In der realen Welt hatten meine Eltern eine Doppelhaushälfte abzubezahlen und da war bei Leibe nicht das Geld für eine extra Altersvorsorge für meine Mutter drin, zumal das Bewusstsein damals dafür auch noch nicht so präsent war wie heute.
Wenn überhaupt zahlte man in eine Lebensversicherung ein und das wars.
Sie ging als wir Kinder im Bett waren im Sportheim putzen und als wir etwas älter waren in einer örtlichen Fabrik stundenweise Steckarbeiten erledigen um die zumindest ein wenig für das Haushaltseinkommen beizutragen bzw um der Familie auch mal einen Urlaub zu ermöglichen.
Wir sprechen da von den 80ern, wo die Bauzinsen auch irgendwo bei 5+% waren und man jeden Pfennig umdrehen musste.
Sie konnte schlichtweg nicht wie heutige Frauen die Kinder in die Grippe oder Hort stecken um schneller wieder arbeiten gehen zu können. Entweder die Kinder alleine lassen oder zuhause sein. Arg viele Alternativen gab es nicht.
Wenn wir aus dem Kindergarten oder Schule wieder zuhause waren wollte sie auch wieder dort sein. Später haben wir oft genug nach der Schule noch stundenlang auf sie warten müssen, da die Arbeit es eben nicht zugelassen hat. Dennoch war ihre Arbeit nicht so gut bezahlt, um sie dazu zu motivieren vielleicht in eine Vollzeitstelle zu wechseln... es hätte sich schlichtweg am Ende des Monats finanziell nicht gelohnt. Die Folgen dessen sieht sie heute eben in der Rentenüberweisung.
In ihren letzten 20 Jahren vor der Rente Buchhalterin in einem Steuerbüro und später in der Firma meines Vaters. Wo sie natürlich besser verdient hatte als zuvor, aber dennoch hat dies nicht ausgereicht ihre Rente signifikant in eine Richtung zu hieven wo man sagen könnte: Joa, das hat sich doch mal echt gelohnt.
Ihr Glück bzw das Glück meiner Eltern ist, dass Die Firma später so viel abgeworfen hat, dass man vom Verkaufserlös heute sehr gut leben kann und die Rentenzahlung zwar weh tut, aber trotzdem ein Polster da ist, von dem man zehren kann.
Mal abgesehen von dem "Einzelfall" meiner Eltern bzw Mutter:
Das Ehegattensplitting trägt in meinen Augen dazu bei, dass Altersarmut bei Frauen existiert. Der Zusammenhang ist belegt, aber nicht die alleinige Ursache. Frauen bleiben oft zu lange in einem schlecht bezahlten Job weil es sich schlichtweg nicht lohnt in einen besser bezahlten zu wechseln solange der Ehemann signifikant mehr verdient.
Dass das Ehegattensplitting nicht alleinig dafür verantwortlich ist, ist auch klar. Da trägt auch der Gender pay gap bei. Der Gender pay gap ist allerdings auch wieder die Folge von nicht erfolgten Karrieresprünge und somit Gehaltsprünge, die durch Ausfallzeiten in der Kinderbetreuungsphasen entstanden sind. .... Es ist insgesamt nunmal komplexer als man es sich schönreden will.