Beiträge von Dr. Schlemann

    Gibt es Gesellschaften oder Tarifwelten, bei denen Sie aus Ihrer beruflichen Erfahrung sagen würden, dass die Risikoselektion besonders konsequent ist bzw. das Kollektiv erfahrungsgemäß überdurchschnittlich günstig zusammengesetzt ist?

    Die Zusammensetzung und insbesondere die Gesundheit von Kollektiven ist leider zu intransparent, um auf dieser Grundlage eine halbwegs verlässliche allgemeine Empfehlung abzugeben. Das war nur als Gegenbeispiel zu Ihrer Annahme gedacht, dass ein großes, einheitliches Kollektiv immer Vorteile gegenüber einem kleineren Kollektiv bietet.

    Bis auf die unisex-Wechsel gibt es dort seit vielen Jahren keine neuen (Voll-)Tariffamilien, außer seit 2024 den uni-Top Kompakttarif, der bei wirklich guten Leistungen (ja, Herr Dr. Schlemann: bis auf Reha/Kur/etc.!) aktuell (noch) einiges unter dem Marktpreisniveau liegt.

    Soweit ich weiß, ist bei Deutschlands ältester KV auch noch nie ein Tarif geschlossen worden, bis auf gesetzlich die bisex-Tarife, wobei selbst dort noch innerhalb derer gewechselt werden kann.

    Die Universa ist ein Anbieter mit langjähriger Erfahrung und einem beispielhaft weiten Tarifwechselrecht. Der vermeintliche Top Tarif uni-Top | Privat ist jedoch leider nicht so leistungsstark, wie sein Name vermuten lässt. Dazu findet sich eine eingehende Analyse auf unserer Website.

    Mich würde interessieren, ob Sie dieser Differenzierung zustimmen würden – und insbesondere, welche Bedeutung Sie dem Ein-Tarifwerk-Prinzip tatsächlich für die langfristige Beitragsstabilität beimessen.

    Nicht so ganz. Ich selbst fühle mich z.B. in meinem kleinen, geschlossenen Arzttarif sehr wohl. Dort fielen und fallen Beitragssteigerungen moderat aus und ich zahle einen für die enthaltenen Leistungen und für mein Alter sehr überschaubaren Beitrag. Dies dürfte u.a. an dem gesundheitsbewussteren / gesünderen Kollektiv liegen. In einem großen "Ein-Tarifwerk-Kollektiv" wie bei der Debeka würde ich mehr für schlechtere Leistungen zahlen.

    Auch hier gilt die auf unserer Website beschriebene „Karl-May-Theorie“: Lieber ein gutes Pferd wie Hatatitla von Old Shatterhand oder Iltschi von Winnetou, als 20 Gäule von Santer und seinen Ganoven. Aber die kennt heutzutage ja keiner mehr. :)

    Was zutrifft: Je größer ein Kollektiv, desto mehr gleichen sich Ausreißer nach oben (besonders krank) oder unten (besonders gesund) aus - im Guten wie im Schlechten.

    Werte der Vergangenheit lassen insbesondere angesichts der überdurchschnittlichen Kostensteigerungen im Gesundheitswesen der letzten Jahre leider nur sehr begrenzt Rückschlüsse auf die Zukunft zu!

    Wie auf unserer Website genauer analysiert, dürften die Zeiten vermeintlicher Beitragsstabilität bei der Alte Oldenburger längst vorbei sein. Für 2027 hat die AO erneut Beitragsanpassungen zwischen 7% und 17% avisiert!

    Weder die Alte Oldenburger noch andere PKVs wie LKH etc. können sich diesen generellen Kostensteigerungen entziehen. Diese Steigerung verläuft zwischen PKV und GKV recht ähnlich. Vorteil der PKV: Sie ist nicht auf (weniger werdende) junge Beitragszahler angewiesen und so weniger von demografischen Problemen betroffen. Und dort können - anders als in der GKV - nicht einfach Leistungen gekürzt werden, um Geld zu sparen.

    christian13 , Ihre Frage lässt sich besser beantworten, wenn man den Vertrag in zwei Teile zerlegt:

    • BU-Zusatz mit Beitragsbefreiung: 471,30 € pro Jahr, also rund 39 € im Monat. Dafür erhalten Sie 1.050 € Rente monatlich, allerdings nur bis 11/2040.
    • Rentenversicherung (Sparanteil): 407,53 € pro Jahr, also rund 34 € im Monat, mit Garantie von 17.974 € zum 01.12.2050.

    Der ETF-Vergleich von fotoman gilt nur für den zweiten Teil. Wenn Sie den Rückkaufswert von 4.330 € plus 407 € pro Jahr anlegen, kommen Sie bei 5 bis 6 % p. a. (vor Kosten und Steuern, ohne Garantie) auf grob 32.000 bis 38.000 €. Das sind etwa 14.000 bis 20.000 € mehr als die Garantie. Die 50.000 bis 60.000 € erreicht man nur, wenn man alle 878 € investiert. Dann ist aber der BU-Schutz weg, und den bekommen Sie mit Ihren Vorerkrankungen wohl nicht mehr.

