Rentenbesteuerung

So können Rentner Steuern sparen

Udo Reuß
Finanztip-Experte für Steuern
16. September 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Zurzeit müssen fast 7 Millionen der über 21 Millionen Rentenbeziehenden in Deutschland Einkommensteuer zahlen. Und es werden immer mehr.
  • Neue Rentnerjahrgänge haben einen höheren Anteil ihrer gesetzlichen Rente zu versteuern. Jede Rentenerhöhung musst Du als Rentner voll versteuern.
  • Für Renten aus Basisversorgung, steuerlich geförderten Altersvorsorgeverträgen oder sonstigen privaten Altersvorsorgen gelten jeweils andere Besteuerungssystematiken.
So gehst Du vor
  • Wenn Du nur eine Rente als Einkunft beziehst, musst Du grundsätzlich eine Steu­er­er­klä­rung abgeben, wenn der steuerpflichtige Anteil höher ist als der Grundfreibetrag (2021: 9.744 Euro) zuzüglich 102 Euro Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le.
  • Die gesetzlichen und privaten Renten gehören in die Anlage R, Pensionen hingegen in die Anlage N der Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung. 
  • Wir helfen Dir mit einer Tabelle bei der Orientierung, ab welcher Bruttorente Du mit einer Steuerbelastung rechnen musst.
  • Im Mai 2021 hat der Bundesfinanzhof Berechnungsgrundlagen festgelegt, wann eine verfassungswidrige Doppelbesteuerung von Renten vorliegen kann. In neuen Steuerbescheiden setzt das Finanzamt die Rentenbesteuerung nur vorläufig fest. Wenn dieser Vorläufigkeitsvermerk fehlen sollte, kannst Du dagegen innerhalb eines Monats Einspruch einlegen und unser Mus­ter­schrei­ben nutzen (siehe letztes Kapitel in diesem Ratgeber). Du solltest alle Steuerbescheide und Rentenbezugsmitteilungen aufheben, weil Du eine mögliche Doppelbesteuerung selbst nachweisen musst.

Es könnte so schön sein: Du hast ein Leben lang gearbeitet und in die Rentenkasse sowie die private Altersvorsorge eingezahlt – und im Alter genießt Du einfach das Geld, das nun in umgekehrte Richtung fließt. Doch weit gefehlt: Auch Renten sind steuerpflichtig, und zwar als sonstige Einkünfte. Das ist vielen Ruheständlern nicht bewusst.

Allerdings unterliegt bei den Altersrenten nur ein bestimmter Teil der Steuerpflicht. Wie hoch dieser ist, hängt davon ab, wann Du erstmals eine Rente bezogen hast.

Immer mehr Rentner steuerpflichtig

Nach der aktuellesten Statistik, die für das Steuerjahr 2017 vorliegt, müssen 6,8 Millionen von den 21,4 Millionen Empfängern einer gesetzlichen, betrieblichen oder privaten Rente in Deutschland Steuern zahlen. Bei knapp 90 Prozent der steuerbelasteten Rentenbeziehern ist der Grund: Sie beziehen neben ihrer gesetzlichen Rente noch weitere steuerpflichtige Einkünfte.

Dennoch kann es passieren, dass auch ein älterer Mensch, der nur seine gesetzliche Rente hat, aufgrund einer Rentenerhöhung (sogenannte Rentenanpassung) in die Steuerpflicht hineinrutscht. Letztlich muss jeder Rentenbezieher selbst überprüfen, ob er eine Steu­er­er­klä­rung abgeben muss und vielleicht sogar Steuern zahlen muss.

Am 1. Juli 2020 stieg die Rente in Westdeutschland um 3,45 Prozent, im Osten sogar um 4,20 Prozent. Dadurch rutschen vermutlich rund 51.000 Rentner neu in die Steuerpflicht, schätzt das Bundesfinanzministerium. 

Nachgelagerte Besteuerung und Übergangsphase

2005 hat der Fiskus mit dem Alterseinkünftegesetz die nachgelagerte Besteuerung für Renten eingeführt. Bis 2040 gibt es eine Übergangsphase, in der nur ein Teil der Rente zu versteuern ist. Im Gegenzug ist ein immer höherer Anteil der geleisteten Ren­ten­ver­si­che­rungsbeiträge als Vorsorgeaufwand steuerlich abzugsfähig. Dieser Prozentsatz des Besteuerungsanteils steigt jedes Jahr für Neurentner. 

Wer schon Rentner ist, für den bleibt der steuerfreie Teil in Euro konstant. Mit jeder Rentenerhöhung nimmt aber die Höhe der steuerpflichtigen Rente zu. Auch deshalb wächst die Zahl der steuerpflichtigen Rentner.

Ab welcher Höhe ist die gesetzliche Rente zu versteuern?

Die Wahrscheinlichkeit, dass Rentner steuerpflichtige Einkünfte beziehen, steigt kontinuierlich. Die Standardrente nach 45 Beitragsjahren lag für das Jahr 2020 bei circa 18.155 Euro.

Ein lediger Rentner, der 2020 erstmals Rente bezog, keine weiteren Einkünfte hat und in die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung gezahlt hat, muss bei einer Brutto-Jahresrente von mehr als 13.815 Euro davon ausgehen, dass er darauf Steuern zu zahlen hat. Diese Zahlen hat der Bundesverband Lohn­steu­er­hil­fe­ver­eine ermittelt.

In der folgenden Tabelle kannst Du anhand des Rentenbeginns und der Rentenhöhe ablesen, ob Du Deine Rente versteuern musst, falls Du ausschließlich gesetzliche Rentenbezüge hast. Die Zahlen stellen die Bruttorente dar, das heißt, die Einnahmen aus der gesetzlichen Ren­ten­ver­si­che­rung inklusive 7,85 Prozent Beitrag zur gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung (inklusive durchschnittlichem Zusatzbeitrag) und 3,05 Prozent Pfle­ge­ver­si­che­rung. Sie gelten für einen ledigen Steuerpflichtigen. Als Monatsrente sind die seit Juli 2020 erhöhten Rentenzahlungen zu verstehen. Im Juli 2021 wurde die Rente nur in Ostdeutschland minimal nach oben angepasst. Für Ehepaare, die sich zusammen veranlagen lassen, gelten die doppelten Beträge.

Überschreitest Du diese in der Tabelle dargestellten Beträge im Jahr 2020, musst Du befürchten, Steuern nachzahlen zu müssen. Liegst Du deutlich darüber, solltest Du zügig prüfen, ob Du für die Vorjahre Steu­er­er­klä­rungen nachreichen musst. Erledige das möglichst schnell. Schließlich verlangen Finanzämter 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist, für jeden Verspätungsmonat 0,5 Prozent Zinsen – also 6 Prozent im Jahr.

