines Monatsgehalts. Diese Regelungen gelten bis zum 31. Dezember 2020.

Deinen Arbeitgeber musst Du über Deinen Nebenjob informieren und ihm mitteilen, was Du verdienst. Verdienst Du mit dem zusätzlichen Job und dem Kurzarbeitergeld zusammen mehr als Du vor der Kurzarbeit mit Deiner Hauptbeschäftigung verdient hast, wird das auf das Kurzarbeitergeld angerechnet.

Neu: Ab dem 1. Januar 2021 werden alle Nebenverdienste außer Minijobs auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Das ist im Beschäftigungssicherungsgesetz geregelt.

Wie lange gibt es Kurzarbeitergeld?

Eigentlich kannst Du nur zwölf Monate Kurzarbeitergeld bekommen (§ 104 SGB III). Da die Corona-Pandemie eine besondere Ausnahmesituation ist, hat der Gesetzgeber die Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes verlängert. Du kannst wegen Corona jetzt bis zu 24 Monate Kurzarbeitergeld bekommen, längstens bis Ende Dezember 2021.

Dein Chef kann die Kurzarbeit aber auch vorzeitig beenden, wenn sich die Lage wieder entspannt und der Betrieb normal weiterläuft.

Auswirkungen auf das Elterngeld

Verdienst Du zwischen dem 1. März und dem 31. Dezember 2020 wegen der Corona-Pandemie weniger, weil Du in Kurzarbeit bist, entstehen Dir dadurch keine Nachteile bei der Berechnung des Elterngelds. Das Kurzarbeitergeld fließt bei der Berechnung nicht mit ein, diese Monate werden einfach übersprungen. Stattdessen zählt Dein höheres Einkommen aus den Monaten davor (§ 27 Abs. 4 BEEG).

Neu: Auch diese Regelungen hat der Gesetzgeber mit dem Beschäftigungssicherungsgesetz verlängert: Die Monate, in denen Mütter und Väter aufgrund der Corona-Pandemie bis zum 31. Dezember 2021 weniger arbeiten können, mindern den Anspruch auf Elterngeld nicht.

Musst Du Steuern zahlen auf das Kurzarbeitergeld?

Kurzarbeitergeld ist steuerfrei. Sollte Dein Arbeitgeber aufgrund eines Tarifvertrags oder freiwillig Dein Kurzarbeitergeld aufstocken, so sind diese Zuschüsse auch weitgehend steuerfrei. Aber als Lohnersatzleistung unterliegt Kurzarbeitergeld ebenso wie die Zuschüsse dem sogenannten Progressionsvorbehalt.

Das bedeutet für Dich: bei der späteren Einkommensteuerveranlagung ermittelt das Finanzamt einen besonderen Einkommensteuersatz. Hierfür rechnet das Amt das Kurzarbeitergeld zu dem ansonsten zu versteuernden Einkommen hinzu. Aus diesem sogenannten fiktiven Einkommen ergibt sich der entsprechende Steuersatz. Dieser Steuersatz wird dann auf das tatsächlich zu versteuernde Einkommen ohne Kurzarbeitergeld angewendet. Dadurch kann es sein, dass Du im nächsten Jahr Einkommensteuer nachzahlen musst.

Darf Dich Dein Arbeitgeber kündigen während der Kurzarbeit?

Während der Kurzarbeit und bis drei Monate danach darf Dein Arbeitgeber nicht betriebsbedingt kündigen. Er kann Dich aber aus anderen Gründen kündigen – zum Beispiel wegen Deines Verhaltens. Ganz so einfach ist das aber nicht. Bist Du gekündigt worden, solltest Du Dich unbedingt an einen Rechtsanwalt wenden.

Kurzarbeit und Arbeitslosengeld

Solltest Du nach der Kurzarbeit Deinen Job verlieren, berechnet sich Dein Arbeitslosengeld danach, was Du ohne Kurzarbeit verdient hättest. Bei der Höhe des Arbeitslosengelds hast Du also durch die Kurzarbeit keinen Nachteil. Auch zählen zur Erfüllung der Anwartschaftszeiten Monate in Kurzarbeit wie normale Beschäftigungsmonate.

Wir helfen Dir durch die Corona-Krise!

Das Wichtigste in Kürze
  • In Kurzarbeit musst Du weniger oder gar nicht arbeiten, bist aber finanziell durch Kurzarbeitergeld abgesichert. 
  • Je länger die Kurzarbeit dauert, desto mehr Geld bekommst Du: erst 60 Prozent, ab dem vierten Monat 70 Prozent und ab dem siebten Monat gibt es 80 Prozent vom ausgefallenen Lohn. Dein Arbeitgeber zahlt jeweils 7 Prozent mehr, falls Du ein Kind hast.
  • Dein Anspruch auf Urlaub wird durch Kurzarbeit nicht geringer.
  • Kurzarbeitergeld ist nur zur Überbrückung gedacht. Es wird normalerweise höchstens zwölf Monate gezahlt, wegen der Corona-Krise kannst Du es derzeit bis zu 24 Monate bekommen – längstens bis zum 31. Dezember 2021.
So gehst Du vor
  • Kontrolliere Deine Lohnabrechnung während der Kurzarbeit genau, damit Du auch das Geld bekommst, das Dir zusteht (Kinder, Urlaub, Erhöhung ab dem vierten und siebten Monat).
  • Falls Dein Chef Deine Urlaubstage wegen der Kurzarbeit kürzt, solltest Du Dich dagegen wehren.
  • Kommst Du mit dem Kurzarbeitergeld nicht aus, können Wohngeld oder Kinderzuschlag helfen, oder Du suchst Dir einen Nebenjob, mit dem Du die Gehaltslücke auffüllst.
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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 26.11.2020 09:47:00 +0000
Elterngeld berechnen : So machst Du mehr aus Deinem Elterngeld https://www.finanztip.de/elterngeld/ https://www.finanztip.de/?id=217Elterngeld berechnen
Das Wichtigste in Kürze
  • Als Mutter oder Vater bekommst Du monatlich mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro Elterngeld. Und zwar für zwölf Monate nach der Geburt Deines Kindes.
  • Das kannst Du auf 14 Monate verlängern, wenn Du Dein Kind allein erziehst oder auch der andere Elternteil mindestens zwei Monate Elternzeit nimmt (Partnerschaftsmonate).
  • Wenn Du schnell wieder Teilzeit arbeiten möchtest, kannst Du vom Elterngeld Plus profitieren. In der Summe bekommst Du zwar nicht mehr Geld, aber über einen längeren Zeitraum von bis zu 36 Monaten.
So gehst Du vor
  • Nutze den Elterngeldrechner des Bundesfamilienministeriums, um Deine Elternzeit zu planen und Dein persönliches Elterngeld zu berechnen.
  • Hole Dir vor der Geburt den Elterngeldantrag. In unserer Checkliste findest Du alle Unterlagen, die Du einreichen musst.
  • Wenn Du verheiratet bist, denk daran, rechtzeitig die Steuerklasse zu wechseln. Du kannst dadurch vielleicht mehr Elterngeld bekommen.

Mit einem Kind verändert sich Dein Leben. In den ersten Monaten nach der Geburt gibt es vom Staat Elterngeld. Das hilft Dir, Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Wie viel Elterngeld Du bekommst, kannst Du mit ein paar einfachen Kniffen optimieren.

Verdienst Du wegen der Corona-Pandemie weniger, weil Du zwischen dem 1. März 2020 und dem 31. Dezember 2021 in Kurzarbeit bist oder Arbeitslosengeld I bekommst, erleidest Du beim Elterngeld keine Nachteile. Bei der Berechnung fließen diese Monate nicht ein. Stattdessen zählt das höhere Einkommen aus den Monaten davor. Auch den Partnerschaftsbonus verlierst Du nicht, wenn Du aufgrund der Pandemie mehr oder weniger arbeitest als geplant. 

Wer hat Anspruch auf Elterngeld?

Du hast als Mutter oder Vater Anrecht auf Elterngeld, wenn Du Dein Kind nach der Geburt selbst betreust und mit ihm in einem Haushalt in Deutschland lebst. Das gilt auch, falls Du Dein Kind adoptiert hast.

Für das Elterngeld ist es unwichtig, ob Du vor der Geburt angestellt oder selbstständig gearbeitet hast, arbeitslos warst oder gerade mitten im Studium bist. Voraussetzung ist aber, dass Du nach der Geburt gar nicht oder höchstens 30 Stunden in der Woche arbeitest. Nach einem Gesetzesentwurf sollen Eltern sogar 32 Stunden arbeiten können, ohne den Elterngeldanspruch zu verlieren, damit eine Vier-Tage-Woche möglich wird – voraussichtlich ab September 2021.

Kein Elterngeld bekommst Du, wenn Du Dein Kind während eines bezahlten Urlaubs betreust, ohne richtig Elternzeit zu nehmen (BSG, Urteil vom 15. Dezember 2015, Az. B 10 EG 3/14 R).

Verdienst Du zusammen mit Deinem Partner oder Partnerin mehr als 500.000 Euro oder als Alleinerziehender mehr als 250.000 Euro im Jahr, gibt es kein Elterngeld (§ 1 Abs. 8 BEEG). Nach dem Gesetzesentwurf soll eine niedrigere Grenze von 300.000 Euro für Paare gelten – wahrscheinlich ab September 2021.

Auch ausländische Eltern können Elterngeld bekommen, wenn sie in Deutschland ihren Wohnsitz haben und berechtigt sind, hier zu arbeiten. Das gilt für alle, die aus EU-Ländern oder der Schweiz stammen. Andere Ausländer bekommen dann Elterngeld, wenn sie einen Aufenthaltstitel haben, mit dem sie dauerhaft in Deutschland arbeiten dürfen. Wer also nur ein Studentenvisum, eine befristete Arbeitserlaubnis hat oder Asyl genießt, bekommt kein Elterngeld.

Wie beantragst Du Elterngeld?

Du brauchst zunächst einmal das richtige Formular, denn jedes Bundesland hat ein eigenes. Den für Dich passenden Antrag findest Du online auf der Website des Familienministeriums. Bis zu sechs Wochen vor dem geplanten Geburtstermin kannst Du zum Beispiel in Bayern den Antrag online einreichen. Alle weiteren Unterlagen kannst Du nachreichen.

Die für Dich zuständige Stelle für Elterngeld ist meist beim Versorgungsamt, beim Amt für Soziales oder beim Jugendamt in Deiner Stadt oder dem Landkreis angesiedelt. Eine genaue Übersicht findest Du auf hier.

Checkliste: Diese Unterlagen brauchst Du zum Elterngeldantrag

  1. Vollständig ausgefülltes Elterngeldformular
  2. Geburtsbescheinigung des Kindes
  3. Kopie Deines Personalausweises
  4. Einkommensnachweis: Gehaltsabrechnung für Angestellte, Steuerbescheid des Jahres vor der Geburt oder eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung für Selbstständige
  5. Bescheinigung der Krankenkasse über das Mutterschaftsgeld
  6. Bescheinigung über den Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld
  7. Arbeitgeberbescheinigung zur gewährten Elternzeit

Du solltest Dir nicht viel Zeit lassen, um die Unterlagen auszufüllen. Denn Elterngeld wird höchstens drei Monate rückwirkend gezahlt. Beide Elternteile müssen den Antrag unterschreiben, es sei denn ein Elternteil ist allein sorgeberechtigt. Du musst im Formular angeben, welcher Elternteil für welche Zeiträume Elterngeld beantragt. Die Aufteilung kannst Du im Nachhinein einmal problemlos ändern, in Härtefällen auch ein zweites Mal.

Vorsicht: Der richtige Antragszeitraum ist wichtig

Um finanzielle Nachteile zu vermeiden, solltest Du Elterngeld nicht nach Kalendermonaten, sondern nach den Lebensmonaten Deines Kindes beantragen.

Ein Beispiel: Dein Kind ist am 17. Oktober 2019 auf die Welt gekommen. Wenn Du das Elterngeld ab November 2019 beantragst, dann wird Dir das Einkommen vom 17. Oktober bis Ende Oktober voll auf das Elterngeld angerechnet. Deshalb ist es besser, Elterngeld ab dem 17. Oktober 2019 zu beantragen.

Ergeben sich nach der Antragstellung Änderungen, die für die Berechnung des Elterngelds wichtig sind, musst Du diese der Elterngeldstelle sofort mitteilen. Dazu gehört jedes Einkommen, das Du verdienst, während Du Elterngeld erhältst.

Arbeitest Du in einem systemrelevanten Beruf und konntest Du wegen der Corona-Krise zwischen dem 1. März 2020 und dem 31. Dezember 2020 Deine Elternzeit nicht nehmen, kannst Du Deine Elterngeldmonate aufschieben. Das kann auf Dich zutreffen, wenn Du zum Beispiel bei der Polizei, dem öffentlichen Nahverkehr, in einer Bäckerei, in der Pflege, in der Kindernotfallbetreuung oder mit behinderten Menschen arbeitest. Falls Du unsicher bist, ob Deine Tätigkeit als systemrelevant gilt, erkundige Dich bei Deiner Elterngeldstelle. Du kannst Dir mit der Elternzeit dann bis zum 30. Juni 2021 Zeit lassen (§ 27 Abs. 1 BEEG).

Elternzeit gleich Elterngeld?

Um einen Anspruch auf Elterngeld zu haben, musst Du keine Elternzeit nehmen. Auch wenn Du studierst, nicht arbeitest oder selbstständig bist, kannst Du Elterngeld bekommen.

Hast Du vor der Geburt Deines Kindes als Arbeitnehmer gearbeitet, musst Du oft zugleich auch Elternzeit beantragen. So kannst Du Deine Arbeitszeit verringern – eine Voraussetzung, um Elterngeld bekommen zu können. Die Elternzeit musst Du spätestens sieben Wochen vor dem geplanten Beginn anmelden.

Wie viel Elterngeld steht Dir zu?

Du bekommst mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro Elterngeld pro Monat. Warst Du vor der Geburt nicht berufstätig, bekommt Du den Mindestsatz von 300 Euro, den sogenannten Sockelbetrag (§ 2 Abs. 4 BEEG).

Hast Du vor der Geburt gearbeitet, berechnet die Elterngeldstelle Deinen Anspruch. Sie geht dabei nicht von Deinem Nettogehalt aus, das Du in Deiner Lohnabrechnung findest. Die Behörde zieht von Deinem durchschnittlichen Bruttoeinkommen der letzten zwölf Monate vor der Geburt Pauschalen für Steuern und Sozialabgaben ab. Zusätzlich wird der jährliche Arbeitnehmerpauschbetrag von 1.000 Euro angesetzt. Was dann von Deinem Bruttoeinkommen übrig bleibt, dient als Berechnungsgrundlage für das Elterngeld.

Davon werden höchstens 2.770 Euro berücksichtigt. Was Du darüber hinaus an Einkommen hattest, wird nicht durch das Elterngeld ersetzt. Von Deinem so berechneten Netto stehen Dir in aller Regel 65 Prozent als Elterngeld zu, aber nicht mehr als 1.800 Euro.

Hattest Du vor der Geburt Deines Kindes weniger als 1.240 Euro Netto-Einkommen, bekommst Du mehr als 65 Prozent davon als Elterngeld. Je geringer Dein Einkommen war, desto höher ist der Prozentsatz, den Du von Deinem Netto bekommst. Stand Dir durchschnittlich 340 Euro vor der Geburt als Nettogehalt zur Verfügung, bekommst Du 100 Prozent davon als Elterngeld.

Mit dem Elterngeldrechner des Familienministeriums kannst Du vorab ermitteln, wieviel Elterngeld Du bekommen wirst. Du kannst einen Schnellrechner nutzen oder einen Rechner mit Planer, der Dir hilft, verschiedene Varianten zur Aufteilung der Elterngeldmonate auszuprobieren.

Verdienst Du wegen der Corona-Pandemie zwischen dem 1. März und dem 31. Dezember 2021 weniger, weil Du zum Beispiel in Kurzarbeit bist, hast Du dadurch keinen Nachteil bei der Berechnung des Elterngelds. Kurzarbeitergeld oder auch Arbeitslosengeld I reduzieren Dein Elterngeld nicht und fließen auch bei der späteren Berechnung für ein weiteres Kind nicht mit ein. Diese Monate werden übersprungen. Stattdessen zählt das höhere Einkommen aus den Monaten davor (§ 27 Abs. 4 BEEG).

Diese Einnahmen wirken sich auf das Elterngeld aus

Provisionen - Hat Dein Arbeitgeber im Bemessungszeitraum vor der Geburt Deines Kindes Provisionen gezahlt, können diese Dein Elterngeld erhöhen, falls das Unternehmen sie als laufenden Arbeitslohn gezahlt hat. Quartalsprovisionen erhöhen das Elterngeld nicht, da der Arbeitgeber sie gerade nicht laufend, sondern quartalsweise als sonstige Bezüge zahlt (§ 2c Abs. 1 Satz 2 BEEG). Provisionen, die Dein Arbeitgeber als sonstige Bezüge gezahlt hat, erhöhen das Elterngeld ebenfalls nicht (BSG, Urteil vom 14. Dezember 2017, Az. B 10 EG 7/17 R u.a.).

Einmalzahlungen - Jährlich einmal gezahltes Urlaubs- oder Weihnachtsgeld erhöht Dein Elterngeld nicht. Diese Gelder bleiben bei der Berechnung als sonstige Bezüge außen vor (Az. B 10 EG 5/16 R). Ebenso wenig erhöhen bestimmte andere Leistungen das Elterngeld: Lohnersatzleistungen wie Streikgeld, Krankengeld oder Arbeitslosengeld I. Auch Kapitalerträge oder Mieteinnahmen bleiben außen vor.

Sonderfall Selbstständige - Bist Du selbstständig, ist die Berechnungsgrundlage für Dein Elterngeld das Jahreseinkommen aus dem Jahr vor der Geburt. In den letzten Monaten der Schwangerschaft noch mal besonders viel zu arbeiten, lohnt sich also nur dann, wenn das Kind Anfang des Jahres geboren wird.

Geschwisterbonus - Hast Du schon andere Kinder, hast Du meist vor der Geburt des jüngsten Kindes schon weniger gearbeitet. Deshalb gibt es einen Geschwisterbonus, sofern neben dem neuen Kind mindestens ein Geschwisterkind unter drei Jahren oder zwei Geschwisterkinder unter sechs Jahren da sind. Dieser Bonus beträgt 10 Prozent des Elterngelds, mindestens aber 75 Euro (§ 2a Abs. 1 BEEG).

Eltern von Zwillingen oder Drillingen erhalten monatlich pauschal 300 Euro zusätzliches Elterngeld für das zweite und jedes weitere Kind (§ 2a Abs. 4 BEEG). Das heißt Mehrlingszuschlag.

Bei der Einkommensermittlung werden Monate nicht mitgezählt, in denen Du für ein älteres Kind Elterngeld bezogen und deshalb nichts oder weniger verdient hast. Bekommst Du also innerhalb eines Jahres ein zweites Kind, wird zur Berechnung des Elterngelds für das Jüngste das Einkommen zugrunde gelegt, das Du vor der Geburt des ersten Kindes verdient hast.

Elterngeld und andere Sozialleistungen

Bekommst Du Arbeitslosengeld I, Kurzarbeitergeld, Krankengeld oder eine Erwerbsminderungsrente, so wird das nur auf einen Teil des Elterngelds angerechnet. Du bekommst in diesen Fällen im Ergebnis zusätzlich mindestens den Sockelbetrag von 300 Euro.

Als Arbeitslosengeld II-Empfänger erhältst Du zwar Elterngeld, doch wird es vollständig als Einkommen angerechnet (§ 10 Abs. 5 BEEG). Monatlich hast Du damit genauso viel Geld zur Verfügung wie ohne Elterngeld.

Wie kannst Du Dein Elterngeld optimieren?

Je höher Dein Nettogehalt vor der Geburt Deines Kindes ist, desto höher ist Dein Anspruch auf Elterngeld. Deshalb ist es sinnvoll, dafür zu sorgen, dass möglichst viel Gehalt auf Dein Konto fließt. Dafür gibt es ein paar Tipps:

Rechtzeitig die Steuerklasse wechseln

Erwartest Du ein Kind und bist Du verheiratet, sollte der Elternteil, der das Kind nach der Geburt überwiegend betreut, so früh wie möglich die Steuerklasse III wählen. Dadurch erhöht sich das Nettoeinkommen. Für Dich lohnt sich der Wechsel nicht, falls Du mehr als rund 2.770 Euro netto verdienst und damit ohnehin den Höchstsatz Elterngeld bekommst.

Bei der Berechnung des Elterngeldes legt die Elterngeldstelle zwar grundsätzlich die Steuerklasse zugrunde, die Du im letzten Monat des Bemessungszeitraums mit Einkommen genutzt hast (§ 2c Abs. 3 Satz 1 BEEG). Hast Du aber häufiger die Steuerklasse gewechselt in den letzten zwölf Monaten vor der Geburt, ist nicht die Steuerklasse im letzten Monat entscheidend, sondern diejenige, die in den meisten Monaten des Bemessungszeitraums gegolten hat (§ 2c Abs. 3 Satz 2 BEEG).

Beispiel: Vor der Geburt Deines Kindes hattest Du von Dezember 2018 bis Mai 2019 für sechs Monate die Steuerklasse I gewählt. Im Juni und Juli wähltest Du für zwei Monate Steuerklasse IV und im August bis November 2019 für vier Monate bis zur Mutterschutzfrist die Steuerklasse III. Das Elterngeld wird in diesem Fall nach der finanziell ungünstigen Steuerklasse I berechnet, die im Bemessungszeitraum relativ gesehen am längsten gegolten hat – nämlich für sechs Monate (BSG, Urteil vom 28. März 2019, Az. B 10 EG 8/17 R).

Mütter sollten in den zwölf Monaten vor dem Mutterschutz, Väter in den zwölf Monaten vor der Geburt überwiegend in Steuerklasse III gewesen sein, wenn sie hauptsächlich das Kind betreuen wollen. Du zahlst dann zwar in den letzten Monaten vor der Geburt mehr Steuern, das höhere Elterngeld gleicht das aber mehr als aus.

Außerdem kannst Du einen guten Teil der Steuern über Deine Einkommensteuererklärung zurückholen. Eine Änderung der Steuerklasse ist problemlos auch mitten im Jahr möglich – spätestens jedoch bis zum 30. November. Dazu wendest Du Dich einfach an Dein zuständiges Finanzamt.

Selbstständige sollten Gewinn optimieren

Als Selbstständiger hast Du noch eine weitere Möglichkeit, Dein Nettoeinkommen vor der Geburt zu steigern: Als Einkommen gilt bei Dir der Gewinn, also das, was nach Abzug der Ausgaben vom Umsatz übrig bleibt. Wenn Du weniger Ausgaben geltend machst, erzielst Du automatisch ein höheres Einkommen und erhältst damit mehr Elterngeld.

Wie lange bekommst Du Elterngeld und Elterngeld Plus?

Wie lange Du Elterngeld bekommst, hängt davon ab, ob Du Dich für das Basis-Elterngeld entscheidest oder aber Elterngeld Plus beantragst. Das kann sich lohnen, wenn Du schnell wieder Teilzeit arbeiten möchtest.

Zwölf Monate Basis-Elterngeld

Das klassische Elterngeld, auch Basis-Elterngeld genannt, wird grundsätzlich zwölf Monate lang gezahlt. Als Mutter bekommst Du in der Praxis nur zehn Monate lang Elterngeld, denn Dein Mutterschaftsgeld wird voll angerechnet. Es nützt auch nichts, wenn der Vater die ersten zwei Monate übernimmt und die Mutter später für die Betreuung zuständig ist – mit dem Mutterschaftsgeld werden zwei der maximal zwölf Monate bezahlter Erziehungszeit abgegolten.

Zwei Partnermonate

Es gibt zwei zusätzliche Partnermonate Elterngeld, wenn sich beide Elternteile für die Kinderbetreuung eine Auszeit nehmen. Ein Elternteil kann dabei mindestens zwei und höchstens zwölf Monate beantragen.

Wer sich wann um das Kind kümmert und Elterngeld beantragt, kannst Du mit Deinem Partner frei aufteilen: entweder der eine zwölf Monate am Stück und dann der Partner zwei Monate. Oder Du willst Dich gemeinsam mit Deinem Partner um das Kind kümmern und Ihr bezieht gleichzeitig Elterngeld. Es bleibt aber trotzdem bei höchstens 14 Monaten Basis-Elterngeld. Wenn Ihr die Elterngeldmonate also hälftig aufteilen und gleichzeitig nehmt, dann bekommt Ihr so höchstens sieben Monate lang Geld.

Alleinerziehende können allein bis zu 14 Monate lang Basis-Elterngeld beziehen. Bedingung ist, dass das Kind ausschließlich bei dem Elternteil in der Wohnung lebt, der auch das Sorgerecht hat.

Elterngeld Plus

Elterngeld Plus kannst Du doppelt solange beziehen wie das herkömmliche Elterngeld, also höchstens 28 Monate lang. Es ist allerdings auch nur halb so hoch wie das Basis-Elterngeld, wenn Du nicht arbeitest. Welche Elterngeld-Variante für Dich am günstigsten ist, hängt von Deiner beruflichen Situation ab und wann Du wieder Teilzeit arbeiten willst. Du kannst auch beides miteinander kombinieren. Insgesamt kannst Du 14 Monate Basis-Elterngeld oder 28 Monate Elterngeld Plus bekommen.

Ein Beispiel: Du pausierst für sechs Monate komplett und bekommst das volle Basis-Elterngeld. Danach arbeitest Du für zwölf Monate in Teilzeit und bekommst währenddessen zu Deinem Teilzeitgehalt Elterngeld Plus mit halbem Bezug. Der andere Elternteil kann zwei Monate Basis-Elterngeld oder vier Monate Elterngeld Plus erhalten.

Partnerschaftsbonus

Wenn Du und Dein Partner jeweils zwischen 25 und 30 Stunden pro Woche arbeiten, kann jeder von Euch jeweils vier zusätzliche Monate Elterngeld Plus bekommen. Alleinerziehende können ebenfalls vier zusätzliche Monate Elterngeld Plus erhalten.

Falls Du aufgrund der Corona-Pandemie aktuell mehr oder weniger arbeitest als geplant, dann behältst Du den Partnerschaftsbonus trotzdem. Für die Höhe Deines Einkommens und Deine Arbeitszeit kommt es zwischen dem 1. März und dem 31. Dezember 2020 allein auf die Angaben an, die Du in Deinem Antrag gemacht hast. Du erhältst den Bonus damit wie bewilligt – auch wenn Du mehr gearbeitet hast. Das gilt auch, falls Dein Job nicht als systemrelevant gilt (§ 27 Abs. 4 BEEG).

Frühchenmonat

Nach einem neuen Gesetzesentwurf sollen Eltern für Kinder, die sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin oder noch früher auf die Welt kommen, einen zusätzlichen Monat Elterngeld bekommen – wahrscheinlich ab 1. September 2021.

Wie wirkt sich zusätzliches Einkommen aus?

Wenn Du Geld hinzuverdienst, wird Dir das klassische Elterngeld entsprechend gekürzt. Denn es soll den Verdienstausfall wegen der Betreuung des Kindes ersetzen und nicht zusätzlich zum Einkommen gezahlt werden. Es gibt keinen Freibetrag, der anrechnungsfrei wäre.

Du arbeitest in Teilzeit und bekommst Elterngeld

Während Du Basis-Elterngeld beziehst, darfst Du bis zu 30 Stunden pro Woche arbeiten – ab Januar 2021 sogar 32 Stunden. Finanziell lohnt sich das allerdings kaum, denn der Verdienst wird voll angerechnet.

Beispiel Basis-Elterngeld: Vor der Geburt verdienst Du 2.000 Euro netto im Monat. Dein voller Anspruch auf Basis-Elterngeld liegt bei 65 Prozent dieses Verdienstes, also bei monatlich 1.300 Euro oder 15.600 Euro, wenn Du zwölf Monate zuhause bliebest.

Beispiel Basis-Elterngeld mit Teilzeit: Arbeitest Du nach sechs Monaten wieder in Teilzeit, bekommst Du für die ersten sechs Monate insgesamt 7.800 Euro Elterngeld. Verdienst Du mit dem Teilzeitjob 1.000 Euro, bekommst Du als Ersatz für die weniger verdienten 1.000 Euro 65 Prozent von diesen als Elterngeld, also 650 Euro. Unterm Strich hast Du mit der Teilzeitarbeit also 1.650 Euro in der Tasche. Auf das Jahr gerechnet bekommst Du also 7.800 Euro an Elterngeld für das erste Halbjahr und 3.900 Euro für das zweite Halbjahr (6 x 650 Euro), insgesamt also 11.700 Euro. Das bedeutet: Wärst Du zuhause geblieben, hättest Du fast 4.000 Euro mehr staatliche Unterstützung erhalten.

Anders sieht es aus, wenn Du Teilzeit arbeitest und Elterngeld Plus beantragst.

Beispiel Elterngeld Plus mit Teilzeit: Wählst Du stattdessen für Deine Teilzeittätigkeit Elterngeld Plus, erhältst Du für das erste halbe Jahr zuhause wie gehabt 1.300 Euro Elterngeld im Monat, insgesamt 7.800 Euro. Mit dem Elterngeld Plus ab Beginn Deiner Teilzeittätigkeit bekommst Du aber nunmehr für zwölf Monate die Hälfte des vollen Elterngeldanspruchs, also monatlich 650 Euro, insgesamt nochmal 7.800 Euro. Das Geld gibt es aber auf zwölf Monate verteilt. Für 18 Monate erhältst Du insgesamt in der Höhe den vollen Elterngeldanspruch und verschenkst durch die Teilzeit nichts von der staatlichen Unterstützung. Die Elterngeld-Plus-Variante ist deshalb günstiger.

Lass Dich beraten, wie Du Deine Elternzeit am besten organisierst. Dazu kannst Du Dich an die zuständige Elterngeldstelle an Deinem Wohnort wenden. Einen ersten Überblick kannst Du Dir mit dem Elterngeldrechner des Bundesfamilienministeriums verschaffen. Mehr zum Elterngeld Plus findest Du in der Broschüre des Familienministeriums zum Elterngeld Plus.

Du bist selbstständig und bekommst Elterngeld

Bist Du selbstständig, kommt es beim Zuverdienst darauf an, was Du an Gewinn erwirtschaftest, während Du Elterngeld bekommst. Wenn Du weiterhin Dein Büro unterhältst und dafür Miete zahlst, kannst Du diesen Betrag von Deinem Umsatz abziehen.

Bleibt nach Abzug aller Kosten ein Gewinn übrig, wird dieser mit dem Elterngeld verrechnet. Als Selbstständiger hast Du ein Problem, wenn Deine Kunden Rechnungen spät bezahlen – womöglich erst dann, wenn das Kind schon einige Monate auf der Welt ist und Du Elterngeld beziehst. Auch solche verspäteten Zahlungen werden voll auf das Elterngeld angerechnet. Denn entscheidend ist nicht das Datum auf der Rechnung, sondern der Zeitpunkt, zu dem das Geld auf Deinem Konto eingeht. Bitte also Deine Kunden darum, pünktlich zu zahlen oder die Zahlung auf einen Zeitpunkt zu verschieben, in dem Du kein Elterngeld mehr bekommst.

Wird Elterngeld besteuert?

Elterngeld ist steuerfrei. Allerdings wird es eingerechnet, wenn es um Deinen individuellen Steuersatz geht. Es unterliegt also dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Dabei wird Dein Elterngeld zum zu versteuernden Einkommen hinzugerechnet, und auf der so erhöhten Einkommensbasis wird der Steuersatz für Deine Einkommensteuer ermittelt.

Die Daten über das in einem Kalenderjahr gezahlte Elterngeld übermittelt die Elterngeldstelle bis zum 28. Februar des Folgejahres an die Finanzverwaltung. Du bekommst über die erhaltenen Leistungen keine Bescheinigung.

Elterngeld und Kranken- und Rentenversicherung

Du musst aus dem Elterngeld keine Abgaben für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Während der Elternzeit bleibst Du dennoch vollständig gesetzlich krankenversichert.

Bist Du dagegen freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse versichert, musst Du grundsätzlich weiterhin Beiträge zahlen. Ausnahme: Liegen ohne die freiwillige Versicherung die Voraussetzung für eine Familienversicherung vor, dann bist Du beitragsfrei über Deinen Partner versichert (§ 8 Abs. 6 Satz 1 Beitragsverfahrensgrundsätze Selbstzahler). Bist Du privat krankenversichert, musst Du weiterhin Beiträge zahlen.

Vom Elterngeld musst Du keine Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung abführen. Die Zeit, in der Du Elterngeld beziehst, wird als Kindererziehungszeit angerechnet. Bleibst Du also wegen Deines Kindes in den ersten drei Jahren zu Hause, brauchst Du deshalb grundsätzlich keine Lücke bei der Rentenversicherung befürchten.

Das gilt aber immer nur für, falls Du das Kind überwiegend erziehst. Erziehst Du mit Deinem Partner gemeinsam das Kind, hat grundsätzlich die Mutter Anspruch auf die Kindererziehungszeit in der Rentenversicherung. Soll der Vater die Rentenpunkte erhalten, benötigt die Rentenversicherung eine gemeinsame, übereinstimmende Erklärung. Wichtig: Das gilt immer nur für die Zukunft und für maximal zwei Monate rückwirkend. Weitere Informationen zum Thema Kindererziehung und Rente findest Du auf der Website der Deutschen Rentenversicherung.

Wer hat Anspruch auf Landeserziehungsgeld?

Das Landeserziehungsgeld ist eine freiwillige Anschlussleistung an das Elterngeld. Das gibt es nur in Bayern und Sachsen. Frühestens ab dem 13. Lebensmonat des Kindes gewähren diese Länder Erziehungsgeld, jedoch nicht vor Ablauf des letzten Auszahlungsmonats des Elterngeldes.

Maßgeblich ist die letzte Zahlung, unabhängig davon, welcher Elternteil diese erhält oder erhalten hat. Dies gilt auch bei der Zahlung von Elterngeld Plus. Landeserziehungsgeld wird längstens bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres des Kindes gezahlt.

Eine wesentliche Voraussetzung für das bayerische Landeserziehungsgeld ist etwa, dass die Eltern an den ärztlichen Früherkennungsuntersuchungen U 6 oder U 7 teilgenommen haben. In Sachsen gibt es kein Landeserziehungsgeld, falls das Kind einen Platz in einer mit staatlichen Mitteln geförderten Kindertageseinrichtung bekommt oder staatliche Förderung für Tagespflege. Es richtet sich also vornehmlich an Eltern, die ihr Kind zuhause selbst betreuen.

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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 26.11.2020 09:00:00 +0000
Vorkaufsrecht Mieter : Wann Du als Mieter ein Vorkaufsrecht hast https://www.finanztip.de/vorkaufsrecht-mietvertrag/ https://www.finanztip.de/?id=1968Vorkaufsrecht Mieter
Das Wichtigste in Kürze
  • Soll Deine Wohnung verkauft werden und wird sie dazu in eine Eigentumswohnung umgewandelt, steht Dir als Mieter ein Vorkaufsrecht zu: Du hast das Recht, vor allen anderen Interessenten, die Wohnung zu kaufen.
  • Dein Vermieter muss Dich rechtzeitig informieren und Dir den Kaufvertrag zukommen lassen.
  • Du hast zwei Monate Zeit zu überlegen, ob Du selbst kaufen willst.
So gehst Du vor
  • Rechne durch, ob Du Dir den Kauf leisten kannst. Nutze dafür unseren Hypothekenrechner.
  • Hast Du Dich zum Kauf entschlossen, schreib das Deinem Vermieter. Wir haben ein Musterschreiben für Dich.

Zum Musterschreiben

Alarm: Deine Mietwohnung soll verkauft werden! Du sorgst Dich zu Recht, denn neue Eigentümer erhöhen oft die Miete oder kündigen wegen Eigenbedarfs. Du bist als Mieter in dieser Situation aber nicht völlig ausgeliefert. Wir erklären Dir Deine Rechte bei Wohnungsumwandlungen, die nach einem aktuellen Gesetzesentwurf zumindest in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt zukünftig nur noch sehr eingeschränkt möglich sein sollen.

Was bringt Dir das Vorkaufsrecht als Mieter?

Das Vorkaufsrecht soll Dich vor Wohnungsspekulanten schützen (so auch BGH, Urteil vom 21. Januar 2015, Az. VIII ZR 51/14). Verkaufsbereite Vermieter sollen in erster Linie ihren Mietern die Eigentumswohnung anbieten. Das Vorkaufrecht bietet Dir als Mieter die Chance, selbst Eigentümer Deiner Wohnung zu werden – wenn Du sie Dir leisten kannst.

Wie Du klug Dein Geld anlegst, um im Fall der Fälle auch den Kauf Deiner Wohnung finanzieren zu können, erklärt Saidi in diesem Video.

Zum Video

Gerade in Ballungsräumen werden Mehrfamilienhäuser oft erst in Eigentumswohnungen umgewandelt und dann veräußert. Das ist für den Verkäufer meist lukrativer als der Verkauf eines ganzen Hauses mit mehreren Parteien. Das Vorkaufsrecht kommt genau in dieser Situation zum Tragen.

In der Praxis sieht das in der Regel so aus: Dein Vermieter sucht nach einem Kaufinteressenten. Hat er den gefunden, wird ein Kaufvertrag aufgesetzt. Darin sind dann die Konditionen, also vor allem der Preis für die Wohnung, schon vereinbart. Erst wenn dieser Kaufvertrag zustande gekommen ist, kommt der Vermieter auf Dich zu.

Nach dem Gesetz ist Dein Vermieter nämlich verpflichtet, Dich über den Kaufvertrag und Dein Vorkaufsrecht zu informieren. Er muss Dir eine Abschrift des notariellen Vertrages zukommen lassen (§ 577 Abs. 2 BGB).

Preis und differenzierte Preisabreden

Im Vertrag siehst Du den Preis, den Du für die Wohnung zahlen musst. Du hast zwei Monate Zeit zu überlegen, ob Du die Wohnung zu genau diesen Konditionen selbst kaufen möchtet. Wie Du den Kauf finanzieren kannst, liest Du in unserem Ratgeber Baufinanzierung.

Machst Du dann von Deinem Recht Gebrauch, kannst Du Deine Mietwohnung erwerben, und zwar zu denselben Konditionen, die in dem Kaufvertrag mit dem anderen Käufer vereinbart wurden.

Achtung: In einigen Kaufverträgen finden sich sogenannte differenzierte Preisabreden. Danach zahlt der Käufer mehr Geld, wenn der Mieter das Vorkaufsrecht ausübt oder die Wohnung ohne bestehendes Mietverhältnis verkauft wird. Solche Klauseln bedeuten für den Mieter einen deutlichen Nachteil und verstoßen gegen das Gesetz (§ 577 Abs. 5 BGB).

Steht im Vertrag ein höherer Kaufpreis, wenn Du Dein Vorkaufsrecht ausübst, musst Du den höheren Preis nicht zahlen. Eine Mieterin in Berlin, die für ihre Wohnung rund 160.000 Euro gezahlt hatte, bekam 16.000 Euro vom Vermieter wieder zurück. Im Vertrag war eine unzulässige differenzierende Preisabrede enthalten (KG Berlin, Urteil vom 25. August 2020, Az. 17 U 18/18).

Es kann aber passieren, dass Du auch als Mieter die Maklerprovision zahlen musst, falls im ursprünglichen Vertrag eine solche vereinbart war (BGH, Urteil vom 14. Dezember 1995, Az. III ZR 34/95).

Wann steht Dir kein Vorkaufrecht zu?

Es gibt drei Situationen, in denen Dir kein Vorkaufsrecht zusteht, obwohl Du einen neuen Vermieter bekommst:

  1. Nur beim ersten Verkauf nach der Umwandlung hast Du die Chance, mit einem Vorkaufsrecht selbst Eigentümer der Wohnung zu werden.
  2. Erwirbt ein Familienangehöriger oder eine sonst zum Hausstand Deines Vermieters gehörende Person die Wohnung, hast Du kein Vorkaufsrecht (§ 577 Abs. 1 Satz 2 BGB).
  3. Gleiches gilt, wenn Dein Vermieter das ganze Haus mit Deiner Wohnung verkauft.

Wie übst Du Dein Vorkaufsrecht aus?

Wenn Du es Dir leisten kannst, Deine Mietwohnung zu kaufen und Dir die Wohnung und die Gegend gut gefällt, bietet Dir das Vorkaufsrecht die Chance, Eigentümer zu werden.

Dazu musst Du als Mieter Deinem Vermieter schriftlich mitteilen, dass Du Dein gesetzliches Vorkaufsrecht wahrnehmen willst (§ 577 Abs. 3 BGB). Die Erklärung muss nicht vom Notar beurkundet werden.

Musterschreiben.jpg

Du kannst für die Erklärung unser Musterschreiben verwenden.

Zum Download

Für Deine Entscheidung hast Du zwei Monate Zeit, nachdem der Vermieter Dir den notariellen Kaufvertrag vorgelegt hat (§ 469 Abs. 2 BGB). In dieser Zeit solltest Du eine Finanzierung organisiert bekommen.

Was tun, wenn Dein Vermieter sich nicht richtig verhält?

Hat Dich Dein Vermieter nicht rechtzeitig über den Wohnungsverkauf informiert, kannst Du Schadensersatz verlangen (§§ 280 Abs. 1, 577 BGB). Das kann für Deinen Vermieter ziemlich teuer werden. Wie hoch der Schaden ist, hängt vom Einzelfall ab.

Du kannst vielleicht sogar entgangenen Gewinn verlangen (BGH, Urteil vom 21. Januar 2015, Az. VIII ZR 51/14). In einem Fall hatte ein Vermieter seinen Mieter nicht über den anstehenden Verkauf informiert. Als der neue Eigentümer dem Mieter die Wohnung dann später zu einem Preis von rund 270.000 Euro anbot, errechnete die Mieterin einen entgangenen Gewinn von rund 80.000 Euro, den der erste Vermieter zahlen musste.

Es kann auch sein, dass Dein Vermieter die Wohnung zu einem überhöhten Preis anbietet, sodass Du Dir die Wohnung nicht leisten kannst. Eine solche Vereinbarung kann sittenwidrig und damit nichtig sein. Das gilt zumindest, sofern der überhöhte Preis nur den Zweck hat, den Mieter vom Kauf abzuhalten, urteilte der Bundesgerichtshof (BGH, Urteil vom 15. Juni 2005, Az. VIII ZR 271/04). In dem Fall hatte ein Eigentümer mehrere Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus zu einem Gesamtpreis erworben. Die Wohnung, die der Mieter aufgrund des Vorkaufsrechts erwerben wollte, war etwa doppelt so teuer wie alle anderen Wohnungen im Haus, obwohl sie nicht besser ausgestattet war. Die Preisgestaltung hatte damit keinen plausiblen Grund, außer den, den Mieter nicht zum Zuge kommen zu lassen.

Hast Du den Eindruck, dass Dein Vermieter verhindern will, dass Du selbst die Wohnung kaufst, solltest Du Dich von einem Anwalt beraten lassen.

Wie bist Du als Mieter beim Wechsel des Eigentümers geschützt?

Aber auch wenn Du Dir den Kauf nicht leisten kannst, bist Du dem neuen Eigentümer gegenüber nicht schutzlos ausgeliefert. Von dem Eigentümerwechsel bleibt Dein Mietvertrag unberührt. Kauf bricht nicht Miete (§ 566 BGB). Der neue Eigentümer kann Dir nach der Umwandlung in Wohnungseigentum auch nicht ohne Weiteres wegen Eigenbedarf kündigen. Der neue Eigentümer darf erst nach drei Jahren Eigenbedarf anmelden, in manchen Städten sogar erst nach zehn Jahren. Das nennt sich Kündigungssperrfrist (§ 577a Abs. 2 BGB).

Die Miete kann der neue Eigentümer natürlich erhöhen, aber auch dabei muss er sich an den gesetzlichen Rahmen halten. Wie Du prüfen kannst, ob Du eine Mieterhöhung akzeptieren musst, haben wir mit einer Checkliste im Ratgeber Mieterhöhung zusammengefasst.

Wann kann ein vertragliches Vorkaufsrecht sinnvoll sein?

Willst Du als Mieter viel Geld in die Renovierung der Wohnung stecken, bist Du rechtlich besser abgesichert, wenn Du ein vertragliches Vorkaufsrecht mit Deinem Vermieter vereinbarst.

Die Vereinbarung muss ein Notar beurkunden, ansonsten ist sie nichtig (§§ 311b, 125 BGB). Du kannst entweder allein die Vereinbarung zum Vorkaufsrecht beurkunden lassen oder den gesamten Mietvertrag inklusive Vorkaufsrecht. Das ist allerdings mit Notarkosten verbunden. Es empfiehlt sich, die Absprache im Grundbuch eintragen zu lassen. Hol Dir dazu Rat vom Notar.

Mehr dazu im Ratgeber Rechtsschutzversicherung

Zum Ratgeber

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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 23.11.2020 15:29:00 +0000
Hilfe für Selbstständige & Unternehmen während der Corona-Krise : Corona: Wie Selbstständige und Unternehmen die Krise überbrücken https://www.finanztip.de/coronavirus/hilfe-fuer-selbststaendige-und-unternehmen/ https://www.finanztip.de/?id=7012Hilfe für Selbstständige & Unternehmen während der Corona-Krise

Erneut mussten viele Selbstständige ihre Betriebe schließen: Lockdown einerseits, Teilausgleich des verlorenen Umsatzes andererseits – das ist die Formel, auf die sich die Politik am 28. Oktober geeinigt hat. Am Ende der dritten Novemberwoche gibt es zwar viele Informationen zur Novemberhilfe. Aber noch wenig Konkretes: keine Anträge, kein Startdatum und erst recht kein Geld. Immerhin: das Antragsportal soll am 25. November stehen.

Mit jedem neuen Programm wird es zudem schwieriger, den Überblick zu behalten. Zurzeit sind Überbrückungshilfe und Novemberhilfe besonders wichtig für Unternehmen und Selbstständige. Beide haben jedoch sehr unterschiedliche Antragsvoraussetzungen. Außerdem ist schon heute absehbar, dass bei anhaltend hohen Infektionszahlen in den Wintermonaten weitere Unterstützung benötigt wird.

So funktioniert die außerordentliche Wirtschaftshilfe (Novemberhilfe) 

Was ist bereits über die Wirtschaftshilfe für den November bekannt, und welche Hilfen kannst Du als Unternehmer und Selbstständiger sonst noch bekommen? Was kannst Du selbst tun, um die Krise zu überstehen? Wir geben Dir einen aktuellen Überblick

Die außerordentliche Wirtschaftshilfe ist die Antwort der Politik auf die umfangreichen Schließungen seit dem 2. November. Zur Erinnerung: Einrichtungen aus dem Freizeitbereich sind geschlossen. Also etwa Theater, Opern, Konzerthäuser, Kinos, Freizeitparks. Gleiches gilt für Unterhaltungsveranstaltungen wie Konzerte.

Auch der Sport pausiert: Sportstätten, Fitnessstudios, Schwimm- und Spaßbäder sind zu. Auch Dienstleistungsbetriebe wie Kosmetikstudios und Massagepraxen bleiben geschlossen, zumindest für nicht-notwendige Anwendungen.

Ebenfalls geschlossen sind Restaurants, Diskotheken und Kneipen. Möglich bleibt dagegen der Außer-Haus-Betrieb. Hotels dürfen keine Touristen mehr aufnehmen. Friseure, Physiotherapeuten und Fußpfleger dürfen dagegen weiterarbeiten. Groß- und Einzelhandel sowie Kitas und Schulen bleiben geöffnet.

Die Maßnahmen sind bisher (Stand: 20. November) noch auf den Monat November befristet. Die Bundeskanzlerin und die Länderchefinnen und -chefs beraten allerdings im Wochenrhythmus über Stand und Fortführung beziehungsweise Änderung der Maßnahmen.

In diesen Fällen kannst Du die Novemberhilfe beantragen

Die Novemberhilfe soll möglichst breit alle Gruppen unterstützen, die von den Schließungen betroffen sind. Das sind sowohl Unternehmen als auch Solo-Selbstständige und Vereine. Auch gemeinnützige Unternehmen können Geld aus diesem Topf erhalten.

Das Programm unterscheidet zwischen „direkt“ und „indirekt“ Betroffenen. Direkt betroffen bist Du, wenn Du aufgrund des Bund-Länder-Beschlusses vom 28. Oktober schließen musstest. Zu dieser Gruppe zählen also etwa Kneipen, Fitnessstudios und Veranstaltungsräume wie Konzerthallen.

Indirekt betroffen bist Du dagegen, wenn Du Dein Geschäft nicht direkt zumachen musstest, aber faktisch nicht mehr ausüben konntest. Das ist etwa der Fall, wenn Du regelmäßig 80 Prozent Deiner Umsätze mit direkt betroffenen Unternehmen erzielst. Ein Beispiel dafür wäre etwa eine Wäscherei, deren Hauptkunden Hotels sind. 

Die Kette der Betroffenheit geht allerdings noch weiter: Auch, wenn Du nicht direkt an das geschlossene Unternehmen lieferst, aber mit 80 Prozent Deines Umsatzes an diesem hängst, kannst Du finanzielle Hilfe erhalten. Ein Beispiel hier: Du bist Künstlerin, und eine Agentur organisiert Deine Auftritte. Diese können im Moment aber nicht stattfinden, weil die Veranstaltungsorte geschlossen sind.

Es ist absehbar, dass es beim Thema Betroffenheit im Einzelfall noch Streit geben wird, denn die 80-Prozent-Regel ist – so wie es das Programm bisher formuliert – keine strenge Voraussetzung. Es bleibt abzuwarten, wie diese Voraussetzungen in den Antragsformularen genau formuliert werden.

Wie hoch ist die außerordentliche Wirtschaftshilfe?

Als Ausgleich für die finanziellen Verluste im November wird es eine Entschädigung geben. Sie beträgt für Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern 75 Prozent des Umsatzes vom November 2019. Dabei wird Woche für Woche getrennt gerechnet. Die Obergrenze beträgt 1 Million Euro (sofern die EU-Kommission dies erlaubt).

Wenn Du Solo-Selbstständiger bist, dürfte die Obergrenze für Dich nicht so wichtig sein. Wichtiger ist dann für Dich, dass Du statt des letztjährigen Novemberumsatzes alternativ auch den durchschnittlichen Wochenumsatz 2019 zugrunde legen kannst.

Eine weitere Regelung gibt es für junge Unternehmen: Wenn Du erst seit weniger als einem Jahr als Selbstständiger unterwegs bist (also nach dem 31. Oktober 2019 Deine Geschäftstätigkeit aufgenommen hast), kannst Du die Wirtschaftshilfe auf Grundlage des Oktoberumsatzes 2020 oder des durchschnittlichen Wochenumsatzes seit Gründung berechnen.

Wie werden andere Hilfen und Umsatz angerechnet?

Andere Hilfen, die Du für den November erhältst, werden angerechnet. Das betrifft etwa die Überbrückungshilfe oder auch das Kurzarbeitergeld. Umsätze, die Du im November trotz Schließung erzielst, werden dagegen bis zu 25 Prozent des Vergleichsumsatzes nicht angerecht. Hier ist der Grundgedanke der verantwortlichen Ministerien wohl: Maximal 75 Prozent kommen über die Wirtschaftshilfe, die fehlenden 25 Prozent zum Vergleichsumsatz darf der Selbstständige dann also auch noch selbst verdienen.

Sonderregelung für Restaurants: Beim Außer-Haus-Verkauf im Lockdown gilt die Umsatzerstattung für den alten Im-Restaurant-Umsatz. Sprich: Die Hilfe ersetzt 75 Prozent der Bewirtungsart (im Restaurant), die jetzt nicht mehr möglich ist. Gleichzeitig wird „neuer“ Umsatz, den das Restaurant während der Schließung im Außer-Haus-Verkauf erzielt, nicht auf den Umsatz angerechnet.

Beispiel: Mit Deinem Restaurant hast Du im vergangenen November 10.000 Euro Umsatz drinnen erzielt (und 2.000 Euro Umsatz außer Haus, aber das ist für die Berechnung der Hilfe irrelevant). Dann kannst Du jetzt 7.500 Euro Wirtschaftshilfe erhalten, nämlich 75 Prozent von 10.000 Euro, und beliebig viel Umsatz im Außer-Haus-Verkauf machen.

Wo und wie kannst Du die Hilfe beantragen?

Den Antrag kannst Du nach Auskunft des Finanzministeriums ab der vierten Novemberwoche, voraussichtlich ab dem 25. November, elektronisch stellen, allerdings nur, wenn Du Solo-Selbstständiger bist und nicht mehr als 5.000 Euro Förderung beantragst. Ansonsten benötigst Du (wie bereits bei der Überbrückungshilfe), einen Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer, der das für Dich übernimmt.

Die Hilfe erhältst Du über die Überbrückungshilfe-Plattform der Länder. Die Einzelheiten für die Novemberhilfe hat die Bundesregierung auf ihrer Website veröffentlicht, dort kannst Du sie nachlesen.

Bild: Christophe Gateau / dpa
Messerbauer auf der Hannover-Messe im vergangenen Jahr

Die weiteren Corona-Hilfen in der Übersicht

Zuschussprogramme (Sofort- und Überbrückungshilfe)

Wenn Dir wegen der Corona-Maßnahmen Aufträge und Umsatz weggebrochen sind, springt der Staat bereits seit März unter bestimmten Voraussetzungen mit einem Zuschuss ein. Gerade für Solo-Selbstständige und kleine Betriebe war und ist diese Hilfe besonders wichtig. Der Vorteil: Einen Zuschuss musst Du nicht zurückzahlen. Er belastet also Dein Unternehmen nicht zusätzlich, wenn die Corona-Krise irgendwann vorbei ist. Voraussetzung ist allerdings, dass Du den Zuschuss rechtmäßig beantragt hast. Außerdem musst Du Dich an die Regeln zur Verwendung des Geldes halten.

Bis heute gibt es zwei große Zuschussprogramme: die Soforthilfe, später dann die Überbrückungshilfe, und nun für November die Novemberhilfe.

Soforthilfe (bis Ende Mai 2020)

Für das erste Zuschussprogramm, die Soforthilfe, konntest Du nur bis zum 31. Mai Mittel beantragen. Den Antrag für die 9.000 beziehungsweise 15.000 Euro konntest Du sehr einfach online stellen, die Auszahlung erfolgte häufig innerhalb weniger Tage. Nicht zuletzt deshalb wurden wohl bis Ende Mai über zwei Millionen Anträge gestellt.

Wenn Du dieses Geld bekommen hast, kannst Du allerdings bis heute nicht sicher sein, ob Du nicht zumindest einen Teil des Geldes wieder zurückzahlen musst. Denn die Bundesmittel durftest Du nur für laufende Betriebskosten einsetzen, und nicht für Lebenshaltungskosten. Gerade diese Unterscheidung ist aber bei Solo-Selbstständigen schwierig.

Überbrückungshilfe (bis Juni 2021 verlängert)

Im Anschluss an die Soforthilfe legte der Bund ein weiteres Programm auf, die Überbrückungshilfe. Es sollte zunächst nur die Monate Juni, Juli und August umfassen, wurde aber inzwischen bereits zwei Mal verlängert; ein erstes Mal im September bis Ende Dezember 2020, ein zweites Mal Ende Oktober. Als sogenannten Überbrückungshilfe III soll sie Selbstständige und Unternehmen für den Zeitraum Januar 2021 bis Juni 2021 unterstützen.

Teil der angekündigten Überbrückungshilfe III soll auch eine Betriebskostenpauschale für Solo-Selbstständige sein, die sogenannte Neustarthilfe. Solo-Selbstständige wie Künstlerinnen und Künstler, die wenig Betriebskosten wie Miete oder Leasingraten haben, können aus diesem Topf bis zu 5.000 Euro erhalten. Allerdings startet dieses Programm erst Anfang 2021. Einzelheiten zum Antragsweg hat das Bundesfinanzministerium noch nicht veröffentlicht.

Die Überbrückungshilfe kannst Du nicht einfach abrufen, sondern musst sie über einen sogenannten prüfenden Dritten beantragen. Das ist der Mensch, der sich professionell um Deine Steuern kümmert, also in der Regel Dein Steuerberater.

Nicht bestreiten darfst Du mit der Überbrückungshilfe Deine Lebenshaltungskosten. Sie dient nur zum Ausgleich Deiner betrieblichen Fixkosten wie Miete oder Zinsen bei der Finanzierung. Allerdings haben Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Thüringen beschlossen, die Überbrückungshilfe mit eigenen Programmen aufzustocken. Über diese Programme gibt es dann auch einen Ausgleich für den entgangenen Lohn des Unternehmers.

Ausführlicher beschreiben wir die Sofort- und Überbrückungshilfen am Ende dieses Beitrags.

Günstige Kredite für Selbstständige und Unternehmen

Etwas weniger vorteilhaft als Zuschüsse sind staatlich geförderte Kredite: Dabei bekommst Du zwar ebenfalls Geld in die Hand, allerdings musst Du es später zurückzahlen. Die großen Corona-Kreditprogramme hat die staatliche Förderbank KfW aufgelegt, beantragen kannst Du sie über Deine Hausbank. Die Unterstützung besteht bei diesen Krediten darin, dass Du sie einfach als einen normalen Bankkredit bekommst – zu besonders günstigen Zinssätzen.

Kurzarbeit wegen Corona

Neben diesen Finanzierunghilfen ist es wichtig, die Ausgaben Deines Unternehmens zu verringern. Wichtigstes Mittel, wenn Du Arbeitnehmer hast, ist Kurzarbeit.

Wenn 10 Prozent der Belegschaft Deines Unternehmens vom Entgeltausfall betroffen sind, kannst Du Kurzarbeit beantragen. Diesen erleichterte Zugang zu Kurzarbeitergeld hat der Koalitionsausschuss am 25. August beschlossen. Er gilt bis Ende 2021 für alle Unternehmen, die bis zum 31. März 2021 Kurzarbeit eingeführt haben.

Neben dem erleichterten Zugang ist besonders die Anhebung des Kurzarbeitergeldes gegenüber der Vor-Corona-Zeit wichtig: Wer Kurzarbeitergeld für eine um mindestens 50 Prozent reduzierte Arbeitszeit bezieht, kann nun bis zu 80 Prozent des Nettolohns erhalten (87 Prozent für Haushalte mit Kindern).

Der Koalitionsausschuss hat außerdem beschlossen, dass für Betriebe, die bis Ende 2020 Kurzarbeit eingeführt haben, die Bezugsdauer des Kurzarbeitergelds auf bis zu 24 Monate (längstens bis 31. Dezember 2021) verlängert wird. Auch weitere Erleichterungen wie etwa die Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge wurden verlängert, zuletzt mit den Novemberhilfen. Das genaue Verfahren zu Anzeige, Antrag und Berechnung des Kurzarbeitergelds beschreibt die zuständige Bundesagentur für Arbeit.

Steuern senken

Ein weiterer wichtiger Hebel bei der Ausgabenkürzung sind Deine Steuerzahlungen. In der Krise solltest Du möglichst kein Geld unnötig aus der Hand geben. Bei den Steuern heißt das: Sorge dafür, dass die Vorauszahlungen an Deinen geänderten Gewinn angepasst werden und bitte um Stundung (Aufschub) absehbarer oder bereits fälliger Steuern. Diese beiden Maßnahmen kannst Du direkt mit dem Finanzamt oder mit Deinem Steuerberater auf den Weg bringen. Von sich aus verzichten die Finanzämter bis Ende 2020 darauf, überfällige Steuerschulden zu vollstrecken.

Zusätzlich zu diesen Maßnahmen hat das Bundesfinanzministerium einen Weg geöffnet, wie Du bereits gezahlte Steuervorauszahlungen für das Jahr 2019 zurückholen kannst. Dafür musst Du oder Dein Steuerberater pauschal einen Verlust für das Jahr 2020 ermitteln. Soforthilfen des Staates müssen zwar versteuert werden, aber erst mit der Steuererklärung 2020, die Du frühestens im Sommer 2021 abgeben wirst.

Alle steuerlichen Maßnahmen im Zuge der Corona-Hilfe hat das Bundesfinanzministerium zusammengefasst.

Um Steuerfragen geht es übrigens auch noch mal in dem Abschnitt „Das sind Deine wichtigsten Ansprechpartner“.

Sozialversicherungsbeiträge senken

Bei Solo-Selbstständigen sind die Beiträge für die Krankenversicherung und die gesetzliche Rentenversicherung ein großer Ausgabenposten. Da die Beiträge unmittelbar vom Jahreseinkommen abhängen, ist es sinnvoll, ein deutlich gesunkenes Einkommen möglichst zeitnah zu melden.

Bist Du gesetzlich versichert, musst Du dafür bei Deiner Krankenkasse einen Antrag stellen. Nach wie vor ist es allerdings so, dass für Selbstständige selbst bei sehr geringen Einnahmen ein Mindesteinkommen von 1.062 Euro angesetzt wird. Daraus ergibt sich ein Mindestbeitrag für Kranken- und Pflegeversicherung von etwa 200 Euro im Monat.

Bei der gesetzlichen Rente hat die Deutsche Rentenversicherung Ende März 2020 verkündet, dass versicherungspflichtige Selbstständige bei entsprechender finanzieller Notlage beantragen können, bis Ende Oktober 2020 keine Beiträge zahlen zu müssen. Allerdings hat die Rentenversicherung auch angekündigt, dass sie die Beiträge später an die tatsächlichen Verhältnisse anpassen wird. Hast Du in der Aussetzungszeit also bereits wieder gut verdient, wirst Du auch entsprechende Beiträge in die Rentenkasse leisten müssen.

Auch bei der freiwilligen Arbeitslosenversicherung, dem sogenannten Versicherungspflichtverhältnis auf Antrag, gibt es einen Zahlungsaufschub bis Juli 2021. Weitere Informationen gibt es bei der zuständigen Bundesagentur für Arbeit.

Entschädigung nach Infektionsschutzgesetz

Einen Sonderfall von nicht-rückzahlbarer Hilfe bietet Paragraf 56 Infektionsschutzgesetz. Wenn Du aufgrund von Quarantäne nicht arbeiten kannst, steht Dir für den Verdienstausfall nach dieser Regelung eine Entschädigung zu. Spätestens drei Monate nach dem Ende der Maßnahme musst Du dazu einen Antrag bei der zuständigen Behörde Deines Bundeslandes stellen. Unter Umständen kommst Du als Selbstständiger über diese Regelung auch indirekt zu Krankengeld, falls Du länger krank sein solltest.

Aussetzung der Insolvenzantragspflicht

Ebenfalls Teil des Corona-Gesetzespakets war, dass die Pflicht zum Stellen eines Insolvenzantrags bis zum 30. September 2020 ausgesetzt war. Diese Regelung wurde Ende September bis zum 31. Dezember 2020 verlängert. Du kannst also Dein Unternehmen erst einmal in einer Situation fortführen, in der Du nach altem Recht bereits Insolvenz hättest beantragen müssen. Voraussetzung auch hier: Die Insolvenzreife muss auf die Corona-Krise zurückzuführen sein. Seit dem 1. Oktober gilt die Regelung allerdings nur noch, wenn Du wegen Überschuldung einen Insolvenzantrag stellen müsstest. Zahlungsunfähigkeit entbindet Dich nicht mehr von der Insolvenzantragspflicht.

Leichterer Zugang zur Grundsicherung / Arbeitslosengeld II

Auch Selbstständige können bei der Agentur für Arbeit Grundsicherung beantragen, wenn sie keine Mittel haben, um den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie zu sichern.

Als Teil des Corona-Maßnahmenpakets wurde der Zugang zur Grundsicherung erleichtert. Im Rahmen dieses sogenannten Sozialschutz-Pakets gelten besondere Regeln für Freiberufler, Solo-Selbstständige oder Kleinunternehmer, die aufgrund der Corona-Krise einen Großteil ihrer Aufträge verloren haben: Wer zwischen dem 1. März und dem 31. Dezember 2020 Grundsicherung beantragt, muss sein Vermögen nur dann im Einzelnen nachweisen, wenn er (oder genauer gesagt die „Bedarfsgemeinschaft“, also etwa auch Ehepartner und Kinder) „erhebliches Vermögen“ hat – in der Praxis geht es um eine Summe über 60.000 Euro. Außerdem darfst Du Dein Erspartes in den ersten sechs Monaten, in denen Du die Leistungen erhalten hast, behalten, wenn Du unter der Höchstgrenze für erhebliches Vermögen bleibst.

Unter dieser Grenze liegst Du, wenn Du aus Anlagen wie Girokonto, Sparbüchern, Schmuck, Aktien oder Lebensversicherungen höchstens 60.000 Euro an Vermögen hast. Für Partner und Kinder in Deinem Haushalt beträgt dieser Betrag noch einmal zusätzlich jeweils 30.000 Euro. Selbstgenutztes Wohneigentum zählt nicht, sondern nur Verträge und Konten, aus denen Du sofort Geld abziehen kannst („sofort verwertbar“).

Lebensversicherungen gehören nach Aussagen der Bundesagentur für Arbeit nicht zu solchen Vermögensgegenständen, wenn sie für die Altersvorsorge gedacht sind, unabhängig davon, wie viel Du darin bereits angespart hast. Deine kapitalbildenden Renten- und Lebensversicherungen musst Du also nicht antasten.

Ein Beispiel: Lebst Du mit Deinem Partner und Eurem Kind in einer sogenannten Bedarfsgemeinschaft, wäre Euer Vermögen erst ab einem Betrag von 120.000 Euro „erheblich“.

Liegst Du über der Höchstgrenze für erhebliches Vermögen, kannst Du unter Umständen immer noch die Grundsicherung erhalten, musst aber im Einzelnen aufführen, was Du an Vermögen besitzt. Dann reicht der vereinfachte Antrag also nicht mehr. Weitere Informationen findest Du direkt auf der Seite Corona-Grundsicherung bei der Bundesagentur für Arbeit.

Der erleichterte Zugang zur Grundsicherung wurde Ende September bis zum 31. Dezember 2020 verlängert. Auch dies hatte der Koalitionsausschuss am 25. August beschlossen.

Unterstützungspaket für Start-ups

Start-ups können grundsätzlich dieselben Programme wie andere Unternehmen nutzen. Allerdings sind sie häufig noch nicht lange am Markt und können auch keine Gewinne ausweisen. Daher erfüllen sie die üblichen Anforderungen der Banken an Kreditnehmer meist nicht. Deshalb hat der Bund ein gesondertes Unterstützungsprogramm für Start-ups und kleine mittelständische Unternehmen aufgelegt. Für diesen Start-up-Schutzschild stehen 2 Milliarden Euro bereit. Kern des Programms ist eine sogenannte Corona-Matching-Fazilität, bei der Wagniskapitalfonds zusätzliche öffentliche Mittel erhalten, um Start-ups zu finanzieren.

Corona und Selbstständige – das sind die wichtigsten Ansprechpartner

Bei den vielen Ankündigungen und Programmen den Überblick zu behalten, ist nicht einfach. Im Grunde sind es aber nur eine Handvoll Personen und Institutionen, die Du ansprechen musst.

Bank und Bankberater

Lass Dich jetzt nicht von Erfahrungen in der Vergangenheit abschrecken. Deine Hausbank ist in dieser schwierigen Situation einer Deiner wichtigsten Ansprechpartner. Sie kann Dir helfen, diese schwierige finanzielle Situation zu überbrücken.

Besonders wichtig: Die Anträge für die Programme der staatlichen Förderbank KfW und der Förderbanken der jeweiligen Bundesländer laufen fast immer über die Hausbank. Mit den entsprechenden Bürgschaften der Förderbanken sollte sich die Hausbank wesentlich leichter tun, Kredite auszugeben. Sie trägt dadurch kaum ein Risiko.

Bei dem im April eingeführten KfW-Schnellkredit 2020 trägt die Hausbank sogar gar kein Risiko mehr. Der Kredit wird über die KfW zu 100 Prozent vom Steuerzahler garantiert. Eine klassische Bonitätsprüfung ist nicht mehr vorgesehen. Die Zinsen sind allerdings etwas höher als bei anderen, und den Kredit erhalten nur Selbstständige und Unternehmen, die mindestens zehn Mitarbeiter haben.

Zur Vorbereitung des Kreditantrags hat die KfW inzwischen eine eigene Seite eingerichtet, auf der Du prüfen kannst, welches Programm für Dich und Dein Unternehmen in Frage kommt.

Steuerberater und Finanzamt

Dein Steuerberater kann Dich nicht nur dabei unterstützen, die fälligen Steuerzahlungen anzupassen. Zum Angebot eines Steuerberaters gehört in der Regel auch die betriebswirtschaftliche Beratung. Er kann also für Dich berechnen, welchen Finanzbedarf Du bei verschiedenen Szenarien in der Corona-Krise hast und welchen Kreditbedarf Du dementsprechend bei der KfW und anderen Förderbanken anmelden solltest. Außerdem hilft er Dir bei der Bereitstellung der notwendigen Unterlagen. Bei der Überbrückungshilfe musst Du sogar Deinen Steuerberater einschalten, wenn Du die Mittel beantragen willst.

Bist Du als Freiberufler oder Solo-Unternehmer ohne Steuerberater unterwegs, kannst Du die Steuerzahlungen auch direkt mit Deinem Sachbearbeiter beim Finanzamt besprechen. Aber auch, wenn Dein Banker und Dein Steuerberater gut sind: Besser im Bild bist Du, wenn Du Dir vorab selbst einen Überblick verschaffst. Programme, die Du für passend hältst, kannst Du dann gezielt ansprechen.

Weitere Ansprechpartner

Außer mit dem Banker und dem Steuerberater solltest Du in dieser kritischen Situation mit all jenen sprechen, die für das Überleben Deines Unternehmens wichtig sind: Das sind besonders Mitarbeiter, Kunden und auch Lieferanten. Gerade bei kleineren Unternehmen spielt auch der Vermieter eine Rolle.

Vergiss in dieser Krisensituation die örtlichen Medien, die Verwaltung, Deine Kammern und Verbände sowie die politischen Mandatsträger auf Bundes- und Landesebene nicht. Je genauer diese wissen, wie stark die Folgen von Corona die lokale Wirtschaft treffen, umso besser. Such also das Gespräch mit allen, die an politischen Entscheidungen mitwirken oder den Auftrag haben, Deine Interessen zu vertreten.

Hier findest Du weitere Informationen

Sofort- und Überbrückungshilfen des Bundes und der Länder

Wichtigster Zuschuss in der ersten Phase der Corona-Hilfsprogramme war die sogenannte Soforthilfe des Bundes für Kleinstunternehmen und Solo-Selbstständige und Angehörige der Freien Berufe. Die Soforthilfe bestand aus nicht-rückzahlbaren Zuschüssen zu den Betriebskosten. Allerdings war eine Antragstellung für die Soforthilfe nur bis zum 31. Mai möglich. Anträge, die bis zu diesem Datum gestellt wurden, werden von den zuständigen Behörden weiter bearbeitet.

Nach der Soforthilfe hat die Bundesregierung die Überbrückungshilfe eingeführt. Das Programm lief zunächst in den Monaten Juni bis August 2020, wurde aber verlängert bis Dezember 2020. Die Antragsfrist für die Monate Juni bis August endete am 30. September. Für die Monate September bis Dezember kannst Du den Antrag seit dem 21. Oktober stellen. Hast Du bereits die Soforthilfe des Bundes oder der Länder beansprucht, kannst Du erneut einen Antrag stellen, wenn Du immer noch von Umsatzausfällen im förderfähigen Umfang betroffen bist.

Wer bekommt die neue Überbrückungshilfe des Bundes? Mit dem Zuschuss unterstützt der Bund branchenübergreifend kleine und mittelständische Unternehmen, die wegen der Corona-Pandemie hohe Umsatzeinbußen haben. Die Große Koalition nennt beispielhaft eine Reihe von Branchen, darunter etwa das Hotel- und Gaststättengewerbe, Caterer, Kneipen, Clubs und Bars, Jugendherbergen, Reisebüros, Schausteller und Messeveranstalter.

Die Hilfe ist allerdings kein Ersatz für den „Lohn“ des Unternehmers, sondern dient der Abdeckung der laufenden Betriebskosten (zum Beispiel Miete für die Gewerberäume oder Leasingraten). Sie ist nicht vorrangig gedacht für Personalkosten. Eine Ausnahme sind die Kosten für Auszubildende. Dazu werden Personalkosten, die nicht vom Kurzarbeitergeld erfasst sind, pauschal gefördert.

Ebensowenig geht es um die Deckung der Kosten für die Lebenshaltung. Wer also etwa als Solo-Selbstständiger nur geringe Betriebskosten hat, kann über diesen Topf seine Umsatz- und Honorareinbußen nur zu einem kleinen Teil ausgleichen.

Für die zweite Phase der Überbrückungshilfen hat der Bund die Hürden etwas gesenkt und die Förderung leicht erhöht. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über Phase 1 (Juni bis August) und Phase 2 (September bis Dezember) des Förderprogramms.

Regelungen der Phase 1 und der Phase 2 im Vergleich

Juni bis August September bis Dezember
Umsatzeinbußen mindestens Umsatzeinbußen mindestens
Mind. 60 % Umsatzeinbußen im April und Mai 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum

Mind. 50 % Umsatzeinbußen in 2 zusammenhängenden Monaten zwischen April und August 2020 gegenüber den jeweiligen Vorjahresmonaten oder mind. 30 % Umsatzeinbußen im Durchschnitt zwischen April und August gegenüber dem Vorjahreszeitraum

Deckelung nach Beschäftigten Deckelung nach Beschäftigten

Bis zu 5 Mitarbeiter: max. 9.000 €
Bis zu 10 Mitarbeiter: max. 15.000 €

Keine
Höchstfördersumme Höchstfördersumme
50.000 € pro Monat 50.000 € pro Monat
Fördersätze Fördersätze
80 % der fixen Betriebskosten bei mehr als 70 % Umsatzeinbruch 90 % der fixen Betriebskosten bei mehr als 70 % Umsatzeinbußen
50 % der fixen Betriebskosten bei Umsatzeinbußen zwischen 50 und 70 % 60 % der fixen Betriebskosten bei Umsatzeinbußen zwischen 50 und 70 %
40 % der fixen Betriebskosten bei Umsatzeinbußen von mehr als 40 % 40 % der fixen Betriebskosten bei Umsatzeinbußen von mehr als 30 %
Personalkostenpauschale Personalkostenpauschale
10 % 20 %

Quellen: Bundesministerium der Finanzen, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (Stand: 24. September 2020)

Antragsberechtigt für Phase 2 der Überbrückungshilfen bist Du somit in den folgenden Fällen: Entweder Du hattest zwischen April und August 2020 in zwei zusammenhängenden Monaten mindestens 50 Prozent Umsatzeinbußen oder Du hast im gleichen Zeitraum durchschnittlich mindestens 30 Prozent weniger Umsatz gemacht. Je nach Höhe Deiner Umsatzeinbußen bekommst Du pro Fördermonat zwischen 40 und 90 Prozent der fixen Betriebskosten erstattet. Die Deckelung für Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern fällt weg. Und die Personalkostenpauschale ist höher. Ein erneuter Antrag lohnt sich für Dich deshalb unter Umständen – selbst wenn Du bisher keine Überbrückungshilfen erhalten hast.

Neu in Phase 2 ist auch, dass Du nach der Schlussabrechnung eine Nachzahlung erhältst, wenn Du während der Fördermonate höhere Umsatzeinbußen hattest als erwartet. Waren Deine Einbußen niedriger als angenommen, musst Du allerdings zu viel gezahlte Zuschüsse auch zurückzahlen. Zeigt sich bei der Schlussabrechnung zum Beispiel, dass es einen Fördermonat gab, in dem Du weniger als 30 Prozent Umsatzeinbußen hattest, musst Du die Zuschüsse für diesen Monat komplett zurückzahlen. Gleiches gilt, wenn sich herausstellt, dass Du die Voraussetzungen nicht erfüllt hast, die in der ersten Zeile der Tabelle aufgeführt sind. Waren Deine Umsatzeinbußen zwar niedriger als angenommen aber höher als 30 Prozent, musst Du natürlich nur einen Teil der Zuschüsse für den jeweiligen Monat zurückzahlen.

Wie kommst Du an die Corona-Mittel? Zu der neuen Überbrückungshilfe gibt es seit dem 8. Juli eine zentrale Onlineplattform für ganz Deutschland. Den Antrag kannst Du dort nur gemeinsam mit einem Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Buchprüfer stellen. Für die Umsetzung und Auszahlung der Überbrückungshilfen sind dann dieselben Behörden in Deinem Bundesland zuständig, bei denen Du auch die Soforthilfe des Bundes beantragen konntest.

Welche Behörde in Deinem Bundesland zuständig ist, siehst Du in der folgenden Tabelle (rechts auf den Pfeil gehen).

Soforthilfe und Überbrückungshilfe: zuständige Behörden

Programme der KfW

Die staatliche Förderbank KfW hat angesichts der Krise das Sonderprogramm 2020 aufgelegt, dessen Mittel grundsätzlich unbegrenzt sein sollen. Unternehmen, die aufgrund der Krise vorübergehend in Finanzierungsschwierigkeiten geraten sind, erhalten so finanzielle Unterstützung. Mit dem Programm können sowohl Betriebsmittel als auch Investitionen finanziert werden. 

Anträge für die Programme der KfW können zum Teil bereits seit Ende März über die Hausbank gestellt werden. Eine Übersicht und weiterführende Links zu den Merkblättern einzelner Programme findest Du beim Bundesfinanzministerium auf der Seite zu den Hilfsprogrammen. Für wen welches Programm passt, zeigt auch diese Übersichtsseite zur Corona-Hilfe bei der KfW.

Landeseigene Förderbanken

Auch diese Banken passen ihre bestehenden Programme an die Herausforderungen der Corona-Krise an und legen zum Teil Sonderprogramme auf. Einen einfachen Zugang zu den Förderbanken bietet diese Übersicht.

Bürgschaftsbanken

Im Zuge der Corona-Krise erweitern die Bürgschaftsbanken ihre Unterstützung für Unternehmen: Die Entscheidungen sollen besonders schnell getroffen werden, die Bürgschaftsobergrenze steigt von 1,25 auf 2,5 Millionen Euro. Eine Finanzierungsanfrage kannst Du direkt über das Finanzierungsportal der Bürgschaftsbanken stellen. Sinnvoller dürfte es aber sein, sich bei der zuständigen Bürgschaftsbank zunächst zu informieren und mit diesen Informationen dann in das Gespräch mit der Hausbank zu gehen. Weitere Informationen erhältst Du auch bei der Bürgschaftsbank Deines Bundeslandes.

Haben wir etwas Wichtiges in diesem Ratgeber vergessen? Ist Dir weiterhin etwas unklar? Schreib uns! 

Wir helfen Dir durch die Corona-Krise!

Diese Videos haben wir rund um das Thema

Aktienkauf bei Corona: Pros und Kontras
Kurzarbeit bei Corona: Fristen und Fakten
Wie lange dauert die Börsenkrise?

