Ich möchte auf folgende Punkte hinweisen:
Zur Zeit werden nominale Kapitalerträge auf Aktienveräußerungen und Dividenden wie folgt belastet:
Ca. 24% Steuern (Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer) fallen auf Unternehmenseben an,
dazu kommen 25% Abgeltungssteuer auf Anlegerseite sowie Soli + ggf. Kirchensteuer.
Ich weiss nicht, ob Verlinkungen möglich sind, sonst "Dr. Norbert Kuhn, Deutsches Aktieninstitut, Kapitalerträge Unternehmensebene 28.03.2025" googlen oder "Kiel Die Abgeltungssteuerbegünstigt Kapitaleinkommen nicht".
Von den Steuern wird bereits ein beträchtlicher Anteil für die Bezahlung der Renten verwendet, da das Umlagesystem schon lange nicht mehr funktioniert/ausreichend ist.
Ein Beitrag wird also von Aktionären bereits hinreichend geleistet.
Darüber hinaus zahlen freiwillig in der GKV-Versicherte (z.B. Selbständige, ehemals Selbständige oder auch ehemalige Arbeitnehmer, die z.B. wegen Unterbrechungen nicht in der KvdR sind) 20% Krankenkassenbeitrag auf die Kapitalerträge.
Jetzt kommt das Problem des Anlegers hinzu: Eine positive Realrendite vor Steuern und Abgaben ist erst ab Erreichen der Inflationsrate/der persönlichen Inflation gegeben. Dies unterscheidet sich im Wesentlichen von Arbeitslohn, deswegen können beide Einkommensarten nicht 1:1 vergleichen werden, sondern nur bedingt. Gerecht und auch solidarisch ist es jedenfalls nicht, wenn wie bisher schon negative Realrenditen der vollen Besteuerung unterliegen. Eine zusätzliche Belastung etwa durch Rentenversicherungsbeiträgen macht bei den bekannten langfristigen Durchschnittsrenditen eines ausgewogenen Portfolios (also nicht nur MSCI-World, sondern auch defensive Dividendentitel, Anleihen etc.) einen Inflationsausgleich nicht mehr möglich.
Somit fände eine bewusste Umverteilung von privater Vorsorge (die zudem das Investitionsrisiko trägt, auch wenn zu gerne von "garantierten" Bruttorenditen von 5-8% im MSCI Worlds / ACWI IMI geredet wird), deren Substanz mit der Zeit abnimmt, zugunsten von Rentenpunkten statt, deren Substanz durch Inflationsausgleich/bzw. Kopplung an die Lohnsteigerung nicht abnehmen soll. Wo da eine soziale Gerechtigkeit gegenüber denen bestehen soll, die überwiegend oder ausschließlich auf private Vorsorge gesetzt haben soll, ist mir schleierhaft.
Beide Punkte, Steuern auf Unternehmensebene sowie Inflation werden in öffentlichen Debatten nicht einbezogen. Zu gerne ist die populistische Rede von "25% sind weniger als 45%" und dann wird eingeschlagen auf bestenfalls "faule Aktionäre", "Reiche", (bin echt froh über jeden wirklich Reichen, der hier Steuern zahlt, von mir aus könnten es viel mehr sein, aber allein diese Diskussion werden es wieder weniger sein, was die Beitragslast für nahezu Alle erhöht" - aber eigene sehr polarisierende und emotionale Diskussion wie es sich verhält mit 10 Leuten, die in einen Raum gehen und darüber demokratisch debattieren, wie das Geld des einen Reichen mit den anderen 9 geteilt werden soll...), "Kapitalisten" etc. etc. Nirgends habe ich eine der breiten Öffentlichkeit zugängliche Diskussion entdecken können, die wirklich alle Punkte oder Belastungen von Aktionären einbezieht. Aber erst von dieser Diskussionsgrundlage aus, könnte man eine wahrhafte Diskussion führen, ob Nominalerträge auf Aktien zusätzlich belastet werden sollen oder bereits jetzt zu viel sind. Schließlich kommen wir von 2009 Steuerfreiheit nach 1 Jahr Haltedauer auf jetzt Pläne zu 68% inklusive GKV, RV-Beitrag und dies vor Inflation.
Provokante Frage: Wären nach 30 Jahren bei 200% Kursgewinn (ggf. bereits bezahlte Vorabpauschale - aus welchen Mitteln?-) und 150% Inflation, 90% Steuern und Abgaben genug als private Altersvorsorge? Oder gibt es dann immer noch was zu meckern?
Disclaimer: Ich bezahle ca. 20% GKV als "freiwillig" Versicherter und freiwillig (von mir festgelegt) ca. 5% der Erträge aus Aktien, Discountzertifikaten, Optionen sowie ETF´s in die gesetzliche Rentenversicherung.