Maximale steuerfreie Bruttorente im Jahr 2020 in Euro

Renten-
Beginn

Jahresrente 
im Westen

Monatsrente 
im Westen

Jahresrente
im Osten

Monatsrente 
im Osten

bis 200519.0011.61017.7351.508
200618.4671.56517.3091.472
200718.0261.52816.9551.442
200817.7041.50016.7401.424
200917.3191.46816.4661.400
201016.8721.43016.0951.369
201116.5411.40215.8211.346
201216.1781.37115.6251.329
201315.8041.33915.4261.312
201415.5011.31415.1911.292
201515.2781.29515.0481.280
201615.0331.27414.9131.268
201714.7511.25014.6881.249
201814.4921.22814.4561.229
201914.2261.20614.2261.210
202013.8151.17113.8151.175

Quelle: Bundesverband Lohn­steu­er­hil­fe­ver­eine (Stand: 22. April 2021)

Das Bundesfinanzministerium hat ähnliche Werte in einer ausführlichen Tabelle dargestellt. Anhand dieser kannst Du auch nachvollziehen, wie dieser Betrag berechnet wird. Nach der BMF-Berechnung liegt für einen Neurentner des Jahres 2020 eine steuerunbelastete Jahresbruttorente bei höchstens 13.708 Euro im Steuerjahr 2020.

Die Steuerpflicht greift demnach bei vielen Neurentnern. Doch viele Ruheständler können diverse Beträge steuerlich absetzen. Daher lohnt es sich, jeden Einzelfall für sich zu prüfen – und so mancher Rentner muss nach Abgabe einer Steu­er­er­klä­rung doch keine Steuern zahlen.

Im Steuerjahr 2021 gilt der auf 9.744 Euro erhöhte Grundfreibetrag, ab 2022 steigt er sogar auf 9.984 Euro.

Tipp: Mit dem Alterseinkünfte-Rechner des Bayerischen Landesamts für Steuern können Rentner kostenlos kalkulieren, wie hoch eine mögliche Einkommensteuer ausfällt. Viele Rentner müssen nur geringe Steuern zahlen.

Des Weiteren solltest Du bei der gesetzlichen Ren­ten­ver­si­che­rung die kostenlose Rentenbezugsmitteilung zur Vorlage beim Finanzamt bestellen. Diese enthält die Rentenbeiträge, die Du in der Steu­er­er­klä­rung eintragen musst. Sie gibt zudem Hinweise, wo Du diese Werte in den Formularen eintragen musst. Hast Du die Bescheinigung einmal beantragt, bekommst Du diese in den Folgejahren automatisch zugesandt. Bei der Bestellung musst Du Deine Sozialversicherungsnummer nennen; für eine Hinterbliebenenrente benötigst Du die des Verstorbenen.

Wann müssen Rentner eine Steu­er­er­klä­rung abgeben?

Die meisten Rentner müssen keine Steuern zahlen. Zum einen, weil sie gar nicht so viel ausbezahlt bekommen. Zum anderen, weil ein Teil der Rente steuerfrei ist. Oder weil sie viele abzugsfähige Aufwendungen hatten.

Für den steuerpflichtigen Teil der Rente gilt aber Folgendes: Bei Überschreiten einiger Grenzen sind auch Bezieher von Ruhegeld verpflichtet, eine Steu­er­er­klä­rung abzugeben. Für 2020 liegt der Grundfreibetrag bei 9.408 Euro, 2021 bei 9.744 Euro. Die Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le für Rentner in Höhe von 102 Euro kann addiert werden. Das heißt: 2020 bleiben steuerpflichtige Renteneinkünfte bis zu 9.510 Euro im Jahr auf jeden Fall steuerfrei. Bei Zusammenveranlagten verdoppelt sich dieser Betrag.

Wenn Du höhere Werbungskosten hast, kannst Du Aufwendungen geltend machen, falls Du diese belegen kannst. Diese gehören in der Steu­er­er­klä­rung wie die Renten selbst in die Anlage R. Habt Ihr als Rentnerehepaar im Jahr 2020 gemeinsam einen Gesamtbetrag der Einkünfte von mehr als 19.020 Euro, dann müsst Ihr grundsätzlich bis zum 1. November 2021 eine Steu­er­er­klä­rung für das Jahr 2020 abgeben.

Den Gesamtbetrag der Einkünfte kannst Du folgendermaßen ermitteln: Von der gesetzlichen Rente ziehst Du Deinen individuellen Rentenfreibetrag und die Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le ab.

Kommen Nebeneinkünfte – etwa Vermietungs- oder noch nicht versteuerte Kapitaleinnahmen – hinzu, zählen diese natürlich dazu. Auch wenn einer der zusammenveranlagten Partner Lohn bezieht oder andere Einkünfte hat, kannst Du zur Abgabe verpflichtet sein. Im Ratgeber Pflicht zur Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung haben wir die allgemeinen Grundsätze zusammengefasst.

Fordert Dich das Finanzamt auf, dann musst Du auf jeden Fall für die betreffenden Jahre Steu­er­er­klä­rungen bis zur gesetzten Frist abgeben. Falls Du dagegen verstößt, riskierst Du einen Verspätungszuschlag.

Mehr dazu im Ratgeber Steuersoftware

 Zum Ratgeber

Finanzamt erfährt von Rentenzahlungen automatisch

Die Träger der Ren­ten­ver­si­che­rungen und auch die privaten Versicherer teilen der Finanzverwaltung in sogenannten Rentenbezugsmitteilungen mit, welche Renten sie im Jahr überwiesen haben (§ 22a Einkommensteuergesetz). Folglich fordern Finanzämter manche Rentner gezielt dazu auf, eine Steu­er­er­klä­rung abzugeben. Das kann sogar bis zu sieben Jahre umfassen. Wer sich als Steuerpflichtiger bei Elster online für die vorausgefüllte Steu­er­er­klä­rung registrieren lässt, der erhält automatisch auch die gemeldeten Rentenzahlungen als Daten übermittelt.

Auch Kran­ken­kas­sen teilen den Finanzämtern die Höhe der gezahlten Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rungsbeiträge ihrer Versicherten mit. Dem Finanzamt liegen noch weitere elektronische Daten (E-Daten) vor. Über den Service „Abruf von Bescheinigungen“ (früher: Belegabruf) kannst Du die E-Daten vom Finanzamt abrufen und einfach in Deiner elektronischen Steu­er­er­klä­rung über Elster oder mit einem Steuerprogramm übernehmen.

Diejenigen, die weiterhin ihre Steu­er­er­klä­rung auf Papier erstellen, müssen seit der Steu­er­er­klä­rung 2019 in der Anlage R normalerweise nicht mehr viel ausfüllen. Denn in die dunkelgrün hinterlegten E-Daten-Felder musst Du nur etwas eintragen, wenn die elektronisch gemeldeten Beträge falsch sein sollten. 

Vereinfachte Steu­er­er­klä­rung in einigen Bundesländern 

In Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen können Rentner und Pensionäre eine vereinfachte Steu­er­er­klä­rung nutzen. Diese Länder beteiligen sich an einem Pilotprojekt.

Ruheständler haben in einem besonderen Papier-Steuerformular („Erklärung zur Veranlagung von Alterseinkünften“) nur wenig einzutragen. Das Finanzamt verwendet die elektronisch übermittelten Renteneinkünfte, Pensionen und Kran­ken­ver­si­che­rungsbeiträge und berücksichtigt automatisch die Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le von 102 Euro und den Sonderausgaben-Pauschbetrag von 36 Euro. Einige wenige Abzugspositionen können auf dem Vordruck ergänzt werden:

Das Papierformular der vereinfachten Steu­er­er­klä­rung dürfen ausschließlich Rentner und Pensionäre nutzen, die keine weiteren steuerpflichtigen Einkünfte haben. Unproblematisch ist ein pauschal versteuerter Minijob mit höchstens 450 Euro monatlichen Einnahmen und Kapitaleinkünfte, für die Abgeltungssteuer einbehalten wurde. Alternativ kannst Du ab der Steu­er­er­klä­rung 2020 unter steuerlotse-rente.de eine Online-Version verwenden.

