Die teuren Tücken der Null-Prozent-Finanzierung

  • Zuletzt aktualisiert: 27. November 2015

Berlin, 27. November 2015 – Besonders in der Weihnachtszeit verleiten zinslose Kredite zu teuren Geschenken. Das gemeinnützige Online-Verbrauchermagazin Finanztip warnt vor den Risiken und Fallen der Null-Prozent-Finanzierung. Wichtig zu wissen: Verbraucher haben weniger Schutzrechte bei Widerruf und Rücktritt als bei anderen Krediten.

Bei der Null-Prozent-Finanzierung bekommen Verbraucher einen Kredit, ohne Zinsen dafür zahlen zu müssen. „Dieses Angebot ist für Kunden gerade zur Weihnachtszeit verlockend, wenn sie mehr Geschenke kaufen wollen als das Budget eigentlich hergibt“, erklärt Finanztip-Expertin Josefine Lietzau. „Man muss aber sehr vorsichtig sein und genau hinschauen.“ Manchmal verstecken sich im Kleingedruckten Gebühren oder zusätzliche Produkte. „Falls zum Beispiel eine Restschuldversicherung mitverkauft wird, macht das den Kredit teuer.“ Finanztip rät von dem Abschluss einer Restschuldversicherung für Ratenkredite ab. Sie ist meist überteuert und springt oft doch nicht ein, wenn der Versicherte sie wirklich einmal braucht.

Preise vergleichen

„Als Kunde bekommt man nichts geschenkt“, erklärt Lietzau von Finanztip. „Wenn der Kredit für den neuen Flachbildfernseher oder das Smartphone nichts kostet, dann ist vielleicht das Gerät viel teurer als anderswo.“ Verbraucher sollten daher immer die Preise vergleichen, entweder bei anderen Händlern oder im Internet zum Beispiel auf idealo.de. Bei einem anderen Anbieter gibt es die Ware womöglich deutlich günstiger. Von dem Kreditangebot sollte man sich nicht verlocken lassen, etwas vorschnell zu kaufen.

Kein Widerrufsrecht

Bei einer Null-Prozent-Finanzierung hat man normalerweise kein Widerrufsrecht, weil es sich nicht um einen Verbraucherkredit handelt (BGH-Urteil vom 30.09.2014, Az. XI ZR 168/13). Dabei laufen Kauf- und Kreditvertrag unabhängig voneinander. Das heißt: Wenn ein Kunde aus irgendwelchen Gründen das gekaufte Gerät zurückgibt und der Kaufbetrag erstattet wird, läuft der Kredit trotzdem weiter. Wenn man Ärger mit dem Händler hat und das Geld nicht zurückbekommt, wird es besonders problematisch. Den Kredit bei der Bank muss man auf jeden Fall weiter abbezahlen.

Vorsicht vor der Schuldenfalle

Grundsätzlich gilt: Verbraucher sollten sich gut überlegen, ob sie sich den Kredit und die monatlichen Raten wirklich leisten können. „Wenn es auf dem Konto eh knapp ist, und nun kommt jeden Monat noch die Abzahlung des Kredits dazu, dann wird es oft eng“, sagt Lietzau. Wenn man schließlich aufgrund der monatlichen Raten in den Dispo rutscht, wird es sehr teuer. Dieser kostet schnell zehn Prozent Zinsen. Die Expertin von Finanztip rät generell, nur einen Kredit aufzunehmen, wenn es unbedingt sein muss. „Gerade wenn man mehrere Kredite gleichzeitig laufen hat, kann man schnell den Überblick verlieren und sich finanziell überschätzen“, weiß Lietzau.

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