Die wichtigsten Fragen zusammengefasst

Welche Hilfen gibt es für Selbstständige & Unternehmen während der Corona-Krise?

Wer sind die wichtigsten Ansprechpartner?

Welche Hilfen gibt es speziell für kleine Betriebe?

Tenhagens Corona-Podcast

Folge 54

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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 20.11.2020 15:17:00 +0000
Coronavirus und Geldanlage : Aktien, Gold, Coronavirus: Was der Ausbruch für Deine Finanzen bedeutet https://www.finanztip.de/coronavirus/finanzen/ https://www.finanztip.de/?id=7014Coronavirus und Geldanlage
Bild: Mark Lennihan/AP/dpa

Corona ist auch an den Börsen das beherrschende Thema des Jahres 2020. Weltweit reagieren die Kurse auf die weiterhin schwierige Lage in Europa, den USA und Asien. Wir zeigen Dir, wie Du die Risiken für Deine Geldanlage in diesen Zeiten bewerten kannst. Im Folgenden findest Du die sechs wichtigsten Anlagekategorien und unsere Einschätzung dazu.

Aktien: Augen zu und durch

Ein Impfstoff gegen SARS-CoV-2 scheint endlich näher zu rücken. Mehrere Unternehmen haben im November Fortschritte bei der Entwicklung vermeldet. Das hat vielen Menschen Mut gemacht, auch Anlegern an der Börse. Ab Anfang 2021 könnte das neuartige Coronavirus nicht nur durch Kontaktbeschränkungen und Co. zurückgedrängt werden, sondern auch mit Hilfe einer Impfung.

Dennoch erleben Deutschland und viele andere Länder derzeit die sogenannte zweite Welle. Die Infektionszahlen sind hoch, das öffentliche Leben bleibt vielerorts heruntergefahren. Die Börsenkurse sind Mitte November aber durchaus stabil. Der deutsche Aktienindex Dax liegt fast exakt auf seinem Stand von vor zwölf Monaten (Vergleich 19. November 2020 zu 19. November 2019). Der weltweite Index MSCI World steht, in Euro umgerechnet, sogar rund 5 Prozent höher als im Jahresvergleich. Damit sind die zwischenzeitlichen Kursverluste vom Oktober wieder aufgeholt. Beide Indizes liegen deutlich, rund 50 Prozent, über ihrem jeweiligen Rekordtief im März.

Alle wichtigen Aktienmärkte in Europa und weltweit waren Mitte Februar kräftig eingebrochen. Allein der Dax legte den schnellsten Kurssturz seiner 32-jährigen Geschichte auf dem Frankfurter Börsenparkett hin. Es ging um fast 40 Prozent abwärts, die größten deutschen börsennotierten Unternehmen waren damit im Index-Durchschnitt nur noch so viel wert wie Mitte 2016. Der weltweite Index MSCI World, den wir – anders als den Dax – als Basis für eine Anlage in günstige ETFs empfehlen, war zunächst ebenfalls stark unter die Räder gekommen.

Zu Beginn des Sommers ging es aber wieder aufwärts, bis dann Richtung Herbst die Kurse eher stagnierten. Zwar haben weder der Dax noch der MSCI World ihre bisherigen Höchststände direkt vor dem Corona-Einbruch erreicht, aber sehr viele andere Vergleichs-Zeiträume leuchten in den Übersichten wieder grün. Auf Tage mit Kursverlusten folgen in der Regel wieder Gegenbewegungen nach oben.

Das wirft einerseits die Frage auf, ob die Großanleger, die maßgeblich die Kursentwicklung beeinflussen, vielleicht einem Wunschdenken aufsitzen und manches weiterhin bestehende Corona-Problem ignorieren? Oder zeigen sie im Gegenteil eine realistische Erwartungshaltung? Massiv gestützt werden die Börsen jedenfalls durch umfangreiche Hilfspakete von Zentralbanken und Regierungen. 

Andererseits sind manche Anleger vom Kursanstieg auf dem falschen Fuß erwischt worden. Sie glaubten an einen noch stärkeren Rücksetzer und denken sich nun „hätte ich doch im März zugegriffen und investiert“. Finanztip hat seinerzeit den Standpunkt vertreten: Wenn Deine finanziellen Umstände und Dein Bauchgefühl passen, starte ruhig. Mit einem Sparplan bist Du ohnehin flexibel und kannst die monatlichen Beträge jederzeit ändern. Aus heutiger Perspektive scheint klar, wie man hätte handeln sollen. Aber diese Erkenntnis hilft in der Rückschau wenig.

Mehr dazu im Ratgeber Wertpapierdepot

  • Mit dem richtigen Wertpapierdepot zahlst Du wenig fürs Kaufen und Verkaufen von Aktienfonds (ETFs).
  • Finanztip-Empfehlungen: Als Kombiangebot aus Depot, Girokonto und Kreditkarte haben am besten abgeschnitten: DKB, Comdirect und Consorsbank. Die günstigsten Anbieter sind: Smartbroker, Onvista-Bank und Trade Republic.

Zum Ratgeber

Unsere Perspektive dazu: Vorsicht ist an der Börse nie falsch. Den perfekten Moment treffen Anleger selten – und langfristig betrachtet müssen sie das auch gar nicht. Selbst auf dem bisherigen Tiefpunkt des Weltindexes MSCI World im März 2020 lag dieser noch immer satte acht Prozent über seinem Stand ein Jahrzehnt zuvor, also 2010. Und in solchen Zeiträumen solltest Du bei Deiner breit gestreuten ETF-Anlage denken. 

Gerade in – weiterhin – unsicheren Zeiten ist es wichtig, breit aufgestellt zu sein und sich beispielsweise nicht nur auf die 30 großen deutschen Aktiengesellschaften zu verlassen. Dem MSCI World kam auch zugute, dass zu seinen rund 1.600 Unternehmen viele Software- und Technologieunternehmen gehören, die von der Corona-Krise oft sogar profitieren. Mit dem MSCI All Countries setzt Du sogar auf rund 3.000 Unternehmen.

Trotzdem zeigt das heftige Auf und Ab der Kurse in kürzester Zeit, dass die Ruhe noch längst nicht an die Börse zurückgekehrt ist. Investoren entscheiden schließlich aufgrund ihrer Erwartungen an den künftigen Geschäftsverlauf – und der lässt sich nicht seriös vorhersagen, weil sich das Ausmaß der Wirtschaftskrise noch nicht einschätzen lässt. Die deutsche Wirtschaftsleistung etwa ist im zweiten Quartal 2020 um 9,8 Prozent geschrumpft, im dritten Quartal folgte dann ein Aufholen mit einem Plus von 8,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Prognosen für das komplette Jahr sehen in allen Industrieländern düster aus. 2020, das kann man schon definitiv festhalten, ist ein extrem unruhiges Jahr auch für Anleger an der Börse.

Aus unserer Sicht keine empfehlenswerte Strategie: jetzt den möglichen „Corona-Gewinneraktien“ hinterher jagen zu wollen, beispielsweise von Impfstoffherstellern, oder aus Branchen, die besonders stark unter der Krise gelitten haben wie Tourismus oder Luftfahrt. Das mag zwar im Einzelfall funktionieren, doch es birgt ein zusätzliches Risiko und kostet viel Recherchezeit. Du gehst um einiges entspannter durch die kommenden Monate (und Jahre), wenn Du Dich an der gesamten Börsenwelt beteiligst und nicht nur an einzelnen Titeln.

Insgesamt gilt: Auch wenn Dein Depot derzeit vielleicht noch im Minus steht – Corona wird nach heutigem Stand keine Existenzbedrohung für eine relevante Zahl von Firmen auf der ganzen Welt sein. Stolze 1.600 Einzelwerte stecken im MSCI World. Bleib also optimistisch.

Mehr dazu im Ratgeber Indexfonds/ETFs

  • Mit kostengünstigen ETFs bauen Sie einfach Vermögen auf.
  • Unsere ETF-Empfehlungen für MSCI-World-ETFs: iShares (ISIN: IE00B4L5Y983)Xtrackers (ISIN: IE00BJ0KDQ92) und Source (ISIN: IE00B60SX394); für MSCI-All-Countries-World-ETFs: SPDR (ISIN: IE00B44Z5B48) und iShares (ISIN: IE00B6R52259).

Zum Ratgeber

Anleihen: Die Suche nach sicheren Häfen

Während Aktienkurse im Frühjahr zunächst abgesackt sind, ging es für einige andere Anlageklassen eher aufwärts. Als besonders sicher geltende Staatsanleihen stiegen zum Teil stark im Wert, beispielsweise Schuldscheine aus Deutschland, den USA oder Frankreich – aufgrund der hohen Nachfrage. In der Finanzlogik heißt das: Deine Rendite ist weiter gesunken, also praktisch die Verzinsung, wenn Du solche Anleihen jetzt kaufen willst – im Fall zehnjähriger deutscher Anleihen zwischenzeitlich auf minus 0,9 Prozent, einen historischen Tiefstwert. Diese Logik gilt jedoch nicht für alle Arten von Anleihen. Bei Unternehmensanleihen etwa steigt das Ausfallrisiko eher. Das heißt, dass Unternehmen eher mehr Zinsen dafür bezahlen müssen, dass ihnen jemand Geld leiht.

Die Europäische Zentralbank hat ein Kaufprogramm für Staats- und Unternehmensanleihen im Umfang von 1,35 Billionen Euro angestoßen und so bisher den Markt für Staatsanleihen stabilisieren können, auch in wirtschaftlich schwächeren Ländern wie Italien. Mitte November lag die Rendite zehnjähriger deutscher Anleihen bei minus 0,55 Prozent – die Nachfrage stieg im Vergleich zum Sommer wieder leicht, als die Rendite bei minus 0,5 Prozent lag.

Fazit: Hast Du Rentenfonds mit Staatsanleihen in Deinem Depot, etwa weil Du mit Hilfe eines Robo-Advisors ansparst oder Dein Portfolio schon vor vielen Jahren aufgelegt hast, dürfte der Wertgewinn der Anleihen Deine Schwankungen im Gesamtportfolio aufgefangen oder zumindest den Kursrutsch verlangsamt haben. Genau dazu dienen Anleihen hauptsächlich. Sie sollen ein eher sicherer, stabilisierender Baustein im Depot sein.

Sparguthaben: Sicher, aber wenig lukrativ

Wenn Du der Finanztip-Grundempfehlung für die Geldanlage gefolgt bist, hast Du eher keine Rentenfonds im Depot. Dafür hast Du für den sicheren Baustein Deiner Geldanlage auf Tages- und Festgeld gesetzt. Diese bleiben im Wert stabil: Betrachte Deine Geldanlage also insgesamt und mache Dir klar, dass die sicheren Anlagen Dein Portfolio genau in wirtschaftlich unruhigen Zeiten stabilisieren.

TagesgeldFestgeld oder Sparkonten dürften allerdings in der nächsten Zeit noch ein bisschen weniger Zinsen abwerfen als zuletzt. Die Europäische Zentralbank könnte kurzfristig den Negativzins für Banken erhöhen, was für Sparer beispielsweise bedeuten könnte: Aus 0,2 Prozent Jahreszinsen aufs Tagesgeld könnten 0,1 Prozent werden. Oder 0,01 Prozent.

Zumindest ist die Inflationsrate in Deutschland derzeit recht niedrig. Im Oktober berechnete das Statistische Bundesamt sogar eine Teuerung von minus 0,2 Prozent, also im Durchschnitt leicht sinkende Preise. Hier spielten Sondereffekte durch die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung und dem veränderten Verbraucherverhalten eine Rolle. Die Tagesgeldzinsen liegen damit erstmals seit Jahren über der Inflationsrate. Das dürfte sich aber in den nächsten Monaten wieder ändern.

Die Corona-Krise hat deutliche Auswirkungen auf unseren Wirtschaftskreislauf – durch Firmenpleiten wird auch der Druck auf Banken zunehmen. Allerdings dürften nötigenfalls die massiven finanziellen Hilfsmaßnahmen von Regierungen und Notenbanken fortgesetzt werden.

Unsere aktuelle Einschätzung zum Thema Einlagensicherung: Es gibt bei Anlagen in Tagesgeld, Festgeld oder auch Sparbüchern keinen Anlass zur Beunruhigung. Finanztip empfiehlt grundsätzlich nur Banken in Deutschland und ausgewählten, wirtschaftsstarken Staaten.

Gold: Der riskante Krisenklassiker

Im August hatte Gold einen neuen Rekordpreis erreicht. Die Feinunze (rund 31 Gramm) kostete sowohl in US-Dollar als auch in Euro so viel wie noch nie zuvor, zwischenzeitlich wurden die Marken von 2000 Dollar beziehungsweise 1700 Euro überschritten. Anscheinend nutzten einige Goldbesitzer die Gelegenheit, um sich von manchen Barren zu trennen. Bis Mitte November ist der Goldpreis wieder um rund 10 Prozent gefallen.

Wir bleiben bei unserer Einschätzung: Das Edelmetall ist ein eher spekulatives Investment. Der Wert ist stark abhängig von der Nachfrage. Kriselt es in der Wirtschaft wie im Moment, geht der Preis nach oben, um in anderen Zeiten wieder nachzugeben. Unsere Analysen ergaben, dass der Goldkurs sogar stärker schwankt als ein Aktieninvestment in den MSCI World.

Fazit: Gold kann wie Tages- oder Festgeld die Schwankungen Deines Portfolios in Krisenzeiten stabilisieren. Wir sagen, bis zu zehn Prozent physisches Gold gemessen am Depotwert kannst Du beimischen. Es hat profitiert, wer gerade bereits in Gold investiert ist. Wer kein Gold hat, sollte jetzt aber eher vermeiden, teuer zuzukaufen. Wenn Du kaufst, machst Du es richtig.

Mehr dazu im Artikel Gold kaufen

  • Wer sich gegen Krisen wappnen will, kann Goldmünzen oder Barren kaufen. Am besten online.
  • Unsere Anbieter-Empfehlung: gold.de, gold-preisvergleich.de

Zum Ratgeber

Öl: Entlastung am Weltmarkt

Der drastische Preisrutsch beim Erdöl hat ebenfalls mit dem Coronavirus zu tun. Die weltweite Nachfrage ist deutlich gesunken. In der Urlaubssaison im Sommer waren deutlich weniger Flugzeuge, Schiffe und Autos unterwegs als in „normalen“ Jahren. Seit Juni pendelt der Weltmarktpreis für das Fass Rohöl zwischen 40 und 45 US-Dollar – deutlich unter dem Bereich zwischen 60 und 70 Dollar, der noch 2019 üblich war. Deutsche Verbraucher profitieren sogar doppelt von dem günstigen Ölpreis, weil der Euro gegenüber dem Dollar aufgewertet hat.


Fazit: Aktuell sind die Spritpreise an der Tankstelle um mehrere Cent je Liter zurückgegangen. Heizöl kostete im September, kurz vor Beginn der Heizperiode, so wenig wie seit 16 Jahren nicht mehr. Im November ging der Preis nur leicht nach oben. 100 Liter für 41 Euro statt für 68 Euro wie noch zum Jahresbeginn – das bedeutet für einen 3000-Liter-Tank eine Ersparnis von rund 800 Euro. Wenn Dein Tank derzeit Nachschub vertragen kann, solltest Du ihn auffüllen – 2021 wird nämlich wieder der reguläre Mehrwertsteuersatz fällig sowie die neue CO2-Abgabe.

Altersvorsorge: Keine Gefahr

Eine Lebensversicherung, eine betriebliche Altersvorsorge oder ein klassischer Riester-Vertrag bieten normalerweise eine Zins- oder zumindest eine Beitragsgarantie. Das heißt: Du solltest mindestens so viel herausbekommen, wie Du einbezahlt hast. Entsprechend wenig Aktien stecken traditionell in diesen Produkten. Und auch die staatliche Förderung macht Corona nicht kaputt. Riester-Fondssparpläne haben in den Tagen der Kursabstürze allerdings ihren Aktienanteil massiv gesenkt. Die Anbieter begründen dies ebenfalls mit dem Vorsichtsprinzip und kündigen an, ihre Strategie nach einer Stabilisierung der Börsen erneut zu bewerten.

Die gesetzliche Rente wird nicht direkt von der Krise getroffen. Hier spielt die langfristige Entwicklung des Arbeitsmarkts und des Lohnniveaus die zentrale Rolle, durch die sogenannte Rentengarantie kann die Höhe einer individuellen Rente nicht sinken. Allerdings sind in den kommenden Jahren deutlich niedrigere Steigerungen zu erwarten – außerdem wahrscheinlich höhere Beiträge der Arbeitnehmer.

Fazit: Die traditionelle Altersvorsorge leidet eher unter den anhaltenden Niedrigzinsen als unter vorübergehenden Wertverlusten am Aktienmarkt. Betroffen können aber diejenigen sein, die ohne Garantien vorsorgen – etwa über eine fondsgebundene Rentenversicherung oder einen fondsgebundenen Rürup-Vertrag. Vor allem, wenn der Vertrag bald fällig wird, kannst Du mal nachhaken. Viele Versicherer bieten ein sogenanntes Ablaufmanagement an: Das heißt, Dein Aktienvermögen wird nicht auf einmal fällig, sondern über mehrere Jahre Schritt für Schritt verkauft.

Haben wir etwas Wichtiges in diesem Ratgeber vergessen? Ist Dir weiterhin etwas unklar? Schreib uns! 

Wir helfen Dir durch die Corona-Krise!

Videos rund ums Thema

Aktienkauf bei Corona: Pros und Kontras
Kurzarbeit bei Corona: Fristen und Fakten
Wie lange dauert die Börsenkrise?
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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 20.11.2020 14:16:00 +0000
Festgeld : Mehr Zinsen auf dem Festgeldkonto https://www.finanztip.de/festgeld/ https://www.finanztip.de/?id=578Festgeld

Die Corona-Krise wirkt sich auf unsere Wirtschaft aus und daher auch auf die Finanzmärkte. Unsere aktuelle Einschätzung zum Thema Einlagensicherung für Dich: Geld, das Du als Tagesgeld, als Festgeld oder auf einem Sparbuch angelegt hast, ist sicher. Es gibt keinen Anlass zur Beunruhigung. Finanztip empfiehlt nur Banken in Deutschland und anderen ausgewählten, wirtschaftsstarken Staaten. Was Du dennoch zu Deinen Geldanlagen wissen solltest, kannst Du in unserem Ratgeber zu Covid-19 und Geldanlage nachlesen.

Das Wichtigste in Kürze
  • Bei den besten Festgeldkonten gibt es noch Zinsen. Außerdem ist Ihr Geld sicher.
  • Geld, das Sie für ein bis drei Jahre sicher anlegen wollen, ist deshalb auf einem Festgeldkonto gut aufgehoben.
  • Bei Festgeld gilt meist: Je länger die Laufzeit, desto höher die Festgeldzinsen.
Festgeld - die besten Angebote
  • 6 Monate: Leaseplan Bank (0,35 % pro Jahr), afk Bank (0,30 % pro Jahr), abcbank (0,20 % pro Jahr), Unicredit über Weltsparen (0,20 % pro Jahr), SWK Bank (0,20 % pro Jahr)
  • 12 Monate: Bank11 (0,55 % pro Jahr), Leaseplan Bank (0,55 % pro Jahr), TF Bank über Weltsparen (0,55 % pro Jahr)
  • 24 Monate: Hoist Finance über Weltsparen (0,75 % pro Jahr), Renault Bank direkt (0,70 % pro Jahr)
  • 36 Monate: Renault Bank direkt (0,85 % pro Jahr), Leaseplan Bank (0,75 % pro Jahr), Klarna (0,75 % pro Jahr), Ziraat Bank (0,75 % pro Jahr)
  • Sonderfall Grenke Bank:  Die Grenke Bank über Weltsparen bietet ebenfalls gute Zinsen (0,60 % für 12 Monate, 0,75 % für 24 Monate, 0,85 % für 36 Monate). Allerdings ist die Grenke AG mit Anschuldigungen eines Investors konfrontiert. Spareinlagen sind aber gemäß der gesetzlichen Einlagensicherung geschützt.

Beim Festgeld (auch Termingeld genannt) legen Sie Ihr Geld für einen fest vereinbarten Zeitraum an. Im Gegenzug erhalten Sie von der Bank einen festgeschriebenen Zinssatz. Vorzeitig zu kündigen ist in der Regel nicht möglich. Sie sind also nicht so flexibel wie beim Tagesgeld, erhalten dafür aber meist höhere Zinsen. Entscheidend für die Höhe der Tagesgeldzinsen und Festgeldzinsen ist die allgemeine Zinsentwicklung.

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Hinweis: Anlagebetrag zwischen 500 € - 500.000 €

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Der Finanztip-Festgeldrechner basiert auf Festgeld-Daten von über 100 Banken, die der Dienstleister Financeads GmbH & Co. KG, Nürnberg (Datenschutzhinweise) zur Verfügung stellt. Diese haben wir mit unseren Parametern so gefiltert, dass Du ein verbraucherfreundliches Ergebnis nach Finanztip-Kriterien bekommst. Die Auswahl der Festgeldangebote erhebt keinen Anspruch auf einen vollständigen Marktüberblick. Wir übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit und Aktualität der hier bereitgestellten Informationen. Für Schäden aus fehlerhaften Daten oder durch die Nutzung des Rechners übernehmen wir keine Haftung.

So funktioniert Festgeld

Sind Sie auf der Suche nach einer Festgeldanlage, werden Sie Angebote für einen Monat, aber auch für bis zu zehn Jahren finden. Wir empfehlen relativ kurze Laufzeiten bis zu 36 Monaten, da sich die Zinsentwicklung über einen längeren Zeitraum kaum absehen lässt. Bleiben Sie besser flexibel: Sollten die Zinsen in den nächsten Jahren wieder ansteigen, können Sie mit einer kürzeren Laufzeit rasch bessere Zinsangebote nutzen. 

Ein weiteres Argument gegen sehr lang laufende Festgeldanlagen ist, dass Banken diese nicht belohnen. Ab Laufzeiten von mehr als vier Jahren zahlen Banken kaum höhere Zinsen. Bei Geld, das Sie für längere Zeiträume (wie zehn oder fünfzehn Jahre) anlegen wollen, sollten Sie außerdem überlegen, ob eine Aufteilung in Festgeld und börsennotierte Indexfonds sinnvoll ist. Lesen Sie dazu unseren Ratgeber Geldanlage.

Die Anbieter mit den besten Festgeld-Konditionen sind in der Regel Direktbanken und Zinsplattformen. Für die Kontoeröffnung müssen Sie sich legitimieren. Meist geschieht dies nach dem traditionellen Postident-Verfahren, inzwischen bieten aber auch immer mehr Banken eine Kontoeröffnung per Videoident-Verfahren an. Meistens erhalten Sie gleichzeitig ein Verrechnungskonto, über das der Zahlungsverkehr abgewickelt wird.

Die wichtigsten Punkte zu Eröffnung und Kontoführung

So ähnlich die Festgelder der verschiedenen Anbieter sind, bei einigen Punkten unterscheiden sie sich sehr:

Fatca und PeP - Wenn Sie das Konto eröffnen wollen, stellen Ihnen manche Banken seltsam anmutende Fragen. Die Kreditinstitute wollen zum Beispiel wissen, ob Sie in den USA steuerpflichtig oder eine politisch exponierte Person sind. Falls Sie mit „ja“ antworten, eröffnen einige Banken kein Konto für Sie. Hintergrund ist zum einen ein US-Steuergesetz namens Foreign Account Tax Compliance Act (Fatca). Damit wollen die USA Steuerflucht verhindern. Das betrifft auch deutsche Banken, sie müssen Daten zu den betroffenen Kunden an die US-Steuerbehörden weitergeben. Die politisch exponierten Personen (PeP) dagegen sind laut Bundesfinanzaufsicht (Bafin) eher in Korruption verwickelt.

Gemeinschaftskonto - Bei Gemeinschaftskonten können mehrere Kontoinhaber über ein Konto verfügen, zum Beispiel Eheleute. Nicht jede Bank bietet ihr Festgeldkonto als Gemeinschaftskonto an. Falls Sie zusammen mit Ihrem Partner das Konto nutzen wollen, müssen Sie darauf achten.

Prolongation - Viele Banken geben Ihnen Ihr Geld zum Ende der Laufzeit nicht automatisch zurück. Stattdessen legen sie das Guthaben noch einmal an, und zwar erneut für die ursprüngliche Laufzeit, aber zum dann gültigen Zinssatz. Bei einigen Banken können Sie diese automatische Wiederanlage bereits im Antrag ausschließen, bei anderen im Online-Banking. Andere Banken machen es Ihnen besonders schwer: Sie müssen das Festgeld am Ende der Laufzeit kündigen.

Steuern - Falls die Anlage über eine deutsche Bank oder die deutsche Niederlassung einer ausländischen Bank läuft, brauchen Sie sich nicht um die Steuern kümmern – die Bank erledigt das für Sie. Wenn Sie nicht wollen, dass Steuern abgeführt werden, sollten Sie einen Freistellungsauftrag einsenden. Da aber mittlerweile zahlreiche ausländische Banken ohne Niederlassung in Deutschland tätig sind, müssen Kunden sich bei manchen Anbietern selber um die Steuern kümmern und die Zinserträge in ihrer Einkommensteuererklärung nennen.

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Festgeldanlage mit mehreren Laufzeiten

Wer länger als 36 Monate anlegen will, kann die mangelnde Flexibilität von Festgeld mit einfachen Strategien umgehen:

Teilen Sie die Summe, die Sie festverzinslich anlegen möchten, in beispielsweise drei gleich große Beträge auf. Schließen Sie dafür Festgeldverträge mit jährlich gestaffelten Laufzeiten ab, also für ein, zwei und drei Jahre. Auf diese Weise wird jährlich eine Festgeldtranche fällig, für die Sie dann einen neuen Festgeldvertrag mit dreijähriger Laufzeit abschließen, falls Sie das Geld nicht anderweitig verwenden wollen. Mit dieser Strategie bleiben Sie relativ flexibel und sind auch bei steigenden Zinsen mit von der Partie.

Anleger können bei diesem Verfahren, das manche „Zinstreppe“ nennen, auch längere Laufzeiten mit einbeziehen. Das lohnt sich aber nur, wenn der Zins für diese Festgelder spürbar über den kürzeren Laufzeiten liegt.

Noch einfacher ist eine andere Strategie, die Flexibilität bringt: Teilen Sie die Festgeldanlage je zur Hälfte zwischen Tagesgeld und Festgeld mit dreijähriger Laufzeit (oder länger) auf. Über das Tagesgeld können Sie jederzeit verfügen, wenn Sie es brauchen. Insgesamt sind die Zinsen bei dieser Strategie unter dem Strich ähnlich hoch wie bei einer Zinstreppe.

Beide Anlagekonzepte haben Vor- und Nachteile: Bei steigenden Zinsen wirft die Zinstreppe mehr Rendite ab, weil Anleger jährlich einen Teil des Geldes in bessere Festgeld-Angebote umschichten. Bei fallenden Zinsen liegt die Strategie mit Tagesgeld vorn. Zudem ist sie einfacher und ein größerer Teil des Vermögens frei verfügbar.

So sicher ist Festgeld

Häufig stammen die besten Festgeldangebote von mittelgroßen oder kleinen und relativ unbekannten Banken aus dem Ausland. Da die Sicherheit des Geldes im Zweifelsfall wichtiger sein sollte als die letzte Nachkommastelle beim Zinssatz, sollten Sparer genau überlegen, welcher Bank sie ihr Geld anvertrauen wollen. Finanztip hat für die Auswahl der Banken Stabilitätskriterien entwickelt. Wir empfehlen nur Banken, die diese Kriterien erfüllen.

Grundsätzlich sind Guthaben auf Festgeldkonten innerhalb der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums von der gesetzlichen Einlagensicherung geschützt. Sie gilt für alle Anbieter mit einer Banklizenz in Höhe von bis zu 100.000 Euro pro Institut und Kunde. Bei Gemeinschaftskonten von Eheleuten erhöht sich dieser Schutz auf 200.000 Euro. Wer auf Nummer sicher gehen will, verteilt Beträge über dieser Grenze auf mehrere Banken. Dies gilt auch, wenn die Bank Mitglied in einem zusätzlichen freiwilligen Einlagensicherungsfonds sind, der Einlagen von mehr als 100.000 Euro absichert. Diese Systeme sind (anders als die gesetzliche Einlagensicherung) nicht europaweit einheitlich geregelt.

Auch wenn Sie mit Ihrer Anlage auf Giro-, Verrechnungs- und Sparkonten unterhalb der Grenze von 100.000 Euro liegen, kann es aber sinnvoll sein, das Geld auf mindestens zwei Banken zu verteilen. Auf diese Weise sind Sie nicht vollständig von der Technik und dem Service einer einzelnen Bank abhängig.

Die Finanztip-Stabilitätskriterien

Soweit die Theorie. Im Ernstfall ist aber nicht vorhersehbar, ob die Einlagensicherung in allen Ländern auch wirklich funktioniert. Dann müssten die jeweiligen Länder in die Bresche springen. Damit dies absehbar gelingt, sollten die Länder wirtschaftlich gut aufgestellt sein.

Vertrauenswürdige Institute identifiziert Finanztip mit Hilfe eines zweistufigen Auswahlverfahrens. Es basiert auf den Bonitätsnoten, mit denen Ratingagenturen die Zahlungsfähigkeit von Staaten beurteilen. Finanztip empfiehlt nur Institute, die einem gesetzlichen Einlagensicherungsfonds in den wirtschaftsstärksten EU-/EWR-Länder angehören und außerdem seit mindestens zwei Jahren auf dem deutschen Markt für Tagesgeld oder Festgeld aktiv sind.

Auch hier unser Tipp: Im Idealfall nutzen Sie die Vielfalt der Angebote und verteilen Ihr Festgeld auf zwei oder mehr Banken in unterschiedlichen Ländern. Diese Art von Risikostreuung kann also etwa so aussehen, dass Sie die Hälfte Ihres Festgeldes in Deutschland und die andere Hälfte beispielsweise in den Niederlanden anlegen.

Schuldenrückzahlung sollte vorgehen

Bevor Sie ein Festgeldkonto eröffnen, sollten Sie folgendes bedenken: Die Rückzahlung von Schulden ist in der Regel die beste Form der Geldanlage. Denn die Zinsen, die Sie für Festgeld bekommen, liegen so gut wie immer unter denen, die Sie für bestehende Kredite bezahlen müssen. So verdienen Banken schließlich ihr Geld. Prüfen Sie daher zuerst, ob beispielsweise eine Sondertilgung Ihrer Kredite möglich ist.

Diese Konten für verschiedene Laufzeiten empfiehlt Finanztip

Alle empfohlenen Anbieter erfüllen die Finanztip-Sicherheitskriterien. Banken, die durch das Raster gefallen sind, aber attraktive Konditionen bieten, führen wir zusätzlich am Ende dieses Beitrages auf.

Beachten Sie, dass Festgeldverträge nicht immer automatisch auslaufen. Je nach Vereinbarung kann sich ein Vertrag um die ursprünglich vereinbarte Laufzeit zu den dann gültigen Konditionen verlängern, falls der Anleger nicht vor Ablauf der vereinbarten Spardauer kündigt. Achten Sie deshalb bei Vertragsabschluss darauf, ob eine Kündigung notwendig ist und merken Sie sich den Termin gegebenenfalls in Ihrem Kalender vor. Bei manchen Anbietern können Sie auch von vornherein angeben, dass Sie keine Vertragsverlängerung wünschen.


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Laufzeit bis sechs Monate

Leaseplan Bank - Für sechsmonatiges Festgeld empfehlen wir das Angebot der Leaseplan Bank aus den Niederlanden. Sie gehört zur holländischen Leaseplan Corporation, die sich vor allem mit der Vermietung von Autos an Unternehmen beschäftigt. Sie erhalten einen Zinssatz von 0,35 Prozent pro Jahr für eine Anlage ab 1.000 Euro, also beispielsweise nach einem halben Jahr 17 Euro für 10.000 Euro Anlagesumme.

Die Leaseplan Bank ist Mitglied im niederländischen Einlagensicherungsfonds.

Leaseplan Bank
Bank des niederländischen Autovermieters Leaseplan Corporation
  • Finanztip-Empfehlung für Festgeld-Anlagen
  • erfüllt alle Finanztip-Stabilitätskriterien
  • Anlagen ab 1.000 Euro bis 2 Millionen möglich
  • vorzeitige Kündigung in Ausnahmefällen möglich
  • führt keine Steuern ab
Nur beim Anbieter abschließbar

SWK Bank - Die Süd-West-Kreditbank mit deutscher Einlagensicherung bietet derzeit 0,20 Prozent Zinsen pro Jahr für eine Laufzeit von sechs Monaten, also für beispielsweise 10.000 Euro Anlagesumme einen Zinsertrag von 10 Euro.

SWK Bank
Direktbank mit Sitz in Bingen
  • Finanztip-Empfehlung für Festgeld-Anlagen
  • erfüllt alle Finanztip-Stabilitätskriterien
  • Anlagen von 10.000 Euro bis 100.000 Euro möglich
  • führt Steuern ab
  • ohne Kündigung verlängert sich Angebot automatisch um 6 Monate

Laufzeit bis zwölf Monate

Für eine Laufzeit von bis zu zwölf Monaten lohnt es sich, die Festgeldangebote zu vergleichen mit Tagesgeldangeboten inklusive Zinsgarantie. Falls die Unterschiede klein sind – etwa im Bereich von 0,1 Prozentpunkten –, ist der Abschluss eines Tagesgeldkontos sinnvoll, da Anleger dann jederzeit an ihr Geld kommen.

Grenke Bank - Die Grenke Bank (vormals Hesse Newman & Co. AG, Privatbank) ist seit Februar 2009 Teil der Grenke-Unternehmensgruppe. Deren Kerngeschäft ist das Leasing für Bürokommunikation. Für eine Laufzeit von 12 Monaten gibt es aktuell 0,6 Prozent Zinsen pro Jahr. Die Grenke AG als Mutter der Grenke Bank ist aktuell mit Anschuldigungen eines Investors konfrontiert. Die Bafin untersucht das Thema. Die Auswirkungen auf die Bank sind derzeit unklar. Spareinlagen sind gemäß der gesetzlichen Einlagensicherung geschützt.

Grenke Bank
Banksparte des Finanzdienstleisters Grenke AG
  • Finanztip-Empfehlung für Festgeld-Anlagen
  • erfüllt alle Finanztip-Stabilitätskriterien
  • Mindestanlage 5.000 Euro
  • führt Steuern ab
  • ohne Kündigung verlängert sich die Anlage um 12 Monate zum dann gültigen Zinssatz
Nur beim Anbieter abschließbar

Bank11 – Das Kreditinstitut mit Sitz in Neuss ist eine herstellerunabhängige Autobank. Die Bank11 verzinst derzeit Einlagen für 12 Monate mit 0,55 Prozent.

Bank11
Autobank mit Sitz in Neuss.
  • Finanztip-Empfehlung für Festgeld-Anlagen
  • erfüllt alle Finanztip-Stabilitätskriterien
  • Anlagen zwischen 1.000 € und 250.000 € möglich
  • keine automatische Verlängerung
  • führt Steuern ab
Nur beim Anbieter abschließbar

TF Bank über Weltsparen - Das Bankhaus mit schwedischer Einlagensicherung bietet derzeit eine Rendite von 0,55 Prozent für eine Anlagedauer von 12 Monaten.

TF Bank
Direktbank aus Schweden. Anlage über Zinsplattform Weltsparen.
  • Finanztip-Empfehlung für Festgeld-Anlagen
  • erfüllt alle Finanztip-Stabilitätskriterien
  • Anlagen von 5.000 Euro bis 90.000 Euro möglich
  • keine automatische Verlängerung
  • führt keine Steuern ab

Leaseplan Bank - Die Leaseplan Bank aus den Niederlanden bietet für einjähriges Festgeld einen Zinssatz von 0,55 Prozent pro Jahr für eine Anlage ab 1.000 Euro.

Die Bank ist Mitglied im niederländischen Einlagensicherungsfonds.

Leaseplan Bank
Bank des niederländischen Autovermieters Leaseplan Corporation
  • Finanztip-Empfehlung für Festgeld-Anlagen
  • erfüllt alle Finanztip-Stabilitätskriterien
  • Anlagen ab 1.000 Euro bis 2 Millionen möglich
  • vorzeitige Kündigung in Ausnahmefällen möglich
  • führt keine Steuern ab
Nur beim Anbieter abschließbar

Laufzeit bis 24 Monate

Bei Laufzeiten von zwei Jahren lassen sich mit Festgeld in der Regel deutlich höhere Erträge erzielen als mit Tagesgeld. Allerdings sollten Sie vorher genau überlegen, ob Sie auf die Anlagesumme auch tatsächlich 24 Monate verzichten können.

Wer auf steigende Zinsen spekuliert und sich deshalb nicht für längere Zeit binden möchte, sollte folgendes bedenken: Nehmen wir an, Sie haben die Wahl zwischen einem Tagesgeld-Angebot mit einem Zinssatz von 0,4 Prozent für ein Jahr und einem Festgeldkonto für zwei Jahre, das 0,8 Prozent jährlich bringt. Entscheiden Sie sich für das Tagesgeld, müsste der Zinssatz im zweiten Jahr auf 1,2 Prozent steigen, damit Sie genauso gut abschneiden wie mit dem Festgeld.

Die schwedische Hoist Finance bietet über die Zinsplattform Weltsparen derzeit 0,75 Prozent pro Jahr für die Laufzeit von 24 Monaten.

Hoist Finance
Zahlungsdienstleister aus Schweden. Anlage über Zinsplattform Weltsparen
  • Finanztip-Empfehlung für Festgeld-Anlagen
  • erfüllt alle Finanztip-Stabilitätskriterien
  • Anlagen von 1.000 Euro bis 85.000 Euro möglich
  • keine automatische Verlängerung
  • führt keine Steuern ab

Auf 24-monatiges Festgeld zahlt die Renault Bank direkt derzeit einen Zins von 0,7 Prozent pro Jahr, mit französischer Einlagensicherung.

Renault Bank direkt
Onlinebank der Renault-Gruppe
  • Finanztip-Empfehlung für Festgeld-Anlagen
  • erfüllt alle Finanztip-Stabilitätskriterien
  • Anlagen von 2.500 Euro bis 1 Million Euro möglich
  • führt Steuern ab

Laufzeit bis 36 Monate

Wegen der niedrigen Zinsen empfehlen wir derzeit, nicht zu lange Laufzeiten abzuschließen. Wenn es bei längeren Laufzeiten aber gute Angebote gibt, kann sich eine Anlage für beispielsweise 36 Monaten lohnen.

Für 0,85 Prozent pro Jahr bieten Renault Bank direkt und Grenke Bank Festgeldkonten an, bei einem Anlagezeitraum von 36 Monaten. Die Einlagensicherung wird von Frankreich bzw. Deutschland vorgenommen. Zur Grenke Bank siehe auch unseren Hinweis etwas weiter oben bei "Laufzeit bis 12 Monate".

Renault Bank direkt
Onlinebank der Renault-Gruppe
  • Finanztip-Empfehlung für Festgeld-Anlagen
  • erfüllt alle Finanztip-Stabilitätskriterien
  • Anlagen von 2.500 Euro bis 1 Million Euro möglich
  • führt Steuern ab
Grenke Bank
Banksparte des Finanzdienstleisters Grenke AG
  • Finanztip-Empfehlung für Festgeld-Anlagen
  • erfüllt alle Finanztip-Stabilitätskriterien
  • Mindestanlage 5.000 Euro
  • führt Steuern ab
  • ohne Kündigung verlängert sich die Anlage um 12 Monate zum dann gültigen Zinssatz
Nur beim Anbieter abschließbar

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Übrige Angebote mit hohen Zinsen

Auf vielen Vergleichsportalen finden Sie auf den vorderen Plätzen oftmals Festgeld-Anbieter, die zwar hohe Zinsen zahlen, aber unsere Sicherheitsstandards nicht erfüllen. Wir empfehlen Ihnen, den Sicherheitsgedanken auch bei der Bankauswahl für Festgeldanlage in den Vordergrund zu stellen. Wir möchten Ihnen diese Angebote aber nicht vorenthalten. Nachfolgend finden Sie deswegen die wichtigsten Banken, die zurzeit nicht auf unserer Empfehlungsliste sind.

1. Übersicht: Angebote der Zinsplattform Savedo

Bank Einlagen-
sicherung
6
Monate
12
Monate
18
Monate
24
Monate
36
Monate
Atlantico Europa Portugal 0,1 % 0,3 % - 0,45 % 0,65 %
Banco Finantia Portugal - 0,75 % - 0,8 % 0,85 %
Banka Kovanica Kroatien 0,65 % 0,75 % 0,8 % 0,85 % 1,2 %
Hanseatic Bank Deutschland - 0,25 % - 0,35 % 0,4 %
J&T Banka Tschechien 0,6 % 1 % 1 % 1,2 % 1,3 %
Kentbank Kroatien - 0,05 % - 0,3 % 0,4 %
Libra Internet Bank Rumänien 0,1 % 0,1 % - 0,1 % 0,1 %
Privatbanka Slowakei - 0,8 % - 1,15 % 1,15 %

Banken, die die Finanztip-Stabilitätskriterien erfüllen, sind gefettet.
Quellen: Websites der Anbieter (Stand Zinsen: 18. August 2020)

2. Übersicht: Angebote der Zinsplattform Weltsparen

Bank Einlagen-
sicherung
6
Monate
12
Monate
18
Monate
24
Monate
36
Monate

Addiko Bank

Österreich 0,4 % 0,45 % - 0,5 % 0,5 %
Aegean Baltic Bank Griechenland 0,65 % 0,95 % - 0,96 % -
Alior Bank Polen 0,1 % 0,1 % - 0,2 % 0,2 %
Allied Irish Banks Irland - 0,05 % - - -
Aros Kapital Schweden - 0,7 % - - -
Avida Finans Schweden 0,45 % 0,6 % - - -
Bulgarian-American Credit Bank (BACB) Bulgarien - 0,64 % 0,64 % - -
Baltic International Bank Lettland 0,01 % 0,01 % - - -
Banca di Cividale Italien 0,5 % 0,92 % - 0,7 % 0,8 %
Banca Farmafactoring Italien 0,65 % 0,95 % 0,06 % 0,06 % 0,06 %
Banca Finint Italien - 0,9 % - 0,7% 1,05 %
Banco Finantia Spain Spanien - 0,8 % 0,85 % 0,91 % 1,06 %
Banca Ifis Italien 0,55 % 0,95 % - - -
Banco BNI Europa Portugal 0,4 % 0,9 % - 1,05 % 1,16 %
Banco Portugués de Gestáo Portugal 0,6 % 0,97 % - 1,11 % 1,22 %
Banca Popolare di Cortona Italien - 0,3 % - 0,4 % 0,8 %
Banca Progetto Italien 0,5 %

0,9 %

- 1,2 %

1,3 %

Banca Sistema Italien - 0,7 % - 1,05 % 1,15 %
Banco BAI Europa Portugal - 0,55 % - 0,9 % 1,2 %
Bankhaus Obotritia Deutschland - 0,3 % - 0,5 % 0,65 %
Banque BCP S.A.S. Frankreich - 0,35 % - 0,55 % -
Banque Wormser Frères Frankreich - 0,1 % - 0,5 % 0,5 %
BGFIBank Europe Frankreich - 1,5 % - - -
BlueOrange Lettland 0,65 % 0,9 % - 1,06 % 1,17 %
BN Bank Norwegen - 0,7 % - - -
BOŚ Bank Polen - 0,1 % - 0,2 % 0,3 %
Collector Bank Schweden 0,45 % 0,5 % - 0,6 % -
Coop Pank Estland 0,63 % 0,76 % - 0,9 % 1,05 %
Credorax Bank Malta 0,15 % 0,6 % - 0,9 % 1,1 %
DLL Niederlande - 0,4 % - - -
Euram Bank Österreich 0,3 % 0,4 % 0,45 % 0,5 % -
Expobank Tschechien 0,25 % 0,45 % - - 0,45 %
Fibank Bulgarien - 0,05 % - 0,1 % 0,1 %
First Save €uro Groß-britannien - 1,4 - 1,45 1,5
GBM Banca Italien - 0,9 % - 1,05 % 1,2 %
Greensill Bank

Deutsch-

land

0,25 % 0,7 % - 0,8 %

0,9 %

Grenke Bank

Deutsch-

land

- 0,3 % - 0,4 % 0,5 %
Haitong Bank Portugal - 1,01 % - 1,11 % 1,25 %
Hoist Finance Schweden - 0,4 % - 0,75 % 0,6 %
Holm Bank Estland 0,45 % 0,6 % - 0,75 % 0,9 %
Illimity Bank Italien 0,5 % 0,65 % - 1,25 % 1,35 %
Hanseatic Bank Deutschland - 0,25 % - 0,35 % 0,4 %
Inbank Estland - 0,85 % - 1,05 % 1,15 %
International Asset Bank Bulgarien - 0,4 % - 0,65 % 0,7 %
J&T Banka Tschechien 0,6 % 1 % 1 % 1,2 % 1,3 %
KentBank Kroatien - 0,05 % - 0,3 % 0,4 %
Klarna Schweden  0,45 % 0,81 % - 0,95 % 1,12 %
Komplett Bank Norwegen - 0,4 % - 0,7 % -
KT Bank AG

Deutsch-

land

0,4 % 0,7 % - 0,8% 0,95 %
LHV Estland 0,5 % 0,65 % - - -
Inbank Estland - 0,85 % - 1,05 % 1,15 %
Medicinos Bankas Litauen 0,05 % 0,1 % - 0,2 % 0,4 %
My Partner Bank Frankreich 0,15 % 0,25 % - 0,45 % 0,55 %
MeDirekt Bank Malta 0,55 % 0,96 % - 1,12 % -
Nordiska Schweden - 0,1 % - - -
Nordax Bank Schweden - 0,4 % - 0,65 % -
North Channel Bank

Deutsch-

land

- 0,2 % - 0,35 % 0,5 %
Podravska Banka Kroatien - 0,1 % 0,1 % 0,12 % 0,12 %
RCB Bank Zypern - 0,5 % - 0,55 % 0,6 %
Resurs Bank Schweden 0,5 % 0,7 % - 0,6 % -
RiverBank Luxemburg - - - - 0,96 %

Šiaulių Bankas

Litauen - 0,4 % - 0,8 % 1 %
Signal Iduna Bauspar Deutschland - 0,5 % - 0,15 % 0,2 %
Solution Bank Italien - 0,4 % - 0,75 % 1 %
TBI Bank Bulgarien 0,4 % 0,6 % 0,8 % 1,0 % 1,1 %
TF Bank Schweden - 0,65 % - 1 % -
UniCredit Bank Deutschland 0,5 % 0,6 % - 0,65 % -
ViViBanca Italien - 0,5 % - 0,9 % 0,95 %
Younited Credit Frankreich - - - 0,8 % 1,15 %

Banken, die die Finanztip-Stabilitätskriterien erfüllen, sind gefettet.
Quellen: Websites der Anbieter (Stand Zinsen:  6. August 2020)

3. Übersicht: Angebote der Zinsplattform Zinspilot

Bank Einlagen-
sicherung
6
Monate
12
Monate
18
Monate
24
Monate
36
Monate
ABBank Griechenland - - - - -
Aion Belgien - 0,55 % - - -
Alpha Bank Rumänien 0,45 % 0,95 % 0,9 % 0,95 % -
APS Bank Malta - 0,6 % - 0,7 % 0,8 %
Austrian Anadi Bank Österreich 0,1 % 0,2 % 0,3 % 0,35 %
Banca Sistema Italien - 0,7 % 0,95 % 1,05 % 1,15 %
Banca UBAE Italien 0,25 % 0,5 % - - -
Banco do Brasil Österreich 0,25 % 0,6 % - 0,7 %  
Banco de Investimento Global, S.A. (BiG) Portugal 0,2 % - - - -
BlueOrange Lettland 0,65 % 0,96 % - 1,06 % 1,17 %
bpf Bank Italien - 0,65 % 0,8 % 0,95 % -
BNF Bankl Malta - 0,5 % - 0,75 % 0,85 %
BRCI Rumänien 0,65 % 0,90 % 0,95 % 1,0 % -
CBL Bank Lettland - 0,2 % 0,2 % 0,2 % 0,2 %
CKV Bank Belgien - 0,75 % - 0,35 % 1,0 %
Close Brothers Großbritannien - 0,7 % 0,9 % 1 % -
CreditPlus Bank Deutschland - 0,4 % 0,5 % 0,6 % 0,65 %
EBI Groupe Ecobank

Frankreich

0,1 % 0,1 % - - -
European Merchant Bank Litauen 0,33 % 0,81 % - 0,95 % 1,01 %
FCM Bank Malta 0,5 % 0,65 % - - -
Fimbank Malta 0,6 % 0,8 % - 0,25 % 0,25 %
FIRSTBANK Rumänien 0,25 % 0,3 % - - -
Imprebanca Italien 0,1 % 0,3 % - 0,4 % 0,5 %
LHV Estland 0,5 % 0,65 % - - -
mymoneybank Frankreich - 0,4 % 0,4 % 0,5 % 0,6 %
novum BANK Malta 0,4 % 0,65 % - - -
Qliro Schweden 0,4 % 0,45 % - - -
RIB Regional Investement Bank Lettland 0,3 % 0,6 % - 0,9 % -
Rietumu Bank Lettland 0,3 % 0,6 % 0,7 % 1 % 1,2 %
Signet Bank Lettland - 0,7 % - 0,85 % -
UBAF Frankreich 0,1 % 0,25 % - - -
Wiener Privatbank Östereich 0,45 % 0,6 % - 0,65 % -

Banken, die die Finanztip-Stabilitätskriterien erfüllen, sind gefettet.
Quellen: Websites der Anbieter (Stand Zinsen: 18. August 2020)

Ausführliche Informationen zu Savedo, Weltsparen und Zinspilot finden Sie beim Klick auf den jeweiligen Link in diesem Satz.

Empfehlungen aus dem Ratgeber für Festgeld

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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 20.11.2020 12:13:00 +0000
Bafög : Das Geldgeschenk vom Staat für Studenten, Azubis und Schüler https://www.finanztip.de/bafoeg/ https://www.finanztip.de/?id=2027Bafög

Während der Corona-Pandemie gibt es für Studenten zwei zusätzliche Geldquellen:

1. Zuschuss - Studierende können einen monatlichen Zuschuss von bis zu 500 Euro beantragen. Das Formular für die Überbrückungshilfe findest Du auf diesem Online-Portal. Das Geld kannst Du bis zum Ende des Wintersemesters bekommen (November bis März). Allerdings musst Du den Antrag jeden Monat aufs neue stellen und auch nur für den aktuellen Monat.

2. KfW-Studienkredite - Seit Mai bis Ende 2021 musst Du für alle bestehenden und neuen Studienkredite der KfW keine Zinsen zahlen. Seit Juni können auch ausländische Studierende den Kredit beantragen. Mit dem Kredit bekommst Du bis zu 650 Euro monatlich auf Dein Konto. Weitere Informationen findest Du bei der KfW. (Stand: 20. November 2020)

Das Wichtigste in Kürze
  • Mit Bafög fördert der Staat junge Menschen, die wenig Geld haben, während ihrer Ausbildung.
  • Studierende bekommen bis zu 861 Euro im Monat, Azubis und Schüler etwas weniger (Stand: November 2020). Abzüge gibt es, wenn Du, Deine Eltern oder Dein Lebenspartner gut verdienen.
  • Wenn Du Bafög-berechtigt bist, solltest Du die Förderung immer in Anspruch nehmen, da Du höchstens die Hälfte zurückzahlen musst (oft ist es weniger). Mit der Rückzahlung musst Du erst fünf Jahre nach Deinem Studienabschluss anfangen.
So gehst Du vor
  • Überprüfe mit unserer Übersicht, ob und wie viel Bafög Du voraussichtlich bekommen kannst.
  • Reiche Deinen Antrag spätestens im ersten Monat Deiner Ausbildung oder Deines Studiums ein.
  • Lege in den ersten fünf Jahren nach dem Studium Geld beiseite, damit Du das Darlehen rasch zurückzahlen kannst. Begleichst Du die Summe auf einmal, sind Rabatte bis zu 2.100 Euro möglich.

Schüler, Lehrlinge und Studenten können Geld vom Staat bekommen, wenn sie anders nicht in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Geregelt werden diese Zuschüsse im Berufsausbildungsförderungsgesetz – besser bekannt unter der Abkürzung Bafög.

Das Ziel von Bafög ist es, jedem die Möglichkeit auf eine Ausbildung, ein Studium und einen Schulabschluss zu geben – auch denen, die es sich ohne finanzielle Unterstützung nicht leisten könnten. 2019 wurden 680.000 Menschen durch Bafög unterstützt, davon waren rund 191.000 Schüler und Auszubildende. Die Zahlen gehen seit Jahren zurück, daran ändert auch die Bafög-Novelle von August 2019 nichts. 2019 wurde noch rund jeder sechste Studierende gefördert.

Wer bekommt überhaupt Bafög?

Die erste große Hürde, die Du meistern musst, ist herauszufinden, ob Du überhaupt Bafög-berechtigt bist. Der Staat springt nämlich nur ein, wenn Du oder Deine Familie die Kosten der Studien- oder Lehrzeit nicht selbst stemmen können. Falls Du die Voraussetzungen erfüllst, sollte Bafög ein fester Bestandteil sein, um Dein Studium oder die Ausbildung zu finanzieren. Denn mindestens die Hälfte bekommst Du geschenkt – oft musst Du sogar nur einen geringen Teilbetrag zurückzahlen.

Ob Deine Berufsausbildung, Deine Schulausbildung oder Dein Studium durch Bafög gefördert werden kann, hängt von Deiner Ausbildungsstätte ab.

Diese Ausbildungsstätten werden gefördert

  Ausbildungsstätte
Studenten Universitäten, Hochschulen, Fachhochschulen und Akademien
Auszubildende Berufsaufbauschulen, Berufsfachschulen, Fachschulen, Berufskollegs
Schüler alle anerkannten Schulen von Gymnasien über Gesamtschulen bis Hauptschulen, zweiter Bildungsweg über Abendhauptschulen, Abendrealschulen, Abendgymnasien, Kollegs

Quelle: bafög.de (Stand: August 2020) 

Für Studenten gilt: Es wird grundsätzlich nur ein Vollzeitstudium gefördert. Auch bekommst Du die Förderung nur für das erste Studium; für ein Zweitstudium nur dann, wenn es direkt auf dem Erststudium aufbaut. Das ist etwa der Fall bei einem Bachelorstudium mit anschließendem Masterstudium. Wer sein Studienfach zum Zweitstudium wechselt, hat keinen Anspruch mehr auf Bafög.

Dasselbe Prinzip gilt für Erst- und Zweitausbildungen. Mit dem sogenannten Auslands-Bafög kannst Du Dir auch eine Ausbildung im Ausland oder ein Auslandssemester während des Studiums fördern lassen (§ 2-7 Bafög).

Zusätzlich musst Du zwei grundsätzliche Voraussetzungen für Bafög erfüllen, egal ob Azubi, Schüler oder Student (§ 8-10 Bafög):

  1. Staatsangehörigkeit: Du musst deutscher Staatsbürger sein, um Bafög zu bekommen. Es ist aber auch möglich, ohne deutschen Pass die staatlichen Zuschüsse zu erhalten. Dafür ist entscheidend, ob Du auch nach der Ausbildungszeit voraussichtlich langfristig in Deutschland bleiben wirst. Gerade unter den Menschen aus anderen EU-Ländern gibt es viele, für die ein solcher dauerhafter Aufenthalt infrage kommt. Erste Anlaufstelle ist das Auslandsamt der jeweiligen Hochschule. Dieses kann oft weiterhelfen.
  2. Alter: Bei Beginn der Ausbildung oder des Studiums darfst Du höchstens 29 Jahre alt sein. Für ein Masterstudium liegt die Obergrenze bei 34 Jahren. In einigen Sonderfällen darfst Du auch älter sein, zum Beispiel beim Schulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg oder wenn Du ein Kind hast.

Mit wie viel Bafög kannst Du rechnen?

Der Höchstsatz von 861 Euro pro Monat reicht oftmals gerade so aus für Wohnung, Essen und Lernmaterial (§ 11-14 Bafög). Von dem Geld musst Du außerdem Deine Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Vom Bafög-Amt gibt es nur pauschale Förderungen – egal, wie viel Du zum Beispiel für Deine Wohnung ausgeben musst, Du bekommst immer nur 325 Euro für Miete und Nebenkosten. Als Student hast Du nur innerhalb der Regelstudienzeit Anspruch auf Bafög. Dabei ist es egal, wie viele Semester Du davon Bafög erhältst.

Auszubildende und Schüler bekommen das Bafög geschenkt

Für Azubis und Schüler gibt es weniger Bafög als für Studenten. Welche Höchstbeträge genau gelten, hängt allein von der Art der Ausbildungsstätte ab. Im Gegensatz zu Studenten bekommen Schüler und Azubis das Bafög vollständig als staatliche Förderung, und zwar grundsätzlich so lange, wie sie die Ausbildungsstätte besuchen. Dies gilt auch, wenn sie eine Klasse wiederholen müssen. Egal, wie lange oder wie viel Du erhältst, Du musst nichts von dem sogenannten Schüler-Bafög zurückzahlen.

Bei Studenten sieht das etwas anders aus. Die Hälfte des Bafögs besteht aus der geschenkten Förderung und die andere aus einem langfristigen Darlehen. Die Konditionen des Darlehens sind allerdings äußerst vorteilhaft, sodass auch für Studenten gilt: Wenn Du Bafög-berechtigt bist, solltest Du die Förderung auf jeden Fall beanspruchen.

Wie viel Förderung Du höchstens bekommst

 

bei den Eltern
zuhause

eigene
Wohnung

Universitäten, Höhere Fachschulen etc.

592 €

861 €

Abendgymnasien, weiterführende Fachschulklassen etc.

563 €

832 €

Abendhaupt- und Abendrealschulen, weiterführende Fachoberschulen etc.

557 €

790 €

Berufsfachschulen

356 €

694 €

Schüler im ersten Bildungsweg, Fachschulen etc.

-

694 €

pro Kind

+ 150 €

+ 150 €

Inklusive Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung in Höhe von 109 Euro (ab dem 31. Lebensjahr steigt der Betrag auf 189 Euro)
Quelle: §§ 12, 13, 13a Bafög (Stand: August 2020)

Spielt das Einkommen Deiner Eltern eine Rolle?

Bafög ist für alle gedacht, die ihre Ausbildung nicht selbst finanzieren können. Die Eltern sind dem Azubi oder Studierenden gegenüber unterhaltspflichtig, auch wenn er schon volljährig ist und aus dem Elternhaus ausgezogen ist. Ähnliches gilt für Ehe- und eingetragene Lebenspartner. Verdienen diese zu viel, bekommst Du weniger Förderung.

Daher musst Du beim Bafög-Antrag auch die Einkünfte Deiner Eltern und Deines Ehepartners offenlegen und dazu dem Bafög-Amt den Steuerbescheid des vorletzten Kalenderjahres der Eltern und des Partners einreichen.

Verdienen Deine Eltern im aktuellen Jahr voraussichtlich weniger Geld, kannst Du auch das angeben. So erhältst Du unter Umständen mehr Bafög. Das empfiehlt sich vor allem, wenn ein Elternteil in Rente geht oder nur noch in Teilzeit arbeitet.

Verdienen Deine Eltern wegen Corona weniger, kannst Du einen Aktualisierungsantrag für den laufenden Bafög-Bewilligungszeitraum stellen und so mehr Bafög bekommen. Weitere Informationen dazu findest Du hier.

So viel dürfen Deine Eltern verdienen

Das Bafög-Amt berücksichtigt bestimmte Freibeträge für das Einkommen der Eltern. Sind die Eltern miteinander verheiratet, gilt ein Freibetrag für beide gemeinsam. Sind die Eltern getrennt, wird für jedes Elternteil ein eigener Freibetrag berücksichtigt. Auch mit jedem unterhaltsberechtigten Kind, das von Deinem Ehepartner oder Deinen Eltern versorgt werden muss, steigt der jeweilige Freibetrag. Die Höhe der Freibeträge wurde zuletzt zur Bafög-Reform 2019 angepasst.

Monatliche Freibeträge für Eltern und Ehepartner

  August 2020

August 2021

verheiratete Eltern

1.890 €

2.000 €

alleinstehender Elternteil

1.260 €

1.330 €

Ehepartner

1.260 €

1.330 €

Stiefelternteil

630 €

665 €

pro Kind (unterhaltsberechtigt)

570 €

605 €

Quelle: § 25 Bafög (Stand: August 2020) 

Wir empfehlen Dir, vor dem Antrag einmal durchzurechnen, ob das Einkommen Deiner Eltern über den in der Tabelle genannten Bafög-Freibeträgen liegt. Das gibt Dir etwas Planungssicherheit, da Du Bafög nur kurze Zeit vor Beginn des Studiums oder der Ausbildung beantragen kannst. Einen Online-Rechner findest Du zum Beispiel auf bafoeg-rechner.de.

Lass Dich von den niedrigen Einkommensgrenzen nicht zu schnell entmutigen. Denn bei der Rechnung vom Bafög-Amt wirken sich zahlreiche Faktoren zu Deinen Gunsten aus – wie Sozialabgaben, Werbungskosten oder Riester-Beiträge. Das sogenannte pauschale Nettoeinkommen, auf das es ankommt, ermittelst Du am besten mit dem jüngsten Steuerbescheid Deiner Eltern. Doch auch wenn Deine Eltern mehr verdienen, kannst Du immer noch eine teilweise Förderung bekommen.

Beispiel für das Einkommen der Eltern

Sind Deine Eltern verheiratet, musst Du ab einem Bruttoeinkommen von 30.000 Euro im Jahr mit den ersten Einbußen beim Bafög rechnen (Arbeitnehmer, keine weiteren Kinder). Oft kannst Du aber auch noch eine Teilförderung erhalten, wenn Deine Eltern 45.000 Euro verdienen. Ab einem gemeinsamen Gehalt von 60.000 Euro im Jahr ist die staatliche Förderung eher unwahrscheinlich.

Auf dem Infoportal des Familienministeriums bafög.de sind einige konkrete Beispiele aufgeführt, wann es wie viel Förderung gibt. Im Gegensatz zum Einkommen spielt das Ersparte Deiner Eltern keine Rolle; die Einkünfte, die sie aus dem Vermögen erzielen, aber sehr wohl (Kapitalerträge beispielsweise gelten auch als Einnahmen).

Was darfst Du neben dem Bafög verdienen?

Das angesparte Vermögen der Eltern wird bei der Bafög-Berechnung nicht herangezogen. Doch wenn Du selbst mehr als 8.200 Euro zusammengespart hast, musst Du zuerst Deine Reserven aufbrauchen. Mit Lebenspartner und Kindern darfst Du mehr Geld auf der hohen Kante haben (je 2.300 Euro mehr für jede Person in Deinem Haushalt).

Wenn Du in der aktuellen Corona-Krise in systemrelevanten Branchen arbeitest, wird Dein Verdienst nicht auf die Bafög-Förderung angerechnet. Weitere Informationen dazu findest Du hier.

Wenn Du selbst genug verdienst, um Dir Dein Studium zu finanzieren oder in der Ausbildung bezahlt wirst, bekommst Du kein Bafög. Ausgenommen davon sind zum Beispiel Minijobs. Hier gibt es Freibeträge, die Dir geringe Einnahmen ohne Anrechnung auf das Bafög erlauben.

Auf die Freibeträge schlägt das Bafög-Amt noch Kosten für Sozialabgaben und die Werbungskostenpauschale obendrauf. Der grundsätzliche Freibetrag für eigenes Einkommen von 290 Euro im Monat erhöht sich damit pauschal auf 450 Euro. Das gilt für den gesamten Bewilligungszeitraum (normalerweise zwölf Monate). Ein Nebenjob in den Ferien oder in der vorlesungsfreien Zeit darf also auch mal mehr einbringen, solange Du insgesamt weniger als 5.400 Euro im Jahr verdienst. Ist Deine Ausbildung besonders kostenintensiv, hast Du Kinder oder unterstützt du Deinen Ehepartner, gelten höhere Freibeträge.

Falls Du eine Waisenrente oder ein Stipendium bekommst, musst Du diese erst bei höheren Summen auf Dein Bafög anrechnen lassen. Ist das Geld aus dem Stipendium zweckgebunden, wie zum Beispiel eine Bücherpauschale, zählt es nicht und Du darfst deshalb auch mehr als den Freibetrag für Stipendien in Höhe von 300 Euro behalten.

Monatliche Freibeträge für eigenes Einkommen

 

Ab August 2020

Grundfreibetrag

290 €

mit Ehepartner

+ 630 €

pro Kind

+ 570 €

Waisenrente / Waisengeld

+ 200 €

Stipendium

+ 300 €

Härtefälle1

+ 285 €

1 Falls eine private Einrichtung Schulgeld oder Studiengebühren verlangt, gilt das als Härtefall. Semesterbeiträge von staatlichen Hochschulen zählen jedoch nicht dazu.
Quelle: § 23 Bafög (Stand: August 2020)

Wer kann elternunabhängiges Bafög bekommen?

In einigen Fällen bekommst Du auch Bafög, obwohl Deine Eltern Dich eigentlich unterstützen könnten (§ 11 Bafög). Möglich ist das in folgenden Situationen:

Eltern verweigern den Unterhalt - Wenn Deine Eltern keinen Unterhalt zahlen, obwohl sie dazu verpflichtet sind, springt das Bafög-Amt ein. Du bekommst dann Bafög ausgezahlt, überträgst aber im Gegenzug dem Amt Deine Unterhaltsansprüche gegenüber den Eltern.

Abitur auf dem zweiten Bildungsweg - Besuchst Du ein Abendgymnasium oder ein Kolleg, brauchst Du dem Bafög-Amt keine Angaben über die Einkünfte Deiner Eltern zu machen.

Ausbildung beginnt nach dem 30. Lebensjahr - Falls Du aufgrund einer Ausnahme nach Deinem 29. Geburtstag Bafög bekommst, musst Du Dir um das Einkommen Deiner Eltern keine Gedanken machen.

Schon fünf Jahre gearbeitet - Wenn Du Dich nach dem Berufseinstieg entscheidest, doch noch zu studieren, bekommest Du elternunabhängiges Bafög. Allerdings musst Du dazu mindestens fünf Jahre gearbeitet haben, seitdem Du volljährig bist, beziehungsweise sechs Jahre, wenn dazu eine Ausbildung gehörte.

Was ist bei Deinem ersten Bafög-Antrag wichtig?

Erfüllst Du alle Voraussetzungen, geht es an den eigentlichen Antrag. Dabei solltest Du vor allem die Fülle der Unterlagen nicht unterschätzen, die Du für Deinen Antrag zusammensammeln musst. Gerade die Einkommensbelege Deiner Eltern zu beschaffen, kann etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Kümmere Dich daher so früh wie möglich um Deinen Antrag. Wenn Du direkt zum Ausbildungs- oder Studienbeginn auf die Förderung angewiesen bist, solltest Du die nötigen Unterlagen schon zuvor organisiert haben.

Wann der beste Zeitpunkt für den Bafög-Antrag ist

Bafög kannst Du im Prinzip erst beantragen, wenn Du weißt, wo Du studierst oder Deine Ausbildung machst. Wenn Du bereits zuvor abschätzen kannst, wo Du am Ende landen wirst, lohnt es sich aber, den Antrag schon vor der Zusage einzureichen und die Einschreibung (Immatrikulation) nachzuschicken.

Allerspätestens im Monat des Ausbildungs- oder Studienbeginns solltest Du den Antrag auf den Weg bringen; Bafög gibt es nämlich nicht rückwirkend. Für das Wintersemester an der Uni reicht dazu auch noch der 31. Oktober.

Gerade bei Studien- oder Ausbildungsbeginn sammelt sich so mancher Kostenpunkt an. Fällt es Dir schwer, ein oder zwei Monate finanziell zu überbrücken, bis das Bafög gezahlt wird, wende Dich am besten persönlich an Deinen Sachbearbeiter. Häufig haben die Mitarbeiter im Bafög-Amt Verständnis für schwierige Übergangsphasen und bearbeiten dringende Fälle schneller. Für die Übergangszeit kannst Du außerdem auch Arbeitslosengeld II beantragen.

Wo Du Dein Bafög beantragen kannst

In welchem Bafög-Amt Du Deinen Antrag einreichen musst, hängt von der Art und dem Ort Deiner Ausbildungsstätte ab (§ 45 Bafög):

  • Studenten reichen ihren Bafög-Antrag im Studentenwerk ihrer Hochschule ein.
  • Für höhere Fachschulen, Abendgymnasien, Kollegs und Akademien ist das Bafög-Amt im Bezirk der Ausbildungsstätte zuständig.
  • Alle anderen Schüler müssen sich an das Bafög-Amt am Wohnort der Eltern wenden.

Auf bafög.de findest Du eine Liste der Ämter.

Welche Unterlagen Du brauchst

Der Antrag besteht aus verschiedenen Formblättern, die Du ausgefüllt beim Bafög-Amt einreichen musst. Du kannst diese auch elektronisch ausfüllen und einschicken. Normalerweise kommen noch Einkommensbelege von Dir und Deinen Eltern obendrauf, sowie ein Nachweis über Deine Vermögensverhältnisse und die Zulassung der Ausbildungsstätte.

Jedes Jahr aufs Neue: Regelmäßig Bafög beantragen

Das Bafög-Amt gewährt die Förderung in der Regel immer nur für ein Jahr. Nach dem sogenannten Bewilligungszeitraum musst Du erneut die entsprechenden Formblätter und Unterlagen des Folgejahrs einreichen. Mit der Zeit bekommst Du darin Routine. Folgendes solltest Du über die Jahre beachten (§ 15-17 Bafög):

Leistungsnachweis - Zum fünften Semester müssen Studierende nachweisen, dass sie genügend Kurse oder Seminare besucht und die notwendigen Zwischenprüfungen bestanden haben, um das Studium in der Regelstudienzeit zu schaffen. Allzu sehr schleifen lassen darfst Du Dein Studium daher nicht.

Wer seine Prüfungen wegen der Corona-Pandemie nicht machen konnte, verliert dadurch seinen Anspruch auf Bafög nicht. Weitere Informationen dazu findest Du hier.

Fachwechsel - Im Bachelorstudium dürfen Studierende sich bis zum vierten Semester für ein anderes Studienfach entscheiden. Mit dem Wechsel startet die Regelstudienzeit und damit auch die Bafög-Bezugsdauer von neuem.

Hilfe beim Studienabschluss - Fehlen nach der Regelstudienzeit noch einige Monate zum Studienabschluss, können Studenten ein besonders gefördertes Bankdarlehen in Höhe ihres Bafögs beantragen. Dieses KfW-Darlehen ist günstiger als ein gewöhnlicher KfW-Studienkredit.

Wie lässt sich Deine Förderdauer verlängern?

Dem Statistischen Bundesamt zufolge schafften 2014 weniger als die Hälfte der Bachelor-Absolventen ihr Studium in der Regelstudienzeit. Unter allen Studierenden lag die Quote noch niedriger (40 Prozent). Auch das Bafög-Amt weiß, dass es triftige Gründe gibt, warum das Studium länger dauern kann.

Das kann zum Beispiel ein Auslandssemester sein. Es zählt nicht zur Regelstudienzeit, selbst wenn es durch Auslands-Bafög gefördert wird. Gerade in Kombination mit dem Erasmus-Austausch-Programm kannst Du also den einen oder anderen Schein an einer ausländischen Uni machen, ohne dabei in zeitliche Bedrängnis zu geraten. Darüber hinaus verlängern folgende Ausnahmen die Förderdauer:

Krankheit - Eine schwerwiegende oder langwierige Krankheit hindert Dich daran, an einer wichtigen Prüfung teilzunehmen.

Chaos an der Hochschule - In der Planung der Hochschule läuft etwas schief, und Dir ist es gar nicht möglich, das Studium in der Regelstudienzeit abzuschließen.

Hochschulgremium - Du bist mindestens ein Semester lang Mitglied in einem Hochschulgremium, wie Asta oder Studienparlament.

Prüfung misslungen - Auch der beste Student kann durch eine Prüfung fallen. Falls Du für einen Schein einen zweiten Versuch brauchen, erhältst Du ein halbes Jahr länger Bafög – auch wenn der Fehlversuch gar nicht für das Abschlusszeugnis gewertet wird.

Behinderung - Fällt es Dir wegen einer Behinderung schwerer, das Studium zu meistern, ist auch das ein Grund, länger Bafög zu bekommen.

Schwangerschaft/Kindeserziehung - Bekommst Du Nachwuchs, versteht auch das Bafög-Amt, dass ein Studium nicht einfach so weiterläuft wie bisher und gewährt längere Förderzeiten.

Wie viel Bafög musst Du zurückzahlen?

Du bekommst mindestens die Hälfte der Bafög-Förderung geschenkt. Außerdem musst Du nie mehr als 10.010 Euro zurückzahlen, egal wie viel Bafög Du über die Jahre bekommen hast. Fünf Jahre nach dem Ende des Studiums musst Du anfangen, Dein Darlehen zurückzuzahlen; normalerweise in Raten von 130 Euro pro Monat. Dieses zinslose Staatsdarlehen musst Du jedoch nur tilgen, wenn Du auch entsprechend verdienst.

Am besten auf einmal zurückzahlen

Oft lohnt es sich, in den ersten fünf Berufsjahren das Geld für das Bafög-Darlehen anzusparen und die gesamte Summe auf einmal abzuzahlen. In diesem Fall gewährt der Staat erhebliche Rabatte (§ 18-20 Bafög). Hast Du das Geld nicht auf der hohen Kante, kann es sich unter Umständen sogar lohnen, das Darlehen mit einem Kredit abzulösen. Dies gilt speziell dann, wenn die Zinsen auf den Kredit kleiner sind als der Rabatt für die Rückzahlung des Bafög-Darlehens.

Hast Du beispielsweise genau 20.000 Euro Bafög erhalten, musst Du die Hälfte als Darlehen zurückzahlen – also 10.000 Euro. Mit dem Rabatt für die Einmal-Rückzahlung in Höhe von 21 Prozent zahlst Du nur 7.900 Euro zurück, Du sparst also 2.100 Euro.

Wer mehr Bafög-Schulden hat, bekommt seit dem 1. April 2020 ebenfalls 2.100 Euro erlassen, wenn er die Summe auf einmal zurückzahlt. Musst Du weniger zurückzahlen, schrumpft die Ersparnis bei einer Einmalrückzahlung entsprechend einer Nachlasstabelle.

Vergünstigungen bei Einmalrückzahlung

Bafög-Summe 3.000 € 20.000 € 32.000 €
Darlehen 1.500 € 10.000 € 16.000 €
Rückzahlung 1.395 € 7.900 € 7.900 €
Vergünstigung 7 % 21 % 21 %

Quelle: Bundesverwaltungsamt (Stand: April 2020)

Gute Noten zählen seit 2012 nicht mehr, dafür verjähren Bafög-Schulden

Bis 2012 war es möglich, die Summe des Darlehens zu verringern, indem Du vor der Regelstudienzeit fertig wurdest oder zu den besten 30 Prozent Deines Jahrgangs gehörtest. Falls Du 2018 mit der Rückzahlung begonnen hast, könnte es also sein, dass Du noch von der alten Regelung profitierst. Hast Du Dein Studium nach 2012 abgeschlossen, hast Du keine Chance mehr auf diesen Rabatt.

Wer ab September 2019 zum ersten Mal Bafög bekommen hat, muss das Darlehen nicht länger als 20 Jahre abzahlen, egal ob er seine Schulden in der Zeit begleichen konnte oder nicht. Wer zum Beispiel über viele Jahre nicht genügend verdient hat, braucht sich irgendwann keine Gedanken mehr um seine Restschulden zu machen.

Was sind Alternativen zum Bafög?

Wenn Du kein Bafög bekommst, muss das noch lange nicht das Ende Deiner Studienpläne bedeuten. Zu den Alternativen zählen Stipendien oder ein studentischer Nebenjob. Vielleicht brauchst Du etwas länger, wenn Du jobbst, so kannst Du aber auch direkt Berufserfahrung sammeln. Ähnlich sieht es bei einem dualen Studium aus.

Falls Dein Bafög-Antrag wegen des Einkommens Deiner Eltern abgelehnt wird, hast Du ein Recht auf Unterhalt. Doch Du musst den eigenen Eltern nicht gleich mit einer Unterhaltsklage drohen. Auch ein privates Darlehen aus dem Verwandtenkreis kann über Durststrecken hinweghelfen. Studienkredite sollten immer der letzte Ausweg sein, da Dich diese finanziell nachhaltig belasten. Das gilt auch für den staatlich geförderten KfW-Studienkredit.

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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 20.11.2020 12:08:00 +0000
Kinderbetreuung während der Corona-Krise : Kinder und Arbeit unter einen Hut bekommen – trotz Corona https://www.finanztip.de/coronavirus/kinderbetreuung/ https://www.finanztip.de/?id=7020Kinderbetreuung während der Corona-Krise

Schulen und Kitas sind nach dem Sommer zunächst in den Regelbetrieb zurückgekehrt. So wie vor dem Ausbrechen der Corona-Pandemie ist es jedoch nirgendwo: Es gelten Hygieneregeln, in vielen Bundesländern auch eine Maskenpflicht im Unterricht. Und immer wieder müssen ganze Klassen oder Kita-Gruppen aufgrund eines Corona-Ausbruchs in Quarantäne. Der Wechsel zum sogenannten Distanzunterricht wird bei steigenden Infektionszahlen immer wahrscheinlicher. Wie sieht es dann mit der Betreuung der Kinder aus? Und wann gibt es eine Entschädigung, wenn Sie zuhause bleiben müssen?

Bild: monkeybusinessimages / GettyImages
Mutter arbeitet mit Familie am Küchentisch

Was gilt für Schule und Kita in Corona-Zeiten?

Wie der Regelbetrieb in Schulen und Kindertagesstätten im Schuljahr 2020/2021 aussieht, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland.

Maskenpflicht

In weiterführenden Schulen gilt nach den Herbstferien in den meisten Bundesländern Maskenpflicht auch im Unterricht, in einigen Städten gilt die Pflicht sogar für Grundschüler. In den Pausen dürfen die Kinder die Masken allerdings ablegen, wenn sie mindestens 1,5 Meter Abstand einhalten. Lediglich in Kindertagesstätten verzichten fast alle Bundesländer darauf, dass Erzieher und Kinder eine Maske tragen. Eine Ausnahme bildet Bayern. Dort gilt bereits eine Maskenpflicht für das Kita-Personal.

Unterricht: Präsenz- und Fernunterricht

Angesichts der bundesweit hohen Infektionszahlen müssen sich Eltern darauf einstellen, dass Kinder zumindest teilweise wieder von zuhause aus lernen müssen. Präsenz- und Distanzunterricht werden sich abwechseln, Klassen wahrscheinlich geteilt. Sie sollten sich schon jetzt überlegen, wie Sie die Betreuung Ihrer Kinder organisieren, falls die Schulen zumindest teilweise wieder auf „Homeschooling“ umstellen müssen.

