Wie schon gesagt: es bleibt deine Entscheidung. Ob das was wir hier machen würden für dich relevant ist, musst du selbst wissen.
Du weißt nicht wie der Zins in fünf Jahren aussieht. Vielleicht baust/kaufst du ja auch erst in zehn Jahren. Das Argument einen Bausparvertrag zu nehmen, da der aktuelle Zins ja bei 4% liege, ist Unsinn, wie gesagt. Es ist völlig irrelevant wie der aktuelle Zinssatz ist, sondern wie er in fünf, zehn oder fünfzehn Jahren ist. Und das weiß niemand. Es kann dann auch eine erneute Niedrigzinsphase gekommen sein. Der Verkäufer wird natürlich alle Register ziehen dich davon zu überzeugen mit verschiedenen Argumenten.
Führt ein Tarifwechsel ohne Erhöhung zu erneuten Abschlussgebühren? Verschlechtern sich eventuell andere Bedingungen?
Dass dir kündigen schwer fällt ist keine Seltenheit. Man hat einmal unterschrieben, man hat Gebühren gezahlt, die nun weg sind. Man will sich nicht eingestehen, vielleicht nicht die beste finanzielle Entscheidung getroffen zu haben. Dafür muss man sich aber nicht schämen. Es ist völlig normal Fehler zu begehen - und Bausparverträge schließen leider viele, häufig in jungen Jahren bedingt durch die Eltern, ab und bereuen es irgendwann.
Aber letztlich ist es ein Anker, den du hier hast. Die Vergangenheit ist egal, wichtig ist was du mit dem Ersparten in Zukunft machen kannst und willst. "Warum sollte man schlechtem Geld noch weiteres gutes hinterher werfen?", wird häufig gesagt.
Bedenke, dass wenn du nicht kündigst und dein bisheriges Geld oder sogar noch mehr in dem Bausparvertrag noch viele Jahre lang lässt, du Opportunitätskosten hast. Das heißt, dass dir Rendite verloren geht, die du ansonsten anderswo bekommen hättest. DAS sind auch Kosten, auch wenn sie nicht genannt werden in der Regel.
Beispiel mit deiner Zahl:
- Nach fünf Jahren hättest du aufgrund der quasi Nullverzinsung, angenommen du zahlst nichts mehr ein bis dahin, immer noch die 18.000 Euro im Bausparvertrag. Hoffentlich ohne weitere Gebühren. Vielleicht bekommst du ein bisschen staatliche Zulagen.
- Gehen wir doch einfach mal davon aus, dass du volle Zulagen bekommst, also Wohnungsbauprämie von 70€ pro Jahr und 43€ Arbeitnehmersparzulage (Wohnriester mal außen vorgelassen) = 113€ pro Jahr, also 565€ - dann hast du nach fünf Jahren 18565€
- Wenn du stattdessen jetzt kündigst und ganz konservativ zu 3% Zinsen anlegst, dann hättest du nach den fünf Jahren rund 20.867€.
- Ergebnis (Differenz): 2302€ Kosten, von denen dir niemand (also der Verkäufer) etwas gesagt hat bei Abschluss.
Kannst du auch zurückrechnen für die letzten Jahre, seitdem der Bausparvertrag bereits besteht, auch wenn das eher sinnlos ist. Und in den letzten Jahren gab es ja auch fürs Sparen wenig Zinsen, also lassen wir das. Wenn du jetzt noch weiter einzahlst, dann wird der Abstand aber größer.
Wenn du sicher wüsstest, dass in fünf Jahren gebaut wird und der Zinssatz für ein Darlehen dann immer noch bei 4% liegen würde, dann könntest du dir nun versuchen auszurechnen, ob sich das alles für dich rechnet so hohe Opportunitätskosten gezahlt zu haben. Da du beide Informationen nicht hast, ist es aber schwierig. Nochmal: niemand kann es wissen. Aber dass die Zinsen in fünf Jahren bei genau 4% liegen ist unwahrscheinlich. Vielleicht liegen sie dann bei 2%. Rechne mal nach, ob der Unterschied von 0,5 Prozentpunkten im Darlehen die Opportunitätskosten von vorher ausgleichen. Aber auch das ist eine völlig fiktive Zahl.
Ein Bausparvertrag soll Sicherheit geben. Aber er ist letztlich eine Wette - und das ist das Gegenteil von Sicherheit. 