Hallo zusammen in die Runde,
ich bin neu hier und habe ein dringendes Anliegen zu meinen Finanzen.
Ich beschäftige mich gerade zum ersten Mal wirklich ausführlich mit meinen beiden fondsgebundenen Rentenversicherungen und bin inzwischen ziemlich unsicher, was finanziell die sinnvollste Lösung ist. Mir geht es konkret um die Frage, was ich mit diesen beiden Altverträgen machen sollte.
Ausgangssituation
Ich habe zwei fondsgebundene Rentenversicherungen, beide abgeschlossen am 01.09.2007.
- monatlicher Gesamtbeitrag: 100 € (also 50 Euro Monatsbeitrag, je Versicherung)
- bisher durchgehend eingezahlt: 19 Jahre
- insgesamt eingezahlt: 22.800 €
- aktueller Rückkaufswert/Fondsguthaben beider Verträge zusammen: ca. 33.500 €
Damit habe ich trotz der Kosten aktuell einen Gewinn von rund 10.700 €, vor Steuer.
Vertrag 1
Rentenbeginn laut Vertrag:
- 01.09.2046: garantierter Rentenfaktor 22,64 €
- 01.09.2051: garantierter Rentenfaktor 23,97 €
Kosten laut Unterlagen:
- Abschluss-/Beratungskosten: insgesamt 840 €
- zusätzlich 1 € monatlich
- Verwaltungskosten: 5,25 € monatlich
- Fondsverwaltung: 1 € pro 10.000 € Fondsguthaben monatlich
Bei 50 € Monatsbeitrag bedeutet das allein bei den laufenden Verwaltungskosten schon einen erheblichen Abzug.
Vertrag 2
Rentenfaktor laut Unterlagen:
- 2047: 23,96 € je 10.000 € Fondsguthaben
- 2066: 29,33 € je 10.000 € Fondsguthaben
Auch hier kenne ich die vollständige Kostenstruktur aktuell noch nicht, da mir offenbar ein Gebührenkatalog fehlt.Es wird jedoch nicht besser sein.
Aktueller Stand
Zum 31.08.2026:
- Vertrag 1: ca. 20.661 €
- Vertrag 2: ca. 12.818 €
- zusammen: ca. 33.479 €
Ich zahle aktuell weiterhin 100 € monatlich ein.
Mein eigentliches Problem
Ich tendiere dazu, die Verträge beitragsfrei zu stellen, damit ich nicht weiterhin die laufenden Versicherungskosten bezahle.
Am Telefon haben mir die Mitarbeiter gesagt, dass dann keine Verwaltungskosten anfallen, weder die 5,25 Euro, noch dieser eine Euro.
Aber auf meine Nachfrage hin, was ich denn als TER bezahlen muss konnte mir niemand eine Auskunft geben. Dann wird ja sicherlich das Gesamtguthaben angezapft und die TER jährlich oder monatlich abgezogen. Sonst hätte ich ja einen riesen Vorteil zu einem Online Broker und z. B. MSCI World Sparplan mit 0,19% TER. Es wird daher auch eine TER geben, bei der Stuttgarter auf meine Versicherungen, trotz Beitragsfreistellung.
Das Problem:
Der Versicherer bietet für diese Altverträge offenbar ein bestimmtes Fondsuniversum an. Einen günstigen MSCI-World-/Welt-ETF mit z. B. 0,19 % TER kann ich dort nicht auswählen.
Bei den verfügbaren Fonds sehe ich teilweise Kosten von ungefähr 1,5 % bis 2,5 %TER bzw. entsprechend teure Fonds.
Damit wäre die Situation:
Variante A: Beitragsfrei + günstiger ETF innerhalb der Versicherung
→ wäre für mich interessant, scheint aber bei meinen Altverträgen nicht möglich zu sein.
Variante B: Beitragsfrei + vorhandenen Fonds mit ca. 1,5 % TER
→ dann bleibt zwar der steuerliche Vorteil des Altvertrags erhalten, aber die laufenden Fondskosten könnten über Jahrzehnte erheblich Rendite kosten.
Variante C: Kündigen + ca. 33.500 € in ein normales ETF-Depot investieren
→ deutlich günstiger, z. B. mit einem Welt-ETF um 0,2 % TER, aber dafür verliere ich möglicherweise steuerliche Vorteile des Altvertrags.
Welche Kosten fallen bei Beitragsfreistellung tatsächlich an?
Ich habe bereits beim Versicherer nachgefragt.