Umgang mit kranken Kindern

Damit sich das Virus nicht so leicht ausbreiten kann, sind Schulen und Kitas aufgefordert, Schüler und Kita-Kinder bei bestimmten Krankheitssymptomen nach Hause zu schicken. Jedes Bundesland definiert das jedoch ein bisschen anders. Einheitlich genannt werden aber folgende Symptome:

  • trockener Husten,
  • Fieber ab 38 Grad,
  • Störung oder zeitweiser Verlust des Geschmacks- oder Geruchssinns, der nicht mit Schnupfen einhergeht,
  • Hals- oder Ohrenschmerzen.

Tritt mindestens eines dieser Symptome bei Ihrem Kind auf, sollten Sie die Schule oder Kita darüber informieren und Ihr Kind zuhause lassen. Bei bloßem Schnupfen sehen die Handlungsanleitungen der Bundesländer nicht vor, dass das Kind zuhause bleiben sollte.

Ob Sie aufgrund der aufgeführten Symptome, einen Arzt aufsuchen sollten, ist in den Ländern unterschiedlich geregelt. Was in Ihrem Bundesland vorgesehen ist, sollte Ihnen über die Schule oder Kindertagesstätte übermittelt werden. Lesen Sie die Handlungsanleitungen gut durch und halten Sie diese zum Nachschlagen bereit.

Kinderkrankengeld

Ein Arztbesuch hat mehrere Vorteile für Sie: Der Arzt kann abklären, ob Ihr Kind an Covid-19 erkrankt ist und Sie und Ihr Umfeld ebenfalls infiziert sein könnten. Außerdem kann der Arzt das Kind krankschreiben und Sie können Kinderkrankengeld beanspruchen, wenn Sie zuhause bleiben und Ihr Kind jünger als zwölf Jahre ist. Jedem Elternteil stehen im Kalenderjahr 2020 15 Tage Kinderkrankengeld für jedes Kind zu, Alleinerziehenden insgesamt 30 Tage (§ 45 Abs. 2a SGB V). Haben Sie mehrere Kinder, ist der Anspruch auf Kinderkrankengeld allerdings begrenzt: Auf 35 Tage insgesamt für zusammenlebende Eltern und auf 70 Tage für Alleinerziehende.

Die 30 Kinderkrankentage pro Kind können aufgebraucht sein, wenn Ihr Kind häufiger fiebert oder nach der Handlungsanleitung des Bundeslandes länger zuhause bleiben muss. Dann müssen Sie bei weiteren Ausfalltagen bezahlten oder unbezahlten Urlaub nehmen oder Ihre Überstunden aufbrauchen. Oder Sie haben die Kraft und die Möglichkeit, parallel zur Kinderbetreuung im Homeoffice zu arbeiten.

Was passiert, wenn Kinder nicht in die Kita oder Schule können?

Während der Pandemie kann es immer wieder passieren, dass Sie Ihren Alltag anders organisieren müssen, weil Ihr Kind nicht in die Schule oder Kita gehen kann.

Ist jemand in der Kindergartengruppe oder Schulklasse Ihres Kindes an Covid-19 erkrankt, verhängt das Gesundheitsamt mindestens für alle anderen Kinder der Klasse oder Kita-Gruppe 14 Tage Quarantäne und bietet in der Regel einen Corona-Test an. Diesen müssen Sie nicht machen lassen, aber er gibt Ihnen Sicherheit, ob Ihr Kind tatsächlich infiziert ist. Unabhängig vom Testergebnis bleiben die 14 Tage Quarantäne bestehen.

Steht Ihr Kind unter Quarantäne, darf es natürlich eines nicht tun: Rausgehen oder sich mit Freunden treffen.

Zudem kann die Schule oder Kita coronabedingt vorübergehend ganz geschlossen werden, auch wenn die Krankheitsfälle nicht in der Gruppe oder Klasse Ihres Kindes aufgetreten sind. Oder die Schule führt zumindest teilweise wieder Distanzunterricht ein und Ihr Kind lernt wieder von zuhause aus.

Eltern dürfen zuhause bleiben

In allen Fällen dürfen Sie zuhause bleiben, um Ihr Kind zu betreuen, falls Sie das für notwendig halten und niemand anders sich kümmern kann (§ 275 Abs. 3 BGB). Schließlich müssen Sie Ihre Aufsichtspflicht erfüllen. Dabei müssen Sie selbst einschätzen, ob etwa Ihr zwölfjähriges Kind acht Stunden allein bleiben kann. Bei Jungen und Mädchen bis acht Jahren sieht der Bundesgerichtshof die Eltern in der Pflicht, regelmäßig nach ihnen zu schauen.

Wichtig ist aber, dass Sie Ihre Vorgesetzten informieren, wenn Sie ab sofort bei Ihren Kindern zuhause bleiben müssen. Erscheinen Sie nicht am Arbeitsplatz und teilen auch nicht mit, warum Sie nicht kommen, verstoßen Sie in grobem Ausmaß gegen Ihren Arbeitsvertrag. Sie riskieren eine Abmahnung.

Wie sind Eltern finanziell abgesichert?

Wollen Sie Gehalt weiter beziehen, obwohl Sie Ihren Nachwuchs betreuen müssen, suchen Sie mit Ihrem Arbeitgeber eine Lösung. Fragen Sie also beispielsweise nach Homeoffice. Haben Sie Gleitzeit, bieten Sie an, zu Zeiten zu arbeiten, wenn Ihr Partner auf die Kinder aufpasst – etwa am Abend. Funktioniert beides nicht, können Sie Überstunden abbauen. Erlaubt Ihr Arbeitsvertrag, auch samstags zu arbeiten, dann fragen Sie Ihren Arbeitgeber, ob er damit einverstanden ist. Was Ihr Arbeitgeber von Ihnen verlangen darf und was nicht, erläutern wir in unserem Ratgeber zum Arbeitsrecht in der Corona-Krise.

Entschädigung vom Staat erhalten

Ist es nicht möglich, dass Sie Ihre Arbeit von zuhause erledigen und erleiden Sie deshalb einen Verdienstausfall, hilft der Staat weiter. Es gibt seit März 2020 – zeitlich befristet – Anspruch auf Entschädigung (§ 56 Abs. 1a IfSG): Sie bekommen 67 Prozent Ihres Nettoverdiensts. Maximal können es 2.016 Euro pro Monat sein. Diese Unterstützung für Alleinerziehende gibt es bis zu 20 Wochen lang, bei Paaren sind es zehn Wochen pro Partner.

Folgende Voraussetzungen müssen dazu erfüllt sein:

  1. Sie haben mindestens ein Kind unter zwölf Jahren.
  2. Das Gesundheitsamt hat die Schule oder Kita Ihres Kindes geschlossen. Oder neu seit dem 19. November: Ihr Kind muss in Quarantäne.
  3. Sie haben keinen Anspruch auf eine Notbetreuung Ihres Kindes oder eine andere Möglichkeit der Betreuung durch ein Familienmitglied und müssen es deshalb zuhause selbst betreuen.
  4. Sie können nicht arbeiten und erleiden einen Verdienstausfall.
  5. Sie erhalten kein Kurzarbeitergeld.

Ist Ihr Kind schon älter als zwölf Jahre, benötigt aber aufgrund einer Behinderung zuhause Hilfe, können Sie den Lohnersatz ebenfalls erhalten. Die Ersatzzahlung gilt nicht in Ferienzeiten, in denen Schule, Kindertagesstätte oder eine andere Betreuungseinrichtung ohnehin schließen. Aber sie gilt, wenn Sie einen Hortplatz beantragt hatten und der Hort nun coronabedingt entfällt.

Auch Eltern von volljährigen behinderten Kindern können Lohnersatz erhalten, wenn sie einen erwachsenen Sohn oder eine erwachsene Tochter betreuen. Schließt wegen Corona beispielsweise die Behindertenwerkstatt oder eine andere Betreuungseinrichtung von Sohn oder Tochter, steht ihnen Lohnersatz zu. In den Betriebsferien oder anderen nicht coronabedingten Schließzeiten der Einrichtung besteht kein Anspruch auf Lohnersatz.

So beantragen Sie Entschädigung wegen Kinderbetreuung

Sind Sie angestellt, wenden Sie sich an Ihren Arbeitgeber, wenn Sie den Lohnersatz in Anspruch nehmen möchten. Er sollte die Leistung beantragen und zahlt Ihnen das Geld. Den Betrag kann sich Ihr Arbeitgeber von der jeweiligen Landesbehörde zurückholen, wenn diese die Ersatzzahlung bewilligt.

Selbstständige beantragen die Zahlung bei der jeweils zuständigen Behörde selbst.

Arbeitgeber und Selbstständige in den meisten Bundesländern können über die Website ifsg-online.de eine Entschädigung für Verdienstausfälle beantragen. Das funktioniert online, geht aber auch mit einem ausgedruckten Formular. Bayern, Hamburg und Thüringen bieten eigene Formulare an.

Sie müssen den Lohnersatz nicht in einem Stück in Anspruch nehmen, sondern können ihn auch an einzelnen Tagen beziehen – etwa wenn Ihr Kind immer dienstags und donnerstags betreut wird und die anderen drei Tage der Woche zuhause ist.

Neu: Der Anspruch auf Entschädigung ist mit dem Dritten Bevölkerungsschutzgesetz bis zum 31. März 2021 verlängert worden.

Eine Betreuung im Homeoffice ist nicht immer zumutbar

Ist es Ihnen möglich, im Homeoffice zu arbeiten, erhalten Sie nur unter besonderen Umständen Geld vom Staat – wenn es für Sie unzumutbar ist, auf Ihren Nachwuchs aufzupassen und gleichzeitig zu arbeiten, etwa weil sie zu festen Zeiten Besprechungen haben, in denen Sie sich eben nicht um Ihre Kinder kümmern können. Warten Sie in jedem Fall erst einmal ab, ob ein Antrag auf Lohnersatz bewilligt wird, ehe Sie Ihre berufliche Tätigkeit unterbrechen. Oder – wenn möglich – nehmen Sie bis dahin Urlaub.

Denn ob der Anspruch besteht, entscheidet die zuständige Behörde eines Bundeslandes je nach Einzelfall. Bayern hat beispielsweise festgelegt, dass es nicht zumutbar ist, von zuhause zu arbeiten, wenn Sie zugleich zwei kleine Kinder zu betreuen haben.

Wie hilft der Staat Familien mit geringem Einkommen?

Kurzarbeit, Kinderkrankengeld und Lohnersatz helfen Ihnen durch diese schwierige Zeit. Trotzdem: Sie verdienen damit weniger. Die Einkommensausfälle können Sie aber möglicherweise kompensieren.

Prüfen Sie zuerst, ob Sie einen Anspruch auf Kindergeldzuschlag haben. Voraussetzung ist, dass Sie mindestens 900 Euro (brutto) als Paar oder 600 Euro (brutto) alleinerziehend verdienen und kein erhebliches Vermögen besitzen. Ob und wie viel Zuschlag Sie bekommen, hängt aber nicht nur vom Verdienst ab, sondern auch von Ihrer Miethöhe. Wohnen Sie im Eigenheim, geben Sie Ihre Wohnkosten an, beispielsweise Grundsteuer oder die Tilgungsraten für den Hauskredit. Mit dem KiZ-Lotsen der Bundesagentur für Arbeit können Sie herausfinden, ob Sie Chancen auf den Kinderzuschlag haben. Die Antragsformulare finden Sie online, müssen sie aber ausgedruckt und unterschrieben bei der Familienkasse einreichen.

Seit April 2020 ist für den Anspruch auf Kinderzuschlag nur noch das Einkommen des letzten Monats vor der Antragstellung relevant (§ 20 Abs. 5ff. BKGG). Diese Regelung aus dem Sozialschutz-Paket gilt befristet bis zum 31. Dezember 2020.

Zusätzlich können Sie noch Wohngeld beantragen. Dafür legen die Behörden das Einkommen der vergangenen sechs Monate zugrunde.

Kommen Sie auch mit Kindergeldzuschlag und Wohngeld nicht mehr über die Runden, können Sie Hilfe zum Lebensunterhalt beantragen (§ 141 SGB XII). Die Grundsicherung kann die Kosten für Miete und Heizung decken. Auch hierfür sind die Voraussetzungen aktuell einfacher: Unerhebliches Vermögen wird nicht berücksichtigt, wenn Sie einen Antrag zwischen März und Dezember 2020 gestellt haben oder stellen. Das Amt rechnet mit Ihren tatsächlichen Kosten für Miete und Heizung – egal ob diese angemessen erscheinen oder nicht. Anträge stellen Sie beim Jobcenter. Das ist auch online möglich. Kinderzuschlag und Wohngeld entfallen, wenn Sie Grundsicherung beziehen.

Unabhängig vom Einkommen hat der Staat in diesem Jahr einen Kinderbonus von 300 Euro pro Kind gezahlt. Mehr dazu erfahren Sie in unseren Ratgebern zum Kindergeld und zu Steuervorteilen für Eltern.

Arbeiten im Homeoffice mit Kind – wie kann das klappen?

Im Homeoffice mit Kind zu arbeiten, ist eine Herausforderung. Es geht für viele vermutlich nur in Intervallen, doch für die meisten geht es. Überlegen Sie jeden Tag, was Sie mit Ihren Kindern spielen, basteln, lernen und kochen wollen und stimmen Sie ihren Nachwuchs darauf ein: Nichts hilft gegen aufkommende Langeweile so sehr wie das Wissen, dass sich Eltern regelmäßig Zeit nehmen und was dann konkret geplant ist. Beispielsweise Brett- und Kartenspiele, Bücher lesen und rätseln, in der Wohnung verstecken oder Theater spielen. Bei Schulkindern sollte auch Zeit für das Erklären von Schulaufgaben reserviert sein. Filme und Serien anzuschalten, kann die meisten Kinder für eine Weile beschäftigen, sollte jedoch keine Dauerlösung sein.

Haben wir etwas Wichtiges in diesem Ratgeber vergessen? Ist Dir weiterhin etwas unklar? Schreib uns! 

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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 20.11.2020 09:51:00 +0000
Autokostenrechner : Autokostencheck: So viel kostet Dich Dein Auto wirklich https://www.finanztip.de/autokostenrechner/ https://www.finanztip.de/?id=7468Autokostenrechner

Ein Check der jährlichen Kosten Deines Autos zeigt Dir, wo und wie Du am einfachsten sparen kannst. Auch wenn Du gerade verschiedene Angebote für ein neues Auto vorliegen hast, kann Dir unser Autokostenrechner bei der Kaufentscheidung helfen. Finde heraus, wo Du sparen kannst.

Berechne die jährlichen Kosten für Dein Auto

Was beeinflusst die Kosten für ein Auto?

Eine ganze Reihe von Faktoren beeinflussen die Kosten, die Dein Auto verursacht. Es ist sinnvoll, sie zu kennen, denn nur so kannst Du sie effektiv senken. Auch wenn Du Dir ein neues Auto zulegen möchtest, hilft Dir der Finanztip-Autokostenrechner bei der Entscheidung.

Diese Angaben musst Du machen

Die Anschaffungskosten sind nicht identisch mit dem Preis, den Du für den Wagen bezahlt hast. Dazu gehören auch Nebenkosten, wie beispielsweise für die Anmeldung. Den Gesamtbetrag kannst Du senken, indem Du ein günstiges Auto kaufst, zum Beispiel einen Gebrauchtwagen. Dabei musst Du aber bedenken, dass Gebrauchte oft einen höheren Spritverbrauch und höhere Wartungskosten haben. Dadurch können die laufenden Kosten des Autos höher sein. Welche Modelle gute Gebrauchte sind, kannst Du in den aktuellen Gebrauchtwagenreports von Tüv, Dekra oder GTÜ nachlesen.

Um mit dem Autokostenrechner die Gesamtkosten zu berechnen, musst Du einige Daten eingeben. Dazu zählt Deine jährliche Fahrleistung, also wie viele Kilometer Du in einem Jahr fährst. Berechnest Du die Kosten für die Zukunft, musst Du diesen Wert schätzen. Die Fahrleistung wirkt sich nicht nur auf die Spritkosten aus, sondern auch auf den Wiederverkaufswert. Kurz gesagt: Je mehr Du mit Deinem Auto fährst, desto teurer kommt es für Dich.

Auch die Nutzungsdauer kannst Du wahrscheinlich nur schätzen: Wie lange möchtest Du dieses Auto fahren? Dieser Wert schlägt sich ebenfalls auf den Wiederverkaufswert nieder. Ein viel gefahrenes Auto hat einen geringeren Wiederverkaufswert als dasselbe Modell, das weniger gefahren wurde.

Spritverbrauch und Spritpreis ergeben gemeinsam mit der Fahrleistung die Spritkosten. Wenn Du viel fährst, musst Du mehr zahlen, wenn Dein Auto viel verbraucht, natürlich auch. Ältere Autos verbrauchen zudem mehr als Autos neueren Baujahrs. Außerdem kostet Benzin mehr als Diesel, weshalb Du mit einem Dieselfahrzeug geringere Spritkosten pro Kilometer hast, was vor allem für Vielfahrer einen deutlichen Unterschied macht.

Weitere wichtige Kostenfaktoren eines Autos sind Steuern und Versicherung. Die Kfz-Steuern sind vom Fahrzeug abhängig. Für einen Diesel bezahlst Du höhere Steuern als für einen vergleichbaren Benziner. Elektroautos sind sogar zehn Jahre lang steuerbefreit, wenn die Erstzulassung nach dem 17. Mai 2011 war. Danach ist der Steuerbetrag um 50 Prozent gesenkt.

Bei der KFZ-Versicherung hängen die Beiträge ebenfalls vom Fahrzeugtyp ab. Aber auch Versicherungsumfang, Fahrleistung und Dein Wohnort sind relevant. Zudem hast Du die Wahl zwischen einer Vielzahl von Anbietern, die sich – bei ähnlichem Leistungsumfang – erheblich in ihren Kosten unterscheiden. Hier lohnt sich ein Versicherungsvergleich, um einen günstigen Anbieter zu finden. Wenn Du sparen möchtest, schau also auch, wieviel Steuern und Versicherungsbeiträge Du zahlen musst, bevor Du kaufst.

Ein Auto muss regelmäßig gewartet werden, benötigt die Hauptuntersuchung (umgangssprachlich Tüv) inklusive der Abgasuntersuchung, regelmäßige Reifenwechsel und geht auch mal kaputt. All das verursacht Kosten, auch wenn Du nie einen Unfall hast. Diese Wartungskosten kannst Du im Vorfeld natürlich auch nur schätzen. Je älter ein Auto ist, desto wahrscheinlicher, dass regelmäßig Reparaturen anfallen. Mit Deinem Fahrstil kannst Du diese Kosten ebenfalls beeinflussen, zum Beispiel die Abnutzung der Reifen. Steht Dein Auto meist in einer Garage, ist die Gefahr einer Beschädigung durch einen Unfall, Marderbiss oder Hagel geringer. Auch Ersatzteile kosten nicht bei jedem Auto dasselbe und beeinflussen die Gesamtkosten.

Der Wiederverkaufswert ist vom Alter und Zustand Deines Autos abhängig. Je geringer der Abstand dieses Wertes vom Anschaffungswert ist, desto besser für Dich, denn das bedeutet einen geringeren Wertverlust.

Der Wertverlust wird bei den Kosten für ein Auto oft vernachlässigt, dabei kann er sehr hoch sein. Wie hoch genau, hängt vom Fahrzeugtyp ab, wie viele Kilometer Du fährst und wie gut Du den Wagen pflegst. Aber vor allem ist der Wertverlust vom Alter des Fahrzeugs abhängig. Ein Neuwagen verliert im Durchschnitt im ersten Jahr 25 Prozent seines Wertes. Je älter das Fahrzeug, desto geringer der jährliche Wertverlust, bis er sich bei etwa 5 Prozent pro Jahr einstellt. Ein Gebrauchter kostet also weniger und verliert weniger an Wert.

Den Wiederverkaufswert Deines Autos kannst Du ungefähr abschätzen, indem Du Werttabellen nutzt, zum Beispiel die vom ADAC. Der ADAC listet die Preise für Gebrauchtwagen jedes Jahr auf. Diese standardisierten Preise kannst Du dann mithilfe der sogenannten Korrekturtabelle, die Du ebenfalls in der Liste findest, für Dich individuell um die gefahrenen Kilometer anpassen.

Resultate des Autokostenrechners

Die Gesamtkosten pro Jahr ergeben sich aus verschiedenen Teilergebnissen, die als Resultat Deiner Berechnung einzeln aufgelistet werden. Anschaffungskosten und Wiederverkaufswert hast Du bereits selbst angegeben. Die Anschaffungskosten werden für das Endergebnis um den Wiederverkaufswert reduziert und auf die Jahre der Nutzung verteilt.

Außerdem gehören die Spritkosten und die Unterhaltskosten zum Teilergebnis. Die Spritkosten errechnen sich aus der jährlichen Fahrleistung, dem Spritverbrauch und dem Spritpreis. Die Unterhaltskosten errechnen sich aus Versicherung, Steuern sowie Wartungskosten.

Welche weiteren Finanztip-Rechner können Dir helfen?

Erkenne Kostentreiber und Sparpotenzial: Damit Du im Alltag Geld sparen kannst, nutzte auch unsere weiteren Rechner. Mit unserem Haushaltskostenrechner kannst Du Deine sämtlichen Einnahmen und Ausgaben auflisten und bekommst einen schnellen Überblick, was Du Dir leisten kannst – und was besser nicht. Unser Rabattrechner hilft Dir, schnell verschiedene Angebote zu berechnen, um zu sehen, was echte Rabatte sind.

Das Wichtigste in Kürze
  • Ein Auto kostet mehr als nur den Kaufpreis. Vor allem laufende Kosten solltest Du im Blick behalten.
  • Gewusst wie, kannst Du einen Teil Deiner Ausgaben senken.
So gehst Du vor
  • Egal ob Du kaufen willst oder bereits ein Auto hast: Mach den Autokostencheck. Nur wer seine Kosten kennt, kann richtig sparen.
  • Unser Rechner hilft Dir, die Kosten Deines Autos umfassend zu erkennen.
  • Vergleiche verschiedene Modelle, bevor Du einen Wagen kaufst.
  • Prüfe bei Deinem derzeitigen Auto, wie Du sparen kannst.
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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 19.11.2020 16:56:00 +0000
Inflationsrechner : Wie viel ist Dein Geld in Zukunft wert https://www.finanztip.de/inflationsrechner/ https://www.finanztip.de/?id=7466Inflationsrechner

Legst Du Geld an, hast Du sehr wahrscheinlich auch schon ein oder mehrere Ziele im Blick. Vielleicht sorgst Du fürs Alter vor, sparst auf ein neues Auto oder möchtest einfach etwas Geld für den Notfall auf der hohen Kante haben. Egal, wie Deine Ziele aussehen: bedenke, dass Geld durch Inflation an Wert verliert. Um einschätzen zu können, wie viel Deine Geldanlage am Ende wirklich einbringt, solltest Du neben dem Sparbetrag und dem Zinssatz auch die Inflationsrate im Blick haben.

Berechne die Auswirkungen der Inflation

Unser Inflationsrechner zeigt Dir, wie sich der Wert Deines Geldes mit der Zeit entwickeln wird.

Wie ändert sich der Wert Deines Geldes durch Inflation?

Vereinfacht gesagt, drückt die Inflationsrate die Preissteigerung in einem Land beziehungsweise einer Währungsunion über einen bestimmten Zeitraum aus. Im Euroraum liegt sie meist zwischen 1 bis 2 Prozent pro Jahr.

Aber was hat das mit Dir und Deinen Ersparnissen zu tun? Ziemlich viel! Willst Du heute Geld anlegen, um mit 65 Jahren eine Rente zu bekommen, von der Du gut leben kannst, musst Du bereits jetzt abschätzen, wie viel Geld Du dann brauchen wirst. Heute sind 1.000 Euro vielleicht ausreichend. Aber in 30 Jahren? Durch die Inflation steigen die Preise. Du wirst Dir von diesem Geld in Zukunft weniger kaufen können.

Um die Wertentwicklung Deines Geldes besser einschätzen zu können, kannst Du mit unserem Inflationsrechner den Verlust der Kaufkraft beziehungsweise eine Preissteigerung für die Zukunft berechnen. Gib dafür einen Betrag ein – zum Beispiel 1.000 Euro – dazu den gewünschten Zeitraum und die durchschnittliche Inflationsrate, die Du erwartest. Du erhältst als Ergebnis den Kaufkraftverlust in Prozent, die zukünftige Kaufkraft (also wie viel Deine 1.000 Euro dann wert sind), die prozentuale Preissteigerung sowie den zukünftigen Preis eines heutigen Produktes. Natürlich kannst Du die Inflationsrate nur schätzen, niemand kann in die Zukunft schauen. Die Ergebnisse beruhen also auf Annahmen, die nicht richtig sein müssen.

Die Inflationsrate im Euroraum zeigt sich als sehr stabil. Sie war im Jahr 2011 zum letzten Mal über 2 Prozent (genau: 2,1 Prozent). Eine geschätzte Inflationsrate von 1 bis 2 Prozent ist auch für die kommenden Jahre sehr wahrscheinlich. Es ist allemal sinnvoll, die Inflationsrate im Auge zu behalten und gegebenenfalls Deinen Sparplan anzupassen, sollte Dein Sparziel weit in der Zukunft liegen.

Gibt es weitere Finanztip-Rechner?

Bei uns findest Du nicht nur den Inflationsrechner, der Dir hilft, ein realistisches Sparziel zu definieren. Dafür kannst Du zusätzlich unseren Finanztip-Sparplanrechner nutzen. Planst Du aktuell, Dir ein Auto zu kaufen, und möchtest durchrechnen, welche Preisklasse zu Deinen Finanzen passt, kann Dir Der Finanztip-Autokostenrechner bei Deiner Entscheidung helfen.

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Inflationsrate zeigt, wie stark Preise steigen und wie stark Dein Geld an Wert (Kaufkraft) verliert.
  • Vor allem bei langfristigen Sparvorhaben solltest Du immer die Inflation mit einberechnen. Nur dann kannst Du Dir in der Zukunft auch das leisten, was Du geplant hast.
So gehst Du vor
  • Gib einen Geldbetrag, den Zeitraum und die für die Dauer durchschnittliche (geschätzte) Inflationsrate in den Rechner ein.
  • Du bekommst als Ergebnisse den Kaufkraftverlust und die Preissteigerung. Damit kannst Du den Wert des Angesparten für die Zukunft beurteilen – wichtig für Anlage- und Investitionsentscheidungen.
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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 19.11.2020 16:28:00 +0000
Arbeitsrecht während der Corona-Krise : Was im Job jetzt wichtig ist https://www.finanztip.de/coronavirus/arbeitsrecht/ https://www.finanztip.de/?id=7011Arbeitsrecht während der Corona-Krise
Bild: stockstudioX/GettyImages

Sicherheitshalber von zuhause arbeiten? Die Dienstreise verweigern? Auch in Zeiten von Corona dürfen Arbeitnehmer solche Entscheidungen nicht einfach selbst treffen. Aber was, wenn in Deinem Arbeitsumfeld jemand vermutet, an Corona erkrankt zu sein? Oder sich ein Verdacht bestätigt? Wir haben in diesem Artikel die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Job und Covid-19 für Dich zusammengestellt.

Welche Arbeitsschutzstandards gelten für Dich?

Das Bundesministerium für Arbeit hat einheitliche allgemeine Arbeitsschutzstandards für das Arbeitsleben während der Corona-Pandemie festgelegt. Das ist wichtig, um die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen und um das Risiko zu verringern, dass sich Arbeitnehmer mit dem Virus anstecken. Seit August gibt es mit der Sars-CoV-2 Arbeitsschutzregel weitere konkrete Handlungsempfehlungen für Arbeitgeber. Arbeitgeber sollen die Abläufe so organisieren, dass ihre Mitarbeiter möglichst wenig Kontakt zueinander haben und ein Mindestabstand von 1,50 Metern gewährleistet ist. Das gilt überall: im Freien, in Fahrzeugen, in Werkstätten, Büros, Geschäften – aber auch während der Pausen und in der Kantine.

Lässt sich direkter Kontakt nicht vermeiden, müssen Arbeitgeber zusätzliche Maßnahmen ergreifen, etwa Mund- und Nasenschutz ausgeben oder Absperrungen aufstellen. Einmalhandschuhe sowie Desinfektionsmittel am Ein- und Ausgang sollte der Arbeitgeber vorhalten. Vor Dienstreisen und größeren Besprechungen mit mehreren anwesenden Personen sollten Arbeitgeber überlegen, ob diese notwendig sind. Oder ob nicht auch Telefon- oder Video-Konferenzen eine Alternative sein können.

Wenn Dir die Maßnahmen an Deinem Arbeitsplatz nicht ausreichend erscheinen, solltest Du darüber mit Deinem Chef oder Deiner Führungskraft sprechen. Weise auf die Standards hin, die einzuhalten sind.

Anspruch auf Homeoffice

Eine wichtige Empfehlung in den Arbeitsschutzstandards ist, dass Büroarbeit nach Möglichkeit im Homeoffice zu erledigen ist. Insbesondere wenn mehrere Personen in einem Büro arbeiten müssten und der Mindestabstand von 1,50 Metern nicht eingehalten werden kann.

Viele Unternehmen haben schon aus Gründen der Fürsorge ihre Mitarbeiter zu Beginn der Corona-Pandemie ins Homeoffice geschickt – und das ist gerade bei Risikogruppen auch dringend anzuraten.

Ganz konkret sollte Dein Arbeitgeber Regeln zu den Arbeitszeiten und zur Erreichbarkeit festhalten, denn auch im Homeoffice gilt das Arbeitszeitgesetz. Außerdem solltest Du konkrete Anweisungen bekommen, wie Du zum Beispiel Deinen Arbeitsplatz zuhause einrichtest, damit Du Dir nicht Deine Augen oder den Rücken ruinierst.

Wer ins Homeoffice darf oder muss, bekommt oft einen Laptop von seinem Chef. Dazu ist der Arbeitgeber aber nicht verpflichtet. Denn in der Corona-Arbeitsschutzregel ist das Homeoffice während der Pandemie als mobile Arbeit definiert. Ein wichtiger Knackpunkt, denn nur bei der sogenannten Telearbeit sind Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, Dir zuhause einen Arbeitsplatz einzurichten (§ 2 Abs. 7 ArbStättV). Für mobile Arbeit gilt das nicht.

Musst Du Dich selbst um Deine Büroausstattung kümmern und etwas neu anschaffen, dann sind das Arbeitsmittel, die Du in der Steuererklärung angeben kannst. Das Finanzamt akzeptiert bei einem sowohl beruflich als auch privat genutzten Laptop pauschal die Hälfte der Kosten als Werbungskosten.

Bitte Deinen Chef um eine Bescheinigung, für welchen Zeitraum er die Arbeit im Homeoffice angeordnet hat. Dann kannst Du eventuell auch die Kosten für Dein häusliches Arbeitszimmer von der Steuer absetzen. Dazu musst Du den Raum zu mindestens 90 Prozent beruflich nutzen. Hast Du kein separates Arbeitszimmer und arbeitest am Küchentisch oder im Wohnzimmer, kannst Du keine Raumkosten absetzen. Die steuerlichen Voraussetzungen findest Du im Ratgeber Arbeitszimmer und weitere Informationen in unserem Ratgeber Homeoffice.

Was tun, wenn Du Dich als Arbeitnehmer krank fühlst?

Solltest Du Husten, Atemnot oder leichtes Fieber haben, musst Du Dich umgehend bei Deinem Arbeitgeber krankmelden. Nur dadurch wird das Risiko eingedämmt, weitere Menschen anzustecken – auch wenn Du nicht die Kriterien des Robert-Koch-Instituts für einen Verdacht auf eine Covid-19-Erkrankung erfüllst.

Neu ist: Du musst seit dem 19. Oktober für eine Krankschreibung bei Anzeichen einer Erkältung nicht mehr persönlich zum Arzt – ein Telefonat reicht. Nach dem Gespräch darf Dich Dein Arzt bis zu sieben Tage krankschreiben, und falls erforderlich das nochmal um weitere sieben Tage verlängern. Die Regelung gilt zunächst bis zum 31. Dezember 2020. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss entschieden.

Bist Du krankgeschrieben, bekommst Du Dein Gehalt vom Arbeitgeber weitergezahlt (§ 3 EntgFG).

Was passiert bei einem Corona-Fall in Deiner Firma?

Ein enger Kollege steht unter Corona-Verdacht? Dann wird Dich Dein Arbeitgeber wahrscheinlich ebenfalls sofort nach Hause schicken, um seiner Fürsorgepflicht nachzukommen. Er stellt Dich vorübergehend frei. Dein Gehalt bekommst Du weitergezahlt (§ 615 BGB).

Falls sich der Verdacht bestätigt, dann sollte sich das Gesundheitsamt bei Dir melden. Die Kontaktdaten der für Dich zuständigen Behörde findest Du über die Datenbank des Robert-Koch-Instituts. Dein Gesundheitszustand wird für höchstens 14 Tage in häuslicher Quarantäne beobachtet. Währenddessen musst Du zuhause bleiben und Deine Kontakte stark einschränken, damit sich das Virus nicht weiterverbreiten kann.

Bekommst Du unter Quarantäne weiter Gehalt?

Ob, wieviel und auch von wem Du Geld bekommst, während Du unter Quarantäne stehst, hängt unter anderem davon ab, ob Du von zuhause arbeiten kannst. Aber auch davon, weshalb Du in Quarantäne bist.

Die Regel ist, dass Arbeitnehmer unter Quarantäne keine größeren Einbußen befürchten müssen. Deine Firma muss zunächst Dein Gehalt weiterzahlen, da Du einem Beschäftigungsverbot unterliegst. Dein Vorgesetzter kann jedoch verlangen, dass Du zuhause arbeitest, falls das geht. Klappt das nicht, wirst Du als Mitarbeiter rechtlich so behandelt, als wärst Du krank. Es gibt also Lohnfortzahlung. Die entspricht in den ersten sechs Wochen etwa dem Nettolohn (§ 56 Abs. 2 IfSG). Danach der Höhe des Krankengeldes.

Dein Arbeitgeber kann sich diese Zahlungen wiederum erstatten lassen (§ 56 Abs. 5 IfSG). Zahlt Dein Chef trotz Quarantäne nicht, kannst Du eine Entschädigung vom Staat einfordern. Bei welcher Behörde diese Zuschüsse zu beantragen sind, ist in jedem Bundesland etwas anders geregelt: In Hessen sind die Gesundheitsämter zuständig, in Nordrhein-Westfalen die Landschaftsverbände, in Bayern die Bezirksregierungen, in Mecklenburg-Vorpommern ist es das Landesamt für Gesundheit und Soziales. Am besten fragst Du bei Deinem Bürgeramt oder beim Gesundheitsamt nach.

Achtung: Musst Du in die häusliche Quarantäne, weil Du Deinen Urlaub in einem Risikogebiet verbracht hast, dann bist Du dafür selbst verantwortlich. Welche Länder und Regionen aktuell darunterfallen, kannst Du auf der Seite des RKI nachlesen.

Du musst nach Deiner Rückkehr in jedem Fall für fünf Tage in Quarantäne. Denn einen Corona-Test darfst Du frühestens am fünften Tag der Quarantäne machen lassen. Fällt der Test negativ aus, kannst Du die Quarantäne vorzeitig beenden, ansonsten musst Du Dich insgesamt für zehn Tage isolieren. Kannst Du in dieser Zeit nicht zumindest im Homeoffice arbeiten, dann bekommst Du auch kein Geld von Deinem Arbeitgeber (§ 616 BGB).

Du bekommst für den Lohnausfall auch keine Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz, wenn Du wegen einer vermeidbaren Reise in ein Risikogebiet in Quarantäne musst (§ 56 Abs. 1 Satz 3 IfSG). Das ist mit dem Dritten Bevölkerungsschutzgesetz nunmehr klar geregelt.

Mehr Informationen zu Risikogebieten und Reisewarnungen findest Du in unserem Ratgeber Corona und Reise.

Darf Dein Chef kürzere Arbeitszeit oder Urlaub anordnen?

Dein Chef darf nicht einfach von Dir verlangen, dass Du nur noch jeden zweiten Tag zur Arbeit kommst oder nur noch vier Stunden am Tag zu arbeitest – auch nicht in der Corona-Krise.

Du kannst Dich aber mit ihm auf bestimmte Maßnahmen einigen, zum Beispiel darauf, dass Du Deine Überstunden abfeierst. Wichtig ist, dass Ihr gemeinsam gute Lösungen findet und dadurch Kündigungen vermeidet. Eventuell gibt es Kurzarbeitergeld. Mehr dazu im Ratgeber Kurzarbeit.

Das gilt für angeordneten Urlaub

Einfach in den Urlaub schicken darf Dein Arbeitgeber Dich nicht. Aber er darf Betriebsferien oder Betriebsurlaub anordnen – falls es einen Betriebsrat gibt, allerdings nur mit dessen Zustimmung. Mit der Anordnung von Betriebsferien legt ein Arbeitgeber den Erholungsurlaub für die gesamte Belegschaft auf einen einheitlichen Zeitraum. Das musst Du akzeptieren. Du musst in der Zeit nicht arbeiten, bekommst aber Dein Gehalt weitergezahlt.

Einzelne Mitarbeiter darf Dein Chef nicht ohne deren Zustimmung in den Urlaub schicken – auch nicht, wenn er derzeit nicht genug Arbeit hat. Du kannst Dich natürlich mit ihm darauf einigen, dass Du einen Teil Deines Urlaubs nimmst. Vielleicht kommt Dir das sogar entgegen, falls Du Dich auch um Deine Kinder kümmern musst.

Das gilt für Deine Urlaubsplanung

Viele Urlaubspläne sind ins Wasser gefallen. Es ist verständlich, dass man sich die Urlaubstage aufsparen will für die Zeiten nach Corona, in denen man wieder verreisen kann. Einfach stornieren kannst Du Deinen genehmigten Urlaub aber nicht. Du musst Dich mit Deinem Arbeitgeber einigen. Wenn Du Deinen Urlaub verschieben möchtest, solltest Du frühzeitig mit Deinem Vorgesetzten reden.

Wie funktioniert Kurzarbeit?

Dein Arbeitgeber darf nicht einfach ohne Deine Zustimmung Kurzarbeit anordnen. In vielen Arbeitsverträgen gibt es dazu aber besondere Klauseln. Arbeitnehmer erklären sich mit ihrer Unterschrift unter dem Arbeitsvertrag dann für den Fall einer Krisensituation schon vorab mit Kurzarbeit einverstanden. Es kann aber auch eine Betriebsvereinbarung dazu geben oder Dein Chef informiert Dich über die Verkürzung der Arbeitszeit anlässlich von Corona. Oft wird Dir nichts anderes übrigbleiben, als das zu akzeptieren.

Finanziell bist Du aber in aller Regel abgesichert, ohne arbeitslos zu werden. Du musst weniger arbeiten und bekommst deshalb zwar nicht Dein volles Gehalt – aber auf jeden Fall deutlich mehr als das, was Du eigentlich für Deine jetzt deutlich kürzere Arbeitszeit bekämest. Wer seine Arbeitszeit um die Hälfte reduzieren muss, bekommt zusätzlich zur Hälfte seines Gehalts das Kurzarbeitergeld. Das sind für Arbeitnehmer mit Kind 67 Prozent der Netto-Differenz zum regulären Gehalt und für alle anderen 60 Prozent.

Ab dem vierten Monat bekommen Eltern dann 77 Prozent des ausgefallenen Lohns gezahlt (Kinderlose: 70 Prozent), ab dem siebten Monat dann sogar 87 Prozent (Kinderlose: 80 Prozent). Den erhöhten Satz gibt es aber nur für diejenigen, die während der Kurzarbeit mindestens 50 Prozent weniger arbeiten.

Als Arbeitnehmer musst Du Dich grundsätzlich um nichts kümmern, Dein Arbeitgeber beantragt die Leistung und zahlt sie dann aus, auch die erhöhten Leistungen. Die Erhöhung des Kurzarbeitergeldes soll nach dem Beschäftigungssicherungsgesetz bis zum 31. Dezember 2021 gelten für alle Beschäftigten, deren Anspruch bis zum 31. März 2021 entstanden ist.

Welche Steuerklasse bei der Berechnung des Kurzarbeitergelds berücksichtigt wird, hängt von den Eintragungen in der elektronischen Lohnsteuerkarte an. Wird eine Eintragung geändert, dann ist sie für einen bereits abgerechneten Kalendermonat unbeachtlich. Ansonsten ist die Änderung bei der Abrechnung des darauffolgenden Monats zu berücksichtigen.

Wer in Kurzarbeit ist, darf seit dem 1. Mai 2020 in allen Berufen hinzuverdienen – und zwar bis zur vollen Höhe seines Monatsgehalts. Diese Regelungen gelten bis zum Ende des Jahres. Im Jahr 2021 werden dann nur noch Minijobs nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet.

Weitere Informationen haben wir in unserem Ratgeber Kurzarbeit für Dich zusammengestellt.

Was ist, wenn Deine Firma vorübergehend schließt?

Eventuell bekommst Du auch in diesem Fall Kurzarbeitergeld. Die Arbeitslosenversicherung zahlt dann bis zu zwei Drittel des Verdienstausfalls. Einen erleichterten Zugang dazu hat die Bundesregierung beschlossen, um Kündigungen zu vermeiden: Ein Betrieb kann bei der Agentur für Arbeit Kurzarbeitergeld beantragen, wenn mindestens 10 Prozent der Beschäftigten nicht zur Arbeit kommen können.

Diese Schwelle lag bisher bei 30 Prozent der Belegschaft. Neu ist auch, dass die Agentur die Sozialversicherungsbeiträge übernimmt. Die neuen Regelungen zur Kurzarbeit gelten rückwirkend zum 1. März 2020.

Saidi fasst die wichtigsten Informationen über das Kurzarbeitergeld während der Corona-Krise zusammen.

Zum Video

Wann gibt es einen Bonus für Arbeitnehmer?

Während der Corona-Pandemie gibt es nicht nur Arbeitnehmer, die in Kurzarbeit gehen, sondern auch solche, die mehr arbeiten oder größeren Risiken bei der Arbeit ausgesetzt sind. Einen Anspruch auf den Bonus hat außerhalb der Pflegeberufe keiner. Aber Dein Arbeitgeber kann Dir als Dankeschön eine Sonderzahlung zukommen lassen. Dabei muss Dein Chef aber den allgemeinen Gleichheitsgrundsatz beachten; er darf nicht nur einzelnen Mitarbeitern oder nur Vollzeitkräften die Sonderzahlung zukommen lassen.

Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist die Leistung bis zu 1.500 Euro steuerfrei. Auch in der Sozialversicherung bleiben die Zahlungen beitragsfrei. Die Neuregelung gilt für alle Arbeitnehmer, die zwischen dem 1. März und dem 31. Dezember 2020 einen Corona-Bonus bekommen.

Den Pflegebonus bekommen alle, die zwischen dem 1. März und dem 31. Oktober 2020 für mindestens drei Monate in einer zugelassenen Pflegeeinrichtung gearbeitet haben (§ 150a SGB XI). Wie hoch Deine Corona-Prämie ist, hängt davon ab, wie viel Stunden Du in der Pflege gearbeitet hast und in welcher Position – als Auszubildender, im freiwilligen sozialen Jahr, in Vollzeit oder Teilzeit. Der Bund zahlt bis zu 1.000 Euro, die Länder können die Prämie aufstocken. Hast Du Vollzeit gearbeitet, kannst Du bis zu 1.500 Euro insgesamt bekommen.

Bis zum 15. Juli 2020 sollte der Zuschuss an alle ausgezahlt sein, die bis zum 1. Juni 2020 die Voraussetzungen erfüllt hatten. Wer die Voraussetzungen erst bis zum 31. Oktober 2020 erfüllte, erhält die Corona-Prämie bis spätestens 15. Dezember 2020.

Solltest Du die Corona-Pflege-Prämie noch nicht auf Deinem Konto haben, kannst Du die steuerfreie Leistung bei Deinem Arbeitgeber einfordern.

Was gilt für Eltern, die ihre Kinder betreuen müssen?

Eltern können eine Entschädigung erhalten für den Verdienstausfall, wenn sie wegen der Betreuung ihrer unter 12-jährigen Kinder nicht arbeiten können. Das gilt für folgende Fälle: die Kita oder Schule ist ganz geschlossen, die Kinder dürfen nur an bestimmten Tagen die Einrichtung besuchen oder sie müssen in häusliche Quarantäne. Der Gesetzgeber hat dazu das Bundesinfektionsschutzgesetz ergänzt (§ 56 Abs. 1a IfSG). Ähnlich wie beim Kinderkrankengeld können betroffene Eltern in solchen Fällen 67 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens bekommen, allerdings höchstens 2.016 Euro (§ 56 Abs. 2 Satz 4 IfSG).

Nach dem Corona-Steuerhilfegesetz gibt es diese Unterstützung für Alleinerziehende bis zu 20 Wochen lang, bei Paaren sind es zehn Wochen pro Partner. Voraussetzung ist, dass Du keine anderweitige Betreuung organisieren kannst, etwa durch einen anderen Elternteil oder eine Notbetreuung. Du kannst die Entschädigung auch tageweise beantragen. Das Gesetz ist rückwirkend zum 30. März 2020 in Kraft getreten und gilt voraussichtlich bis zum 30. März 2021.

Beantragen musst Du die Entschädigung bei Deinem Arbeitgeber, der dann auch die Auszahlung für die ersten sechs Wochen übernimmt. Der wiederum kann einen Erstattungsantrag nach dem Infektionsschutzgesetz stellen. Sofern Du länger als sechs Wochen Entschädigung benötigst, musst Du für die restliche Anspruchsdauer Deinen Antrag direkt bei der örtlich zuständigen Behörde stellen. Weitere Informationen zur Antragstellung findest Du auf den Seiten des Innenministeriums.

Bekommst Du Kurzarbeitergeld, dann kommt die Betreuungsentschädigung für Dich nicht in Betracht. Deine Überstunden musst Du auch zunächst abbauen, wie das Bundesfamilienministerium mitteilt. Die Entschädigung gibt es nicht für die Zeiten, in denen die Schule oder die Kita ohnehin wegen der Schul- und Betriebsferien geschlossen hätte.

Weitere Informationen für Eltern findest Du in unserem Ratgeber zur Kinderbetreuung in der Corona-Krise.

Haben wir etwas Wichtiges in diesem Ratgeber vergessen? War Dir etwas unklar? Schreibe uns!

Wir helfen Dir durch die Corona-Krise!

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Die wichtigsten Fragen zusammengefasst

Bekommst Du Gehalt, wenn Du unter Quarantäne stehst?

Was passiert, wenn es einen Corona-Fall in Deiner Firma gibt?

Darf Dein Chef kürzere Arbeitszeit oder Urlaub anordnen?

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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 18.11.2020 17:44:00 +0000
Preisvergleich : Mit diesen Preissuchmaschinen findest Du den besten Preis https://www.finanztip.de/preisvergleich/ https://www.finanztip.de/?id=7460Preisvergleich

Sonderangebote überall. Kaum ein Händler wirbt mit normalen Preisen, alles ist angeblich irgendwie „reduziert“: um 20, 30 oder mehr Prozent. Davon solltest Du Dich nicht zu sehr beeindrucken lassen. Als Vergleich dient meist die UVP, die Preisempfehlung des Herstellers. Doch kaum ein Händler hält sich daran. Bei Kleidung und Schuhen purzeln gegen Ende der Saison die Preise überall. Handys, Kameras oder Fernseher haben ein Jahr nach Erscheinen schon beträchtlich an Wert verloren. Deswegen: Lass Dich nicht von den angeblichen Rabatten blenden. Mach den Preisvergleich!

Was unterscheidet einen guten Preisvergleich von einem schlechten?

Portale für den Preisvergleich gibt es viele. Auf den ersten Blick ist schwer zu sagen, wie gut sie den besten Preis finden. Wir haben deshalb die 15 bekanntesten Preissuchmaschinen untersucht. Von einem guten Vergleichsportal kannst Du erwarten, dass es viele Anbieter zu einem Produkt übersichtlich auflistet und nach Endpreis sortiert. Dass Du nach entscheidenden Kriterien wie etwa Farbe, Größe und Leistung filtern kannst. Dass Du auf einen Blick siehst, womit Du zahlen kannst – und dass das Produkt am Ende auch lieferbar ist. Am Ende müssen alle Angaben und Preise natürlich auch stimmen. Welche Preissuchmaschinen wir untersucht haben und worauf es im Detail ankam, kannst Du am Ende des Artikels nachlesen.

Was ein Portal zu einem schlechten Preisvergleich macht

Es gibt inzwischen viele Portale, die im Internet Preissuchen anbieten. Auf den ersten Blick sehen sie sich sehr ähnlich. Doch bieten viele davon keinen brauchbaren Vergleich, sondern haben nur ein eingeschränktes Angebot an Produkten und Händlern. Manche zeigten bei vielen Produkten nur einen einzigen Händler an. Andere zeigen sogar Ebay-Auktionen an. Besonders kurios war ein Anbieter, der das Startgebot von „1 Euro“ als Endpreis nach oben sortierte. In der Vorauswahl sind auch solche Preissuchmaschinen ausgeschieden, die nicht nach dem Endpreis (Preis plus Versandkosten) sortieren konnten. So blieben für den eigentlichen Test fünf Anbieter übrig: Idealo, billiger.de. Geizhals, Check24 und Google.

Google: Irreführende Ergebnisse

Auch wer nicht bewusst nach einem Preisvergleich sucht, hat wahrscheinlich schon einen gesehen. Denn Google liefert ihn inzwischen automatisch. Du brauchst nur nach einem Hersteller oder einem Produkt zu suchen, schon werden Angebote von Händlern eingeblendet – ein als „Anzeige“ gekennzeichnetes Angebot, das fließend in „Google Shopping“ übergeht. Es genügt, bloß „Gitarre“ einzugeben und schon kriegst Du eine Shopping-Auswahl präsentiert.

Auffällig ist, dass Google viele andere Produkte unter die Ergebnisse bei Google Shopping mischte. Sogar Angebote von anderen Marken oder gebrauchte Ware. Auch waren die Ergebnisse, die wir im Test fanden, oft nicht nach dem besten Preis sortiert. (Auch solche, die nicht als „Anzeige“ markiert waren.) Warum günstigere Anbieter auf der ersten Listenansicht nicht oben aufgeführt werden, wollte uns Google auch auf mehrfache Nachfrage nicht genau erläutern. Insgesamt fanden unsere Tester Googles Ergebnisse oft irreführend.

Auf seine Weise ähnlich dominierend wie Google ist Amazon. Manche machen im größten Onlineshop vor einem Einkauf erstmal einen groben Preis-Check. Dort sind zwar viele Produkte gelistet und auch leicht zu kaufen. Die besten Preise findet man deshalb nicht unbedingt. Das ist auch nicht der Anspruch von Amazon.

Welche Preissuchmaschinen empfehlen wir?

In unserem Vergleich überzeugten die Anbieter Idealo und billiger.de: Die beiden fanden fast alle gesuchten Produkte, spürten gute Preise auf, und in der Regel war dann das Produkt auch tatsächlich beim Händler zu dem Preis zu haben. Idealo war der einzige Anbieter im Testfeld, bei dem wir alle gesuchten Produkte fanden, bei billiger.de gelang das nur einmal nicht. Beide stellten die Produkte sehr übersichtlich dar und leiteten zum Händler weiter. Die Abweichungen vom besten Preis, den wir auf den fünf Portalen gefunden hatten, hielten sich sehr im Rahmen – mit im Schnitt 3 Prozent (Idealo) beziehungsweise 5 Prozent (billiger.de).

Die Suche nach Mode

Mode wird besonders viel online gekauft: Neun von zehn Käufern geben an, schon mal Kleidung, Schuhe oder Accessoires bestellt zu haben – mehr als bei jeder anderen Produktkategorie. Um hier einen guten Preis zu finden, ist es wichtig, dass Du Suchergebnisse gleichzeitig nach Größen und Farben filtern kannst. Dann kannst Du leichter gute Angebote von Deinen Lieblingsshops entdecken, und Du wirst nicht zu Anbietern gelockt, die Deine Größe gar nicht haben. Außerdem kannst Du zur Not auf andere Farben ausweichen, falls Dein Lieblingsstück nicht in der Wunschfarbe zu haben ist.

Sowohl Idealo als auch billiger.de kriegen das gut hin. Allerdings ließen sich nur gängige Artikel nach Größen und Farben filtern. Nach unserem Eindruck kam das bei Idealo häufiger vor – und auch die Auswahl bei einem Treffer war oft größer.

Unser Tipp: Wenn Du einen Suchbegriff in den Suchschlitz eintippst und Dir darunter Dein gesuchtes Produkt als Suchvorschlag angezeigt wird, dann lohnt es sich, es direkt anzuklicken. Meist führt das zu einer übersichtlicheren Ergebnisseite mit mehr Angeboten, als wenn Du zu Ende tippst und auf „Suchen“ klickst. Und es ist wahrscheinlicher, dass Du Größe und Farbe filtern kannst.

Ist der Preis gerade gut?

Es kommt vor, dass Produkte gerade sehr günstig sind, weil mehrere Shops konkurrieren. Anschließend können sie dann auch wieder deutlich teurer sein. Unsere beiden Empfehlungen beobachten die Preisentwicklung und zeigen sie an. Dort kannst Du dann sehen, ob die Gelegenheit gerade günstig ist, oder ob Du noch etwas warten solltest. Ein gutes Tool, um zum Beispiel am Black Friday zu überprüfen, ob ein aktuelles Sonderangebot wirklich so besonders ist. Oder Du vielleicht noch etwas warten solltest, um den wirklich besten Preis zu finden.

Alle drei Preisvergleiche bieten sogar die Möglichkeit, einen „Preiswecker“ beziehungsweise „Preisalarm“ zu setzen. Achtung: Es kommt immer wieder mal vor, dass einzelne Shops fehlerhafte Preise übermitteln oder Preise falsch zuordnen. Dann gibt es einen falschen Alarm. Diese Ausreißer fallen dann auch im Preisverlauf auf: Aussagekräftiger sind Preise, wenn sie über mehrere Tage stabil waren.

Weil kein Preisvergleich immer den besten Preis findet, solltest Du beide Vergleiche benutzen, falls Du etwas recht Teures kaufst, wie etwa einen neuen Kühlschrank oder einen hochwertigen Computer.

Die getesteten Preissuchmaschinen im Vergleich

 

gefundene

Produkte 

Bester Preis

gut zu finden

Mode filterbar

nach Farben

und Größen

Fakeshops

im Suchergebnis

Idealo 100 % ja ja -
billiger.de 96 % ja ja -
Geizhals 88 % ja nein1,2 -
Google Shopping 96 % nein1 ja ja1
Check24 64 %1 ja ja -

1 führt zur Abwertung
2 nur Farben filterbar, Filter schwer zu finden
Quelle: Finanztip (Stand: November 2020)

Idealo
Preisvergleich
  • gute Preise in unserer Stichprobe
  • sehr übersichtliche Suche
  • Preisentwicklung angezeigt
  • Kleidung und Schuhe sortierbar nach Größen und Farben
  • größere Abweichungen vom besten Preis möglich
billiger.de
Preisvergleich
  • gute Preise in unserer Stichprobe
  • sehr übersichtliche Suche
  • Preisentwicklung angezeigt
  • Kleidung und Schuhe sortierbar nach Größen und Farben
  • größere Abweichungen vom besten Preis möglich

Warum Check24, Google Shopping und Geizhals keine Empfehlung sind

Beim Testen fiel auf, dass bei Check24 mit Abstand die wenigsten der gesuchten Produkte zu finden waren. Auf dem Portal haben unsere Tester gerade mal in knapp zwei von drei Fällen die gesuchte Ware gefunden. Außerdem hatte Check24 den mit Abstand größten Ausreißer nach oben beim Endpreis. Check24 erlaubte im Test nur selten eine Weiterleitung zum Händler. Inzwischen hat Check24 Weiterleitungen ganz von seinem Preisvergleich genommen. Das ist nicht das, was wir von einer Preissuchmaschine erwarten.

Google Shopping machte in dieser Hinsicht eine bessere Figur, dort fanden unsere Tester im Schnitt sogar leicht bessere Preise als auf unseren Empfehlungen. Unterm Strich war aber dieser Vorsprung nicht so groß, als dass er die oben genannten Nachteile aufwiegen konnte. Google lieferte im Vergleich zur Konkurrenz besonders viele Ergebnisse, die nicht der Suche entsprachen, teilweise sogar Produkte von anderen Herstellern; die Suchergebnisse wurden unsortiert angezeigt.

Faktisch kennt also Google zwar oft den besten Preis für das gesuchte Produkt, doch als Nutzer findet man ihn nur schwer – und wird leicht in die Irre geführt. Google zeigt außerdem sehr prominent Anzeigen, die leicht mit den eigentlichen Suchergebnissen zu verwechseln sind. Und noch etwas fiel unangenehm auf: Der Internetkonzern zeigte uns als einziger im Test auch Fakeshops unter den Ergebnissen an.

Geizhals war im Test am nächsten dran an unseren Empfehlungen. Leider konnten wir bei Kleidung und Schuhen nicht nach Größen filtern. Es gibt nur einen Filter für Farben – und der war in den meisten Testsituationen nicht zu finden. Das ist auch der Grund, warum Geizhals keine Finanztip-Empfehlung wurde. Das Portal schnitt ansonsten in den Testergebnissen ähnlich gut ab wie Idealo und billiger.de. Geizhals hat eine besondere Stärke bei Computer-Teilen, wo es unübertroffen viele Möglichkeiten bietet, das Suchergebnis zu filtern. Insgesamt allerdings empfanden unsere Tester die Gestaltung der Website von Geizhals als unübersichtlich.

Wie bist Du sicher beim Einkauf in unbekannten Shops?

Wer auf einem Preisvergleichsportal sucht, stellt schnell fest, dass ganz oben häufig sehr unbekannte Händler auftauchen. Das hat einen Grund: Kleine Anbieter stellen manchmal nur eine Handvoll Produkte besonders günstig ein, um neue Kunden zu gewinnen. Ob so ein Händler etwas taugt, können Nutzer an den Shop-Bewertungen abschätzen, die beide Empfehlungen bieten. Auch vor Fakeshops brauchst Du Dich im Regelfall nicht zu fürchten. Idealo und billiger.de checken Shops, bevor sie sie listen. Trotzdem können sie es nicht völlig ausschließen.

Und natürlich heißt das nicht, dass jeder Shop, den der Preisvergleich nach oben spült, am Ende gut ist – und der Einkauf nicht doch ärgerlich verläuft oder etwas beschädigt ankommt. Wichtig ist deshalb auch der Zahlungsweg. Wer mit Kreditkarte, Paypal, Amazon Payments oder Klarna bezahlt, kriegt einen sehr brauchbaren Käuferschutz, falls doch mal was schiefgeht. Mehr Infos zu Zahlungsanbietern findest Du in unserem Ratgeber Bezahlen im Internet. Und natürlich hat hier jeder seine Vorlieben.

Worauf musst Du bei der Rückgabe achten?

Mit dem besten Preis ist es nicht getan. Es kommt immer wieder vor, dass es Schwierigkeiten beim Onlinekauf gibt. Mal ist die Ware doch nicht so schön wie gedacht. Manchmal ist etwas kaputt, etwa durch den Transport. Manchmal kommt die Ware erst sehr spät. Das Gute ist: Du kannst bei den allermeisten Produkten 14 Tage lange den Kauf widerrufen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Manchmal gewähren die Händler auch längere Rückgabefristen. Das ist bequem, aber hier drohen Fallstricke: Denn dann kann der Händler die Rückgabe an besondere Bedingungen knüpfen. Deshalb empfehlen wir, stets innerhalb von 14 Tagen nach Auslieferung zu widerrufen. Was Du dabei beachten musst, steht im Ratgeber Kaufrecht.

Abwicklung über das Portal

Check24 wickelt in seinem Preisvergleich den Kauf für angeschlossene Händler inzwischen komplett ab. Der Händler ist nur noch externer Versender. Bei Idealo wird das als Zusatzservice bei einigen Händlern angeboten – und als Nutzer hat man immer die Möglichkeit, sich direkt zum Shop durchzuklicken.

Bei unbekannten Verkäufern kann die Abwicklung über das Portal ein zusätzlicher Schutz sein. In jedem Fall erspart es eine weitere Anmeldung, wenn man schon einen Account beim Vergleichsportal hat. Wichtig: Der Anbieter erhält trotzdem die Adressdaten. Bei Idealo kann man allerdings dann nur mit Paypal und Sofortüberweisung bezahlen, bei Check24 geht das mit praktisch allen wichtigen Zahlungsmitteln. Wir haben diesen Service nicht getestet.

Wenn es der Fernseher nicht mehr tut

Beim Kauf hochwertiger Waren kommt es schon mal vor, dass Du die Garantie oder Gewährleistung nutzen willst. Dann ist es manchmal besser, bei einem großen Anbieter mit Filialen einzukaufen, wo Du direkt vorsprechen kannst. Und wo Du sperrige Waren wie einen Fernseher vorbeibringen kannst. Beachte auch das, bevor Du Dich für einen Händler entscheidest. Wenn Du im Onlineshop in einer anderen Stadt kaufst, dann bewahre besser die Originalverpackung auf: Dann kannst Du den Fernseher sicher zurückschicken.

Wie findet die Preissuchmaschine den besten Preis?

Normale Vergleichsportale suchen selbst nicht nach Preisen, es läuft in der Regel umgekehrt: Die Händler speisen ihre Preise ins System. Wie gut die Preise eines Portals sind, hängt also davon ab, wie viele der wichtigen Händler dort gelistet sind. Und wie oft und wie schnell die Preise auf dem Portal aktualisiert werden. Einige Vergleichsportale machen zusätzlich kleine Checks, ob Preise noch plausibel sind oder ob als vorrätig gekennzeichnete Produkte wirklich noch verfügbar sind.

So haben wir getestet

Um die wichtigsten Vergleichsportale zu finden, haben wir alle Seiten aufgenommen, die die Deutsche Gesellschaft für Verbraucherstudien (DtGV) in ihrem Test im Januar 2019 berücksichtigte, so wie alle weiteren, die wir bei einer Stichwortsuche nach Preissuchmaschinen bei Google im Dezember 2019 fanden (mit den Suchbegriffen „Preisvergleich“, „Handy Preisvergleich“ sowie mit sieben Produkten in Kombination mit dem Stichwort „Preis“, zum Beispiel „Samsung s7 preis“ oder „Sodastream Preis“).

Diese 15 Preisvergleichsportale haben wir für unseren Test untersucht:

  • preisvergleich.de
  • idealo.de
  • check24.de
  • verivox.de
  • billiger.de
  • geizhals.de
  • guenstiger.de
  • meta-preisvergleich.de
  • vergleichen.de
  • preis.de
  • preisvergleich.org
  • bestdeals.today
  • bestcheck.de
  • auspreiser.de
  • google.de/shopping

Die Portale haben wir im Januar 2020 auf folgende Kriterien untersucht: Führen sie die wichtigsten Shopping-Kategorien? Ist nach Preis plus Versandkosten sortierbar? Und wird als Ergebnis eine Preisliste angezeigt mit (in der Regel) mehreren Händlern?

Wurden zwei dieser Kriterien nicht erfüllt, kam die Website nicht in den Test. In einem Fall zeigte der Anbieter keine eigene Sortierleistung. Eine andere zeigte unsinnige Ergebnisse. Auch diese beiden wurden aussortiert.

Am Ende haben wir die folgenden fünf Preisvergleiche näher untersucht:

  • idealo.de
  • check24.de
  • billiger.de
  • geizhals.de
  • google.de/shopping

Wir haben dann zwischen Januar und Oktober 2020 in fünf Chargen 31 Preisanfragen auf den fünf Portalen für insgesamt 25 ausgewählte Produkte getätigt. Dabei haben wir sowohl 
häufig wie auch selten gesuchte Ware ausgewählt aus den sechs wichtigsten Shopping-Bereichen: Bekleidung und Schuhe, Computer und Elektronik, Sportartikel, Unterhaltungsmedien, Taschen sowie Spielwaren.

Die Top-6-Kategorien stammen aus zwei Idealo-Umfragen von 2018 und 2019. Dazu zählen wir alle Kategorien, bei der mindestens in einer der beiden Umfragen mehr als die Hälfte der Befragten angegeben hat, sie kauften diese Produkte eher online.

Wir haben nicht einfach den erstgenannten Preis genommen, sondern jeweils den günstigsten auf der Ergebnisseite, der unsere Kriterien bezüglich Zahlweise, Lieferzeiten und so weiter erfüllt hat. Diesen prüften wir dann in einem zweiten Schritt im jeweiligen Webshop des Händlers auf Richtigkeit. Bei Google Shopping war mehrfach nicht der günstigste Anbieter ganz oben zu finden. Erst nachdem wir das Suchergebnis filterten, erhielten wir auch die Sortierung nach Preis.

Idealo, billiger.de, Geizhals und Google Shopping schnitten alle recht ähnlich ab in der Preisgüte. Check24 leistete sich einen Ausreißer, weil es die Versandkosten falsch angegeben hatte. Sieht man davon ab, lag auch Check24 in einem ähnlichen Bereich. Insgesamt waren die Unterschiede in den tatsächlich gefunden Preisen recht klein, weshalb andere Kriterien ein größeres Gewicht erhielten.

Außer dem gefundenen Preis beurteilten wir die Übersichtlichkeit des Preisvergleichs und der gelieferten Ergebnislisten sowie die Möglichkeit, nach verschiedenen Kategorien wie Größe oder Farbe zu filtern. Das erscheint uns vor allem bei Kleidung und Schuhen wichtig, um Schnäppchen auch tatsächlich in den Suchergebnissen zu finden. (Die am häufigsten gekauften Produkte sind im übrigen Kleidung, Schuhe und Accessoires, wie eine Bitkom-Studie bestätigte.)

Am Ende war entscheidend, ob der Nutzer den günstigsten Preis auch angezeigt kriegt beziehungsweise leicht auf dem untersuchten Portal ermitteln kann. Sehr wichtig war zudem der Anteil der gefunden Produkte, die Möglichkeit zum Händler weitergeleitet zu werden – und ob Fakeshops angezeigt wurden. Außerdem schauten wir nach nützlichen Tools wie einem Preisverlauf oder einem Preisalarm, um den richtigen Zeitpunkt zum Kauf zu finden.

Als einziger Anbieter im Test zeigte uns Google Shopping zwei Fakeshops an. Wie diese in die Suchergebnisse kamen, wollte uns Google auf Anfrage nicht erläutern. Der Konzern gab auch – anders als die anderen Shops im Test – keine Auskünfte, was er gegen Fakeshops unternimmt.

  mittlere Abweichung
Bestpreis

maximale

Abweichung

gefundene Produkte

(von 25)

Idealo 3 % 23 % 100 %
billiger.de 5 % 16 % 96 %
Geizhals 3 % 17 % 88 %

Google

Shopping

2 % 11 % 96 %
Check24 8 % 37 %1 64 %1

1 führt zur Abwertung
Quelle: Finanztip (Stand: November 2020)

  Übersichtlichkeit

Bester Preis

gut zu finden

Fakeshops im Suchergebnis

Idealo gut ja -
billiger.de gut ja -
Geizhals mäßig ja -

Google

Shopping

schlecht nein1 ja1
Check24 gut ja -

1 führt zur Abwertung
Quelle: Finanztip (Stand: November 2020)

Gesamt

Mode filterbar

nach Farben

und Größen

Preisentwicklung

und Preisalarm

Weiterleitung zum Händler

Idealo ja ja ja
billiger.de ja ja ja
Geizhals nein1,2 ja ja

Google

Shopping

ja nein ja
Check24 ja nein nicht mehr1,3

1 führt zur Abwertung
2 nur Farben filterbar, Filter schwer zu finden
schon im Test kaum möglich, inzwischen ganz abgeschafft
Quelle: Finanztip (Stand: November 2020)

Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn Du etwas günstig kaufen willst, solltest Du Dich nicht auf Sonderangebote oder wilde Rabatte verlassen.
  • Am besten findest Du gute Preise mit Preissuchmaschinen. Wir empfehlen Idealo und billiger.de. Wer sehr teure Sachen kauft, sollte auf beiden Portalen die Preise vergleichen.
So gehst Du vor
  • Wenn Du etwas findest, das Dir gefällt, dann kopiere den genauen Produktnamen und suche auf Idealo oder billiger.de nach dem besten Preis.
  • Achte beim Preisvergleich auf drei Dinge: Die Versandkosten sollten im Preis berücksichtigt sein, das Produkt sollte sofort lieferbar sein und der Händler sollte eine vernünftige Bewertung haben.
  • Bei teuren Produkten kann es sich lohnen, mit dem Kauf zu warten. Um das einzuschätzen, lohnt sich ein Blick auf die Preisentwicklung.
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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 18.11.2020 14:44:00 +0000
Kfz-Versicherungsvergleich : So findest Du die günstigste Autoversicherung https://www.finanztip.de/kfz-versicherung/ https://www.finanztip.de/?id=183Kfz-Versicherungsvergleich
Das Wichtigste in Kürze
  • Stichtag für die Kündigung der Kfz-Versicherung ist meist der 30. November.
  • Wenn Du ein Auto neu zulässt, kannst Du sofort mit einer neuen, günstigen Versicherung starten.
So gehst Du vor
  • Finanztip-Empfehlung bei der Suche nach einer guten Autoversicherung: Am meisten kannst Du sparen, indem Du Vergleichsportal und Direktversicherer kombinierst. Berechne zunächst die günstigste Kfz-Versicherung auf Verivox oder Check24. Und lass Dir dann ein Angebot von der Huk24 machen.
  • Entscheide Dich dann für den Versicherungsvertrag, der den von uns empfohlenen Mindestschutz zum besten Preis bietet.

Die Suche nach einer günstigen Autoversicherung kann anstrengend sein. Das wissen wir – und raten Dir trotzdem, Deinen Vertrag jedes Jahr im Herbst auf die Probe zu stellen. Denn damit kannst Du richtig sparen. Damit Du sowohl Geld als auch Zeit und Nerven schonst, unterstützen wir Dich dabei: Wir analysieren jedes Jahr für Dich in einer großen Untersuchung, wie Du an die beste Kfz-Versicherung kommst.

Wo findest Du die günstigste Kfz-Versicherung?

Unsere Antwort auf die Frage, wie Du die günstigste Autoversicherung findest, ist in diesem Jahr eindeutig: Geh erst über ein Vergleichsportal und hol dann noch ein Angebot bei einem Direktversicherer ein.

Konkret empfehlen wir Dir: Gibt erst einmal alle notwenigen Daten bei Verivox oder bei Check24 ein. Die beiden hatten in der großen Finanztip-Untersuchung zur Kfz-Versicherung unter den Vergleichsportalen die Nase vorn. Und dann, wenn Du alle Infos gerade ohnehin zur Hand hast, gibst Du sie noch auf den Seiten der Huk24 ein und lässt Dir dort ein Angebot unterbreiten. Die Huk24 hatte in unserer Abfrage häufig günstige Angebote – im Vergleich zu den zwei Portalen war bei dem Direktversicherer jedoch auch das Risiko deutlich höher, einen Preisausreißer nach oben zu erwischen.

Du solltest niemals nur bei einer Versicherung nach einem Angebot schauen. Doch auch wenn Du nur über ein Vergleichsportal gehst, stößt Du nicht automatisch auf den günstigsten Tarif. Denn kein Portal listet alle Versicherungen. Die genauen Zahlen aus unserem großen Vergleich und wie wir zu unserer Empfehlung kommen, kannst Du weiter unten im Text nachlesen.

Welche Kfz-Versicherung brauchst Du für Dein Auto?

Nun ist es an der Zeit, sich Gedanken über den konkreten Tarif zu machen, den Du brauchst. Haftpflicht, Teilkasko oder Vollkasko? Willst Du mit Deinem Auto auf den Straßen unterwegs sein, brauchst Du mindestens eine Kfz-Haftpflicht. Die kommt für Schäden auf, die Du anderen im Verkehr zufügst – egal ob Sach- oder Personenschäden. Schäden an Deinem eigenen Wagen sind durch die Haftpflicht nicht versichert. Um die mit abzusichern, kannst Du Dir eine Kaskoversicherung zulegen.

Sowohl eine Teilkasko- als auch eine Vollkaskoversicherung kostet jedoch in aller Regel deutlich mehr als die reine Haftpflicht. Überlege Dir also, ob Du diesen Zusatzschutz brauchst. Oder ob das schon der erste Punkt ist, an dem Du Geld sparen kannst.

Kaskoschutz jedes Jahr prüfen

Ob für Dich eine Teilkasko oder eine Vollkasko sinnvoll ist, hängt vor allem vom Alter und Wert Deines Autos ab. Für einen Neuwagen ist Vollkasko meist der richtige Schutz. Bei Leasing-Vereinbarungen kann eine Vollkasko sogar Pflicht sein. Hast Du ein eigenes, sehr altes Fahrzeug, brauchst Du in aller Regel nicht mal eine Teilkaskoversicherung. Wie sich die Kaskotarife genau unterscheiden und welcher Schutz sich für wen lohnt, haben wir für Dich in unserem Ratgeber Teilkasko oder Vollkasko zusammengefasst.

Wenn Du Dich für eine Kaskoversicherung entschieden hast, solltest Du jedes Jahr prüfen, ob der Schutz noch zu Deinem Auto passt. Denn ein Neufahrzeug bleibt nicht neu. Deshalb ist es nach einigen Jahren meist sinnvoll, von der Vollkasko- zur Teilkaskoversicherung zu wechseln – und damit ordentlich Geld zu sparen.

Wie kannst Du in der Autoversicherung sparen?

Wie viel Deine Autoversicherung kostet, hängt vor allem davon ab, wie hoch Versicherer das Risiko einschätzen, dass Du einen Schaden abrechnen wirst. Sie erstellen ein Risikoprofil anhand zahlreicher Informationen, die Du angeben musst. Einige dieser Punkte kannst Du ein Stück weit beeinflussen. Natürlich, ohne falsche Angaben zu machen. Bei vorsätzlichen Falschangaben drohen Dir Vertragsstrafen.

Hier kommen die sechs schnellsten und besten Tipps für Dich:

1. Selbstbeteiligung drückt die Prämie

Entscheidest Du Dich für eine Kaskoversicherung, egal ob Teil- oder Vollkasko, dann hast Du die Möglichkeit, eine Selbstbeteiligung zu vereinbaren. Das bedeutet, dass Du kleinere Schäden am Auto selbst bezahlst. Dafür wird Dein jährlicher Beitrag günstiger. In der aktuellen Finanztip-Studie zu Tarifmerkmalen konnten wir durch 150 Euro Selbstbehalt in der Teilkasko fast 20 Prozent sparen. Mit 300 Euro Selbstbeteiligung im Schnitt sogar 25 Prozent. In der Vollkasko empfiehlt sich eine Beteiligung von 300 Euro.

2. Beitrag jährlich zahlen

Wenn Du Deinen Beitrag jährlich statt monatlich zahlst, kannst Du deutlich sparen. Also stell auf eine jährliche Zahlweise um. Begleichst Du Deinen Versicherungsbeitrag auf einen Schlag statt halbjährlich zu zahlen, sparst Du fast 4 Prozent. Zahlst Du bislang quartalsmäßig, sind 8 Prozent Ersparnis drin. Und gegenüber monatlichem Abstottern fast 10 Prozent.

Es gibt zudem einige Versicherungen, die ihre Tarife nicht mit monatlicher Zahlweise anbieten. Darunter auch günstige Anbieter. Wenn Du Deine Suche einschränkst, weil Du monatlich zahlen möchtest, hast Du weniger Anbieter zur Auswahl.

3. Fahrerkreis so klein wie möglich halten

Dein Ehe- oder Lebenspartner ist in aller Regel als Fahrer mitversichert, ohne dass der Beitrag steigt. Unsere Studie von August 2020 hat das bestätigt. Darüber hinaus gilt aber: Je größer Du Deinen Fahrerkreis wählst, desto teurer wird es. Fahranfänger sorgen für die höchsten Aufschläge. Unsere aktuelle Finanztip-Studie zeigte einen durchschnittlichen Aufschlag über 100 Prozent.

4. Jährliche Fahrleistung realistisch schätzen

Wie viele Kilometer Du wahrscheinlich fahren wirst – Versicherer nennen das Fahrleistung – solltest Du immer eher defensiv schätzen. Je mehr Kilometer Du angibst, desto teurer wird Dein Versicherungsbeitrag. Und Kilometer nachmelden kannst Du immer. Folgende Durchschnittswerte hat die Finanztip-Studie von August 2020 ergeben:

  • 5.000 Kilometer kosteten bei unserer Untersuchung im Schnitt 8 Prozent mehr als 2.000 Kilometer Jahresfahrleistung
  • 10.000 Kilometer kosteten 13 Prozent mehr als 5.000 Kilometer
  • 15.000 Kilometer kosteten 9 Prozent mehr als 10.000 Kilometer
  • 20.000 Kilometer kosteten 12 Prozent mehr als 15.000 Kilometer
  • 25.000 Kilometer kosteten 13 Prozent mehr als 20.000 Kilometer

5. Vereinbare eine Werkstattbindung

Eine Werkstattbindung bringt bei einer Kaskoversicherung im Durchschnitt fast 10 Prozent Rabatt auf den Beitrag. Du musst dann im Gegenzug Deinen Wagen nach einem Kaskoschaden in einer vom Versicherer vorgeschriebenen Werkstatt reparieren lassen. Bevor Du das vereinbarst, solltest Du aber prüfen, wo die nächste Partnerwerkstatt Deiner Versicherung ist.

Vorsicht bei Neufahrzeugen: Verwendet die Werkstatt bei der Reparatur keine Original-Ersatzteile, kann die Herstellergarantie verloren gehen. Daher solltest Du bei Neuwagen gegebenenfalls auf die Werkstattbindung verzichten. Falls Dein Fahrzeug geleast oder fremdfinanziert ist, zum Beispiel durch eine Autobank, scheidet eine Werkstattbindung ohnehin meist aus. Leasing- oder Finanzierungsverträge legen normalerweise fest, dass Reparaturen nur in Werkstätten erfolgen dürfen, die der Hersteller autorisiert hat.

6. Als junger Fahrer besonders sparen

Für junge Fahrer ist die Autoversicherung oft besonders teuer. Wie Du als junger Mensch trotzdem sparst, kannst Du nachlesen in unseren Ratgebern Fahranfänger und Schadenfreiheitsklasse übertragen lassen. Außerdem kann sich ein Telematik-Tarif für Dich lohnen.

Welche Schäden zahlt eine gute Autoversicherung?

Es gibt Mindeststandards, unter die solltest Du in der Kfz-Versicherung nicht gehen. Wir empfehlen Dir, bei der Suche nach dem besten Tarif darauf zu achten, die folgenden Tarifmerkmale auszuwählen. Dann erfüllt Deine Autoversicherung folgende fünf Mindestkriterien.