Hast Du beispielsweise gewerbliche Einnahmen oder bist Vermieter, dann musst Du eine normale, vollumfängliche Steu­er­er­klä­rung ausfüllen samt Anlage R. Rentner und Pensionäre, die Abzugspositionen haben, die in diesem Vordruck nicht berücksichtigt werden, sollten ebenfalls lieber eine normale Steu­er­er­klä­rung abgeben.

Rente von Unfallversicherung ist steuerfrei

Steuerfrei ist die Rente, die aufgrund eines Arbeitsunfalls von der gesetzlichen Unfallversicherung bezahlt wird. Das gilt auch für Leistungen aus der Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung, für Sachleistungen aus der gesetzlichen Ren­ten­ver­si­che­rung und Wiedergutmachungsrenten für Nazi- und DDR-Opfer.

Drei Formulare für Renten

Ab der Steu­er­er­klä­rung 2020 wird die bisherige Anlage R aufgespalten. Die ausgezahlten gesetzlichen und privaten Renten aus Deutschland trägst Du wie bisher in Anlage R ein.

Die Rente aus einer betrieblichen Altersversorgung (Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds) und Leistungen aus der Riester-Rente gehören in die Anlage R-AV/bAV.

Hast Du hingegen eine ausländische Rente bekommen, musst Du sie in der Anlage R-AUS eintragen. Machst Du bei den Werbungskosten keine Angaben, berücksichtigt das Finanzamt automatisch die Pauschale von 102 Euro (§ 9a Nr. 3 EStG).

Damit Du dort die verschiedenen Renten in die richtige Zeile eintragen kannst, musst Du die Systematik der Rentenarten kennen. Der Gesetzgeber teilt diese in drei Kategorien ein:

  1. Basisversorgung,
  2. steuerlich geförderte Altersvorsorgeverträge und
  3. sonstige private Altersvorsorge – mit jeweils anderen steuerlichen Konsequenzen. Geregelt ist dies im schwer verständlich formulierten Paragraf 22 Einkommensteuergesetz.

Basisversorgung

Bei den Leistungen aus der Basisversorgung handelt es sich um dauerhafte, wiederkehrende Zahlungen, meist im monatlichen Turnus – ob als Alters-, Erwerbsminderungs- oder Hinterbliebenenrente. Als Basisversorgung gelten auch Teilrenten oder eine Rentenzahlung, die als einmalige Leistung ausgezahlt wird.

Im Einzelnen handelt es sich um Leibrenten und andere Leistungen aus

Für diese Renten greift die nachgelagerte Besteuerung, die schrittweise bis 2040 umgesetzt wird (siehe Tabelle unten). So gilt für Rentner, die erstmals 2020 eine Altersrente erhalten, dauerhaft ein Besteuerungsanteil von 80 Prozent. Das heißt, 20 Prozent der Renten sind steuerfrei. Dieser Anteil sinkt für jüngere Rentnerjahrgänge, sodass bei einem Rentenbeginn beispielsweise 2021 nur noch 19 Prozent steuerfrei sind.

Anteil der Besteuerung nimmt zu

Jahr des
Rentenbeginns

Besteuerungs-

anteil (in %)

steuerfreier

Anteil (in %)

20157030
20167228
20177426
20187624
20197822
20208020
20218119
20228218
20401000

Quelle: Paragraf 22 EStG (Stand: April 2021)

Der steuerfreie Teil der Rente wird im Folgejahr als konstanter Betrag in Euro ermittelt und dauerhaft als individueller Rentenfreibetrag festgeschrieben. Alles, was drüber liegt, muss der Rentner dann versteuern.

Beispiel: Du bekommst im Oktober 2020 erstmals eine Rente von 1.200 Euro. Ab Juli 2021 steigt sie auf monatlich 1.250 Euro. Deshalb bekommst Du 2021 insgesamt 14.700 Euro. Weil Du 2020 erstmals eine Rente bezogen hast, musst Du 80 Prozent versteuern. Der Besteuerungsanteil beträgt somit 11.760 Euro. Die Differenz von 2.940 Euro ist Dein Rentenfreibetrag, den das Finanzamt auf Dauer festsetzt. Bis zu diesem Betrag bleibt Deine Rente bis zum Lebensende steuerfrei.

Eintragen musst Du diese Renten und anderen Leistungen im oberen Teil der ersten Seite der Anlage R. Dazu gehören:

  • gesetzliche Renten,
  • private Renten, die mit dem Ertragsanteil versteuert werden (Renten aus privaten Ren­ten­ver­si­che­rungen),
  • sonstige private Renten wie beispielsweise private Veräußerungsrenten sowie
  • sogenannte Steuerstundungsmodelle. Das sind Einkünfte aus privaten Ren­ten­ver­si­che­rungsmodellen (§ 15b EStG).

Die meisten Rentner erhalten auf ihr Konto nicht die vollständige Rente überwiesen. Die Ren­ten­ver­si­che­rungsträger ziehen vorher die Beiträge für die Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung ab. Als Rentner musst Du in der Steu­er­er­klä­rung die komplette Jahresrente (Bruttorente) angeben, nicht die Summe der monatlich ausgezahlten Beträge.

Öffnungsklausel

Die Übergangsregelung bis 2040 soll dafür sorgen, dass geleistete Beiträge möglichst kein zweites Mal besteuert werden. Für spezielle Fälle hat der Gesetzgeber eine Öffnungsklausel geschaffen. Diese betrifft vor allem Leistungen der berufsständischen Versorgungseinrichtungen.

Hast Du vor Deiner Rente bis Ende 2004 mindestens zehn Jahre lang Beiträge oberhalb des Höchstbeitrags zur gesetzlichen Ren­ten­ver­si­che­rung eingezahlt, kannst Du für die auf diesen Beiträgen beruhenden Renten eine günstigere Besteuerung mit dem Ertragsanteil wählen. Dazu musst Du in der Anlage R ab Zeile 10 entsprechende Angaben machen.

Steuerlich geförderte Altersvorsorge

In die neue Anlage R-AV/b-AV gehören die Renten aus der zweiten Kategorie. Dazu zählen alle Leistungen, die auf steuerlich geförderten Beiträgen beruhen – wie die

In aller Regel basieren diese Leistungen auf Beiträgen, die entweder durch Zulagen, den Sonderausgabenabzug oder durch Steuerfreistellung privilegiert wurden. Dafür gilt grundsätzlich die volle Einkommensteuer, soweit diese Leistungen auf steuerfreien oder geförderten Beiträgen beruhen. Trifft dies nur teilweise zu, dann sind diese auch nur anteilig zu versteuern.

Details zu Steuerfragen bei der bAV regelt ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 12. August 2021.

Sonstige Leibrenten

In die dritte Gruppe der sonstigen Leibrenten fallen Renten aus privaten Ren­ten­ver­si­che­rungsverträgen, die vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden (Altverträge). Außerdem zählen nach dem 1. Januar 2005 abgeschlossene Verträge dazu, die eine Teilkapitalisierung beziehungsweise eine Einmalauszahlung oder einen Rentenbeginn vor Vollendung des 60. Lebensjahrs vorsehen. Wurde der Vertrag 2012 oder später abgeschlossen, gilt das 62. Lebensjahr.

