Betriebsrente weiterführen oder beitragsfrei stellen - was übersehe ich?

  • Hallo zusammen,

    ich habe eine Betriebsrente, in diese zahle ich monatlich 338 EUR aus meinem Brutto. Das heißt ca 196,04 EUR netto.

    Ich zahle seit ca 12 Jahren ein (inkl. Dynamik). Ich bin 39 Jahre alt und verdiene ca 102.000 EUR p.a. zzgl. Mini-Bonus.

    Wenn ich diese Betriebsrente nun beitragsfrei stelle (Szenario 1), bekomme ich zum Jahr 2053 (Renteneintritt) 205 EUR monatlich ausgezahlt. Darauf fallen nach heutigem Stand Sozialabgaben von 11 EUR pro Monat an. Zusätzlich geht die Steuer ab.

    Mein Ziel ist es noch max. 20 Jahre zu arbeiten (bis ich 60 bin - 2046). Würde ich voll weiter einzahlen (Szenario 2) und in 20 Jahren beitragsfrei stellen hätte ich zum Rentenbeginn 2053 pro Monat 517 EUR. Das wären dann 77 EUR an Sozialabgaben zzgl. Steuern die davon abgingen.

    Wie hoch wird die gesetzliche Rente sein? Wenn ich heute voll erwerbsgemindert wäre, läge ich bei 2.100 EUR. Wenn ich bis 67 arbeite 3.000 EUR. Da ich aber ein paar Jahre vorher aufhören will, denke ich mal so ca 2.600 EUR.

    In Szenario 1 würde mein persönlicher Steuersatz im Rentenalter bei ca 11 % liegen in Szenario 2 wohl bei 15% (grobe Schätzung).

    Wir sprechen also netto von einer Differenz von ca 210 EUR pro Monat, und auf 20 Jahre gerechnet ca 50k EUR.

    Wenn ich nun die Betriebsrente beitragsfrei stelle und 200 EUR monatlich in einen ETF lege und mit 3% Profit rechne, habe ich in 20 Jahren 65k EUR. Wenn die Märkte mir gnädig sind, ist das schon inkl. Kapitalertragssteuer. Wenn nicht ca. 50k EUR (ich rechne bewusst konservativ).

    Wenn ich das Geld aufbrauche kann ich bei einem angenommenen Wert von 57,5k EUR (Mittelwert 50 - 65k EUR) pro Monat 317 EUR entnehmen. Dann ist das Geld weg. Dann bin ich 87. Wenn ich die Entnahme auf 200 EUR reduziere und mit der Betriebsrente gleichziehe, dann habe ich noch 20k EUR. Die ja in der Zeit auch für mich arbeiten können. Mit etwas Glück sind das nach 20 Jahren 40k EUR.

    Long Story short: Ich sehe nicht warum sich eine Betriebsrente noch lohnen sollte. Insbesondere dann nicht, wenn man davon ausgeht, dass die Betriebsrenten in Zukunft den vollen Sozialabgaben unterliegen. Ich denke ich stelle meine Betriebsrente beitragsfrei. Warum zögere ich? In einem von Saidis Videos meinte er, es lohne sich wenn man gut verdiene und alt werde...

    Danke im Voraus für den Input.

  • Kater.Ka 8. Januar 2026 um 03:04

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Ich habe eine Betriebsrente, in diese zahle ich monatlich 338 EUR aus meinem Brutto. Das heißt ca 196,04 EUR netto.

    Du hast? Nö. Du zahlst in eine vermutlich betrübliche Rente ein. Was gibt Dir der Arbeitgeber dazu?

    Ich zahle seit ca 12 Jahren ein (inkl. Dynamik). Ich bin 39 Jahre alt und verdiene ca 102.000 EUR p.a. zzgl. Mini-Bonus.

    Du zählst also zu den Besserverdienenden. Immerhin: Bezüglich der Rentenbeiträge macht dadurch bei Dir (anders als bei anderen) die bAV vermutlich keinen oder nur einen kleinen Unterschied. Bei Leuten, die unter der Beitragsbemessungsgrenze verdienen, führt die Einzahlung in eine bAV zu einer (in der Regel nicht berücksichtigten) Minderung der Ansprüche an die gesetzliche Rente.