Wichtig für Haftpflicht- und Kasko-Tarife:

Erhöhte Deckungssummen: Damit bekommst Du nur Tarife, die 50 Millionen oder 100 Millionen Euro als Versicherungssumme haben. Der Versicherer spricht in diesem Zusammenhang auch von Deckungssummen und meint damit den Wert, bis zu dem er für Schäden einspringt. Mit einem Vertrag, der diesen Standard erfüllt, bist Du auch gegen die finanziellen Folgen schwerer Unfälle abgesichert. Eine Finanztip-Studie zeigt, dass die meisten Tarife dieses Merkmal ohne Aufpreis anbieten.

Mallorca-Police: Diese Option erhöht die Versicherungssumme für Mietwagen im europäischen Ausland auf deutsches Niveau. Damit bist Du auch im Urlaub gut haftpflichtversichert. Laut unserer Studie kostet das heute oft keinen Aufschlag mehr. Nur wenige Tarife verzichten auf diese Absicherung – in einer unserer Untersuchungen aus den Vorjahren waren diese Tarife jedoch nicht automatisch auch die günstigsten Angebote. Verzichten lohnt hier also selten.

Relevant für Kasko-Tarife:

Keine Einrede der groben Fahrlässigkeit: Wenn Deine Kasko-Versicherung diese Klausel enthält, leistet der Versicherer auch dann in vollem Umfang, wenn Du einen Schaden an Deinem Auto grob fahrlässig verursachst. Er verzichtet auf sein Recht zur Einrede der groben Fahrlässigkeit. Das wird relevant, wenn Du einen Schaden verursacht hast, weil Du bei Rot gefahren bist, viel zu schnell warst oder weil Du eine Nachricht auf dem Handy getippt hast. Nicht versichert sind Fälle, in denen Du unter Alkohol- oder Drogeneinfluss unterwegs warst, oder wenn Du den Diebstahl Deines Wagens grob fahrlässig ermöglicht hast.

Marderbisse und deren Folgeschäden: Marder sind vielleicht süß. Doch sie knabbern auch gern an Schläuchen und Kabeln. Und wenn es blöd läuft, an solchen in Deinem Auto. Das kann zu teuren Schäden führen. Damit Dein Kasko-Versicherer nicht nur die Schäden an Schläuchen, Bremsleitungen und der Verkabelung selbst übernimmt, sondern auch für Folgeschäden einspringt, musst Du das vereinbaren.

Erweiterte Wildschadendeckung: Diese Erweiterung ist inzwischen Standard, Du solltest kaum noch über Tarife stolpern, die auf sie verzichten. Ohne zahlt die Kasko nur bei Unfällen mit Haarwild wie Rehen oder Wildschweinen. Mit der Klausel bist Du auch versichert, wenn Du mit anderen Tieren zusammenstößt – zum Beispiel mit Kühen oder Pferden.

Was ist bei der Kfz-Versicherung weniger wichtig?

Die folgenden Tarifmerkmale können, je nach Deiner individuellen Situation, eine sinnvolle Ergänzung sein, kosten unter Umständen aber einen deutlichen Aufpreis:

Um nach einem Unfall die Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) zu halten, zahlt es sich manchmal aus, einen Rabattschutz zu vereinbaren. Allerdings erschwert diese Klausel den Wechsel zu einem anderen Anbieter. Für den neuen Anbieter gilt der Rabattschutz nämlich nicht und bei ihm zählt bei der Einstufung auch der Unfall in der Vergangenheit.

Mit einem Autoschutzbrief bekommst Du Hilfe nach einer Autopanne. Dabei übernimmt der Anbieter etwa die Abschlepp- und Übernachtungskosten, wenn Du das Auto nach einem Unfall nicht nutzen kannst. Einige Schutzbriefe zahlen auch einen Mietwagen und bieten personenbezogene Leistungen wie Krankenrücktransport, Medikamentenversorgung im Ausland und im Todesfall die Übernahme der Bestattungs- oder Überführungskosten.

Pannendienst oder Abschlepphilfe kannst Du notfalls auch selbst bezahlen. Falls Du Dich dennoch dagegen absichern möchtest, musst Du Dich zwischen Kfz-Schutzbrief und Automobilklub entscheiden. Der Schutzbrief ist laut Finanztip-Studie vergleichbar günstig.

Bei Neuwagen kannst Du auf einen Schutzbrief oder den Automobilklub verzichten, denn dann greift meist die Mobilitätsgarantie des Herstellers.

Für Versicherte, die keine Berufsunfähigkeits- oder Unfallversicherung haben und Vielfahrer sind, kommt eine Fahrerschutzversicherung infrage. Sie begleicht den Verdienstausfall und zahlt Schmerzensgeld bei einem selbst- oder mitverschuldeten Unfall. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Fahrer-Unfallversicherung, von der wir abraten.

Darauf kannst Du bei der Kfz-Versicherung verzichten

Die Insassen-Unfallversicherung übernimmt die Kosten, wenn einer Deiner Mitfahrer verletzt oder getötet wird. Doch solche Schäden sind ohnehin entweder durch die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers oder durch Deine eigene Kfz-Haftpflichtversicherung abgedeckt, falls Du den Unfall baust. Die Insassen-Unfallversicherung springt praktisch nur dann ein, wenn nach einem Unfall die Versicherung des Unfallverursachers den Schaden zum Beispiel wegen Fahrerflucht nicht deckt. In solchen Fällen hilft aber auch die Verkehrsopferhilfe.

Die Fahrer-Unfallversicherung umfasst ähnliche Leistungen wie eine Fahrerschutzversicherung. Wie viel Geld Du nach einem Unfall bekommst, hängt aber von der gewählten Deckungssumme und dem Grad einer möglichen Invalidität ab – und nicht vom tatsächlichen Schaden. Wenn Du sichergehen willst, dass Du bei einem Autounfall in vollem Umfang abgesichert bist, solltest Du daher eine Fahrerschutzversicherung abschließen. Gegen Unfälle nicht nur im Auto schützt eine private Unfallversicherung besser. Doch auch diese eignet sich nicht für jeden.

Weshalb Vergleichsportal und Direktversicherer nutzen?

Wir empfehlen Dir für die Suche nach der günstigsten Autoversicherung einen doppelten Vergleich. Weshalb, erfährst Du in diesem Abschnitt.

Niemals bei nur einer Versicherung schauen

Fragst Du bei einzelnen Versicherern Angebote ab, wird Dir jeder einen anderen Preis nennen. Ob ein einzelnes Angebot für Dich besonders günstig ist, kannst Du nur schwer erkennen. Denn der Kfz-Versicherungsmarkt ist ein hitziger. Es gibt also immer wieder Preisschwankungen. Jeden Herbst beispielsweise ist Saison: Da halten viele Versicherer neue, teils günstigere Tarife parat.

Doch Preisunterschiede kommen nicht nur durch besondere Angebote oder neue Tarife zustande. Auch in Deiner Person oder in Bezug auf Dein Auto ändert sich jedes Jahr etwas. Du wirst älter, vielleicht hattest Du Schäden (oder ausnahmsweise nicht). Oder Du rutschst in eine neue Regional- oder Typklasse. All das kann einen Versicherer veranlassen, Dir mehr oder weniger zu berechnen.

Auch wenn Du bei einem tendenziell sehr günstigen Versicherer nachschaust, kann es daher sein, dass Du zu viel bezahlst. Wir haben in unserer Untersuchung auch bei günstigen Direktversicherern immer wieder preisliche Ausreißer nach oben gefunden. Die Huk24 etwa zeigte in unseren Abfragen von September und Oktober 2020 sehr häufig die günstigsten Tarife. Die durchschnittliche Abweichung vom günstigsten Tarif lag im September bei 9 Prozent Aufschlag, im Oktober bei rund 4 Prozent. Das klingt gut, und ist es auch. Dennoch: Die höchste Abweichung vom niedrigsten Preis lag immerhin bei rund 47 beziehungsweise 38 Prozent – in dem Fall hätte unser Testkunde also deutlich zu viel bezahlt.

Niemals nur über ein Vergleichsportal gehen

Hilfe dabei, das Risiko von Preisausreißern auszugleichen, versprechen die Kfz-Versicherungsrechner der Vergleichsportale. Auf ihnen gibst Du einmal Deine Daten ein und bekommst dann Angebote vieler Versicherungen im direkten Vergleich. Und Du kannst auch direkt über sie Deinen neuen Vertrag abschließen.

Klingt super, nur haben diese Portale alle ein Problem: Kein Portal vergleicht alle Versicherungen. Einige Versicherungen haben nur mit einem der vielen Portale einen Vertrag, andere wiederum erscheinen auf gar keinem. Das bedeutet für Dich: Verlässt Du Dich nur auf ein Vergleichsportal, kannst Du nicht sicher sein, einen wirklich günstigen Tarif zu finden.

Die Lösung für Dich: der doppelte Vergleich

Mach daher stets den doppelten Vergleich: Gehe immer erst über Verivox oder Check 24 und hol dann noch ein Angebot bei der Huk24 ein. Indem Du Vergleichsportal und Direktversicherer kombinierst, gleichen die beiden Anbieter die jeweils blinden Flecken des anderen aus. So kannst Du Dir sicher sein, zumindest ganz nah dran zu sein am günstigsten Tarif.

Portale und Direktversicherer: Preisabweichungen

September-Testreihe  Verivox   Check24   Huk24 

durchschnittliche Abweichung

vom günstigsten Preis 

 8,3 %   11,7 %   9,6 % 

 größte Abweichung vom günstigsten Preis 

 29,1 %   32,9 %   47,3 % 
 Anzahl günstigster Preis (von 32 Abfragen)   9   4   15 

Quelle: Datenabfrage auf den Portalen, Finanztip-Berechnungen (Stand: 30. September 2020)

Oktober-Testreihe Verivox Check24 Huk24

durchschnittliche Abweichung
vom günstigsten Preis

8,6 % 9,7 % 6,4 %
größte Abweichung vom günstigsten Preis 30,3 % 34,6 % 38,1 %
Anzahl günstigster Preis (von 32 Abfragen) 12 5 16

Quelle: Datenabfrage auf den Portalen, Finanztip-Berechnungen (Stand: 30. Oktober 2020)

In unserem aktuellen großen Kfz-Versicherungsvergleichs fanden wir durch die Kombination von Verivox und Huk24 in den meisten Fällen den besten Preis. In der ersten Testreihe im September führte die Kombination in 24 von 32 Abfragen zum günstigsten Tarif, im Oktober sogar in 29 von 32 Abfragen. Die durchschnittliche Abweichung vom Bestpreis war sowohl im September als auch im Oktober die niedrigste in der Untersuchung (1,6 Prozent, 0,6 Prozent). Auch die maximalen Preisausreißer waren in dieser Kombination am geringsten (19,1 Prozent, 10,1 Prozent).

Die Kombination von Check24 und Huk24 schnitt nur geringfügig schlechter ab. Wir trafen so 19, beziehungsweise 22 Mal den günstigsten Tarif. Die durchschnittliche Abweichung lag bei 3,7 und 2,7 Prozent, die maximale Abweichung bei 20,8 und 25,6 Prozent.

Für welche der beiden Kombinationen Du Dich entscheidest, bleibt Dir überlassen. Wir empfehlen die beiden Wege (Kombination Verivox und Huk24, Kombination Check24 und Huk24) ausdrücklich gleichwertig. Nicht nur wegen der geringen Unterschiede in den Ergebnissen unserer Abfrage. Sondern auch, weil diese Abfrage immer nur eine Stichprobe und Abbildung des Augenblicks sein kann.

Geringere Abweichung durch zwei Vergleiche

September-Testreihe

Verivox &

Huk241

Check24 &

Huk241

Check24 &

Verivox

durchschnittliche Abweichung

vom günstigsten Preis

1,6 % 3,7 % 7,7 %

größte Abweichung

vom günstigsten Preis

19,1 % 20,8 % 29,1 %

Anzahl günstigster Preis

(von 32 Abfragen)

24 19 10

1 Diese Kombination ist Teil der Finanztip-Empfehlung, doppelt zu vergleichen.
Quelle: Datenabfrage auf den Portalen, Finanztip-Berechnungen (Stand: 30. September 2020)

Oktober-Testreihe Verivox &
Huk241
Check24 &
Huk241
Check24 &
Verivox
durchschnittliche Abweichung
vom günstigsten Preis
0,6 % 2,7 % 5,6 %
größte Abweichung
vom günstigsten Preis
10,1 % 25,6 % 30,3 %
Anzahl günstigster Preis
(von 32 Abfragen)
29 22 16

1 Diese Kombination ist Teil der Finanztip-Empfehlung, doppelt zu vergleichen.
Quelle: Datenabfrage auf den Portalen, Finanztip-Berechnungen (Stand: 30. Oktober 2020)

Dass Verivox in unserer ersten Testreihe die günstigsten Ergebnisse geliefert hat, führen wir darauf zurück, dass dort aktuell Versicherer mit günstigen Angeboten gelistet sind, die bei Check24 derzeit nicht auftauchen. Das kann sich ändern. Etwa wenn Check24 weitere Anbieter in den Vergleich aufnimmt. Oder falls bei Check24 gelistete Versicherer mit günstigeren Tarifen an den Markt kommen, und diese nicht im Vergleich von Verivox auftauchen. Um das im Blick zu behalten, fragten wir im Oktober 2020 in einer zweiten Testreihe erneut Tarife und Preise ab.

Die Kombination der beiden Vergleichsportale Verivox und Check24 brachte in der aktuellen Untersuchung im September eine Abweichung von 7,7 Prozent zum günstigsten Tarif und im Oktober eine Abweichung von 5,6 Prozent. Im Unterschied zu vorangegangenen Jahren empfehlen wir diese Kombination daher aktuell nicht.

Verivox
Vergleich Kfz-Versicherungen
  • In der Finanztip-Untersuchung 2020: in 9 bzw. 12 von 32 Abfragen günstigsten Tarif angezeigt (September/Oktober)
  • geringe Aufschläge gegenüber günstigen Preisen anderer Anbieter
  • Abschluss direkt auf dem Portal möglich
  • deckt nicht den gesamten Markt ab
Check24
Vergleich Kfz-Versicherungen
  • In der Finanztip-Untersuchung 2020: in 4 bzw. 5 von 32 Abfragen günstigsten Tarif angezeigt (September/Oktober)
  • geringe Aufschläge gegenüber günstigen Preisen anderer Anbieter
  • Abschluss direkt auf dem Portal möglich
  • deckt nicht den gesamten Markt ab
Huk24
Kfz-Versicherung
  • In der Finanztip-Untersuchung 2020: in 15 bzw. 16 von 32 Anfragen den günstigsten Tarif angezeigt (September/Oktober)
  • Abschlussmöglichkeit direkt beim Anbieter
  • ist nicht auf den gängigen Vergleichsportalen vertreten
  • hohe Aufschläge bei einzelnen Abfragen: zusätzlicher Preisvergleich auf Vergleichsportal ist daher nötig

Was tun, wenn Du keine Kfz-Versicherung bekommst?

Fahrer, bei denen Versicherungen mit hohen Kosten beziehungsweise häufigen Schäden rechnen, bekommen über Vergleichsportale und Direktversicherer auch gegen einen hohen Beitrag mitunter keinen Kaskoschutz. Das kann Dir ebenfalls passieren, wenn Du versuchst, ein besonders teures Auto zu versichern.

Schwer zu versichern sind vor allem Fahrzeugtypen, die häufig Schäden haben, etwa Sportwagen. Problematisch kann es auch werden, wenn die Versicherung Dir wegen häufiger Schäden oder unrichtiger Angaben gekündigt hat. Manchmal kann Dir in solchen Fällen ein Versicherungsmakler weiterhelfen. Er findet vielleicht einen Anbieter, der das Risiko dennoch übernimmt – oft allerdings nur gegen einen sehr hohen Beitrag. Der Verband Deutscher Versicherungsmakler (VDVM) kann helfen, so einen Vermittler zu finden.

So haben wir getestet

Kfz-Versicherungsvergleich 2020

Wir haben für unseren Vergleich 32 Musterprofile nach folgenden Maßgaben erstellt:

  • deutschlandweite Verteilung und damit große Abdeckung von Regionalklassen,
  • Berücksichtigung von Statistiken des Kraftfahrtbundesamtes und Destatis zur Verteilung der Hersteller, des Fahrzeugalters, der Autoklassen und des Alters von Autobesitzern;
  • Beispiele der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), dem Verband der Versicherungsmathematiker.

Wir haben folgende in den Vergleichsportalen anwählbare oder fest voreingestellte Mindestkriterien für die Kfz-Tarife angesetzt:

  • erhöhte Deckungssummen,
  • Mallorca-Police inklusive,
  • keine Einrede der groben Fahrlässigkeit,
  • Abdeckung von Marderbissen und deren Folgeschäden,
  • auf alle Tiere erweiterte Wildschadendeckung.

Diese Kriterien solltest Du auch beim Vergleichen einstellen, um verbraucherfreundliche Ergebnisse zu erzielen.

Wir haben zunächst eine Grundgesamtheit von Vergleichsportalen erstellt. Mit den Suchbegriffen „Kfz Versicherung“, „Kfz Versicherung Vergleich“, „Kfz Versicherungsrechner“, „Autoversicherung“, „Autoversicherung Vergleich“ haben wir die ersten fünf bis zehn Google-Seiten durchsucht und alle 35 gefundenen Vergleichsseiten überprüft. Wir haben Vergleichsportale aussortiert, die eine Adresseingabe fordern, bevor das Ergebnis angezeigt wird.

Zusätzlich haben wir vorausgesetzt, dass Tarife auf dem Portal abschließbar sein müssen. Und es musste auf den Rechnern möglich sein, in der Suchmaske unsere Mindestkriterien verbindlich festzulegen.

Die Portale Verivox, Check24, Ino24 erschienen in der Google-Suche und erfüllten zudem alle Anforderungen. In unserem Preisvergleich über die 32 Musterprofile waren die Werte zu Preisausreißern bei Ino24 sowohl bei mittlerer als auch größter Abweichung hoch (Details in der Tabelle am Ende des Textes). Deshalb können wir Ino24 nicht empfehlen, um den günstigsten Preis zu finden.

Sonderfall Nafi-Auto: Der Vergleichsrechner Nafi-Auto bietet keine Abschlussmöglichkeit. Der Preisvergleich ist zudem wegen der umfassenden Datenabfrage kompliziert. Dennoch ließen wir die Ergebnisse dieses Rechners außer Konkurrenz mitlaufen. Das Portal, das sich vorwiegend an Makler richtet, bietet den größten Marktüberblick, auch wenn dort nicht mehr alle Versicherer aufgelistet sind.

Kopien vom Originalrechner Nafi-Auto: Der Vergleichsrechner von Nafi wird von vielen Maklerfirmen eingebunden. Das Angebot dieser Portale umfasst dabei immer nur einen Teil der auf Nafi-Auto gelisteten Anbieter. Dafür sind die Tarife über das jeweilige Portal online abschließbar. Die Portale erfüllen als reine Kopien des originalen Rechners nicht unsere formalen Anforderungen an große, eigenständige Vergleichsrechner. In diesem Jahr haben wir dennoch einen größeren Makler (Ihremakler24) als Repräsentanten dieser Angebote mituntersucht.

Die Werte zu Preisabweichungen waren in unserer Untersuchung bei Ihremakler24 höher als auf den großen Portalen Check24 und Verivox und auch höher als auf dem Rechner von Nafi selbst. Dazu kommt, dass wir bei Ihremakler24 für die Preisabfrage nicht alle Filter nach unseren Kriterien festlegen konnten. Wir können das Portal daher nicht empfehlen.

Wie auch in den vergangenen Jahren haben wir zusätzlich zu den Portalen Preise bei dem Direktanbieter Huk24 erhoben. Dieser günstige Versicherer hat einen hohen Marktanteil, ist aber auf den gängigen Vergleichsportalen nicht verfügbar. Du kannst ihn daher über kein Vergleichsportal abschließen. Andererseits bot die Huk24 nicht für alle unsere Musterprofile den niedrigsten Preis. In unserer Untersuchung waren die Preisausreißer bei Huk24 höher als bei den untersuchten Portalen.

Um sicherzustellen, dass wir keinen anderen günstigen Anbieter übersehen, haben wir außerdem eine Gesamtliste des Deutschen Büros der Grünen Karte (einer Einrichtung der Kfz-Haftpflichtversicherer in Deutschland) mit den Teilnehmern der Vergleichsportale abgeglichen. Nach unserer Auffassung haben wir alle Anbieter erfasst, die online abschließbar sind und eine hohe Marktrelevanz aufweisen.

Des Weiteren haben wir Preise bei der Allianz Direct erhoben. Die Tochter des im Bereich Autoversicherung starken Versicherers Allianz nimmt nicht am Vergleich auf den Portalen teil (ebenso wie die Mitglieder der Huk-Familie).

Wir führen jedes Jahr zwei Testreihen durch. Eine im September, eine im Oktober. Zum einen überprüfen wir durch die zweite Erhebung unser erstes Ergebnis. Zum anderen berücksichtigen wir so, dass unserer Erfahrung nach viele Anbieter im Laufe des Herbstes mit neukalkulierten Tarifen (und Preisen) an den Markt kommen.

So sind wir zu unserer Empfehlung gekommen

Verlässt Du Dich bei Deiner Suche auf nur eine Preisabfrage, zahlst Du schnell zu viel. Denn kein Vergleichsportal listet alle Anbieter. Setzt Du hingegen nur auf einzelne Anbieter – auch wenn sie insgesamt günstig sind – läufst Du immer Gefahr, einen ausnahmsweise teuren Tarif zu erwischen.

Unsere Testreihen zeigen, dass Du mit zwei Vergleichen das Risiko, einen Preisausreißer zu erwischen, senken kannst. Du findest so einen Tarif, der entweder bereits der günstigste am Markt ist oder zumindest sehr nah am günstigsten Tarif liegt. Beide Risiken kannst Du über die Kombination von Portal und Direktanbieter minimieren.

Weitere Details zu unserer Untersuchung kannst Du in unserem Testartikel Kfz-Versicherung lesen.

Die wichtigsten Fragen zusammengefasst

Haftpflicht, Teil- oder Vollkasko?

Was sollte die Autoversicherung abdecken?

Wie funktioniert der Kfz-Versicherungsvergleich?

Wann sollte man wechseln?

Wie kann ich bei der Autoversicherung sparen?

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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 16.11.2020 14:24:00 +0000
Günstig Heizöl kaufen : Kesseltausch, CO2-Preis und Heizöl bestellen: Das solltest Du zu Deiner Ölheizung wissen https://www.finanztip.de/heizoel/ https://www.finanztip.de/?id=800Günstig Heizöl kaufen
Das Wichtigste in Kürze
  • Ab 2021 wird Heizöl wahrscheinlich teurer. Denn auf den Brennstoff wird ein CO2-Preis erhoben.
  • Einen ineffizienten Kessel musst Du nach 30 Jahren Betrieb ausbauen lassen. Eine neue Ölheizung darfst Du ab 2026 nur noch unter bestimmten Bedingungen installieren. Das schreibt ein neues Gesetz ab November 2020 vor.
  • Günstige Angebote für Heizöl findest Du auf Vergleichsportalen im Internet. In unseren letzten Tests fanden wir die besten Heizölpreise auf Heizoel24 und Esyoil.
So gehst Du vor
  • Möchtest Du noch dieses Jahr Heizöl kaufen, solltest Du schnellstmöglich bestellen. Wir empfehlen Dir dazu einen Preisvergleich über die Portale Heizoel24 oder Esyoil. 
  • Wenn Du Deine Ölheizung durch eine klimafreundlichere Heizung ersetzt, übernimmt der Staat bis zu 45 Prozent der Kosten.

Heizöl hält mehr als acht Millionen Wohnungen in Deutschland warm. Damit ist Heizöl der zweitmeist genutzte Brennstoff in Deutschland. Aber die Zahl der Ölheizungen sinkt: 2018 zählte das Statistische Bundesamt rund 640.000 weniger als im Jahr 2014. 

Diese Verringerung ist im Sinne des Klimaschutzes gewünscht. Der Staat reizt den Ausbau von Ölkesseln finanziell an und verbietet voraussichtlich ab Ende 2020 den Betrieb älterer, ineffizienter Kessel. Zugleich kommen auf Heizölkunden höhere Belastungen zu. Ab 2021 erhebt der Staat einen CO2-Preis dafür, dass beim Verbrennen von Heizöl Kohlendioxid in die Luft entweicht. Wer noch eine neue Ölheizung einbauen will, darf das ab 2026 nur noch unter bestimmten Bedingungen. 

Welche Handlungsoptionen Du hast und wie Du noch günstig Heizöl bestellst, erklären wir in diesem Ratgeber.

Wohin entwickeln sich die Heizölpreise?

Der Preis bestimmt sich bislang vor allem durch die Kosten für den Einkauf von Mineralöl. Die abzuführenden Steuern – Mehrwertsteuer und Energiesteuer – bilden den zweiten Kostenblock. Beim Handel verbleibt der kleinste Teil des Heizölpreises. Von Juli bis Dezember 2020 wird die Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent gesenkt. Das wirkt sich auch auf die Heizölpreise aus.

Ab 2021 schlägt ein neuer Kostenfaktor zu Buche: der CO2-Preis. Er beträgt im ersten Jahr 25 Euro pro Tonne ausgestoßenes Kohlendioxid und erhöht sich bis 2025 bis auf 55 Euro pro Tonne. 2026 soll sich der Preis am Markt bestimmen – er muss sich aber zwischen 30 und 65 Euro pro Tonne bewegen (§ 10 BEGH). 

Voraussichtliche Mehrkosten für Heizöl

Jahr           CO2-Preis Kosten Heizöl netto Kosten Heizöl brutto
2021 25 Euro pro Tonne 6,6 ct/Liter  7,9 ct/Liter
2022 30 Euro pro Tonne 8,0 ct/Liter    9,5 ct/Liter
2023 35 Euro pro Tonne  9,3 ct/Liter    11 ct/Liter
2024 45 Euro pro Tonne 11,9 ct/Liter    14,2 ct/Liter
2025 55 Euro pro Tonne 14,6 ct/Liter     17,3 ct/Liter

Für die Berechnung der CO2-Preise muss der Gesetzgeber noch eine Verordnung erlassen, in der unter anderem Standardemissionswerte definiert sind. Wir haben mit dem 2017 vom Umweltbundesamt ermittelten Wert von 266,472 Gramm CO2 pro Kilowattstunde Heizöl und einem mittleren Heizwert von 9,94 Kilowattstunde pro Liter gerechnet. Alle Zahlen sind gerundet.
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 20. Dezember 2019)

Allein die Energiesteuer von 6,14 Cent pro Liter und der CO2-Preis liegen 2021 bei zusammen rund 13 Cent pro Liter (netto). Brutto sind das rund 15 Cent pro Liter oder 1,5 Cent pro Kilowattstunde. Verglichen mit dem Strompreis ist das immer noch wenig: Steuern, Umlagen und Abgaben auf den Strompreis addieren sich bislang zu mehr als 12 Cent pro Kilowattstunde (brutto).

Der CO2-Preis als fixer Kostenbestandteil wie Mehrwert- und Energiesteuer reduziert den Spielraum bei den Heizölpreisen. Künftig dürften sich die Heizölpreise weniger stark verändern, als dies bisher der Fall ist. Wie hoch die Preise ab 2021 sein werden, hängt aber weiterhin stark von den Beschaffungskosten von Rohöl am Weltmarkt ab – etwa zur Hälfte wird der Heizölpreis ab 2021 noch vom Ölpreis bestimmt. 

Grünes und klimaneutrales Heizöl 

Ist auch grünes Heizöl vom CO2-Preis betroffen? Ja. Der Gesetzgeber macht keinen Unterschied, ob Heizöl zu 100 Prozent aus fossilen Quellen oder anteilig aus erneuerbaren Quellen stammt. 

Mit grünem Heizöl ist ein Brennstoff gemeint, der entweder aus Pflanzen oder synthetisch gewonnen wird. Es gibt bislang Heizöl mit einer Beimischung von bis zu 10 Prozent Öl aus nachwachsenden Rohstoffen. Vor allem in Baden-Württemberg wird dieses angeboten – Käufer erfüllen mit diesem Heizöl die Bestimmungen nach dem landeseigenen Erneuerbare-Wärme-Gesetz. Bundesweit ist die Nachfrage nach Bioheizöl gering und der Preis höher als für rein fossiles Heizöl. Die erste Pilotanlage für synthetisches Heizöl ging in Deutschland 2014 in Betrieb. Am Markt gibt es den synthetischen Kraftstoff aber noch nicht. 

Dafür hat sich ein anderes Produkt entwickelt, welches dem grünen Zeitgeist entspricht: das sogenannte klimaneutrale Heizöl. Du kannst Dich beim Kauf dafür entscheiden, Klimaschutzprojekte mit einem Obolus zu unterstützen. Dazu zählt beispielsweise das Aufforsten von Wäldern. Die neu gepflanzten Bäume binden das Kohlendioxid, das beim Verbrennen des Heizöls entsteht, so der Gedanke dahinter. Auch auf dem Gasmarkt gibt es vergleichbare Produkte. Aber: Der CO2-Preis wird auch auf klimaneutrales Heizöl voll erhoben.

Durch grünes oder klimaneutrales Heizöl verringerst Du also nicht die steuerlichen Belastungen auf den Brennstoff. Aber Du tust damit etwas für den Klimaschutz.

Wann darfst Du noch einen Ölkessel betreiben?

Je älter der Heizkessel ist, desto dringlicher ist sein Tausch. Nach einer Studie des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sind rund zwei Millionen der Anlagen mindestens 20 Jahre alt. Sie arbeiten einerseits nicht effizient. Andererseits erhöht die Politik den Druck, alte Kessel zu tauschen.

Für Heizkessel schreibt das am 1. November 2020 in Kraft getretene Gebäudeenergiegesetz (GEG) vor, dass sie nach 30 Jahren außer Betrieb zu nehmen sind, wenn es sich um Konstanttemperaturkessel handelt (§ 72 GEG). Ausgenommen sind dabei kleinere Öfen mit weniger als 4 Kilowatt Leistung sowie Heizkessel in Ein- und Zweifamilienhäusern, wenn der Eigentümer mindestens seit 1. Februar 2002 selbst darin wohnt (§ 73 GEG). Wurde das Haus nach Januar 2002 verkauft, muss der neue Eigentümer die Ausbaupflicht binnen zwei Jahren erfüllen. Diese Regelungen waren bislang Teil der Energieeinsparverordnung (EnEV) , die gemeinsam mit dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) und dem Energieeinsparungsgesetz im GEG aufgegangen ist. 

Auch die Strafen übernimmt das GEG aus den bisherigen Gesetzen, wenn Du oder ein Heizungsinstallateur gegen die Vorschriften verstoßen. Wer etwa einen Konstanttemperaturkessel (oder Standard-Heizkessel) länger als 30 Jahre betreibt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro rechnen (§ 108 Abs. 2 GEG).

Bei seiner alle drei bis fünf Jahre vorgeschriebenen Feuerstättenschau muss der Bezirksschornsteinfeger  prüfen, ob ein Kessel die Frist überschritten hat und dann eine Frist zur Stilllegung oder zum Ausbau setzen (§ 97 Abs. 1 GEG). Kommst Du dem nicht nach, informiert er die zuständige Behörde. Neu ist im GEG, dass die Behörde den Ausbau oder die Stillegung anordnen kann, wenn sie davon Kenntnis erlangt, dass Dein Standardheizkessel das 30. Betriebsjahr überschritten hat (§ 95 GEG).

Es gibt aber eine Ausnahme von der Ausbaupflicht – wenn nämlich ein Heizungstausch für Dich mit einem „unangemessenen Aufwand“ einhergeht oder zu „unbilliger Härte“ führt, weil Du die Kosten für den Umbau nicht durch Einspareffekte der neuen Heizung über die übliche Nutzungsdauer erwirtschaften kannst (§ 72 Abs. 5 GEG). Um von der Pflicht entbunden zu werden, musst Du einen Antrag stellen.

Für Ölheizungen mit Brennwert- oder Niedertemperaturkessel besteht keine Pflicht zur Außerbetriebnahme. Wenn die Heizungen mindestens 15 Jahre alt sind, sollten sie aber ein Effizienzlabel tragen. Dieses bringt in der Regel der Schornsteinfeger an. An dem Label kannst Du ablesen, wie kostensparend Deine Heizanlage arbeitet.

Neue Bestimmungen für den Einbau von Ölheizungen

Neu ist im Gebäudeenergiegesetz ein Einbauverbot von Ölkesseln: Ab 2026 dürfen sie nur noch unter bestimmten Umständen installiert werden (§ 72 Abs. 4 GEG). 

In Neubauten darfst Du eine Ölheizung ab 2026 nur noch installieren, wenn Du den Wärme- und Kältebedarf im Haus zu mindestens

  • 15 Prozent durch eine solarthermische Anlage deckst oder
  • 15 Prozent mit Ökostrom gewährleistest oder Solarstrom aus einer eigenen Anlage mit bestimmter Mindestleistung erzeugst oder
  • 30 Prozent durch Biogas in einem hocheffizienten Blockheizkraftwerk oder 50 Prozent Biogas in einem Brennwertkessel sicherstellst oder
  • 50 Prozent durch eine mit Luft oder Erdwärme arbeitende Wärmepumpe bereitstellst oder
  • 50 Prozent über einen automatisch beschickten Holzofen mit Wasser als Wärmeträger oder einen Biomasseheizkessel für Holzpellets, Scheitholz oder Hackschnitzel absicherst oder
  • 50 Prozent durch flüssiges Biogas in einem hocheffizienten Blockheizkraftwerk oder in einem Brennwertkessel deckst.

In Altbauten ist der Einbau nur in zwei Fällen erlaubt, nämlich

  • wenn erneuerbare Energien einen Teil des Wärme- und Kältebedarfs im Haus decken. Dabei gelten dieselben Quoten wie in Neubauten. Darüber hinaus ist es möglich, Fernwärme oder Fernkälte mit einem erneuerbaren Anteil zu beziehen, ein hocheffizientes Blockheizkraftwerk für einen anderen Brennstoff als Biogas oder eine Brennstoffzellenheizung einzubauen sowie Abwärme zu nutzen.
  • Oder wenn eine Anbindung weder an ein Gasnetz noch ein Fernwärmenetz möglich sind und der Einbau einer alternativen Heizungstechnologie technisch nicht machbar oder wirtschaftlich unzumutbar ist. In diesem Fall musst Du Deinen Wärmebedarf nicht anteilig durch erneuerbare Energien decken. 

Unabhängig von den oben genannten Anteilen zur Versorgung mit erneuerbarer Wärme dürfen die Bundesländer eigene Quoten zum Heizen mit erneuerbaren Energien festlegen.

Wie kannst Du kostensparend mit Öl heizen?

Ist Deine Heizung noch jung, wäre es weder wirtschaftlich noch nachhaltig, sie frühzeitig wieder auszubauen. Den CO2-Preis musst Du gleichwohl tragen. Um die Belastung so niedrig wie möglich zu halten, muss die Heizung effizient arbeiten. Ob dies der Fall ist, kannst Du mit einem hydraulischen Abgleich prüfen und dabei auch gleich die Einstellungen korrigieren. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle vergibt Fördermittel für diese und andere Maßnahmen zur Optimierung der Heizung

Je weniger Öl Du verbrauchst, desto weniger zahlst Du für den CO2-Preis. Überlege, ob Du Wände, Fenster und Decken dämmst. Dafür gibt es Fördermittel über die KfW-Bank. Auch durch weniger aufwändige, kleine Maßnahmen kannst Du Deinen Brennstoffverbrauch leicht senken und Heizkosten sparen. Eine solarthermische Anlage verringert Deinen Heizölbedarf ebenfalls – die Solaranlage lässt sich in der Regel mit der Ölheizung kombinieren. 

Ist Deine Heizung älter und unterliegt nun der Pflicht zum Ausbau, dann mach Dir frühzeitig Gedanken, wie Du künftig heizen willst. Die Installation von klimafreundlichen Heizungen unterstützt der Staat. 

Wichtig ist in jedem Fall, dass Du günstig Heizöl bestellst, so lange Du es noch brauchst. Wie das gelingt, erfährst Du im nächsten Abschnitt.

Wie bestellst Du günstig Heizöl?

Der Preisunterschied für 3.000 Liter Heizöl kann mehrere Hundert Euro betragen, je nachdem, in welchem Monat Du bestellst. Um die Entwicklung des Heizölpreises im Auge zu behalten, raten wir Dir, regelmäßig Angebote zu vergleichen.

Das geht am bequemsten über Portale im Internet. Die Online-Portale zeigen Dir die günstigsten Heizölhändler in Deiner Region und liefern Dir zudem aktuelle Preise für Rohöl am Weltmarkt. Auch den kannst Du so im Blick behalten. Fällt der Rohölpreis, bedeutet das jedoch nicht, dass die Preise für Heizöl in Deiner Region in gleichem Maße purzeln. Denn die Heizölpreise hängen auch von der Nachfrage und den Lieferkapazitäten in Deutschland ab. Dies zeigte sich stark im Herbst 2018 und zuletzt Anfang 2020.

Die beiden größten Vergleichsportale für günstiges Heizöl sind Esyoil und Heizoel24, gemessen an der Zahl der versammelten Händler. 300 bis 400 von ihnen sind jeweils auf den beiden Portalen regelmäßig aktiv. Neben diesen beiden gibt es nur ein weiteres Portal, das nach unserem Test 2020 flächendeckend in Deutschland Angebote zeigte: Fastenergy. Bei tanke-günstig erhielten wir lediglich an einem Ort keine Angebote.

Bei der Abfrage auf den Portalen sind nur zwei Informationen nötig: Deine Postleitzahl und die gewünschte Liefermenge. Die Anzahl der Angebote und die Lieferbedingungen unterscheiden sich von Portal zu Portal. Heizoel24 und Esyoil listen alle verfügbaren Angebote für eine Postleitzahl auf. Du erhältst in der Regel auf einen Schlag mehrere Angebote und kannst sie direkt miteinander vergleichen.

Das ist bei Fastenergy und tanke-günstig anders. Diese Portale zeigten bei jeder Abfrage nur ein Angebot für eine Sorte Heizöl. Fastenergy arbeitet in jeder Region nur mit einem Händler zusammen. Den Kooperationspartner wählt Fastenergy nach eigenen Kriterien aus. Welcher Händler das ist, steht direkt beim Angebot. 

Tanke-günstig arbeitet zwar mit mehreren Händlern für eine Region zusammen, zeigt aber immer nur das günstigste Angebot an. Welcher Händler am Ende das billige Heizöl liefert, erfährst Du erst nach der Bestellung. Tanke-günstig wählt die auf der Plattform vertretenen Händler aus: Bedingung ist, dass die Unternehmen ein spezielles Gütezeichen tragen. Das Siegel stammt vom RAL Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung. Diese Organisation definiert Kriterien für unterschiedliche Branchen, um die Qualität von Waren und Dienstleistungen zu sichern.

Warum reicht für billiges Heizöl eine Portalabfrage?

In einem Punkt gleichen sich die Heizölseiten alle: Die Preise auf den Portalen können die Händler jederzeit ändern. Und das machen sie auch. Die großen Unternehmen der Branche beschäftigen Mitarbeiter, die täglich die Angebote auf den Portalen vergleichen. Sie können sofort reagieren, wenn Wettbewerber ihre Preise verändern.

Das heißt, dass sich die Angebote für preiswertes Heizöl täglich ändern können. Und auch, dass ein Händler auf den einzelnen Portalen mit unterschiedlichen Preisen vertreten sein kann. Es kann sogar sein, dass ein Händler auf einem Portal sein Heizöl billiger anbietet als auf seiner eigenen Internetseite.

Für eine Abfrage genügt es aber, ein Portal zu nutzen. Wir empfehlen dafür Heizoel24 oder Esyoil. Dort haben wir sowohl in unserem Test 2020 als auch in unseren Tests 2018, 2017 und 2016 die besten Preise gefunden. 

Zusätzlich kannst Du Angebote bei Fastenergy oder tanke-günstig abfragen. Auch dort haben wir sowohl in unserem Test 2020 als auch in unserem Test 2018 den günstigsten Preis bei unseren Abfragen gefunden. 

Heizoel24
  • findet oft den günstigsten Lieferanten
  • verschiedene Angebote pro Abfrage
  • übersichtliche Darstellung
  • gut geeignet zur Vorbereitung von Sammelbestellungen (Preismatrix)
  • aktuelle Informationen zur Marktentwicklung
Nur beim Anbieter abschließbar
Esyoil
  • findet oft den günstigsten Lieferanten
  • verschiedene Angebote pro Abfrage
  • übersichtliche Darstellung
  • aktuelle Informationen zur Marktentwicklung
Nur beim Anbieter abschließbar

Wovon hängt die Höhe des Heizölpreises ab?

Es gibt verschiedene Faktoren, die den Heizölpreis bestimmen – unabhängig von den Kosten für Beschaffung und von der Höhe der Steuern. 

Auf den ersten hast Du nur bedingt Einfluss: Deinen Wohnort. In Süddeutschland sind die Preise in der Regel höher als in Norddeutschland. In der Nähe zu Raffinerien und Tanklagern zahlen Kunden weniger, als wenn sie weiter entfernt von diesen wohnen. Ist die Nachfrage in Deiner Region hoch, sind gewöhnlich auch die Heizölpreise höher als in Regionen mit geringerer Nachfrage. Die meisten Ölheizungen befinden sich dabei in Bayern (23 Prozent) und Baden-Württemberg (18 Prozent).

Die weiteren Faktoren kannst Du selbst bestimmen: die Liefermenge, die Lieferfrist, die Heizölsorte und die Zahlungsart, die Du wählst. In der Regel zahlst Du umso weniger pro Liter, je mehr Du bestellst. Darüber hinaus kannst Du sparen, wenn Du bar oder mit EC-Karte zahlst, keine kurze Lieferfrist wünschst und die Standardsorte bestellst.

Große Bestellmengen kommen billiger 

Je kleiner die Bestellmenge, desto höher ist der Preis pro Liter. Wer dreimal 1.000 Liter statt einmal 3.000 Liter kauft, zahlt in der Regel 100 bis 150 Euro mehr. Das haben wir in unserem Test 2017 festgestellt und in unserem Test 2020 bestätigte sich das. Wer mehr als 3.000 Liter bestellt, zahlt noch ein bisschen weniger pro Liter. Die Ersparnis fällt bei noch größeren Bestellmengen aber kleiner aus. 

Sammelbestellungen - Die wenigsten Haushalte bringen 5.000 Liter in ihren Tanks unter. Um solche Mengen zu bestellen, können sich mehrere Abnehmer zusammentun. Rund 10 Prozent aller Bestellungen bei Heizoel24 und Esyoil sind Sammelbestellungen; bei tanke-günstig sind es sogar 40 Prozent. Dafür, dass dann der Händler Tanks in verschiedenen Häusern befüllt, erhebt er aber einen Aufschlag. Prüfe daher immer erst einmal, ob die Kostenersparnis den Aufwand einer Sammelbestellung rechtfertigt. Manchmal ist es besser, wenn Du und Deine Mitstreiter einzeln Heizöl kaufen.

Wann lohnt sich eine Ratenzahlung? 

Als Alternative zur Sammelbestellung bietet sich eine Ratenzahlung bei Bestellung einer größeren Menge an. Das Zahlen der Rechnung in mehreren aufeinanderfolgenden Monaten gewähren einige Händler seit wenigen Jahren – das Interesse daran ist allerdings nicht sehr groß. Über Heizoel24 nutzen diese Möglichkeit nur 5 Prozent der Kunden. Bei Esyoil liegt der Anteil bei 1,3 Prozent.

Eine Ratenzahlung ist mit Aufschlägen gegenüber dem Bezahlen in bar oder mit Girocard (früher: EC-Karte) verbunden. Wenn Du Deine Lieferung auf einen Schlag bezahlen kannst, ist das immer günstiger, als in Raten zu zahlen. Eine Ratenzahlung kann sich jedoch lohnen, wenn Du so den Preisnachteil einer kleineren Bestellmenge ausgleichen kannst. In unserem Test 2017 stellten wir fest, dass die Mehrkosten bei 3.000 Litern und drei Zahlungsraten bei rund 100 Euro lagen, bei zwölf Raten bei fast 200 Euro. Aber: Wer dreimal 1.000 Liter auf einen Schlag zahlte, gab in Summe mehr aus, als jemand, der 3.000 Liter in drei Raten bezahlte. 

Willst Du nicht in Raten zahlen, ist die Girocard (EC-Karte) das bewährteste Zahlungsmittel. Manchmal verlangen Händler bei Barzahlung Aufschläge. Das Begleichen auf Rechnung oder per Lastschrift ist meist mit Aufschlägen verbunden.

Standard, Premium, Ecotherm – welche Sorte ist am besten? 

Lediglich eine Sorte ist standardisiert: Heizöl extraleicht schwefelarm (kurz „EL schwefelarm“, DIN 51603-1). Lieferanten führen sie nicht unbedingt unter dieser Bezeichnung, sondern geben ihr auch andere Namen: Heizöl normal, Heizöl Standard oder einfach nur Heizöl. Einheitlich ist: Die standardisierte Sorte ist die günstigste und zugleich mit Abstand die beliebteste. Rund 85 Prozent des über die Portale bestellten Heizöls gehört zur Standardsorte.

Fast überall bieten Händler auch eine Sorte mit bestimmten Zusätzen an: „Premium“, „Plus“, „Ecotherm“ oder „Super“ nennt sie sich. Die Zusätze – sogenannte Additive – verteuern das Heizöl, versprechen aber einen Mehrwert. Dieses Öl soll weniger Ablagerungen im Tank bilden und Filter und Düsen der Anlage kaum verstopfen. Die Kosten für Reparatur und Wartung sollen so geringer ausfallen. Auch gegen den typischen Geruch von Heizöl gibt es Zusätze.

Da es keinen Standard für ein „Premium-“ oder „Super-Heizöl“ gibt, lassen sich die Angebote für diese Sorten schwer vergleichen. Für 3.000 Liter Abnahme haben wir die Preise zumindest erhoben: Bei Esyoil und Heizoel24 zahlst Du zwischen 2 und 6 Prozent mehr für die Sorte mit Additiven.

Heizölbestellung 2020: Besonnenheit kann sich auszahlen

Im ersten Halbjahr 2020 verzeichneten die Heizölportale sehr viele Bestellungen. Der Grund war, dass der Preis für Rohöl auf dem Weltmarkt stark gesunken ist. Diese hohe Nachfrage hat jedoch auch dazu geführt, dass die Preise für Heizöl zunächst nicht so stark fielen wie die für Rohöl. 

Im Herbst 2020 erwarten die Portale erneut einen Kundenansturm. Schließlich gilt ab 1. Januar wieder eine Mehrwertsteuer von 19 Prozent und der CO2-Preis fällt an. Die höheren Kosten kannst Du aber nur vermeiden, wenn das Heizöl auch noch 2020 bei Dir im Tank ankommt. Bestelle daher rechtzeitig – und mach Deine Bestellung nicht allein von günstigen Preisen oder einem niedrigen Ölpreis am Weltmarkt abhängig. 

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Welche Unterstützung gibt es für eine alternative Heizung?

Ist Deine Ölheizung in die Jahre gekommen, überlege Dir, welche andere Heizungstechnologie Du einbauen kannst und willst. Der Wechsel auf einen anderen Brennstoff muss nicht mit mehr Arbeit verbunden sein, als wenn Du einen neuen Ölkessel installieren lässt. Bedenke zudem: Ab 2026 darfst Du eine neue Ölheizung nur noch unter bestimmten Bedingungen einbauen.

Der Wechsel zu einem anderen Brennstoff kann sich für Dich schon 2020 lohnen. Holzpellets kosten beispielsweise weniger als Heizöl. Dank Fördermitteln für einen Pelletkessel sind die Vollkosten geringer als für eine neue Ölheizung. Positiv sieht in der Regel auch die Bilanz für eine Gasheizung aus und dürfte sich künftig sogar noch verbessern: Auf Erdgas erhebt der Staat zwar auch den CO2-Preis, aber die Emissionen sind bei Erdgas geringer als bei Heizöl. Daher ist auch die Belastung pro Kilowattstunde geringer als bei Heizöl. Beziehst Du zudem teilweise Biogas, wird der jeweilige biogene Anteil am Brennstoff 2021 und 2022 nicht mit dem CO2-Preis belastet. Allerdings musst Du vor dem Einbau einer Erdgasheizung prüfen, ob ein Anschluss ans öffentliche Verteilnetz in Deinem Wohnort überhaupt möglich ist. 

Gibt es in Deinem Wohnort ein Fernwärmenetz, dann kannst Du Dir auch ein Angebot für einen Anschluss an dieses Netz machen lassen und die Preise für die Wärmelieferung erfragen. Fernwärme ist in der Regel teurer als eine Heizung mit Pellets, Heizöl oder Erdgas. Die Kosten für den Anschluss sollten jedoch geringer sein als die Investitionskosten für einen neuen Heizkessel. Und Du sparst Dir die Betriebskosten für die eigene Heizung.

Schwierig ist es, eine Wärmepumpe in einem weniger energieeffizienten Gebäude zu nutzen. Zudem sollte es Flächenheizungen in Deinem Haus geben. Der Umbau des Wärmeverteilsystems und eine energetische Sanierung sind zwar aufwändig, aber auch hierfür gibt es Fördermittel über die KfW-Bank.

Fördermittel für Ausbau alter Ölkessel und Einbau neuer Heizanlagen

Sowohl für den Ausbau alter Ölkessel als auch für die Installation moderner Heizungsanlagen gibt es seit 2020 höhere Fördermittel. Tauschst Du Deine Heizung gegen eine umweltfreundlichere aus, übernimmt der Staat folgende Anteile der Kosten:

  • bis zu 45 Prozent beim Einbau einer Wärmepumpe
  • bis zu 45 Prozent beim Einbau eines Biomasseheizkessels
  • bis zu 40 Prozent beim Einbau einer Gas-Hybridheizung in Verbindung mit einer solarthermischen Anlage, einer Wärmepumpe oder eines Biomasseheizkessels

Bei der Förderung ist es egal, ob Du selbst in Deinem Haus wohnst oder es vermietest. Sie ist beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) zu beantragen, bevor Du ein Installationsunternehmen beauftragst. Das Förderprogramm läuft bis 31. Dezember 2021, wird aber vielleicht auch darüber hinaus verlängert.

Auch Bundesländer und Kommunen haben Förderprogramme zum Einbau von Heizungen auf Basis erneuerbarer Energien. Eine Übersicht findest Du im Ratgeber für solarthermische Anlagen. Über einen Fördermittel-Check beim gemeinnützigen Verbraucherportal CO2-online kannst Du Dir die Förderprogramme für Heizungen an Deinem Ort anzeigen lassen.

Beratung und steuerliche Vorteile

Alternativ kannst Du die Kosten für eine neue Heizung ab 2020 von der Steuer absetzen, wenn Du selbst im Haus wohnst: Insgesamt bis zu 20 Prozent, verteilt über drei Jahre. Du darfst dazu aber keine Fördermittel in Anspruch nehmen.

Wie teuer Dich eine neue Heizanlage zu stehen kommt, wie Du sie finanzierst und wie stark Du Deinen Wärmeverbrauch senken kannst, erfährst Du über den Modernisierungs-Check des gemeinnützigen Verbraucherportals CO2-online. Zudem erklären Dir Energieberater in den mehr als 700 Beratungsstellen der Verbraucherzentralen, welche Heiztechnologie für Dein Haus und Deinen Bedarf geeignet ist. 

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Hast Du eine Frage zum Kauf von Heizöl? Diskutiere mit anderen Lesern in der Finanztip-Community!

Ergebnisse früherer Finanztip-Untersuchungen

 

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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 13.11.2020 11:30:00 +0000
Kfz-Steuer : So funktioniert die Kraftfahrzeugsteuer https://www.finanztip.de/kfz-steuer/ https://www.finanztip.de/?id=186Kfz-Steuer
Das Wichtigste in Kürze
  • Hubraum und Kohlendioxid-Ausstoß Deines Autos bestimmen, wieviel Kfz-Steuer Du zahlen musst.
  • Mit der Zulassung meldest Du Dein Auto auch zur Steuer an. Du brauchst nichts weiter zu tun.
  • Steuertarife und auch Freibeträge haben sich über die Zeit verändert. Was für Dich gilt, richtet sich immer nach dem Datum der Erstzulassung.
  • Steuern für Anhänger und Wohnmobile werden nach Gewicht und Schadstoffklasse berechnet, Motorräder allein nach Hubraum. Für Oldtimer gilt ein Pauschalbetrag.
So gehst Du vor
  • Melde Dein neues Auto noch bis Ende 2020 an! Ab 2021 wird der CO2-Ausstoß höher besteuert – und Du zahlst mehr. 
  • Wähle ein umweltschonenderes Auto. Dann zahlst Du weniger Steuern. Elektrofahrzeuge etwa sind längstens bis 2030 von der Kfz-Steuer befreit.
  • Einen Antrag auf Steuerbefreiung und -erleichterung reichst Du beim Zollamt in Deiner Region ein.

Für Diesel-Autos zahlt man höhere Steuern, Benziner sind günstig. Klingt einfach. Doch bei der Kraftfahrzeugsteuer steckt der Teufel im Detail. Und die siebte (!) Reform hat einen neuen Steuertarif mit sieben Stufen und weitere Änderungen im Gepäck. Wie Du am besten den Überblick behältst und was Du tun musst, um Kosten rund um Dein Auto einzusparen, erfährst Du in diesem Artikel. 

Wie wird die Kfz-Steuer für Pkw berechnet?

Wenn Du wissen willst, wieviel Steuern Du für Dein Auto zahlen musst, kannst Du das ganz einfach selbst berechnen. Je nachdem wie alt Dein Wagen ist, brauchst Du mehr oder weniger Informationen dafür. Für alle Autos, die bis einschließlich 4. November 2008 zugelassen wurden, sind allein Größe des Hubraums und Schadstoffklasse ausschlaggebend. Den Hubraum kannst Du unter anderem im Fahrzeugschein ablesen. Die Schadstoffklasse Deines Wagens ergibt sich aus einer Schlüsselnummer, die Du ebenfalls im Fahrzeugschein findest.

Bei Autos, die seit dem 5. November 2008 zugelassen werden, spielen Hubraum und Kohlendioxid-Ausstoß (CO2-Ausstoß) eine Rolle:

Schritt 1: Ermittle zunächst den sogenannten Sockelbetrag, den der Hubraum Deines Autos vorgibt. Für einen Benziner fallen je angefangene 100 Kubikzentimeter 2 Euro an, für einen Diesel 9,50 Euro je Kubikzentimeter. 

Schritt 2: Berechne dann den Anteil für die CO2-Emission. Grundsätzlich beträgt dieser 2 Euro pro Gramm. Allerdings gibt es Freibeträge, die sich je nach dem Jahr der Erstzulassung unterscheiden:

  • 120 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Kilometer bei Erstzulassung bis Ende 2011;
  • 110 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Kilometer bei Erstzulassung ab 2012 bis Ende 2013 und
  • 95 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Kilometer bei einer späteren Erstzulassung.

Schritt 3: Addiere nun den Sockelbetrag und den Anteil für den Kohlendioxid-Ausstoß.

Dieselautos mit einem hohen Kohlendioxidausstoß werden somit immer am höchsten besteuert.

Beispiel: Für einen VW Golf mit 1.390 Kubikzentimeter Hubraum, Benziner, Erstzulassung 2013, zahlt der Halter 28 Euro Hubraumanteil. Von den 149 Gramm Kohlendioxid, die der Wagen pro Kilometer ausstößt, sind die ersten 110 Gramm steuerfrei. Es kommen also weitere 78 Euro hinzu. Insgesamt ergibt sich daraus eine Jahressteuer in Höhe von 106 Euro. Wurde der Wagen 2014 erstmalig zugelassen, sinkt der Freibetrag. Dann fallen 108 Euro für den CO2-Ausstoß an und die Jahressteuer beträgt 136 Euro.

Neues CO2-Messverfahren seit 1. September 2018

Der VW-Abgasskandal hat Manipulationen der Autohersteller beim Festlegen des CO2-Ausstoßes ans Licht gebracht. Daher wird seit September 2018 ein neues Testverfahren zur Bestimmung der Kfz-Steuer verwendet: Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure (WLTP).

Beim zuvor genutzten Verfahren hatten die Hersteller mehr Möglichkeiten, künstlich gute Werte auf dem Prüfstand zu erzeugen. Das WLTP-Verfahren hingegen schreibt Messungen vor, die sich mehr an wirklichen Fahrbedingungen orientieren. Raus kommen dann Abgasangaben, die dem Ausstoß im realen Straßenbetrieb zumindest ähnlich sind. Die Folge: Eine höhere Bemessungsgrundlage für die Kfz-Steuer, also höhere Kosten. Unter anderem die Europäische Union hat die WLTP-Methode mittlerweile als verbindlich eingeführt.

Je nach Datum der Neuzulassung Deines Autos gilt ein anderes Berechnungsverfahren. Hier eine Orientierung:

Berechnungsmethoden der KFZ-Steuer

Erstzulassung Berechnungsmethode
Bis 4. November 2008 Hubraum + Schadstoffklasse
5. November 2008 bis 30. Juni 2009 Günstigerberechnung
Juli 2009 bis August 2018

Hubraumanteil

pro 100 cm3

CO2-Anteil

in g/km

Benziner

2 €

 


Selbstzünder

9,50 €

2 €
Freibeträge:
ab 2011: 120 g/km
ab 2013: 110 g/km

ab 2014: 95 g/km

September 2018 bis Dezember 2020

2 €

WLTP-Verfahren
Freibetrag: 95 g/km

ab 2021 Steigender Steuertarif:
95 g/km – 115 g/km: 2,00 €
115 g/km - 135 g/km: 2,20 €
135 g/km - 155 g/km: 2,50 €
155 g/km - 175 g/km: 2,90 €
175 g/km - 195 g/km: 3,40 €
über 195 g/km: 4,00 €

Quelle: Kraftfahrzeugsteuergesetz unter Berücksichtigung des 7. KraftStÄndG (Stand: 30. Oktober 2020)

Was gilt für spezielle Fahrzeugtypen?

Oldtimer - Fahrzeuge, die vor mindestens 30 Jahren erstmals zugelassen wurden und sich in einem erhaltenswerten Zustand befinden, können ein H-Kennzeichen bekommen. Für solche historischen Fahrzeuge gibt es eine pauschale Kfz-Steuer in Höhe von 191,73 Euro, für Motorräder 46,02 Euro. Details hierzu erfährst Du im Ratgeber Oldtimer.

Elektrofahrzeuge - Bei einer Erstzulassung eines elektrisch betriebenen Fahrzeugs ab dem 18. Mai 2011 ist der Wagen zehn Jahre lang von der Kfz-Steuer befreit. Das gilt jedoch höchstens bis 31. Dezember 2030. Das Mitte 2016 in Kraft getretene Gesetz zur steuerlichen Förderung von Elektromobilität dehnt diese Regelung auf umgerüstete Fahrzeuge aus. Demnach gilt die Steuerbefreiung auch, wenn ein Fahrzeug ab dem 18. Mai 2016 so umgerüstet wurde, dass es emissionsfrei fährt. Die Steuerbefreiung bezieht sich auf Erstzulassungen bis Ende 2025. Je früher Du ein E-Auto neu anmeldest, umso länger kannst Du also von der Steuerbefreiung profitieren. Ist diese abgelaufen, richtet sich die Steuer für Elektroautos nach deren Gesamtmasse und wird um die Hälfte ermäßigt.

Flankiert wird die Kfz-Steuerbefreiung mit Vorteilen bei der Lohnsteuer. So dürfen Arbeitnehmer ihr Elektroauto beim Arbeitgeber lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei aufladen. Um den Neukauf von E-Autos anzukurbeln gibt es aktuell Kaufprämien von bis zu 9.000 Euro. Vergeben werden diese so lange, bis der Fördertopf leer ist, höchstens bis 2025.

Kaufe oder lease einen Elektro- oder Hybrid-Dienstwagen: Im Zeitraum 2019 bis 2030 musst Du deutlich weniger Steuern für den geldwerten Vorteil zahlen. Dein Arbeitgeber kann die Berechnungsgrundlage, den Bruttolistenpreis, halbieren. Fahrtenbuchnutzer setzen entsprechend die Hälfte der Kosten an. Für ein ab 2020 erstmals überlassenes E-Auto, ohne CO2-Ausstoß, fallen monatlich sogar nur 25 Prozent des Bruttolistenpreises an.

Autogas- und Erdgas-Fahrzeuge - Für Fahrzeuge, die mit Autogas oder Erdgas fahren, gibt es übrigens keine Ermäßigung bei der Kfz-Steuer. Dafür ist der Kraftstoff billiger: Fahrer, die Autogas (LPG) tanken, bekommen seit Ende 2018 an der Zapfsäule einen Rabatt auf die Energiesteuer (ehemals Mineralölsteuer). Seitdem steigt die Steuer jährlich um 20 Prozent, bis im Jahr 2023 der reguläre Steuersatz von 22,09 Cent pro Liter für Flüssiggas fällig wird. Es sind jedoch immer weniger Autos mit diesem Kraftstoff unterwegs. 

Das Steuerprivileg für die rund 100.000 Erdgas-Fahrzeuge bleibt hingegen bis Ende 2023 bestehen. Danach wird auch die Steuer auf Erdgas (CNG) bis 2027 schrittweise auf 44,52 Cent pro Kilogramm angehoben.

Motorräder - Diese Fahrzeuge werden bei der Kfz-Steuer nach Hubraum besteuert. Leichtkrafträder bis maximal 11 Kilowatt und 125 Kubikzentimeter sind steuerfrei. Bei größeren Maschinen verlangt der Fiskus 1,84 Euro je angefangene 25 Kubikzentimeter Hubraum.

Wohnmobile - Wenn das Fahrzeug zu Wohnzwecken genutzt werden kann, könnte es als Wohnmobil zugelassen werden. Zur Mindestausstattung gehören: fest eingebaute Schlafplätze, wozu auch umgeklappte Sitze zählen; eine Sitzgelegenheit mit Tisch; eine Küche mit Kochstelle und Spüle sowie Stauraum. Die Kfz-Steuer bemisst sich nach dem Fahrzeuggewicht und der Schadstoffklasse.

Beispiel: Für einen Caravan mit einem Gesamtgewicht von 2.700 Kilogramm in der Schadstoffklasse S2 und einem Gewicht bis 2.000 Kilogramm zahlt der Besitzer 24 Euro je angefangene 200 Kilogramm, das sind 240 Euro. Über 2.000 Kilogramm zahlt er weitere 10 Euro pro angefangene 200 Kilogramm, das macht noch einmal 40 Euro. Insgesamt kommt der Halter so auf eine Jahressteuer von 280 Euro.

Anhänger - Allein nach Gewicht wird die Kfz-Steuer für zulassungspflichtige Anhänger berechnet: Für je 200 Kilogramm sind 7,46 Euro fällig, bis zu einer Höchstgrenze von 373 Euro. Mit einem grünen Kennzeichen kann ein Anhänger steuerfrei genutzt werden. Das gilt für Anhänger

  • zum Transport von Sportgeräten wie beispielsweise Pferdetransporter oder Anhänger für Boote
  • hinter Zugmaschinen, für die bereits ein Anhängerzuschlag festgesetzt wurde

Lastkraftwagen - Die Steuer für einen Lkw bemisst sich ebenfalls nach dem zulässigen Gesamtgewicht und erhöht sich in 200 Kilogramm-Schritten. Der Tarif ist zudem gewichtsmäßig gestaffelt, sodass schwerere Lastwagen progressiv besteuert werden. Übersteigt das Gewicht 3,5 Tonnen, fließen in die Steuerberechnung auch noch die Schadstoff- und Geräuschklassen ein.

Leichte Nutzfahrzeuge - Während Lkw nach Gewicht besteuert werden, galt dies zwischenzeitlich nicht für leichte Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen. Das sind Autos, die mehr Sitzfläche bieten als Fläche zum Gütertransport. Diese etwas umständliche Regelung hat sich in der Praxis nicht bewährt und zu vielen Fehlern geführt. Auch leichte Nutzfahrzeuge werden ab 2021 wieder nach Gewicht besteuert und sind damit im Normalfall günstiger. Davon profitieren vor allem Handwerksbetriebe und Familien. Sie setzen häufig solche Fahrzeuge ein, mit denen sie sowohl Menschen als auch Güter transportieren können.

Wie kannst Du Kfz-Steuer sparen?

Umweltschonende Autos wählen - Der aktuelle Steuertarif begünstigt vor allem kleine und kompakte Wagen, die wenig Kohlendioxid ausstoßen. Am besten bist Du dran, wenn Du Dir ein Elektrofahrzeug zugelegt hast oder Dir eines anschaffen willst. Denn diese Autos sind für einen langen Zeitraum steuerfrei. Dieselautos sind hingegen bei der Steuer deutlich teurer.

Rüste Dein Fahrzeug nach - Auch für ein vormaliges Hybridfahrzeug, das jetzt ausschließlich mit elektrischem Antrieb funktioniert, kannst Du Dich von der Kfz-Steuer befreien lassen. Eine andere Umbaumöglichkeit betrifft ältere Benziner: Für Modelle, die nach dem alten System in der Schadstoffklasse Euro 1 besteuert werden, kann es sich finanziell lohnen, einen Kaltlaufregler einbauen zu lassen. Der Einbau bewirkt, dass der Motor schneller auf Betriebstemperatur kommt. Dadurch wird der Kraftstoff leichter verbrannt, und der Motor hat bessere Abgaswerte.

Für den Wagen bedeutet das einen Sprung in die günstigere Schadstoffklasse 2 oder D3. Kaltlaufregler kosten zwischen 130 und 160 Euro, hinzu kommen die Kosten für den Einbau. Wichtig: Du solltest das Element keinesfalls selbst einbauen. Denn die Zulassungsbehörde wird die Schadstoffklasse nur dann umschreiben, wenn Du die Einbaubestätigung eines Fachbetriebs vorlegen kannst. Die Behörde informiert auch das Hauptzollamt über die Änderung.

Für Dieselfahrzeuge kann sich insbesondere der Einbau eines neuwertigen Katalysators positiv bei der Kfz-Steuer auswirken. Allerdings können die Nachrüstkosten relativ hoch ausfallen.

Jährlich zahlen - Die Kfz-Steuer solltest Du jährlich in einem Betrag zahlen. Das ist – übrigens wie bei der Kfz-Versicherung – am günstigsten. Zahlst Du in Raten, verlangt die Behörde einen Aufschlag von 3 bis 6 Prozent.

Grundsätzlich gilt: Der Zoll zieht die Kfz-Steuer für zwölf Monate im Voraus ein. Übersteigt die Steuer 500 Euro, kannst Du zwar eine halbjährliche Zahlung beantragen, das kostet aber 3 Prozent mehr. Dieser Aufschlag verdoppelt sich auf 6 Prozent, wenn Du vierteljährlich zahlen möchtest. Möglich ist das quartalsweise Zahlen ohnehin nur, wenn Deine Kfz-Steuer insgesamt mehr als 1.000 Euro beträgt.

Befreiung oder Ermäßigung für Schwerbehinderte

Bist Du schwerbehindert, kannst Du Dich als Fahrzeughalter auf Antrag entweder komplett oder zu 50 Prozent von der Kfz-Steuer befreien lassen.

Eine komplette Steuerbefreiung kann es geben bei den Merkmalen „H“ (hilflos), „BI“ (blind/sehbehindert) und „aG“ (außergewöhnliche Gehbehinderung). Sie wirkt sich nur auf ein Kraftfahrzeug aus, das auf Dich als Schwerbehinderten zugelassen ist. Im Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I) wird vermerkt, ob Du als Schwerbehinderter eine Steuervergünstigung für Dein Auto bekommst.

Die Ermäßigung um 50 Prozent kommt in Frage, wenn Du als Schwerbehinderter gehbehindert bist und das Merkmal „G“ im Schwerbehindertenausweis hast. Das Gleiche gilt, falls Du gehörlos bist und das Merkmal „GI“ hast. Um die Ermäßigung für Dein Fahrzeug zu bekommen, musst Du dann aber auf das Recht zur kostenlosen Beförderung in öffentlichen Verkehrsmitteln verzichten.

Achtung: Der Steuervorteil ist personengebunden. Für den Fall, dass nicht die schwerbehinderte Person selbst fährt, müssen die Fahrten ihrer Beförderung dienen. Die Steuervergünstigung steht nur ihr zu. Fallen die Voraussetzungen für die Vergünstigung weg, muss dies dem Hauptzollamt sofort schriftlich angezeigt werden. Andernfalls gilt dies als Steuerhinterziehung.

Steuerbefreiung bei landwirtschaftlicher Nutzung 

Steuerbefreit sind Omnibusse sowie Fahrzeuge, die ausschließlich landwirtschaftlich genutzt werden. Details sind auf der Homepage des Zolls beschrieben.

Weiteres Sparpotential bei Fahrzeugkosten

Wenn man die Gesamtkosten eines Autos addiert, dann ist die Kfz-Steuer eher eine Position von geringerer Höhe. Allerdings fällt sie jedes Jahr an und gehört daher zu einer vollständigen Kalkulation dazu. Viel mehr Spielraum für Einsparungen hast Du bei anderen Kosten, beispielsweise der Kfz-Versicherung. Noch mehr kannst Du sparen, falls Du ohne eigenen Wagen auskommst und auf Carsharing umsteigst.

Mehr zur Kfz-Versicherung in unserem Ratgeber

  • Vergleiche jeden Herbst, ob Deine Kfz-Versicherung noch die günstigste ist.
  • Empfohlener Weg zum günstigsten Tarif: Erst bei Verivox oder Check24 vergleichen, dann Angebot bei der Huk24 einholen.

Zum Ratgeber 

Wer ist für die Kraftfahrzeugsteuer zuständig?

Die „zentrale Auskunft Kraftfahrzeugsteuer“ unter der Telefonnummer 0351/44 834 550 oder per E-Mail unter info.kraftst@zoll.de beantwortet Fragen zur Kfz-Steuer vor Erwerb oder Umrüstung eines Fahrzeugs. Dort erfährst Du alles zu Berechnung, Zahlungsweise, Fälligkeit sowie zu Begünstigungen und Befreiungen von der Steuer.

Konkrete Anträge zum Deinem Steuerfall musst Du ans örtlich zuständige Hauptzollamt richten. Dort kannst Du einen Antrag auf Befreiung oder Begünstigung stellen. Bist Du schwerbehindert, kannst Du einen Antrag auf Steuerbegünstigung bei einer Kontaktstelle des Zolls abgeben. Welche zuständig ist, erfährst Du auf der Homepage des Zolls.

Willst Du ein Fahrzeug ab- oder ummelden, musst Du dich dagegen an die Zulassungsstelle wenden. Das gilt auch, wenn sich Deine Adresse ändert, weil Du umgezogen bist.

Bei der Zulassung musst Du ein Sepa-Basislastschriftmandat erteilen, wenn Dein Fahrzeug nicht von der Steuer befreit ist. Darüber zieht die zuständige Zollverwaltung die Kfz-Steuer ein. Vom Hauptzollamt erhältst Du einen Steuerbescheid, der dauerhaft gültig ist – bis Du den Wagen umrüsten lässt oder ihn abmeldest.

Seitdem der Bund 2009 von den Bundesländern die Verwaltung der Kfz-Steuer übernommen hat, ist einiges schiefgelaufen – insbesondere 2014, als der Zoll übernahm. Zuvor hatten die Finanzämter die Steuer festgesetzt und erhoben. Nach einem Bericht des Bundesrechnungshofs haben einige Hauptzollämter in der Anfangszeit viele falsche, verwirrende oder praktisch unverständliche Bescheide verschickt. Vor diesem Hintergrund solltest Du Deinen Steuerbescheid kritisch überprüfen. Benutze dafür am besten den Kfz-Steuer-Rechner des Bundesfinanzministeriums. Gegen einen falschen Bescheid solltest Du innerhalb eines Monats Einspruch einlegen.

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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 12.11.2020 15:02:00 +0000
Mietpreisbremse : So viel darf ein Vermieter bei Neuvermietung verlangen https://www.finanztip.de/mietpreisbremse/ https://www.finanztip.de/?id=3090Mietpreisbremse
Das Wichtigste in Kürze
  • In rund 350 deutschen Städten und Gemeinden müssen sich Vermieter an die Mietpreisbremse halten. Das bedeutet: Bei Neuvermietung darf der Mietzins nur 10 Prozent über der ortsüblichen Miete liegen.
  • Nur in fünf Ausnahmefällen darf der Vermieter mehr von Dir verlangen.
So gehst Du vor
  • Überprüfe Deine Miete anhand des geltenden Mietspiegels. Liegt sie darüber, solltest Du die Höhe schriftlich innerhalb kurzer Zeit rügen und zu viel gezahlte Miete zurückfordern. Du kannst dazu unser Musterdokument nutzen.

Zum Download

  • Willst Du Dich nicht selbst mit Deinem Vermieter herumärgern, kannst Du Dich ohne Kostenrisiko an wenigermiete.de wenden. Bei Erfolg zahlst Du die Ersparnis von fünf Monaten. Du kannst auch zu einem Mieterverein gehen, dafür musst Du Mitglied werden.

Bist Du gerade auf Wohnungssuche? Dann brauchst Du gute Nerven. Gerade in Ballungsräumen oder Universitätsstädten gibt es wenig bezahlbaren Wohnraum und jede Menge Bewerber. Aber: Dank der Mietpreisbremse dürfen Vermieter in einigen Städten immerhin keine überhöhten Mieten mehr verlangen. Wir erklären Dir, was das für Dich bedeutet und wann Du mit der Mietpreisbremse Geld sparen kannst.

Wo gilt die Mietpreisbremse?

Die Mietpreisbremse gilt nicht überall in Deutschland. Die einzelnen Bundesländer entscheiden selbst, ob und in welchen Städten die Regelungen zur Begrenzung der Miete gelten sollen. Landesverordnungen zur Mietpreisbremse gibt es derzeit in 12 der 16 Bundesländer. Du kannst Dich nur dann auf die Bremse berufen, wenn sie in Deiner Stadt oder Gemeinde anwendbar ist.

Einige Verordnungen waren unwirksam, da eine ausreichende Begründung fehlte, wie zuletzt die Verordnung in Niedersachsen (LG Hannover, Urteil vom 12. August 2020, Az. 7 S 7/20). Auch eine nur nachgeschobene Begründung, wie von Hessen geliefert, reicht nicht aus (BGH, Urteil vom 17. Juli 2019, Az. VIII ZR 130/18). Viele Landesregierungen haben bei der Begründung nachgebessert.

In welchen Städten und Gemeinden die Mietpreisbremse greift

Bundesland

gilt bis wann? gilt wo?
Baden-Württemberg 30. Juni 2025 in 89 Städten und Gemeinden, darunter Stuttgart und die Universitätsstädte Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm und andere
Bayern 31. Dezember 2021 in 162 Städten und Gemeinden, darunter München, Regensburg, Ingolstadt und andere
Berlin 31. Mai 2025 im gesamten Bundesland
Brandenburg 31. Dezember 2020 in 31 Städten, darunter Potsdam und andere
Bremen 30. November 2020 in Bremen mit Ausnahme von Bremerhaven
Hamburg 30. Juni 2025 im gesamten Bundesland
Hessen 26. November 2020 in 31 Städten, darunter Frankfurt, Darmstadt und andere
Mecklenburg-Vorpommern 30. September 2023 Rostock und Greifswald
Niedersachsen 30. November 2021 in 19 Städten und Gemeinden, darunter Braunschweig, Göttingen, Hannover und andere
Nordrhein-Westfalen 30. Juni 2025 in 18 Städten, darunter Münster, Düsseldorf, Köln und andere
Rheinland-Pfalz 7. Oktober 2025 in Mainz, Landau, Speyer, Trier und Ludwigshafen
Thüringen 31. Januar 2021 in Erfurt und Jena

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: November 2020)

In Schleswig-Holstein galt in zwölf Kommunen die Mietpreisbremse. Die Verordnung wurde ein Jahr vor dem geplanten Ablaufdatum im November 2020 vorzeitig aufgehoben. Spätestens mit Ablauf des 31. Dezember 2025 sollen die Rechtsverordnungen in allen Bundesländern auslaufen.

Wie funktioniert die Mietpreisbremse?

In Städten mit einem angespannten Wohnungsmarkt können Vermieter bei einem Mieterwechsel nicht mehr die Miete verlangen, die sie möchten. Erlaubt sind höchstens 10 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete.

Ein Beispiel: Die bisherige Miete für die Wohnung betrug 7,50 Euro pro Quadratmeter. Vergleichbare Wohnungen erzielen Preise bis zu 10 Euro. Die ortsübliche Vergleichsmiete liegt bei 8,50 Euro. Soll die Wohnung jetzt wieder vermietet werden, darf der Vermieter höchstens 9,35 Euro pro Quadratmeter verlangen.

Der Vermieter muss also wissen, ob seine Miete über der ortsüblichen liegt und wie viel er verlangen kann, um nicht später eine böse Überraschung zu erleben. Die durch die Mietpreisbremse gezogenen Obergrenzen sind nämlich zwingend.

Als Mieter kannst Du nach Unterzeichnung des Mietvertrages beanstanden, dass die vereinbarte Miete zu hoch ist und gegebenenfalls Deine Zahlungen kürzen – also während des laufenden Mietverhältnisses.

Wer als Mieter schon bei den ersten Gesprächen anfängt, kritische Fragen zur Miethöhe zu stellen, hat oft keine Chance, die Wohnung zu bekommen. Umso wichtiger ist es, dass Du als Mieter Deine Rechte kennst. Nach Unterzeichnung lohnt es sich immer, den Mietvertrag zu überprüfen. Du kannst erheblich sparen – und handelst auch im Interesse aller anderen Mieter.

Wichtig: Es gibt keine Aufsichtsbehörde, an die Du Dich als Mieter wenden kannst. Das Instrument Mietpreisbremse funktioniert nur, wenn Du selbst darüber wachst und eine zu hohe Miete rügst.

Wann gilt die Mietpreisbremse nicht?

Um den Neubau von Wohnungen sowie Modernisierungen für die Eigentümer attraktiv zu halten, gibt es im Wesentlichen vier Ausnahmen von der Mietpreisbremse. Gemeinsam ist allen: Will sich ein Vermieter darauf berufen, muss er seit dem 1. Januar 2019 seinen Mieter darüber unaufgefordert informieren, dass bei der Wohnung die Regelungen nicht gelten (§ 556g Abs. 1a BGB).

1. Vermieter genießen Bestandsschutz

Hat Dein Vormieter bereits eine hohe Miete gezahlt, bleibt es dabei, auch wenn das mehr ist, als nach der Mietpreisbremse erlaubt. Dein Vermieter darf weiterhin zumindest die Vormiete verlangen, aber nicht mehr (§ 556e Abs. 1 BGB).