Im Wesentlichen handelt es sich in dieser Kategorie um private Ren­ten­ver­si­che­rungen (Anlage R) und Zusatzversorgungsrenten für ehemalige Mitarbeiter im öffentlichen Dienst (Anlage R-AV/b-AV).

Zu versteuern ist nur der Ertragsanteil einer solchen Rente. Dabei unterscheidet sich der Ertragsanteil bei Leibrenten und bei abgekürzten Leibrenten. Bei letzteren handelt es sich um befristete Renten beziehungsweise solche, die mit dem Todeszeitpunkt erlöschen.

Beispiele sind

  • private selbstständige Er­werbs­min­de­rungs­ren­ten, die nur bis zum 65. Lebensjahr gezahlt werden (Berufsunfähigkeitsrenten) und
  • Waisenrenten aus privaten Versicherungen, die die Voraussetzungen der Basisversorgung nicht erfüllen.

Die Besteuerung von abgekürzten Leibrenten hängt von der voraussichtlichen Laufzeit ab (§ 55 der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung). Bei Leibrenten ist der Ertragsanteil abhängig vom Alter des Beziehers bei Rentenbeginn. So liegt dieser bei einem 65-jährigen Leibrentenempfänger bei 18 Prozent.

Wie Du Deine private Kapitallebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rung versteuern musst, kannst Du in einem eigenen Ratgeber lesen.

Altersteilzeit-Leistungen sind begrenzt steuerfrei

Zahlt der Arbeitgeber für den gleitenden Übergang in den Ruhestand Aufstockungsbeträge und zusätzliche Beiträge zur gesetzlichen Ren­ten­ver­si­che­rung, sind diese begrenzt steuerfrei. Allerdings gelten diese als Lohnersatzleistung und unterliegen damit dem Progressionsvorbehalt – sie erhöhen also den Steuersatz für die zu versteuernden Einkünfte.

Aufgabe- und Veräußerungsgewinn ermäßigt versteuern

Für Selbstständige, Gewerbetreibende und Landwirte stellt oft der eigene Betrieb eine wichtige Säule der Altersvorsorge dar. Haben sie das 55. Lebensjahr vollendet oder sind sie dauernd berufsunfähig, profitieren sie von Steuererleichterungen, wenn sie ihren Betrieb aufgeben oder verkaufen. Dafür gibt es einen Freibetrag von 45.000 Euro.

Übersteigt der Aufgabegewinn jedoch 136.000 Euro, wird der Freibetrag um den überschießenden Betrag gekürzt. Dieser Aufgabe- beziehungsweise Veräußerungsgewinn kann einmal im Leben mit einem ermäßigten Steuersatz versteuert werden.

Pensionen gehören in die Anlage N

Anders ist es bei Pensionen von ehemaligen Beamten. Diese gelten als Versorgungsbezüge aus dem früheren Dienstverhältnis und gehören in die Anlage N.

Für Pensionen gibt es einen Versorgungsfreibetrag plus Zuschlag, sodass ein Teil steuerfrei bleibt. Auch diese beiden Beträge werden für jüngere Pensionsjahrgänge gesenkt. Der festgesetzte Versorgungsfreibetrag bleibt zeitlebens konstant.

Hast Du 2020 erstmals eine Pensionszahlung erhalten, bleiben davon 16 Prozent, höchstens 1.200 Euro plus 360 Euro Zuschlag steuerfrei (§ 19 Abs. 2 Satz 3 EStG). Im Jahr der Pensionierung steht Dir der Versorgungsfreibetrag samt Zuschlag nur für die Monate mit Versorgungsbezügen zu.

Den Versorgungsfreibetrag gibt es auch für andere Versorgungsbezüge. Zum Beispiel für die Auszahlungen aus einer Unterstützungskasse oder einer Direktzusage, in die Du über Deinen Arbeitgeber eingezahlt hast.

Er­werbs­min­de­rungs­ren­te und Hinterbliebenenrente

Eine gesetzliche Erwerbsminderungs- oder Hinterbliebenenrente wird grundsätzlich genauso wie eine Altersrente besteuert. Bekommst Du zunächst eine Er­werbs­min­de­rungs­ren­te (EM-Rente; früher: Er­werbs­un­fäh­ig­keits­ren­te) und dann beim Überschreiten der Altersgrenze stattdessen eine Altersrente, dann gilt letztere als Folgerente.

Beispiel: 1998 bekommst Du erstmals eine Er­werbs­min­de­rungs­ren­te. Ab März 2018 wirst Du Altersrentner.

Für die Ermittlung des steuerfreien Teils der Altersrente wird ein fiktives Jahr des Rentenbeginns ermittelt. Der tatsächliche Beginn der Folgerente wird dabei um die Laufzeit der Vorgängerrente in die Vergangenheit verschoben. Dadurch mindert sich der prozentuale Besteuerungsanteil. Dieser darf 50 Prozent aber nicht unterschreiten. Bei ununterbrochenem Bezug der EM-Rente von 1998 bis Februar 2018 ist für die Ermittlung des Prozentsatzes des steuerfreien Teils der Rente also auf das Jahr 1998 abzustellen. Für das Jahr 2018 beträgt der steuerfreie Teil der Rente also 50 Prozent der vom März bis Dezember 2018 bezogenen Bruttorente (also ohne Abzug von Kran­ken­ver­si­che­rungs- und Pfle­ge­ver­si­che­rungsbeiträgen).

Beispiel: 2016 erhielt eine Frau erstmals Altersrente. Nach ihrem Tod erhielt ab April 2018 der Witwer für sie eine Hinterbliebenenrente (Witwerrente).

Auch die Hinterbliebenenrente (Witwenrente beziehungsweise Witwerrente) ist steuerlich eine Folgerente. Für die Berechnung des Prozentsatzes des steuerfreien Teils der Rente wird hier auf das Jahr 2016 abgestellt. Der steuerpflichtige Anteil beträgt 72 Prozent, der steuerfreie Teil der Rente 28 Prozent. Für die von April bis Dezember 2018 bezogene Hinterbliebenenrente beträgt der steuerfreie Teil also 28 Prozent der Bruttorente.

Ab wann gibt es den Al­ters­ent­las­tungs­be­trag?

Ältere Steuerzahler bekommen ab dem Kalenderjahr, nachdem sie ihr 64. Lebensjahr vollendet haben, vom Fiskus eine Steuerermäßigung in Form des Al­ters­ent­las­tungs­be­trags. Allerdings gilt dieser nicht für Renten und Pensionen, aber für andere Nebeneinkünfte wie zum Beispiel eine Riester-Rente oder Lohn (§ 24a EStG).

Beispiel: Am 13. Dezember 2015 wurde Steuerzahler A 64 Jahre alt. Er arbeitet als Angestellter. Ab 2016 steht ihm der Al­ters­ent­las­tungs­be­trag zu. Der beträgt in diesem Fall 22,4 Prozent der Einkünfte – und maximal 1.064 Euro. Um höchstens 1.064 Euro kann also Herr A die Summe seiner Einkünfte (beispielsweise aus Lohn, Kapitaleinkünfte, Mieteinnahmen) reduzieren. Dadurch verringert sich der Gesamtbetrag seiner steuerpflichtigen Einkünfte.