    Wenn ich diese Betriebsrente nun beitragsfrei stelle (Szenario 1), bekomme ich zum Jahr 2053 (Renteneintritt) 205 EUR monatlich ausgezahlt. Darauf fallen nach heutigem Stand Sozialabgaben von 11 EUR pro Monat an. Zusätzlich geht die Steuer ab.

    Bis 2053 ist es noch lang hin. Was dann auf die Auszahlung der bAV an Sozialabgaben und Steuer abgeht, ahnt heute noch keiner. Du bist gesetzlich krankenversichert?

    Mein Ziel ist es, noch max. 20 Jahre zu arbeiten (bis ich 60 bin - 2046). Würde ich voll weiter einzahlen (Szenario 2) und in 20 Jahren beitragsfrei stellen, hätte ich zum Rentenbeginn 2053 pro Monat 517 EUR. Das wären dann 77 EUR an Sozialabgaben zzgl. Steuern die davon abgingen.

    Das läßt sich nach meinem Dafürhalten auf diese Sicht nicht seriös vorhersagen.

    Aktuell gibt es einen Freibetrag bzw. eine Freigrenze von 197,75 €. Bist Du drunter, fällt weder gesetzliche Krankenversicherung, noch gesetzliche Pflegeversicherung an. Bist Du drüber, fällt gesetzliche Krankenversicherung mit dem vollen Satz für den überschießenden Teil an, aber gesetzliche Pflegeversicherung mit dem vollen Satz vom ersten Euro.

    Die oben genannten 200 € sollten bei unveränderter Gesetzeslage in 20 oder 25 Jahren allemal unter der Grenze sein. Die extrapolierten 500 € vermutlich nicht.

    Wie hoch wird die gesetzliche Rente sein? Wenn ich heute voll erwerbsgemindert wäre, läge ich bei 2.100 EUR. Wenn ich bis 67 arbeite 3.000 EUR. Da ich aber ein paar Jahre vorher aufhören will, denke ich mal so ca 2.600 EUR.

    Ich glaube nicht, daß man das auf 20 oder 30 Jahre seriös extrapolieren kann. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Du angesichts der Demographie in 20 Jahren mit 60 aufhören kannst und gleich eine Rente beziehen kannst. Mag sein, daß Du dann ein paar Jahre als Privatier überbrücken kannst, aber das läßt sich auf eine solche Sicht nicht planen.

    Long Story short: Ich sehe nicht, warum sich eine Betriebsrente noch lohnen sollte.

    Mag sein. Viele Betriebsrenten lohnen sich heute schon nicht. Du verrätst allerdings viel zu wenig von Deiner Betriebsrente, als daß man Deine Gedanken nachvollziehen könnte. Namentlich nennst Du nicht den Arbeitgeberzuschuß und das Sparvehikel (vermutlich irgendwelche festverzinslichen Papiere). Aus Deinen Standmitteilungen solltest Du die bisherige Rendite errechnen können.

    Insbesondere dann nicht, wenn man davon ausgeht, dass die Betriebsrenten in Zukunft den vollen Sozialabgaben unterliegen. Ich denke, ich stelle meine Betriebsrente beitragsfrei.

    Welchen Sozialabgaben Betriebsrenten in 25 Jahren unterliegen werden, ahnt heute noch keiner.

    Warum zögere ich? In einem von Saidis Videos meinte er, es lohne sich wenn man gut verdiene und alt werde...

    Viele Rente lohnen sich, wenn der Rentner besonders alt wird. Das ist eine triviale Erkenntnis. Der Gutverdiener bekommt vom Arbeitgeber relativ mehr als ein Wenigerverdiener, weil der Arbeitgeber beim Gutverdiener keine Rentenbeiträge spart, wohl aber beim Wenigerverdiener.

    Ein Geschehen, das von mehreren Faktoren abhängt, läßt sich schlecht fassen, wenn sich mehrere Faktoren gleichzeitig ändern (wie es hier der Fall ist).

