RNowotny schrieb:
"Auch das Wort Rendite ist nicht wirklich passend."
Danke für den Hinweis. Vielleicht muss ich dazu sagen, dass ich bisher weder in meiner Bildungs- noch in meiner Berufslaufbahn irgendwas mit Finanzen zu tun hatte. Es mag also sein, dass ich einige Begriffe recht "frei" verwende, und nicht unbedingt so wie sie im Lehrbuch stehen. Ich hoffe, ich verwirre damit nicht zu sehr, und Ihr könnt trotzdem nachvollziehen was ich meine.
Jetzt habe ich im Netz folgende Definition gefunden: "Die Rendite ist der Effektivzins einer Geldanlage, ausgedrückt in Prozent pro Jahr. In die Rendite gehen alle relevanten Zahlungsströme zu ihren jeweiligen Zeitpunkten ein. Sie wird nach der internen Zinsfußmethode (engl. Internal Rate of Return, IRR) ermittelt und daher auch als interner Zinssatz bezeichnet. Die Rendite entspricht genau dem Zinssatz, mit dem man das Kapital jährlich verzinsen müsste, um zum gleichen Ergebnis zu kommen, wenn der Zinssatz konstant wäre."
Also Rendite = IZF = Effektivzins? Ist das korrekt?
Dann verstehe ich nicht, warum an anderer Stelle im Web geschrieben wurde, der IZF sei für passives Buy-and-Hold nicht sinnvoll. Eigentlich müsste das doch genau passend für Sparpläne sein.
RNowotny schrieb:
"der IZF misst Deinen Erfolg, der TWR, den der Anlage. TWR sagt was hätte ich über die gesamte Zeit erzielt, wenn ich alles am Anfang investiert hätte."
Also nimmt der TWR die Summe aller Investitionen, errechnet irgendwie irgendeine durchschnittliche Wertsteigerung oder einen Zinssatz aus der tatsächlichen Entwicklung, und errechnet daraus ein "was wäre wenn"?
Wenn ich Deine Erklärungen richtig verstehe, kann ich mit dem IZF also die Entwicklung zwischen meinen verschiedenen Investitionen vergleichen. Der TWR ist dafür aber sinnlos, denn hier interessiert ja nur das "Ist", und nicht das "hätte".
Dafür kann ich mit dem TWR aber meine Investition mit dem Produkt (ETF oder was auch immer) vergleichen, was wiederum mit dem IZF völlig sinnlos wäre.
Wenn diese beiden Dinge tatsächlich richtig sind, habe ich bisher eine Menge falsch bzw. gar nicht verstanden, und im Web wären eine Menge Seiten mit Erklärungen für Laien mindestens mal sehr missverständlich formuliert.
RNowotny schrieb:
"Du berechnest rein linear. Daher kommst Du bei Deinen Beispielen 1 und 4 auf das gleiche Ergebnis obwohl Variante 1 deutlich besser wäre."
Ich habe das jetzt mal nachgerechnet. Bei Beispiel 1 wären IZF und durchschnittlicher Jahreszins deutlich besser als bei Beispiel 4. Da hast Du vollkommen Recht. Was das über meine Berechnungsmethode aussagt weiß ich noch nicht.
Aber so langsam verstehe ich den Einwand von Hmpf , dass ich den Zinseszinseffekt nicht berücksichtigen würde, und Deinen, dass ich rein linear rechne, was wohl beides aufs Gleiche hinaus läuft.
Bei meiner Rechnung investiere ich 1,- € und erhalte jeden Tag 0,01 € an Gewinn. Im Gegensatz zu einer Zins- bzw. Zinseszinsrechnung werden die 0,01 € nicht verzinst, denn sie sind es bereits, und deshalb sind sie jeden Tag fix.
Beim Zinseszins würde der Gewinn am 1. Tag kleiner ausfallen, und sich über die Zeit jeden Tag steigern.
Somit ist der Zinseszinseffekt unterm Strich zwar im Gewinn enthalten, aber eben nur indirekt und versteckt in meiner Berechnung.
