Beiträge von adrianberg

    Hallo zusammen,

    ich glaube, bei der Diskussion werden zwei unterschiedliche Maßstäbe vermischt.

    Rückblickend lässt sich natürlich feststellen, dass ein globaler Index inklusive Schwellenländern und Small Caps den Weltaktienmarkt vollständiger abbildet als ein MSCI World. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass eine Empfehlung für den MSCI World damals falsch gewesen sein muss.

    Finanztip hat Empfehlungen meines Wissens nie ausschließlich danach bewertet, welcher Index theoretisch die höchste Marktabdeckung erreicht. Ebenso wichtig waren einfache Verständlichkeit, geringe Kosten, ausreichend Fondsvolumen, eine stabile Produktlandschaft und die praktische Umsetzbarkeit für möglichst viele Anleger.

    Aus dieser Perspektive war der MSCI World über viele Jahre durchaus nachvollziehbar: Er deckte bereits den überwiegenden Teil der globalen Marktkapitalisierung ab, war günstig, etabliert und für Einsteiger leicht verständlich.

    Wenn sich heute die Marktlandschaft verändert hat und Produkte verfügbar sind, die eine noch breitere Abdeckung zu ähnlich niedrigen Kosten ermöglichen, dann spricht nichts dagegen, die Empfehlung anzupassen. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass die frühere Empfehlung schlecht war. Es kann ebenso bedeuten, dass sich die Rahmenbedingungen verbessert haben.

    Die entscheidende Frage ist daher aus meiner Sicht nicht, ob man vor zehn Jahren noch ein paar Prozentpunkte mehr Marktabdeckung hätte erreichen können. Interessanter ist, welche Lösung unter den damaligen Bedingungen für die meisten Anleger den größten Nutzen gestiftet hat.

    Gerade bei Finanztip stand häufig nicht die theoretisch perfekteste Lösung im Vordergrund, sondern diejenige, die möglichst viele Menschen langfristig tatsächlich umsetzen können.

    LG

    Hallo zusammen,

    ich habe die Diskussion aufmerksam verfolgt und kann die unterschiedlichen Sichtweisen gut nachvollziehen. Gerade wenn sich einzelne ETF-Empfehlungen oder die konkrete Umsetzung im Laufe der Zeit ändern, entsteht schnell der Eindruck, dass von einem bisherigen Weg abgewichen wird oder dass Entscheidungen zu spät getroffen wurden.

    Aus meiner Sicht lohnt es sich jedoch, zwischen dem eigentlichen Ziel und der konkreten Umsetzung zu unterscheiden.

    Das zentrale Ziel war nach meinem Verständnis immer, die durchschnittliche Rendite des weltweiten Aktienmarktes zu erzielen. Dahinter steht die Idee, nicht auf einzelne Länder, Branchen oder Trends zu setzen, sondern möglichst breit am weltweiten Wirtschaftswachstum teilzuhaben. Genau deshalb spielte die breite Abdeckung des globalen Aktienmarktes stets eine wichtige Rolle.

    Wie diese Marktbreite konkret erreicht wird, kann sich im Laufe der Zeit verändern.
    Wenn dann die Umsetzung angepasst wird, bedeutet das nicht automatisch, dass sich das eigentliche Ziel geändert hat.

    Auch die Informationen und Analysen von Finanztip folgen seit vielen Jahren diesem Grundgedanken: breit streuen, möglichst viele Unternehmen weltweit abdecken, Kosten im Blick behalten und auf langfristiges Investieren setzen. Die konkrete Produktauswahl kann sich dabei ändern, während die zugrunde liegende Idee dieselbe bleibt.

    Zu den Einwänden, die von einer späten oder unnötigen Abweichung von der bisherigen Strategie sprechen: Ich denke, man kann das durchaus so sehen, wenn man vor allem auf die konkrete ETF-Auswahl blickt. Man kann aber ebenso argumentieren, dass die Anpassungen gerade dazu dienen sollen, das ursprüngliche Ziel einer möglichst breiten weltweiten Marktabdeckung noch besser umzusetzen.

    Beide Sichtweisen haben nachvollziehbare Argumente.

    Deshalb halte ich es für sinnvoll, einander nicht zu unterstellen, die Grundidee aus den Augen verloren zu haben.
    Die meisten Beteiligten verfolgen letztlich dasselbe Ziel: eine einfache, verständliche und langfristig tragfähige Anlagestrategie.

    Vielleicht hilft es, die Diskussion weniger als Frage von „früher richtig, heute falsch“ oder „früher falsch, heute richtig“ zu betrachten.
    Vielmehr geht es darum, wie das gleiche Grundprinzip am besten umgesetzt werden kann.

    Ich denke, darin liegt mehr Gemeinsamkeit als Unterschied. Und genau diese Gemeinsamkeit – die

    Orientierung am weltweiten Aktienmarkt und an dessen durchschnittlicher Marktrendite – war aus meiner Sicht immer der eigentliche Kern der Strategie.

