Hallo Guybrush,
ich habe mich viele Jahre intensiv mit Bausparberechnungen befasst und im Jahr 2000 bei C.H.Beck-dtv den Ratgeber Bausparen veröffentlicht. Das Buch wird nicht mehr aufgelegt, ist aber für wenig Geld im Antiquariat zu finden.
Bausparen ist die am meisten unverstandene und fälschlicherweise oft als nicht lohnenswert verunglimpfte Finanzierungsform für Immobilien. Folgt man den Tarif- und Sparempfehlungen der Bausparvertreter, so kommt tatsächlich oft ein unattraktives Sparmodell heraus. Wenn man aber die Prinzipien einmal durchschaut hat und den für die eigene Planung geeigneten Tarif individuell bespart, kann Bausparen richtig viel Geld sparen.
Die Berechnung der Bewertungszahlen (BZ) ist absichtlich verkompliziert und bei eigener Berechnung oft nur annäherungsweise an die Prognose der Bausparkasse anzunähern. Das liegt an vielfältigen Faktoren, wie z.B. dem genauen Zeitpunkt der Guthaben- und Zinsberechnung, monatlich, quartalsmäßig oder jährlich vor- oder nachschüssig etc.
Die Berechnungsformel steht in § 4 der Bausparbedingungen und liegt dort nicht als Rechenformel sondern als Prosatext vor. Da die Bausparkassen sich an diese Formeln halten, ist es nicht nötig, sie mit eigenen Berechnungen zu überprüfen. Es gibt keinen Fall, an dem eine Bausparkasse davon abgewichen wäre.
Den besten Überblick erhält man also, wenn man sich von der Bausparkasse eine Verlaufsberechnung mit Darstellung der Guthabens- und der Bewertungszahlenentwicklung ausfertigen lässt. Solange man sich an die dort dargestellte Sparweise hält, kann man daraus ablesen, wann der Vertrag welche BZ erreicht haben wird. Natürlich ist das keine Zuteilungsgarantie, denn die Bausparkasse kann die Zielbewertungszahl (ZBZ), die von der BZ überschritten werden muss, zu den Stichtagen ändern. Hat die Kasse nicht genügend Kapital zur Verfügung, wird die Zielbewertungszahl heraufgesetzt und es kommen dann nur noch so wenige Bausparer in den Genuss einer Zuteilung, dass das Geld reicht. Weil das Kundenvertrauen aber eine gewisse Kontinuität erfordert, wird die ZBZ so selten wie möglich geändert.
Wie verbessert man die Rendite eines Bausparvertrages?
- Tarif mit geringem Mindestguthaben (30 bis 40%) und geringem Darlehenszins wählen.
- Bauspardarlehen in Anspruch nehmen, nicht nur die Guthabenverzinsung im Blick haben.
- Tarife mit flexiblen Tilgungsraten (je nach BZ) möglichst spät zuteilen lassen.
- Sparbeiträge, die höher sind als der Regelsparbeitrag, möglichst früh einzahlen: schnellerer BZ Anstieg.
- Niemals mehr als das Mindestguthaben sparen. Wenn des Geld noch nicht benötigt wird, rechtzeitig unterhalb des Mindestguthabens mit dem Sparen aufhören, nur die Guthabenzinsen erhöhen dann noch die Sparsumme.
Warum? Je höher das Guthaben, umso geringer der Darlehensanspruch. Und: Die BZ steigt auch, wenn keine Sparleistungen eingehen, allein wegen des Guthabensaldos.
Also: Früh einen Bausparvertrag abschließen, damit die BZ sich gut entwickeln kann. Nicht übersparen und so die Zuteilung bis zum richtigen Zeitpunkt hinauszögern. Und: Keine Sorgen machen, Bausparen ist Zinssicher bis zum Ende, wegen festgelegter Tilgungsraten gut kalkulierbar und im Grundbuch an nachrangiger Grundschuldstelle.
Don´t worry
Siegfried Müßig