Und der Zinseszinseffekt stellt den Vorteil der Zeit dar. Je länger man investiert ist, desto mehr profitiert man. (gut, das ist jetzt nichts neues)
Ich habe mir viel Zeit für diesen Post genommen, versucht nachzuvollziehen und zu verstehen, und den Text mehrfach geändert. Für mich bleiben die folgenden beiden Fragen:
1.) Wie beurteilt man, ob sich eine Investition besser entwickelt hat als eine andere?
So wie ich das verstanden habe, setzt man den Gewinn ins Verhältnis zum Einsatz.
Und der Einsatz setzt sich zusammen aus Zeit und Geldeinheiten.
Also würde bei gleichem Gewinn folgendes gelten: je kürzer die Geldbindung desto positiver, und je geringer die Investitionssumme desto positiver.
Da meine Berechnungsmethode beides auf diese Weise berücksichtigt, müsste sie doch eigentlich einen Sinn ergeben. Aber welchen?
2.) Wozu kann ich die ganzen Kennzahlen sinnvoll für mich verwenden?
- Der Gewinn berücksichtigt weder die Anlagedauer, noch Zeitpunkt und Höhe der Kapitalflüsse. Für Vergleiche fast immer ungeeignet. Nominal triggert er geruhsame Zufriedenheit bis Herzstillstand, je nach Kursverlauf. Prozentual hilft er mir auf Portfolioebene bei der Einschätzung, wo ich mich auf dem Weg zu meinem Ziel befinde.
- Der durchschnittliche Jahreszins berücksichtigt die Gesamtanlagedauer, aber weder Zeitpunkt noch Höhe der Kapitalflüsse. Für Vergleiche nicht so gut geeignet. Auf Portfolioebene zeigt er mir aber wie gut ich mich auf Kurs zu meinem Ziel befinde.
- Der IZF berücksichtigt sowohl Zeitpunkt als auch Höhe der Kapitalflüsse über die gesamte Anlagedauer. Falls ich den jetzt endlich richtig verstanden habe, ist das genau die richtige Kennzahl um meine Investitionen miteinander zu vergleichen.
- Der TWR errechnet was hätte sein können. Das erklärt auch, wieso der TWR manchmal positiv ist, obwohl man sich gerade im Verlust befindet. Als Vergleich zwischen Investitionen für mich völlig ungeeignet, aber als Vergleich zum Produkt (ETF usw.) die richtige Kennzahl. (Falls ich auch den jetzt richtig verstanden habe.)
Nun habe ich noch den "durchschnittlichen Wertzuwachs" gefunden. Definition: "Er ergibt sich aus dem Wertzuwachs einer Geldanlage, geteilt durch die Anlagedauer in Jahren, und ins Verhältnis gesetzt zum Anfangskapital. Er bietet damit eine Einschätzung, um wie viel Prozent die Geldanlage pro Jahr im Durchschnitt anwächst. Er wird auch lineare Rendite genannt, weil er den Wertzuwachs linear auf die Anlagedauer verteilt."
Das geht schon ein wenig in die Richtung meiner Berechnung, aber berücksichtig ebenso wie der durchschnittliche Jahreszins nur die Anlagedauer, nicht aber Höhe und Zeitpunkt der Kapitalflüsse. Für mich völlig uninteressant, aber die Definition war hilfreich für mich beim Verständnis anderer Dinge.
Und was mache ich jetzt mit meiner Berechnungsmethode? Keine Ahnung. Wenn mir in absehbarer Zeit nichts Interessantes dazu einfällt werde ich sie vermutlich löschen und vergessen.
Zumindest war Sie hilfreich, und vor allem waren Eure Antworten hilfreich, um ein wenig besser zu verstehen. Dafür vielen lieben Dank.
Bleibt zum Schluss noch die Auflösung für das Mysterium, warum beim IZF manchmal 0% als Ergebnis heraus kommt.
Die XINTZINSFUSS-Formel in Excel erfordert zwei Argumente zwingend (Werte und Datumsangaben), das dritte Argument ist der Schätzwert und soll eigentlich optional sein. Deshalb habe ich es auch weggelassen.
Ohne Schätzwert nimmt Excel standardmäßig 0,1 = 10% an. Wenn das Ergebnis nun negativ ist kann es passieren, dass die Formel nicht zum Ergebnis findet. In dem Fall sollte man als Schätzwert dann -0,1 angeben.
Habs getestet und werde es bei mir korrigieren.