Foto: Emmanuel Dunand, AFP

Die Europäische Kommission hat Google eine Rekordstrafe von 2,42 Milliarden Euro aufgebrummt. Nach Ansicht der Wettbewerbs-Kommissarin Margrethe Vestager hat der Suchmaschinen-Konzern seine Marktmacht missbraucht: Er hebe den eigenen Preisvergleichs-Dienst „Google Shopping“ hervor, sobald ein Nutzer einen Produktnamen eingibt. Preisvergleiche von Konkurrenten wie idealo.de oder billiger.de schiebt Google hingegen in den Ergebnissen nach unten.

Google ist schon lange in der Kritik wegen seines Umgangs mit anderen Unternehmen, aber auch mit Kundendaten. Anfang der Woche hatte der Konzern angekündigt, künftig nicht mehr die Mails seiner Nutzer von Gmail automatisch nach Stichworten zu scannen. Das macht Google, um gezielt Werbung ausspielen zu können.

Wie Sie Google clever benutzen

Preise vergleichen: Es ist komfortabel, Google-Dienste zu nutzen. Im Fall von Google Shopping ist es finanziell gesehen aber nicht unbedingt die beste Wahl. Wir haben testweise die Preise für ein Samsung Galaxy S8 eingegeben und hätten über Google immerhin 15 Euro mehr bezahlt. Unsere kleine Stichprobe wird von mehreren Tests bestätigt, bei denen andere Preisvergleichsseiten besser abgeschnitten haben als Google.

So hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen den Preisvergleich idealo.de als „am zuverlässigsten“ bewertet. In Untersuchungen des Deutschen Instituts für Service-Qualität und der Deutschen Gesellschaft für Verbraucherstudien hat idealo.de ebenfalls am besten abschnitten. Gut fanden die Tester außerdem auspreiser.de, billiger.de, guenstiger.de und preis.de. Nutzen Sie daher nicht nur Google zum Preisvergleich, sondern auch die Alternativen.

Gmail-Nutzer können Ihre Privatsphäre besser schützen: Google-Dienste wie Gmail und Google Drive bieten nicht das hohe europäische Datenschutz-Niveau. Daran ändert auch die Ankündigung nichts, künftig nicht mehr automatisiert die E-Mails seiner Nutzer auszuwerten. E-Mail-Anbieter mit höherem Datenschutz sind beispielsweise die Berliner Unternehmen Posteo und mailbox.org. Und statt Google Drive können Sie die „Magenta Cloud“ der Telekom oder „Hidrive“ von Strato verwenden. Diese Online-Speicher haben ihre Server in Deutschland stehen, wo ein wesentlich strengerer Datenschutz gilt als in den USA.

Google-Suche, aber mit Datenschutz: Anders als im Heimatstandort USA hat Google in Deutschland mit mehr als 90 Prozent Marktanteil nahezu ein Monopol im Suchmaschinen-Markt. Es gibt aber Alternativen: Bing zum Beispiel. Allerdings sind ist der Microsoft-Dienst in puncto Datenschutz ebenfalls zweifelhaft. Suchmaschinen, die mit besonders hohem Datenschutz werben, sind Duckduckgo und Unbubble.

Falls Sie weiter die leistungsfähige Suche von Google verwenden wollen, ohne auf Privatsphäre zu verzichten, ist Ixquick interessant für Sie. Ixquick verspricht, alle identifizierenden Angaben einer Suchanfrage zu entfernen und sie erst dann an Google weiterzuleiten. Das Ergebnis soll ebenso anonym zurückgespielt und bei Ixquick angezeigt werden. Ixquick ist nach eigenen Angaben die erste und bislang einzige offiziell nach EU-Datenschutzrecht geprüfte und zertifizierte Suchmaschine.

Besser mehrere Anbieter nutzen

Vielfalt ist gut, denn Konkurrenz belebt das Geschäft. Überlegen Sie daher gut, ob Sie wirklich alles aus einer Hand wollen oder ihre Bedürfnisse von verschiedenen Anbietern befriedigen lassen, wie das im Wirtschaftsdeutsch heißt. Denn – noch so eine Wirtschaftsweisheit – spezialisierte Anbieter liefern oft bessere Ergebnisse als große Gemischtwarenläden.

Wie Google auf die Strafe reagiert

Google sieht an seinem Verhalten offenbar nichts Falsches. „Beim Online-Shopping möchte man die gesuchten Produkte schnell und einfach finden. Und Werbetreibende möchten für eben solche Produkte werben. Aus diesem Grund zeigt Google Shopping-Anzeigen, die unsere Nutzer mit Werbetreibenden zusammenbringen“, heißt es in einer Erklärung.

Die Strafe, die die EU-Kommission gegen das Google-Mutterunternehmen Alphabet verhängt hat, ist mehr als doppelt so hoch wie die bisher höchste Strafzahlung. Die zweieinhalb Milliarden Strafe zahlt der US-Gigant allerdings aus der Portokasse. Googles Werbeeinnahmen, zu denen auch Provisionen aus dem Shopping-Dienst zählen, belaufen sich auf rund 18 Milliarden Euro pro Jahr.

Doch der Konflikt mit der EU könnte weiter eskalieren. Google hat sich vorbehalten, Einspruch einzulegen. Und die EU-Kommission kann weitere Strafgelder verhängen, sollte Google sein Verhalten nicht innerhalb von 90 Tagen ändern. Diese Strafen können bis zu 5 Prozent der Tageserlöse ausmachen. Das wären rund 12 Millionen Dollar tägliche Strafe – was selbst einem Giganten wie Google wehtut.

Mehr zum Thema in unserem Ratgeber über Datenschutz-Alternativen.

4 KOMMENTARE

  1. Im Artikel vermisse ich den Hinweis auf die Suchmaschine ecosia. Die betreiben mit den Erlösen aus den Anzeigen Aufforstungsprojekte, bei denen die örtliche Bevölkerung mit eingebunden wird- die Suche im Internet kann also auch für die Umwelt was sehr sinnvolles bewirken. Den Hinweis darauf würde ich in einem Artikel, wo es um Alternativen zu google geht, unbedingt erwarten.

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