  • Du zählst also zu den Besserverdienenden. Immerhin: Bezüglich der Rentenbeiträge macht dadurch bei Dir (anders als bei anderen) die bAV vermutlich keinen oder nur einen kleinen Unterschied. Bei Leuten, die unter der Beitragsbemessungsgrenze verdienen, führt die Einzahlung in eine bAV zu einer (in der Regel nicht berücksichtigten) Minderung der Ansprüche an die gesetzliche Rente.

    Die Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung liegt 2026 bei 101.400, wenn er 338 monatlich einzahlt kommt er da drunter und das mindert dann die Einzahlung in die gRV. Erst wenn er nach Abzug der Beiträge zu bAV noch darüber liegen würde, hätte das keinen Einfluss mehr.

  • @Achim Weiss Erstmal Danke für die ausführliche Antwort!

    Was gibt Dir der Arbeitgeber dazu?

    Früher 40 EUR. Heute hat er eine Extra betriebliche Rente (Metallrente) abgeschlossen und die 40 EUR fließen dort ein. Mit etwas Pech käme ich damit wohl über den Freibetrag.

    Was dann auf die Auszahlung der bAV an Sozialabgaben und Steuer abgeht, ahnt heute noch keiner. Du bist gesetzlich krankenversichert?

    Korrekt ich bin in der gesetzlichen Krankenversicherung. Ja wir können natürlich nicht absehen, was bis dahin passiert, ich denke besser wird es allerdings nicht werden. Daher gehe ich davon aus, dass im Zweifel mehr abgeht. Am Ende vom Tag muss ich ja die Wahrscheinlichkeiten der Kosten der beiden Optionen vergleichen und hierbei Schätzungen abgeben welche Kostenfaktoren in beiden Optionen anfallen können, da scheint es mir wahrscheinlicher, dass die Abzüge bei der betrieblichen Rente höher ausfallen als auf Kapitalerträge (ich weiß kann auch hier nicht ausgeschlossen werden).

    Ich kann mir nicht vorstellen, daß Du angesichts der Demographie in 20 Jahren mit 60 aufhören kannst und gleich eine Rente beziehen kannst. Mag sein, daß Du dann ein paar Jahre als Privatier überbrücken kannst, aber das läßt sich auf eine solche Sicht nicht planen.

    Ja ich muss defintiv bis 67 bzw 70 aus privaten Mitteln übebrücken. Dazu ist aber in sechs Jahren eine ETW abgezahlt und es gehen monatlich 2.000 EUR in ETFs.

    Sparvehikel (vermutlich irgendwelche festverzinslichen Papiere). Aus Deinen Standmitteilungen solltest Du die bisherige Rendite errechnen können.

    Zum Sparvehikel konnt eich tatsächlich nichts finden - ist eine Pensionskasse. Rendite im niedrigen einstelligen Bereich.

    Ein Geschehen, das von mehreren Faktoren abhängt, läßt sich schlecht fassen, wenn sich mehrere Faktoren gleichzeitig ändern (wie es hier der Fall ist).

    Deswegen bin ich ja hier, um eine hier eine Entscheidung treffen zu können. Als weiterer Faktor kommt hinzu, dass die Versicherung noch einen BU Baustein enthält. Sollte ich BU werden zahlt sie die Beiträge bis 2048.

  • @Achim Weiss Erstmal Danke für die ausführliche Antwort!

    Gern geschehen.

    [Was gibt der Arbeitgeber dazu?]

    Früher 40 EUR. Heute hat er eine extra betriebliche Rente (Metallrente) abgeschlossen und die 40 EUR fließen dort ein. Mit etwas Pech käme ich damit wohl über den Freibetrag.

    Welchen Freibetrag?

    Das gesetzliche Minimum für den Arbeitgeberzuschuß zu einer betrieblichen Altersversorgung sind 15%. Diese 15% sind typischerweise ein gutes Geschäft für den Arbeitgeber, den er spart durch die Gehaltsumwandlung typischerweise mehr ans Sozialversicherungsbeiträgen als diese 15%. Das ist bei Dir etwas anders, weil Du sicher über der Beitragsbemessungsgrenze für die GKV bist und vermutlich auch über der Grenze für die GRV.