Die Mitarbeiter konnten bzw. wollten mir keine konkrete TER bzw. vollständige Kostenbelastung für die Fonds nennen. Zunächst wurde mir sinngemäß gesagt, die Fonds seien „komplett kostenlos“. Auf meine Nachfrage, ob zusätzlich zur Versicherung trotzdem die Fondskosten/TER anfallen, wurde eingeräumt, dass dies wahrscheinlich der Fall ist. Aber sie es nicht wüssten.
Dies könnte ich evtl. schriftlich anfragen.
Denn für mich macht es einen riesigen Unterschied, ob ein beitragsfreier Vertrag beispielsweise
- 0,2 %,
- 0,5 %,
- 1,0 %
- oder 1,5 %+
laufende Fondskosten verursacht, da diese Kosten vom Gesamtdepot laufend abgezogen werden würden. Da könnten ja jährlich bis zu 500 Euro sein. Dann fressen die Gebühren natürlich das Depot auf.
Steuerliche Frage
Ein weiterer Punkt macht die Entscheidung schwierig:
Die Verträge stammen aus 2007 und haben offenbar steuerliche Besonderheiten gegenüber einem neu abgeschlossenen Vertrag.
Nach meiner bisherigen Recherche könnte bei einer Auszahlung im entsprechenden Alter (z. B. ab 62, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind) nur 50 % des Ertrags steuerpflichtig sein bzw. das sogenannte Halbeinkünfteverfahren greifen.
Wenn ich jetzt kündige, würde ich dagegen zunächst den steuerpflichtigen Gewinn aus der Versicherung versteuern und anschließend das verbleibende Geld in ein normales ETF-Depot investieren. Dort würden zukünftige Kursgewinne wiederum der normalen Besteuerung unterliegen. Also wäre alles doppelt versteuert.
Bei diesem Altvertrag fallen nur 50% der Abgeltungssteuer an.
Deshalb ist für mich die entscheidende Frage:
Ist es trotz der höheren laufenden Fondskosten sinnvoll, den Altvertrag allein wegen des möglichen Steuervorteils beitragsfrei weiterlaufen zu lassen?
Oder sind die hohen laufenden Kosten so nachteilig, dass Kündigung + günstiger ETF langfristig die bessere Lösung ist?
Meine konkreten Fragen an euch
- Würdet ihr die beiden Verträge bei diesen Zahlen kündigen oder beitragsfrei stellen?
- Würdet ihr schriftlich die TER Gebühren meiner Verträge anfragen? Die können ja nicht einfach sagen, wissen wir nicht.
- Sollte ich beitragsfrei stellen und dann 1 Jahr warten, dann sehe ich ja die Differenz und kann die Kosten errechnen.
Beitragsfrei müsste ich wohl beide Verträge sowieso stellen, denn die Gebühren sind viel zu hoch.
Also wäre die entscheidene Frage, beitragsfrei laufen lassen oder kündigen und die 30 000 Euro privat in einen ETF stecken?
- Würdet ihr vor einer Entscheidung vom Versicherer schriftlich folgende Punkte anfordern:
- vollständige Kostenaufstellung bei Beitragsfreistellung
- sämtliche laufenden Vertragskosten
- tatsächliche Fondskosten/TER der verfügbaren Fonds
- Kosten eines Fondswechsels
- steuerliche Behandlung bei Kündigung
- steuerliche Behandlung bei Auszahlung im Alter
welche ETFs/Fonds für meine Altverträge tatsächlich zur Verfügung stehen?
Aber was würde es für eine Rolle spielen? Das ist alles viel zu teuer, man sieht es ja anhand der genannten Gebühren.
Mein Bauchgefühl ist momentan:
Beitragsfreistellen und in einen günstigen ETF wechseln wäre ideal. Dann könnte ich alles laufen lassen. Das Geld könnte vor Steuer ,,arbeiten",also den Zinseszins mitnehmen und mit 62 Jahren würde ich 50% weniger Steuern auf die Gesamtauszahlung bezahlen, da Altvertrag. Wenn die einen ETF hätten mit 0,3% TER, wäre das ideal. Aber bei 2% TER wären die Kosten wohl einfach zu hoch, wegen diesem blöden ,,Fond-Universum" der Stuttgarter, bei dem die Gebühren einfach 10x höher sind..... geil...
Also gehe ich fast davon aus: Kündigen und neu in ETF investieren und doppelt Steuern zahlen ist die einzige machbare Variante.
Wie würdet ihr handeln oder was würdet ihr machen?
Liebe Grüße
Christoph