Bedingung: Dein Vermieter muss Dich vor Unterschrift unter den Mietvertrag über die Höhe der Vormiete informieren – mindestens in einer E-Mail (§ 556g Abs. 1a Nr. 1 BGB). Teilt Dir Dein Vermieter erst nach Vertragsabschluss schriftlich oder per E-Mail mit, dass die Vormiete schon so hoch war, bist Du als Mieter immerhin noch zwei Jahre geschützt: Du musst nicht mehr als 10 Prozent über dem Mietspiegel zahlen; erst danach musst Du so viel zahlen wie im Vertrag vereinbart und was Dein Vormieter auch gezahlt hat (§ 556g Abs. 1a Satz 3 BGB).

2. Vermietung von Neubauten

Bei Neubauten dürfen Vermieter die Miete frei festlegen, ohne die Mietpreisbremse beachten zu müssen (§ 556f Satz 1 BGB). Neue Mieter müssen sie allerdings darüber informieren, dass die Wohnung nach dem 1. Oktober 2014 erstmals genutzt und vermietet wurde (§ 556g Abs. 1a Nr. 3 BGB). Eine mündliche Info reicht nicht.

3. Umfassende Modernisierung

Auch nach umfassenden Modernisierungen gilt die Mietpreisbremse nicht. Voraussetzung dafür ist, dass sich die Modernisierungskosten etwa auf ein Drittel dessen belaufen, was eine vergleichbare Neubauwohnung kostet. Der Einbau von Isolierglasfenstern zum Beispiel reicht nicht. Diese Ausnahme gilt nur für die erste Vermietung nach der Modernisierung (§ 556f Satz 2 BGB).

Gab es also nach der Sanierung schon einen Vormieter, handelt es sich um die zweite Vermietung. Der Vermieter ist dann an die Mietpreisbremse gebunden und darf höchstens die Miete verlangen, die der Vormieter gezahlt hat. Diese dürfte aber in der Regel weit über dem Mietspiegel liegen.

Vor Unterschrift des Mietvertrags muss der Vermieter dem neuen Mieter klar sagen, dass es sich um die erste Vermietung nach einer umfassenden Modernisierung handelt – nur dann kann er den Mietpreis frei festlegen (§ 556g Abs. 1a Nr. 4 BGB).

4. Andere Modernisierungen

Bei kleineren Modernisierungen ist ein Zuschlag über die Zehn-Prozent-Begrenzung der Mietpreisbremse hinaus möglich. Allerdings nur dann, wenn der Vermieter schon beim Vormieter wegen der Modernisierung die Miete hätte erhöhen dürfen. Er darf dann zusätzlich bis zu 8 Prozent der Modernisierungskosten aufschlagen – also den Anteil der Kosten, den Vermieter auch in laufenden Mietverhältnissen auf ihre Mieter umlegen können (§ 556g Abs. 1a Nr. 2 BGB).

Allerdings muss der Vermieter dem Wohnungsinteressenten in Textform – also per Brief oder E-Mail – mitteilen, dass er in den letzten drei Jahren vor Beginn des Mietverhältnisses die Wohnung modernisiert hat.

5. Zuschlag bei möblierten Wohnungen

Grundsätzlich müssen sich Vermieter auch an die Mietpreisbremse halten, wenn sie möblierte Wohnungen oder Apartments vermieten. Es gibt nur zwei Ausnahmen:

  1. möblierte Wohnungen, die der Vermieter nur für den vorübergehenden Gebrauch vermietet – zum Beispiel Ferienwohnungen,
  2. ein möbliertes Zimmer in einer Wohnung, in der der Vermieter auch wohnt (§ 549 Abs. 2 Nr. 1 und 2 BGB).

Für alle anderen Wohnungen, die der Vermieter möbliert vermietet, gilt die Mietpreisbremse. Zulässig ist aber ein sogenannter Möblierungszuschlag. Wie ein solcher berechnet wird, hat der Gesetzgeber nicht festgelegt. Auch im Mietvertrag muss der Vermieter den Zuschlag nicht gesondert ausweisen. Es ist deshalb für Mieter oft nur schwer nachzuvollziehen, wie sich die Miete bei möblierten Wohnungen zusammensetzt und ob der Vermieter gegen die Mietpreisbremse verstößt.

Wie kannst Du überprüfen, ob Deine Miete zu hoch ist?

Hast Du einen Mietvertrag in einer Stadt unterschrieben, in der die Mietpreisbremse gilt, solltest Du prüfen, ob sich Dein Vermieter an die Mietpreisbremse gehalten hat. Dazu musst Du wissen, wie hoch die ortsübliche Vergleichsmiete ist.

Mietspiegel

Du kannst dazu in den Mietspiegel der Stadt schauen. Oft gibt es einen qualifizierten oder zumindest einen einfachen Mietspiegel. Das kannst Du auf der Website Deiner Stadt oder Gemeinde meist leicht herausfinden. Dann überprüfst Du anhand der Lage und des Ausbauzustands der Wohnung, welche Miete ortsüblich wäre. In einigen Städten gibt es Online-Formulare, mit denen Du schnell den relevanten Mietpreis ermitteln kannst. In Köln müssen Mieter dafür allerdings eine Gebühr von 3,50 Euro zahlen (Stand: 6. November 2020).

Wenn kein Mietspiegel vorhanden ist

Wo es keinen Mietspiegel gibt, wird es etwas schwieriger. Du kannst auf Vergleichsmiet-Datenbanken von Vermieter- und Mieterverbänden zurückgreifen sowie vergleichbare statistische Erhebungen zur ortsüblichen Miete heranziehen. Wende Dich dazu am besten an Deine Stadtverwaltung oder einen Mieterverein.

Wie kannst Du Deine Rechte selbst durchsetzen?

Das Gute ist: Hat Dein Vermieter zu viel Miete verlangt, ist die Vereinbarung über die Höhe unwirksam, nicht aber der gesamte Mietvertrag. Du kannst also in Deiner Wohnung bleiben, musst aber zukünftig nur noch die zulässige Miete überweisen. Zudem muss Dein Vermieter die zu viel gezahlte Miete zurückzahlen (§ 556g BGB). So gehst Du am besten vor:

1. Schritt: Überhöhte Miete rügen

Du musst die überhöhte Miete rügen, um weniger zu zahlen (§ 556g Abs. 2 BGB). Schreib Deinem Vermieter dazu am besten einen  Brief, in dem Du erläuterst, um welchen Betrag die Miete zu hoch ist. Und fordere ihn auf, Deine Mietkürzung zu akzeptieren. Eine ausführliche Begründung, warum die Miete zu hoch ist, musst Du nicht vorlegen. Um einen Beweis in Händen zu haben, solltest Du die Rüge als Einschreiben verschicken.

2. Schritt: Zu viel gezahlte Miete zurückfordern

Als Mieter hast Du bei neueren Mietverträgen einen Anspruch auf Rückzahlung der gesamten Miete, die Du seit Beginn des Mietverhältnisses zu viel gezahlt hast (§ 556g Abs. 2 BGB). Das gilt für alle Mietverträge, die seit dem 1. April 2020 geschlossen wurden. Du musst dazu nur den Verstoß gegen die Mietpreisbremse innerhalb der ersten 30 Monate nach Beginn des Mietverhältnisses beanstanden.

Auch nach 30 Monaten kannst Du noch rügen. Du bekommst dann allerdings nur den Betrag zurück, den Du seit der Rüge zu viel gezahlt hast und auch nur, wenn das Mietverhältnis noch nicht beendet ist.

Hast Du Deinen Mietvertrag vor dem 1. April 2020 unterschrieben, bleibt es für Dich bei der alten Regelung: Deine Rüge wirkt nur für die Zukunft. Zu viel gezahlte Miete bekommst Du erst ab dem Zeitpunkt Deiner Rüge zurück (Art. 229 § 51 EGBGB).

3. Schritt: Zu viel gezahlte Kaution zurückfordern

Zudem muss Dein Vermieter auch einen Anteil der Kaution freigeben, da er auch bei der Kaution von der überhöhten Miete ausgegangen ist. Das solltest Du auch einfordern.

Vorlage Rüge Mietpreisbremse

Musterschreiben.jpg

Du kannst dazu unser Musterschreiben verwenden und Deine Daten entsprechend einfügen.

Zum Download

Was tun, wenn Dein Vermieter die Rüge nicht akzeptiert?

Will Dein Vermieter die Mietzahlung nicht reduzieren, brauchst Du Unterstützung. Du kannst Dich an einen Mieterverein wenden, musst dazu aber Mitglied werden, an einen Rechtsanwalt oder an einen Rechtsdienstleister.

Als Rechtsdienstleister empfehlen wir wenigermiete.de. Seit Januar 2017 setzt das Unternehmen für Mieter die Mietpreisbremse durch. Das Angebot richtet sich an Mieter in allen Städten und Gemeinden, in denen die Mietpreisbremse gilt. Du kannst mit einem Mietrechner auf der Website des Anbieters überprüfen, ob Du zu viel Miete zahlst.

So arbeitet der Rechtsdienstleister: Nach einer Prüfung versendet wenigermiete.de eine Rüge an den Vermieter und klärt alles Weitere mit ihm. Notfalls ziehen sie für Dich vor Gericht. Hat der Dienstleister Erfolg, zahlst Du als Mieter die Ersparnis von fünf Monaten.

Finanztip hat sich das Portal näher angesehen: Wir haben die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) untersucht und uns das genaue Verfahren schriftlich erläutern lassen. Wir halten den Preis für fair, die Kostenstruktur ist transparent und die AGB sind verbraucherfreundlich.

wenigermiete.de ein Angebot der Conny GmbH
Durchsetzung der Mietpreisbremse
  • Angebot für Mieter in allen Städten, in denen die Mietpreisbremse gilt
  • überprüft Miete, versendet Rüge und setzt Mieterrechte durch
  • Erfolgs-Honorar der Mietersparnis von fünf Monaten
  • bei einem Vergleich fallen keine zusätzlichen Kosten an

Welche Erfahrungen gibt es mit der Mietpreisbremse?

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) hat die Wirkung der Mietpreisbremse untersucht und kam Ende 2018 zu dem Ergebnis, dass sich der Mietenanstieg durch die Mietpreisbremse moderat verlangsamt hat.

Der Berliner Mieterverein und der Deutsche Mieterbund beklagen immer wieder, dass sich einige Vermieter nicht an die Mietpreisbremse halten. Nach einer Erhebung des Portals wenigermiete.de lagen im Schnitt mehr als 70 Prozent der insgesamt 10.000 untersuchten Fälle oberhalb der zulässigen Grenze. Mieter zahlten in den sechs erfassten deutschen Großstädten durchschnittlich 220 Euro zu viel im Monat.

Erfahrungen in Berlin

Erfahrungen in Hamburg

Mehr dazu im Ratgeber Rechtsschutzversicherung

Zum Ratgeber

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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 11.11.2020 19:56:00 +0000
Steuertipps 2020 : So sparst Du am Jahresende kräftig Steuern https://www.finanztip.de/steuertipps-jahresende/ https://www.finanztip.de/?id=2242Steuertipps 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Einige anstehende Ausgaben solltest Du unbedingt noch in diesem Jahr tätigen. Andere aufs nächste Jahr verschieben. 
  • Ein weiterer Klassiker: Paare, die bis Ende Dezember noch „Ja“ sagen, können für das ganze zurückliegende Jahr Steuern sparen.
  • Wichtige Anträge vor dem Jahreswechsel: Riester-Zulagen, Wohnungsbauprämie, Arbeitnehmer-Sparzulagen für Vorjahre, freiwillige Einkommensteuererklärung 2016 sowie Freistellungsaufträge und Verlustbescheinigungen bei Deiner Bank.
So gehst Du vor
  • Jetzt noch Geld ausgeben: Ausgaben für den Job, also Werbungskosten, solltest Du bündeln, um über die jährliche Pauschale zu kommen.
  • Auch bei Kosten wegen Krankheiten, lohnt es, hohe Ausgaben in einem Jahr zusammen zu fassen. 
  • Möglichst das Maximum rausholen: Bei haushaltsnahen Dienstleistungen, Handwerkern und für den Minijob zuhause solltest Du gut planen, um Höchstbeträge jedes Jahr auszuschöpfen.
  • Prüfe außerdem, ob die Höhe Deiner Riester- oder Rürup-Beiträge sowie für die betriebliche Altersvorsorge noch passt.

Hast Du schon einmal für ein gefühltes Vermögen Deine Wohnung renovieren lassen und konntest trotzdem nur einen Teil der Handwerkerkosten in Deiner Steuererklärung geltend machen?

Für Handwerkerkosten gibt es einen Jahreshöchstbetrag – und für etliche weitere Ausgaben auch. Sei clever und überprüfe rechtzeitig, inwiefern Du mit Deinen bisherigen Ausgaben im Laufe des Jahres Höchstbeträge bereits erreicht hast. Terminiere klug Deine steuerlich abzugsfähigen Aufwendungen und hol so bei der Steuer noch mehr raus.

Welche Ausgaben solltest Du wann tätigen?

Nicht nur Unternehmer, sondern auch Arbeitnehmer können durch einige Maßnahmen in den letzten Wochen des Jahres noch kräftig Steuern sparen. Oft geht es darum, ob Du noch im alten Jahr investierst oder bestimmte Ausgaben lieber verschieben solltest.

Das hängt nicht nur vom Erreichen von den unterschiedlichen Höchstbeträgen ab, sondern auch von Deiner persönlichen Lebenssituation. Ist abzusehen, dass Deine zu versteuernden Einkünfte im Jahr 2021 deutlich niedriger sein werden als noch 2020, lohnt es sich, vor dem Jahreswechsel schnell Geld auszugeben, damit sich die Ausgaben noch steuermindernd auswirken. Das gilt beispielsweise für den Fall, dass Du bald in Rente gehst, von Arbeitslosigkeit bedroht bist oder wenn eine Elternzeit ansteht.

Natürlich sollte es sich um sinnvolle Ausgaben handeln, die Du einfach nur vorziehst – etwa für eine Weiterbildung, für Büromaterial, Fachliteratur oder ein neues Smartphone als Arbeitsmittel

Erwartest Du hingegen, dass Du im nächsten Jahr – beispielsweise nach einer Beförderung – deutlich mehr verdienst, dann musst Du wegen des progressiv verlaufenden Steuertarifs mit steigenden Steuerzahlungen rechnen. Hier bringen Dir höhere Ausgaben im Jahr 2021 einen größeren Steuerspareffekt.

Solche strategischen Vorüberlegungen stehen am Anfang. Danach überprüfst Du die Rechnungen und Belege für das laufende Jahr und sortierst diese nach den jeweiligen steuerlichen Ausgabekategorien. Entdeckst Du Steuersparpotenzial durch sinnvolle Aufwendungen noch in diesem Jahr? Wenn Du es Dir leisten kannst, dann plane zügig die anstehenden Ausgaben, die steuerlich abziehbar sind. Bedenke, dass es auf den Zahlungszeitpunkt ankommt. Insofern kann eine Vorauszahlung oder Anzahlung steuerlich vorteilhaft sein.

Wie wirken sich Freibeträge beim Lohn aus?

Über das Jahr zahlen viele Arbeitnehmer mehr Lohnsteuer als sie tatsächlich müssten. Denn die Lohnsteuer ist eine Vorauszahlung auf die Einkommensteuer und wird direkt vom Monatsgehalt abgezogen. Wie viel Du dem Finanzamt jedoch tatsächlich schuldest, erfährst Du erst viel später in Deinem Steuerbescheid. Wer übers Jahr weniger Steuern zahlen will, kann sich für bestimmte laufende Belastungen einen individuellen Freibetrag auf der elektronischen Lohnsteuerkarte eintragen lassen.

Voraussetzung hierfür ist, dass Du grundsätzlich mindestens 600 Euro solcher Aufwendungen im Jahr tragen musst. Das können Ausgaben in den unterschiedlichsten Kategorien sein. Bei den Werbungskosten berücksichtigt aber das Finanzamt bei Arbeitnehmern nur die Kosten oberhalb der Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro. 

Den Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung für das laufende Jahr kannst Du bis zum 30. November bei Deinem Finanzamt stellen. Er wirkt sich bereits im Folgemonat in Deiner Gehaltsabrechnung aus. Der komplette Freibetrag für dieses Jahr wird dann auf den verbleibenden Zeitraum des Jahres aufgeteilt. 

Beispiel: Du stellst Deinen Antrag beim Finanzamt im Oktober, dann verteilt der Arbeitgeber Deinen Freibetrag für das Jahr 2020 jeweils zur Hälfte auf die Gehälter im November und Dezember. Stellst Du den Antrag erst im November, dann wird Dein Nettogehalt im Dezember deutlich höher ausfallen und Du hast mehr Bares für Weihnachtsgeschenke.

Im Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung kannst Du den Freibetrag gleich für zwei Jahre beantragen. Der Freibetrag wird als elektronisches Lohnsteuerabzugsmerkmal (ELStAM) gespeichert und vom Arbeitgeber bei der nächsten Gehaltsabrechnung automatisch berücksichtigt.

Um den Freibetrag zu bekommen, musst Du Deine Ausgaben nachweisen können. Dazu können zählen: 

Hier ein paar Beispiele:

Doch Achtung: Gewährt Dir das Finanzamt einen Freibetrag, bist Du zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Mehr zum Thema findest Du in unserem Ratgeber Lohnsteuer-Ermäßigung.

Wann solltest Du die Steuerklasse ändern?

Insbesondere Verheiratete sollten immer mal wieder überprüfen, ob sie noch die passende Steuerklassenkombination haben. Davon hängt ab, wie viel Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer der Arbeitgeber bei der monatlichen Gehaltsabrechnung einbehält.

Verdienen Dein Ehepartner und Du gleich viel, dann seid Ihr beide in der Steuerklasse IV gut aufgehoben. Weichen die Gehälter etwas voneinander ab, könntet Ihr beide in die Steuerklasse IV mit Faktor wechseln. Verdient einer von Euch mindestens 60 Prozent des Familieneinkommens, dann sollte der Besserverdienende in die Steuerklasse III wechseln. Der andere Partner bekommt dann die Steuerklasse V. Den Wechsel der Steuerklasse musst Du beim Finanzamt beantragen.

Zu hohe Steuerabzüge kannst Du natürlich immer mit einer Steuererklärung korrigieren lassen und erhältst dann eine Steuererstattung. Bei Lohnersatzleistungen führt eine ungünstige Steuerklasse jedoch zu einer definitiv geringeren Einnahme.

Erwartet einer von Euch beiden, dass er im nächsten Jahr arbeitslos wird, dann sollte dieser mit einer günstigeren Steuerklasse ein höheres Nettogehalt anstreben. Denn Lohnersatzleistungen richten sich nach dem Nettogehalt. So zählt für das Arbeitslosengeld die Steuerklasse im Januar des Leistungsbezugsjahrs. Auch für das Elterngeld und Elterngeld Plus werdender Mütter und Väter gelten analoge Überlegungen. Derjenige von Euch, der das Kind überwiegend betreuen wird, sollte mindestens sieben Monate vor dem Mutterschutz oder der Geburt in die Steuerklasse III wechseln. So erhöht sich das Nettogehalt und damit auch das Elterngeld.

Bist Du alleinerziehend und lebst nur mit einem oder mehreren Kindern zusammen, solltest Du die günstigere Steuerklasse II beantragen.

Welche Haushaltskosten kannst Du wann absetzen?

Obwohl Kosten der privaten Lebensführung eigentlich nicht von der Steuer absetzbar sind, gibt es einige Ausnahmen, die Du nutzen solltest.

Handwerkerleistungen

Der Staat fördert Renovierungs- und Reparaturarbeiten in Deinem Haushalt. Ob Tapetenwechsel, neue Fenster oder ein renoviertes Bad – diese Handwerkerarbeiten kannst Du in Deiner Steuererklärung geltend machen. 20 Prozent der gezahlten Arbeitskosten kannst Du direkt von Deiner Steuerschuld abziehen, maximal 1.200 Euro pro Jahr. Das entspricht einer Gesamtausgabe von 6.000 Euro. Auch die Anfahrts- und die Gerätekosten fallen darunter, nicht jedoch Materialkosten.

Wenn Du einen Handwerker gegen Jahresende beauftragst, prüf, wie weit Du Deine Möglichkeiten zum Steuerabzug bereits ausgeschöpft hast. Liegen die im laufenden Jahr gezahlten Handwerkerrechnungen nah am Höchstbetrag oder schon darüber, solltest Du den Auftrag – oder zumindest das Bezahlen – auf das kommende Jahr verschieben. Denn für das Finanzamt zählt das Datum der Zahlung, nicht das der Arbeiten oder der Rechnung.

Beispiel: Du hast im laufenden Jahr die komplette Wohnung für 4.000 Euro renovieren lassen und willst am Jahresende das Bad neu gestalten, was nochmals 4.000 Euro kostet. In diesem Fall solltest Du versuchen, mit Deinem Handwerker eine Teilzahlung zu vereinbaren und die Hälfte der Rechnung ins neue Jahr zu schieben, um den Steuervorteil auf zwei Jahre zu verteilen.

Wenn Deine Handwerkerrechnungen im Herbst aber noch weit unter der Höchstgrenze von 6.000 Euro liegen, kann es sinnvoll sein, eine anstehende Reparatur im aktuellen Jahr zu beauftragen und zu zahlen. So bleibt Dir im kommenden Jahr der gesamte Höchstbetrag.

Die Steuerermäßigung setzt voraus, dass Du eine Rechnung hast, in der die Arbeitskosten aufgeführt sind. Außerdem musst Du den Betrag überweisen. Weitere Einzelheiten liest Du in unserem Ratgeber Handwerkerkosten

Haushaltsnahe Dienstleistungen

Auch bei den haushaltsnahen Dienstleistungen solltest Du auf das Datum der Zahlung achten. Das betrifft beispielsweise Kosten für die Pflege eines alten oder kranken Menschen in Deinem Haushalt, eine private Kinderbetreuung und den Lohn für eine Putzhilfe. Arbeitskosten für haushaltsnahe Dienstleistungen bis maximal 20.000 Euro kannst Du in der Einkommensteuererklärung geltend machen. Daraus ergibt sich ein direkter Abzug von bis zu 4.000 Euro jährlich von Deiner Steuerschuld.

Auch Hilfe im Garten oder der Winterdienst zählen dazu. Je nachdem, ob Du den Höchstbetrag schon im laufenden Jahr erreicht hast oder noch weit darunter liegst, kann es sich lohnen, eine aktuelle Rechnung noch in diesem Jahr zu begleichen oder auf den Januar zu schieben. Auch hier gilt, dass die Summe zählt, die Du in einem Kalenderjahr bezahlt hast.

Tipp: Als Mieter kannst Du die Aufwendungen für haushaltsnahe Dienstleistungen aus Deiner Nebenkostenabrechnung in der nächsten Steuererklärung geltend machen, beispielsweise die Hausreinigung oder den Winterdienst. Achte darauf, dass die Posten in der Nebenkostenabrechnung detailliert aufgeschlüsselt und Deiner Wohnung zugeordnet sind. Wenn nicht, frag Deinen Vermieter nach einer entsprechenden Bescheinigung.

Wie Du diese Tätigkeiten genau absetzen kannst, liest Du in unserem Ratgeber Haushaltsnahe Dienstleistungen. Gesetzlich geregelt ist dies im Paragraf 35a Einkommensteuergesetz: „Steuerermäßigung bei Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen“.

Minijob im Privathaushalt

Haushaltsnahe Dienstleistungen kannst Du auch auf andere Weise geltend machen: mit der Beschäftigung einer Haushaltshilfe in Deinem Privathaushalt. Du meldest Deine Kraft, die beispielsweise Deine Kinder oder eine pflegebedürftige Person in Deiner Wohnung versorgt, bei der Minijobzentrale an und zahlst über das Haushalts-Scheckverfahren bis zu 450 Euro monatlich als Lohn. Bis zu 2.550 Euro im Jahr kannst Du als Lohnkosten ansetzen. Davon sind 20 Prozent, also 510 Euro, als maximale Steuererstattung drin.

Schöpfst Du Deine Steuerspar-Möglichkeiten sowohl bei den Handwerkerkosten, den haushaltsnahen Dienstleistungen und beim Minijob optimal aus, bekommst Du insgesamt eine Steuerermäßigung von 5.710 Euro (1.200 + 4.000 + 510 Euro). 

Statt einen Minijobber zu beschäftigen, kannst Du jemanden normal sozialversicherungspflichtig anstellen. Diese Tätigkeit ist als haushaltsnahe Dienstleistung absetzbar. Die steuerliche Höchstgrenze beträgt 20 Prozent der Ausgaben von höchstens 20.000 Euro, also maximal 4.000 Euro.

Als Minijobber oder sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer kannst Du einen Verwandten anstellen, der nicht in Deinem Haushalt wohnt.

Mindestlohn beachten

Bei einem Minijob darfst Du grundsätzlich monatlich höchstens 450 Euro Lohn zahlen. Der gesetzliche Mindestlohn steigt von 9,35 Euro pro Stunde auf 9,50 Euro ab Januar 2021 und im Juli 2021 sogar auf 9,60 Euro. Der Arbeitgeber zahlt meistens die pauschalen Abgaben.

Damit der mit Mindestlohn vergütete Minijob für den Arbeitnehmer steuer- und sozialversicherungsfrei bleibt, darf er höchstens 48 Stunden im Monat arbeiten. Möglicherweise musst Du zum 1. Januar 2021 die Stundenzahl, die Du mit Deinem Minijobber im Arbeitsvertrag vereinbart hast, auf 47 Stunden und ab Juli 2021 auf 46 Stunden reduzieren. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Du Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge nachzahlen musst, wenn Ihr die Minijob-Grenze überschreitet. 

Wie möglichst hohe Krankheitskosten absetzen?

Brauchst Du Zahnersatz, eine neue Brille oder sogar eine Augen-Laser-OP? Dann sind dies Krankheitskosten, die Du als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen kannst. Allerdings erst, wenn diese Ausgaben eine nach Auffassung des Gesetzgebers zumutbare Belastung überschreiten.

Deine individuelle Belastungsgrenze ermittelt das Finanzamt. Je nach Familienstand, Anzahl der Kinder und Gesamtverdienst liegt diese bei 1 bis 7 Prozent Deiner Jahreseinkünfte. Es gibt drei Einkommensstufen mit steigenden Prozentsätzen. Seit dem Urteil des Bundesfinanzhofs vom 19. Januar 2017 (Az. VI R 75/14) gilt eine für Steuerzahler günstigere stufenweise Berechnung der zumutbaren Belastung. Nur der Teil des Gesamtbetrags der Einkünfte, der den Grenzbetrag übersteigt, wird mit dem jeweils höheren Prozentsatz belastet. Dadurch können Steuerpflichtige früher und höhere Beträge als außergewöhnliche Belastungen absetzen.

Beispiel: Ein Ehepaar mit zwei Kindern hat einen Gesamtbetrag der Einkünfte von 58.550 Euro. Früher wurden 4 Prozent des Gesamtbetrags, also 2.340 Euro, als zumutbare Belastung festgesetzt. Jetzt setzt sie sich aus drei Teilbeträgen auf jeder Einkommensstufe zusammen; sie beträgt jetzt nur noch 1.675 Euro. Die darüber liegenden Kosten sind steuerlich absetzbar.

Ledige ohne Kinder müssen mindestens 5 Prozent, höchstens aber 7 Prozent des Gesamtbetrags ihrer Einkünfte als zumutbare Belastung tragen. Auf der Website des Bayerischen Landesamts für Steuern kannst Du Deine individuelle zumutbare Belastung berechnen.

Entscheidend ist immer das Datum der Zahlung, für welches Jahr das Finanzamt die Kosten anerkennt. Deswegen solltest Du immer darauf hinwirken, dass Deine planbaren hohen Ausgaben möglichst in einem einzigen Kalenderjahr entstehen. Statt einer Rechnung im Dezember und einer zweiten im Januar sollte der Zahnarzt Dir die gesamten Kosten noch in diesem Jahr in Rechnung stellen. Je höher die gebündelten Kosten, desto eher kommst Du über Deine Belastungsgrenze.

Da Du immer erst am Jahresende weißt, ob Deine Krankheitskosten die zumutbare Belastung übersteigen, solltest Du schon im laufenden Jahr alle Rechnungen sammeln

Typische Krankheitskosten findest Du hier:

  • Eine neue Brille kann schnell ein paar Hundert Euro kosten, Zuzahlungen von der Krankenkasse gibt es kaum;
  • auch beim Zahnersatz, 
  • für orthopädische Schuhe, 
  • Prothesen,
  • Massagen oder heilpraktische, krankengymnastische Anwendungen, 
  • sowie verordnete psychoanalytische oder -therapeutische Behandlungen zahlst Du einen großen Eigenanteil;
  • Zuzahlungen zu rezeptpflichtigen Medikamenten sind anrechenbar;
  • es zählen auch die Fahrtkosten zu Ärzten, Krankenhäusern und Apotheken.

Tipp: Neben den Krankheitskosten gehören auch Ausgaben für die Wiederbeschaffung von Hausrat, beispielsweise nach einer Überschwemmung, zu den außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art. Man kann diese Ausgabenarten zusammenfassen, um die Belastungsgrenze zu erreichen.

Mehr dazu liest Du in unseren ausführlichen Ratgebern Außergewöhnliche Belastungen und Krankheitskosten.

Privat Krankenversicherte: 2020 Beiträge vorauszahlen?

Im Jahressteuergesetz 2019 wurde eine Änderung bei den Sonderausgaben umgesetzt, die privat Krankenversicherte betrifft. Bist Du einer von ihnen, dann kannst Du die Beiträge zu Deiner Basiskranken- und Pflegepflichtversicherung in tatsächlicher Höhe unbegrenzt als Vorsorgeaufwendungen absetzen.

Das gilt im Zahlungsjahr grundsätzlich auch für Vorauszahlungen für Folgejahre. Wobei es eine gesetzliche Begrenzung gibt: Nunmehr darfst Du bis zum Dreifachen des laufenden Jahresbeitrags vorauszahlen (bis 2019: nur maximal 2,5-fache) und komplett im Zahlungsjahr absetzen. Diese Begrenzung gilt jetzt für jegliche Beitragsvorauszahlungen, auch für eine Beitragsentlastung im Alter. Die überschießenden Beiträge sind erst in dem Jahr absetzbar, für das Du sie bezahlt hast (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 4 EStG).  

Wie kannst Du Werbungskosten effektiv einsetzen?

Beruflich verursachte Ausgaben kannst Du als Werbungskosten geltend machen und auch in diesem Fall kann das Datum der Zahlung entscheiden, wie viel der Fiskus anerkennt. 1.000 Euro werden jedem Arbeitnehmer pauschal als Werbungskosten vom zu versteuernden Einkommen abgezogen. Erst die Ausgaben, die darüber liegen, machen sich richtig bezahlt.

Hast Du einen langen Arbeitsweg, trägst Du Dienstreisekosten selbst, musst Du aus beruflichen Gründen umziehen oder möchtest Du eine Weiterbildung machen, die Dich beruflich weiterbringt? Dann bietet sich auch hier die Möglichkeit, die Ausgaben geschickt so zu terminieren, dass Du über den Arbeitnehmerpauschbetrag kommst.

Liegst Du mit Deinen beruflichen Fahrtkosten, mit Fachliteratur oder Ausgaben für Arbeitsmittel im aktuellen Jahr knapp unter 1.000 Euro, dann plane eine anstehende Weiterbildung so, dass Du die Rechnung noch im laufenden Jahr zahlen kannst. Planst Du dagegen fürs kommende Jahr weitere berufsbedingte Ausgaben, solltest Du Deine Weiterbildung vielleicht erst im Januar zahlen. So kannst Du womöglich dann den Pauschbetrag „knacken“.

Beachte im Corona-Jahr 2020, dass Du bei den Fahrtkosten nur die tatsächlich erfolgten Fahrten mit der Entfernungspauschale absetzen kannst. Wahrscheinlich bist Du wie viele Arbeitnehmer auch kaum noch ins Büro gefahren und darfst daher deutlich weniger Fahrtkosten absetzen. Stattdessen kannst Du möglicherweise die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer absetzen. 

Was alles zu den Werbungskosten gehört, liest Du in unserem Ratgeber Werbungskosten.

Sofortabschreibung nutzen

Wenn Du einen privaten Gegenstand mindestens zu 10 Prozent beruflich nutzt, kannst Du den jeweiligen Kostenanteil steuerlich absetzen. Nutzt Du das Arbeitsmittel mindestens zu 90 Prozent beruflich, darfst Du die kompletten Kosten absetzen. 

Ein Arbeitsmittel, das netto bis zu 800 Euro kostet, also mit 19 Prozent Mehrwertsteuer höchstens 952 Euro, gilt als ein sogenanntes geringwertiges Wirtschaftsgut (GWG). Dieses darfst Du in kompletter Höhe sofort abschreiben. Daher kann es sich lohnen, einen Laptop, den Du ohnehin benötigst, noch im alten Jahr zu kaufen. Einen geschätzten beruflichen Anteil von 50 Prozent akzeptieren die Finanzämter in der Regel. 

Ähnliche Überlegungen gelten zum Beispiel für einen Schreibtisch oder einen Schrank in Deinem Arbeitszimmer. Unabhängig, ob das Finanzamt ein Arbeitszimmer bei Dir anerkennt, kannst Du beruflich benötigte Arbeitsmittel absetzen. Liegen die Kosten oberhalb der GWG-Wertgrenze musst Du Dein Büromöbelstück über 13 Jahre abschreiben, einen Computer über drei Jahre, ein Smartphone über fünf Jahre.

Doppelte Haushaltsführung

Benötigst Du für den Job eine zweite Wohnung am Arbeitsort? Damit das Finanzamt bei einem Alleinstehenden eine doppelte Haushaltsführung anerkennt, muss dieser nachweisen können, dass er mindestens 10 Prozent der laufenden Kosten für den gemeinsamen Haushalt bezahlt hat. Mit einer Überweisung bis zum Jahresende lässt sich dies belegen. 

Worauf müssen Dienstwagennutzer achten?

Arbeitgeber haben viele Möglichkeiten, ihren Mitarbeitern Gehaltsextras zu gewähren – zum Beispiel einen Dienstwagen.

Dienstwagenfahrer können Fahrtenbuch führen

Bist Du selbstständig oder Arbeitnehmer, der einen Firmenwagen auch privat nutzen darf, musst Du dafür einen geldwerten Vorteil versteuern. Viele Steuerpflichtige wählen die pauschale Ein-Prozent-Regelung. Oft ist jedoch die alternative Fahrtenbuchmethode steuerlich deutlich günstiger. Ein Wechsel der Methode ist nur zum Jahresanfang möglich, weil ein Fahrtenbuch das ganze Jahr über lückenlos geführt werden muss.

Überlege Dir, ob Du Dir möglicherweise noch vorher zum Beispiel ein elektronisches Fahrtenbuch zulegst. Dies spart gegenüber einem handgeschriebenen auf jeden Fall viel Zeit.

Fälle, in denen tendenziell ein Fahrtenbuch steuerlich die günstigere Variante ist, sind folgende:

  • Der Bruttolistenneupreis des Autos ist hoch.
  • Du nutzt ein altes, gebrauchtes oder bereits abgeschriebenes Fahrzeug.
  • Du fährst relativ wenig privat.
  • Du pendelst mit dem Auto zum Arbeitsort und hast eine weite Strecke.
  • Die absetzbaren Fahrzeugkosten sind relativ gering.

Wenigfahrer sollten die Einzelbewertung wählen 

Ist absehbar, dass Du 2021 weniger oft von zuhause zum Betrieb fahren wirst – vielleicht wegen Kurzarbeit oder Homeoffice? Dann solltest Du eine Möglichkeit nutzen, um weniger Steuern für den geldwerten Vorteil zahlen zu müssen: die Einzelbewertung der Fahrten.

Sie ist möglich, wenn Du Deinen Dienstwagen an weniger als 180 Tagen im Jahr verwendest, um damit von der Wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte zu pendeln. Du musst dann notieren, an welchen Tagen Du ihn dafür nutzt. Normalerweise musst Du bei der Ein-Prozent-Regelung 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises pro Entfernungskilometer für jeden Monat ansetzen. Bei der Einzelbewertung sind es hingegen nur 0,002 Prozent je gefahrenem Arbeitstag und Entfernungskilometer. Je weniger Du fährst, umso weniger musst Du versteuern. 

Allerdings darf Dein Arbeitgeber diese Bewertungsmethode nicht während des Jahres wechseln. Nutze daher den Jahreswechsel, um sie zu ändern. Teile Deinem Arbeitgeber rechtzeitig mit, dass Du Deine Fahrten dokumentierst, sodass der Methodenwechsel zu Jahresbeginn möglich ist. Du kannst Dir zu viel gezahlte Steuern über die Anlage N Deiner Steuererklärung zurückholen. 

Steuervorteil für Elektro-Dienstwagen 

Für einen Elektro-Dienstwagen, der erstmals ab dem 1. Januar 2019 gekauft oder geleast wurde, gibt es eine Steuervergünstigung. Zur Berechnung des geldwerten Vorteils wird nur die Hälfte des Bruttolistenpreises herangezogen. Folglich fällt in so einem Fall Deine Steuer- und Abgabenbelastung niedriger aus.

Für reine Elektroautos mit einem Bruttolistenpreis von höchstens 60.000 Euro (bislang nur bis 40.000 Euro) musst Du ab 2020 sogar nur 0,25 Prozent monatlich versteuern. Hat Dein Arbeitgeber einen zu hohen geldwerten Vorteil lohnversteuert, muss er das korrigieren. 

Und eine weitere Vergünstigung aus dem Jahressteuergesetz 2019: Schafft sich ein Unternehmer ab 2020 ein neues allein mit Elektromotor angetriebenes Lieferfahrzeug an, darf er die Hälfte der Anschaffungskosten im Rahmen einer Sonderabschreibung zusätzlich zur normalen Abschreibung absetzen. Das Elektrolieferfahrzeug muss erstmals zugelassen werden und darf höchstens 7,5 Tonnen wiegen (§ 7c EStG). Der Vorteil gilt auch für Elektro-Lastenfahrräder.

Von dieser Steuervergünstigung profitieren kannst Du, wenn Du das Elektrolieferfahrzeug benötigst, um betriebliche Einkünfte zu erzielen, zum Beispiel als Händler oder Landwirt.   

Steuervorteile für Dienstrad und Jobticket

Übrigens: Wenn Du als Arbeitnehmer von Deinem Arbeitgeber ein Dienstfahrrad bekommst, kannst Du von sehr günstigen steuerlichen Regeln profitieren. Steuerfrei ist es, wenn Du es zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erhältst.

Dein Arbeitgeber hat seit Jahresanfang 2019 eine weitere Möglichkeit, Dir und Deinen Kollegen ein steuer- und sozialversicherungsfreies Gehaltsextra zukommen zu lassen: das Job-Ticket für öffentliche Verkehrsmittel. Auch das ist steuerfrei, wenn Du es zusätzlich zum Gehalt bekommst.

Allerdings musst Du diesen Vorteil in Deiner Steuererklärung angeben. Das Finanzamt kürzt dann dementsprechend Deine Entfernungspauschale. Wenn Dein Arbeitgeber für das Jobticket pauschal 25 Prozent Lohnsteuer abführt, wird der Vorteil nicht bei Deiner Pendlerpauschale angerechnet. Dieses Modell kannst Du daher ab 2020 auch bei einer Gehaltsumwandlung nutzen. Dabei zahlt Dir Dein Chef etwas weniger Geld aus, weil er Dir den Unterschiedsbetrag zum bisherigen Gehalt in Form des Jobtickets als Sachlohn gewährt.

Wie kannst Du Dir die volle Riester-Zulage sichern?

Wenn Du kürzlich den Job gewechselt oder eine Gehaltserhöhung bekommen hast, musst Du eventuell Deine Riester-Beiträge anpassen. Denn wer zu wenig in seinen Riester-Vertrag einzahlt, bekommt keine oder gekürzte Zulagen. Überprüf daher Deinen Eigenbeitrag

Der Beitrag, den Du jährlich mindestens einzahlen musst, um Deine vollen Zulagen zu erhalten, liegt bei 4 Prozent Deines rentenversicherungspflichtigen Vorjahres-Bruttos – abzüglich Deines Sparzulagenanspruchs. Für 2020 relevant ist das rentenversichtlicherungspflichtige Bruttoeinkommen 2019. Diesen Betrag kannst Du Deiner Jahresmeldung 2019 zur Sozialversicherung entnehmen.

Kontaktiere nach einer Gehaltserhöhung am besten Deinen Riester-Anbieter. Er wird Dir helfen, die neuen Beiträge zu berechnen und Deine Zahlungen anzupassen. Bis zum Jahresende kannst Du für das laufende Jahr noch nachzahlen.

Der Staat fördert Riester-Sparer, die beispielsweise in eine Rentenversicherung, einen Fondssparplan, einen Banksparplan oder Bausparvertrag investieren, mit einer Grundzulage von 175 Euro. Für jedes Kind, das 2008 oder früher geboren wurde, gibt es eine Zulage von 185 Euro; für nach 2008 geborene Kinder erhältst Du 300 Euro.

Beispiel: Eine alleinstehende Mutter mit einem Kind verdiente 2019 brutto 45.000 Euro. Um für 2020 die volle Zulage für sich (175 Euro) und ihr Kind (300 Euro) zu erhalten, muss sie 4 Prozent davon, also 1.800 Euro abzüglich Zulagen einzahlen: 1.800 Euro - 175 Euro - 300 Euro = 1.325 Euro. Falls sie beispielsweise bis Ende November monatlich 100 Euro eingezahlt hat, insgesamt also bis dahin 1.100 Euro, sollte sie im Dezember insgesamt noch 225 Euro in den Vertrag einzahlen, um die maximale Förderung zu erhalten. Zahlt sie weniger, wird die Förderung prozentual gekürzt.

Ist im Jahr 2020 das Kindergeld für ein Kind weggefallen, weil es beispielsweise 25 Jahre alt geworden ist, dann entfällt die Kinderzulage. Dementsprechend müsstest Du Deinen Eigenbeitrag anpassen. 

Verdienst Du mehr als zirka 52.000 Euro im Jahr, sicherst Du Dir die volle Förderung, wenn Du mindestens folgenden Betrag in Deinen Riester-Vertrag einzahlst: Förderhöchstbetrag 2.100 Euro minus Zulagenanspruch.

Wenn bei einem Ehepaar beide Partner rentenversicherungspflichtig sind und damit jeweils einen Anspruch auf die Riester-Förderung haben, sind insgesamt 4.200 Euro Sonderausgabenabzug möglich  für jeden jeweils 2.100 Euro. Ist allerdings nur einer förderberechtigt, dann kann dieser allein höchstens 2.160 Euro Sonderausgaben absetzen.

Tipp: Wirst Du Vater oder Mutter, teile dies Deinem Riester-Anbieter umgehend mit. So sicherst Du Dir die Kinderzulage. Wenn ein Kind aus der Förderfähigkeit fällt, musst Du dies ebenfalls mitteilen. Innerhalb von vier Jahren kann das Finanzamt zu viel gezahlte Förderung zurückverlangen.

Du kannst entweder die Riester-Zulage bekommen oder bis zu 2.100 Euro als Sonderausgabe in der Steuererklärung abziehen. Das Finanzamt berechnet, welche Alternative für Dich günstiger ist. Dafür musst Du die Anlage AV ausfüllen und Deiner Steuererklärung beifügen.

Falls Du noch nicht riesterst und einsteigen willst, musst Du schnell abschließen. Bis zum 31. Dezember kannst Du in Deinen Riester-Vertrag einzahlen, um die staatliche Förderung für dieses Jahr zu erhalten. Der Mindesteigenbetrag für eine Riester-Förderung liegt bei 60 Euro im Jahr.

Tipp: Falls Du keinen Dauerzulagenantrag abgegeben hast, kann Du Deine Riester-Zulage zwei Jahre rückwirkend beantragen. Du kannst also beispielsweise 2020 noch die Zulagen von 2018 retten, indem Du jetzt den Antrag bei der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen über Deinen Riester-Anbieter einreichst. Beamte sind nur dann zulagenberechtigt, wenn sie ihrer Besoldungsstelle gegenüber schriftlich die Datenübermittlung erlauben.

Auf welche Weise Du riestern kannst und wie viel Geld Du investieren musst, liest Du in unserem Ratgeber zur Riester-Rente.

Diese Riester-Rente passt zu Dir

  • Unsere Anbieter-Empfehlungen für eine Riester-Rentenversicherung: Hannoversche (Tarif AV1) und Huk24 (TarifBRZ24) 
  • Unsere Anbieter-Empfehlungen für einen Riester-Fondssparplan: DWS Toprente Dynamik über Online-Vermittler, Deka Zukunftsplan Classic und Uniprofirente Select (Fonds: Uniglobal II)

  • Unsere Anbieter-Empfehlungen für einen Wohn-Riester: Dr. Klein, Interhyp und Planethome

Zum Ratgeber

Solltest Du Deine Altersvorsorge anpassen?

Auch die Altersvorsorge birgt Sparpotenzial bei der Steuer – sowohl für Arbeitnehmer als auch für Selbstständige.

Betriebliche Altersvorsorge

Falls Du einen Teil Deines Lohns in eine betriebliche Altersversorgung (bAV) investiert, kannst Du steuer- und sozialversicherungsfrei sparen. Dabei sparst Du als Arbeitnehmer über Deinen Arbeitgeber, und der Beitrag wird direkt vom Bruttogehalt einbehalten. Dadurch sinkt die Bemessungsgrundlage sowohl für die Lohnsteuer als auch für die Sozialversicherung; dies senkt die Abgaben Deines Arbeitsgebers für die Sozialversicherung.

Bei einem bereits abgeschlossenen bAV-Vertrag kannst Du noch bis Ende Dezember eine Zuzahlung leisten, die dann für das Jahr 2020 steuerlich zu berücksichtigen ist. Im Rahmen der Entgeltumwandlung kannst Du etwa eine Direktversicherung, eine Pensionskasse oder einen Pensionsfonds besparen. Für 2020 kannst Du bis 3.312 Euro sozialversicherungsfrei sparen (2019: nur bis 3.216 Euro), das sind monatlich 276 Euro. Bis zum doppelten Betrag, also bis 6.624 Euro, bleibt Deine Einzahlung steuerfrei.

Generell musst Du einkalkulieren, dass die steuerliche Förderung dazu führt, dass die Betriebsrente im Alter individuell zu versteuern ist. Bis Du in den Ruhestand gehst, kannst Du jedoch jedes Jahr von etwas weniger Lohnsteuer und Sozialabgaben profitieren.

Bedenke aber, dass der Arbeitgeber und Du bei einer Entgeltumwandlung etwas weniger in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, weil Dein Bruttogehalt um die bAV-Einzahlungen gekürzt wurde. Zudem müssen gesetzlich krankenversicherte Rentner den vollen Beitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung bezahlen, wenn die Betriebsrente über 159,25 Euro monatlich beträgt. Wann sich die Gehaltsumwandlung lohnt, liest Du in unserem Ratgeber Entgeltumwandlung

Rürup-Rentenversicherung

Für Selbstständige ist die Rürup-Rentenversicherung die einzige staatlich geförderte Altersvorsorge. Auch Angestellte könnten diese Form der staatlich geförderten Altersvorsorge nutzen. Es gibt jedoch eine Fördergrenze bei den Vorsorgeaufwendungen, zu denen die Rürup-Beiträge zählen. 2020 liegt diese bei 25.046 Euro (2019: 24.305 Euro). 

Die vom Arbeitgeber als auch die selbst gezahlten Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung sind einzubeziehen. Deshalb lohnt sich aus steuerlichen Gesichtspunkten die Rürup-Rente bei Arbeitnehmern weniger als bei Selbstständigen, die anders als Lohnempfänger keine Arbeitgeber-Zuschüsse zur Altersvorsorge erhalten.

Steuerlich wirken sich 2020 für einen Einzelveranlagten Vorsorgeaufwendungen bis zu 25.046 Euro aus, für zusammenveranlagte Ehegatten insgesamt 50.092 Euro. Das wäre die Höchstsumme, die Du in diesem Jahr in einen bestehenden oder neuen Vertrag einzahlen kannst, um davon steuerlich zu profitieren.

Von diesem Maximalbetrag sind für das Jahr 2020 90 Prozent als Sonderausgaben abzugsfähig, also höchstens 22.542 Euro beziehungsweise 45.084 Euro bei Zusammenveranlagten. Der steuerlich absetzbare Teil erhöht sich bis zum Jahr 2025 auf volle 100 Prozent. 

Für Freiberufler und Selbstständige, die meist erst im Spätherbst überblicken können, ob sie mit einem hohem oder eher niedrigen Jahresgewinn rechnen können, ist die Einzahlung in einen Rürup-Vertrag am Jahresende eine wichtige Möglichkeit, etwas für die eigene Altersvorsorge zu tun und gleichzeitig Steuern zu sparen. Besserverdiener profitieren vom Sonderausgabenabzug am meisten.

Eine Alternative zur Rürup-Rente sind gegebenenfalls freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung. Für das Jahr 2020 könntest Du als Selbstständiger bis zu 15.401 Euro (monatlich höchstens 1.283,40 Euro) Euro einzahlen. Nachzahlungen für das Vorjahr sind noch bis Ende März möglich.

Wohnungsbauprämie beantragen

Bist Du Bausparer? Dann solltest Du Deine Wohnungsbauprämie nicht vergessen. Den Antrag erhältst Du jährlich von Deiner Bausparkasse.

Ehepaare mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen bis 51.200 Euro (ab 2021: 70.000 Euro) und Alleinstehende mit einem Einkommen bis 25.600 Euro (ab 2021: 35.000 Euro) haben Anspruch auf diese Förderung. 

Als Lediger erhältst Du als Wohnungsbauprämie maximal 45,06 Euro im Jahr; bist Du verheiratet, bekommt Ihr das Doppelte (ab 2021: 70 Euro / 140 Euro).

Um die volle Wohnungsbauprämie zu erhalten, kannst Du in einen bestehenden Bausparvertrag einzahlen. Voraussetzung ist bei Verträgen seit 2009, dass Du die Bausparsumme für wohnwirtschaftliche Zwecke verwendest. Konkret bedeutet dies, dass Du damit eine Immobilie kaufst, modernisierst oder baust.

Das gilt aber nicht für Bausparer, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Sie dürfen nach sieben Jahren frei über das gesamte angesparte Guthaben samt Prämien verfügen.

Rückwirkend kannst Du einen Antrag auf die Wohnungsbauprämie bis zwei Jahre nach dem Sparjahr bei Deiner Bausparkasse stellen; diese leitet ihn an Dein Finanzamt weiter. So sicherst Du Dir beispielsweise noch bis Ende 2020 die Prämie für 2018.

Viele nützliche Tipps zur Wohnungsbauprämie und weitere Fördermöglichkeiten für Sparer liest Du in unserem Ratgeber Vermögenswirksame Leistungen.

Stimmen Deine Freistellungsaufträge noch?

Viele Sparzinsen werden zum Jahresende ausgeschüttet. Wenn Du keinen Freistellungsauftrag erteilt hast, zahlst Du auf Zinseinnahmen 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag und eventuell noch die Kirchensteuer. Ist die Abgeltungssteuer erst einmal abgeführt, musst Du bis zur nächsten Steuererklärung warten, bis Du Dein Geld zurückbekommst.

Doch wenn Du einen Freistellungsauftrag erteilst, sind Einnahmen aus Zinsen bis zum Sparerpauschbetrag801 Euro für Ledige und 1.602 Euro für Verheiratete – steuerfrei.

Hast Du Konten bei verschiedenen Banken, kannst Du Deinen Freistellungsauftrag aufteilen und den Vorteil besser nutzen. Du solltest also prüfen: Wie hoch ist der Freistellungsauftrag bei welchem Geldinstitut und welche Kapitalerträge erwartest Du? Ist die Aufteilung sinnvoll oder solltest Du den Freibetrag doch besser anders splitten?

Du kannst einen Freistellungsauftrag beliebig oft im laufenden Jahr ändern – sogar noch am letzten Bankarbeitstag im Dezember. Willst Du die Änderungen bereits ab Januar, dann solltest Du den Freistellungsauftrag sicherheitshalber bis Mitte Dezember ändern. Es reicht, wenn Du pro Finanzinstitut einen Freistellungsauftrag für jeweils alle Konten und Depots erteilst. Dafür benötigst Du Deine Steueridentifikationsnummer

Nichtveranlagungs-Bescheinigung prüfen

Geringverdiener, Schüler, Studenten und Rentner haben oft Einkünfte unterhalb des Grundfreibetrags von 9.408 Euro und müssen daher keine Einkommensteuer zahlen. Zählst Du zu dieser Gruppe, kannst Du beim Finanzamt eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung beantragen und der Bank vorlegen. Dann sind in aller Regel die Kapitaleinkünfte abgeltungssteuerfrei, selbst wenn sie den Sparerpauschbetrag von 801 Euro überschreiten. Die NV-Bescheinigung ist jedoch höchstens drei Jahre lang gültig, danach musst Du sie neu beantragen.

Benötigst Du eine Verlustbescheinigung?

Für Anleger gibt es Höhen und Tiefen. Erzielst Du Gewinne über dem Sparerpauschbetrag, musst Du diese versteuern. Immerhin ein kleiner Trost, wenn man mit Verlusten des einen Wertpapiergeschäfts die Gewinne eines anderen ausgleichen kann. Das senkt zumindest die Abgeltungssteuer.

Verluste und Gewinne, die Du als Anleger bei einer einzigen Bank machst, werden automatisch miteinander verrechnet. Einen realisierten Aktienverlust darfst Du nur mit einem Aktiengewinn verrechnen.

Hast Du jedoch Depots oder Konten bei verschiedenen Geldinstituten, solltest Du jetzt handeln. Du musst Dir den Verlust von der einen Bank bescheinigen lassen, wenn Du ihn mit einem Gewinn bei einer anderen verrechnen willst. Die sogenannte Verlustbescheinigung kannst Du bis zum 15. Dezember beantragen und in der kommenden Steuererklärung mit der Anlage KAP einreichen. Ohne Bescheinigung geht beim Finanzamt nichts.

Falls Du Dir von der Bank den Verlust nicht bescheinigen lässt, dann schreibt sie den erzielten Verlust bankintern im Folgejahr fort. Erzielst Du im Jahr 2021 einen steuerpflichtigen Gewinn, dann zieht sie vor dem Abzug von Abgeltungssteuer den Verlust ab.

Was folgt aus Heirat oder Trennung?

Das ist jetzt zwar nicht besonders romantisch, aber finanziell betrachtet durchaus eine Überlegung wert: Du kannst die Zusammenveranlagung mit Ehegattensplitting für das komplette zurückliegende Jahr in Anspruch nehmen, wenn Du noch bis zum 31. Dezember heiratest. Es muss aber eine standesamtliche Hochzeit sein. Dies ist besonders vorteilhaft für Paare, die sehr unterschiedlich verdienen. 

Nachträgliche Zusammenveranlagung für gleichgeschlechtliche Paare 

Gleichgeschlechtliche Paare, die bis Ende 2019 ihre Lebenspartnerschaft in eine Ehe umgewandelt haben, können dadurch rückwirkend bis zum Beginn ihrer Lebenspartnerschaft von der Zusammenveranlagung profitieren. Die nachträgliche Zusammenveranlagung wäre dann bis 2001 möglich.

Dazu müsstet Ihr bis Jahresende 2020 beim Finanzamt einen gemeinsamen Antrag auf Erlass, Änderung oder Aufhebung der betroffenen Steuerbescheide stellen. Details kannst Du im Ratgeber Ehegattensplitting lesen.

Die passende Steuerklassenkombination wählen 

Verheiratete und eingetragene Lebenspartner können außerdem durch eine günstige Kombination ihrer Steuerklassen ihr Nettoeinkommen optimieren. So fallen auch Lohnersatzleistungen günstiger aus, die sich aus dem Nettogehalt ergeben. Mehr zum Steuerklassenwechsel liest Du in unserem Ratgeber.

Einigkeit spart Steuern

Falls Du bereits verheiratet bist, Dich aber irgendwann im Laufe des Jahres 2020 von Deinem Partner getrennt hast und jetzt dauernd getrennt lebst, musst Du dies dem Finanzamt anzeigen. Ab 2021 hast Du dann die Steuerklasse I.

Im Trennungsjahr kannst Du Dich noch zusammen veranlagen lassen und letztmals vom Ehegattensplitting profitieren. Das gilt aber nicht mehr fürs Folgejahr. Dann muss jeder von Euch seine eigene Steuererklärung abgeben (Einzelveranlagung).

Tipp: Falls Ihr jedoch einen ernsthaften Versöhnungsversuch unternehmt, hebt dies das Dauernd-getrennt-Leben auf. Dann ist für das Steuerjahr eine gemeinsame Steuererklärung möglich – mit der Konsequenz, dass Euer Einkommen mit dem Splittingtarif statt dem Grundtarif besteuert wird. 

Wie kannst Du mit Spenden Steuern sparen?

Kurz vor Weihnachten ist das Thema Spenden allerorten präsent.

Für höhere Spenden brauchst Du eine Bestätigung 

Bis zu 20 Prozent Deiner Einkünfte kannst Du als Sonderausgaben sofort steuerlich geltend machen; höhere Beträge in Folgejahren. Für Mitgliedsbeiträge und Spenden bis zu 200 Euro an gemeinnützige und steuerbegünstigte Organisationen gelten vereinfachte Nachweispflichten. Oft genügt der Kontoauszug mit der überwiesenen Spende. Für Spenden auf Sonderkonten in Katastrophenfällen gelten diese Vereinfachungen für Beträge in unbegrenzter Höhe.

Für höhere Spenden benötigst Du ansonsten grundsätzlich eine Zuwendungsbestätigung nach amtlichem Muster. Diese erhältst Du vom Empfänger der Spende. Manche Organisationen übermitteln diese elektronisch direkt an die Finanzverwaltung. Auch Sachspenden oder Dein Zeitaufwand für ein Ehrenamt sind absetzbar ebenso Mitgliedsbeiträge und Spenden an politische Parteien.

Keine Sonderausgaben sind jedoch Vereinsmitgliedsbeiträge, die allein der Freizeitgestaltung dienen wie Sport- oder Karnevalsvereine. Wie Du vertrauenswürdige Organisationen findest, denen Du Deine Spende geben kannst, haben wir in unseren Ratgeber Richtig spenden zusammengefasst.

So kannst Du Unterhaltsleistungen absetzen 

Unterstützt Du beispielsweise Deine studierende Tochter, für die Du kein Kindergeld mehr bekommt, kannst Du solche Unterhaltsleistungen im Rahmen der außergewöhnlichen Belastungen abziehen. Dafür gibt es einen Unterhaltshöchstbetrag von 9.408 Euro. Dieser wird nicht gekürzt, weil das unterstützte Kind mit dem Lebensgefährten in einem Haushalt zusammenlebt, hat der Bundesfinanzhof entschieden (BFH, Urteil vom 28. April 2020, Az. VI R 43/17).

Das Finanzamt wollte den Eltern nur die Hälfte des Höchstbetrags gewähren. Es behauptete, der Lebensgefährte hätte auch zum Unterhalt beigetragen. Dem widersprach jedoch der BFH. Mithilfe der Unterhaltszahlung habe die Tochter ihren Beitrag zur Miete und den Lebenshaltungskosten getragen. Deshalb steht ihren Eltern der volle Unterhaltshöchstbetrag zu. Wäre sie jedoch verheiratet gewesen, würden sie leer ausgehen. 

Welche Fristen musst Du außerdem beachten?

Zum Jahresende solltest Du einige Termine beachten. Bis spätestens zum 31. Dezember 2020 müssen beim Finanzamt eingetroffen sein:

Entscheidend ist, dass die entsprechenden Formulare am 31. Dezember bis 24 Uhr im Briefkasten des Finanzamts sind.

Achtung bei der Abgabe über Elster oder Steuersoftware: Entscheidest Du Dich für den elektronischen Versand, dann reicht 24 Uhr des 31. Dezembers nur, wenn Du die Erklärung auch elektronisch signierst. Ansonsten muss an Silvester die komprimierte Steuererklärung mit Unterschrift vorliegen. 

Bist Du – zum Beispiel als Selbstständiger – verpflichtet, eine Steuererklärung für 2019 abzugeben und beauftragst dafür einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein? Spätestens am 1. März 2021 muss die beim Finanzamt sein. 

Hältst Du diesen Termin nicht ein, setzt das Finanzamt automatisch einen Verspätungszuschlag fest, sofern Du Steuern nachzahlen musst. Bei einer anstehenden Steuererstattung liegt ein Verspätungszuschlag im Ermessen der Behörde.

Beim Anbieter Deines Riester-Sparvertrags muss bis zum 31. Dezember der Antrag auf Riester-Zulage 2018 eingetroffen sein, wenn Du keinen Dauerzulagenantrag gestellt hast.

Zum Jahresende endet die Mehrwertsteuersenkung 

Wegen der Corona-Krise hat der Fiskus von Juli bis Dezember 2020 die Umsatzsteuersätze herabgesetzt: Der allgemeine Satz beträgt statt 19 Prozent nur 16 Prozent. Und der ermäßigte Satz für Lebensmittel, Zugtickets und Bücher beträgt statt 7 Prozent nunmehr 5 Prozent – allerdings nur noch für Lieferungen und Leistungen bis zum 31. Dezember 2020. Falls Du ohnehin eine sinnvolle teure Anschaffung planst, solltest Du also noch in diesem Jahr zuschlagen. Dasselbe gilt für Leistungen, die bis Jahresende 2020 erbracht werden.

Tipp: Seit 2020 fördert der Fiskus die energetische Sanierung der selbst bewohnten Immobilie mit einer Steuerermäßigung. Die gibt es beispielsweise für den Austausch der Heizung in einem Haus, das mindestens zehn Jahre alt ist.

Kfz-Steuerreform 2021 

Willst Du ein neues Auto kaufen, solltest Du dies möglicherweise noch bis Jahresende erledigen. Noch hinzu kommt, dass für ab Januar 2021 erstmals zugelassene Fahrzeuge die Kfz-Steuer neu berechnet wird. Ein hoher Kohlendioxidausstoß wird dann stärker gewichtet, sodass für hubraumstarke Spritschlucker die Kfz-Steuer höher ausfallen wird als bislang.

Mit einem Kauf bis Jahresende sicherst Du Dir neben der niedrigeren Umsatzsteuer auch noch dauerhaft die günstigere Einstufung bei der Kfz-Steuer. Denn für bis Ende 2020 zugelassene Autos ändert sich nichts. Reine Elektroautos bleiben bis zu zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit. Beim Wiederverkauf des Autos kann ein älterer Jahrgang jedoch negativ zu Buche schlagen.

Kindergeld

Eltern müssen wissen, dass seit 2018 das Kindergeld nur noch rückwirkend für maximal sechs Monate ausgezahlt wird. Den Antrag musst Du bei der Familienkasse stellen. Früher konnte ein Anspruch bis zu vier Jahre geltend gemacht werden.

Baukindergeld

Familien und Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern, die bis zum 31. März 2021 erstmals für sich eine Immobilie kaufen oder bauen, haben unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Baukindergeld. So darf das zu versteuernde Haushaltseinkommen bei einem Kind höchstens 90.000 Euro betragen und es muss mindestens ein minderjähriges, kindergeldberechtigtes Kind im Haushalt leben. Pro Kind gibt es zehn Jahre lang 1.200 Euro, also insgesamt 12.000 Euro.

Den Antrag musst Du innerhalb von sechs Monaten nach dem Einzug (amtliche Meldebestätigung) bei der Förderbank KfW stellen. Werdende Eltern sollten den Einzugstermin im Blick behalten. Es gibt nämlich kein Baukindergeld für das Kind, das erst nach Antragseingang geboren wird. Dementsprechend solltet Ihr erst nach dem Geburtstermin einziehen. 

Umgekehrte Überlegungen gelten für Kinder, die bald 18 Jahre alt werden. Denn wenn Dein Kind beim Einzugstermin volljährig ist, gibt es auch kein Baukindergeld. Hier sichert Ihr Euch das Geld, wenn Ihr vorher einzieht.

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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 11.11.2020 11:08:00 +0000
Wohngebäudeversicherung : So schützt Du Dein Haus https://www.finanztip.de/wohngebaeudeversicherungen/ https://www.finanztip.de/?id=2171Wohngebäudeversicherung
Das Wichtigste in Kürze
  • Eine Wohngebäudeversicherung ist ein Muss für jeden Hausbesitzer. Sie zahlt bei Schäden, die Sturm, Hagel, Feuer oder Leitungswasser am Haus anrichten.
  • Eine gute Versicherung übernimmt außerdem die Kosten, die etwa für den Abbruch des Gebäudes, einen Sachverständigen oder die Beseitigung umgestürzter Bäume entstehen.
  • Zusätzlichen Schutz für Dein Gebäude bietet eine Elementarschadenversicherung. Sie zahlt auch bei Überschwemmung, Lawinen oder Starkregen. Sie ist jedoch meist teuer.
  • Unsere Untersuchung zu Wohngebäudeversicherungen hat gezeigt: Mit einer günstigen Versicherung lassen sich ein paar Hundert Euro pro Jahr sparen.
So gehst Du vor
  • Überprüfe regelmäßig, ob Du zu viel für Deine Wohngebäudeversicherung bezahlst. Wenn Du ein Haus kaufst, solltest Du Dir auch die Wohngebäudeversicherung ansehen und überlegen, ob Du sie übernehmen willst.
  • Um eine passende Versicherung für Dein Gebäude zu finden, empfehlen wir Dir Verivox. Eine Alternative ist Mr-Money. Orientiere Dich bei den Versicherungsmerkmalen an unseren Mindestkriterien.

Wenn Unwetter über das Land ziehen, ist es schnell passiert: Der Sturm fegt Ziegel vom Dach, Fenster gehen durch umherfliegende Äste zu Bruch. In vielen Fällen kommt eine Gebäudeversicherung für solche Schäden auf. Im Jahr 2019 haben Unwetter deutschlandweit Schäden in Höhe von 2,1 Milliarden Euro an Gebäuden angerichtet, die meisten Schäden verursachten Sturm und Hagel (1,8 Milliarden Euro).

Warum solltest Du eine Gebäudeversicherung abschließen?

Als Eigentümer eines Hauses oder einer Wohnung kannst Du eine Wohngebäudeversicherung abschließen. Dazu bist Du, anders als etwa bei der Kfz-Haftpflicht, jedoch nicht verpflichtet. Es ist aber empfehlenswert. Da die eigene Immobilie für Dich vielleicht, wie für viele Menschen, die größte Investition des Lebens ist, steckt auch viel Kapital darin. Mit der Wohngebäudeversicherung sicherst Du Dich gegen die finanziellen Folgen von Feuer, Leitungswasser und Sturm ab und schützt damit Deine Investition.

Wir haben untersucht, wie Du als Hauseigentümer die für Dich günstigste und passendste Wohngebäudeversicherung finden kannst. Da die Tarife sehr umfangreich sind und die Beiträge von vielen individuellen Merkmalen wie Wohnfläche oder Adresse des Gebäudes abhängen, empfehlen wir Dir den Vergleich und Abschluss über ein Online-Portal. Denn das ist die beste Möglichkeit, um eine zu Deiner Situation passende Wohngebäudeversicherung mit guten Leistungen zu bekommen. Nach unserer Einschätzung ist das Vergleichsportal Verivox besonders hilfreich. Alternativ dazu empfehlen wir das Portal Mr-Money. Einzelheiten zu unserem Vorgehen und unserer Auswahl erfährst Du am Ende des Textes.

Verivox
Vergleichsportal
  • alle von uns empfohlenen Leistungen auswählbar
  • benutzerfreundliche Ansicht
  • verbraucherfreundliche Voreinstellungen
Mr-Money
Vergleichsportal
  • alle von uns empfohlenen Leistungen auswählbar
  • verbraucherfreundliche Voreinstellungen
  • Ansicht nicht in jedem Fall benutzerfreundlich

Was ist versichert?

Die Wohngebäudeversicherung zahlt für Schäden am Gebäude und an festem Inventar. Dazu gehören zum Beispiel Heizungsanlagen, aber auch die Einbauküche, der fest verlegte Fußboden und die eingebaute Badewanne.

Wenn hingegen Möbel oder Ähnliches beschädigt werden, ist das ein Fall für die Hausratversicherung.

Die verbundene Wohngebäudeversicherung besteht aus der Feuer-, Leitungswasser- und Sturmversicherung. Darüber hinaus kannst Du Zusatzbausteine, beispielsweise für Elementarschäden hinzufügen.

Baustein Feuerversicherung

Die Feuerversicherung zahlt bei Schäden am Haus, die durch Brand, Blitzschlag, Explosion oder Implosion entstehen. Sie greift auch bei fest eingebauten elektrischen Installationen, wie die Stromversorgung für Lampen und Steckdosen.

Achtung: Ein Rauchmelder ist Pflicht. Gemäß der Bauverordnungen der meisten Bundesländer musst Du Rauchmelder in Schlafräumen, Kinderzimmern und Fluren anbringen. Fehlen die Rauchmelder, kannst Du im Versicherungsfall auf einem Teil der Kosten sitzenbleiben.

Baustein Leitungswasserversicherung

Die Leitungswasserversicherung übernimmt Schäden durch Leitungswasser und Frost sowie andere Bruchschäden. Falls also kalkhaltiges Wasser oder Frost die Leitungen im Haus zum Bersten bringt, greift die Versicherung.

Baustein Sturmversicherung

Die Versicherung leistet bei Sturmschäden ab Windstärke 8 und bei Hagelschäden. Etwa, wenn das Dach abgedeckt wird und repariert werden muss. Sie kommt auch für Folgeschäden auf, zum Beispiel wenn es durch ein vom Sturm abgedecktes Dach regnet.

Sonderfall: Elementarschadenversicherung

Standardtarife in der Wohngebäudeversicherung greifen in aller Regel nicht bei Elementarschäden. Das bedeutet, dass die Versicherung nicht für die Folgen aufkommt, wenn Dein Gebäude durch Überschwemmung, Erdbeben, Erdrutsch, eine Lawine oder Starkregen beschädigt wird. Um auch gegen diese Risiken abgesichert zu sein, musst Du Deinen Versicherungsschutz um den Baustein Elementarschadenversicherung erweitern.

Wir haben in unserem Wohngebäudeversicherungstest Anfang 2019 das Angebot an Wohngebäudeversicherungen auch daraufhin untersucht, wie teurer die Absicherung von Elementarschäden ist. Dafür haben wir Tarife jeweils mit und ohne den Einschluss dieses Bausteins abgefragt. Das Ergebnis: Die Anbieter verlangen im Schnitt einen Aufschlag von 48 Prozent auf die Beiträge für Wohngebäudeversicherungen. Teils besonders hoch waren die Aufschläge in unserer Untersuchung für Gebäude außerhalb von Risikogebieten. Statt 121 Euro im Jahr sollten Hausbesitzer in einem Tarif 212 Euro zahlen. Befindet sich Dein Haus also außerhalb eines Risikogebiets, solltest Du Dir genau überlegen, ob der Zusatzschutz notwendig ist.

Befindet sich Dein Gebäude in einem Risikogebiet für Überschwemmung, Erdbeben, Erdrutsche oder Lawinen – zum Beispiel am Wasser oder am Hang –, kann eine Elementarschadenversicherung sinnvoll sein.

Steht Dein Gebäude in einem Hochrisikogebiet, kann es schwierig werden, eine Absicherung gegen Elementarschäden zu bekommen. Unmöglich ist das aber nicht, nur teuer. Denn ob und zu welchen Konditionen ein Wohngebäudeversicherer Dir Schutz anbietet, entscheidet er je nach Einzelfall.

In der Regel zahlst Du bei einem hohen Risiko auch eine hohe Prämie oder eine sehr hohe Selbstbeteiligung. Es kann sogar sein, dass die Versicherung von Dir verlangt, Dein Gebäude umzubauen, damit Du Versicherungsschutz bekommst. Wohnst Du in einem Gebiet mit hohem Risiko, solltest Du Dich beraten lassen. Bei Überschwemmungen etwa spricht man von einem Hochrisikogebiet, wenn Du mit mindestens einem Hochwasser in zehn Jahren zu rechnen hast (Gefahrenklasse GK4).

Was solltest Du zusätzlich versichern?

Sehr gute Wohngebäudeversicherungen definieren sich über die Leistung und den Preis. Wenn Du eine Wohngebäudeversicherung – wie von uns empfohlen – auf den Online-Portalen Verivox oder Mr-Money suchst, solltest Du die Mindestkriterien in die Suchmaske eingeben. Bei den von uns empfohlenen Vergleichsportalen war dies möglich.

Grobe Fahrlässigkeit - Wichtig ist, dass die Versicherung auch Schäden infolge grober Fahrlässigkeit abdeckt. Verursachst Du einen Schaden grob fahrlässig, zahlt Deine Versicherung in aller Regel nicht. Ein Beispiel: Du heizt im Winter nicht und deshalb bricht ein Wasserrohr. Bei einem Tarif, der die Folgen grob fahrlässigen Handelns ausschließt, verweigert die Versicherung die Leistung. Wir empfehlen daher, grobe Fahrlässigkeit mitabzusichern. Setze bei der Tarifsuche auf einem der Online-Portale das entsprechende Häkchen.

Abbruch- und Aufräum-, Bewegungs- und Schutzkosten - wenn zum Beispiel nach einem Sturm Baumteile vom Dach entfernt werden müssen, sollte Deine Versicherung diese Kosten übernehmen.

Folgen von Überspannungsschäden – zum Beispiel Schäden am Fernseher oder Router durch Überspannung nach einem Blitzschlag.

Auch Mehrkosten durch behördliche Auflagen - wenn Du beim Wiederaufbau (nach einem Hausbrand) teuren Wärmeschutz anbringen musst, den Du vorher nicht hattest, der inzwischen jedoch Pflicht ist. Oder wenn Du Erde abtragen lassen musst, weil giftige Substanzen eingesickert sind (Dekontamination von Erdreich).

Wasserzu- und Wasserableitungsrohre - sowohl auf dem Versicherungsgrundstück als auch außerhalb.

Schäden durch Einbrüche – Wenn bei einem Einbruch Schäden am Gebäude entstehen, sollten diese von der Versicherung abgedeckt sein.

Unfertige Gebäude - Es ist ratsam, sich bereits frühzeitig mit der Wohngebäudeversicherung zu beschäftigen, auch wenn diese Versicherung nicht zahlt, bevor das Gebäude fertiggestellt ist. Denn während des Baus kann sie bereits als Feuerrohbauversicherung laufen und schützen. Sobald das Haus fertig ist, lässt sich die Feuerrohbauversicherung dann in eine Wohngebäudeversicherung umwandeln.

Such Dir also am besten noch vor Baubeginn auf einem der von uns empfohlenen Vergleichsportale Verivox oder Mr-Money eine für Dich passende Wohngebäudeversicherung. Und wähle in der Suchmaske statt „Wohngebäude“ das Merkmal „Feuerrohbau“ aus. Du musst dann nur noch Deinen Versicherer davon in Kenntnis setzen, sobald Du fertig gebaut hast. Damit endet Deine Feuerrohbauversicherung.

Was ist in der Gebäudeversicherung nicht enthalten?

Du kannst Dich nicht gegen alle Schäden, die an Deinem Haus entstehen können, mit einer Wohngebäudeversicherung absichern. Einige Schäden sind gar nicht versicherbar, andere kannst Du nur separat (zu teilweise hohen Kosten) absichern.

Was ist nicht versicherbar?

Krieg - Kriegsschäden oder Folgen von innerer Unruhe ersetzt die Wohngebäudeversicherung nicht.

Kernenergie – Gegen einen Reaktorunfall in der Nähe Deines Hauses kannst Du Dich nicht absichern.

Vorsatz – Wenn Du einen Schaden vorsätzlich verursachst, ist dieser nicht versichert. Im Gegensatz zur groben Fahrlässigkeit, kannst Du Vorsatz nicht mitversichern.

Was ist nicht in der Grundabsicherung enthalten?

Grobe Fahrlässigkeit bei Brand – Wenn ein Brand durch grobe Fahrlässigkeit entsteht (Du lässt zum Beispiel den Kamin unbeaufsichtigt und es kommt durch Funkenflug zu einem Brand), zahlt die Versicherung oft nicht oder kürzt die Zahlung. Auch Sengschäden, die zu einem Brand führen, werden häufig als grobe Fahrlässigkeit gewertet. Allerdings kannst Du Sengschäden, die innerhalb des Hauses auftreten, mit einer Hausratversicherung abdecken.

Wasser - Die Wohngebäudeversicherung kommt nur für Schaden durch Leitungswasser auf. Grundwasserschäden, Schäden durch Überschwemmung und witterungsbedingten Rückstau sind nicht enthalten. Mit einer Erweiterung um Elementarschäden kannst Du zumindest einen Teil dieser Schäden absichern.

Wasser, das aus einem Aquarium ausgelaufen ist, zählt ebenfalls nicht als Leitungswasser. Die dabei entstandenen Schäden kannst Du aber mit einer Hausratversicherung absichern.

Leichter Sturm - Die Versicherung muss nicht zahlen, wenn sich die Schäden bei einer Sturmstärke unter 8 ereignet haben. Haben offene oder undichte Fenster zu Schäden geführt, springt sie ebenfalls nicht ein.

Was kostet eine gute Wohngebäudeversicherung?

Die Preise für Gebäudeversicherungen variieren deutlich. Der Unterschied erklärt sich vor allem durch die unterschiedlichen Leistungen. Vor dem Abschluss einer Wohngebäudeversicherung solltest Du daher Preise und Leistungen genau vergleichen. Sonst zahlst Du schnell zu viel oder bekommst nur einen unzureichenden Schutz.

In unserer Untersuchung im Februar 2019 haben wir für zwei charakteristische Gebäudetypen Preise erhoben: Für unser freistehendes Einfamilienhaus gab es – über alle Standorte hinweg – den günstigsten Versicherungsschutz für knapp 256 Euro im Jahr. Der teuerste Tarif schlug mit rund 470 Euro zu Buche. Bei zusätzlicher Elementarschadenabsicherung zeigten uns die Vergleichsportale Tarife zwischen 311 Euro und 596 Euro an.

Für eine Doppelhaushälfte fanden wir auf den untersuchten Portalen Tarife mit Beiträgen zwischen 113 Euro und 150 Euro. Inklusive Elementarschadenversicherung gab es Schutz für 211 Euro bis 282 Euro.

Unsere Untersuchung zeigte außerdem: Mit einer längeren Laufzeit lässt sich bei der Wohngebäudeversicherung nicht sparen.

Im Einzelnen haben wir die Preise für folgende Gebäude abgefragt:

  1. Alleinstehendes Einfamilienhaus, Baujahr 1996, gekauft 2008 mit 212 Quadratmetern Wohnfläche, Dachgeschoss nicht ausgebaut, Garage auf dem Grundstück. Die Bauweise ist massiv und das Dach mit Ziegeln bedeckt (Bauartklasse 1). Teilweise mit Photovoltaikanlage, teilweise ohne.
  2. Doppelhaushälfte, Baujahr 2018 mit 170 Quadratmetern und ausgebautem Dachgeschoss. Auch in diesem Fall massive Bauweise und Ziegel als Dach (Bauartklasse 1).