    Als Anlageinstrument sind bAV-Verträge schlecht, viele bereits in der Sparphase, fast alle aber in der Auszahlphase. Ein hoher Arbeitgeberzuschuß bis hin zu 100% mag die Kalkulation umdrehen, Du bekommst aber sogar noch weniger als das Minimum, also dürfte sich die Sache für Dich nicht rentieren.

    [Ich bin 39 und weiß heute schon, also 21 Jahre im voraus, daß ich mal mit 60 aus dem Berufsleben ausscheiden werde.]

    Ja ich muss definitiv bis 67 bzw 70 aus privaten Mitteln überbrücken. Dazu ist aber in sechs Jahren eine ETW abgezahlt und es gehen monatlich 2.000 EUR in ETFs.

    [Worin spart die bAV eigentlich? Hast Du aus Standmitteilungen mal eine Sparrendite errechnet?]

    Zum Sparvehikel konnte ich tatsächlich nichts finden - ist eine Pensionskasse. Rendite im niedrigen einstelligen Bereich.

    Der "niedrige einstellige Bereich" ist ein weites Feld. Eine klare Zahl wäre eine bessere Entscheidungsgrundlage.

    Deswegen bin ich ja hier, um eine hier eine Entscheidung treffen zu können. Als weiterer Faktor kommt hinzu, dass die Versicherung noch einen BU Baustein enthält. Sollte ich BU werden zahlt sie die Beiträge bis 2048.

    Damit machst Du jetzt ein neues Faß auf. Wenn man die Finanzlage eines anderen Menschen beurteilen soll, braucht man alle Informationen, und zwar sinnvollerweise gleich von Anfang an. Diese tröpfchenartige Nachlieferei ist zwar sehr beliebt und wird auch regelmäßig praktiziert, aber sie verwirrt mehr, als daß sie Klarheit schafft.

  • Welchen Freibetrag?

    Ich meinte die aktuell ca 195 EUR

    Hast Du aus Standmitteilungen mal eine Sparrendite errechnet

    Lag von 2024 zu 20 25 bei 4,9 %.

    Wenn man die Finanzlage eines anderen Menschen beurteilen soll, braucht man alle Informationen, und zwar sinnvollerweise gleich von Anfang an.

    Vollkommen verständlich und sorry dafür, hatte das erst bei der genauen Berechnung der Rendite wieder gesehen.

    Schönes WE

  • Hast Du aus Standmitteilungen mal eine Sparrendite errechnet?

    Lag von 2024 zu 2025 bei 4,9 %.

    Du besparst diese Rente bereits seit 12 Jahren. Gibt es wohl auch Renditezahlen für die anderen Jahre?

    Siehste: Genau das habe ich gemeint, als ich geschrieben habe:

    Wenn man die Finanzlage eines anderen Menschen beurteilen soll, braucht man alle Informationen, und zwar sinnvollerweise gleich von Anfang an. Diese tröpfchenartige Nachlieferei ist zwar sehr beliebt und wird auch regelmäßig praktiziert, aber sie verwirrt mehr, als daß sie Klarheit schafft.

    Die Antwort auf Deine Fragen liegt in allererster Linie in Deinen bei Dir vorhandenen Unterlagen. Dort stehen die Zahlen, die man zur Beurteilung braucht. Ja klar, es macht eine gewisse Mühe, sie herauszusuchen und in eine passende Tabelle einzutragen. Aber ohne das geht es schlichtweg nicht. Der erste, der Dir Deine Fragen beantworten kann, bist Du selber. Im Moment hast Du den notwendigen Überblick noch nicht, weil Du selbst eben Dich bisher darum gedrückt hast, die notwendige Recherche zu treiben. Aber statt daß Du Dich nun ans Werk machst, fragst Du hoffnungsfroh im Forum nach in der Hoffnung, daß hier einige Hellseher verkehren, die Dir die Mühe abnehmen.

    Keine Chance. So funktioniert das leider nicht.

    :)