    LG

    Hallo zusammen,

    das Bessere ist der Feind des Guten.

    Mit einem ETF auf den MSCI World oder auf einen IMI-Index macht man grundsätzlich schon vieles richtig. Beide Ansätze sind breit gestreut und gut geeignet für eine langfristige Geldanlage.

    Da es inzwischen günstige ETFs in Richtung auf IMI-Indizes gibt, ist es heute einfacher als früher, den gesamten Aktienmarkt mit nur einem ETF abzubilden. Lange Zeit waren solche Produkte vergleichsweise teuer.

    Das Ziel bleibt dabei dasselbe: möglichst den weltweiten Markt insgesamt abzudecken. Das entspricht auch der grundsätzlichen Ausrichtung von Finanztip.

    Für manche Anleger kann die Diskussion zwischen MSCI World und IMI trotzdem verwirrend sein. Hilfreich ist dabei der Gedanke, dass die Entscheidung für einen IMI-Index nicht getroffen wird, um höhere Renditen zu erzielen oder ein bestimmtes Klumpenrisiko zu vermeiden.

    Der Hauptgrund ist eine noch vollständigere Marktabdeckung, weil zusätzlich auch kleinere Unternehmen enthalten sind.

    Wichtig ist m.E. außerdem:

    Dahinter steckt keine Marktprognose.

    Weder früher noch heute geht es darum, auf bestimmte Regionen, Branchen oder Unternehmensgrößen zu wetten. Ziel ist vielmehr, möglichst wenig eigene Marktmeinung einzubringen und den Markt so breit wie möglich abzubilden.

    LG

    Hallo zusammen,

    ja, die Generation mag es kurz. Lange Beiträge errichten sie wenig. Lange Texte schon besonders nicht.

    Etwas auf die Ohren kommt ihnen entgegen. Ich habe es mit ihnen zusammen gehört und das wichtigste was konkret zu tun ist ist zwischen den Ohren angekommen.

    Viel Erfolg.

    LG

    Hallo zusammen,

    der MSCI World ist eine sehr gute Lösung.

    Mit rund 1.500 Unternehmen aus den Industrieländern ist man bereits breit aufgestellt und macht als langfristiger Anleger nichts falsch.

    Trotzdem finde ich den IMI inzwischen noch etwas überzeugender.
    Der Grund ist nicht die Hoffnung auf höhere Renditen, sondern die noch breitere Streuung. Durch die zusätzlichen Small Caps sind nicht nur die großen und mittleren Unternehmen enthalten, sondern praktisch der gesamte investierbare Aktienmarkt des Planeten

    Früher waren IMI-ETFs oft teurer oder es gab nur eine kleine Auswahl. Inzwischen sind die Kostenunterschiede so gering geworden, dass sie für mich kaum noch ein Argument gegen den IMI darstellen.

    Deshalb würde ich heute sagen:

    MSCI = gut.
        IMI = besser.

    Nicht, weil der Unterschied riesig wäre, sondern weil man für nahezu die gleichen Kosten einen größeren Teil des Marktes abdeckt.
    Das entspricht aus meiner Sicht dem Grundgedanken des passiven Investierens: möglichst den gesamten Markt kaufen und nicht entscheiden müssen/brauchen, welche Unternehmensgrößen man haben möchte und welche nicht.

    Wer bereits einen günstigen MSCI-World-ETF besitzt, muss deshalb aber nicht verkaufen oder die 8:1:1 Anpassung anwenden.

    Der Vorteil der zukünftigen Investition in den IMI ist eher eine sinnvolle Optimierung bzw. Konkretisierung der bisherigen Hauptdirektive als ein Gamechanger.

    LG

    Hallo zusammen,

    das Argument für eine mögliche Strategieanpassung ist aus meiner Sicht nicht die Erwartung, dass künftig die USA schlechter laufen oder Small Caps besser performen werden. Das wäre letztlich eine aktive Marktmeinung.

    Vielmehr geht es darum, die Marktabdeckung möglichst zu erhöhen. Wer passiv investieren möchte, versucht ja gerade, keine Prognosen über Gewinner und Verlierer abzugeben, sondern den investierbaren Weltmarkt möglichst vollständig abzubilden. Je breiter die Abdeckung über Länder, Unternehmensgrößen und Marktsegmente hinweg, desto näher ist man am Grundgedanken des passiven Investierens.

    Die Überlegung lautet daher nicht „USA reduzieren, weil sie zu teuer sind“ oder „Small Caps erhöhen, weil sie künftig besser laufen könnten“, sondern: „Wie bilde ich den globalen Aktienmarkt möglichst umfassend ab?“

    LG

    Gerade wenn die entsprechenden Produkte sehr günstig und bei vielen Broker zu kaufen und per Sparplan bedient werden können.