Der Al­ters­ent­las­tungs­be­trag kann bereits bei der monatlichen Gehaltsabrechnung berücksichtigt werden. Er schmilzt per Gesetz jährlich ab, sodass der Geburtsjahrgang 1974 als letzter davon profitiert.

Beispiel: Wurdest Du im Jahr 1955 geboren, hast Du für das Jahr 2020 Anspruch auf den Al­ters­ent­las­tungs­be­trag. Von Deinen Nebeneinkünften können dann 16 Prozent, aber höchstens 760 Euro steuerfrei bleiben.

Den Al­ters­ent­las­tungs­be­trag musst Du nicht gesondert beantragen. Für Kapitaleinkünfte bekommst Du ihn aber nur, wenn Du in der Anlage KAP Deine Kapitalerträge erklärst und die Günstigerprüfung beantragst. Liegt Dein persönlicher Grenzsteuersatz unterhalb der 25 Prozent für die Abgeltungssteuer, berücksichtigt das Finanzamt den Al­ters­ent­las­tungs­be­trag für Deine Kapitaleinkünfte im Steuerbescheid.

Hohe Krankheitskosten senken Steuern

Senioren können wie andere Steuerpflichtige von allgemeinen Steuererleichterungen profitieren. Ältere Menschen haben häufig deutlich höhere Krankheits- und Pflegekosten. Das altersbedingte Wohnen in einem Seniorenheim ist zwar steuerlich nicht absetzbar. Etwas anderes gilt jedoch, wenn Behinderung, Krankheit oder Pflegebedürftigkeit die Ursache ist. Von den Unterbringungskosten ist die sogenannte Haushaltsersparnis abzuziehen.

Das heißt: Der Fiskus geht davon aus, dass der Gepflegte durch die Verköstigung im Heim unter anderem Geld für Lebensmittel, Strom und Wasser spart. Für 2020 liegt die Haushaltsersparnis bei 9.408 Euro für das volle Jahr der Heimunterbringung beziehungsweise 1/360 davon für jeden Tag (= 26,13 Euro), wenn der Haushalt erst im Laufe des Jahres aufgelöst wurde.

Verordnet ein Arzt oder ein Heilpraktiker Medikamente oder Hilfsmittel, dann sind die dafür selbst getragenen Kosten als außergewöhnliche Belastungen abziehbar. Dasselbe gilt für andere Krankheitskosten: Kurkosten, Zuzahlungen für die Brille, das Hörgerät oder für den Zahnarzt.

Gegebenenfalls kannst Du auch Fahrtkosten und die Aufwendungen einer erforderlichen Begleitperson als außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Allerdings gilt auch für Rentner, dass sie nur die Kosten absetzen können, die die zumutbare Belastung übersteigen.

Hinterbliebenen-Pauschbetrag 

Zu den außergewöhnlichen Belastungen zählt auch der Hinterbliebenen-Pauschbetrag in Höhe von 370 Euro (§ 33b Abs. 4 EStG). Um diesen Betrag ermäßigt sich auf Antrag das zu versteuernde Einkommen eines Hinterbliebenen. Voraussetzung ist, dass er als Hinterbliebener eine Rente oder andere finanzielle Leistung aufgrund des Todes eines Angehörigen erhält.

Beispiele für solche Hinterbliebenenbezüge sind

  • eine Rente aus der gesetzlichen Unfallversicherung bei Tod durch Arbeitsunfall,
  • der Bezug nach dem Gesetz über die Entschädigung für Opfer von Gewalttaten,
  • der Bezug nach dem Soldatenversorgungsgesetz und
  • der Bezug nach dem Gesetz über die Bundespolizei.

Der Pauschbetrag ist in der Anlage Außergewöhnliche Belastungen in der Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung zu beantragen.

Behinderten-Pauschbetrag 

Auch der Pauschbetrag für Behinderte kann beantragt werden, wenn die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen. Ab 2021 genügt hierfür ein Grad der Behinderung von mindestens 20 (§ 33b EStG). Ausführliche Informationen findest Du in unserem Ratgeber Außergewöhnliche Belastungen.

Werbungskosten und Sonderausgaben absetzen

Machst Du in der Steu­er­er­klä­rung keine weiteren Angaben, dann berücksichtigt das Finanzamt für jeden Rentner 102 Euro als Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le und 36 Euro als Sonderausgabenpauschale. Als weitere Sonderausgaben zählen die Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rungsbeiträge. Diese trägst Du in der Anlage Vorsorgeaufwand ein. Dorthin gehören auch der Beitrag für die Kfz-Haftpflichtversicherung und für eine Unfallversicherung. Gezahlte Kirchensteuer und Spenden trägst Du in der Anlage Sonderausgaben ein.

In die Anlage R gehören die Werbungskosten. Beispiele dafür sind:

  • die Gebühren für einen Rentenberater,
  • Rechtsberatungs- und Prozesskosten, die Du im Zusammenhang mit Deinem Rentenantrag selbst übernommen hast,
  • Kon­to­füh­rungs­ge­bühren für ein Girokonto, auf das die Rentenzahlungen eingehen (pauschal 16 Euro ohne weitere Nachweise),
  • teilweise auch Gewerkschaftsbeiträge, die Du als Rentner zahlst,
  • die mit der Anlage R verbundenen Steuerberatungskosten (zum Beispiel Beiträge des Lohnsteuerhilfevereins) und
  • die Ausgaben für Steuersoftware.

Im Ratgeber Steuersoftware empfehlen wir Dir Programme, mit denen Du Deine Steu­er­er­klä­rung selbst erstellen kannst. Dazu zählt unter anderem die Steuersparerklärung. Von diesem Programm gibt es eine spezielle Version: Steuersparerklärung für Rentner. Der Herausgeber hat zudem ein Portal namens Steuergoldies geschaffen. Dort finden Rentner Tipps und Werkzeuge rund um die Themen Steuern, Pflege und Behinderung.

Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen kannst Du zusätzlich abziehen. Wer als alter Mensch im eigenen Haushalt Hilfe benötigt und deswegen eine ambulante Pflegekraft beauftragt, kann einen Teil seiner Kosten über die Steu­er­er­klä­rung zurückholen. Haushaltsnahe Dienstleistungen lassen sich bis höchstens 20.000 Euro geltend machen und können maximal 4.000 Euro Steuern sparen. Eintragen musst Du diese in der Anlage Haushaltsnahe Aufwendungen.

Zu­sam­men­ver­an­la­gung trotz neuer Lebensgefährtin

Bei Verheirateten ist die Zu­sam­men­ver­an­la­gung der Normalfall. Das spart in vielen Fällen Geld. Voraussetzung dafür ist, dass beide Partner nicht dauernd getrennt leben. Doch was passiert, wenn einer der beiden dauerhaft ins Pflegeheim muss und der andere Partner mit einer neuen Lebensgefährtin zusammenlebt?

Diesen Fall hatte das Finanzgericht Niedersachsen zu entscheiden. Es bejahte die Zu­sam­men­ver­an­la­gung, weil der Mann nicht nur die Pflegekosten zahlte, sondern sich nach Auskunft der Pflegeeinrichtung auch weiterhin liebevoll und geduldig um seine Ehefrau kümmerte (Urteil vom 23. Juni 2015, Az. 13 K 225/14).