Lohnen sich Kombi-Rabatte mit Hausratversicherung?

Hin und wieder kommt es im Schadensfall zum Streit, ob nun die Wohngebäudeversicherung oder die Hausratversicherung zuständig ist. Wenn Du beide Verträge beim selben Anbieter abschließest, ist die Schadensregulierung in der Regel einfacher. Dann müssen sich die Versicherer nicht erst einigen, wer für welchen Schaden aufkommt.

Ein weiterer Vorteil ist, dass viele Anbieter einen Kombi-Rabatt von 5 Prozent einräumen. Allerdings solltest Du sicherstellen, dass beide Versicherungen auch für sich gesehen gute Preise und Leistungen bieten.

Welche Versicherungssumme solltest Du wählen?

Die Wohngebäudeversicherung kalkuliert den Beitrag anhand der Versicherungssumme, also dem Betrag, den Du im Schadensfall maximal erhalten würdest. Versichert ist in der Regel der Neuwert des Gebäudes – also die Summe, die nötig wäre, um das Haus in gleicher Größe und Ausstattung zum aktuellen Zeitpunkt wiederaufzubauen. Es gibt jedoch unterschiedliche Ansätze, diesen Neuwert zu bestimmen. Die von uns empfohlenen Vergleichsplattformen Mr-Money und Verivox errechnen auf der Grundlage Deiner Angaben einen sogenannten gleitenden Neuwert (Wert 1914).

Gleitender Neuwert - Durch den gleitenden Neuwert ist die Versicherungssumme bei der Gebäudeversicherung an die Wertentwicklung des Gebäudes angepasst. Er funktioniert mit dem fiktiven Wert 1914. Das ist der Preis (in Mark), den der Bau des Hauses im Jahr 1914 theoretisch gekostet hätte. Dieser wird errechnet, indem der Neuwert des Hauses durch den sogenannten Baupreisindex geteilt wird. Dieser zeigt die Entwicklung der Baupreise seit 1914 und wird jährlich vom Statistischen Bundesamt festgelegt.

Die Versicherungssumme wird also jährlich angepasst. Nur so kommt die Versicherung auch Jahre nach dem Bau für den kompletten Neubau des Hauses im ursprünglichen Zustand auf. Wenn Du auf den gleitenden Neuwert setzt, verhinderst Du am besten eine Unterversicherung. Bist Du unterversichert, ist die Versicherungssumme niedriger als der tatsächliche Wert. Bei einem Schaden würde die Versicherung Dir dann nur eine anteilige Summe ersetzen und nicht die gesamte Schadenssumme. Ein Beispiel: Entspricht Deine Versicherungssumme nur 50 Prozent des Gebäudewertes, erhältst Du auch nur 50 Prozent des Schadens ersetzt.

Wohnflächentarif - Beim Wohnflächentarif gibt es keine Versicherungssumme, sondern eine Höchstentschädigungsgrenze. Die Versicherung setzt also eine Summe fest, die Du als Entschädigung im Schadensfall maximal erhältst. Die Versicherung berechnet sie anhand der Größe und der Ausstattung des Hauses. Kommt es zum Versicherungsfall, zahlt die Versicherung die Kosten in Höhe des ortsüblichen Neubauwerts. Um eine Unterversicherung zu vermeiden, musst Du deshalb der Versicherung jeden Um- und Anbau melden beziehungsweise ihr mitteilen, dass Du die Ausstattung verbessert hast.

Die Höchstentschädigungsgrenze wird zudem nicht an die Entwicklung der Baukosten angepasst. Auch dadurch kann es sein, dass Du ein paar Jahre nach dem Bau unterversichert bist. Das kannst Du vermeiden, indem Du von Zeit zu Zeit die Höchstentschädigungsgrenze erhöhst.

Wertgutachten - Eine weitere Möglichkeit ist, dass ein Gutachter den Wert des Gebäudes schätzt. Das kann jedoch teuer werden. Außerdem bezieht sich dieses Gutachten oft auf den Verkehrswert des Gebäudes. Wichtiger sind jedoch die Kosten für den Wiederaufbau.

Auch wenn Du auf den gleitenden Neuwert setzt, ist es empfehlenswert, mit der Versicherung einen Unterversicherungsverzicht zu verabreden. Damit verzichtet das Unternehmen darauf, im Schadensfall überhaupt geltend zu machen, dass Du unterversichert sein könntest.

Was musst Du tun im Schadensfall?

Im Schadensfall kann es mit der Wohngebäudeversicherung zu Streit über die Regulierung kommen. Dokumentiere die Schäden am Gebäude daher genau mit Fotos und einem schriftlichen Bericht. Melde die Schäden unverzüglich Deiner Versicherung. Je nach Schadenshöhe schickt sie einen Gutachter vorbei.

Du musst außerdem Notmaßnahmen ergreifen, um weitere Schäden abzuwenden. Dazu gehört zum Beispiel, dass Du bei Leitungswasserschäden den Haupthahn der Wasserleitung zudrehst, sobald Du den Schaden bemerkst. Hat ein Sturm das Dach abgedeckt, solltest Du es mit einer Plane verschließen. Eine vollständige Reparatur kann allerdings keiner von Dir verlangen. Wie gesagt: Es geht um Maßnahmen, mit denen Du weitere Schäden abwendest. Natürlich immer nur, ohne Dich dabei selbst zu gefährden.

Falls Du Schäden vor der Erstellung des Gutachtens beheben musst, weil das Haus sonst unbewohnbar wäre, sprich das mit dem Versicherer ab. Dokumentiere außerdem, wie Du die Schäden behebst, und bewahre entsprechende Rechnungen von Handwerkern auf. Bei beschädigten Teilen gilt dasselbe.

Wie kannst Du die Versicherung kündigen?

Du kannst die Versicherung drei Monate vor dem Ende des Versicherungsjahrs kündigen. Das Versicherungsjahr beginnt immer an dem Tag, der in Deinem Vertrag vereinbart ist und läuft 365 Tage. Bei einer mehrjährigen Laufzeit ist eine Kündigung erst zum Vertragsende möglich.

Nach einem Versicherungsfall hast Du ein außerordentliches Kündigungsrecht und kannst innerhalb eines Monats kündigen. Das gilt auch, wenn der Versicherer die Beiträge erhöht – jedoch nicht, wenn die Beiträge aufgrund des gleitenden Neuwerts oder einer Leistungserweiterung steigen. Du musst dann innerhalb eines Monats nach der Mitteilung über die Beitragserhöhung kündigen.

Die Gebäudeversicherung geht bei einem Eigentümerwechsel automatisch auf den neuen Eigentümer über. Dieser kann sie jedoch innerhalb eines Monats nach dem Eintrag in das Grundbuch kündigen.

Falls Du kündigst: Verschicke die Kündigung per Einschreiben mit Rückschein. Und nenne im Kündigungsschreiben die Versicherungsnummer. Achtung: Wenn Du kündigen willst, musst Du den richtigen Zeitpunkt im Blick haben. Denn der Vertrag verlängert sich nach Ablauf der Vertragszeit automatisch. Du solltest vor der Kündigung der alten Wohngebäudeversicherung am besten schon ein Angebot für einen neuen Vertrag in der Tasche haben.

Was, wenn der Versicherer kündigt?

Auch die Versicherung hat nach einem Schadensfall ein Recht zur außerordentlichen Kündigung. Macht sie davon Gebrauch, kann es für Dich schwierig werden, einen neuen Vertrag zu günstigen Konditionen zu bekommen. Beim neuen Antrag musst Du nämlich angeben, wer die Kündigung ausgesprochen hat. Da die Unternehmen alle Daten im Hinweis- und Informationssystem – kurz HIS – speichern, solltest Du immer korrekte Angaben machen. Sieht ein Versicherer, dass Dir ein Unternehmen gekündigt hat, lehnt er Dich womöglich ab.

Damit Dich Dein Versicherer nicht wegen (zu vieler) Schäden kündigt, kann eine Selbstbeteiligung helfen. Du zahlst dann kleine Schäden selbst. Das spart nicht nur Aufwand, sondern dem Versicherer auch Kosten – und die Möglichkeit Dir zu kündigen. Wir empfehlen 250 Euro Selbstbeteiligung und haben dies auch in den Tarifen für unsere Untersuchung vorausgesetzt.

Sollte eine Versicherung dennoch nach einem höheren Schadensfall eine Kündigung aussprechen, kannst Du bei dem Unternehmen nach einer Kündigungsumkehr fragen. Dann kündigst nämlich Du selbst und nicht der Versicherer.

Falls der Versicherer bereits gekündigt hat, solltest Du auf jeden Fall bei mehreren anderen Versicherern die Tarife vergleichen und nach Angeboten fragen. Einige Unternehmen sehen die Zahl der Schadensfälle und die Kündigung durch den Versicherer weniger dramatisch als andere.

Hilft das alles nichts, musst Du übergangsweise ein weniger attraktives Angebot annehmen – und Dich weiter nach einer besseren Alternative umsehen. Außerdem kann eine Beratung durch Verbraucherinstitutionen oder Bauherrenverbände hilfreich sein. Auch der Gang zu einem unabhängigen Makler oder Versicherungsberater ist eine Möglichkeit. Zwar musst Du solch eine Unterstützung aus eigener Tasche zahlen, aber womöglich findet ein professioneller Berater in so einem Fall eher einen passenden Tarif als Du selbst.

So haben wir getestet

Test Wohngebäudeversicherung 2019

Tarife in der Wohngebäudeversicherung sind von vielen individuellen Merkmalen abhängig. So spielt neben der Ausstattung und Größe des Gebäudes vor allem die Lage eine Rolle. Dabei ist die Frage, ob sich das Wohngebäude in einem Risikogebiet für Elementargefahren befindet.

Du musst daher beim Abschluss einer Wohngebäudeversicherung die genaue Adresse Deines Wohngebäudes angeben. Nur mit dieser Angabe kann die Versicherung Dir den Preis für Deinen Versicherungsvertrag überhaupt nennen. Um dennoch eine große Anzahl an Tarifen abzufragen, empfehlen wir Vergleich und Abschluss über ein Online-Portal. Das ist die beste Möglichkeit, um eine günstige Wohngebäudeversicherung mit guten Leistungen zu bekommen. Daher sind auch wir den Weg über verschiedene Online-Portale gegangen und haben diese für Dich getestet.

Über eine Online-Recherche haben wir bei unserem Test sieben Vergleichsportale gefunden. Gesucht haben wir nach den Begriffen „Wohngebäudeversicherung“, „Gebäudeversicherung“, „Gebäudeversicherung Vergleich“, „Wohngebäudeversicherung Vergleich“, „Wohngebäudeversicherung Test“.

Wir haben dann eine Vorauswahl hinsichtlich der Portale getroffen: Entscheidend war, dass auf den Portalen alle uns wichtigen Merkmale auswählbar (oder voreingestellt) sein und in das Ergebnis einfließen mussten. Diese Kriterien erfüllten die Vergleichsportale Verivox, Mr-Money und eingeschränkt auch Check24.

Tarifmerkmale auf drei Portalen abgefragt

Auf den drei genannten Portalen haben wir sodann Abfragen vorgenommen: insgesamt für 18 Profile – zwei unterschiedliche Gebäudetypen mit unterschiedlichen Ausstattungen an 18 Standorten in Deutschland. Ein Teil der Standorte weist ein erhöhtes Elementarschaden-Risiko auf, ein Teil ein unterdurchschnittliches.

Die von uns ausgewählten Tarife sehen eine jährliche Zahlungsweise vor, sowie 250 Euro Selbstbeteiligung. Sie mussten auch bei Schäden infolge grober Fahrlässigkeit greifen. Für folgende Kosten mussten sie darüber hinaus einspringen:

  • Abbruch- und Aufräum- sowie Bewegungs- und Schutzkosten;
  • Überspannungsschäden;
  • Mehrkosten in Folge behördlicher Auflagen;
  • Kosten für Dekontamination von Erdreich;
  • Schäden durch Wasserzu- und Wasserableitungsrohre auf und außerhalb des Versicherungsgrundstücks;
  • Schäden am Gebäude in Folge von Einbrüchen.

Zwei zusätzliche Merkmalstudien

Mit Blick auf die Frage, wie teuer es für Verbraucher ist, das Risiko von Elementarschäden abzusichern, haben wir jedes Profil sowohl mit als auch ohne den Baustein Elementarschadenversicherung abgefragt. Darüber hinaus haben wir innerhalb eines jeden Profils untersucht, ob es günstiger ist, die Vertragslaufzeit von einem Jahr auf fünf Jahre zu erhöhen. Die Daten zu Elementarschadenabsicherung und Laufzeit haben wir nur auf dem Portal Mr-Money erhoben.

Ergebnisse dieser Abfragen: Die zusätzliche Absicherung von Elementarschäden ist unserer Einschätzung nach kostenintensiv, vor allem für Gebäude, die nicht in Risikogebieten liegen. Die Preise unterschieden sich nicht, wenn wir statt einem Jahr Laufzeit auf fünf Jahre gingen.

Unsere Empfehlung: Verivox oder Mr-Money

Unsere Empfehlung ist, dass Du das Vergleichsportal Verivox nutzen solltest, alternativ das Portal Mr-Money (Zweitempfehlung). Bei Check24 ließen sich einige der gewünschten Merkmale einer guten Wohngebäudeversicherung nicht in den Filtern einstellen – allerdings erfüllten alle in einer ersten Stichprobe untersuchten Tarife dennoch unsere Anforderungen.

Beim Preisvergleich konnte Check24 nicht vollständig überzeugen: Zwar waren die Ergebnisse auf allen drei getesteten Portalen in den meisten Fällen recht ähnlich. Bei Check24 waren jedoch in 7 von 18 Fällen die Preise höher – teils auch, wenn das Portal denselben Tarif desselben Anbieters vorschlug wie Verivox und Mr-Money.

Einen Grund dafür erkannten wir darin, dass die Tarife zusätzliche, von uns nicht gewünschte Risiken absicherten. Diese zusätzlichen Risiken ließen sich jedoch nicht abwählen, weil die Datenabfrage des Portals recht spärlich ausfällt.

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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 10.11.2020 12:55:00 +0000
Fristlose Kündigung der Wohnung : Wenn Dein Mietvertrag fristlos gekündigt wird https://www.finanztip.de/fristlose-kuendigung-mietvertrag/ https://www.finanztip.de/?id=1011Fristlose Kündigung der Wohnung
Das Wichtigste in Kürze
  • Dein Vermieter kann Dir nur dann fristlos kündigen, wenn er einen wichtigen Grund dazu hat – zum Beispiel, weil Du mit der Miete erheblich in Rückstand bist.
  • Auf die Straße setzen darf er Dich nicht; er muss dazu erst eine Räumungsklage vor Gericht gewinnen.
So gehst Du vor
  • Du solltest nicht in Panik geraten, wenn Dir eine fristlose Kündigung ins Haus flattert. Denn nicht jede Kündigung ist wirksam.
  • Lass Dich beraten und unterstützen von einem Mieterverein oder einem Anwalt.
  • Hat Dir Dein Vermieter wegen Mietschulden gekündigt, solltest Du rasch zahlen. Bei Bedarf kann das Sozialamt oder das Jobcenter helfen. Wie, das erklären wir in diesem Abschnitt.

Ein solcher Brief löst schnell Panik aus: „Hiermit kündigen wir Ihnen das Mietverhältnis fristlos.“ Doch es lohnt sich, Ruhe zu bewahren, denn Dein Vermieter kann Dich nicht sofort vor die Tür setzen. Wir erklären Dir, wie Du Dich gegen die Kündigung wehren und den Auszug verhindern oder zumindest verzögern kannst.

Wann darf Dein Vermieter fristlos kündigen?

Nur in Ausnahmefällen darf Dein Vermieter den Mietvertrag beenden, ohne eine Frist einzuhalten – zum Beispiel, wenn Du schwerwiegende Vertragsverletzungen begangen hast, die der Vermieter nicht hinnehmen muss oder falls Du Deine Miete nicht gezahlt hast (§ 543 BGB).

Aber auch dann ist eine Räumung der Wohnung gegen Deinen Willen nur möglich, wenn die Kündigung von einem Gericht geprüft und als wirksam bestätigt wurde. Gerate daher nicht in Panik, wenn Dein Vermieter Dich auffordert, aus der Wohnung kurzfristig auszuziehen.

Im Kündigungsschreiben muss Dein Vermieter angeben, warum er gekündigt hat (§ 569 Abs. 4 BGB). Es reicht nicht, wenn er zum Beispiel ganz allgemein wegen erheblicher Lärmbelästigung kündigt, ohne konkret zu schreiben, wann das gewesen sein soll (LG Stuttgart, Beschluss vom 7. Juni 2006, Az. 19 T 33/06). Er kann auch nicht einfach den Grund nachliefern. Notwendig ist eine erneute Kündigung, der Du den Grund entnehmen kannst.

Ein Gericht wägt immer die Interessen von Vermieter und Mieter gegeneinander ab. Und es kommt auf die Umstände des Einzelfalls an. Sprechen schwerwiegende persönliche Gründe gegen eine Kündigung wie Pflegebedürftigkeit oder Krankheit, muss der Vermieter diese auch bei einer fristlosen Kündigung berücksichtigen (BGH, Urteil vom 9. November 2016, Az. VIII ZR 73/16).

Bei welchem Mietrückstand darf Dein Vermieter kündigen?

Bist Du mit der Miete in Verzug, riskierst Du eine fristlose Kündigung. Dazu musst Du aber erheblich im Rückstand sein (§ 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 BGB, § 569 Abs. 3 Nr. 1 BGB). Das ist der Fall, wenn Du entweder

  1. in zwei aufeinanderfolgenden Monaten keine Miete bezahlt hast oder,
  2. in zwei aufeinanderfolgenden Monaten nur teilweise gezahlt hast und insgesamt mehr als eine Monatsmiete schuldest oder,
  3. über mehr als zwei Monate hinweg, die nicht zusammenhängend sein müssen, die Miete teilweise nicht gezahlt hast und insgesamt mit zwei Monatsmieten in Rückstand bist.

Wichtig: Dein Vermieter muss den Mietrückstand nicht anmahnen, er kann sofort kündigen. Das gilt auch, falls Du die Kaution nicht gezahlt hast. Zur Miete zählen auch die Nebenkostenvorauszahlungen. Hat Dein Vermieter eine Nachforderung aus der Nebenkostenabrechnung, darf er aber nicht fristlos kündigen.

Hast Du die Miete wegen Wohnungsmängel gemindert, darf Dein Vermieter nicht kündigen. Aber Vorsicht: Hast Du zu Unrecht oder zu viel gemindert, riskierst Du die Kündigung. Bist Du Dir unsicher, solltest Du Dich unterstützen lassen. Wende Dich dazu an einen Mieterverein oder an einen Rechtsanwalt.

Was ist, wenn Du Deine Mietschulden zahlst?

Wenn Du spätestens innerhalb von zwei Monaten nach Zustellung der Räumungsklage Deine Schulden bezahlst, musst Du nicht ausziehen (§ 569 Abs. 3 Nr. 2 BGB). Denn die fristlose Kündigung wird durch die Zahlung innerhalb dieser Schonfrist unwirksam. Teilzahlungen genügen nicht. Ebenso wenig reicht es, wenn Du Ratenzahlung anbietest.

Du kannst Deinen Mietrückstand auch mit eventuellen Forderungen gegenüber Deinem Vermieter verrechnen. Eine solche Aufrechnung ist zum Beispiel möglich, wenn Du einen Anspruch auf die Rückerstattung von Nebenkosten hast.

Kannst Du das Geld nicht selbst aufbringen, solltest Du Dich an das Sozialamt wenden: Du kannst bei der Abteilung Soziale Wohnhilfe einen Antrag auf Übernahme der Mietschulden stellen. Erkundige Dich auch, ob Du vielleicht Wohngeld bekommen kannst.

Bist Du derzeit ohne Arbeit oder bekommst Du Arbeitslosengeld II, solltest Du beim Jobcenter einen Antrag auf Übernahme Deiner Mietschulden stellen. Dadurch kannst Du vielleicht verhindern, dass Du die Wohnung verlierst. Wichtig ist, dass Du schnell handelst.

Mehrfacher Mietrückstand

Hast Du innerhalb der letzten zwei Jahre schon einmal eine fristlose Kündigung wegen Mietschulden bekommen, kannst Du eine zweite Kündigung auch durch eine Nachzahlung nicht mehr aus der Welt schaffen.

Enttäuschtes Vertrauen

Dein Vermieter darf auch dann fristlos kündigen, wenn er nicht mehr darauf vertrauen kann, dass Du pünktlich zahlst. Zahlst Du kurz nach einer Abmahnung wegen Unpünktlichkeit schon wieder zu spät, dann darf er auch fristlos kündigen (BGH, Urteil vom 4. Februar 2009, Az. VIII ZR 66/08).

Ordentliche Kündigung – hilfsweise

Neben der außerordentlichen fristlosen Kündigung sprechen Vermieter häufig gleichzeitig hilfsweise die ordentliche Kündigung aus. Das ist nach Auffassung des Bundesgerichtshofs zulässig (Urteile vom 19. September 2018, Az. VIII ZR 231/17 und VIII ZR 261/17).

Vermieter hoffen darauf, dass vor Gericht wenigstens die ordentliche Kündigung Bestand hat, selbst wenn die außerordentliche Kündigung für unwirksam erklärt wird oder nachträglich unwirksam wird.

Wird nämlich die fristlose Kündigung unwirksam, weil der Mieter seine Schulden innerhalb der zweimonatigen Schonfrist gezahlt hat, kann die ordentliche weiter Bestand haben (BGH, Beschluss vom 20. Juli 2016, Az. VIII ZR 238/15; Urteil vom 19. September 2018, Az. VIII ZR 231/17 und VIII ZR 261/17 ). In diesem Fall hast Du nur Zeit gewonnen. Nach Ablauf der regulären Kündigungsfrist musst Du ausziehen – auch wenn Du Deine Schulden beglichen hast.

Wann darf Dein Vermieter ansonsten fristlos kündigen?

Dein Vermieter darf auch aus einigen anderen Gründen fristlos kündigen, selbst wenn Du Deine Miete pünktlich gezahlt hast. Und zwar immer dann, wenn Du als Mieter Deine Pflichten verletzt hast. Wir haben einige Fälle für Dich zusammengestellt, zu denen Gerichte bereits geurteilt haben.

Erhebliche Belästigung der Hausbewohner - Wer seine Mitbewohner belästigt, riskiert eine fristlose Kündigung, wenn er dadurch nachhaltig den Hausfrieden stört (AG Berlin-Wedding, Urteil vom 25. Juni 2013, Az. 7 C 148/12). Auch wenn ein Mieter mehrfach täglich Tauben füttert, kann das eine außerordentliche Kündigung rechtfertigen (AG Nürnberg, Urteil vom 8. April 2016, Az. 14 C 7772/15).

Andauernde Lärmbelästigung - Andauernder Lärm kann den Hausfrieden stören und zur fristlosen Kündigung berechtigen (LG Berlin, Urteil vom 11. Februar 2010, Az. 67 S 382/09). Normale Wohngeräusche und Lärm von Kindern müssen aber alle Nachbarn ertragen. Deshalb darf ein Vermieter nicht fristlos kündigen (AG Frankfurt am Main, Urteil vom 9. September 2005, Az. 33 C 3943/04).

Unerlaubte Untervermietung - Auch wenn Du als Mieter einen Anspruch auf die Erlaubnis hast, einen Untermieter in Deine Wohnung aufzunehmen, darf Dein Vermieter kündigen, wenn Du ihn nicht informiert hast. Du kannst Dich aber gegen die Kündigung wehren und einwenden, dass er der Untermiete ohnehin hätte zustimmen müssen (dazu auch BGH, Urteil vom 4. Dezember 2013, Az. VIII ZR 5/13).

Unpünktliche Mietzahlung - Überweist Du die Miete ständig ein paar Tage zu spät, riskierst Du die Kündigung. Allerdings muss Dich Dein Vermieter vorher abgemahnt haben (BGH, Urteil vom 1. Juni 2011, Az. VIII ZR 91/10).

Vertragswidrige Nutzung - Nutzt Du Deine Wohnung vertragswidrig, kann das nach erfolgloser Abmahnung zur fristlosen Kündigung führen – etwa weil Du in der Wohnung ein Gewerbe betreibst oder dort arbeitest und Kunden bei Dir ein- und ausgehen (BGH, Urteil vom 10. April 2013, Az. VIII ZR 213/12).

Gefährdung der Mietsache - Lüftest Du Deine Wohnung nicht regelmäßig, kann das eine Kündigung nach sich ziehen, wenn sich dadurch Schimmel bildet (AG Hannover, Urteil vom 31. August 2005, Az. 565 C 15388/04). Auch wenn Du Heizkosten sparen willst und deshalb nicht ausreichend heizt, obwohl Frostgefahr besteht, darf Dein Vermieter kündigen (LG Hagen, Urteil vom 19. Dezember 2007, Az. 10 S 163/07).

Kaution nicht gezahlt - Hast Du Deine Kaution noch nicht gezahlt und entsprechen Deine Kautionsschulden einer zweifachen Monatsmiete, darf Dein Vermieter fristlos kündigen. Eine Schonfrist, in der Du nachzahlen könntest, gibt es nicht. Auch eine Abmahnung ist nicht erforderlich (§ 569 Abs. 2a BGB).

Vorvermieterbescheinigung gefälscht - Wer eine Vorvermieterbescheinigung fälscht, kann fristlos gekündigt werden (BGH, Urteil vom 9. April 2014, Az. VIII ZR 107/13).

Kündigung ist meist erst nach Abmahnung möglich

Bevor Dich Dein Vermieter wegen einer Pflichtverletzung kündigen darf, muss er Dich in der Regel abmahnen und auffordern, das vertragswidrige Verhalten zu beenden (§ 543 Abs. 3 BGB).

Erst wenn Du die Abmahnung nicht beachtest, darf er kündigen. Das bedeutet für Dich: Hast Du keine Abmahnung bekommen, ist die Kündigung Deines Vermieters in vielen Fällen unwirksam.

Wann musst Du nach fristloser Kündigung ausziehen?

Ziehst Du trotz der außerordentlichen fristlosen Kündigung nicht aus, kann Dein Vermieter Dich nicht einfach auf die Straße setzen: Er muss beim zuständigen Amtsgericht auf Räumung klagen. Das Gericht prüft dann, ob die außerordentliche fristlose Kündigung zulässig und begründet war.

Selbst wenn Du vor Gericht verloren hast, kann Dich Dein Vermieter nicht eigenmächtig auf die Straße setzen: Er muss in jedem Fall einen Gerichtsvollzieher mit der Vollstreckung des Urteils beauftragen. Nur dieser darf die Zwangsräumung vornehmen. Er versiegelt dann die Wohnung und verweigert Dir den Zutritt. Die Kosten dafür musst Du zahlen.

Damit es nicht so weit kommt: Wehre Dich rechtzeitig gegen die Kündigung! Lass Dich von einem Mieterverein oder einem Rechtsanwalt beraten! Wie Du einen guten Rechtsanwalt für Mietrecht findest, haben wir näher erklärt in unserem Ratgeber Anwaltssuche und Anwaltskosten.

Wann kannst Du als Mieter fristlos kündigen?

Auch als Mieter kannst Du außerordentlich fristlos kündigen, wenn Du die Mietwohnung ganz oder teilweise nicht rechtzeitig oder gar nicht mehr nutzen kannst. Dass von der Wohnung möglicherweise erhebliche Gefahren für Deine Gesundheit ausgehen, ist ein weiterer Grund.

Dieses Kündigungsrecht ist besonders wichtig, wenn Du Dein Mietverhältnis gar nicht ordentlich kündigen kannst, weil Du einen befristeten Mietvertrag unterschrieben hast. Auch in einem ordentlich kündbaren Mietverhältnis bietet die fristlose Kündigung die Möglichkeit, schneller aus dem Vertrag auszusteigen.

Beispiele für Nichtgewährung des vertragsgemäßen Gebrauchs

Wir haben einige Gründe aufgelistet, wann Du als Mieter fristlos kündigen kannst:

  • Dein Vermieter hat den Schlüssel nicht übergeben oder die Wohnung ist noch anderweitig vermietet.
  • Wegen Bauarbeiten kannst Du die Wohnung zeitweise nicht nutzen.
  • Die tatsächliche Wohnfläche unterschreitet die im Mietvertrag angegebene um mehr als 10 Prozent (BGH, Urteil vom 29. April 2009, Az. VIII ZR 142/08).
  • Der Vermieter behält Schlüssel für die Wohnung und betritt sie ohne hinreichenden Grund  (OLG Celle, Beschluss vom 5. Oktober 2006, Az. 13 U 182/06).
  • Während der Heizperiode fällt Deine Heizung für längere Zeit aus (KG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 28. April 2008, Az. 8 U 209/07).

Beispiele für eine erhebliche Gesundheitsgefährdung

Ohne die Kündigungsfrist abzuwarten, kannst Du als Mieter fristlos kündigen, wenn Deine Gesundheit in Gefahr ist. Dazu einige Beispiele aus der Rechtsprechung.

  • Ob Schimmelpilz in Mieträumen die Gesundheit der Bewohner gefährdet, lässt sich nicht allgemein beantworten und kann in vielen Fällen nur durch ein medizinisches Sachverständigengutachten geklärt werden (BGH, Urteil vom 18. April 2007, Az. VIII ZR 182/06).
  • Entsprechen Haus oder Wohnung nicht den baulichen Sicherheitsstandards, kannst Du kündigen. Das gilt besonders dann, wenn Treppen, Fußböden oder Galerien nicht verkehrssicher sind  (OLG Brandenburg, Urteil vom 2. Juli 2008, Az. 3 U 156/07). Aber auch wenn Dein Vermieter die Brandschutzvorschriften nicht eingehalten hat, riskierst Du Deine Gesundheit und kannst deshalb den Mietvertrag beenden.
  • Ist die Wohnung nach einem Hochwasser auf absehbare Zeit nicht bewohnbar und sind Gesundheitsgefährdungen wegen Schlamm in der Wohnung zu befürchten, darfst Du ebenfalls fristlos kündigen.

Zuerst abmahnen

Du solltest nicht vergessen, den Vermieter abzumahnen oder ihm eine Frist zur Abhilfe zu setzen, bevor Du die fristlose Kündigung aussprichst. Erläutere genau, was nicht in Ordnung ist und fordere Deinen Vermieter auf, den Missstand innerhalb einer angemessenen Zeit zu beheben. Die Frist, die Du Deinem Vermieter einräumen musst, hängt davon ab, was Du beanstandet hast. Wir empfehlen zwei Wochen.

Keine fristlose Kündigung bei Jobwechsel oder -verlust

Deinen Mietvertrag kannst Du nicht außerordentlich kündigen, wenn Du Deinen Job wechselst oder verlierst. Du kannst aber Deinen Vermieter bitten, den Vertrag vorzeitig aufzuheben – zum Beispiel weil Du einen Nachmieter stellst.

Mehr dazu im Ratgeber Rechtsschutzversicherung

Zum Ratgeber

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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 09.11.2020 14:45:00 +0000
Tagesgeldvergleich : Die besten Konten für Dein Tagesgeld https://www.finanztip.de/tagesgeld/ https://www.finanztip.de/?id=308Tagesgeldvergleich
Das Wichtigste in Kürze
  • Ein Tagesgeldkonto hilft Dir, Geld sicher zu parken. Du kannst jederzeit Geld abheben oder einzahlen.
  • Auch wenn es heute weniger Zinsen gibt als früher: Ein Vergleich lohnt sich immer noch.
  • Ein Geldpolster für kurzfristige Ausgaben ist sehr wichtig. Ein Tagesgeldkonto ist besser geeignet als Dein normales Girokonto.
  • Die aktuell besten Banken für Tagesgeld findest Du mit unserem Rechner
Die besten Tagesgeldkonten
  • Für Neukunden: Renault Bank Direkt (0,5 Prozent pro Jahr für drei Monate), Advanzia Bank (0,4 Prozent pro Jahr für drei Monate), Bank of Scotland (zusätzlich 0,4 Prozent pro Jahr für drei Monate ab 15.12.)
  • Für alle Kunden: Leaseplan Bank (0,30 Prozent pro Jahr), TF Bank (0,30 Prozent pro Jahr), Opel Bank (0,25 Prozent pro Jahr), PSA Direktbank (0,25 Prozent pro Jahr)
  • Dauerhaft gutes Tagesgeld: Leaseplan Bank (0,30 Prozent pro Jahr), TF Bank (0,30 Prozent pro Jahr), Nordax Bank über Weltsparen (0,20 Prozent pro Jahr)

Du möchtest Geld auf die hohe Kante legen, auf das Du jederzeit zugreifen kannst, und das auch noch ordentlich verzinst wird? Früher hätte man Dir wohl zu einem Sparbuch geraten. Doch vor allem Kündigungsfristen und Höchstbeträge haben das gute alte Sparbuch uninteressant gemacht. Einfacher und flexibler sparen kannst Du heute mit einem Tagesgeldkonto.

Flexibel sein ist das eine. Doch bleibt noch die Sache mit den ordentlichen Zinsen. Das ist nicht so einfach. Denn selbst bei den besten Anbietern bekommst Du weniger als 1 Prozent pro Jahr. Und: Manche Banken und Sparkassen haben überhaupt kein Tagesgeldkonto mehr im Programm – oder schrecken Neukunden sogar mit Negativzinsen ab. Umso wichtiger ist es, die wenigen Zinschancen, die der Markt heute bietet, zu nutzen. Und die findest Du am besten mit dem Finanztip-Tagesgeldvergleich.

Vergleiche Zinsen mit unserem Tagesgeldrechner

Wie viel möchtest Du anlegen?

Gib einen Betrag zwischen 500 € und 500.000 € ein.

Wie lange möchtest Du anlegen?

Der Finanztip-Tagesgeldrechner basiert auf Daten von mehr als 100 Banken, die der Dienstleister Financeads GmbH & Co KG, Nürnberg, (Datenschutzhinweise) zur Verfügung stellt. Diese haben wir mit unseren Parametern so gefiltert, dass Du ein verbraucherfreundliches Ergebnis nach Finanztip-Kriterien bekommst. Die Auswahl der Tagesgeldkonten erhebt keinen Anspruch auf einen vollständigen Marktüberblick. Wir übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit und Aktualität der hier bereitgestellten Informationen. Für Schäden aus fehlerhaften Daten oder durch die Nutzung des Rechners übernehmen wir keine Haftung.

Warum solltest Du Tagesgeld haben?

Ein Tagesgeldkonto ist der ideale Parkplatz. Für Geld, das Du absehbar brauchen wirst und getrennt von Deinen laufenden Einnahmen und Ausgaben aufbewahren möchtest. Als Konto neben Deinem Girokonto.

Mit einem Tagesgeldkonto nutzt Du das Prinzip „aus den Augen, aus dem Sinn“ – und zwar positiv. Du solltest nicht unterschätzen, wie wirkungsvoll das ist. Wenn Du jeden Monat einen festen Betrag von Deinem Girokonto aufs Tagesgeldkonto überweist (am besten per Dauerauftrag und kurz nach Gehaltseingang), wirst Du das Geld vermutlich gar nicht so sehr vermissen. Umso schöner, wenn sich dann schon bald das Tagesgeld anhäuft. 

Wer gerade für das nächste Auto, die Hochzeit oder den Jahresurlaub Geld beiseitelegen möchte, sollte die besten Angebote beim Tagesgeld nutzen. Auch Sparer, die gerade einen Wohnungs- oder Hauskauf oder einen Umzug samt neuer Einrichtung vorbereiten, können das zukünftige Eigenkapital erst einmal auf ein Tagesgeldkonto einzahlen. Und schließlich lässt sich auf dem Tagesgeldkonto eine gewisse Notreserve für Reparaturen oder sonstige unerwartete Ausgaben vorhalten.

Weniger gut passt das Tagesgeldkonto zum langfristigen Sparen. Denn wenn Du Deiner Bank Geld für längere Zeit überlässt, hast Du in anderen Anlageformen die Chance auf deutlich höhere Zinsen. Gehst Du davon aus, dass die Zinsen weiter sinken oder niedrig bleiben, solltest Du mit einem Teil Deines Guthabens zum Festgeld wechseln. So verschaffst Du Dir Zinssicherheit für den gewählten Zeitraum.

Suchst Du grundsätzlich eine höhere Rendite, ist es am besten, sichere Anlagen wie das Tagesgeld und Festgeld mit anderen Formen der Geldanlage zu mischen. Aktienfonds sind wie Tagesgeld täglich verfügbar, unterliegen aber Kursschwankungen. Andererseits liegen die Renditen in guten Jahren um ein Vielfaches über den Zinssätzen von Festgeld- und Tagesgeldkonten. Wie Du den richtigen Mix bei Deinen Anlageformen hinbekommst, beschreibt unser Ratgeber Geldanlage.

Wie findest Du eine sichere Bank?

Beim Tagesgeld steht der Zins erst an zweiter Stelle. Es ist prima, dass es ihn gibt, anders als beim Girokonto. Noch wichtiger ist die Sicherheit der Bank. Das liegt an der Einlagensicherung. Diese gilt nicht unbegrenzt, sondern bis zu einem Höchstbetrag von derzeit 100.000 Euro je Bank und Kunde.

Die Einlagensicherung besteht zwar in allen Ländern der EU und des Europäischen Wirtschaftsraums EWR; im Ernstfall ist jedoch nicht vorhersehbar, ob sie wirklich in allen beteiligten Ländern funktioniert. Deshalb solltest Du Geld nur bei sicheren Banken in zahlungskräftigen Ländern anlegen.

Finanztip verwendet für die Bewertung einer Bank ein besonderes Auswahlverfahren. Es basiert auf den Bewertungen, mit denen die Ratingagenturen die Zahlungsfähigkeit der Heimatländer der Banken beurteilen (Bonitätsnoten). Wir empfehlen nur Banken, die schon seit mindestens zwei Jahren Tages- und/oder Festgeld-Angebote für Kunden in Deutschland machen und gleichzeitig ihren Sitz in einem wirtschaftlich stabilen Land wie Deutschland oder Frankreich haben.

Im Finanztip-Tagesgeldrechner findest Du im Reiter „Empfehlungen“ Banken, die unsere Kriterien erfüllen. Eine Übersicht mit weiteren Tagesgeld-Angeboten gibt es im Reiter „Alle Tagesgeldkonten“.

Den Zinseszins beim Sparen einfach berechnen

Wie eröffnest Du ein Tagesgeldkonto?

Die Kontoeröffnung läuft in der Regel unkompliziert und schnell online. In jedem Fall überprüft die Bank Deine Angaben anhand Deines Passes oder Personalausweises, entweder in einer Postfiliale (Postident-Verfahren), bei manchen Banken auch per Video (Videoident-Verfahren).

Quelle: Leaseplan Bank (Stand: 1.11.2020)

Erst danach eröffnet die Bank das Konto, und Du kannst Geld einzahlen. Überweisungen in die andere Richtung – also vom Tagesgeldkonto aufs Girokonto – gehen nur auf ein vorab festgelegtes Referenzkonto, nicht auf jedes beliebige.

Was solltest Du noch zum Tagesgeldkonto wissen?

Wozu benötige ich überhaupt ein Tagesgeldkonto?

Kann ich zum Sparen nicht mein Girokonto oder Sparbuch nutzen?

Benötige ich neben meinem Tagesgeld- auch ein Festgeldkonto?

Wo kann ich sonst noch höhere Zinsen erhalten?

Soll ich eine Notreserve von zwei bis drei Monatsgehältern vorhalten?

Wie werden die Zinsen auf meinem Tagesgeldkonto besteuert?

Soll ich mit einem Tagesgeldkonto für die Altersvorsorge sparen?

Melde Dich jetzt an zum kostenlosen Video-Online-Kurs und erfahre in kurzen Videos alles zum Thema Geldanlage.

Wie erkennst Du Lock-Zinsen?

„Zins-Bonus“ und andere Werbesprüche klingen zwar prima. Kunden, die schon länger bei der Bank sind, erhalten aber keine Aktionszinsen, sondern den (niedrigeren) Zinssatz für Bestandskunden. Doch auch dort gibt es große Unterschiede: Manche Anbieter halten sich für Bestandskunden über Monate und Jahre auf den vorderen Plätzen unserer Rangliste.


Du hast bereits das richtige Tagesgeldkonto für Dich gefunden?
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Jetzt Tagesgeld bewerten

Im Finanztip-Tagesgeldrechner kannst Du die Zinsen für den gewählten Zeitraum direkt ablesen. Ob Du diesen Betrag am Ende wirklich auf das Tagesgeldkonto bekommst, hängt allerdings davon ab, ob der Anbieter die Zinsen während dieses Zeitraums beibehält.

Manchen Sparern macht es Spaß, ein- bis zweimal im Jahr das Tagesgeldkonto zu wechseln. Wem das zu mühsam ist, sollte auf Banken mit dauerhaft guten Zinsen setzen. Zahlte eine Bank in den vergangenen Monaten und Jahren regelmäßig attraktive Zinsen, so sehen wir das als Hinweis, dass die Bank die Sparguthaben ihrer Kunden langfristig halten möchte. Wir haben die Konditionen der vergangenen zwölf Monate von den Anbietern verglichen, die unsere Stabilitätskriterien erfüllen. Eine handfeste Garantie für die Zukunft ist das leider trotzdem nicht. Wer die möchte, sollte sich Festgeld ansehen.

Diese Banken bieten dauerhaft gute Zinsen

Anbieter durchschnittlicher Zins
vergangene 12 Monate,
pro Jahr
derzeitiger Zinssatz
für Bestandskunden,
pro Jahr
besseres Tagesgeld    
TF Bank 0,45 % 0,30 %
Leaseplan Bank 0,40 % 0,30 %
Nordax Bank (Weltsparen) 0,38 % 0,20 %
Hoist Finance (Weltsparen) 0,33 % 0,0 %
Advanzia Bank1 0,33 % 0,25 %
Opel Bank 0,30 % 0,25 %
Renault Bank Direkt1 0,28 % 0,25 %
Cosmosdirekt  0,28 % 0,21 %
PSA Direktbank 0,25 % 0,25 %
Ikano Bank 0,24 % 0,24 %
Akbank 0,24 % 0,15 %
NIBC Direct 0,23 % 0,20 %
weitere Banken    
Volkswagen Bank / Audi Bank 0,08 % 0,05 %
ING 0,005 % 0,001 %
DKB 0,09 % 0,01 %2
Consorsbank 0,01 % 0,01 %

Quelle: Finanztip-Berechnung, aktuelle Zinssätze bei einem Anlagebetrag von 10.000 Euro (Stand 16. Juli 2020), Durchschnitte linke Spalte (Stand: 4. September 2020)
1 für Neukunden gelten zunächst höhere Zinsen
2 für Neukunden zwölf Monate lang nach Kontoeröffnung sowie Kunden mit einem Geldeingang von jeweils mindestens 700 Euro in den zurückliegenden drei Monaten auf dem Girokonto

So haben wir analysiert

Bei unseren Finanztip-Empfehlungen für Tagesgeldkonten verbinden wir zwei zentrale Kriterien miteinander: wie sicher und wie lukrativ Deine Geldanlage ist.

Du kannst detailliert nachlesen, wie wir eine sichere Bank definieren. Unser Tagesgeld-Rechner sortiert diese Banken dann nach der Höhe ihrer aktuellen Zinsen, damit Du eine bessere Rendite als auf dem Girokonto bekommst.

Empfehlungen aus dem Ratgeber

  • Für Neukunden: Renault Bank Direkt (0,5 Prozent pro Jahr für drei Monate), Advanzia Bank (0,4 Prozent pro Jahr für drei Monate), Bank of Scotland (zusätzlich 0,4 Prozent pro Jahr für drei Monate ab 15.12.)
  • Für alle Kunden: Leaseplan Bank (0,30 Prozent pro Jahr), TF Bank (0,30 Prozent pro Jahr), Opel Bank (0,25 Prozent pro Jahr), PSA Direktbank (0,25 Prozent pro Jahr)
  • Dauerhaft gutes Tagesgeld: Leaseplan Bank (0,30 Prozent pro Jahr), TF Bank (0,30 Prozent pro Jahr), Nordax Bank über Weltsparen (0,20 Prozent pro Jahr)
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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 06.11.2020 15:55:00 +0000
Netzabdeckung Deutschland : Immer im richtigen Handynetz unterwegs https://www.finanztip.de/handynetze/ https://www.finanztip.de/?id=2365Netzabdeckung Deutschland

Deutschland hat drei Mobilfunknetze: Die Deutsche Telekom betreibt das D1-Netz, Vodafone das D2-Netz und Telefónica Deutschland das O2-Netz (E-Netz). Das bedeutet: egal bei welchem Anbieter Sie Ihren Vertrag haben, Sie telefonieren und surfen immer in einem dieser drei Handynetze. Die Netze unterscheiden sich erheblich in ihrer Qualität.

Ein weiteres Handynetz plant der Mobilfunk-Discounter Drillisch aufzubauen. Allerdings dürfte Drillisch noch einige Jahre brauchen, um die Tausenden Handymasten und Antennen aufzustellen, die für ein eigenes Handynetz nötig sind.

Das Wichtigste in Kürze
  • Sie surfen und telefonieren in Deutschland immer in einem der drei Handynetze.
  • Das beste Netz hat nach wie vor die Telekom, knapp gefolgt von Vodafone. Telefónica (O2-Netz) kommt mit etwas Abstand an dritter Stelle.
  • Mit der Telekom stecken Sie am seltensten im Funkloch, zahlen aber auch ordentlich drauf.
  • Bei Vodafone halten sich Qualität und Preis die Waage.
  • Tarife im O2-Netz sind oft wesentlich billiger, schwächeln aber besonders auf dem Land.
So gehen Sie vor
  • Prüfen Sie die Netzabdeckung vor Ort, zum Beispiel mit der Mobilfunk-Karte der Bundesnetzagentur.

  • Im Finanztip-Handyrechner können Sie das passende Netz direkt auswählen:

Zum Tarifrechner 

  • Achten Sie unbedingt auf schnelles LTE-Internet. Sie sollten nur darauf verzichten, wenn Sie sehr selten unterwegs surfen.

Warum ist die Frage nach dem Netz so wichtig?

In manchen ländlichen Regionen liegen Welten zwischen den Netzen. Während D1-Netz-Nutzer der Telekom wunderbar telefonieren und surfen können, bleibt O2-Netz-Nutzern bestenfalls schlechter Empfang. Das ändert sich jedoch langsam. In vielen Großstädten hat Telefónica bereits fast zu Telekom und Vodafone aufgeschlossen.

Machen Sie unbedingt den Netz-Test, prüfen Sie also Ihre Netzabdeckung dort, wo Sie sie brauchen werden. Haben Sie auch im O2-Netz guten Empfang, kann es sein, dass Sie 10 bis 20 Euro im Monat an Ihrem Handytarif sparen können. Doch seien Sie sich bei all dem Sparpotenzial bewusst: Das Handynetz ist einer der wichtigsten Qualitätsmerkmale. Sie sollten es daher sorgfältig auswählen.

Um herauszufinden, welches Handynetz Sie aktuell verwenden, können Sie Ihre Nummer etwa bei netz-abfrage.de eingeben.

Auch wenn Sie Ihren neuen Tarif nicht direkt bei einem der drei Netzbetreiber abschließen, sondern bei einem Mobilfunk-Discounter, werden Sie in einem der drei Netze unterwegs sein. Der Grund: Mobilfunk-Discounter verkaufen lediglich Leistungen weiter – Minuten, SMS und Daten –, die sie selbst zuvor bei den Netzbetreibern eingekauft haben.

So gut sind die einzelnen Netze

Bildunterschrift: "Von links nach rechts LTE-Netz von Telefónica, Vodafone und Telekom"
Quelle: "Bundesnetzagentur, Montage: Finanztip (Stand: 5. November 2020)"

Netzabdeckung individuell testen

Den Handyempfang vor Ort können Sie mit der offiziellen Mobilfunk-Karte der Bundesnetzagentur (BnetzA) prüfen. Die BNetzA nutzt dazu die tatsächlichen Mobilfunkdaten der Netzbetreiber und überprüft diese zusätzlich mit der Funkloch-App. Wollen Sie der Behörde bei der Überwachung der Netzbetreiber helfen, können Sie sich die Funkloch-App auf Ihr Smartphone laden. Mit der App können Sie außerdem die Internetgeschwindigkeit auf Ihrem Smartphone testen.

Prüfen Sie auf jeden Fall die Netzqualität an allen Orten, an denen Sie sich häufig aufhalten. Es ist ärgerlich, wenn Sie zwar an Ihrem Arbeitsplatz guten Empfang haben, aber in Ihrer eigenen Wohnung in die Röhre schauen müssen.

Welches ist das beste Netz?

Die Fachzeitschriften „Connect“ und „Chip“ schicken einmal im Jahr ihre Tester quer durchs Land. Die Tester führen Telefonate und prüfen die Internetverbindung. Dabei berücksichtigen sie städtische wie ländliche Gebiete, sie testen auf der Autobahn und bei Fahrten mit der Bahn.

Beide Fachzeitschriften sehen das Netz der Telekom auf Platz eins, sowohl bei der Sprachqualität als auch bei der Datenverbindung. Mit nur wenig Abstand folgt auf dem zweiten Platz das Mobilfunknetz von Vodafone. Diese Handynetze heißen auch D1-Netz beziehungsweise D2-Netz und werden manchmal zusammengefasst als D-Netz bezeichnet.

Auf dem dritten Platz landet mit etwas Abstand das Telefónica-Netz. In diesem hat Telefónica die Handynetze von O2 und E-Plus zusammengelegt. Das O2-Netz schneidet deutlich besser ab als in den Vorjahren, auch weil der Zusammenschluss der beiden Netze weitestgehend abgeschlossen ist.

Im Jahr 2017 hat zusätzlich auch die Stiftung Warentest die Qualität der Handynetze in Deutschland überprüft. Seitdem ist der Netzausbau aber stetig vorangeschritten. 

Connect-Netztest 2019/2020

Netz Note Punktzahl
gesamt
(von 1.000)
Internet
(480)
Telefon
(320)
Crowd

(200)

1. Telekom (D1) sehr gut 900

432

304 164
2. Vodafone (D2) gut 834 380 295 159
3. Telefónica (O2) gut 758 342 267 149

Quelle: Connect (Stand: Dezember 2019)

Chip-Netztest 2019/2020

Netz Note insgesamt
(Schulnote)
Internet Telefo-
nieren
Verfüg-
barkeit
1. Telekom (D1) sehr gut 1,3 1,3 1,3 1,4
2. Vodafone (D2) sehr gut 1,5 1,5 1,3 1,9
3. Telefónica (O2) gut 2,3 2,2 1,9 4,0

Quelle: Chip (Stand: Dezember 2019)

Netztest der Stiftung Warentest 2017

Netz Note insgesamt
(Schulnote)
Internet Telefonieren
1. Telekom (D1) gut 1,9 1,9 1,9
2. Vodafone (D2) gut 2,2 2,2 2,2
3. Telefónica (O2) befriedigend 2,6 2,6 2,6

Quelle: Stiftung Warentest (Stand: 16. Juni 2017)

Wie finde ich den passenden Tarif?

Nutzen Sie den verbraucherfreundlichen Handy-Tarifrechner von Finanztip – er zeigt Ihnen die günstigsten Handytarife in Ihrem Wunschnetz. Kann nur ein bestimmtes Netz garantieren, dass Sie guten Empfang an den für Sie wichtigen Orten haben, dann sollten Sie unseren Tarifrechner so einstellen, dass er ausschließlich Angebote in diesem Mobilfunknetz heraussucht.

Stellen Sie außerdem sicher, dass Sie das LTE-Netz (4G) nutzen können. Alle drei Netzbetreiber stellen ihre Handynetze mehr und mehr auf die neuen Technologien LTE und 5G um, zum Nachteil der älterer Mobilfunkstandards.

Preis und Qualität abwägen

Wenn Sie auf Nummer sicher in Sachen Netzempfang gehen wollen, dann sollten Sie ins Netz der Deutschen Telekom (D1) gehen. Die Auswahl an D1-Tarifen ist jedoch begrenzt und die Angebote im besten Netz relativ teuer.

Weniger kosten die Tarife im guten Netz von Vodafone (D2). Sie halten ein ordentliches Preis-Leistungsverhältnis. Insbesondere beim Telefonieren ist der Unterschied zwischen den beiden D-Netzen minimal. Die Telekom hat vor allem beim Surfen die Nase leicht vorn.

Wenn Sie sich hingegen für eines der günstigsten Angebote am Markt entscheiden, werden Sie aller Wahrscheinlichkeit nach im Mobilfunknetz von Telefónica (O2) landen. Das muss für Sie persönlich nicht mal schlecht sein. Das O2-Handynetz kann zwar bei der Qualität nicht mit den D-Netzen mithalten. Für preisbewusste Kunden aber ist ein Tarif im Telefónica-Netz dennoch oft die richtige Wahl. Beachten Sie dabei: O2 fokussiert seinen Netzausbau vor allem auf Städte. Gerade in Großstädten haben Sie daher auch mit O2 einen guten Empfang. Problematisch kann es hingegen auf dem Land werden.

E-Plus wird zu O2: Aus zwei Netzen wird eins

Der Netzbetreiber Telefónica (O2) hat 2013 den Konkurrenten E-Plus übernommen. In den folgenden Jahren hat er die beiden Netze zusammengelegt. Wer noch einen alten E-Plus-Vertrag hat, nutzt mittlerweile das O2-Netz. Durch den Zusammenschluss konnte Telefónica seine Netzqualität in den vergangenen Jahren deutlich verbessern.

Der Finanztip-Handyrechner findet verbraucherfreundliche Angebote

Welche Netzanbieter bevorzugst Du?

Wir haben die Netze nach ihrer durchschnittlichen Leistungsfähigkeit sortiert. Die Netzqualität unterscheidet sich lokal. Prüfe die Abdeckung an Orten, wo Du Dich häufig aufhältst.

Was ist Dir wichtiger: Flexibilität oder Preis?

Eine kürzere Vertragslaufzeit kann die Kosten etwas erhöhen. Prepaid-Karten eignen sich etwa für Kinder.

Wie viele Minuten telefonierst Du monatlich?
Allnet-Flat

Hinweis: Finanztip empfiehlt eine Allnet-Flat ab etwa 250 Minuten.

Wie viel Datenvolumen benötigst Du?
LTE / 4G

Hinweis: Für Smartphones empfiehlt Finanztip grundsätzlich LTE.

Der Finanztip-Handy-Tarifrechner basiert auf Daten des Dienstleisters Tariffuxx aus Fuchstal (Bayern), da der Dienstleister in unserem Vergleich gut abgeschnitten hat. Diese Daten filtern wir mit unseren Parametern so, dass Du ein verbraucherfreundliches Ergebnis nach Finanztip-Kriterien bekommst.

Die Auswahl der angebotenen Tarife erhebt keinen Anspruch auf einen vollständigen Marktüberblick. Wir übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit und Aktualität der hier bereitgestellten Informationen. Für Schäden aus fehlerhaften Daten oder durch die Nutzung des Rechners übernehmen wir ebenfalls keine Haftung.

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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 06.11.2020 12:37:00 +0000
Handytarife vergleichen : Mit Finanztip schnell und einfach den besten Handytarif finden https://www.finanztip.de/handytarife/ https://www.finanztip.de/?id=2366Handytarife vergleichen

Wegen der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung die Mehrwertsteuer vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2020 um 3 Prozent gesenkt. Leider gehen Mobilfunkanbieter damit unterschiedlich um. Einige senken ihre Preise, andere geben bei der nächsten Rechnung einen Ausgleichbetrag. Im folgenden Ratgeber finden Sie die Preise daher mit vollen 19 Prozent Mehrwertsteuer. So bleiben die Angebote besser vergleichbar. Bis zum 31. Dezember zahlen Sie für Ihren Handyvertrag aber 3 Prozent weniger.

Das Wichtigste in Kürze
  • Je nachdem, wie häufig Sie zum Handy greifen, lohnt sich einer von drei Handytarif-Typen für Sie am meisten: Allnet-Flats, Pakettarife oder Prepaid-Tarife.
  • Wir helfen Ihnen, den richtigen Vertrag zu finden: mit ausreichend Datenvolumen und Gesprächsminuten bei einer möglichst kurzen Vertragslaufzeit. Und das alles natürlich im richtigen Netz.
  • Bei Kombiangeboten müssen Sie sich schon ziemlich gut auskennen, um am Ende nicht draufzuzahlen. Meist ist es günstiger, Smartphone und Handytarif einzeln zu kaufen.
Die Finanztip-Empfehlungen für ...
  • Vieltelefonierer im O2-Netz: Blau Allnet L (8 Euro im Monat).
  • Vieltelefonierer im D-Netz: Lidl Connect Smart S (Vodafone-Netz) für monatlich rund 8,70 Euro; Smart S von Norma (Telekom-Netz) für rund 8,70 Euro im Monat.
  • sparsame Handynutzer im D-Netz: Prepaid Basic von Ja! Mobil - Rewe (Telekom-Netz) für 5,40 Euro im Monat; Smart XS von Lidl Connect (Vodafone-Netz) für knapp 5,40 Euro im Monat.
  • Wenn Sie gern und viel telefonieren, lohnt sich eine Allnet-Flat. Falls Sie nur selten zum Handy greifen, sparen Sie mit einem Prepaid-Tarif. Wollen Sie die Handytarife lieber selbst vergleichen, können Sie mit unserem Handy-Tarifrechner aus den besten Angeboten wählen.

Zum Handyrechner

Wer einfach in einen Handyladen spaziert, um einen Mobilfunktarif abzuschließen, zahlt mehr als ein Online-Kunde. Denn ein guter Mobilfunk-Händler berät seinen Kunden, damit dieser unter Hunderten Handytarifen einen passenden für sich findet. Diese Beratung kostet natürlich Geld – meistens enthalten in etwas höheren Grundgebühren

Online sind Handytarife oft günstiger zu haben. Allerdings ist die Auswahl so groß, dass es schier unmöglich scheint, alle Tarife selbst zu vergleichen und den günstigsten zu finden. Außerdem sind die Tarifdetails oft kompliziert. Um den Durchblick zu behalten, gibt es Vergleichsrechner im Internet, die in wenigen Sekunden Tausende Mobiltarife durchstöbern. Besonders verbraucherfreundlich ist der Handyrechner von Finanztip.

Mit dem Handyrechner von Finanztip finden Sie den richtigen Tarif

Welche Netzanbieter bevorzugst Du?

Wir haben die Netze nach ihrer durchschnittlichen Leistungsfähigkeit sortiert. Die Netzqualität unterscheidet sich lokal. Prüfe die Abdeckung an Orten, wo Du Dich häufig aufhältst.

Was ist Dir wichtiger: Flexibilität oder Preis?

Eine kürzere Vertragslaufzeit kann die Kosten etwas erhöhen. Prepaid-Karten eignen sich etwa für Kinder.

Wie viele Minuten telefonierst Du monatlich?
Allnet-Flat

Hinweis: Finanztip empfiehlt eine Allnet-Flat ab etwa 250 Minuten.

Wie viel Datenvolumen benötigst Du?
LTE / 4G

Hinweis: Für Smartphones empfiehlt Finanztip grundsätzlich LTE.

Der Finanztip-Handy-Tarifrechner basiert auf Daten des Dienstleisters Tariffuxx aus Fuchstal (Bayern), da der Dienstleister in unserem Vergleich gut abgeschnitten hat. Diese Daten filtern wir mit unseren Parametern so, dass Du ein verbraucherfreundliches Ergebnis nach Finanztip-Kriterien bekommst.

Die Auswahl der angebotenen Tarife erhebt keinen Anspruch auf einen vollständigen Marktüberblick. Wir übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit und Aktualität der hier bereitgestellten Informationen. Für Schäden aus fehlerhaften Daten oder durch die Nutzung des Rechners übernehmen wir ebenfalls keine Haftung.

Wie wir aus mehreren Tests mit Nutzern wissen, können Vergleichsportale für Handytarife leicht überfordern. Wer mit einer Vielzahl an Einstellungsmöglichkeiten konfrontiert ist, trifft schnell die falsche Wahl. Deshalb hat Finanztip einen eigenen Vergleichsrechner für Handytarife entwickelt. Dabei haben wir konsequent darauf geachtet, dass Nutzer auch ohne Profiwissen zu einem guten Ergebnis gelangen.

Worauf kommt es bei einem günstigen Handytarif an?

Mit vier einfachen Entscheidungen kommen Sie zum passenden Mobilfunktarif.

Der Handyempfang hängt vom richtigen Netz ab

Leiden Sie unter chronisch schlechtem Empfang, müssen Sie wahrscheinlich Ihr Handynetz wechseln. Gerade auf dem Land sind die Netze der Telekom (D1) und von Vodafone (D2) besser als das von Telefònica (O2-Netz). Welches Netz vor Ort am besten ausgebaut ist, kann regional jedoch sehr unterschiedlich ausfallen.

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Das Handynetz stimmt bei Ihrem Vertrag nicht? Kündigen Sie ihn – Mit dem Musterschreiben von Finanztip.

Zum Download

Auch jeder Discounter und Drittanbieter in Deutschland nutzt eines der drei Handynetze. Ob Sie mit Congstar oder Telekom telefonieren, mit Aldi-Talk oder O2 surfen, mit Lidl-Connect oder Vodafone, macht nur in Ausnahmefällen einen merklichen Unterschied. Wenn Sie unsicher sind, welches Netz das richtige für Sie ist: Wir haben alle wichtigen Details in unserem Ratgeber über Netzqualität zusammengefasst.

Mehr Freiheit mit flexibler Vertragslaufzeit

Am geläufigsten sind Mobilfunktarife mit Prepaid-Karten, mit einmonatiger Kündigungsfrist und Verträge mit bis zu 24 Monaten Laufzeit. Prepaid-Tarife sind so flexibel wie monatlich kündbare Handyverträge und ermöglichen darüber hinaus eine höhere Kontrolle über die Telefonkosten. Dadurch sind Prepaid-Tarife besonders für Kinder und Gelegenheitsnutzer geeignet. Wer mal einen Monat auf das Handy verzichtet, muss beim Prepaid auch nichts dafür zahlen.

Flexible Verträge eignen sich für Schnäppchenjäger und für Wechsler, die noch nicht sicher sind, ob sie mit dem neuen Anbieter zufrieden sein werden – sei es wegen Netzempfang oder Service. Auch wenn sich der Bedarf an Telefonminuten oder Datenvolumen ändert, können Handybesitzer bei flexiblen Verträgen leicht den Tarif wechseln. Kurze Laufzeiten gibt es in der Regel nur bei Handytarifen ohne Handy.

Wenn Sie genau wissen, wie oft Sie zum Handy greifen, können Sie auch einen Handytarif mit einer Laufzeit von bis zu 24 Monaten abschließen. Tarife mit Vertragsbindung können ein bisschen günstiger sein als flexible Angebote. Außerdem laufen die meisten Handyverträge mit Handy über zwei Jahre.

Was heißt „lange telefonieren“, was „viel surfen“?

Wenn Sie sich auch mal am Handy festquatschen und eher länger als drei, vier Stunden im Monat telefonieren, dann lohnt sich eine Allnet-Flat. Auch SMS gehören in der Regel in die Allnet-Flat. Falls Sie noch regelmäßig diese Kurznachrichten schreiben, raten wir zur Flatrate. Damit wissen Sie im Vorfeld genau, welche Kosten auf Sie zukommen.

Allnet-Flats sind ganz klar auf dem Vormarsch. Gerade Tarife mit größerem Datenvolumen gibt es nur noch selten überhaupt ohne Allnet-Flatrate. Doch wenn Sie weniger als 200 Minuten telefonieren, finden Sie ab und an auch noch Mobilfunktarife mit inklusiven Freiminuten.

Lassen Sie das Handy hingegen so manchen Monat ganz liegen, empfehlen wir einen günstigen Handytarif, bei dem Sie pro Minute zahlen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, schauen Sie sich einfach Ihre letzten Telefonrechnungen an. Dort sind Telefondauer und SMS-Anzahl aufgeführt.

Um einen eventuellen Bonus für die Rufnummernmitnahme zu berechnen, geht unser Rechner davon aus, dass Sie Ihre Handynummer behalten wollen und zum neuen Anbieter mitnehmen.

Mit voller Fahrt auf der Datenautobahn

Der durchschnittliche Datenverbrauch in Deutschland beträgt etwa drei Gigabyte (GB). Auch wenn Sie mal einen Monat etwas mehr im Internet surfen, reichen vier Gigabyte normalerweise aus. Intensivnutzer mit Musik- und Videostreaming sollten mit fünf GB aufwärts rechnen. Nur wer sehr selten ins mobile Internet geht, sollte dabei auf LTE verzichten. Denn LTE bietet eine schnellere Internetverbindung und einen besseren Handyempfang.

Wer einen Handytarif für sein Tablet oder Surfstick sucht, kann leicht auf das Telefonieren verzichten. Doch sind normale Handytarife meist sogar günstiger als reine Datentarife.

Der monatliche Verbrauch des Datenvolumen steht nicht auf allen Handyrechnungen. Es gibt aber Apps, die das Surfvolumen anzeigen. Und viele Mobil-Betriebssysteme bieten diese Funktion sogar ohne Zusatzsoftware: Unter Android 8 mit Samsung-Oberfläche finden Sie die Information beispielsweise unter Einstellungen → Verbindungen → Datennutzung; iPhones mit iOS 12 zeigen den Datenverbrauch eines längeren Zeitraums unter Einstellungen → mobiles Netz.

Sonderfall Datenautomatik

Manche Tarife besitzen eine Datenautomatik. Vor allem bei sehr günstigen Handytarifen bucht der Anbieter automatisch kostenpflichtiges Datenvolumen nach, sobald der Nutzer sein Kontingent verbraucht hat. Meistens werden bis zu dreimal 2 Euro fällig für je 200 MB. Das ist fast immer zu teuer. 

Handytarife mit Datenautomatik eignen sich daher nur, wenn Sie Ihr Surfverhalten gut abschätzen können. Oder wenn das enthaltene Datenvolumen so großzügig ist, dass Sie nicht Gefahr laufen, es zu überschreiten. Deshalb berücksichtigt unser Handy-Tarifrechner nur abschaltbare Datenautomatiken oder solche, deren Volumengrenze mindestens ein Gigabyte über dem angegebenen Surfvolumen liegt.

Was sind die Finanztip-Kriterien für gute Handytarife?

Der Finanztip-Mobilfunkrechner bezieht seine Daten vom Dienstleister Tariffuxx. Dieser hat in unserem letzten Vergleich gut abgeschnitten und wurde zusammen mit Verivox und handytarife.de eine Finanztip-Empfehlung.

Die Tarifdaten filtert unser Rechner nach den Finanztip-Kriterien. So sortieren wir Handytarife mit überzogenen SMS-Preisen von mehr als 19 Cent aus. Außerdem ergänzen wir die Tarifdaten um redaktionelle Kommentare, um auf Besonderheiten hinzuweisen. Dazu zählt etwa eine ansteigende Grundgebühr, über die Sie sich im Klaren sein sollten.

Neben der Grundgebühr sollten Sie auf den Anschlusspreis achten, der zu Beginn des Vertrags einmalig anfällt. In manchen Fällen können Sie einmalige Kosten zurückholen, zum Beispiel mit einer SMS mit einem bestimmten Text oder in der App des Mobilfunkanbieter.

Bei einigen Tarifen müssen Sie eine zusätzliche Option abschließen, zum Beispiel eine Surf-Flat-Option für Datenvolumen. Dies ist besonders bei Prepaid-Tarifen sehr verbreitet. Falls dies nötig ist, weisen wir im Tarifnamen darauf hin.

Bei unübersichtlichen Angeboten kann es leicht passieren, dass Sie bei der Kombination verschiedener Optionen einen falschen Haken setzen und eine unerwünschte Zusatzoption abschließen. Achten Sie beim Ausfüllen der Formulare daher auf vermeintlich kostenlose Extras.

Einige Optionstarife schließt der Finanztip-Handyrechner aus, zum Beispiel, weil Sie zu viele Optionen auswählen müssen. Dazu zählt der „Wie ich will“-Tarif von Congstar. Dabei folgen wir dem Leitmotiv: Je mehr Optionen ein Tarif hat, desto schneller verliert man die Übersicht.

Mehr Transparenz durch Telekommunikations-Verordnung

Seit dem 1. Juni 2017 müssen Telekommunikations-Anbieter ihren Kunden ein Formblatt aushändigen, auf dem alle wichtigen Vertragsdaten über einen neu abgeschlossenen Handy- oder Festnetztarif stehen. Im „Produktinformationsblatt“ finden Sie die wichtigsten Kosten und Leistungen im Überblick.

Welcher Handytarif passt zu mir?

Allnet-Flats sind momentan schwer angesagt. Zum Pauschalpreis von weniger als 10 Euro rufen Sie damit unbegrenzt in allen Handynetzen sowie auf dem Festnetz an und können je nach Tarif auch unendlich viele SMS verschicken. Doch nicht für jeden ist ein Pauschaltarif die billigste Tarifart. Für einige Nutzer sind variable Konditionen günstiger; für andere wiederum Tarife mit Inklusiv-Einheiten (Minuten, SMS und MB), auch Pakettarife genannt.

Wenn Sie nicht all zu tief in die unterschiedlichen Tarifformen eintauchen möchten, können Sie sich auch einem der Finanztip-Nutzertypen anschließen. Die Redaktion sucht regelmäßig verbraucherfreundliche Handytarife nach den Finanztip-Kriterien raus, die für die meisten Handynutzer eine gute Wahl sind.

Die Finanztip-Empfehlungen für ...

  • Vieltelefonierer im O2-Netz: Blau Allnet L (8 Euro im Monat).
  • Vieltelefonierer im D-Netz: Lidl Connect Smart S (Vodafone-Netz) für monatlich rund 8,70 Euro; Smart S von Norma (Telekom-Netz) für rund 8,70 Euro im Monat.
  • sparsame Handynutzer im D-Netz: Prepaid Basic von Ja! Mobil - Rewe (Telekom-Netz) für 5,40 Euro im Monat; Smart XS von Lidl Connect (Vodafone-Netz) für knapp 5,40 Euro im Monat.

Handytarif-Arten und für wen sie sich lohnen

Handytarif

Beschreibung

Lohnt sich für wen?

Wo gibt es

mehr Infos?

Prepaid-Tarife (ohne Grundgebühr)

Abrechnung pro Minute, SMS und Datenmenge    Gelegenheitsnutzer, die das mobile Internet kaum benötigen Prepaid-Tarife
Billig telefonieren
Pakettarif

Freiminuten, Frei-SMS und begrenzte Daten-Flat; danach Abrechnung pro Minute, SMS und Datendrossel

Wenigtelefonierer, die gern im Internet surfen LTE-Tarife
Günstige Handyverträge
Allnet-Flat

Umfangreiche Grundgebühr; Anrufe und SMS in alle Netze und Daten-Flatrate inklusive

Rundum-sorglos-Paket und für Vieltelefonierer

Allnet-Flat,

LTE-Tarife

Quelle: Finanztip (Stand: Mai 2020)

Ein Smartphone günstig anschaffen

Die meisten günstigen Handytarife gibt es ohne Handy. Sie enthalten also nur eine Sim-Karte, ein Smartphone müssen Sie selbst kaufen. Ein Handytarif mit Handy lohnt sich nur, wenn das alte Smartphone ausgedient hat. Und in vielen Fällen ist es günstiger, wenn Sie Handy und Tarif einzeln kaufen.

Mehr dazu im Ratgeber Handy kaufen

  • Besonders bei neuen Smartphones lohnt sich ein Preisvergleich.
  • Preisvergleich: Idealobilliger.de, Geizhals

Zum Ratgeber

Video: Lohnen sich Handyverträge mit Smartphone?

Ergebnisse früherer Finanztip-Untersuchungen

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redaktion@finanztip.de (Arne Düsterhöft) 05.11.2020 13:41:00 +0000
Arbeitsfreistellung zur Pflege : Pflege-Notstand durch Corona-Krise: Was tun? https://www.finanztip.de/coronavirus/arbeitsfreistellung-zur-pflege/ https://www.finanztip.de/?id=7075Arbeitsfreistellung zur Pflege

Wer pflegebedürftige Angehörige hat, den trifft die Corona-Krise gleich doppelt: Zum einen sind diese Angehörigen oft besonders gefährdet durch das Virus. Zum anderen haben viele Familien ein Betreuungsproblem. Einrichtungen zur Tagepflege arbeiten nur in eingeschränktem Betrieb, bei vielen Pflegediensten gibt es Engpässe. Eine Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK aus dem November 2020 zeigt: 57 Prozent der befragten pflegenden Angehörigen geben an, dass ihr Zeitaufwand für die Pflege in der Pandemie gestiegen ist. Doch es gibt Unterstützungsangebote, die Pflegende in dieser schwierigen Situation entlasten können.

Wie lasse ich mich für die Pflege von der Arbeit freistellen?

Müssen Sie jetzt die Pflege zuhause organisieren, sollten Sie zunächst mit Ihrem Arbeitgeber sprechen. Vielleicht lässt sich eine Homeoffice-Regelung finden, mit der Sie Pflege und Job unter einen Hut bringen können.

Ist das nicht möglich, können Sie sich bei Pflegenotfällen wegen der Covid-19-Pandemie für 20 Tage von der Arbeit freistellen lassen. Diese coronabedingte Sonderregelung gilt bis zum 31. Dezember 2020. Normalerweise haben Sie zehn Arbeitstage Anspruch auf eine Freistellung vom Job. Dieses Recht haben alle Angestellten – unabhängig davon, wie groß die Firma ist (§ 2 Pflegezeitgesetz). Es gibt auch keine gesetzliche Frist, wie lange vorher Sie die kurzzeitige Verhinderung ankündigen müssen. Allerdings müssen Sie Ihrem Arbeitgeber auf Wunsch eine Bescheinigung des behandelnden Arztes über die Pflegebedürftigkeit Ihres Angehörigen vorlegen.

Sie können sich die freien Tage für die Pflege auch mit anderen Familienmitgliedern teilen. Bei zwei Geschwistern kann dann zum Beispiel jeder zehn Tage nehmen.

Wenn Sie während der Freistellung keinen Lohn bekommen, sollten Sie bei der Pflegekasse Ihres Angehörigen schnellstmöglich Pflegeunterstützungsgeld beantragen. Das sind 90 Prozent Ihres ausgefallenen Nettoentgelts. Haben Sie in den letzten zwölf Monaten Einmalzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld bekommen, sind es 100 Prozent. Der Höchstbetrag liegt bei 109 Euro pro Tag (Stand: 2020). Davon gehen aber noch Sozialversicherungsbeiträge ab. Das Pflegeunterstützungsgeld gibt es bis Ende 2020 ebenfalls für maximal 20 Tage zusätzlich. Den Antrag stellen Sie bei der Krankenkasse des Pflegebedürftigen – entweder als formloses Schreiben oder auf einem Formular, das die Kasse bereitstellt.

Ende Oktober ist eine wichtige Gesetzesänderung in Kraft getreten: Haben Sie schon vor der Pandemie einmal Pflegeunterstützungsgeld erhalten, werden diese Tage nicht auf die 20 Tage angerechnet, in denen Sie den Lohnersatz für Corona-Notfälle in der Pflege bekommen können. Bisher wurden die Tage angerechnet, so dass Pflegende insgesamt höchstens 20 Tage Lohnersatz bekommen konnten. Nun kommen die 20 Corona-Tage obendrauf. Die Änderung (§150 Abs. 5d SGB XI) gilt rückwirkend zum 23. Mai 2020. Falls Sie also schon Unterstützungsgeld für einen pandemiebedingten Pflegenotfall bekommen haben, dieses aber gekürzt wurde, sollten Sie eine Nachzahlung fordern.

Was Sie tun können, wenn Sie die Pflege für einen längeren Zeitraum umorganisieren müssen, erklären wir in den nächsten Abschnitten.
 

Wo kann ich mich beraten lassen?

Wenn Sie eine langfristige Lösung suchen, können Sie sich kostenfrei bei einer Pflegeberatungsstelle beraten lassen. Die Berater können Sie ganz individuell unterstützen und Ihre Fragen beantworten. Über die Datenbank des Zentrums für Qualität in der Pflege finden Sie die Telefonnummern von Angeboten in Ihrer Nähe. Experten des Familienministeriums beraten Sie unter 030 20179131. Und auch viele Krankenkassen haben eigene Pflegeberater.

Wie kann ich Pflegezeit beantragen?

Einige Einrichtungen für die Tages- und Nachpflege betreuen mittlerweile wieder Pflegebedürftige mit einem Hygienekonzept. Als Angestellter können Sie aber auch bis zu sechs Monate ganz oder teilweise aus dem Job aussteigen, um einen Angehörigen zu pflegen. Voraussetzung dafür ist, dass Ihr Angehöriger einen Pflegegrad hat. Einen Rechtsanspruch auf diese sogenannte Pflegezeit haben Sie, wenn das Unternehmen, in dem Sie arbeiten, mindestens 16 Beschäftigte hat. Die Pflegezeit müssen Sie Ihrem Arbeitgeber mindestens zehn Tage vor Beginn der Freistellung schriftlich ankündigen. Dafür können Sie dieses Musterschreiben des Familienministeriums verwenden.

Der große Haken dabei: Sie bekommen keinen Ersatz für den Verdienstausfall und können lediglich ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) beantragen. Das Darlehen wird in monatlichen Raten ausgezahlt und deckt grundsätzlich die Hälfte des durch die Arbeitszeitreduzierung fehlenden Nettogehalts ab. Sie können aber auch einen geringeren Darlehensbetrag in Anspruch nehmen. Bis Ende des Jahres 2020 werden bei der Berechnung der Darlehenshöhe Monate nicht berücksichtigt, in denen Ihr Einkommen aufgrund der Pandemie niedriger war (etwa wegen Kurzarbeit). Das müssen Sie aber mit entsprechenden Nachweisen beim BAFzA beantragen.

Ein weiterer Nachteil bei der Pflegezeit: Sie müssen sich selbst um Ihre Krankenversicherung kümmern, falls Sie Ihre Wochenarbeitszeit vorübergehend auf Null reduzieren. Wer einen gesetzlich versicherten Partner hat, kann sich in diesem Fall aber kostenfrei familienversichern. Immerhin genießen Sie während der Pflegezeit Kündigungsschutz.

Tenhagens Corona-Podcast

Welche Möglichkeiten gibt es noch, weniger zu arbeiten?

Arbeiten Sie in einer Firma mit mindestens 26 Mitarbeitern, können Sie Familienpflegezeit beantragen und damit bis zu 24 Monate lang Ihre Arbeitszeit reduzieren. So können Sie Ihren Angehörigen zuhause pflegen, arbeiten aber weiterhin mindestens 15 Stunden die Woche in Ihrem bisherigen Job. In Pandemie-Zeiten dürfen Sie die Mindestarbeitszeit von 15 Wochenstunden auch einen Monat lang unterschreiten.