    Hallo zusammen,

    danke für die hilfreiche Beschreibung der veränderten Situation. Sie macht die Hintergründe und Auswirkungen deutlich nachvollziehbar.

    Wie so oft gilt: „Das Bessere ist der Feind des Guten.“ Dieses Zitat wird häufig Voltaire zugeschrieben.

    Gerade bei Finanzentscheidungen ist es oft sinnvoll, eine gute und passende Lösung umzusetzen, statt endlos nach der vermeintlich perfekten zu suchen.

    LG

    Hallo zusammen,

    … und die „kleinen“ Unternehmen (die teilweise ebenfalls schon recht groß sind) verringern den Anteil der wirklich großen Firmen.

    Dieser lange „Rattenschwanz“ kleinerer Unternehmen wirkt sich auf die Verteilung am oberen Ende aus.

    LG

    Hallo zusammen,

    die „neue“ Handreichung von Finanztip verdeutlicht die Strategie.

    Zwischen MSCI und IMI ist schon so einiges richtig - Hauptsache hier investiert zu sein.

    Das es „nun“ ehr in Richtung IMI geht verdeutlicht, dass es um passives investieren geht.
    Die Übung heißt:

    so wenig Marktmeinung wie möglich.

    Möglichst breit aufgestellt zu sein.

    Der MSCI ETF wird nicht verkauft, sondern im Rahmen der 3 X 10 Strategie geht es in Richtung IMI.

    LG

    – und genau deshalb für viele sinnvoll

    Hallo zusammen,

    oft wird so über Welt-ETFs gesprochen, als wären sie

    die perfekte Anlagestrategie.

    Das sind sie natürlich nicht – aber ehrlich gesagt gibt es die „beste“ Strategie ohnehin nicht. Jede Geldanlage hat Vor- und Nachteile und muss zur eigenen Risikobereitschaft, zum Zeithorizont und auch zur persönlichen Disziplin passen.

    Ein weltweit gestreuter ETF verfolgt vor allem ein Ziel: Er versucht nicht, den Markt zu schlagen, sondern den durchschnittlichen Marktertrag möglichst unkompliziert und kostengünstig abzubilden. Passives Investieren bedeutet also bewusst, auf die Suche nach dem „nächsten Gewinner“ zu verzichten.

    Das wirkt auf manche langweilig – ist langfristig aber erstaunlich effektiv.

    Historisch lagen breit gestreute Aktienanlagen langfristig ungefähr bei durchschnittlich 6 % Rendite pro Jahr beziehungsweise in einer Größenordnung darum. Natürlich schwanken die Märkte teils erheblich und einzelne Jahre können deutlich schlechter oder besser laufen. Aber genau dieser langfristige Durchschnitt ist für viele Anleger bereits „gut genug“.

    Denn bei etwa 6 % Rendite verdoppelt sich Vermögen ungefähr alle 12 Jahre durch den Zinseszinseffekt:

    • 10.000 € werden langfristig etwa zu 20.000 €
    • daraus werden später etwa 40.000 €
    • und langfristig daraus wiederum etwa 80.000 €

    Nicht durch komplizierte Strategien, sondern vor allem durch Zeit, Geduld und konsequentes Investieren.

    Natürlich wird es immer Anleger geben, die zeitweise besser abschneiden als ein Welt-ETF.

    Manche haben Glück, andere den richtigen Zeitpunkt erwischt. Das Problem ist nur: Niemand weiß vorher zuverlässig, wer das langfristig schafft.

    Deshalb kann ein Welt-ETF für viele Menschen eine pragmatische Lösung sein:

    • breit gestreut,
    • einfach verständlich,
    • kostengünstig,
    • und mit hoher Wahrscheinlichkeit nah an der allgemeinen Marktentwicklung.

    Nicht perfekt. Nicht maximal renditestark. Aber für viele langfristig gut – und genau das wird oft unterschätzt. Oder?

    LG

    Hallo zusammen,

    Respekt - Sie haben da einiges deutlich besser durchdacht als der durchschnitt.
    Mit 33 ist noch einiges möglich - wie Sie zeigen. Das dürfe ein treffliches Vermögen werden. Durchhalten ist alles.
    Viel Kraft wünsche ich Ihnen dazu. Irgendwann ist die Immobilie klar und es geht simpel und langweilig mit dem Welt ETF weiter.

    LG

    Hallo zusammen,

    genau - besser einfach bleiben. Investitionen in einenden Welt ETF unter 15 Jahre - besser nicht. Entweder Immobilie oder Welt ETF wenn das Geld gebraucht wird. Insgesamt sehr respektabler Anfang. Ob die Investition in die Immobilie sich rechnet könnte auch eine Überlegung wert sein. Finanztip hat da einen hilfreichen Rechner dazu.

    Wenn nur alle so gute Überlegungen hätten wie Sie.

    LG