Beiträge von Kapitalist

    Das stimmt nicht ganz was du da schreibst. In sehr kurzen Zeiträumen korrelieren die Märkte stark. Auf lange Sicht (und nur die sind ja relevant) verringert eine breitere Streuung Risiken. Bespiele dafür sind Japan ab 1989 (damals immerhin 44% Anteil im MSCI World vs. 30% bei den USA) und der dot-com-Crash ab März 2020.


    10yr Volatilität: MSCI World 14.90%. MSCI World ACWI: 14.66%.

    Sharpe Ratio 1988 - 2025: MSCI World: 0,42. MSCI World ACWI: 0,41

    Da ist nichts. Die viel größere Anzahl von Unternehmen im ACWI (2500 statt 1300) hat fast null Effekt auf das Risiko im Vergleich zum World, weil sie alle auch auf lange Sicht viel zu stark korrelieren.

    Man kann ja auf justetf.com die Charts des MSCI ex-USA mit dem MSCI World übereinander legen, und Überraschung: sie korrelieren deutlich. Als Anfang April 2025 der MSCI World in die Knie ging hat er den ex-USA mitgerissen und der lag sogar noch weiter im Minus.

    Small caps und die meisten Regionen korrelieren zu stark mit den großen um als Diversifikation zu wirken. Der ACWI und ACWI IMI enthalten zwar Aktien von deutlich mehr Unternehmen als der MSCI World und da vermutet man doch, dass die breitere Streuung geringere Volatilität bewirken sollte, aber: Fehlanzeige. Das ist eine aktuelle Illusion, man könnte dem KI crash Risiko im ACWI entgehen.

    Risiko bekommt man per Diversifikation nur weg indem man schwach oder negativ korrelierte assets mischt. Gold korreliert negativ mit Aktien, Rentenpapiere ebenfalls. Mit manchen Sektoren sieht's ein bißchen besser aus als mit small caps und EM: der MSCI World Utilities korreliert nur wenig mit dem US IT Sektor. Südamerika, Türkei. Aber die performen halt historisch schlecht, das kostet Rendite, dann besser gleich Geldmarkt. Ein kompliziertes Portfolio macht später das Entsparen auch nicht einfacher.

    Wenn ich in 5 Jahren in Rente gehen und mir deshalb zu Recht um einen baldigen crash am Aktienmarkt Sorgen machen würde, dann würde ich ganz klassisch deutlich in Bonds ETF umschichten, weniger Aktien ETF (World oder ACWI egal), ganz bisschen Gold.

    Investiert man in lange Renten, also etwa 10jährige, bekommt man aktuell um die 2,5% dafür. Der Geldmarktfonds bringt momentan knapp 2%. Das heißt: Wer die Liquiditätsreserve zu hoch wählt auf Kosten langfristiger Renten, legt pro Jahr etwa 0,5% drauf. Das ist überschaubar. Man läßt also nur wenig Geld liegen, wenn man "zuviel" Liquidität vorhält und "zuwenig" langfristig in Renten anlegt.


    Stimme allem zu, 2 Anmerkungen:

    (1) Man muss dazusagen: lange Renten haben hohes Zinsänderungsrisiko. Wenn die EZB den Zinssatz leicht anhebt wundert sich der Laie warum sein "Sicherheitsbaustein" Renten-ETF mit langjährigen Staatsanleihen bester Bonität ganz unerwartete 10% minus macht.

    (2) Der zeitliche Anlagehorizont kommt mir im ganzen thread zu wenig beleuchtet vor. Welcher Aktienanteil welches Verlustrisiko bedeutet hängt im wesentlichen davon ab, ob sie das Geld nächstes Jahr für ein neues Auto braucht, oder in 30 Jahren für die Rente. Auch das wissen Laien i.d.R. nicht. Es ist nicht so hilfreich, Anleger in subjektiv psychologisch risikoavers oder risikofreudig einzuteilen, und nur daraus den Aktienanteil zu empfehlen, ohne über den Zweck und die Dauer der Anlage zu reden. Einfacher sind Klumpenrisiken in Einzelaktien und Fonds mit hohen Gebühren: das ist nie gut und leicht zu korrigieren.