Bezug der gesetzlichen Rente im Ausland

2017 hat die Deutsche Ren­ten­ver­si­che­rung fast 240.000 Renten an Deutsche überwiesen, die im Ausland wohnen. Dabei gilt generell, dass derjenige, der mehr als sechs Monate im Jahr im Ausland lebt, hierzulande als beschränkt steuerpflichtig gilt. 

Damit verbunden ist, dass Steuervorteile wie der Grundfreibetrag, das Ehegattensplitting oder der Abzug von außergewöhnlichen Belastungen wie Krankheitskosten entfallen. Das kannst Du verhindern, wenn Du mindestens 90 Prozent Deines gesamten Einkommens aus Deutschland beziehst oder Deine Einkünfte im ausländischen Wohnsitzstaat niedriger sind als der Grundfreibetrag.

Dann kannst Du beim Finanzamt einen Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht stellen. Bei einem Umzug in ein anderes EU-Land benötigst Du hierfür die Bescheinigung EU/EWR, die die ausländische Finanzbehörde ausfüllen soll.

Der Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht ist zu empfehlen, wenn Deine Einkünfte in Deutschland steuerpflichtig sind. Ob die Rente in Deutschland oder im neuen Wohnland zu versteuern ist, legt das jeweilige Dop­pel­be­steu­er­ungs­ab­kom­men fest. Bei einem Umzug etwa nach Österreich, Spanien oder Polen wird die gesetzliche Rente grundsätzlich in Deutschland besteuert. Anders ist dies beispielsweise in den USA, Frankreich oder der Schweiz.

Das Finanzamt Neubrandenburg ist zuständig für Rentenempfänger im Ausland. Es bietet auf seiner Website die benötigten Formulare sowie weitere Informationen.

Beziehst Du neben der Rente weitere Einkünfte aus Deutschland, zum Beispiel als Vermieter, dann musst Du Deine Steu­er­er­klä­rung weiterhin bei Deinem Heimat-Finanzamt abgeben.

Weitere Informationen zur Auslandsrente haben wir in einem eigenen Ratgeber zusammengestellt.

Wann kommt es zu einer Doppelbesteuerung?

Einigen Ruheständlern droht eine Doppelbesteuerung der Rente. Die wäre aber verfassungswidrig. Im Einzelfall könnte dies bereits heute einige Steuerzahler betreffen, vor allem ehemals Selbstständige, die noch nicht lange Rente beziehen.

Was ist eine Doppelbesteuerung?

Im Steuerrecht wird normalerweise von einer „Doppelbesteuerung“ gesprochen, wenn Du auf ein bestimmtes Einkommen in zwei Staaten Steuern zahlen musst. Im Zusammenhang mit der Rente ist aber etwas anderes gemeint.

Es kann vorkommen, dass ein Teil Deiner Rente doppelt besteuert wird. Das passiert, wenn Du während Deines Arbeitslebens Steuern auf Deine Ren­ten­ver­si­che­rungsbeiträge zahlst. Das ist faktisch der Fall für die eigenen (Arbeitnehmer-)Beitragsanteile, die Du steuerlich nicht als Sonderausgaben geltend machen kannst. Zusätzlich musst Du später aber als Rentner auf die bereits versteuerten Beiträge erneut Steuern zahlen, nämlich auf die dann ausgezahlte Rente. Dann handelt es sich um eine Zweifachbesteuerung. Es kann also durchaus vorkommen, dass ein Teil Deiner Rente doppelt besteuert wird.

Umstellung von der vor- zur nachgelagerten Rentenbesteuerung

In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass es bis 2004 mit der vorgelagerten Rentenbesteuerung eine grundlegend andere Systematik gab. Damals zahlten Arbeitnehmer ihre Ren­ten­ver­si­che­rungsbeiträge aus bereits versteuertem Einkommen, also aus ihrem Nettoeinkommen. Der größte Teil der Rente war später steuerfrei. Der Abzug von Vorsorgeaufwendungen (neben Renten- auch Kranken- und Arbeitslosen-Versicherungsbeiträge) als Sonderausgaben war bis 2004 ebenfalls anders geregelt.

Nach einem Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (vom 6. März 2002, Az. 2 BvL 17/99) musste das System auf die nachgelagerte Besteuerung umgestellt werden, so wie schon immer bei Pensionären. Es forderte bereits damals, dass die neue Rentenbesteuerung so ausgestaltet werden müsste, dass es in keinem Fall zu einer Zweifachbesteuerung der Rente kommt. 

Mit dem Alterseinkünftegesetz hat der Fiskus die Rentenbesteuerung ab 2005 schrittweise auf die nachgelagerte Besteuerung umgestellt – mit einer langen Übergangsphase. Bis 2040 steigt für jeden neuen Rentnerjahrgang der Teil der Rente, der zu versteuern ist. Im Gegenzug können Steuerpflichtige seit 2005 schrittweise höhere Ren­ten­ver­si­che­rungsbeiträge als Vorsorgeaufwendungen absetzen; von Jahr zu Jahr mit einem steigenden Anteil. Sowohl für die Besteuerungs- als auch die Beitragsseite hat der Fiskus damit eine 35-jährige Übergangsphase geschaffen. Ab 2040 bekommen Neurentner keinen individuellen Rentenfreibetrag mehr und müssen ihre volle Rente versteuern.

Bei der Berechnung einer möglichen doppelten Besteuerung ist die unterschiedliche Rentenbesteuerung bis 2004 und ab 2005 auch zu beachten.

Hoffnung auf eine baldige Gesetzesänderung

In seinen wegweisenden Urteilen vom 19. Mai 2021 (Az. X R 33/19 und Az. X R 20/19) hat der Bundesfinanzhof (BFH) erstmals Berechnungsgrundlagen zur Bestimmung einer doppelten Besteuerung von Renten festgelegt. In diesem Zusammenhang hat er festgestellt, dass zwar nicht die Kläger, aber spätere Rentnerjahrgänge von einer Zweifachbesteuerung ihrer Renten betroffen sein dürften. Dies folgt daraus, dass der für jeden neuen Rentnerjahrgang geltende Rentenfreibetrag mit jedem Jahr kleiner wird. Es dürfte daher künftig rechnerisch in vielen Fällen nicht mehr ausreichen, um die aus versteuertem Einkommen geleisteten Teile der Ren­ten­ver­si­che­rungsbeiträge zu kompensieren. 

Daraus folgt: Würde der Gesetzgeber nicht handeln, würde das Problem der Doppelbesteuerung immer mehr Rentner betreffen und im größeren Ausmaß ausfallen. Das Bundesfinanzministerium hat den schnellen Korrekturbedarf erkannt und angekündigt, dass sich die künftige Bundesregierung nach der Bundestagswahl im September 2021 schnellstmöglich darum kümmern wird. 

Perspektivisch können daher alle Steuerzahler hoffen, dass sie nach einer Gesetzesänderung möglicherweise bereits beim Abzug der Ren­ten­ver­si­che­rungsbeiträge während des Arbeitslebens und auf jeden Fall bei der späteren Rentenbesteuerung entlastet werden. Vor allem bei den heute 45- bis 55-Jährigen ist dies dringend nötig. 