Wollen Sie Familienpflegezeit nehmen, dann müssen Sie das Ihrem Arbeitgeber normalerweise mindestens acht Wochen vorher schriftlich ankündigen (§ 2a Abs. 1 FPfZG). Wegen der Covid-19-Pandemie hat der Bundestag aber einige Sonderregelungen bei der Familienpflegezeit beschlossen: Für Auszeiten, die spätestens am 1. Dezember 2020 beginnen, reicht es dem Arbeitgeber zehn Arbeitstage vorher in Textform Bescheid zu geben. Das geht zum Beispiel auch per E-Mail.

Normalerweise können Beschäftigte für jeden pflegebedürftigen Angehörigen nur ein einziges Mal Familienpflegezeit in Anspruch nehmen. Mit Zustimmung des Chefs können Sie bis Ende Dezember nicht ausgeschöpfte Monate der Pflege- und Familienpflegezeit nehmen, solange Sie nicht die Gesamtdauer von 24 Monaten überschreiten und die Auszeit bis zum 31. Dezember endet.

Wie bei der Pflegezeit können Sie für die Dauer der Familienpflegezeit ein zinsloses Darlehen vom Staat in Anspruch nehmen. Sie können auch zeitgleich mit ihren Geschwistern für die Pflege beruflich kürzertreten. So müssen Sie Ihre Arbeitszeit möglicherweise weniger stark reduzieren und haben auch geringere Gehaltseinbußen.

Für Beamte gelten das Pflegezeit- und das Familienpflegezeitgesetz übrigens nicht. Sie müssen eine Freistellung für die Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen mit ihrem Dienstherrn besprechen.

Eine weitere Option: Brückenteilzeit

In Unternehmen mit mehr als 45 Beschäftigten können Sie unabhängig von den Regelungen zu Pflegezeit und Familienpflegezeit für einen begrenzten Zeitraum in Brückenteilzeit gehen. Einen Grund dafür müssen Sie nicht angeben. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber zur Teilzeitarbeit.

Gibt es während der Pandemie höhere Zuschüsse?

Allen Menschen, die zuhause gepflegt werden und die einen Pflegegrad haben, steht der sogenannte Entlastungsbetrag von 125 Euro im Monat zu. Ab Pflegegrad 1 können Sie damit Hilfe im Haushalt oder beim Einkaufen bezahlen. Ebenso lässt sich das Geld für Betreuung und Alltagsbegleitung nutzen: Geschulte Helfer übernehmen dann ehrenamtlich die stundenweise Betreuung in der Wohnung oder in einer Gruppe außer Haus. Organisiert wird das Ganze häufig von Sozialstationen und Wohlfahrtsverbänden. Bei Pflegegrad 2 bis 5 können Sie den Entlastungsbetrag auch für Kurzzeitpflege sowie Tages- und Nachtpflege einsetzen.

Der Entlastungsbetrag wird nicht wie das Pflegegeld direkt ausgezahlt, sondern erst erstattet, wenn Sie Leistungen eines Dienstes in Anspruch genommen haben. Sie gehen dabei also in Vorleistung und bekommen das Geld zurück, nachdem Sie die Quittung bei der Kasse eingereicht haben. In jedem Bundesland gibt es andere Bestimmungen dafür, welche Dienstleistungen Sie sich über den Entlastungsbetrag erstatten lassen können. Fragen Sie deshalb am besten bei Ihrer Pflegekasse oder einem Pflegeberater nach, welche Angebote es an Ihrem Wohnort gibt.

Pflegebedürftige mit Pflegestufe 1 können den Entlastungsbetrag von 125 Euro im Monat während der Pandemie freier einsetzen. Bis zum 31. Dezember 2020 sind die Vorgaben außer Kraft gesetzt, die normalerweise in den einzelnen Bundesländern für die Nutzung des Entlastungsbetrags gelten. Damit können Sie die 125 Euro auch für Hilfe im Haushalt oder sonstige Unterstützung etwa von Nachbarn verwenden.

Für alle Pflegebedürftigen gilt: Haben Sie nicht in jedem Monat die vollen 125 Euro Entlastungsbetrag ausgeschöpft, wird der übriggebliebene Betrag ins neue Kalenderjahr übertragen. Sie können das Geld dann bis zum 30. Juni verwenden, anschließend verfällt der Anspruch. Für dieses Jahr gibt es eine coronabedingte Sonderregelung: Restbeträge aus dem Jahr 2019 können Sie noch bis zum 31. Dezember 2020 nutzen.

Übrigens ist auch die Erstattung für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, etwa Desinfektionsmittel, Einmalhandschuhe oder Inkontinenzartikel, erhöht worden. Bis Ende des Jahres 2020 gibt es dafür monatlich 60 Euro statt 40 Euro wie bisher.

Ersatz für den Pflegedienst

Wenn normalerweise ein ambulanter Pflegedienst die Versorgung übernommen hat, dieser aber wegen der Corona-Pandemie ausfällt, gilt eine Sonderregelung. Die Pflegekassen können für bis zu drei Monate auch für die Hilfe von Personen zahlen, die nicht pflegerisch geschult sind. So können zum Beispiel Nachbarn oder Freunde einspringen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Versorgung weder von einem Angehörigen noch von einem anderen Pflegedienst übernommen werden kann.

Außerdem muss der zu Betreuende mindestens Pflegegrad 2 haben. Allerdings überlässt das Gesetz (§ 150 Abs. 5 SGB XI) es dem Ermessen der Pflegekassen, in welchen Fällen sie welche Kosten übernehmen. Maximal können die Kassen so viel wie für einen professionellen Pflegedienst erstatten. Ob und wie viel Geld Betroffene letztlich bekommen, wird aber im Einzelfall entschieden. Sprechen Sie deshalb mit der zuständigen Pflegekasse, bevor Sie die Pflege umorganisieren.

Haben wir etwas Wichtiges in diesem Ratgeber vergessen? Ist Dir weiterhin etwas unklar? Schreib uns! 

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Bild: AlenaPaulus / GettyImages
Pflege
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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 05.11.2020 11:41:00 +0000
Coronavirus und Veranstaltungen : Veranstaltung abgesagt: Geld zurück oder Gutschein? https://www.finanztip.de/coronavirus/veranstaltungen-abgesagt/ https://www.finanztip.de/?id=7019Coronavirus und Veranstaltungen
Bild: Fabian Strauch / dpa
Fussballspieler

Nach einem Beschluss der Bundesregierung und der Länder sind im November alle Veranstaltungen untersagt, die der Unterhaltung dienen.

Der „Teil-Lockdown“ soll helfen, die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Alle Kultur- und Freizeitveranstaltungen finden deshalb bundesweit, wenn überhaupt, nur noch digital statt. Das betrifft Theatervorführungen, Konzerte, Messen, Sportveranstaltungen und andere Events.

Bekommst Du dann für das Ticket, das Du gekauft hast, wenigstens Dein Geld zurück? Wir erklären Dir, wie Du am besten vorgehst und wann Du einen Gutschein akzeptieren musst.

Was gilt für abgesagte Veranstaltungen?

Wird eine Veranstaltung komplett abgesagt, bekommst Du den Ticketpreis erstattet. Grundlage dafür ist eine Regelung im Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 326 Abs. 1 BGB): Ohne Leistung, keine Gegenleistung. Dabei ist es egal, ob der Veranstalter selbst absagt oder eine Behörde dies anordnet.

Einige Kulturveranstaltungen finden stattdessen digital statt. Das ist oft hoch interessant – es stellt aber keine gleichwertige Leistung dar. Deshalb bekommst Du trotzdem Dein Geld zurück, wenn Du willst.

Wie das mit der Erstattung funktioniert, organisieren die Veranstalter unterschiedlich: Einige haben angekündigt, dass sie ihre Kunden mit Karten für Vorstellungen im November direkt kontaktieren werden. Andere bitten die Ticketkäufer darum, selbst aktiv zu werden und eine E-Mail an den Ticketservice zu schicken. Informiere Dich am besten auf der Website des Veranstalters, wie Du Dein Geld zurückbekommst. Falls Du nichts hörst oder auf der Website keinen Hinweis zur Erstattung findest, solltest Du eine E-Mail schreiben und Dein Geld zurückfordern.

Meist hast Du die Wahl zwischen Erstattung und Gutschein. Möchtest Du den Veranstalter oder Künstler unterstützen, ist der Gutschein eine gute Möglichkeit.

Wann musst Du einen Gutschein akzeptieren?

Für Tickets, die Du vor dem 8. März 2020 für eine Veranstaltung im November gekauft hast, musst Du einen Gutschein akzeptieren. Grund dafür ist eine gesetzliche Neuregelung, um die Folgen der Pandemie für die Veranstalter abzumildern.

Das gilt für die Gutscheinlösung:

  1. Der Gutschein muss den vollen Eintrittspreis inklusive eventuell angefallener Vorverkaufsgebühren umfassen.
  2. Du kannst selbst entscheiden, ob Du den Gutschein für eine Nachholveranstaltung oder eine andere Veranstaltung desselben Anbieters einlöst.
  3. Falls Du mit dem Ticket mehrere Veranstaltungen besuchen konntest, hast Du Anspruch auf einen Gutschein über den Wert der ausgefallenen Veranstaltungen.
  4. Die Gutscheine sind bis Ende 2021 gültig. Hast Du bis dahin Deinen Gutschein nicht eingelöst, bekommst Du doch Dein Geld (inklusive Vorverkaufsgebühren) zurück.  
  5. Es gibt eine Härtefallklausel: Hast Du derzeit nicht genug Geld für Deinen Lebensunterhalt oder für die Miete, kannst Du statt Gutschein das Geld verlangen. Das gilt auch, wenn Du die Veranstaltung im Rahmen einer Urlaubsreise gebucht hattest und ein Nachholtermin für Dich mit hohen Kosten verbunden wäre.

Diese Gutscheine sind nicht gegen eine Insolvenz des Veranstalters abgesichert! Geht er zwischenzeitlich pleite, ist das Geld weg.

Wichtig: Hast Du Deine Tickets nach dem 8. März gekauft, musst Du Dich nicht mit einem Gutschein abspeisen lassen. Du hast auf jeden Fall Anspruch darauf, Dein Geld zurückzubekommen.

Was gilt für Bundesliga-Spiele?

Auch im November wird weiter Fußball gespielt, zumindest die Profis. Aber alle Spiele finden wieder ohne Zuschauer statt. Als Besitzer einer Dauerkarte kannst Du von Deinem Verein den anteiligen Preis für das Spiel zurückfordern. Bei einzelnen Tickets gilt das gleiche wie bei Kulturveranstaltungen: Geld zurück oder Gutschein. Du kannst den Ticketpreis oft auch spenden – darüber freuen sich vor allem kleinere Vereine.

Kannst Du die Kosten für Hotel und Anreise zurückfordern?

Die Kosten für Hotel und Anreise zur abgesagten Veranstaltung bekommst Du nicht vom Veranstalter zurück. Denn bei der Absage durch die Behörden trifft ihn keine Schuld. Er muss deshalb auch keine Stornokosten für Hotel oder Anreise übernehmen.

Da aber im November laut Regierungsbeschluss auch alle touristischen Übernachtungen verboten sind, bekommst Du ebenfalls für das Hotelzimmer das Geld zurück, allerdings vom Hotel oder dem Anbieter Deiner Unterkunft.

Was Du bei Bahn- und Flugreisen beachten musst, findest Du in unserem Reiseratgeber zum Thema Corona.

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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 04.11.2020 13:33:00 +0000
Negativzinsen : Wenn das Guthaben von selbst schrumpft https://www.finanztip.de/negativzinsen/ https://www.finanztip.de/?id=6922Negativzinsen
Das Wichtigste in Kürze
  • Immer mehr Banken berechnen einen Negativzins. Er wird oft auch Strafzins genannt.
  • Bis zu -0,6 Prozent pro Jahr verlangen Banken bisher bei Giro- und Tagesgeldkonten sowie Verrechnungskonten zum Depot.
  • Auch große Banken wie die Commerzbank, Deutsche Bank und Postbank sind beim Minuszins dabei. Im Februar 2021 folgt die ING.
  • Wirklich zahlen müssen solche Negativzinsen allerdings nur wenige Kunden in Deutschland: Meist betrifft der Strafzins neue Kunden und gilt erst ab vergleichsweise hohen Summen. Der Zins für ein bestehendes Konto darf nicht ohne Weiteres unter null rutschen.
So gehst Du vor
  • Verlangt Deine Bank Negativzinsen von Dir, solltest Du Dich nach einer Alternative umschauen. 
  • Bei unseren Empfehlungen für Tagesgeld kannst Du sicher sein, dass Du keinen Negativzins zahlen musst. Die immer aktuellen Finanztip-Empfehlungen findest Du in unserem Rechner.

Zum Tagesgeldrechner

Eigentlich schien das Prinzip klar und unumstößlich: Man bringt Geld zur Bank und bekommt Zinsen dafür. Dieser Zins war vielleicht mal höher, mal niedriger – aber zumindest gab es ihn. Immer.

Wieso kann ein Zins überhaupt negativ sein?

Doch jetzt steht die Finanzwelt auch bei diesem Thema Kopf. Banken haben Negativzinsen eingeführt oder überlegen, das zu tun. Damit wollen sie vor allem Neukunden davon abhalten, größere Beträge anzulegen. Denn Banken selbst zahlen negative Zinsen, wenn sie wiederum Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) einlegen. Ab einer bestimmten Höhe -0,5 Prozent pro Jahr – und die geben sie mittlerweile an ihre Kunden weiter. Negativ ist der Einlagezins für Banken bereits seit 2014.

Was Negativzinsen bedeuten, ist rechnerisch eine simple Sache. Ein positiver Zins von 1 Prozent macht im Laufe eines Jahres aus 100 Euro 101 Euro. Ein Negativzins von 1 Prozent hingegen lässt nur 99 von den 100 Euro übrig. In vielen Fällen geht es aber um viel höhere Kontostände als in diesem Beispiel.

Wie können Bankkunden vom Strafzins betroffen sein?

Schauen wir dazu ins neue Preisverzeichnis der größten deutschen Direktbank, der ING. Darin stellt die Bank klar, dass ab Februar 2021 ein Negativzins von -0,5 Prozent jährlich für neue Girokonten und Tagesgeldkonten (Extra-Konto) berechnet wird, die nach dem 4. November 2020 eröffnet werden.

Quelle: ING (Stand 4. November 2020)

Die Skatbank in Thüringen hat 2014 als erste deutsche Bank einen Minuszins von -0,25 Prozent pro Jahr eingeführt. Damals galt das noch als Kuriosität – auch, weil die negativen Zinsen nur für Anleger mit stolzen drei Millionen Euro auf Tagesgeld- oder Girokonten galten. Im Preisverzeichnis der Skatbank hieß es damals: „Betroffene Kunden werden vor einer Berechnung von Negativzinsen durch die Bank informiert, um ihnen eine alternative Disposition zu ermöglichen.“

Mittlerweile sind viele Banken nachgezogen. Die Grenze für einen Negativzins setzen sie deutlich niedriger an, als die Skatbank-Einlage in Höhe von 3 Millionen Euro. Der Schwellenwert liegt oft bei 50.000 oder 100.000 Euro. Seit 2019 gibt es nunmehr sogar Banken, die ab dem ersten Euro einen Minuszins verlangen, darunter die Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck in Bayern oder die Kreissparkasse Stendal in Sachsen-Anhalt. Vereinzelt verlangen Banken -0,6 Prozent, etwa die VR-Bank Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach (ab 20.000 Euro). Commerzbank, Deutsche Bank und Postbank, demnächst auch die ING, berechnen einmütig -0,5 Prozent ab einer Grenze von 100.000 Euro. Sie betonen, wie die meisten anderen Banken auch, dass dieser Schritt keine bestehenden, sondern nur neue Kunden treffe.

Wie viele Menschen in Deutschland tatsächlich schon Zinsen auf ihr Erspartes zahlen müssen, ist nicht bekannt. Es dürfte aber eine sehr kleine Minderheit sein.

Ist ein Negativzins auf Tagesgeld erlaubt?

Auf die Frage, ob Negativzinsen auch auf Tagesgeld erlaubt sind, gibt es bislang keine eindeutige Antwort. Tagesgeld ist eine Anlageform mit veränderlichem Zinssatz, und Banken dürfen in eigenem Ermessen den Zins ändern. Das Landgericht Tübingen urteilte jedoch bereits im Januar 2018, dass Kunden mit Altverträgen nicht damit rechnen müssen, dass aus positiven oder „neutralen“ Zinsen bei einem laufenden Vertrag plötzlich Negativzinsen werden (Az. 4 O 187/17). Wer Tagesgeld anlegt, erwarte entweder eine „geringe oder im schlechtesten Fall gar keine Verzinsung“, aber keinen Negativzins, so die Richter. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hatte die Volksbank Reutlingen verklagt, die daraufhin ihren Preisaushang anpassen musste. Bis dahin hatte nach Angaben der Bank noch kein Privatkunde den Minuszins zahlen müssen.

Für Neuverträge hingegen können Banken durchaus Negativzinsen verlangen, erklärte das Landgericht Tübingen. Der Bundesgerichtshof, die höchste deutsche Gerichtsebene, hat sich noch nicht mit dem Thema Negativzinsen beschäftigt. 

Negativzins auf dem Girokonto?

Eine Guthabenverzinsung auf dem Girokonto galt in der Vergangenheit eher als Ausnahme. Die meisten Banken haben in den letzten Jahren aber ihre monatlichen oder aktionsbezogenen Gebühren erhöht, manche von ihnen deutlich. Hohe Kontoführungsgebühren des Girokontos sind zwar keine Negativzinsen im eigentlichen Wortsinn. Faktisch führen sie aber dazu, dass das Guthaben kleiner wird.

Ein Beispiel: Wenn Du bei Deiner Bank pro Jahr 150 Euro Gebühren zahlst und einen durchschnittlichen Kontostand von 3.000 Euro hast, entspricht das rechnerisch einer Negativrendite von satten 5 Prozent. Der Preis ist zwar nicht das einzige Kriterium für die Auswahl eines Kontos. Weil Du dadurch aber viel Geld sparen kannst, zeigen wir Dir hier kostenlose und sehr günstige Girokonten

Vereinzelt berechnen Banken auch pauschale Gebühren für ein Tagesgeldkonto, etwa die VR-Bank Niederschlesien in Görlitz. Dein Tagesgeldkonto kostet monatlich mindestens 5 Euro Gebühren (Stand 1. November 2020). Auch das hat dieselbe Wirkung wie ein Negativzins. 

Was ist mit dem Verrechnungskonto des Depots?

Es gibt es auch Online-Broker, die für das Verrechnungskonto zu einem Depot einen Minuszins erheben. Flatex beispielsweise tut das seit 2017. Zwei der aktuellen Depotempfehlungen von Finanztip berechnen ebenfalls -0,5 Prozent pro Jahr: Onvista für Beträge oberhalb von 250.000 Euro, Smartbroker setzt die Schwelle bei einer „Cash-Quote“ von 15 Prozent an. Das bedeutet: Wenn Dein Depotwert bei Smartbroker beispielsweise aktuell 8.500 Euro beträgt und auf Deinem Verrechnungskonto 1.502 Euro liegen, wäre die Cash-Quote 1.502 Euro / 10.002 Euro, also leicht oberhalb von 15 Prozent. Der Negativzins würde dann auf die 2 zusätzlichen Euro anfallen (2,00 * 0,005 = 0,01).

Wenn Du mit Aktien oder Fonds handelst, tust Du daher gut daran, Dein Geld nur kurz auf dem Verrechnungskonto zu parken und entweder zügig neue Wertpapiere zu kaufen oder einen Verkaufserlös zu entnehmen. Zur Klarstellung: Auf den Wertpapier-Bestand im Depot wird kein Minuszins erhoben, sondern allenfalls auf das Verrechnungskonto.

Wie vermeidest Du Strafzinsen?

Es gibt einige Gründe, einen negativen Zins absurd oder ungerecht zu finden. Akzeptieren musst Du ihn jedenfalls nicht. Du kannst ihn vielmehr sehr leicht vermeiden. Und zwar so:

  • Überprüfe den aktuellen Zins für Dein Tagesgeldkonto auf der Internetseite Deiner Bank oder im Online-Banking.
  • Einen Überblick über die derzeit besten Tagesgeldkonten findest Du mit Hilfe unseres Rechners
  • Sehr hohe Beträge (über 100.000 Euro) solltest Du entweder auf mehrere Banken verteilen oder für einen Teil des Geldes andere Anlageformen in Betracht ziehen.
  • Falls Deine Bank ankündigt, dass sie Dir Negativzinsen oder „Verwahrentgelte“ berechnen will, macht sie Dir wahrscheinlich den Vorschlag, dies zu vermeiden, indem Du einen Teil des Geldes anders anlegst.
  • Finanztip empfiehlt eine Mischung aus Tagesgeld, Festgeld und günstigen Aktienfonds.  
  • Wenn Du mit dem Alternativvorschlag Deiner Bank nicht einverstanden bist oder keinen bekommen hast, such Dir ein neues Tagesgeldkonto.
  • Viel Geld abzuheben ist eher keine gute Alternative. Auch Bargeld verursacht Kosten, zum Beispiel für Schließfächer und eine Versicherung.

Den Zinseszins beim Sparen einfach berechnen

Warum die Banken selbst einen Negativzins zahlen

Die EZB verwaltet für jede Einzelbank ein Konto. Banken können sich also aussuchen, ob sie ihr überschüssiges Geld dorthin bringen, es einer anderen Bank leihen, Privatleuten oder Unternehmen leihen oder als Bargeld im eigenen Geldspeicher lagern. Die Kreditvergabe an Unternehmen stagniert in mehreren Ländern der Eurozone. Untereinander vertrauen sich die Banken weniger als vor der Finanzkrise.

Die Verwahrung im Tresor ist für eine Bank ebenfalls kein attraktiver Ausweg, denn auch sie hat eine negative Rendite. Es entstehen Kosten für den Transport und die sichere Verwahrung. Attraktiv ist das also auch nicht – im bayerischen Sparkassenverband wurde diese Idee aber dennoch bereits diskutiert.

Die Lagerung bei der Zentralbank ist die sicherste und für viele Banken auch die bequemste Lösung. Obwohl sie kostspielig ist: Die deutschen Banken haben im Jahr 2018 zusammengerechnet rund 2,4 Milliarden Euro an Einlagezinsen an die EZB gezahlt, die Banken der gesamten Eurozone rund 7,5 Milliarden Euro.

Weg ist dieses Geld natürlich nicht. Es landet später bei der Bundesbank und den anderen nationalen Zentralbanken der Eurozone. Und macht die Bundesbank einen Überschuss, fließt der in den Bundeshaushalt.

Der reale Negativzins – kommt öfter vor, fällt seltener auf

Der Minuszins hat einen unscheinbaren Bruder, der aber viel häufiger auftaucht – bei deutlich mehr Guthaben und Banken. Auf Papier oder dem Bildschirm wird Dir der sogenannte nominale Zins angegeben. Du musst dazu aber die Inflation oder Teuerungsrate beachten, die angibt, wie die Preise für Alltagsprodukte steigen. Nur dann erhält man den sogenannten Realzins. 

Für die Frage, wie sich der Wert des Geldes über die Zeit entwickelt, ist der Realzins die entscheidende Größe. Der Blick in die Statistik zeigt: Negative Realzinsen sind keineswegs neu. Es gab sie auch schon in manchen Jahren, die heute wie eine gute, alte Zeit des Sparens gelobt werden. Damals sah der Bankzins zwar gut aus, wurde aber von der Inflation aufgezehrt.

Ökonomen haben diesen Effekt der „Geldwertillusion“ im Labor nachgewiesen. Das menschliche Gehirn findet es nachweislich schöner, wenn es 5 Prozent Zinsen statt 0,5 Prozent gibt – selbst wenn in beiden Fällen die Inflation höher als der nominale Zins ist und man sich von seinem Geld genau die gleichen Produkte kaufen könnte.

Den Spieß umdrehen – Kredite zum Negativzins?

Bleibt noch die Frage, warum das Kassieren von Minuszinsen nur den Banken vorbehalten sein sollte. Schließlich ist auch die umgekehrte Situation denkbar: Kunden nehmen einen Kredit auf und müssen später eine kleinere Summe zurückzahlen. Solche Angebote gab es zuletzt von mehreren Unternehmen. 

Die Rahmenbedingungen machen die Sache allerdings eher zum Gag – und Du solltest besser nicht ohne Weiteres auf ihn aufspringen. Für den Kreditbetrag gibt es meist eine Höchstgrenze von 1.000 Euro, die Rückzahlung muss teilweise über mehrere Monate oder sogar Jahre gestreckt werden. Obendrauf bekommt der Anbieter über die Bonitätsprüfung auch noch viele persönliche Daten, nicht zuletzt Einblick in die letzten Kontoauszüge.

Die staatliche Förderbank KfW gibt ebenfalls Kredite zu negativen Zinsen aus. Und ist in Sachen Gags wesentlich unverdächtiger. Sie reicht manche Immobilienkredite für einen negativen Zinssatz aus. Dabei müssen die Vorschriften zur Energieeffizienz beachtet werden. Oftmals ein guter Deal.

Empfehlungen aus dem Ratgeber

  • Für Neukunden: Renault Bank Direkt (0,5 Prozent pro Jahr für drei Monate), Advanzia Bank (0,4 Prozent pro Jahr für drei Monate), Bank of Scotland (zusätzlich 0,4 Prozent pro Jahr für drei Monate ab 15.12.)
  • Für alle Kunden: Leaseplan Bank (0,30 Prozent pro Jahr), TF Bank (0,30 Prozent pro Jahr), Opel Bank (0,25 Prozent pro Jahr), PSA Direktbank (0,25 Prozent pro Jahr)
  • Dauerhaft gutes Tagesgeld: Leaseplan Bank (0,30 Prozent pro Jahr), TF Bank (0,30 Prozent pro Jahr), Nordax Bank über Weltsparen (0,20 Prozent pro Jahr)

Video: Das Positive an Negativzinsen

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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 04.11.2020 11:32:00 +0000
Doppelte Haushaltsführung : So sparen Sie Steuern mit der Zweitwohnung https://www.finanztip.de/doppelte-haushaltsfuehrung/ https://www.finanztip.de/?id=1055Doppelte Haushaltsführung
Das Wichtigste in Kürze
  • Wer aus beruflichen Gründen einen zweiten Haushalt am Beschäftigungsort führt, kann das Finanzamt an den Kosten beteiligen.
  • Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs ist dabei jetzt noch mehr möglich als bisher: Bis zu 1.000 Euro im Monat können Sie für die Unterkunft absetzen. Außerdem können Sie Aufwendungen für notwendige Einrichtungsgegenstände und Hausrat in voller Höhe absetzen (BFH, Urteil vom 4. April 2019, Az. VI R 18/17).
  • Gut zu wissen: Fahrtkosten für wöchentliche Heimfahrten und Umzugskosten sind ebenfalls absetzbar. Außerdem zählen in den ersten drei Monaten Mehraufwendungen für die Verpflegung ebenfalls als Werbungskosten.
So gehen Sie vor
  • Überprüfen Sie mit unserer Checkliste, welche Voraussetzungen Sie für eine doppelte Haushaltsführung erfüllen müssen. Und machen Sie Ihre Kosten dann mit Hilfe unserer Anleitung in Ihrer Steuererklärung geltend.

    Zur Checkliste
  • Sie müssen weiterhin einen eigenen Haushalt an Ihrem ersten Wohnort haben und mindestens 10 Prozent der laufenden Wohnungskosten zahlen. Sammeln Sie Argumente, dass dort Ihr Lebensmittelpunkt ist.
  • Falls Sie vom Hauptwohnsitz täglich innerhalb von einer Stunde zum Arbeitsplatz pendeln könnten, müssen Sie damit rechnen, dass das Finanzamt Ihre Zweitwohnung als doppelte Haushaltsführung ablehnt.
  • Viele Kosten müssen Sie belegen können. Das gilt insbesondere für die Unterkunftskosten.
  • Eine doppelte Haushaltsführung machen Sie als Arbeitnehmer in der Anlage N Ihrer Steuererklärung geltend. 

In Hamburg wohnen und in Berlin arbeiten: Arbeitnehmer müssen heutzutage flexibel und mobil sein. Der Fiskus belohnt das: Wer aus beruflichen Gründen einen zweiten Haushalt am Beschäftigungsort unterhält, kann seine Aufwendungen als Werbungskosten (beziehungsweise als Betriebsausgaben bei Selbstständigen) von der Steuer absetzen. Doppelte Haushaltsführung heißt das im Fachjargon.

Welche Voraussetzungen gibt es für eine doppelte Haushaltsführung?

Für eine doppelte Haushaltsführung müssen Sie diese vier Punkte erfüllen, wobei die Prinzipien gleichermaßen für Arbeitnehmer und Selbstständige gelten:

  1. Die zweite Wohnung benötigen Sie aus beruflichen Gründen
  2. Als Arbeitnehmer nutzen Sie diese Zweitwohnung am Ort der „ersten Tätigkeitsstätte“, dem Beschäftigungsort. Auf jeden Fall sollten Sie von dieser Wohnung aus den Arbeitsplatz schneller erreichen können als von der Hauptwohnung. 
    Beispiel: Sie fahren täglich 40 Kilometer von Ihrem Zweitwohnsitz ins Büro. Ihr Hauptwohnsitz ist jedoch 120 Kilometer und damit mehr als doppelt so weit vom Arbeitsplatz entfernt. Ihre Erstwohnung ist zu weit weg, um von dort täglich zur Arbeit zu fahren.
  3. Außerhalb des Beschäftigungsorts am Hauptwohnsitz unterhalten Sie Ihren eigenen Hausstand. Sie zahlen hierfür mehr als 10 Prozent der laufenden Kosten.
  4. Ihr Hauptwohnsitz bildet zugleich Ihren Lebensmittelpunkt.

Nur wenn Sie alle vier Voraussetzungen erfüllen, erkennt das Finanzamt eine doppelte Haushaltsführung an. Dies kann Ihnen eine stattliche Steuererstattung bringen. Denn Sie können in der Steuererklärung folgende Aufwendungen geltend machen:

  • nachweisbare Kosten der Zweitwohnung bis 1.000 Euro monatlich (Unterkunftskosten),
  • notwendige Kosten für Einrichtungsgegenstände und Hausrat,
  • Fahrtkosten,
  • innerhalb der ersten drei Monate Zusatzkosten für die Verpflegung (Verpflegungsmehraufwendungen) und
  • Umzugskosten.

Sie beantragen die doppelte Haushaltsführung, indem Sie in Ihrer Steuererklärung die dritte Seite der Anlage N ausfüllen.

Ihre Mehraufwendungen können Sie als Werbungskosten abziehen, soweit Ihr Arbeitgeber sie Ihnen nicht steuerfrei erstattet hat. Eine anerkannte doppelte Haushaltsführung gilt unbefristet, das heißt über den gesamten Zeitraum der Beschäftigung (§ 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 5 des Einkommensteuergesetzes).

Das Bundesfinanzministerium (BMF) hat Details und Beispiele in einem Schreiben vom 24. Oktober 2014 zusammengestellt (IV C 5 - S 2353/14/10002). Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das BMF-Schreiben vom 23. Dezember 2014 (IV C 6 - S 2145/10/10005) zu den Entfernungspauschalen. Schließlich sind auch Fahrtkosten absetzbar.

Welche beruflichen Gründe zählen?

Eine doppelte Haushaltsführung muss beruflich veranlasst sein. Als Gründe zählen vor allem:

  • ein Wechsel des Beschäftigungsorts, weil Sie versetzt wurden,
  • ein Wechsel des Arbeitsplatzes,
  • die Aufnahme eines Beschäftigungs- oder Dienstverhältnisses außerhalb Ihres bisherigen Wohnorts und dessen Umgebung.

Immer geht es darum, dass Sie von der Zweitwohnung aus die Tätigkeitsstätte schneller erreichen.

Das Ganze funktioniert auch umgekehrt: Eine doppelte Haushaltsführung ist ebenfalls beruflich begründet, wenn Sie Ihre Hauptwohnung aus privaten Gründen vom Beschäftigungsort wegverlegen – und anschließend am Beschäftigungsort einen Zweithaushalt gründen, um von dort aus weiter Ihrem bisherigen Job nachzugehen (sogenannte Wegverlegungsfälle). Das gilt zum Beispiel, wenn Ehegatten am gemeinsamen Erstwohnsitz zusammenziehen. Dort haben sie ihren Lebensmittelpunkt.  

Freibetrag eintragen lassen

Weil eine doppelte Haushaltsführung in der Regel mit dauerhaften Zusatzkosten verbunden ist, können Sie die Vorteile des Lohnsteuerermäßigungsverfahrens für sich nutzen, indem Sie beim Finanzamt einen Freibetrag beantragen. Dann müssen Sie aber auf jeden Fall eine Steuererklärung abgeben.

Helfer für die Steuererklärung

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Worauf kommt es beim eigenen Hausstand an?

Damit der Fiskus eine doppelte Haushaltsführung berücksichtigt, müssen Sie an Ihrem Beschäftigungsort eine Zweitwohnung haben und einen eigenen Haushalt (der Gesetzgeber spricht von „Hausstand“) an einem anderen Ort führen, der Ihren Lebensmittelpunkt darstellt.

Ein eigener Haushalt setzt eine Ihren Lebensbedürfnissen entsprechende Wohnung voraus. Diese Wohnung muss Ihnen gehören, von Ihnen gemietet sein oder Sie dürfen sie als Partner oder Ehegatte nutzen. Außerdem bestimmen Sie die Haushaltsführung selbst oder tragen wesentlich dazu bei.

Finanzielle Beteiligung nötig  

Seit 2014 ist für einen eigenen Hausstand eine finanzielle Beteiligung an den laufenden Kosten der Haushaltsführung vorgeschrieben. Diese muss nach Auffassung des Bundesfinanzministeriums (BMF) die Bagatellgrenze von 10 Prozent der monatlich anfallenden Kosten überschreiten. Dazu zählen: Miete, Mietnebenkosten, Aufwendungen für Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs.

Während das BMF bei Ehegatten mit den Steuerklassen III, IV oder V immer eine finanzielle Beteiligung annimmt, ist sie in anderen Fällen nachzuweisen. Kritisch hinterfragt werden in der Praxis die Fälle, bei denen volljährige Kinder ein Zimmer im Elternhaus als Erstwohnsitz angeben.

Achtung: Zimmer bei Eltern genügt nicht

Wenn Sie unentgeltlich ein Zimmer in der elterlichen Wohnung nutzen, gilt das nicht als eigener Hausstand. Sie müssen belegen können, dass Sie sich an den laufenden Kosten mit mehr als 10 Prozent beteiligen. Auch wenn Sie sich in einem Wohnmobil aufhalten, haben Sie keinen eigenen Haushalt.

Dagegen kann ein eigener Hausstand vorliegen, wenn Sie im Haus Ihrer Eltern eine abgeschlossene Wohnung allein nutzen und über 10 Prozent der anfallenden Kosten der Haushaltsführung tragen. Als Zahlungsnachweise dienen Ihre Kontoauszüge.

Die Finanzämter erwarten, dass Sie sich mit regelmäßigen Zahlungen an den Lebensführungskosten des Haupthaushalts beteiligen. Möglicherweise sind sie in diesem Punkt zu streng. Das Niedersächsische Finanzgericht hat in einem Urteil vom 18. September 2019 (Az. 9 K 209/18) entschieden, dass auch unregelmäßige Zahlungen oder nur Einmalzahlungen als finanzielle Beteiligung angesehen werden können, wenn sie mehr als 10 Prozent ausmachen. Nun muss der Bundesfinanzhof entscheiden (anhängiges Verfahren mit Az. VI R 39/19).

Tägliches Pendeln muss unzumutbar sein

Wenn die Hauptwohnung nicht allzu weit vom Arbeitsplatz entfernt ist und Sie diesen von dort aus in zumutbarer Weise täglich erreichen könnten, ist es mitunter schwierig, die Kosten für eine Zweitwohnung abzusetzen.

So lehnte der Bundesfinanzhof (BFH) eine doppelte Haushaltsführung eines Steuerpflichtigen ab, der eine Zwei-Zimmer-Wohnung sechs Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt mietete (BFH, Urteil vom 16. November 2017, Az. VI R 31/16).

Nach Meinung der Richter hätte er von der 36 Kilometer entfernt liegenden Familienwohnung den Arbeitsplatz täglich in zumutbarer Weise erreichen können. Dieser lag zwar in einer Großstadt, war jedoch sowohl per Auto als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln in gut einer Stunde erreichbar. Deshalb sei in diesem Fall die Hauptwohnung ebenfalls „am Beschäftigungsort“. Für eine doppelte Haushaltsführung müssen jedoch der Ort des eigenen Hausstands und der Beschäftigungsort auseinanderfallen. Den Begriff „Beschäftigungsort“ legen Gerichte und Finanzämter weit aus.

Dieses Beispiel zeigt: Ob tatsächlich eine doppelte Haushaltsführung vorliegt, hängt immer vom Einzelfall ab.

Beachten Sie auch: Die Entfernung zur Tätigkeitsstätte ist ein wesentliches, aber nicht das einzige wichtige Merkmal. Entscheidend ist vielmehr, ob ein tägliches Pendeln von der Hauptwohnung in der individuellen Situation zumutbar ist. Dabei kommt es insbesondere auf die konkreten Verkehrsverbindungen und Fahrzeiten an.

Wie bestimmt sich der Erstwohnsitz?

Der Mittelpunkt Ihrer Lebensinteressen muss sich auf Dauer am Erstwohnsitz befinden. Bei Verheirateten gilt in der Regel die Familienwohnung als Lebensmittelpunkt, wenn der Arbeitnehmer sie mindestens sechsmal im Jahr aufsucht.

Bei Singles gilt als Lebensmittelpunkt der Ort, zu dem sie die engere persönliche Bindung haben. Wer seine Wohnung an diesem Ort weniger als zweimal im Monat besucht, sollte beispielsweise mit den Beziehungen zu Eltern, zum Lebenspartner, zur Verwandtschaft und zu Freunden argumentieren können oder auch mit der Mitgliedschaft in einem Verein.

Für das Finanzamt ist nicht entscheidend, wo Sie mit Haupt- oder Nebenwohnsitz gemeldet sind. Sobald Sie Ihren Lebensmittelpunkt an den Beschäftigungsort verlegen, müssen Sie damit rechnen, dass das Finanzamt eine doppelte Haushaltsführung aberkennt.

Sonderfall Ausland: Wenn sich Ihr eigener Hausstand im Ausland befindet und deshalb weit von Ihrer Zweitwohnung entfernt ist, sollten Sie mindestens einmal im Jahr mindestens eine Heimfahrt antreten. Sie müssen das Finanzamt davon überzeugen, dass sich Ihr Lebensmittelpunkt dort befindet. Nachvollziehbar ist das, wenn der Ehepartner und Kinder dort wohnen. Anders als im Inland ist Voraussetzung für den Lebensmittelpunkt im Ausland außerdem, dass dort hauswirtschaftliches Leben herrscht, die Wohnung also dauerhaft bewohnt ist.

Welche Kosten der Zweitwohnung können Sie absetzen?

Wenn Sie aus beruflichen Gründen einen doppelten Haushalt führen, können Sie in Ihrer Steuererklärung verschiedene Kostenarten angeben. Dabei ist insbesondere zwischen Kosten für die Unterkunft an sich sowie für Anschaffungen rund um die Wohnung zu unterscheiden.

Unterkunftskosten absetzen

Bei den Unterkunftskosten handelt es sich um Ausgaben, die typischerweise monatlich oder in anderen Raten regelmäßig angefallen sind. 

Abrechnen können Sie die Kosten für eine Miet- oder Eigentumswohnung, ein möbliertes Zimmer, ein Hotelzimmer oder auch eine Gemeinschaftsunterkunft. Der auf 1.000 Euro begrenzte monatliche Höchstbetrag für die Unterkunft umfasst folgende Aufwendungen:

  1. Miete,
  2. Nebenkosten (zum Beispiel für Heizung, Strom, Müllabfuhr und Wasser),
  3. Reinigungskosten (auch für das Treppenhaus und Kellerräume),
  4. Kosten für Sondernutzungen (beispielsweise für Garten oder Autostellplatz),
  5. Rundfunkbeitrag,
  6. Zweitwohnungssteuer und Grundsteuer
  7. Hausrat- und Gebäudeversicherungen sowie
  8. speziell für Eigentümer statt der Miete die Positionen Abschreibung der Anschaffungskosten und höherer Renovierungskosten, sofort abzugsfähige Erhaltungsaufwendungen und Schuldzinsen für den Wohnungskauf.

Geben Sie in der Steuererklärung alle Kosten Ihrer Unterkunft an, die Ihnen tatsächlich entstanden sind. Es werden nachweisbare Kosten bis zu 1.000 Euro im Monat berücksichtigt – also bis zu 12.000 Euro im Jahr.

Soweit Sie den monatlichen Höchstbetrag nicht ausschöpfen, kann das übriggebliebene Volumen in andere Monate im selben Kalenderjahr übertragen werden, solange die doppelte Haushaltsführung auch weiterhin besteht.

Auf die Größe der Wohnung oder die ortsübliche Vergleichsmiete kommt es bei Wohnungen in Deutschland nicht an. Bei einer doppelten Haushaltsführung im Ausland sind die Kosten jedoch auf eine Wohnung mit maximal 60 Quadratmetern begrenzt.

Haben Sie am Beschäftigungsort in einem Hotel oder einer Pension übernachtet, ziehen Sie vom Rechnungsbetrag das Frühstück ab.

Kosten für Einrichtung der Zweitwohnung 

Zusätzlich zu den nur begrenzt abzugsfähigen Unterkunftskosten dürfen Sie die Aufwendungen für die „notwendige“ Einrichtung abziehen. Die nachweisbaren Kosten für die Wohnungseinrichtung sind als sonstige Mehraufwendungen unbegrenzt abziehbar, entschied der Bundesfinanzhof (BFH, Urteil vom 4. April 2019, Az. VI R 18/17).

Die Finanzämter haben bislang die Kosten für Hausrat und Einrichtungsgegenstände zu den Unterkunftskosten gerechnet. Dazu hatte sie das Bundesfinanzministerium per Schreiben vom 24. Oktober 2014 verpflichtet. Das steht jedoch im Widerspruch zum aktuellen BFH-Urteil (Az. VI R 18/17). Dieses wurde jedoch im August 2019 im Bundessteuerblatt II veröffentlicht, sodass es jetzt auch Finanzbeamte berücksichtigen müssen.

Als notwendige Einrichtungsgegenstände können zum Beispiel gelten: Küche, Kühlschrank, Waschmaschine, Bett, Nachttisch, Schrank, Tisch, Stühle, Badezimmereinrichtung, Gardinen, Lampen, Geschirr und andere Haushaltsartikel. Geben Sie Ihre kompletten Einrichtungskosten in der Steuererklärung an.

Lehnt das Finanzamt dies ab, legen Sie innerhalb eines Monats Einspruch ein. Verweisen Sie dabei auf das BFH-Urteil. Wenn Ihr Steuerbescheid noch offen ist, dann wenden Sie sich ans Finanzamt und beantragen, dass bislang nicht anerkannte Einrichtungskosten als Werbungskosten berücksichtigt werden. Bei einem bestandskräftigen Steuerbescheid sollten Sie bei einer weiterhin bestehenden doppelten Haushaltsführung prüfen, ob Sie ab der nächsten Steuererklärung vom Urteil profitieren können. So könnten Sie möglicherweise für einen früheren Möbelkauf noch Abschreibungsbeträge geltend machen.

Als Mieter einer (teil-)möblierten Wohnung zahlen Sie eine höhere Miete dafür, dass Sie mit der Wohnung auch die Möbel nutzen dürfen. Wenn der Mietvertrag einen Möblierungsaufschlag beziffert, dann können Sie diesen als sonstige Mehraufwendungen absetzen. Falls nicht, ist dieser Anteil für die Möbelnutzung von der gezahlten Miete zu schätzen.

Möbel sofort abschreiben: Die Kosten der Möblierung und die nötige Ausstattung mit sonstigem Hausrat für die Zweitwohnung können Sie unbegrenzt geltend machen, soweit sich diese in angemessenem Rahmen bewegen. Wenn die Anschaffungskosten für den einzelnen Gegenstand nicht die Nettogrenze von 800 Euro überschreiten (Bruttorechnungsbetrag 952 Euro), sind sie sofort und in voller Höhe abziehbar. Diese Werte gelten für sogenannte geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG). Bei einer Anschaffung bis Ende 2017 lag die Nettogrenze noch bei 410 Euro und die Bruttogrenze bei 487,90 Euro.

Liegt der Kaufpreis für den einzelnen Einrichtungsgegenstand über der GWG-Grenze, müssen Sie die Kosten über die voraussichtliche Nutzungsdauer verteilen und abschreiben (Absetzung für Abnutzung AfA). Für Möbel werden 13 Jahre angesetzt. Nachdem die Aufwendungen belegbar sein müssen, sollten Sie die Quittungen aufbewahren.

Miete für Autostellplatz 

Nach Ansicht der Finanzverwaltung gehört zu den auf monatlich 1.000 Euro begrenzten Unterkunftskosten auch die Miete für eine Garage oder einen Autostellplatz – sogar, wenn dieser separat angemietet wird. Dem widerspricht jedoch das Finanzgericht des Saarlandes (Gerichtsbescheid vom 20. Mai 2020, Az. 2 K 1251/17, rechtskräftig). 

Demnach zählt die Miete für einen extra angemieteten Pkw-Stellplatz zu den sonstigen als Werbungskosten abziehbaren Mehraufwendungen einer doppelten Haushaltsführung. Sie kann zusätzlich zu den Unterkunftskosten abgesetzt werden.

Fahrtkosten absetzen

Zu den abziehbaren Mehraufwendungen für eine doppelte Haushaltsführung gehören auch Fahrtkosten. Und zwar sowohl Fahrtkosten die Sie haben, weil Sie die Wohnung wechseln – also zu Beginn und am Ende der doppelten Haushaltsführung –, als auch für wöchentliche Heimfahrten zum Haupthaushalt (Familienheimfahrten).

Für die erste und letzte Fahrt dürfen Sie die tatsächlichen Kosten abrechnen oder pro gefahrenen Kilometer 30 Cent.

Für Familienheimfahrten gilt hingegen die Entfernungspauschale: Pro Entfernungskilometer werden 0,30 Euro anerkannt, wenn Sie mit Ihrem eigenen Auto gefahren sind (kein Dienst- oder Firmenwagen). Ab 2021 können ab dem 21. Entfernungskilometer sogar 35 Cent abgesetzt werden. Weil es sich um eine Pauschale handelt, müssen Sie hierfür keine Belege abgeben. Allerdings kann das Finanzamt Sie trotzdem dazu auffordern, insbesondere dann, wenn Sie für jede Woche Fahrtkosten geltend machen. Denn die Entfernungspauschale ist nur für tatsächlich durchgeführte Familienheimfahrten anwendbar. Sammeln Sie daher vorsichtshalber Tankbelege, Zugtickets und ähnliche Quittungen.

Die Entfernungspauschale gilt grundsätzlich auch für Bahnfahrten. In der Steuererklärung geben Sie die Anzahl der Heimfahrten an. Bei Heimreisen mit dem Zug oder Bus können Sie statt der Entfernungspauschale die tatsächlich entstandenen und nachgewiesenen Reisekosten absetzen. Bei Flügen haben Sie kein Wahlrecht. Sie können ausschließlich Ihre Flugtickets abrechnen.

Falls Sie nicht jede Woche nach Hause gefahren sind, sollten Sie für solche Wochen wenigstens die Telefonkosten für ein Ferngespräch mit Angehörigen (bis zu einer Dauer von 15 Minuten) ansetzen. Auch Anteile der Grundgebühr oder der Flatrate-Gebühr sind ansetzbar.

Verpflegungsmehraufwand

Für höchstens drei Monate nach dem Einzug am neuen Arbeitsort können Sie Pauschbeträge für Verpflegung von der Steuer geltend machen. Für jeden Kalendertag, an dem Sie von Ihrer Hauptwohnung abwesend waren, werden die auch bei Auswärtstätigkeiten absetzbaren Beträge anerkannt. Entscheidend ist die Dauer der Abwesenheit von der Wohnung am Lebensmittelpunkt. 

Pauschbeträge für Verpflegungsmehraufwendungen

Abwesenheit von der Wohnung und

der regelmäßigen Arbeitsstätte

Pauschbetrag
24 Stunden 24 € (ab 2020: 28 €)
weniger als 24,
mindestens aber 8 Stunden
12 € (ab 2020: 14 €)

Quelle: Bundesfinanzministerium

Umzugskosten bei doppelter Haushaltsführung

Ihre nachweisbaren Umzugskosten setzen Sie in tatsächlicher Höhe an. Hierzu zählen die Aufwendungen für Umzugshelfer, einen Umzugswagen und für Kartons. Eine Pauschale wird im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung nicht angesetzt.

Vergessen Sie auch nicht, die Kosten zum Suchen und Besichtigen der Wohnung am Arbeitsort steuerlich abzusetzen (zum Beispiel die Maklerkosten, Aufwendungen für Inserate und die Fahrtkosten für Besichtigungen).

Erfüllen Sie die Voraussetzungen für ein häusliches Arbeitszimmer, sind die Aufwendungen hierfür zusätzlich abziehbar.

Welche Möglichkeiten haben Arbeitnehmer, die viel pendeln?

Wenn Sie außerhalb Ihres Erstwohnsitzes am Beschäftigungsort wohnen, können Sie wählen: Entweder machen Sie Ihre kompletten Aufwendungen anlässlich einer doppelten Haushaltsführung (Unterkunftskosten, Verpflegungspauschale und eine wöchentliche Heimfahrt) geltend.

Oder Sie setzen sämtliche Fahrtkosten für Ihre tatsächlichen Fahrten zwischen Wohnung und Beschäftigungsort im Rahmen der Entfernungspauschale an. Dieses Wahlrecht haben Sie, wenn Sie mindestens zweimal pro Woche nach Hause fahren. Sie dürfen es bezüglich derselben doppelten Haushaltsführung allerdings nur einmal im Jahr ausüben. Sie dürfen dann jedoch weder Unterkunftskosten noch Verpflegungsmehraufwendungen absetzen.

Interessant ist diese Option zum Beispiel, wenn Sie mehr als einmal pro Woche an Ihren Lebensmittelpunkt zurückkehren und Ihre dadurch entstehenden Fahrtkosten die laufenden Kosten Ihrer Unterkunft am Beschäftigungsort und nur einer Familienheimfahrt überschreiten. Es lohnt sich also, diese Ausgaben im Vorfeld zu überschlagen. Zumindest in dem Jahr, in dem Sie erstmals die doppelte Haushaltsführung geltend machen, ist der Abzug der kompletten Kosten meist günstiger. Schließlich können Sie dann auch die Verpflegungsmehraufwendungen für die ersten drei Monate absetzen.

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Tipp: Anhand unserer Checkliste können Sie überprüfen, welche Voraussetzungen Sie für eine doppelte Haushaltsführung erfüllen müssen und welche Kosten Sie steuerlich geltend machen können.

Zur Checkliste

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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 02.11.2020 16:35:00 +0000
Pflegezusatzversicherung Vergleich : Die Pflege-Lücke mit einer privaten Zusatzversicherung schließen https://www.finanztip.de/pflegezusatzversicherung/ https://www.finanztip.de/?id=1596Pflegezusatzversicherung Vergleich
Das Wichtigste in Kürze
  • Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt nicht alle Kosten für die Pflege ab. Deshalb solltest Du zusätzlich privat vorsorgen.
  • Eine private Pflegezusatzversicherung ist eine Möglichkeit. Der Der Nachteil dabei: Das Geld, das Du in die Versicherung eingezahlt hast, ist weg, falls Du keine Pflege benötigst.
  • Beim privaten Zusatzschutz gibt es drei Modelle: die Pflegetagegeld-Versicherung, die Pflegekosten-Versicherung und die Pflege-Rentenversicherung.
  • Der Staat fördert den Abschluss einiger Pflegetagegeld-Verträge mit dem „Pflege-Bahr“. Die Förderung beträgt 5 Euro pro Monat, sie rechnet sich jedoch kaum.
So gehst Du vor
  • Eine Pflegezusatzversicherung ist nur für Dich geeignet, wenn Du Dir die relativ hohen Beiträge langfristig leisten kannst. Denn falls Du wegen Geldmangels kündigen musst, sind alle gezahlten Beiträge weg.
  • Alternativ kannst Du selbst das Geld für die Pflege ansparen und Deine Wohnsituation so gestalten, dass Du möglichst lange selbstständig Deinen Alltag bewältigen kannst.
  • Falls Du Dich für eine Zusatzversicherung entscheidest, empfehlen wir eine Pflegetagegeld-Versicherung. Auf welche Punkte Du im Vertrag achten solltest, erklären wir Dir weiter unten in diesem Ratgeber.

Immer mehr Menschen sind im Alter auf professionelle Pflege angewiesen. Doch eine angemessene Versorgung ist teuer, egal, ob zuhause oder im Heim. Die gesetzliche Pflegeversicherung hilft dabei, die wichtigsten Maßnahmen zu finanzieren. Als eine Art Teilkaskoversicherung übernimmt sie jedoch nie die gesamten Kosten. Die Differenz – oft mehrere Hundert Euro – müssen Pflegebedürftige aus eigener Tasche bezahlen. Willst Du ausreichend für den Pflegefall vorsorgen, solltest Du daher überlegen, wie Du die Finanzierungslücke schließt.

Wie groß ist der Eigenanteil bei der Pflege?

Das Wichtigste zuerst: In Deutschland muss niemand Angst haben, im Pflegefall ganz ohne Versorgung dazustehen. Seit 1995 muss jeder Krankenversicherte auch pflegeversichert sein. Privatversicherte zahlen in die private Pflegepflichtversicherung ein, gesetzlich Versicherte in die soziale Pflegeversicherung.

Mit den Beiträgen werden verschiedene Leistungen für Pflegebedürftige finanziert. Sie sind im Sozialgesetzbuch XI festgelegt und für Mitglieder der privaten und sozialen Pflegepflichtversicherung identisch. Wie hoch die Leistungen der Pflegeversicherung ausfallen, hängt davon ab, wie viel Unterstützung Du als Pflegebedürftiger brauchst und davon, ob Du von Angehörigen, einem ambulanten Pflegedienst oder im Pflegeheim betreut wirst. Welche Leistungen es bei welchem Pflegegrad gibt, erklären wir in unserem Ratgeber zur gesetzlichen Pflegeversicherung.

Das gesetzlich vorgeschriebene Sicherungsnetz bietet jedoch nur eine Grundversorgung. Meist decken die Zahlungen der gesetzlichen Pflegeversicherung nur einen Teil der Pflegekosten ab. Den Rest musst Du aus eigener Tasche aufbringen. Kannst Du das nicht, springt das Sozialamt ein und zahlt „Hilfe zur Pflege“. Hast Du Kinder, können diese verpflichtet sein, im Rahmen des Elternunterhalts Kosten für Deine Pflege zu übernehmen. Es gibt jedoch relativ hohe Freibeträge, die vor Unterhaltszahlungen geschützt sind.

Unterschiedlicher Eigenanteil nach Wohnort und Pflegeform

Für die Betreuung in einem Pflegeheim zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung einen Zuschuss zwischen 770 Euro (Pflegegrad 2) und 2.005 Euro (Pflegegrad 5). Das deckt allerdings nicht die gesamten Kosten. Für die pflegerische Versorgung bleibt in der Regel ein Eigenanteil, auch für Unterkunft und Verpflegung im Heim sowie Investitionskosten musst Du als Pflegebedürftiger selbst aufkommen.

Nach Angaben des Verbands der Ersatzkassen (VDEK) mussten Heimbewohner 2018 durchschnittlich Kosten in Höhe von 2.015 Euro im Monat selbst tragen. Die Kosten für einen Pflegeplatz variieren jedoch enorm, abhängig davon, wo Du wohnst. Damit schwankt auch der Eigenanteil für die stationäre Pflege, denn der Zuschuss der Pflegeversicherung ist bundesweit einheitlich hoch. In Sachsen-Anhalt war der Eigenanteil laut VDEK mit 1.436 Euro am niedrigsten, in Nordrhein-Westfalen mussten Pflegebedürftige mit 2.405 Euro im Monat am meisten selbst zahlen. Unterschiede bei den Pflegekosten gibt es auch zwischen Stadt und Land.

Monatlicher Eigenanteil bei stationärer Pflege

Bundesland durchschnittlicher Eigenanteil
Sachsen-Anhalt 1.436 €
Mecklenburg-Vorpommern 1.540 €

Thüringen

1.564 €

Sachsen

1.621 €

Brandenburg

1.697 €

Niedersachsen

1.704 €

Schleswig-Holstein

1.841 €
Bremen 1.959 €
Hessen 1.965 €
Berlin 1.990 €
Bayern 2.018 €
Hamburg 2.032 €
Rheinland-Pfalz 2.119 €
Saarland 2.341 €
Baden-Württemberg 2.354 €
Nordrhein-Westfalen 2.405 €

Durchschnittliche finanzielle Belastung ohne Ausbildungsumlage beziehungsweise individuelle Ausbildungskosten
Quelle: VDEK (Stand: 1. Juli 2020)

Wie hoch der Eigenanteil bei der ambulanten Pflege durch Angehörige oder einen Pflegedienst ist, lässt sich schwer verallgemeinern. Die Kosten hängen davon ab, welchen Pflegegrad Du hast und wie viel Unterstützung Du brauchst. Für die ambulante Versorgung durch einen Pflegedienst zahlen die Pflegekassen zwischen 125 Euro (Pflegegrad 1) und 1.995 Euro (Pflegegrad 5). Ausgaben, die darüber hinausgehen, musst Du alleine tragen.

Für wen ist eine Pflegezusatzversicherung sinnvoll?

Immer mehr Menschen benötigen im Alter Pflege. Es lohnt sich also, darüber nachzudenken, wie Du leben möchtest, wenn Deine Fitness nachlässt und wie sich das organisieren und finanzieren lässt. Eine Möglichkeit, für potenzielle Pflegekosten vorzusorgen, ist die Pflegezusatzversicherung. Je nach Modell decken die Verträge ganz oder teilweise Kosten ab, die die Pflichtversicherung nicht übernimmt.

Ob eine Zusatzversicherung für Dich sinnvoll ist, hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Was Du sonst noch tun kannst, um für die Pflege vorzusorgen, erklären wir weiter unten in diesem Text.

Folgende zwei grundsätzliche Fragen solltest Du Dir stellen, bevor Du eine Pflegezusatzversicherung abschließt:

1. Könnte ich anders vorsorgen?

Zunächst solltest Du Dir einen Überblick darüber verschaffen, wie viel Geld Du im Alter voraussichtlich zur Verfügung haben wirst. Wie hoch sind Deine Rentenansprüche? Besitzt Du Vermögen in Aktien, Festgeld oder eine kapitalbildende Lebens- oder Rentenversicherung? Hast Du Mieteinnahmen? Wirst Du eine größere Summe erben? Wohnst Du in der eigenen Immobilie? Wie viel legst Du jeden Monat für die Altersvorsorge zurück? Könntest Du diesen Betrag noch etwas erhöhen, um ein Geldpolster für den Pflegefall anzusparen?

Wenn Du den Eigenanteil an Pflegekosten aus Deinem Vermögen stemmen kannst und auch bereit bist, dies zu tun, benötigst Du keine Pflegezusatzversicherung. Dabei solltest Du auch bedenken, dass 2017 nur ein Viertel der Pflegebedürftigen in einem Heim versorgt wurde. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Der Großteil älterer Menschen wird zuhause gepflegt – in der Regel also zu niedrigeren Kosten als im Heim.

Die Statistik zeigt auch, dass das Risiko für Pflegebedürftigkeit erst im hohen Alter stark ansteigt. 2017 war jeder Sechste in der Altersgruppe zwischen 75 und 85 Jahren auf Pflege angewiesen. Von den 85- bis 90-Jährigen waren 45 Prozent pflegebedürftig. Erst ab einem Alter von 90 Jahren musste eine große Mehrheit der Senioren gepflegt werden (71 Prozent).

Statistiken sagen natürlich wenig über Deine individuelle Wahrscheinlichkeit aus, pflegebedürftig zu werden. Wie lange Du gegebenenfalls gepflegt werden musst, lässt sich ebenfalls schwer prognostizieren. Die durchschnittliche Pflegedauer schwankt zwischen einigen Monaten und mehreren Jahren je nach Art der Erkrankung, wegen der jemand pflegebedürftig wird.

Die Tatsache, dass der Pflegefall meist erst spät im Leben eintritt, verschafft Dir jedoch Zeit, dieses Thema auf andere Weise als über eine private Pflegezusatzversicherung zu regeln: Die Beiträge, die Du für die Versicherung zahlen musst, kannst Du auch selbst ansparen. 50 Euro pro Monat, angelegt zu 4 Prozent, ergeben in 40 Jahren einen Betrag von über 58.000 Euro. Mit einem ETF-Sparplan an der Börse ist das durchaus realistisch. 

Wenn Du mit 40 Jahren beginnst, auf diese Weise vorzusorgen und im Alter von 80 Jahren pflegebedürftig wirst, hast Du also erst einmal ein finanzielles Polster. Voraussetzung für diesen Plan ist natürlich, dass Du das Geld nicht zwischenzeitlich aufbrauchst.

Bleibst Du von der Pflegebedürftigkeit verschont, kannst Du das Geld selbst nutzen oder vererben. Geld, das Du in eine Pflegezusatzversicherung eingezahlt hast, bekommst Du hingegen nicht zurück, wenn Du nicht pflegebedürftig wirst.

2. Kann ich mir die Zusatzversicherung langfristig leisten?

Pflegezusatzversicherungen gehören zu den eher kostspieligen Verträgen. Ein Kunde, der mit 55 Jahren einen Pflegetagegeld-Vertrag abschließt, zahlt laut Stiftung Warentest rund 90 Euro im Monat. Bei einigen Anbietern musst Du die Versicherungsbeiträge auch dann weiterzahlen, wenn Du pflegebedürftig bist. Eine Pause bei Zahlungsschwierigkeiten gewähren die Versicherer oft nur für eine begrenzte Zeit, zum Beispiel wenn Du vorübergehend arbeitslos bist. Die fehlenden Beiträge musst Du dann unter Umständen später auf einen Schlag nachzahlen.

Überlege Dir deshalb gut, ob Du Dir den Beitrag für die nächsten 30 oder 40 Jahre leisten kannst – auch im Rentenalter. Berücksichtige dabei auch, dass die Beiträge im Laufe der Zeit steigen können. In den vergangenen Jahren haben viele Pflegeversicherer ihre Beiträge deutlich erhöht. Ein Leser berichtete uns sogar, dass die Pflegeversicherung seines Vaters den Beitrag im Mai 2020 mehr als verdoppelt hat. Derartige Preissteigerungen solltest Du verkraften können. Denn wenn Du die Versicherung kündigen musst, weil sie zu teuer geworden ist, verlierst Du nicht nur den Versicherungsschutz, sondern auch alle bereits gezahlten Beiträge.

Bedenke also: Der Beitrag, den Du bei Vertragsabschluss zahlst, ist nicht in Stein gemeißelt. Er wird in den kommenden Jahren wahrscheinlich steigen. Das liegt unter anderem daran, dass Pflege teurer wird, etwa durch steigende Löhne oder eine bessere Versorgung. Auch politische Reformen können dafür sorgen, dass Versicherte umfassendere Pflegeleistungen erhalten. Daraus resultierende Kostensteigerungen können die Anbieter von Pflegezusatzversicherungen an die Kunden weitergeben und den Beitrag erhöhen.

Genau das ist Anfang 2017 passiert. Der Gesetzgeber hat die Einstufung der Pflegebedürftigkeit vollständig überarbeitet und die bisherigen drei Pflegestufen in fünf Pflegegrade überführt. Eine Finanztip-Umfrage unter 19 großen Versicherern hat gezeigt, dass die Unternehmen ihre Verträge an den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff angepasst haben. Im Zuge der Umstellung haben aber auch alle von Finanztip befragten Anbieter die Beiträge erhöht, in einigen Fällen um bis zu 20 Prozent. Wie sich die Beiträge in den kommenden Jahrzehnten weiter entwickeln werden, ist schwer vorherzusagen.

Deshalb solltest Du Dich zunächst um alle wirklich wichtigen Versicherungen kümmern, wie Haftpflicht-, Berufsunfähigkeits- oder Wohngebäudeversicherung (falls Du eine Immobilie besitzt). Auch die Altersvorsorge hat Vorrang. Denn über Deine Altersvorsoge kannst Du im Rentenalter frei verfügen, unabhängig davon, ob Du pflegebedürftig wirst oder nicht. Und das Ersparte kannst Du beliebig verwenden, für Pflegekosten oder auch für andere Ausgaben.

Wenn Du keinen finanziellen Spielraum hast, um Geld für mögliche Pflegekosten zurückzulegen oder eine Pflegezusatzversicherung zu zahlen, gibt es andere Möglichkeiten für das Leben im Alter vorzusorgen. So lassen sich etwa Pflegekosten reduzieren, indem Du Dich frühzeitig mit altersgerechtem Wohnen beschäftigst und Deinen Alltag so organisierst, dass Du möglichst wenig auf die Hilfe von Pflegekräften angewiesen bist. Mehr dazu liest Du am Ende unseres Ratgebers.

Welche Varianten der Pflegezusatzversicherung gibt es?

Wenn Du Dich für eine Pflegezusatzversicherung interessierst, kannst Du zwischen drei verschiedenen Modellen wählen: der Pflegekosten-Versicherung, der Pflege-Rentenversicherung und der Pflegetagegeld-Versicherung.

Allen Modellen ist gemein: Wie viel die Versicherung kostet, hängt von Deinem Alter und Deiner Gesundheit beim Vertragsschluss ab und davon, wie hoch die Zahlungen der Versicherung sein sollen. Je später Du die Versicherung abschließt, desto höher sind die Beiträge. Hast Du bereits Erkrankungen, verlangt die Versicherung in der Regel einen Risikozuschlag. Schließt Du hingegen in jungen Jahren einen Vertrag ab, zahlst Du oft jahrzehntelang umsonst Beiträge.

Neben den drei genannten Modellen gibt es noch eine Sonderform: den sogenannten Pflege-Bahr. Mit dieser Variante fördert der Staat unter bestimmten Bedingungen den Abschluss einer privaten Zusatzversicherung, ähnlich wie bei der Riester-Rentenversicherung.

Ein kurzer Überblick über die vier Varianten des privaten Pflegeschutzeses:

1. Pflegetagegeld

Bei einer Pflegetagegeld-Versicherung vereinbarst Du mit der Versicherung eine feste Summe pro Tag, die Dir bei Pflegebedürftigkeit ausgezahlt wird. Die Höhe des Tagegelds hängt vom Pflegegrad ab. Das bedeutet, die Pflegebedürftigkeit muss bei Dir offiziell festgestellt worden sein. Bei einem niedrigen Pflegegrad bekommst Du meist nur einen Teil der vereinbarten Summe, den vollen Tagessatz gibt es erst bei schwerer Pflegebedürftigkeit.

Der Vorteil an solchen Tarifen: Das Geld von der Versicherung kannst Du frei verwenden. Du kannst es nutzen, um die Kosten für einen ambulanten Pflegedienst oder ein Pflegeheim zu finanzieren. Du kannst damit aber auch eine Haushaltshilfe oder einen Menü-Bringdienst bezahlen oder Freunde und Familie für ihre Unterstützung honorieren.

Das Pflegetagegeld erhältst Du unabhängig von den tatsächlich angefallenen Kosten. Du musst also keine Rechnungen bei der Versicherung einreichen. Und falls am Ende des Monats noch ein Teil des Tagegelds übrig ist, kannst Du den Betrag ansparen.

Aufgrund der flexiblen Einsatzmöglichkeiten halten wir das Pflegetagegeld für die sinnvollste Variante der Pflegezusatzversicherungen.

2. Pflegekosten-Versicherung

Pflegekosten-Versicherungen gibt es in unterschiedlichen Formen. Einige Tarife verdoppeln die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Wirst Du allerdings zuhause von einem Verwandten gepflegt, kürzt die Versicherung die Zahlung häufig deutlich. Bei solchen Angeboten musst Du meist keine Belege für Deine Pflegekosten einreichen. Die Versicherung zahlt pauschal das, was Dir für Deinen Pflegegrad auch von der Pflegepflichtversicherung zusteht.

Anders ist das bei der zweiten Variante der Pflegekosten-Versicherung: Hier musst Du alle Pflegekosten nachweisen. Denn die Zusatzversicherung übernimmt nur den Teil der Rechnung, den die gesetzliche Pflegeversicherung nicht zahlt. Das bedeutet gleichzeitig: Die Pflegekosten-Versicherung beteiligt sich nur an Pflegeleistungen, die auch im Leistungskatalog der gesetzlichen Pflegeversicherung enthalten sind. Du kannst das Geld von der Versicherung also nicht beliebig einsetzen. Außerdem gibt es meist eine Höchstgrenze für die Zahlung. Übernehmen Angehörige die Pflege, zahlt die Versicherung oft einen bestimmten Betrag als Pflegegeld.

Die Erstattungssummen bei der Pflege durch Angehörige sind bei den Pflegekosten-Versicherungen in der Regel deutlich niedriger als bei Pflegetagegeld-Versicherungen. Pflegekosten-Tarife eignen sich daher nur, wenn Du Dich im Pflegefall von einem professionellen Pflegedienst oder im Heim betreuen lassen willst. Pflegekosten-Versicherungen sind meist etwas günstiger als gute Pflegetagegeld-Tarife.

3. Pflege-Rentenversicherung

Eine Pflege-Rentenversicherung funktioniert etwas anders als die bisher vorgestellten Varianten. Während bei Pflegetagegeld- und Pflegekosten-Versicherungen die Beiträge mit der Zeit steigen können, ist der Beitrag bei Pflege-Rentenversicherungen für die gesamte Laufzeit festgelegt. Dafür sind diese Tarife jedoch von Anfang an deutlich teurer.

Von der Pflege-Rentenversicherung erhältst Du eine monatliche Rente, wenn bei Dir Pflegebedürftigkeit festgestellt wurde. Allerdings gibt es bei Pflegegrad 1 und teilweise sogar Pflegegrad 2 oft noch kein Geld. Das ist ungünstig, denn 2017 hatten laut Angaben des Statistischen Bundesamtes fast die Hälfte aller Pflegebedürftigen Pflegegrad 1 oder 2.

Die Zahlungen der Pflege-Rentenversicherung sind meist nach dem Pflegegrad gestaffelt. Die volle Rente gibt es unter Umständen erst bei Pflegegrad 5. Bei einigen Anbietern kannst Du selbst festlegen, welchen Prozentsatz der versicherten Rentensumme Du bei welchem Pflegegrad erhalten möchtest. Über das Geld von der Versicherung kannst Du frei verfügen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Du im Heim oder zuhause gepflegt wirst. Aufgrund der hohen Kosten raten wir von Pflege-Rentenversicherungen jedoch eher ab.

4. Pflege-Bahr: Staatlich geförderter Zusatzschutz

Der Staat fördert mit dem „Pflege-Bahr“ ausschließlich Pflegetagegeld-Versicherungen. Eine Bedingung für die Förderung ist, dass niemand abgelehnt werden darf. Der Versicherer führt also keine Gesundheitsprüfung durch. Außerdem muss Versicherten mit Pflegegrad 5 mindestens ein Pflegegeld von 600 Euro im Monat gezahlt werden. Die Leistungen für die Pflegegrade 1 bis 4 sind gestaffelt.

Sind alle Kriterien erfüllt, hast Du einen Anspruch auf Förderung von 5 Euro im Monat, sofern Du selbst mindestens 10 Euro monatlich in die Pflege-Zusatzversicherung einzahlst. Du musst Dich nicht selbst um die Förderung kümmern. Die Versicherung kalkuliert den Zuschuss ein und beantragt die monatliche Zulage von 5 Euro bei der Zulagenstelle.

Das Tagegeld aus dem Pflege-Bahr reicht im Pflegefall oft nicht aus. Viele Versicherer bieten daher auch Kombi-Tarife an, mit einem geförderten und einem nicht geförderten Teil. Ein weiteres Problem beim Pflege-Bahr: Weil die Anbieter niemanden ablehnen dürfen, verlangen sie einen höheren Beitrag. Denn es ist damit zu rechnen, dass vor allem Menschen mit Vorerkrankungen dieses Angebot nutzen. Die Versicherer versuchen mit den hohen Beiträgen vorzusorgen für den Fall, dass sie deshalb besonders häufig Leistungen zahlen müssen.

Die geringen Leistungen und relativ hohen Beiträge verstärken diesen Effekt noch – für Gesunde ist der Pflege-Bahr nicht attraktiv. Es ist damit zu rechnen, dass die Beiträge für Pflege-Bahr-Tarife in den kommenden Jahren steigen werden. Auch wenn Du pflegebedürftig bist, musst Du die Versicherung weiterzahlen. Im schlechtesten Fall übersteigt der Beitrag irgendwann die Leistungen, die Du von der Versicherung bekommst. Wir halten diese Variante der Pflegezusatzversicherung deshalb für nicht empfehlenswert.

Welche Punkte sind bei Pflegezusatzversicherungen wichtig?

Wichtigstes Auswahlkriterium für eine Pflegezusatzversicherung ist, dass das Angebot Deine finanzielle Lücke im Pflegefall abdeckt und für Dich auch langfristig bezahlbar ist. Um zu bestimmen, wie hoch die Absicherung sein muss, solltest Du versuchen, grob abzuschätzen, wie viel Geld Du im Ruhestand übrig haben wirst. Dazu brauchst Du einen Überblick über Dein zu erwartendes Einkommen (Rentenansprüche, Kapitalerträge, Mieteinnahmen) und Deine Fixkosten.

Demgegenüber steht der Eigenanteil, den Du voraussichtlich für die Pflege zahlen musst. Zur Orientierung kannst Du die Angaben der Stiftung Warentest nutzen. Diese geht für die Pflege im Heim von einer Finanzierungslücke von 1.500 Euro aus, unabhängig vom Pflegegrad. Für die ambulante Pflege trifft die Stiftung Warentest folgende Annahmen:

Finanzierungslücke bei Pflege zuhause

Pflegegrad 1

125 Euro

Pflegegrad 2

500 Euro

Pflegegrad 3

1.100 Euro

Pflegegrad 4

2.200 Euro

Pflegegrad 5

2.200 Euro

Quelle: Finanztest (Stand: Februar 2020)

Auf diese Merkmale im Vertrag solltest Du achten

Neben der passenden Höhe der Absicherung gibt es noch weitere Kriterien, die gute Tarife aus unserer Sicht erfüllen sollten:

Zahlt unabhängig von Art der Pflege und Pflegegrad - Du solltest sowohl bei häuslicher als auch bei stationärer Pflege Leistungen bekommen. Außerdem sollte die Versicherung bei allen fünf Pflegegraden zahlen, nicht nur bei besonders starker Pflegebedürftigkeit.

Gleiches Geld für Profi- und Laienpflege - In der ambulanten Pflege sollte der Vertrag gleich hohe Leistungen vorsehen, egal ob Dich ein Angehöriger oder ein professioneller Pflegedienst versorgt oder beide.

Orientierung am gesetzlichen System - Um Mittel aus einer privaten Pflegezusatzversicherung zu erhalten, musst Du nachweisen, dass Du pflegebedürftig bist. Am einfachsten ist das, wenn sich der private Anbieter an den Pflegegraden der gesetzlichen Pflegeversicherung orientiert. Auf eine Untersuchung durch eigene Ärzte sollte der Anbieter verzichten, wenn die Pflegepflichtversicherung Dich als pflegebedürftig einstuft.

Verzicht auf Wartezeit - Der Vertrag sollte keine Wartezeit vorsehen, bevor Du Leistungen beantragen kannst. Dann zahlt die Versicherung auch, falls Du schon in den ersten Monaten oder Jahren nach Vertragsabschluss pflegebedürftig wirst.

Rückwirkende Leistung - Grundsätzlich zahlt die Versicherung erst ab dem Zeitpunkt, an dem Du Leistungen beantragst. Vorteilhafter ist es, wenn Dein Anbieter rückwirkend ab dem Tag zahlt, an dem die Pflegebedürftigkeit offiziell festgestellt wurde. So bekommst Du für den gesamten Zeitraum der Pflegebedürftigkeit Geld, auch wenn Du den Versicherungsfall erst etwas später gemeldet hast.

Kostenlos im Pflegefall - Bei einigen Angeboten musst Du die Versicherungsbeiträge immer weiterzahlen, selbst dann, wenn Du schon Leistungen von der Pflegezusatzversicherung bekommst. Um die finanzielle Belastung im Pflegefall so niedrig wie möglich zu halten, sollten spätestens ab Pflegegrad 2 keine Beiträge mehr anfallen.

Beitragspause möglich - Bei Zahlungsschwierigkeiten ist es gut, wenn Du eine Beitragspause mit Deiner Versicherung vereinbaren kannst. Oft ist das an bestimmte Bedingungen wie Arbeitslosigkeit geknüpft. Je mehr Anlässe ein Anbieter als Grund für eine Beitragspause akzeptiert und je weniger Unterlagen und Nachweise er dafür fordert, desto besser. Achte außerdem darauf, ob Du während der Pause weiterhin Versicherungsschutz hast und ob Du die fehlenden Beiträge später nachzahlen musst.

Erhöhungsoptionen - Die Inflation und Veränderungen Deiner Lebenssituation können dafür sorgen, dass die Leistungen, die Du ursprünglich im Vertrag vereinbart hast, im Alter nicht mehr reichen. Deshalb ist es nützlich, wenn ein Tarif die Möglichkeit bietet, Leistungen ohne eine erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen. Manchmal kannst Du die versicherten Summen zu bestimmten Anlässen hochsetzen, etwa wenn der Partner stirbt, der Dich hätte pflegen sollen. Viele Versicherer bieten auch eine sogenannte Leistungsdynamik an. Das bedeutet, wenn Du tatsächlich pflegebedürftig bist, werden die Leistungen des Tarifs regelmäßig erhöht. Achte aber darauf, ob es ein Höchstalter für die Erhöhungen gibt und ob mit den besseren Leistungen auch der Beitrag steigt.

Vorerkrankungen bei Abschluss richtig angeben

Wenn Du eine Pflege-Zusatzversicherung abschließt, prüft die Versicherung zunächst Deinen Gesundheitszustand. Die Anbieter sind nämlich nicht verpflichtet, jeden zu versichern. Trotzdem solltest Du alle Fragen zur Gesundheit vollständig und wahrheitsgemäß beantworten.

