Hallo zusammen,
ich wende mich mit einer ungewöhnlichen Frage an euch, und ich hoffe, ihr könnt mir weiterhelfen. Es geht (noch) nicht um Geldanlage, sondern um die Einschätzung einer finanziellen Situation, aus einer männlichen Perspektive, die ich zu diesem Thema sonst kaum bekomme. Über weibliche Einschätzung würde ich mich auch freuen!
Ich vermute, dass es diesem Forum Männer gibt, die in diesen Punkten ähnlich ticken wie mein Mann: strategisch investieren und damit mehr Risiko eingehen, als das Geld auf dem TG-Konto zu packen, karrierefokussiert sind und viel Einsatz in ihre berufliche Entwicklung stecken und auch Familie haben. Es würde mir helfen, zu hören, wie "solche" Männer seine Entscheidungen beurteilen würden, weil ich genau diese Sicht brauche, um die Situation realistisch einzuschätzen, um fair zu handeln.
Kurz zu unserer Situation:
• Beide 48 Jahre, zwei Kinder (16 und 13), seit ca. 10 Monaten Wechselmodell, kein Unterhalt
• 19 Jahre Ehe, immer drei Konten gehabt: jeder ein eigenes plus gemeinsames für Familienkosten
• Er: Vollzeit, Führungspositionen, karrierefokussiert
• Ich: nach Elternzeiten jahrelang 80 Prozent, heute Vollzeit mit inzwischen ähnlich hohem Gehalt
• Wir kommen beide aus relativ einfachen Verhältnissen, haben immer gespart, aber keinen Luxus gelebt; "Kinder sollten es besser haben als wir"
• Er hat letztes Jahr eine Wohnung geerbt, die ca. 200.000 Euro wert ist
Zugewinnausgleich nach der Trennung:
• Sein Vermögen: ca. 500.000 €
• Mein Vermögen: ca. 100.000 €
Er sieht seinen Anspruch auf den größeren Anteil, da er viele Jahre die Hauptlast der Kosten getragen und sein Geld klug investiert hat. Für die Zeiten, in denen ich nicht Vollzeit arbeiten konnte, wäre er bereit auszugleichen, sein Vorschlag: ca. 100.000 €.
Ich sehe es anders: Mein Beitrag zu unserer Familie, also Kinderbetreuung, Unterstützung seiner Karriere, gleichzeitige eigene berufliche Entwicklung,
wird meiner Meinung nach nicht ausreichend berücksichtigt. Ohne diese Verantwortung hätte ich früher Karriere gemacht und mehr Vermögen aufgebaut. Es fühlt sich unfair an, dass das finanziell kaum sichtbar wird.
Meine Frage an euch: Wie würdet ihr als Männer diese Situation einschätzen? Welche Argumente sind realistisch, um eine faire Aufteilung zu erreichen? Und wie würdet ihr sein Risiko, seine Investitionsentscheidungen und seinen Einsatz für das Vermögenswachstum beurteilen? Hat er mit seinen Argumenten vielleicht (moralisch) Recht?
Mir ist klar, dass dadurch, dass wir keinen Ehevertrag haben, hier die gesetzliche Regelung gelten würde, die zu meinen Gunsten ausfallen würde. Da wir gemeinsame Kinder haben, möchte ich aber eine friedliche Lösung erzielen, die für beide Ok ist. Ich möchte ihm also entgegenkommen, weiß nur nicht, ob sein Angebot fair ist.