Die Tragik der beiden BFH-Urteile ist, dass die Kläger selbst mit ihren Fällen eine Doppelbesteuerung nachzuweisen zwar gescheitert sind, dafür Millionen Steuerzahler profitieren werden, wenn der Gesetzgeber nachbessert. Die Kläger haben jedoch Verfassungsbeschwerden eingelegt (Az. 2 BvR 1143/21 und 2 BvR 1140/21).

Alle Bescheide unbedingt lebenslang aufheben

Für alle Steuerzahler gibt es weitere Folgen aus den BFH-Urteilen. Der BFH hat festgestellt, dass das Problem der Doppelbesteuerung im Ausnahmefall bereits einen heutigen Rentner treffen könnte. Das muss er aber selbst nachweisen!

Das ist in der Praxis äußerst schwer umzusetzen. Du benötigst dafür grundsätzlich alle relevanten Bescheide und müsstest eventuell zudem die Doppelbesteuerung rechnerisch nachweisen, was aufgrund der Komplexität einen Laien überfordert. Selbst Steuerexperten können dies aktuell kaum leisten und haben hierzu auch noch keine Software-Lösung. Die Vorsitzende Richterin des X. Senats des BFH, Prof. Dr. Jutta Förster, erklärte am 9. Juni 2021 anlässlich der Münchner Steuerfachtagung, dass aus ihrer Sicht eine Doppelbesteuerung berechenbar ist, wenn dem Finanzamt alle Ren­ten­ver­si­che­rungsverläufe übermittelt werden. 

Eines solltest Du deshalb auf jeden Fall lebenslang tun: Hebe

  • alle Steuerbescheide (und eventuell auch Steu­er­er­klä­rungen) und
  • die jährlichen Rentenbezugsmitteilungen auf.

Wie kann eine Zweifachbesteuerung berechnet werden?

In einer Gesamtbetrachtung hast Du auf der einen Seite den steuerfreien Rentenzufluss. Das ist der steuerfreie Rententeil, den Du bis zum Lebensende erwarten kannst. Dem gegenüberstellen musst Du den Gesamtbetrag der versteuerten Rentenbeiträge; also Deine Beiträge für die Ren­ten­ver­si­che­rung, die Du aus versteuertem Einkommen bezahlt hast. Fällt der steuerfreie Rentenzufluss niedriger aus als die Summe der versteuerten Rentenbeiträge, liegt eine Doppelbesteuerung vor. Diese hat aber das Bundesverfassungsgericht verboten.

Ein Beispiel illustriert, wie es zur Doppelbesteuerung kommen kann: Ein heutiger Rentner war über Jahrzehnte selbstständig und hat in dieser Zeit ohne Arbeitgeberzuschüsse in die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung eingezahlt. Seine Rente hat er weitgehend selbst finanziert. Nur wenige Jahre war er angestellt, in denen er Arbeitgeberzuschüsse erhielt. Im Januar 2020 bekam er als 66-Jähriger erstmals monatlich 1.600 Euro Rente. Von seiner Jahresbruttorente 2020 in Höhe von 19.200 Euro waren 20 Prozent steuerfrei. Sein konstanter Rentenfreibetrag liegt somit bei 3.840 Euro. Dieser steuerfreie Rentenanteil von 3.840 Euro wird mit 17,21 Jahren, der statistischen Lebenserwartung (Sterbetafel) bei Rentenbeginn, multipliziert: Das ergibt 66.086 Euro als steuerfreien Rentenzufluss.

Zu vergleichen ist diese Summe mit den gesamten eingezahlten Beiträgen für die Ren­ten­ver­si­che­rung, die sich steuerlich nicht ausgewirkt haben (versteuerte Rentenbeiträge). Diese Beiträge hat der Steuerpflichtige schließlich aus versteuertem Einkommen finanziert. Falls er während seiner Erwerbsphase mehr als 66.086 Euro versteuerte Beiträge in die Ren­ten­ver­si­che­rung eingezahlt hat, zum Beispiel 70.000 Euro, dann wird seine Rente in Höhe von 4.720 Euro doppelt besteuert.

Eine Doppelbesteuerung liegt nach dem BFH-Urteil vor, wenn die Summe der steuerfreien Rentenbezüge kleiner ist als die insgesamt aus dem versteuertem Einkommen bezahlten Rentenbeiträge, als Gleichung: 

steuerfreie Rentenbezüge < versteuerte Rentenbeiträge

Bislang war umstritten, wie die Doppelbesteuerung zu berechnen ist. Der BFH hat aber nunmehr konkrete Berechnungsparameter festgelegt. Demnach zählen zu den steuerfreien Rentenbezügen allein

  • der individuelle, jährliche Rentenfreibetrag und
  • der Freibetrag eines möglicherweise länger lebenden Ehegatten aus dessen Hinterbliebenenrente.

Die Summe der steuerfreien Rentenbezüge kann prognostiziert werden. Dabei kommt es auf die statistische Lebenserwartung an. Männer leben demnach weniger lang als Frauen und bekommen daher ihre Rente kürzer ausgezahlt. Stirbt zunächst der Ehemann, bekommt seine Witwe eine Hinterbliebenenrente. Der Freibetrag hierfür gehört ebenfalls zu den steuerfreien Rentenbezügen. Deshalb ergibt sich für verheiratete Senioren ein höherer Betrag.

Alle anderen Beträge, die das Bundesfinanzministerium ebenfalls als steuerfreie Rentenbezüge einbeziehen wollte, bleiben hingegen unberücksichtigt. Der Grundfreibetrag, die jährliche Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le von 102 Euro, die Sonderausgabenpauschale von 36 Euro und der Sonderausgabenabzug für Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rungsbeiträge zählen also nicht dazu.

Des Weiteren hat der BFH bestimmt, dass eine Geldentwertung, also eine Inflation, nicht zu berücksichtigen ist. Es bleibt beim Nominalwertprinzip. Wertsteigerungen der Renten können demnach besteuert werden.

Das gilt auch für die Berechnung der versteuerten Rentenbeiträge. Auch hierfür hat der BFH konkrete Berechnungsgrundlagen festgelegt. Zum einen für die bis 2004 bezahlten Beiträge und zum anderen für die ab 2005 geleisteten.

Die Ermittlung der versteuerten Arbeitnehmerbeiträge, die bis 2004 geleistet wurden, ist recht kompliziert. Außerdem benötigst Du dafür grundsätzlich alle alten Steuerbescheide. Der BFH hat entschieden, dass die damals geleisteten Arbeitnehmerbeiträge für Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung vorrangig und untereinander gleichrangig zu behandeln sind. Du solltest zunächst die Beiträge für ein Jahr ins Verhältnis setzen. Daraus berechnest Du einen Prozentsatz für den Ren­ten­ver­si­che­rungsbeitrag, den Du auf die Vorsorgeaufwendungen anwendest. Daraus kannst Du dann die unversteuerten Ren­ten­ver­si­che­rungsbeiträge ermitteln. Wenn bei einem Ehepaar beide berufstätig waren, dann müssen dementsprechend die Beiträge beider Partner ermittelt werden.

Beim Bund der Steuerzahler gibt es ein Beispiel für die einzelnen Rechenschritte.

In den beiden umfangreichen Urteilen hat der BFH viele weitere wichtige Details geklärt, weil es unter anderem auch um die Anwendbarkeit einer Öffnungsklausel sowie Renten aus Versorgungswerken, Rürup-Renten und private Renten ging. Der BFH hat entschieden, dass es bei einer privaten Rente, die mit dem Ertragsanteil besteuert wird, systembedingt zu keiner Doppelbesteuerung kommen kann (BFH, Urteil vom 19. Mai 2021, Az. X R 20/19 ).