Vorerkrankungen, nach denen im Antrag gefragt wird, darfst Du dem Versicherer auf keinen Fall verschweigen. Zwar droht dann gegebenenfalls ein Risikozuschlag auf den Beitrag. Doch wenn falsche oder fehlende Angaben später ans Tageslicht kommen, kann das im schlimmsten Fall dazu führen, dass die Versicherung Deinen Vertrag kündigt und Du keine Leistungen im Pflegefall erhältst.

Falls Du gesundheitliche Einschränkungen hast, ist eine sogenannte anonyme Risikovoranfrage sinnvoll. Ein Versicherungsmakler oder -berater fragt dann bei verschiedenen Anbietern nach, ob und zu welchen Konditionen diese Dich versichern würden. Das Besondere dabei ist, dass persönliche Angaben wie Name, Anschrift und Geburtsdatum in dieser Anfrage geschwärzt sind. So bekommst Du ein realistisches Bild davon, welches Angebot für Dich am besten geeignet ist, ohne zu riskieren, dass ein Versicherer Dich ablehnt. Denn dann kann es schwierig werden, überhaupt einen Vertrag zu bekommen.

Welche Alternativen zur Pflegezusatzversicherung gibt es?

Falls Du Dir keine Pflegezusatzversicherung leisten kannst oder willst, gibt es weitere Möglichkeiten, für den Pflegefall vorzusorgen. Eine solide Altersvorsorge und Geldanlage sind eine gute Basis, um zusätzliche Kosten im Alter abzufedern.

Außerdem ist es sinnvoll, sich frühzeitig altersgerechte vier Wände zu suchen. Ein Zuhause, in dem Du nicht mit langen Treppen oder einer hohen Badewanne kämpfen musst, kann im Alter helfen, möglichst lange selbstbestimmt zu leben. Das ist nicht nur angenehmer, sondern spart auch Kosten. Denn solange Du Dich selbstständig versorgen kannst, musst Du keine Pflegekraft bezahlen.

Bist Du bereits pflegebedürftig, zahlt die Pflegekasse bis zu 4.000 Euro für Umbauten, die Deine Wohnung pflegegerechter machen. Da das aber nicht immer ausreicht, ist es sinnvoll, bei jeder ohnehin anstehenden Modernisierung zu überlegen, ob sich das Zuhause barrierefreier gestalten lässt. Dazu kannst Du Dich beraten lassen. Einen Überblick über die bundesweiten Beratungsangebote findest Du zum Beispiel bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung. Zudem gibt es Zuschüsse und Förderangebote für altersgerechte Umbauten, etwa die KfW-Programme 455 und 159.

Auch andere Formen des Wohnens können das Leben im Alter erleichtern. In vielen Orten gibt es Mehrgenerationen-Projekte, die das Zusammenleben von Menschen verschiedenen Alters fördern. Die Bewohner helfen sich gegenseitig bei der Bewältigung ihres Alltags und planen gemeinsame Freizeitaktivitäten. Ein anderes Konzept ist Wohnen für Hilfe. Dabei stellen Senioren Studenten ein Zimmer zur Verfügung. Die Studenten zahlen Nebenkosten, aber keine Miete und helfen den Gastgebern dafür im Alltag, zum Beispiel bei Haus- und Gartenarbeit oder täglichen Erledigungen.

Auch Wohngemeinschaften für Pflegebedürftige sind eine Möglichkeit, benötigte Hilfe kostengünstiger zu organisieren. Die Bewohner können Betreuungs- und Unterstützungsangebote gemeinsam nutzen und sich die Kosten dafür teilen. Eine Pflege- Wohngemeinschaft kannst Du selbst organisieren, es gibt jedoch auch Anbieter, die entsprechende Projekte leiten. Auf dem Serviceportal Zuhause im Alter des Bundesfamilienministeriums findest Du zahlreiche Informationen zu Wohnmodellen für Senioren, Hilfsangeboten und Beratungsstellen.

Hilfe zur Pflege

Sollte es soweit kommen, dass Du den Eigenanteil der Pflegekosten nicht alleine stemmen kannst, kannst Du beim Sozialamt „Hilfe zur Pflege“ beantragen. Diese Unterstützung nahmen nach Angaben des Verbands der Ersatzkassen 2017 immerhin 11 Prozent der Pflegebedürftigen in Anspruch. Bevor Du Hilfe zur Pflege bekommst, musst Du jedoch Dein Vermögen aufbrauchen – 5.000 Euro (Stand 2020) darfst Du aber als Schonvermögen behalten.

Sofern Du Kinder hast, kann es sein, dass das Sozialamt das Geld von Deinen Kindern zurückfordert. Denn Kinder sind gesetzlich verpflichtet, im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten für den Unterhalt der Eltern zu sorgen. Seit Januar 2020 werden Kinder aber erst in die Pflicht genommen, wenn sie mehr als 100.000 Euro im Jahr verdienen. Details dazu liest Du in unseren Ratgebern zum Elternunterhalt und dem sogenannten Schonvermögen beim Elternunterhalt.

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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 02.11.2020 11:04:00 +0000
Anleihen (Bonds) : Was Du über eine Anlage in Anleihen wissen solltest https://www.finanztip.de/anleihen/ https://www.finanztip.de/?id=2166Anleihen (Bonds)
Das Wichtigste in Kürze
  • Anleihen sind Wertpapiere, die sich meist durch festgelegte Zinszahlungen auszeichnen.
  • Sie werden von Staaten und Unternehmen herausgegeben, die sich damit Geld an den Kapitalmärkten besorgen.
  • Wer eine Anleihe kauft, gibt dem Herausgeber also einen Kredit.
  • Das Spektrum von Anleihen ist sehr breit: Es gibt sehr sichere, aber auch hochriskante Versionen.
  • Du kannst Anleihen einzeln oder in Form von Investmentfonds kaufen. Diese Rentenfonds streuen das Risiko auf viele Einzeltitel, verlangen aber jährliche Verwaltungsgebühren.
  • Anleihen werden derzeit nur sehr niedrig verzinst. Ordentliche Renditen sind nur möglich, wenn das Zinsniveau noch weiter fällt. Wir empfehlen Tagesgeld und Festgeld als Alternative.

Egal, ob Dax, Dow Jones oder MSCI World: Bei der Börsenberichterstattung stehen meist die Aktienmärkte im Vordergrund. Dabei sind die Anleihe-Märkte ebenfalls interessant. Allein der deutsche Staat hat derzeit Anleihen im Wert von über 1,2 Billionen Euro im Umlauf (Stand: September 2020). Nach Angaben der Deutschen Börse sind am deutschen Markt rund 16.000 Aktien, aber 29.000 Anleihen handelbar. 

Auch manche Privatanleger beschäftigen sich mit Anleihen, da sie grundsätzlich als relativ sichere Geldanlage für lange Zeiträume geeignet sind. Die Kursschwankungen von Anleihen sind im Schnitt geringer als die von Aktien. Anleihen, die an der Börse gehandelt werden, können Anleger weiterverkaufen. Das ist ein entscheidender Vorteil im Vergleich zu Festgeld, bei dem Du an Deine Bank gebunden bist.

Das musst Du über Anleihen wissen

Derzeit werden Anleihen aber nur niedrig verzinst. Die zu erwartende Rendite für eine zehnjährige Bundesanleihe ist seit einiger Zeit sogar negativ und betrug im Oktober 2020 -0,6 Prozent pro Jahr. Ordentlich verzinste Tagesgeldkonten, bei denen Du täglich an Dein Geld kommst, bieten derzeit eine höhere Rendite.

In der Grundform ist eine Anleihe ein Wertpapier, das Dir regelmäßige feste Zinszahlungen verspricht. In den vergangenen Jahrzehnten wurden allerdings viele neue Arten von Anleihen entwickelt und auf den Markt gebracht.

Auf den ersten Blick scheinen Anleihen komplizierte Wertpapiere zu sein. Bei genauerem Hinsehen lassen sie sich aber gut begreifen, wenn Du die wichtigsten Eigenschaften kennst:

Rendite - Die wichtigste Kennzahl ist die zu erwartende jährliche Rendite, die sich aus der Laufzeit, den festgelegten Zinszahlungen, dem Kaufkurs und dem Rückkaufkurs der Anleihe ergibt. Die Rendite wird in Prozent angeben. Sie ist die jährliche Verzinsung, die ein Anleger erwarten kann, wenn er die Anleihe bis zum Laufzeitende im Depot behält. Die wichtigsten Faktoren, die die Rendite beeinflussen, sind das Marktzinsniveau, die verbleibende Laufzeit der Anleihe und die Finanzkraft des herausgebenden Staats oder Unternehmens. Je länger die Laufzeit und je geringer die Bonität, desto mehr Rendite kannst Du erwarten.

Kupon - Die meisten Anleihen schütten regelmäßige Zinszahlungen aus, die auch als Kupon bezeichnet werden. Kupon und Rendite sind aber nicht das gleiche. Während der Kupon festgelegt ist, schwankt die Rendite von Anleihen täglich mit deren Kursen. Bei steigenden Anleihekurse sinkt die Rendite, bei fallenden steigt sie.

Nennwert - Der Nennwert ist der Betrag, der auf der Anleihe steht und zu dem sie in der Regel zurückgezahlt wird. Anleihen, die auch an private Anleger verkauft werden sollen, haben oft einen Nennwert von 1.000 Euro.

Kurswert -  Der Kurs von Anleihen wird in Prozent des Nennwerts angegeben. Ein Kurs von 100 Prozent entspricht genau dem Nennwert. Ein Kurs von 110 bedeutet, dass der Wert der Anleihe um etwa 10 Prozent gegenüber dem Nennwert gestiegen ist.

Restlaufzeit - Die Restlaufzeit gibt an, wann die Rückzahlung der Anleihe erfolgt.

Kursschwankungen - Die Kurse von Anleihen schwanken. Das liegt daran, dass sich die Rendite dem aktuellen Zinsniveau entsprechend anpasst. Fallen die Zinsen, steigen die Kurse von Anleihen. Bei steigenden Zinsen sinken sie. Das Zinsniveau wird von vielen Faktoren beeinflusst. Zu den wichtigsten zählen das Wirtschaftswachstum, die Inflationserwartungen und die Geldpolitik der Notenbanken. Verleihen die Notenbanken billig Geld, drückt das meistens die Zinsen.

Handel - Du kannst Anleihen an der Börse kaufen und verkaufen. Anleihen werden unterschiedlich häufig gehandelt. Im Fachjargon spricht man auch von Liquidität. Wenn die Wertpapiere seltener gehandelt werden – also weniger liquide sind –, kannst Du eine höhere Rendite erwarten. Bei einem eventuellen Weiterverkauf musst Du allerdings mit Abzügen rechnen, da sich nicht so leicht ein neuer Käufer finden lässt.

Einzelkauf oder Fonds - Du kannst Anleihen entweder einzeln oder als Fonds kaufen. Ein Fonds hat den Vorteil, dass Du in mehrere Anleihen investierst. Dadurch sinkt die Verlustgefahr durch einen Zahlungsausfall. Dafür verlangt der Fondsverwalter aber eine jährliche Gebühr. Vor allem bei risikoreicheren Anleihen bevorzugen wir die Fondslösung, da Du das Risiko so auf eine Vielzahl von Einzeltiteln streust.

Währungsschwankungen - Bei Anleihen, die nicht in Euro, sondern beispielsweise in US-Dollar ausgegeben werden, gehst Du ein Währungsrisiko ein. Das kann höher sein als die Verzinsung des Wertpapiers selbst. Sei Dir also bewusst, dass mögliche Währungsschwankungen Deinen Gewinn oder Verlust maßgeblich beeinflussen – auch wenn Du eine sichere Anleihe kaufst.

Anleihen lohnen sich derzeit kaum

Staats- und Unternehmensanleihen von wirtschaftlich soliden Ländern und Konzernen gehören grundsätzlich zu den sicheren Geldanlagen und sind am ehesten mit Festgeld vergleichbar: Der Käufer legt einen gewissen Betrag an, erhält dafür Zinsen und am Ende der Laufzeit den Nennwert der Anleihe wieder zurück. Derzeit bringt Festgeld höhere Zinsen als eine Anleihe derselben Bank und des zugehörigen Staates mit ähnlicher Laufzeit. Zusätzlich sind die Einlagen bis zu 100.000 Euro pro Bank und pro Person gesetzlich durch die Einlagensicherung geschützt. Jedoch kommen Anleger vor Ende der Laufzeit nur schwer an ihr Geld. Meist ist eine vorzeitige Kündigung nicht oder nur unter Verzicht auf die Zinszahlung möglich.

Anleihen hingegen haben den Vorteil, dass manche von ihnen, etwa Bundesanleihen, an der Börse gehandelt werden und zum aktuellen Kurs weiterverkauft werden können.  Du kommst also auch vorzeitig an Dein Geld. Allerdings unterliegen Anleihen nicht der Einlagensicherung. Im Falle der Insolvenz des Herausgebers bist Du in der Regel mit anderen Gläubigern gleichgestellt und musst mit Verlusten rechnen.

Derzeit bieten aber sogar die besten Tagesgeldkonten höhere Zinsen als Bundesanleihen mit Laufzeiten von mehr als zehn Jahren. Nur mit spekulativen Anleihen, deren Herausgeber eine niedrige Bonität haben, lassen sich noch höhere Renditen erzielen. Das Verlustrisiko bei diesen Anleihen ist sehr hoch, während bei einem Tagesgeldkonto Verluste so gut wie ausgeschlossen sind. Wir empfehlen Dir daher, auf Tagesgeld und auf Festgeld mit Laufzeiten bis zu drei Jahren zurückzugreifen. Von längerfristigen Zinsanlagen raten wir derzeit eher ab.

Einzelne Anleihen im Vergleich

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl verschiedener Anleihen: sehr sichere wie deutsche Staatsanleihen, aber auch hochriskante wie Wandelanleihen. Egal, in welche Anleihe Du investieren willst, solltest Du Dir immer der Risiken bewusst sein und Dein Geld nur dann anlegen, wenn Du das Produkt auch tatsächlich verstehst. Die wichtigsten Anleihe-Typen im Überblick:

Staatsanleihen - Das sind Anleihen, die von Staaten wie der Bundesrepublik Deutschland ausgegeben werden. Die Laufzeiten betragen wenige Monate bis zu mehr als 30 Jahren. Staatsanleihen von finanzstarken Ländern gelten als die sichersten Anleihen überhaupt. Eine besondere Form von Staatsanleihen sind sogenannte inflationsindexierte Anleihen, deren Zinszahlung davon abhängt, wie sich die Inflationsrate entwickelt.

Unternehmensanleihen - Viele Unternehmen geben Anleihen aus, um sich zu finanzieren. Die zu erwartende Rendite hängt dabei sowohl von der Laufzeit als auch von der Bonität des Unternehmens ab. Je höher die Finanzkraft des Unternehmens und je kürzer die Laufzeit, desto niedriger ist die Zinszahlung, die Du erhältst.

Nachrangige Anleihen - Bei diesen Anleihen erhältst Du im Falle einer Insolvenz des Herausgebers erst nach allen anderen Gläubigern Dein Geld zurück. Für dieses höhere Risiko bekommst Du bei nachrangigen Anleihen höhere Zinsen. Meist werden diese Anleihen von Banken und Versicherungen herausgegeben.

Hochzinsanleihen - Sie sind eine riskantere Form von Staats- und Unternehmensanleihen. Die Länder und Firmen, die diese Anleihen herausgeben, besitzen eine vergleichsweise geringe Bonität. Grundsätzlich gelten alle Anleihen als Hochzinsanleihen, die von den Ratingagenturen mit der Note „BB“ oder schlechter bewertet werden. Umgangssprachlich spricht man auch von Ramschanleihen, „Junk Bonds“ oder „High-Yields“. Hochzinsanleihen bieten höhere Renditen als Papiere von Herausgebern mit besserer Kreditwürdigkeit, haben aber auch ein höheres Risiko.

Wandelanleihen - Diese Anleihen sind eine Mischung aus Aktien und Anleihen. Du kannst Wandelanleihen zu einem bestimmten Kurs in Aktien tauschen. Abhängig von den Merkmalen des jeweiligen Wertpapiers verhalten sie sich eher wie Aktien oder wie Anleihen. Sie sind risikoreiche und sehr komplexe Produkte und daher nur für Experten geeignet.

Pfandbriefe - Das sind Unternehmensanleihen mit zusätzlichen Sicherheitsmerkmalen. Im Insolvenzfall des Herausgebers steht zusätzliches Vermögen zur Verfügung, mit dem die Pfandbriefe besichert sind. Meist handelt es sich dabei um Immobilienkredite. Im Gegenzug ist die Rendite von Pfandbriefen niedriger als von vergleichbaren Unternehmensanleihen.

So funktionieren Anleihen

Der Ausgabekurs von Anleihen beträgt in der Regel 100 Prozent des Nennwerts. Durch Gebühren oder kleine Zinsänderungen während der Platzierungsphase der Anleihe kann der Kurs davon auch leicht abweichen. Wenn Du die Anleihe bis zum Ende der Laufzeit hältst, ist Deine Rendite ungefähr gleich den jährlichen Zinszahlungen. Während der Laufzeit schwankt aber der Kurs der Anleihe. Daraus ergibt sich eine neue erwartete Rendite bis zum Laufzeitende. Zwei Faktoren, die sich ständig ändern, beeinflussen diese Rendite:

aktueller Marktzins: Er orientiert sich am Zins für die Bundesanleihe mit entsprechender Laufzeit.

Bonitätsaufschlag: Im Vergleich zu Bundesanleihen müssen Unternehmen wegen ihrer geringeren Finanzkraft einen höheren Zins zahlen. Im Fachjargon wird der Aufschlag oft als „Spread“ bezeichnet.

Beispiel: Die Anleihe eines deutschen Unternehmens wird zum Kurs von 100 Prozent ausgegeben. Die jährliche Zinszahlung (Kupon) beträgt 5 Prozent und entspricht auch der erwarteten Rendite. Wenn der aktuelle Marktzins der Bundesanleihe mit ähnlicher Laufzeit 3 Prozent pro Jahr beträgt, liegt der Risikoaufschlag des Unternehmens bei etwa 2 Prozent pro Jahr.

Das bedeutet, dass Du zwei Risiken eingehst, wenn Du eine Anleihe kaufst: dass sich erstens der Zins für sichere Staatsanleihen ändert und dass sich zweitens die Bonität des Herausgebers verschlechtert. Weil sich diese Werte ändern können, schwanken die Kurse von Anleihen.

Wie sehr die Kurse schwanken, gibt die sogenannte modifizierte Duration an. Sie besagt, um wie viel Prozent der Wert einer Anleihe steigt oder fällt, wenn sich die Zinsen um einen Prozentpunkt ändern. An der modifizierten Duration lassen sich also Chancen und Risiken von Zinsänderungen ablesen. Je kürzer die durchschnittliche Laufzeit der Anleihen in einem Fonds, desto niedriger ist die modifizierte Duration – und umgekehrt. Die folgenden zwei Beispiele zeigen, wie sich der Kurs einer Anleihe verändert, wenn der Marktzins oder der Bonitätsaufschlag variieren.

Beispiel 1

Du kaufst eine Unternehmensanleihe mit einem Kupon von 5 Prozent, die zum Nennwert von 100 Prozent ausgegeben wird. Kurz darauf ändert sich der Marktzins. Er sinkt um 1 Prozentpunkt, sodass das Unternehmen nur noch 4 Prozent bezahlen müsste, wenn es eine neue Anleihe ausgeben würde. Die Änderung des Zinsniveaus hat folgenden Effekt auf die gekaufte Anleihe, abhängig davon, wie lang die Restlaufzeit des Papiers ist:

Kursänderung einer Anleihe bei Zinssenkung um einen Prozentpunkt

Restlaufzeit in Jahren 1 5 10
Modifizierte Duration 1,0 4,3 7,7
Kurs in Prozent 101 104 108

Quelle: Finanztip-Berechnung

Beispiel 2
Wenn der Zins nicht um 1 Prozentpunkt fällt, sondern um 1 Prozentpunkt auf 6 Prozent steigt, wirkt sich das so aus:

Kursänderung einer Anleihe bei Zinsanstieg um einen Prozentpunkt

Restlaufzeit in Jahren 1 5 10
Modifizierte Duration 1,0 4,3 7,7
Kurs in Prozent 99 96 93

Quelle: Finanztip-Berechnung

Grundsätzlich gilt also, dass eine Anleihe im Kurs steigt, wenn der Zins abnimmt, den das Unternehmen für neue Anleihen zahlen müsste. Das ist auch logisch, da Du bei der alten Anleihe ja noch höhere jährliche Zinszahlungen erhältst und diese deshalb wertvoller ist. Für die Kursänderung der Anleihe ist es dabei unerheblich, ob sich der aktuelle Marktzins oder der Bonitätsaufschlag ändert.

Wenn Du eine Anleihe kaufst und Dir sicher bist, sie bis zum Ende der Laufzeit zu behalten, können Dir Kursschwankungen egal sein. Die entscheidende Kennziffer für Dich ist die zu erwartende Rendite zum Kaufzeitpunkt. Sie ergibt sich aus dem Nominalzins, dem aktuellen Kurs, der Restlaufzeit und dem Rückkaufkurs der Anleihe.

Einzelne Anleihen oder Fonds kaufen

Du kannst Anleihen entweder einzeln oder in Form von Fonds erwerben. Fonds mit Anleihen werden als Rentenfonds bezeichnet. Je nachdem, für welche Variante Du Dich entscheidest, solltest Du Folgendes beachten:

Laufzeit – Wenn Du einzelne Anleihen kaufst, behältst Du diese meist bis zum Ende der Laufzeit und verkaufst sie nur unter besonderen Umständen. Diese Strategie wird auch „Buy-and-Hold“ genannt. Das hat zur Folge, dass die Anleihe mit zunehmender Zeit weniger anfällig für Kursschwankungen ist. In einem Fonds befinden sich hingegen viele Titel, die ausgetauscht werden, sobald sie den Kriterien nicht mehr entsprechen. Die Duration bleibt auf diese Weise über die Zeit weitgehend konstant. Das bedeutet, dass ein Fonds immer ähnlich auf Änderungen des Zinsniveaus reagiert. Wenn die Zinsen über lange Zeit fallen, wie das über weite Strecken in den vergangenen 30 Jahren der Fall war, kannst Du so mit einem Fonds zusätzlich zu den Zinszahlungen von Kurssteigerungen profitieren.

Sicherheit – Anleihen sind unterschiedlich riskant. Eine Einschätzung liefern die Bewertungen von Ratingagenturen. Wir empfehlen Dir, einzelne Anleihen nur von finanzstarken Firmen oder Staaten zu erwerben. Diese verfügen über eine Bonitätsnote von „AA“ oder besser.

Kosten – Für einen Investmentfonds fallen jährliche Kosten für den Verwaltungsaufwand an. Wenn Du einzelne Anleihen kaufst, musst Du lediglich beim Kauf und bei einem eventuellen Verkauf Transaktionskosten bezahlen.

So kaufst Du günstig Anleihen

Bevor wir erklären, wie Du einzelne Anleihen kaufst, erläutern wir kurz, wie die Anlage in Fonds funktioniert. Ausführlich informieren wir Dich dazu im Ratgeber Rentenfonds.

Wenn Du Fonds bevorzugst

Wie bei Aktienfonds gilt auch für Anleihenfonds: Je höher die jährlichen Verwaltungskosten, desto niedriger ist tendenziell Deine Rendite. Wir empfehlen Dir daher, auf sogenannte Indexfonds oder ETFs zu setzen. Das sind Fonds, die die Wertentwicklung eines Index nachbilden und dadurch günstiger sind als aktiv gemanagte Fonds, deren Manager durch die gezielte Auswahl einzelner Titel versuchen, den Index zu schlagen. ETFs gibt es nicht nur für Aktien, sondern auch für Anleihen.

Während sich die Kosten von Anleihe-ETFs auf etwa 0,2 Prozent pro Jahr belaufen, verlangen aktiv gemanagte Fonds zwischen 0,5 und 1 Prozent pro Jahr. Diese Kosten sind in den Verkaufsprospekten als Total Expense Ratio (TER) aufgeführt. Zusätzlich fallen beim Kauf der aktiv gemanagten Fonds oft einmalige Ausgabeaufschläge in Höhe von 3 bis 5 Prozent an.

Wenn Du auf der Suche nach einem ETF bist, musst Du zuerst den dazugehörigen Index auswählen. Je nach Anleihe-Typ gibt es unterschiedliche Indizes, für die Du Fonds erwerben kannst. In nachstehender Tabelle haben wir einige Indizes aus den wichtigsten Kategorien aufgelistet, für die Du Indexfonds kaufen kannst.

Index Kategorie Kosten für ETF
(TER, in % p.a.)
eb.rexx Government Germany Bundesanleihen 0,16
Iboxx Sovereigns Eurozone Staatsanleihen Eurozone 0,15
Bloomberg Barclays Euro Government Inflation Linked Inflationsindexierte Anleihen Eurozone 0,25
iBoxx Euro Liquid Corporates Large Cap Unternehmensanleihen Eurozone 0,2
iBoxx Euro Liquid High Yield Hochzinsanleihen Eurozone 0,5
iBoxx EUR Germany Covered Pfandbriefe 0,15

Quellen: just ETF, iShares, Markit (Stand: 30. Oktober 2020)

Um gezielt nach Indexfonds für Anleihen zu suchen, empfehlen wir Dir die Suchfunktion Deines Depots oder alternativ der Portale just ETF oder boerse.ard.de. Wähle dazu bei Fondsart „Rentenfonds“ aus und tippe gegebenenfalls einen Suchbegriff wie „High-Yield“ in die Eingabemaske ein. Achte bei der Auswahl der Fonds auch auf das Fondsvolumen. Wir raten Dir von Fonds mit einem relativ kleinen Anlagevermögen von weniger als 50 Millionen Euro eher ab, da diese weniger oft an den Börsen gehandelt werden. Wenn Du Dir lieber einen Gesamtüberblick über in Deutschland erhältliche ETFs verschaffen willst, findest Du hier eine Übersicht.

Wenn Du einzelne Anleihen kaufen möchtest

Schaue Dir die Kennzahlen einer Anleihe genau an, bevor Du einen Kauf erwägst. Dabei solltest Du vor allem auf das Rating achten, weil es Dir eine Vorstellung davon gibt, welches Ausfallrisiko mit der jeweiligen Anleihe verbunden ist.

Achte auch auf die Handelbarkeit. Anleihen, die nur im geringen Umfang ausgegeben wurden, beispielsweise nur für 50 Millionen Euro, werden in der Regel weniger gehandelt. Es kann deshalb schwierig sein, einen Käufer zu finden. Bei Anleihen mit einem Ausgabevolumen von 1 Milliarde Euro und mehr ist das dagegen meistens kein Problem.

Eine wichtige Kennzahl ist zudem die Rendite, die Du bis zum Laufzeitende erwarten kannst. Vergewissere Dich außerdem, auf welche Währung die Anleihen lauten. Handelt es sich um Euro-Anleihen, gehst Du damit kein Währungsrisiko ein.

Wir empfehlen Dir, zum Beispiel über die Portale onvista.de oder finanzen.net nach passenden Anleihen zu suchen.

Kaufe das Wertpapier bei einem Onlinebroker

Notieren Dir die Wertpapierkennnummer (WKN) oder ISIN-Nummer der Anleihe oder des Fonds, für den Du Dich entschieden hast. Noch ein Tipp: Nutze beim Kauf die Möglichkeit einer Limit-Order. Du gibst dabei einen Kurs vor, der beim Kauf nicht überschritten werden darf. So gehst Du sicher, dass der Kaufpreis auch bei weniger liquiden Anleihen nicht zu hoch ausfällt.

Wir empfehlen Dir, den Kauf über einen Direktbroker abzuwickeln, da diese oft günstige Konditionen anbieten.

Mehr dazu im Ratgeber Wertpapierdepot

  • Mit dem richtigen Wertpapierdepot zahlst Du wenig fürs Kaufen und Verkaufen von Aktienfonds (ETFs).
  • Finanztip-Empfehlungen: Als Kombiangebot aus Depot, Girokonto und Kreditkarte haben am besten abgeschnitten: DKB, Comdirect und Consorsbank. Die günstigsten Anbieter sind: Smartbroker, Onvista-Bank und Trade Republic.

Zum Ratgeber

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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 30.10.2020 10:09:00 +0000
Fernwärme : So kannst Du auch bei dieser teuren Heizart sparen https://www.finanztip.de/fernwaerme/ https://www.finanztip.de/?id=5790Fernwärme
Das Wichtigste in Kürze
  • Für einen Haushalt ist Fernwärme sauber und bequem zu nutzen, aber gegenüber der Versorgung mit Gas, Heizöl oder Holz teuer.
  • Von Juli bis Dezember 2020 sinkt die Mehrwertsteuer auf 16 Prozent. Die meisten Versorger wollen dies auf der jährlichen Abrechnung entsprechend berücksichtigen. 
  • Ab 2021 wird der CO2-Preis Fernwärme vermutlich noch teurer machen, wenn Dein Versorger in seinen Kraftwerken vor allem fossile Brennstoffe nutzt.
  • Im Markt herrschen noch Monopolstrukturen: Den Versorgern gehören auch die Wärmenetze. Wettbewerb zwischen den Anbietern existiert nicht.
  • Kartellbehörden befassen sich immer wieder mit dem Verdacht von überhöhten Preisen für Fernwärme.
So gehst Du vor
  • Bist Du Vertragspartner des Versorgers – als Hauseigentümer oder Mieter –, kannst Du den Vertrag von einer Verbraucherzentrale prüfen lassen.
  • Zudem empfiehlt sich eine Prüfung der Anschlussleistung ans Wärmenetz: Oft ist diese überdimensioniert. Durch eine Korrektur kannst Du mehrere Hundert Euro im Jahr sparen.
  • Besteht kein Anschlusszwang ans Fernwärmenetz, kannst Du überlegen, Deinen Vertrag zu kündigen und Deine Versorgung selbst in die Hand zu nehmen – zu günstigeren Preisen.
  • Lebst Du zur Miete in einem Haus mit Fernwärmeanschluss, kannst Du Deinen Vermieter auffordern, die Anschlussleistung zu überprüfen. Nach erfolgter Korrektur sparen Mieter in der Regel 50 bis 100 Euro im Jahr.
  • Will Dein Versorger die Preise beliebig erhöhen, dann widersprich der Preiserhöhung. Beruf Dich auf das Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom 21. März 2019 (Az. 6 U 191/17).

Sich aus der Ferne mit Wärme versorgen zu lassen, ist bequem und sauber. Kein Schornsteinfeger muss die Heizung prüfen, Du musst keinen Brennstoff einkaufen und lagern, keinen Heizkessel anfeuern und pflegen. Obendrein musst Du Dir auch keine Gedanken machen, zu welcher Tageszeit Du heizt – das macht finanziell für Dich keinen Unterschied, im Gegensatz zu Nutzern von Nachtspeicherheizungen oder Wärmepumpen.

Was ist Fernwärme?

Fernwärme bedeutet, dass es in einem Wohnhaus keine eigene Heizanlage gibt. Stattdessen erzeugt ein mehr oder weniger weit entfernt liegendes Kraftwerk Wärme, die über Leitungen zu den Nutzern strömt. Zumeist fließt heißes Wasser von teilweise mehr als 100 Grad Celsius durch die Wärmenetze in Deutschland, in geringem Umfang auch heißer Dampf.

Fernwärme hat aber einen entscheidenden Nachteil: Sie ist teuer. Nur das Heizen mit Strom kostet Dich noch mehr. Dem Heizspiegel zufolge zahlten Mieter in einer 70-Quadratmeter-Wohnung im Jahr 2019 im Schnitt 890 Euro für ihre Fernwärmeheizung – rund 4 Prozent mehr als Mieter mit zentraler Ölheizung, rund 24 Prozent mehr als Mieter mit zentraler Gasheizung.

Wie ist der Markt für Fernwärme in Deutschland?

Fernwärme ist die drittbedeutendste Art, in Deutschland zu heizen – nach Gas und Öl. In mehr als 370.000 Wohnhäusern nutzen rund sechs Millionen Haushalte Fernwärme. Die meisten davon befinden sich in Nordrhein-Westfalen, Berlin, Baden-Württemberg und Bayern.

Fernwärme: Energieart zum Heizen in Wohnungen

Der Markt für Fernwärme ist nicht reguliert. Schätzungsweise 100 Versorger gibt es. Zumeist handelt es sich um Stadtwerke. Sie liefern dabei nicht nur Energie, sondern betreiben auch die Kraftwerke und die Wärmenetze – alle drei Funktionen vereint auf ein Unternehmen.

Denn im Gegensatz zum Strom- und Gasmarkt, in dem die Energie ebenfalls über Netze zum Verbraucher fließt, unterliegt der Fernwärmemarkt nicht den Entflechtungsregeln, die das Energiewirtschaftsrecht festlegt. Das bedeutet auch, dass jeder Fernwärmeversorger ein Monopol auf sein Wärmenetz besitzt. Er muss sein Netz keinem anderen Anbieter zugänglich machen, damit dieser in Wettbewerb zu ihm treten kann, wie das im Strom- und Gasmarkt möglich ist.

So kommt es, dass es im Fernwärmemarkt keinen Wettbewerb einzelner Anbieter untereinander gibt. Wenn Du Fernwärme beziehst, kannst Du nicht zwischen unterschiedlichen Versorgern wählen – egal, ob Du im eigenen Haus wohnst oder zur Miete. Es gibt nur ein Unternehmen, das Dich beliefern kann. Seine Preise musst Du hinnehmen. Welche Entgelte die Versorger verlangen, prüfen höchstens die Kartellbehörden.

Wie sind die Preise für Fernwärme?

Versorger rechnen Fernwärme nach zwei Preisen ab: Es gibt einen Grundpreis und einen Arbeitspreis. Der Grundpreis (oder auch Leistungspreis) hängt entscheidend von der Anschlussleistung des Wohnhauses ab – je höher die Leistung ist, desto mehr Wärme kann das Wärmenetz bereitstellen. Der Arbeitspreis bezieht sich auf die Wärme, die Du dem Netz tatsächlich entnommen hast. Manche Versorger berechnen zusätzlich noch einen Messpreis oder Verrechnungspreis, der unabhängig von Verbrauch und Anschlussleistung einmal im Jahr zu entrichten ist. 

Die Höhe des Arbeitspreises hängt entscheidend davon ab, wie wirtschaftlich der Versorger seine Kraftwerke betreibt. Aber: Es ist bislang unklar, zu welchen Kosten die Versorger Fernwärme produzieren und welche Marge in den Preisen steckt. Das Gleiche gilt für den Grundpreis: Wie die Versorger kalkulieren, legen sie nicht offen. Du musst den Grundpreis dabei auf jeden Fall zahlen, selbst wenn Du die Heizung kaum aufdrehst.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Kunden an einem Wärmenetz hängen, desto günstiger kann der Anbieter seinen Grundpreis gestalten. Der Grundpreis kann für Deinen Hausanschluss aber auch dann vergleichsweise hoch sein, wenn der Versorger mehr Leistung bereitstellt als benötigt wird.

Die unterschiedlichen Faktoren führen dazu, dass sich die Fernwärmepreise bundesweit stark unterscheiden. Im Schnitt lag der Preis 2016 bundesweit bei 10,5 Cent pro Kilowattstunde, heißt es im Heizspiegel. Bei optimal gewählter Anschlussleistung kostet eine Kilowattstunde zwischen 7 und 12 Cent, hat eine Preisabfrage von Finanztip im Oktober 2018 bei 16 Stadtwerken ergeben. Der Anteil des Grundpreises kann dabei zwischen rund 10 und 40 Prozent variieren. Ist die Anschlussleistung Deines Wohnhauses sogar noch größer als notwendig, kann auch die Hälfte Deiner Heizkosten auf dem fixen Jahrespreis beruhen. Du kannst dann weniger profitieren, wenn Du Energie einsparst.

Ob hohe Preise berechtigt sind, beschäftigt Verbraucherzentralen und Kartellbehörden immer wieder. Das Bundeskartellamt hat 2011 eine Sektoruntersuchung zur Fernwärme vorgenommen und anschließend bei sieben Versorgern überhöhte Preise festgestellt. Daraufhin leisteten diese Rückzahlungen an ihre Kunden.

Von Juli bis Dezember 2020 gilt eine niedrigere Mehrwertsteuer für Fernwärme: Statt 19 sind 16 Prozent zu berechnen. Viele Versorger wollen aber nicht die Abschlagszahlungen entsprechend anpassen, sondern die niedrigere Steuer auf der Abrechnung berücksichtigen. Liegt der Zeitpunkt der Ablesung im zweiten Halbjahr 2020, gilt der niedrigere Steuersatz für den gesamten Abrechnungszeitraum. Andernfalls sollte der Versorger die niedrigere Steuer anteilig berechnen. Liegt Dein Wärmebezug auf dem Vorjahresniveau solltest Du in jedem Fall eine kleine Gutschrift erhalten.

Wie wehren sich Hauseigentümer gegen überhöhte Preise?

Gegen hohe Arbeitspreise kannst Du Dich kaum wehren. Erst wenn ein Kartellamt überhöhte Preise feststellt, profitierst Du davon. Beim Grundpreis kannst Du hingegen eines überprüfen lassen: die Anschlussleistung für Dein Haus. Denn häufig ist diese viel höher, als es zur Versorgung des Gebäudes sein müsste, wissen die Verbraucherzentralen aus ihrer Beratungstätigkeit. Der Preis hängt aber von der Höhe der Leistung ab.

Ob Deine Anschlussleistung überdimensioniert ist, kannst Du selbst mit einer Faustformel abschätzen: Nimm Deine letzte Abrechnung zur Hand und teile die verbrauchte Wärmemenge in Kilowattstunden durch die Anschlussleistung in Kilowatt. Du erhältst die Nutzungsdauer. Dieser Wert sollte 1.800 Stunden betragen – dann passt die Leistung optimal zu Deinem Wärmeverbrauch. Entnimmst Du dem Netz an weniger als 1.800 Stunden im Jahr Wärme, ist Deine Anschlussleistung vermutlich zu hoch gewählt. 

Endgültig kannst Du das im Rahmen eines Heiz-Checks bei einer Verbraucherzentrale klären lassen. Der Check kostet 40 Euro und beinhaltet auch die Prüfung Deines Fernwärmevertrags. Mitsamt der Berechnung Deiner Heizlast kannst Du anschließend Deinen Versorger auffordern, die Anschlussleistung zu reduzieren. Dieser ist aber nicht verpflichtet, das auch zu machen.

Alternativ kannst Du die Fernwärmeleistungskorrektur durch eine kostenlose Vorab-Prüfung der Firma Senercon einleiten. So erfährst Du, ob Du jedes Jahr zu viel für Fernwärme zahlst. In einem zweiten Schritt kann Dir Senercon ein ausführliches Gutachten und einen Antrag zur Leistungskorrektur für Deinen Anbieter erstellen. Das kostet 280 Euro (netto). Korrigiert der Versorger daraufhin die Anschlussleistung, sinken die Kosten für ein Einfamilienhaus um 200 bis 400 Euro pro Jahr.

Die Berechnung und die Korrektur der Leistung kannst Du auch vornehmen lassen, wenn Du ein Haus zur Miete bewohnst. Voraussetzung ist aber, dass der Fernwärmevertrag auf Dich läuft. Besteht bei Dir kein Anschlusszwang an das Fernwärmenetz an Deinem Wohnort, so kannst Du natürlich auch den Fernwärmevertrag kündigen. Da es keinen anderen Anbieter gibt, der Dich über das Fernwärmenetz versorgt, musst Du dann natürlich eine eigene Heizanlage in Deinem Haus installieren lassen.

Was tun, wenn der Versorger die Preise erhöht?

Obwohl die Preise für Fernwärme seit Jahren hoch sind, heben manche Versorger sie noch weiter an. Das dürfen sie aber nicht nach eigenem Belieben, auch wenn dies viele Unternehmen in der Vergangenheit so handhabten.

In den Versorgungsverträgen gibt es häufig sogenannte Preisgleitklauseln oder Preisänderungsklauseln. Sie bedeuten, dass der Versorger seine Preise verändern darf, wenn seine Kosten – beispielsweise beim Einkauf von Gas oder Biomasse – gestiegen oder auch gefallen sind. Passt der Versorger seine Preise entsprechend an, muss er Dir das mitteilen (§ 24 Abs. 4 AVBFernwärmeV). Du kannst Dich im Falle einer Erhöhung nicht wehren, sondern musst sie hinnehmen.

Ebenso verhält es sich womöglich, wenn der Versorger seine Preise stärker erhöht, als dies durch gestiegene Kosten gerechtfertigt wäre. Nutzt er beispielsweise andere Faktoren in seinen Formeln zur Berechnung der Preise, so dass die Kundenpreise ansteigen, kann eine Mitteilung per Brief zu dieser Vertragsänderung reichen - Kunden müssen die Vertragsänderung dann hinnehmen. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hatte zwar 2019 geurteilt, ein neues Preisssystem dürfe erst gelten, wenn ihm die Kunden zustimmten (21. März 2019, Az. 6 U 191/17 und Az. 6 U 190/17).  Der Bundesgerichtshof hat die zwei Urteile aber aufgehoben (23. April 2020, Az. I ZR 85/19 und Az. I ZR 86/19). Die Begründung zu dieser Entscheidung steht noch aus. Geklagt hatte die Verbraucherzentrale Bundesverband gegen die Energieversorgung Offenbach (EVO) und die Energieversorgung Dietzenbach (EVD).

Je nachdem, wie die Begründung des Bundesgerichtshofs ausfällt und was die Richter zur Preiserhöhung der beiden Unternehmen sagen, könnte dies auch Bedeutung für andere Fernwärmekunden haben. Allerdings erlischt in der Regel ein Anspruch auf Rückzahlung drei volle Kalenderjahre nach dem Jahr der Preiserhöhung.

Gehörst Du zu den Fernwärmekunden der Energieversorgung Offenbach oder ihrer Tochter Energieversorgung Dietzenbach, dann warte noch auf die Begründung der BGH-Entscheidung. Weitere Informationen und Unterstützung erhältst Du beim Verein Interessengemeinschaft EVO, der seit Jahren gegen das Verhalten von EVO mobil macht.

Was kannst Du als Mieter tun, um weniger zu zahlen?

Lebst Du in einem mit Fernwärme versorgten Haus zur Miete, hast Du in der Regel wenig Handhabe: Denn der Vertragspartner für den Fernwärmeversorger bist zumeist nicht Du, sondern Dein Vermieter. Aber Du kannst Deinen Vermieter für eine mögliche Korrektur der Anschlussleistung erwärmen.

Auch für Mehrfamilienhäuser bietet Senercon eine Vorab-Prüfung der Fernwärmeanschlussleistung umsonst an. Stellt sich heraus, dass die Leistung zu hoch gewählt ist, erstellt Senercon ein fachliches Gutachten und einen Antrag auf Änderung der Anschlussleistung an den Versorger. Passt dieser die Leistung an, verlangt Senercon die Hälfte der Kosteneinsparungen aus dem ersten Jahr.

Reagiert der Versorger nicht, geht Senercon leer aus - Du oder Dein Vermieter aber zahlen nichts. In den meisten Fällen folgen die Unternehmen der Aufforderung zur Leistungskorrektur, heißt es von Senercon. Damit einher gehen Einsparungen von im Schnitt 1.500 bis 2.500 Euro pro Jahr. Für die Mieter bedeutet das 50 bis 100 Euro geringere Heizkosten pro Jahr.

Darüber hinaus ist es ratsam, dass Du Deine jährliche Heizkostenabrechnung gründlich prüfst. Einerseits stellen Verbraucherzentralen immer wieder fest, dass viele Abrechnungen Fehler aufweisen. Andererseits erfährst Du durch eine Prüfung der Abrechnung, ob die Preise für Fernwärme gestiegen sind - sofern Dein Vermieter Dich darüber nicht schon informiert hat oder Du aus der Lokalzeitung von steigenden Preisen erfahren hast. Da Dein Vermieter der Vertragspartner ist, kann auch nur er einer unwirksamen Preiserhöhung widersprechen. Forder ihn auf, dies zu tun, wenn der Versorger seine Preise unabhängig von gestiegenen Kosten anheben will oder sie schon angehoben hat.

Wie kündigst Du einen Fernwärmevertrag?

Gehört Dir das Haus, das ans Fernwärmenetz angeschlossen ist, kannst Du den Versorgungsvertrag auch kündigen. Die erste Laufzeit des Vertrags darf maximal zehn Jahre betragen (§ 32 AVBFernwärmeV). Anschließend verlängert sich der Vertrag maximal um fünf Jahre. Prüf Deinen Vertrag, ob dort kürzere Fristen vereinbart sind oder ob eine ordentliche Kündigung sogar ausgeschlossen ist. Denn in manchen Kommunen besteht ein Anschlusszwang für Hauseigentümer an ein Fernwärmenetz. Kannst Du den Vertrag kündigen, so musst Du dies schriftlich tun.

Lebst Du in einem Ein- oder Zweifamilienhaus zur Miete, kannst Du auch Vertragspartner des Fernwärmeversorgers sein. Dann kannst Du den Vertrag mit einer Frist von zwei Monaten kündigen, wenn Du ausziehen willst (§ 32 Abs. 2 AVBFernwärmeV).

Warum gilt Fernwärme als umweltfreundlich?

Als Energieträger in den Fernwärme-Kraftwerken kommt nach Angaben des Energieeffizienzverbands für Wärme, Kälte und KWK (Kraft-Wärme-Kopplung) vorwiegend Gas zum Einsatz, gefolgt von Steinkohle und Braunkohle. Diese fossilen Kraftwerke dienen aber nicht einzig der Wärmeerzeugung – in erster Linie produzieren sie Strom. Die Wärme fällt dabei als Nebenprodukt mit an und wird aus dem Kraftwerk ausgekoppelt. Deshalb nennt sich das Kraft-Wärme-Kopplung und gilt als umweltfreundlich. Schließlich nutzen KWK-Anlagen den eingesetzten Brennstoff effizienter aus. Daneben gibt es reine Heizkraftwerke, die nur zur Wärmegewinnung dienen.

Trotzdem nutzen die Versorger vor allem fossile Brennstoffe, um ihre Kraftwerke zu betreiben. Ab 2021 fällt damit der CO2-Preis auch für Fernwärme an, wenn der Versorger Kohle, Gas oder Öl verbrennt. Diese Kosten legt er vermutlich auf seine Wärmepreise um.

Fernwärme lässt sich dabei auch aus erneuerbaren Quellen bereitstellen, beispielsweise mit solarthermischen Anlagen oder Biomasse-Kraftwerken. Deren Anteil an der Fernwärmeversorgung ist allerdings noch klein: Rund 18 Prozent der erzeugten Fernwärme stammte 2018 aus erneuerbaren Energien.

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redaktion@finanztip.de (Finanztip Verbraucherinformation gGmbH) 30.10.2020 08:40:00 +0000
Mietminderung : Deine Rechte bei Mängeln in der Wohnung https://www.finanztip.de/mietminderung/ https://www.finanztip.de/?id=1504Mietminderung
Das Wichtigste in Kürze
  • Dein Vermieter ist verpflichtet, Deine Wohnung frei von Mängeln zu halten. Ist an der Wohnung irgendetwas nicht in Ordnung, kannst Du weniger Miete zahlen.
  • Wie viel weniger Du zahlen musst, hängt davon ab, wie schlimm der Mangel ist. Orientiere Dich dazu an unserer Mängelliste.
So gehst Du vor
  • Dokumentiere jeden Mangel in der Wohnung. Du kannst Fotos machen oder einen kurzen Film aufnehmen.
  • Informiere Deinen Vermieter so schnell es geht und fordere ihn auf, den Mangel zu beheben. Dazu kannst Du unser Musterschreiben zur Mängelanzeige nutzen.

Zum Download

  • Zahle im folgenden Monat weniger Miete. Anhand von Mängellisten kannst Du herausfinden, wieviel Du mindern darfst.

Der Albtraum: Du kommt nach Hause, und das ganze Bad schwimmt – ein Wasserrohrbruch. Oder es bildet sich Schimmel an den Wänden. So sehen Mietmängel aus, die ganz oft Dein Vermieter beseitigen muss. In vielen Fällen musst Du deshalb weniger Miete zahlen. Wir erklären Dir, wann und wie Du die Miete mindern kannst und in welcher Höhe.

Wann darfst Du die Miete mindern?

Nach dem Gesetz muss Dein Vermieter die vermietete Wohnung von Mängeln freihalten. Wir haben für Dich eine Übersicht über die wichtigsten Gründe zusammengestellt, die Dich als Mieter zu einer Minderung berechtigen:

Schimmel - Darüber ärgern sich Mieter besonders, da Schimmel in der Wohnung nicht gesund ist. Streit gibt es oft über die Ursachen von Schimmel. Vermieter wenden gerne ein, der Mieter habe nicht ausreichend gelüftet und geheizt. Im Streitfall muss dann ein Gutachter feststellen, wer verantwortlich ist.

Oft sind Baumängel die Ursache für Schimmel. Dann können Mieter die Miete reduzieren. Um wieviel Prozent sie mindern dürfen, hängt davon ab, wo der Schimmel auftaucht und in welchem Ausmaß Wände und Decken befallen sind. Es gibt viele Urteile, die je nach Einzelfall unterschiedliche Minderungsquoten für angemessen halten (LG Neubrandenburg, Urteil vom 2. April 2002, Az. 1 S 297/01: 17 Prozent; AG Köln, Urteil vom 7. Oktober 2015, Az. 211 C 446/13: 20 Prozent; AG München, Urteil vom 11. Juni 2010, Az. 412 C 11503/09: bis zu 100 Prozent bei Gesundheitsgefährdung).

Ungeziefer - Spinnen, Kakerlaken, Mäuse und Silberfische hat niemand gerne in der Wohnung. Bei heftigem Befall kann der Mieter die Miete kürzen. So hat es zumindest ein Gericht gesehen, das bei 60 Mäusen in zehn Monaten eine Minderung von 10 Prozent für angemessen hielt (AG Bonn, Urteil vom 8. Februar 1985, Az. 6 C 277/84). 24 Ameisen in sechs Monaten sind allerdings noch kein Minderungsgrund (AG Köln, Urteil vom 6. April 1998, Az. 213 C 548/97).

Heizung - Vermieter sind verpflichtet, für eine funktionierende Heizung zu sorgen. Vom 1. Oktober bis zum 30. April muss es möglich sein, tagsüber auf mindestens 20 Grad zu heizen. In den Nachtstunden zwischen 23 und 6 Uhr genügen 18 Grad (LG Berlin, Urteil vom 26. Mai 1998, Az. 64 S 266/97). In welcher Höhe Betroffene die Miete mindern dürfen, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Reicht die Leistung der Heizung nicht aus, ist eine Mietminderung von 20 bis 50 Prozent angemessen. Fällt die Heizung im Winter aus, kannst Du bis zu 70 Prozent kürzen.

Undichte Türen und Fenster - Falls es bei Dir durch Fenster und Türen zieht, hast Du wahrscheinlich kein Schimmelproblem; stattdessen heizt Du zum Fenster heraus. Das Amtsgericht Brandenburg entschied in einem Streit, dass die Mieterin wegen Zugluft in den Monaten von November bis März 15 Prozent und in den Monaten von April bis Oktober um 5 Prozent weniger Miete zahlen durfte (AG Brandenburg, Urteil vom 28. Juni 2013, Az. 31 C 279/11).

Hohe Temperaturen im Sommer - Sommerliche Hitze kann die Temperaturen in Mieträumen ungemütlich ansteigen lassen – gerade, wenn Du im Dachgeschoss wohnst. Wegen zu hoher Temperaturen kannst Du mindern. Als Faustregel gilt: Drinnen muss es immer 6 Grad kälter sein als draußen. Der Vermieter muss die bautechnischen Voraussetzungen für eine Abkühlung der Räume schaffen, also zum Beispiel eine Klimaanlage einbauen (OLG Hamm, Urteil vom 28. Februar 2007, Az. 30 U 131/06; OLG Rostock, Urteil vom 29. Dezember 2000, Az. 3 U 83/98).

Anders urteilte das Oberlandesgericht Frankfurt: Bei großen Fensterflächen in einer Dachgeschoss-Wohnung ohne Klimaanlage muss dem Mieter klar sein, dass sich die Räume im Sommer aufheizen können. Das war kein Minderungsgrund (Urteil vom 19. Januar 2007, Az. 2 U 106/06).

Falsche Wohnflächenangabe - Ist Deine tatsächliche Wohnfläche um mehr als 10 Prozent kleiner als im Mietvertrag angegeben, darfst Du weniger Miete zahlen (BGH, Urteil vom 10. März 2010, Az. VIII ZR 144/09). Das gilt auch, falls nichts zur Wohnfläche im Mietvertrag steht, aber in der Anzeige zu viele Quadratmeter angegeben waren (BGH, Urteil vom 23. Juni 2010, Az. VIII ZR 256/09).

Baulärm - Lärm macht krank und mindert den Wohnwert. Baulärm ist ein häufiger Minderungsgrund. Du darfst als Mieter die Miete mindern, wenn Du die Bau- oder Abrissarbeiten in Deiner Wohnung hören kannst. Und zwar auch dann, wenn Dein Vermieter für den Lärm nicht verantwortlich ist.

Es gibt viele Urteile zu Baulärm als Minderungsgrund. Die Minderungsquoten sind dabei ganz unterschiedlich. Wird gegenüber von der Wohnung ein neues Einkaufzentrum gebaut, können 20 Prozent weniger Miete angemessen sein (LG Hamburg, Urteil vom 3. Dezember 1998, Az. 327 S 97/98). Wegen lärmender Straßenbauarbeiten können Mieter dagegen nicht ohne Weiteres die Miete kürzen (BGH, Urteil vom 19. Dezember 2012, Az. VIII ZR 152/12).

Lärm in der Umgebung - Auch Lärm in der Umgebung kann zur Minderung berechtigen. Wird etwa nach Abschluss des Mietvertrages ein Hotel im angrenzenden Hinterhof eröffnet, kann der Mieter die Miete um 20 Prozent mindern. Lärm durch Hotelgäste sind selbst für Wohnungen in einer Großstadt wie Berlin unüblich (LG Berlin, Urteil vom 11. August 2016, Az. 67 S 162/16).

Wann darfst Du die Miete nicht mindern?

In manchen Situationen kannst Du als Mieter die Miete jedoch nicht kürzen.

Kinderlärm - Kinderlärm ist grundsätzlich kein Mietmangel (BGH, Urteil vom 29. April 2015, Az. VIII ZR 197/14). Auch das Laufen der Kinder durch die Wohnung, das gelegentliche Zuschlagen der Türen sowie Stampf- und Springgeräusche beim Spielen in der Wohnung sind kein Grund, um die Miete zu mindern.

Unerhebliche Mängel - Bei nur unerheblichen Mietmängeln darfst Du die Miete nicht kürzen. Dazu zählen tropfende Wasserhähne oder kaputte Glühbirnen. Auch üblicher Lärm oder kleinere Dinge wie Haarrisse an der Decke geben Dir nicht das Recht, die Miete zu mindern (§ 536 Abs. 1 Satz 3 BGB).

Bekannte Mängel - Kanntest Du bei Anmietung der Wohnung den Mietmangel oder hättest Du ihn kennen können, wird es schwierig (§ 536b BGB). Finden bei Mietvertragsabschluss im Haus oder auf dem Nachbargrundstück Bauarbeiten statt, dann kannst Du deshalb die Miete nicht kürzen, weil Du bei Abschluss des Vertrages bereits mit Baulärm rechnen musstest und die Wohnung dennoch gemietet hast.

Energetische Sanierung - Lebst Du in einem Haus, das der Vermieter energetisch saniert, musst Du Dreck, Handwerker und Lärm in den ersten drei Monaten ertragen, ohne dass Du weniger Miete zahlen darfst (§ 536 Abs. 1a BGB). Dauert die Sanierung allerdings länger, kannst Du nach Ablauf von drei Monaten mindern.

Wie muss Deine Mängelanzeige aussehen?

Als Mieter musst Du einen Mangel bei Deinem Vermieter unverzüglich anzeigen und Abhilfe verlangen (§ 536c BGB). Je nach Dringlichkeit solltest Du am besten sofort den Vermieter anrufen, etwa wenn die Wohnung nach einem Rohrbruch unter Wasser steht. Danach solltest Du eine schriftliche Mängelanzeige aufsetzen.

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Nachdem Du den Eigentümer informiert hast, darfst Du solange weniger Miete zahlen, bis der Mangel beseitigt ist. Rückwirkend ist eine Mietminderung nicht möglich. Das bedeutet auch: Zahlst Du trotz der Mängel die Miete weiter in voller Höhe, kannst Du später nichts zurückfordern.

Wieviel darfst Du mindern?

Die Höhe der Mietminderung hängt davon ab, wie sehr der Mangel Dich in Deiner Wohnung beeinträchtigt.

Minderungsquote - Gemindert wird immer in Prozent-Anteilen von der Bruttomiete (Warmmiete). Bei leichten Beeinträchtigungen halten die Gerichte nur eine Minderung von 5 bis 10 Prozent für verhältnismäßig. Bei mittleren Beeinträchtigungen dürfen Mieter zwischen 10 und 20 Prozent weniger Miete zahlen. Nur bei außergewöhnlich schweren und dauerhaften Mängeln darst Du noch stärker mindern.

Die Gerichte haben eine Vielzahl von Einzelfällen entschieden. Um Vergleichswerte zu ermitteln, greifen die Richter in der Praxis häufig auf Minderungstabellen zurück, aus denen sich die von anderen Gerichten bereits entschiedenen Quoten ergeben. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass jede Wohnung sowie jeder Mangel etwas anders aussieht.

Du kannst Dich an vergleichbaren Fällen orientieren. Hier findest Du eine Tabelle mit den wichtigsten Gründen für eine Mietminderung und der Angabe, um wie viel Prozent die Mieter die Miete kürzen durften:

Mietminderungstabelle

Mietmangel Minderungshöhe Rechtsprechung
Trockengerät in der Wohnung 100 % AG Schöneberg, 10. April 2008, Az. 109 C 256/07
Trockengerät im Badezimmer 80 % AG Köln, 25. Oktober 2011, Az. 224 C 100/11

Heizungsausfall, kein Warmwasser

80 % im Winter
60 % im Sommer

AG Nürnberg, 22. März 2017, Az. 16 C 127/16

Feuchtigkeit, Schimmel (im Wohnzimmer) 50 % LG Hamburg, 31. Januar 2008, Az. 307 S 144/07
fehlende Trittschalldämmung 20 % BGH, 6. Oktober 2004, Az. VIII ZR 355/03
Baulärm, Staub (Bauvorhaben in der Nachbarschaft) 20 % LG Berlin, 16. Juni 2016, Az. 67 S 76/16
Flächenabweichung um mehr als 10 % (19 %) 19 % BGH, 24. März 2004, Az. VIII ZR 44/03
Lärmbelästigung durch Hundegebell 16 % BGH, 20. Juni 2012, Az. VIII ZR 268/11
Geräuschbelästigung durch Garagentor 15 % LG Hamburg, 26. März 2009, Az. 333 S 65/08
Baulärm vom Nachbargrundstück 15 % LG München I, 14. Januar 2016, Az. 31 S 20691/14

Ausfall der Warmwasserversorgung

10 % LG Berlin, 5. Oktober 2013, Az. 63 S 626/12
Klingel und Sprechanlage defekt 5 % LG Dessau-Roßlau, 31. Januar 2012, Az. 1 T 16/12

Quelle: Finanztip-Recherche, Mängelliste des Berliner Mieterschutzvereins (Stand: Oktober 2020)

Eine weitere Hilfestellung gibt die im Internet veröffentlichte Mietmängelliste des Berliner Mieterschutzvereins. Bist Du Dir unsicher, kannst Du Dich an einen Mieterverein wenden. Dort bekommst Du Hilfe bei den Fragen, ob und wieviel Du mindern kannst.

So berechnest Du, wieviel Du mindern darfst

Bei der Minderung gehst Du von der Bruttomiete aus: Mietzins einschließlich Nebenkostenvorauszahlung oder Nebenkostenpauschale. Wer zum Beispiel um 20 Prozent mindern darf, reduziert auch die Nebenkosten um 20 Prozent.  

Das Recht zur Mietminderung besteht grundsätzlich ab dem Tag und solange, wie Du Deine Wohnung nur eingeschränkt nutzen kannst. Du musst den Wert für die Mietminderung taggenau ermitteln.

Ein Beispiel: Du hast am 10. September einen Wasserrohrbruch in der Küche. Die Ursache dafür haben die Handwerker am 12. September gefunden. Bis zum 20. September stehen Trocknungsgeräte in der Küche, die Einbauküche wird abgebaut und von den Wänden gerückt. Am 22. September wird neu gestrichen. Bis zum 24. September bauen die Handwerker die Küche wieder auf. Ab dem 25. September ist wieder alles in Ordnung. Du zahlst eine monatliche Miete von 800 Euro und eine Nebenkostenvorauszahlung von 300 Euro, insgesamt 1.100 Euro.

Du kannst für die Zeit vom 10. September bis zum 25. September die Miete mindern, also an 15 Tagen. Bei der Minderungsquote musst Du berücksichtigen, dass nur die Küche nicht brauchbar war, dass aber durch die Trocknungsgeräte und deren Lärm die ganze Wohnung nicht bewohnbar war. An zehn Tagen nehmen wir daher eine Minderungsquote von 80 Prozent an, an den anderen fünf Tagen eine Quote von 30 Prozent.

So wird gerechnet:

1.100 € / 30 Tage 36,67 € ungeminderte Miete für einen Tag
36,67 € / 100 x 80 29,34 € um 80 % geminderte Miete für einen Tag
29,34 € x 10 Tage 293,40 € Minderungsbetrag wegen Trocknungsgerät
36,67 € / 100 x 30 11 € um 30 % geminderte Miete für einen Tag
11 € x 5 Tage 55 € Minderungsbetrag wegen Reparaturen in der Küche
293,40 € + 55 € 348,40 € Gesamtminderungsbetrag

Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: Oktober 2020)

Wer muss den Mangel beweisen?

Gibt es Streit und klagt Dein Vermieter den gekürzten Mietbetrag ein, musst Du als Mieter beweisen können, dass der Mangel in dem Zeitraum vorlag, in dem Du gemindert hast. Die Anforderungen daran, was genau der Mieter alles darzulegen hat, hat der Bundesgerichtshof (BGH) gelockert. Mieter müssen weder das Maß der Beeinträchtigung noch eine bestimmte Minderungsquote oder die Mangelursache vortragen (BGH, Beschluss vom 25. Oktober 2011, Az. VIII ZR 125/11).

Auch wenn Dein Vermieter der Meinung ist, dass Du zu Unrecht die Miete gemindert hast, darf er sich nicht aus der Mietkaution bedienen. Der Vermieter darf sie erst nach dem Ende des laufenden Mietverhältnisses wegen streitiger Forderungen in Anspruch nehmen (BGH, Urteil am 7. Mai 2014, Az. VIII ZR 234/13).

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redaktion@finanztip.de (Britta Beate Schön) 29.10.2020 17:26:00 +0000
Arbeitsvertrag : Das sollte im Arbeitsvertrag stehen https://www.finanztip.de/arbeitsvertrag/ https://www.finanztip.de/?id=868Arbeitsvertrag
Das Wichtigste in Kürze
  • Der Arbeitsvertrag regelt alle wichtigen Bedingungen Ihrer beruflichen Tätigkeit. Er kann mündlich oder schriftlich geschlossen werden.
  • Eine Probezeit von sechs Monaten ist üblich. Die Zeit gilt für beide Seiten als Test und geht mit einer kurzen Kündigungsfrist einher.
  • Arbeitsverträge können unwirksame Klauseln enthalten, zum Beispiel zur pauschalen Abgeltung von Überstunden oder zur Versetzung.
  • Wenn bestimmte Einzelheiten im Arbeitsvertrag nicht geregelt sind, gelten die gesetzlichen Bestimmungen.
So gehen Sie vor
  • Verhandeln Sie mit Ihrem neuen Arbeitgeber über das Gehalt, Sonderzuwendungen und Urlaubstage.
  • Verlangen Sie immer einen schriftlichen Arbeitsvertrag.
  • Achten Sie auf eine genaue Stellenbeschreibung im Vertrag. Das schränkt das Recht des Arbeitgebers ein, Sie an Stellen zu versetzen, die Sie nicht wollen.
  • Wenn Sie in Teilzeit arbeiten, sollten Sie die Tage und Zeiten genau festlegen, an denen Sie beschäftigt werden.

Sie haben nach einigen Bewerbungen eine mündliche Zusage vom Unternehmen erhalten. Bevor Sie jedoch die Arbeit beginnen und Mitarbeiter werden, sollten Sie auf einem schriftlichen Arbeitsvertrag bestehen. Lesen Sie diesen genau durch und beachten Sie dabei ein paar Punkte.

Was regelt der Arbeitsvertrag?

Der Arbeitsvertrag regelt alle wichtigen Bedingungen Ihrer beruflichen Tätigkeit. Er bildet die Basis einer meist langfristigen Zusammenarbeit und ist deshalb sowohl für den Arbeitgeber als auch für den Arbeitnehmer sehr wichtig.

Als Hauptpflichten werden die persönliche Arbeitsleistung des Arbeitnehmers geregelt und dass der Arbeitgeber Ihre Arbeitsleistung auch bezahlen muss. Die Höhe der Vergütung, auf die Sie sich mit Ihrem Chef geeinigt haben, steht ebenfalls im Vertrag. Für die Pflicht des Arbeitnehmers gibt es allerdings Grenzen, die in speziellen Gesetzen geregelt sind und den Arbeitnehmer schützen. Von diesen gesetzlichen Regeln darf der Arbeitgeber im Vertrag und im beruflichen Alltag nicht abweichen. Solche Schutzgesetze sind zum Beispiel das Arbeitszeitgesetz oder das Mutterschutzgesetz.

Der Arbeitgeber ist bei der Festlegung Ihres Gehalts an den Mindestlohn gebunden. Er beträgt seit dem 1. Januar 2020 pro Stunde 9,35 Euro brutto. Ab 2021 steigt der Mindestlohn halbjährlich. Die Bundesregierung erhöht ihn zunächst auf 9,50 Euro, ab Juli 2021 auf 9,60 Euro, ab Januar 2022 auf 9,82 Euro und ab Juli 2022 auf 10,45 Euro.

Anspruch auf den Mindestlohn haben alle Arbeitnehmer, die älter als 18 Jahre sind – wenn branchenspezifische Tarifverträge keine abweichenden Vorgaben vorsehen. Ausnahmen gelten für Schüler und Studenten, die ein vorgeschriebenes bis zu dreimonatiges Praktikum absolvieren.

Neben den Hauptpflichten gibt es im Arbeitsvertrag meist konkrete Regelungen zu diesen Punkten:

  • Beginn und Beendigung des Arbeitsverhältnisses
  • Arbeitsort, auch falls Sie zeitweise im Homeoffice arbeiten dürfen
  • wöchentliche Arbeitszeit
  • Probezeit
  • Kündigungsfristen
  • Urlaub und Vergütung trotz Verhinderung, Krankheit oder Unfall
  • Nebenbeschäftigung und Wettbewerb

Aus dem Arbeitsvertrag entstehen neben der Arbeits- und Vergütungspflicht besondere Fürsorge- und Treuepflichten von Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Verstößt der Arbeitnehmer gegen seine Pflichten, kann ihn der Arbeitgeber abmahnen und im Wiederholungsfall sogar kündigen, etwa falls er unentschuldigt nicht zur Arbeit kommt.

Muss der Arbeitsvertrag schriftlich sein?

In aller Regel müssen Sie und ein Vertreter des Arbeitgebers Ihren Arbeitsvertrag auch unterschreiben. Auch wenn für die Wirksamkeit des Vertrags keine Schriftform notwendig ist, sollten Sie einen schriftlichen Arbeitsvertrag verlangen.

Überlässt Ihnen der Arbeitgeber keinen Vertrag, dann muss er spätestens einen Monat nach dem vereinbarten Beginn des Arbeitsverhältnisses die wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich niederlegen und Ihnen die unterzeichnete Niederschrift aushändigen (§ 2 NachwG). Hält sich der Arbeitgeber nicht an diese Vorgabe, ist der Arbeitsvertrag zwar wirksam. Gibt es aber Streit zwischen Ihnen, muss der Arbeitgeber vor Gericht beweisen, welche Bedingungen mündlich vereinbart waren.

Besonders bei befristeten Arbeitsverhältnissen ist die Schriftform entscheidend: Eine Befristung kann nicht mündlich vereinbart werden (§ 14 Abs. 4 TzBfG).

Wie soll meine Tätigkeit im Arbeitsvertrag beschrieben sein?

Auf die Beschreibung der Tätigkeit wird im Arbeitsvertrag meist nicht viel Wert gelegt. Dabei gehört sie zusammen mit der Vereinbarung des Gehalts zu den Hauptbestandteilen. Je verschwommener das Aufgabengebiet festgehalten ist, umso vielfältiger sind die Aufgaben, die Ihnen übertragen werden können. Je genauer Berufsbezeichnung und Tätigkeit umschrieben sind, desto eher können Sie Tätigkeiten ablehnen, die nicht Ihrer Qualifikation entsprechen. Wichtig: Der Arbeitgeber darf nicht ohne Weiteres eine niedriger bezahlte Tätigkeit zuweisen. Stimmt der Arbeitnehmer nicht zu, bleibt ihm nur eine sogenannte Änderungskündigung.

Der Arbeitnehmer schuldet keinen bestimmten Arbeitserfolg. Er ist nur verpflichtet, im Rahmen seiner Fähigkeiten bei angemessener Belastung zu arbeiten. Mitarbeitergespräche sind deshalb besonders wichtig. Ist der Arbeitgeber mit der Leistung des Arbeitnehmers sehr unzufrieden, kann er unter Umständen verhaltensbedingt oder personenbedingt kündigen. Er muss dabei aber den Nachweis führen, dass der Arbeitnehmer über eine längere Zeit wesentlich schlechter gearbeitet hat als ein durchschnittlicher anderer Mitarbeiter mit gleichen oder vergleichbaren Aufgaben. Eine solcher Nachweis gelingt nur selten.

Eine allgemeine Bezeichnung als Sachbearbeiter sollten Sie konkretisieren lassen. Das können Sie im Arbeitsvertrag aufnehmen oder aber auf eine Stellenbeschreibung Bezug nehmen. Anhaltspunkte für die Beschreibung ergeben sich aus der Stellenanzeige. Im Zusammenhang mit der Tätigkeitsbeschreibung kann Ihr Arbeitgeber auch den Arbeitsort bestimmen.

Im Arbeitsvertrag kann festgelegt werden, dass Sie an verschiedenen Arbeitsorten unter Umständen auch in verschiedenen Städten oder Ländern oder bei anderen Konzerngesellschaften eingesetzt werden dürfen. Falls Sie das nicht wollen, müssen Sie mit dem Arbeitgeber verhandeln.

Enthält jeder Arbeitsvertrag eine Probezeit?

In aller Regel steht in Ihrem Arbeitsvertrag, dass dem Arbeitsverhältnis eine Probezeit vorgeschaltet ist. Eine entsprechende Vertragsklausel lautet zum Beispiel: „Die ersten sechs Monate des Arbeitsverhältnisses gelten als Probezeit. Während dieser Probezeit können beide Vertragsparteien das Arbeitsverhältnis mit einer Frist von zwei Wochen zu jedem beliebigen Tag kündigen.“ Fehlt eine solche Regelung in Ihrem Arbeitsvertrag, ist das Arbeitsverhältnis ohne Probezeit geschlossen.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben mit einer Probezeitregelung die Gelegenheit zu prüfen, ob eine gemeinsame Zukunft besteht und die beiderseitigen Erwartungen erfüllt werden. Die Dauer der Probezeit kann grundsätzlich frei vereinbart werden. Es kann daher sowohl eine Probezeit vereinbart werden, die kürzer ist als die in Paragraf 622 Abs. 3 BGB genannten sechs Monate. Sie kann aber auch länger andauern, wenn die Dauer angemessen erscheint.

Der Gesetzgeber bestimmt keine Höchstdauer der Probezeit, sondern dass die verkürzte Kündigungsfrist von zwei Wochen nur während der ersten sechs Monate des Arbeitsverhältnisses gilt. Enthält der Vertrag allerdings eine weitere Regelung zu den Kündigungsfristen, ohne dass er genau vorschreibt, dass diese längeren Fristen erst nach Ablauf der Probezeit gelten sollen, gilt die längere Frist auch schon während der Probezeit (BAG, Urteil vom 23. März 2017, Az. 6 AZR 705/15). Eine solche Unklarheit geht zu Lasten des Arbeitgebers.

Nach Ablauf der Probezeit besteht das Arbeitsverhältnis automatisch fort. Es bedarf also keiner Änderung des Vertrags oder einer Einigung über die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses, obwohl in der Praxis meist ein Gespräch zur Beendigung der Probezeit geführt wird. Soll das Arbeitsverhältnis nicht über die Probezeit hinaus fortgesetzt werden, ist eine ausdrückliche Kündigung erforderlich.

Muss der Urlaub im Arbeitsvertrag geregelt sein?

In der Regel steht im Arbeitsvertrag auch, wie viele Urlaubstage Ihnen im Jahr zustehen. Über Urlaubstage lässt sich durchaus verhandeln, damit Sie mehr herausholen, als Ihnen gesetzlich zusteht. 24 Werktage und somit 20 Arbeitstage sichert der Gesetzgeber jedem Arbeitnehmer im Bundesurlaubsgesetz nach einer Wartezeit von sechs Monaten mindestens zu. Üblich sind aber mittlerweile 30 Tage Urlaub. Ist die Wartezeit nicht im selben Jahr zu erfüllen, weil Sie die Stelle beispielsweise zum ersten September antreten, haben Sie Anspruch auf Teilurlaub: für jeden Monat den zwölften Teil des Jahresurlaubs.

Sie sollten eine Übertragung des Urlaubsanspruchs in das Folgejahr vereinbaren. Sonst droht dieser spätestens zum 31. März des Folgejahres zu verfallen.

Worauf muss ich bei einem befristeten Arbeitsvertrag achten?

Ein unbefristeter Arbeitsvertrag ist immer besser als ein befristeter. Mittlerweile gibt es viele Branchen und Arbeitgeber, die grundsätzlich ihren neuen Mitarbeitern erst einmal eine befristete Stelle anbieten. Sollte Ihr Arbeitsvertrag befristet sein, so ist das zulässig, falls es einen sachlichen Grund für die Befristung gibt.

Ohne sachlichen Grund ist eine Befristung bis zur Dauer von zwei Jahren zulässig. Eine Befristung mit Sachgrund ist auch im Anschluss an eine kalendermäßige Zeitbefristung möglich. Sie können also zunächst für zwei Jahre befristet eingestellt werden und dann wegen eines Sachgrundes wie zum Beispiel der Vertretung eines kranken Kollegen weiter befristet beschäftigt werden.

Die Befristung eines Arbeitsvertrags muss immer schriftlich sein. Ist die Befristung rechtsunwirksam, so gilt der befristete Arbeitsvertrag als auf unbestimmte Zeit geschlossen (§ 16 TzBfG). Weitere Informationen und Hinweise lesen Sie in unserem Ratgeber Befristeter Arbeitsvertrag.

Was muss im Arbeitsvertrag stehen, wenn ich in Teilzeit arbeite?

Haben Sie eine regelmäßige Wochenarbeitszeit, die kürzer ist als die von den Kollegen, dann sind Sie teilzeitbeschäftigt. Grundsätzlich gelten für Sie die gleichen Regeln wie für andere Arbeitnehmer. Durch das Teilzeitbefristungsgesetz sind Sie gesetzlich vor Diskriminierungen geschützt.

Wenn Ihnen aus privaten Gründen eine bestimmte Verteilung Ihrer wöchentlichen Arbeitszeit wichtig ist, weil Sie sonst Beruf und Familie, Sport oder ein Studium nicht unter einen Hut bringen können, sollten Sie diese Arbeitszeitverteilung konkret in den Vertrag aufnehmen.

Welche Kündigungsfristen stehen im Arbeitsvertrag?

Zum Schutz des Arbeitnehmers darf der Arbeitgeber im Arbeitsvertrag die gesetzlichen oder tariflichen Kündigungsfristen nicht unterschreiten. Das schließt die Vereinbarung besonders kurzer Kündigungsfristen aus. Längere Fristen können Sie hingegen vereinbaren, allerdings mit einer Einschränkung: Was für den Arbeitgeber gilt, gilt auch für den Arbeitnehmer.

Längere Kündigungsfristen sind also nur zulässig, wenn sie für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen gelten. Wird in einem Arbeitsvertrag vereinbart, dass nur der Arbeitnehmer sich an eine lange Kündigungsfrist halten muss, so ist dies unzulässig. Besonders einfach ist es, im Arbeitsvertrag auf die jeweils geltenden gesetzlichen oder tariflichen Kündigungsfristen zu verweisen.

Was sind weitere typische Regelungen im Arbeitsvertrag?

Es gibt weitere Regelungen, die sich oft in Arbeitsverträgen finden. Nicht alle Klauseln sind aber wirksam.

Sondervergütungen und Bonuszahlungen

Sollten in Ihrem Arbeitsvertrag keine Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld oder Bonuszahlungen vorgesehen sein, dann erkundigen Sie sich bei Ihrem Arbeitgeber, ob nicht solche Zahlungen als Anreiz für Ihr besonderes Engagement vereinbart werden können.

Wettbewerbsverbote

Bisweilen enthalten Arbeitsverträge auch Wettbewerbsverbote. Dadurch will der Arbeitgeber sicher stellen, dass der Arbeitnehmer nicht gleich zur Konkurrenz läuft, nachdem er gekündigt hat. Solche Verbote sind aber nur wirksam, wenn für die Zeit des Wettbewerbsverbots auch eine Entschädigung vorgesehen ist.

Fehlt eine solche Entschädigungsregelung, ist das nachvertragliche Wettbewerbsverbot nichtig. Auch durch eine sogenannte salvatorische Klausel wird das Verbot nicht wirksam (BAG, Urteil vom 22. März 2017, Az. 10 AZR 448/15). Solche Klauseln stehen meist am Ende des Arbeitsvertrag und sehen vor, dass an die Stelle von unwirksamen Regelungen wirksame treten sollen.

Welche Klauseln im Arbeitsvertrag sind unwirksam?

Viele Arbeitsverträge werden nicht individuell ausgehandelt, sondern sind vom Arbeitgeber vorformulierte Verträge, die an einigen Stellen einvernehmlich etwas abgeändert werden. Ein solcher Standardarbeitsvertrag kann im Falle eines Streits zwischen Ihnen und dem Arbeitgeber vom Gericht anhand des Rechts der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (§§ 305 ff. BGB) überprüft werden. Es kann daher durchaus sein, dass ein Arbeitsvertragsformular Klauseln enthält, die unwirksam sind.

Es gilt bei Arbeitsverträgen das Verbot überraschender und mehrdeutiger Klauseln nach Paragraf 305c BGB. Die im Vertrag verwendeten Klauseln dürfen Sie als Arbeitnehmer nicht unangeme