Ich schaffe seit 2012 in der Schweiz. Drei Jahre habe ich in der Schweiz gelebt und seit 2017 bin ich wieder Grenzgänger. Wir sind nur wieder zurück, weil meine Frau und ich Nachwuchs bekommen haben. Und nirgendswo gilt der Spruch „Kinder muss man sich leisten können“ so sehr wie in der Schweiz.
Hier meine Ergänzungen zu dem was meine Vorgänger schon geschrieben haben.
Es kommt ganz auf eure persönlichen Umstände an. Seid ihr eher extrovertierte Typen und könnt euch einen neuen Freundeskreis aufbauen? Das ist sowohl mit den Schweizern wie auch mit den Südbadenern nicht ganz so einfach. Einmal weil Schwyzerdütsch für jeden der nördlicher als Hessen kommt eine Herausforderung ist, dann weil wir deutschen keinen besonders guten Ruf in CH haben und die Badener auch nicht gerade die größten Sonnenscheine sind.
Habt ihr Kinder oder plant welche? Wenn ja dann bleibt in Dt. und arbeitet als Grenzgänger. Wenn nein lohnt es sich direkt in die Schweiz zu gehen. In der Schweiz sind Lebenshaltungskosten (im Großraum Basel, nicht Basel-Stadt, fangen die Mieten ab 18CHF/m² an) teurer als in Dt. Im Grenzgebiet (das ist im Grunde alles von Konstanz bis Weil am Rhein und von Weil am Rhein jeder Ort die A5 entlang bis Freiburg, ist der Wohnungsmarkt angespannt). Dort sind Mieten ab 16€/m² kalt normal und da rede ich nicht von Neubaupreisen. Krankenversicherung (jede Person wird einzeln versichert, es gibt keine Familienversicherung wie in Dt.) ist teurer als in Dt. dafür spart ihr Einkommensteuer.
In der Schweiz wird 4,5% Bundessteuer, Kantonsteuer und Gemeindesteuer fällig und es gibt Vermögenssteuer. In Deutschland zahlt ihr Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer. Heißt quatalsweise überweisst ihr einen Betrag an das Finanzamt und müsst bis Sept. eine Einkommensteuererklärung abgeben (alternativ der Steuerberater).
Für Grenzgänger gibt es nur 2 Krankenkassen die SWICA und die Sympany. Kostet etwa 300 Stutz pro Nase. In Dt. bekommt ihr dann eine Ersatzkasse mit der ihr in Dt. zum Arzt geht. Ich persönlich habe noch ein Pflege- und Zahnzusatzversicherung, weil die Leistungen aus den schweizer Krankenkassen nicht das Maß an Leistungen abdecken, dass ihr aus Dt. gewohnt seid. Alternativ könnt ihr euch privat versichern (es muss die Lohnhöhe stimmen). Dazu müsst ihr wissen. Es gibt Ärzte (vor allem Fachärtzte) im Grenzgebiet die nehmen keine neuen Kunden/ Klienten auf (es sei den ihr zahlt selber oder seid privatversichert).
Beim Thema Bank gibt es mehrere Möglichkeiten. Die einfachste sind die Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken im Grenzgebiet. Die haben extra Angebote für Grenzgänger, kosten dafür aber auch etwas mehr. Wieder andere nutzen Wise. Ich bevorzuge ein schweizer Konto. Dazu nutze ich die YUH-App von Swissquote und B-Sharpe. Bei YUH bekommst du ein kostenloses CH-Konto, hast eine Debit-Card und kannst an E-Bill (so eine Art schweizer Lastschrift/ Dauerauftrag) teilnehmen. B-Sharpe nutze ich zum Wechseln, da die CH-Banken beim Geld wechseln richtig zulangen.
Zum Thema Arbeitsmarkt. Da müsst ihr euch selber einschätzen. Auf dem schweizer Arbeitsmarkt gilt hire and fire, es ist deutlich kompetitiver als in Dt. Und zwar unabhängig davon ob ihr einheimische, Expats oder Grenzgänger seid. 3 Monate Kündigungsfrist bei einer unbefristeten Stelle ist normal. Seid ihr in eurem Job überdurchschnittlich gut oder nicht? Durchschnitt haben die Schweizer selber, dazu brauchen die euch nicht.
Zusammengefasst. Sowohl als Grenzgänger, wie auch wenn Ihr auswandert, es wird nicht leichter als in Deutschland, aber wenn ihr euch was aufbauen wollt und wirklich was leisten könnt, dann würde ich den Schritt wagen.