Wer kann heute schon betroffen sein?

Nach dieser Berechnungsweise ist es bereits heute möglich, dass im Einzelfall eine Zweifachbesteuerung vorliegt. Allerdings frühestens dann, wenn Du bereits Rente bekommst und darauf Steuern zahlst.

Der BFH nannte bestimmte Fallgruppen, die unter den jetzigen Rentnern am ehesten das Problem einer Doppelbesteuerung haben könnten. Dazu zählen:

  1. Rentner und Rentnerinnen, die erst seit kurzer Zeit Rente bekommen,
  2. frühere Selbstständige, weil sie ihre Ren­ten­ver­si­che­rungsbeiträge weitgehend selbst finanziert haben, ohne steuerfreie Arbeitgeberzuschüsse,
  3. ledige Senioren, weil sie keine Hinterbliebenenbezüge erhalten und
  4. Männer, weil sie nach der statistischen Lebenserwartung früher sterben als Frauen. 

Je mehr von diesen vier Voraussetzungen auf Dich zutreffen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Du von einer Zweifachbesteuerung betroffen sein könntest. Warst Du ausschließlich Arbeitnehmer, bist Du tendenziell noch nicht betroffen. Liegt bei Dir aber eine ungünstige Kombination vor (beispielsweise ehemaliger Freiberufler, männlich, unverheiratet und Du bekommst erst seit 2020 eine Rente), dann solltest Du Deinen Fall genauer analysieren.

Kein Einspruch mehr nötig, aber Nachweise

Mittlerweile hat das Bundesfinanzministerium alle Finanzämter angewiesen, ab sofort die Rentenbesteuerung in Steuerbescheiden ab dem Veranlagungszeitraum 2005 nur vorläufig festzusetzen (BMF, Schreiben vom 30. August 2021). Das betrifft alle Rentenzahlungen, die der nachgelagerten Besteuerung unterliegen. Dazu zählen:

  • Leibrenten, 
  • Renten aus der gesetzlichen Ren­ten­ver­si­che­rung, 
  • Renten aus landwirtschaftlichen Alterskassen,
  • Altersvorsorge der berufsständischen Versorgungswerke sowie 
  • Rürup-Renten.

Damit betrifft der Vorläufigkeitsvermerk alle Rentenzahlungen, die nachgelagert besteuert werden. Die vorläufige Steuerfestsetzung sorgt dafür, dass der Bescheid nicht bestandskräftig wird und später noch geändert werden kann; zum Beispiel nach einer Entscheidung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts. 

Beinhaltet Dein Steuerbescheid diesen Vorläufigkeitsvermerk, dann musst Du keinen Einspruch einlegen, um Deinen Fall offenzuhalten. Allerdings regelt das BMF-Schreiben auch, dass das Finanzamt Deinen Bescheid nur dann hinsichtlich einer möglichen Doppelbesteuerung prüfen wird, wenn Du die für die Berechnung benötigten Dokumente einreichst. 

Tatsächlich muss in jedem Einzelfall anhand der konkreten Beitrags- und Steuerzahlungen ermittelt werden, ob eine Zweifachbesteuerung vorliegt. Zudem hast Du die Nachweispflicht für eine Doppelbesteuerung. Du benötigst möglichst 

  • alle Steuerbescheide, aus denen sich Deine eingezahlten Beiträge in die Ren­ten­ver­si­che­rung ergeben und
  • die jährlichen Rentenbezugsmitteilungen.

Wenn Du überzeugt bist, das Du auf einen Teil Deiner Rente zweifach Steuern zahlen musst, schickst Du diese Unterlagen ans Finanzamt und bittest darum, nachzuprüfen, ob in Deinem konkreten Fall eine Doppelbesteuerung vorliegt. Das Finanzamt wird nur tätig, wenn Du mitwirkst. Nur dann kann der Steuerbescheid zu Deinen Gunsten geändert werden.

Hast Du alle Unterlagen? Bei mehreren Renten kann das eine sehr komplexe Berechnung werden. Überschlägig solltest Du selbst ermitteln, ob eine Doppelbesteuerung bei Dir tatsächlich vorliegen kann. Die konkrete Rechenarbeit muss jedoch das Finanzamt leisten. Derzeit kann die Berechnung auch für professionelle Helfer wie Steuerberater und Lohn­steu­er­hil­fe­ver­eine eine schwierige Aufgabe sein – und für deren aufwendige Arbeit müsstest Du zahlen. Software-Lösungen hierfür gibt es bislang nicht. Möglicherweise werden in nächster Zeit professionelle Anbieter gemeinsam mit Steuerexperten Berechnungshilfen entwickeln.

Mus­ter­schrei­ben für Einspruch gegen Deinen Steuerbescheid

Fehlt der Vorläufigkeitsvermerk in Deinem Steuerbescheid und Du vermutest eine Doppelbesteuerung, dann kannst Du innerhalb eines Monats dagegen Einspruch einlegen und das Ruhen des Verfahrens nach Paragraf 363 Absatz 2 Abgabenordnung beantragen. Hierfür kannst Du unser Mus­ter­schrei­ben verwenden. Dem fügst Du Deine Steuerbescheide, Rentenbezugsmitteilungen und gegebenenfalls Berechnungsgrundlagen bei.

Zum Download

Für Deine Steu­er­er­klä­rung 2020 kannst Du Dir ausnahmsweise bis zum 1. November 2021 Zeit lassen. Hilft Dir ein Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein, dann sogar bis zum 31. Mai 2022. Die Fristverlängerung gilt nur für das Steuerjahr 2020.

Verneint das Finanzamt nach seiner Berechnung eine Doppelbesteuerung in Deinem Fall und Du bist anderer Meinung, kannst Du Einspruch einlegen. Lehnt das Finanzamt Deinen Einspruch ab, dann kannst Du Dich nur mit einer Klage vor dem Finanzgericht wehren – verbunden mit einem hohen Kostenrisiko.

Mit neuen Urteilen ist zu rechnen

Ein Ausblick: Der Streit um die Berechnung der Doppelbesteuerung wird trotz der wegweisenden BFH-Urteile wohl weitergehen. Der Steuerberater Heinrich Braun und der Finanzmathematiker Klaus Schindler haben eine eigene steuerzahlerfreundliche Berechnungsmethodik zur Doppelbesteuerung entwickelt (sogenanntes Äquivalenzprinzip). Diese wurde vom BFH aber offensichtlich nicht berücksichtigt.

Dabei laufen bereits erste Gerichtsverfahren, in denen diese Berechnung von den Klägern verwendet wird. Beim Finanzgericht Saarland ist ein erstes Verfahren gescheitert (Beschluss vom 29. April 2021, Az. 3 V 1023/21, Beschwerde beim BFH unter Az. X B 53/21); ein zweites ist dort anhängig (Az. 3 K 1072/20). Zunächst muss sich der BFH mit der Frage einer Aussetzung der Vollziehung beschäftigen.

Eine weitere ungeklärte Frage lautet: Wenn denn eine Doppelbesteuerung im Einzelfall vorliegt, wie wird dann konkret der Steuernachteil ausgeglichen?

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