An den Small Caps kann man schön erkennen, in welches Rabbit Hole man sich mit nur einem Faktor begibt, wenn man versucht, ihn mit verschiedenen ETFs zu kombinieren.
Small Caps müssten mit ca. 15% beigemischt werden, um die Marktkapitalisierung zu erreichen.
Hat man bisher bspw. einen ETF auf den FTSE All World und kombiniert diesen mit einem MSCI World Small Cap ETF, führt das zu einer Übergewichtung der größeren Small Caps, weil der FTSE All World bereits 90% abdeckt.
Ein ETF auf dem MSCI World ACWI (85%) hat das Problem nicht. Bei beiden entsteht aber die Schwierigkeit, dass man durch die Hinzunahme des World Small Cap wiederum die Emerging Markets insgesamt untergewichtet, weil der MSCI World Small Cap nur Developed Markets enthält.
Um die Emerging Markets Small Caps zu erhöhen, bräuchte man einen MSCI EM IMI ETF. Nimmt man den zu den o.g. hinzu, würde man aber wiederum die EM Mid- und Large Caps übergewichten.
Möchte man auch nur eine Annäherung an die Marktkapitalisierung erreichen, bräuchte man den Vanguard VT (den es in Deutschland nicht zu kaufen gibt) oder einen ETF auf den MSCI World ACWI IMI.
Bei allen anderen mir bekannten ETF Kombinationen kommt es zu (unbeabsichtigten) Übergewichtungen in einzelnen Segmenten.
Als Alternative zum Multifaktor-Investing kann ein Privatanleger einzelne Faktoren gezielt über Einzel-ETFs in seinem Portfolio übergewichten. Für nahezu jeden Faktor existieren entsprechende Einzel-ETFs. Dadurch steigen sowohl die erwartete Rendite als auch die Diversifikation.
Sobald man mehrere ETFs kombiniert, entstehen oft ungewollte Klumpen. (s.o.)
Fügt man bspw. einen MSCI World Small Caps hinzu, wird der USA Anteil nicht (nennenswert) reduziert (falls einen der überhaupt stört).
Kombiniert man mehrere Faktor ETFs, klumpt es dann oft bei einzelnen Unternehmen, die in mehreren ETFs enthalten sind.
Zum Thema Diversifikation möchte ich nur kurz daran erinnern, dass vor nicht allzu langer Zeit die ständige Diskussion war, ob ein MSCI World denn wirklich sein muss, oder ob man nicht doch besser nur in den S&P500 oder sogar nur den NASDAQ investieren sollte, weil dort die Renditen doch viel höher waren.
Jetzt schreibt selbst der Spiegel (und andere Nicht-Finanz-Medien), dass der MSCI World der größte Fehler sei, den man als Anleger machen könnte (zugespitzt formuliert) und jetzt muss man unbedingt alles mögliche zusammenmischen.
Dadurch entstehen aber oft (wie ich versucht habe zu zeigen) andere Dysbalancen.
Innerhalb der Asset Klasse Aktien langfristig mit mehreren ETFs zu arbeiten sollte man sich gut überlegen.
Wenn man Faktor Investing betreiben möchte, stehen auch 0,5% Gebühren eines Dimensional Fonds oder Kommer ETFs in keinem Verhältnis zu den langfristigen Kosten und Risiken, die man eingeht, wenn man sich da selbst irgendetwas zusammenbasteln möchte.