Hallo Saxum,
Danke für Ihren Beitrag, schön, dass ich ihn gefunden habe. Ich teile aus eigener Erfahrung die aus Ihrem Beitrag ersichtlichen Fakten. Ich lese da Ihre Sachkenntnis heraus. Soweit erstmal die Blumen.
Ich war 20 Jahre PKV-vollversichert. Bei Eintritt sehr günstig, weniger als die Hälfte von dem, was ich als freiwillig versicherter in der GKV hätte zahlen müssen. Ich war in die Selbständigkeit gegangen und benötigte jede damalige Mark für den Betrieb. Ich hatte
einen Voll-Tarif mit SB gewählt. Ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis. Die Alterssicherung für mich übernahm und übernimmt heute die GRV, in die ich vom 1.Tag meiner Lehrzeit bis 65. Geb. einzahlte. Ich glaube, dass diese Kobination mit PKV und GRV nicht sehr oft praktiziert wurde. Auch nicht bei gleichgelagerten Selbständigen, die dann evtl. im Alter Probleme bekamen. Es sei denn, sie hätten durch ihren Betrieb ein Vermögen aufbauen können. Das war war bei mir nicht der Fall, es ging alles 0 für 0 auf. Es blieben dennoch Ersparnisse, die aber lange nicht mit einer "Vermögensbasis" zu vergleichen sind. Jetzt werden Sie fragen, wo ist denn eigentlich bei Ihnen, Herr Klotz, das Problem, wenn alles so gut gelaufen ist. Ja, die Ernüchterung bzw. Enttäuschung kommt meistens zum Schluss: Im Laufe meiner Zeit im Volltarif ging natürlich die Beitragsschere GKV vs. PKV schon ganz schön nach oben in Richtung PKV. Ein Abspringen in den Standardtarif ging nicht, weil ich die nötige Vorversicherungszeit bei der Gesellschaft noch nicht erreicht hatte, die damals bei 10 Jahren lag, und noch nicht die gesetzliche Altersrente erhielt. In die GKV zurück ging auch nicht mehr. Auch hier hätte es durch Bedingungen Hürden gegeben, die ich nicht hätte nehmen können. Also noch durchhalten. Wie es dann soweit war, aber nichts wie in den Standardtarif. Ich liefere hier meinen Wissensstand über diesen Tarif. Bitte korrigieren, wenn ich was falsches sage: Der Standardtarif wird von der PKV unter der Bezeichnung: Brancheneinheitlicher Standardtarif verkauft an Altversicherte, die die o.a. Bedingungen erfüllt haben. Es ist ein Tarif, den aufgrund dieser Eigenschaften nicht jeder PKV-Versicherte bekommen kann. Die Tarifbeschreibung lautet vereinfacht: Dieser Tarif ist in etwa in Preis und Leistung der GKV vergleichbar und ist ein Sozialtarif der PKV. Das konnte ich anfangs voll bestätigen. Alle meine bisherigen Ärzte haben mich weiterbehandelt, auch wenn sie jetzt nur noch den 1,8 fachen Satz der GOÄ statt im Volltarif 2,3 in bestimmten Fällen sogar bis zum 3,5 Satz der GOÄ abrechnen durften. Beim Wechsel in den Standardtarif bin ich von ca. 650,- Volltarif auf wohltuende 280,- Standardtarif runtergerutscht, Altersrückstellungen schon mit verrechnet. Ich war froh nun eine bezahlbare Krankenversicherung für meine Rentnerzeit zu haben. Die Ernüchterung und Enttäuschung folgten schon fast auf den Fuss nach etwas über einem Jahr: Beitrags"anpassung" auf 330,- also satte 50,- und in etwa diesen Schritten ging es in den kommenden Jahren weiter, so dass ich heute nach 8 Jahren auf 550,- gelandet bin. Sehr viel Geld für einen Rentner, zu viel! Dass es für mich deshalb mal zuküntig bei solchen "Anpassungen" eng werden könnte, ist fast schon vorprogrammiert. Mir geht es aber jetzt
erstmal um etwas anderes: nämlich das Preis/Leistungsverhältnis im Standardtarif. Wo sind
denn die Versprechungen geblieben, die einmal in der Tarifbeschreibung (s.o.) gemacht wurden, und wieso greifen meine eingezahlten Altersrückstellungen so schlecht, die ja genau das verhindern sollen, nämlich dass die Beiträge im Alter stark ansteigen. Schriftliche Anfragen bei der Versicherung gingen leider für mich sehr unbefriedigend aus. Ich wollte
von der Versicherung wissen, wieso sich bei gerade bei mir eine solche, ja unglaubliche Erhöhung nach kurzer Zeit ergibt. Der Tarifbeitrag wird individuell pro Person angepasst,
heisst es und wird von einem unabhängigen Träuhänder abgesegnet. Man hat mir nicht
auf meine Frage korrekt geantwortet, sondern mir ein Formschreiben zugeschickt, in dem
ich mit Fachbegriffen wie Faktoren, techn.Berechnungsgrundlagen etc. zugeschüttet wurde, die nur einer verstehen kann, der Versicherungsmathematik studiert hat, unmöglich ein normaler Verbraucher. Ich habe in meiner Zeit als selbständiger Klein-Unternehmer ein
feines Gespür dafür bekommen, in welchem Verhältnis der Preis und die Leistung eines Produktes stehen müssen. Selbst die Versicherungsbranche nennt ihre Tarife Produkte. Wäre da in meinem Fall nicht einmal eine Hinterfragung von offiziellen Seiten z.B. Verbraucher-Organisationen nötig. Die Preiserhöhung in meinem Falle sieht mir entweder nach einem Irrtum in der Berechnung und was ich nicht hoffen will nach Willkür aus, solange ich das nicht persönlich von der Gesellschaft bzw. Treuhänder plausibel vorgerechnet bekomme, wie sich solche Anpassungen von 90% in der Versicherungszeit im Standardtarif ergeben können. Und das, ich wiederhole nochmal, in einem Sozialtarif. Sollte trotz wiederholter Aufforderung nichts passieren, werde ich mir Rechtshilfe suchen. Ich möchte noch erwähnen, dass die beiden Tarife "Basistarif" und "Notlagentarif", die noch zur Verfügung stehen würden, für mich nicht in Frage kommen. Die sind für andere Personengruppen.
Ich möchte unterm Strich nochmal zusammenfassen. Ich greife den Standardtarif meiner Gesellschaft an, nicht weil ich ihn nicht mehr bezahlen kann, sondern weil ich ihn in dieser
Höhe nicht mehr bezahlen will. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir in dieser Sache ihre
fachliche Einschätzung mitteilen könnten.
Besten Dank und freundlicher Gruss
Hans Klotz