    Wie viel dieser Schutz wert ist, hängt an Ihrer Versorgung, und hier hat Tomarcy den richtigen Hebel genannt. Der Ruhegehaltssatz steigt jährlich um etwa 1,79 Prozentpunkte. Die Lücke wird also von Jahr zu Jahr kleiner. Fragen Sie bei Ihrem Dienstherrn an, welches Ruhegehalt bei Dienstunfähigkeit heute anfiele (inklusive Versorgungsabschlag und Zurechnungszeit), und rechnen Sie das netto gegen Ihre Fixkosten. Erst dann können Sie die Lücke beziffern.

    Mein Zwischenfazit: Der BU-Teil ist mit 39 € im Monat für Sie schwer zu ersetzen. Der Sparanteil ist kein Highlight, kostet Sie aber nur etwa 34 € im Monat. Ob “halten und 2040 neu entscheiden” passt, zeigt Ihre Ruhegehaltsrechnung.

    Das ist eine allgemeine Einschätzung und keine Einzelberatung.

    Als Beamter auf Lebenszeit ist die Fallhöhe bei BU / DU aufgrund teilweiser Versorgung zwar niedriger. Dennoch wird das Budget ohne Absicherung beider Partner eng werden. Der Beitrag für die Absicherung der eigenen Arbeitskraft ist sozusagen "Pflicht" bei jeder vernünftigen FInanzplanung.

    Spätestens mit Schulden und Kindern halte ich auch eine Risikolebensversicherung für sehr sinnvoll. 300.000 EUR dürften etwas knapp bemessen sein, da es nicht nur um die Restschuld der Immobilie geht, sondern auch um Lebensunterhalt für Hinterbliebene. Ohne Partner wird man mit zwei kleinen Kindern nur schwer wie bisher weiterarbeiten können.

    Ich fühle mich grundsätzlich sehr gut beraten und es wurden viele verglichen ich kenne aber natürlich nicht so die Details. Ich frage hier nach weil es was anderes ist als eine Autoversicherung etc. und wir hier über eine Lebensentscheidung sprechen und bis zum Lebensende ggf. sehr hohe Summen.

    Genau deshalb sollten Sie die Details - nach entsprechender Beratung - unbedingt kennen! PKV sollte keine Gefühlsentscheidung sein. :)

    Wurde mir von einem Makler so raus gesucht.

    Ist der Makler auf das Thema PKV spezialisiert? Haben Sie einen ausführlichen Vergleich aller rund 200 Leistungskriterien von PKV-Tarifen erhalten - und wurde Ihnen deren jeweilige Relevanz ausführlich und verständlich erklärt? Wenn nein, würde ich mich noch mal weiter nach kompetenter Beratung umschauen. Dieser Schluss liegt schon deshalb nahe, weil sie statt den Makler zu fragen, hier im Forum nach Rat fragen. :)

    Wie kommen Sie denn auf Hallesche und Arag als Favoriten? Haben Sie sich schon einmal genauer mit dem Thema Anschlussheilbehandlung und Reha beschäftigt? Diese Themen gehören zu den wichtigsten Kriterien bei der Auswahl einer leistungsstarken PKV. Hier bieten nur fünf Anbieter die nötigen Leistungen - weder Hallesche noch Arag gehören dazu.

    Dr. Schlemann Können Sie mir etwas zu Ihrer Einschätzung des Preis-/ Leistungsverhältnisses sagen?

    Ich formuliere es mal so: Je nach Anbieter amortisieren sich 45 Jahre Beitragszahlung für eine Pflegetagegeldversicherung nach ca. zwei Jahren Leistungsbezug.

    Am Ende ist es - wie bei jeder Versicherung - eine Wahrscheinlichkeitsrechnung. Zentral ist die Frage, wie ruinös der Eintritt des Leistungsfalls ist und wie "weh" einem im Verhältnis dazu die Beiträge tun. Meistens fallen die Ausgaben für eine Pflegetagegeldversicherung im Gesamtbudget nicht so sehr ins Gewicht, Geldknappheit im Pflegefall / Alter aber schon.

    Der Durchschnitt hilft nicht so viel, wenn man nicht im Durchschnitt liegt. Eine unserer Kundinnen wurde mit 32 Jahren vergewaltigt. Aufgrund massiver psychischer Problem ist sie seither Pflegefall, Grad 2. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt eine durch uns vermittelte Pflegetagegeldversicherung, die durch zwischenzeitliche Erhöhungen einen Betrag von knapp 5.000 EUR im Monat leistet. Das hilft in so einer Situation immens.